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Jüdische Rundschau · 1934-03-20 · Heft 23 (20.3.1934) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 23 (20.3.1934)
Date
1934-03-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Unter Hcrjtekskhti^nm^ <Icr van imlischcn Acrzteu versorgten arabischen Bevölkerung wurde L höchstens auf die Zahl von 300 Einwohnern pro Ar/t Lntnrn■ Ih «k normale Verhältnis *aU! etwa 1000 Ein- «01111 er pro Arzt als angemessen ar,/״sehen sind, ist es Mar, <13» li1c Lxirten/basis für die vorhandenen Acr/te /u «hin,1י hl und dan cs zu Schwierigkeiten kommen muß, pjC Siliiati״» wird noch dadurch erschwert, daß ca. '׳, der jüdischen ßevölker 1111g in der Krankenkasse organisiert ist Jjc mit fest angcstelltcn Aer/ten arbeitet und ca, 100 Acr/tc «11z ״der teilweise beschäftigt. Die übrigen 800 Aer/tc sind aut die freu’ I raxis angewiesen. Auch von dieser uirtl noch cm Teil durch Wohlfalirtsinstitutc (Hadassa, Missionen) är/tlich versorgt.!3 ist ein Irrtum, an/1111ch111en, daß durch die große ^lil von Aer/ten ein besonders guter (i e s u n d 11 c i t s - 11 ן s t a 11 d gesichert wird. (in״/, abgesehen davon, daß ein ״oder Teil der Acr/te wenig üclegcnheit zur;ir/tlidten Tätigkeit hat, wird durch eine übermäßige Konkurrent der Acr/te untereinander das moralische mul iiicdi/iniselie Kiveait eher erniedrigt als erhobt. Schon jetzt machen sich onlifhs.imc .Erscheinungen bemerkbar. Es werden ״Volksnoliklinikcn1‘ gegründet, die ״allen Minderbemittelten und Hilfsbedürftigen für geringe Preise ärztlichen Beistand getv,ihren“. Da die minderbemittelte Bevölkerung schon ausreichend durch die bestehende» Polikliniken billige är/tliehe Hilfe bekommt, liegt ein Bedürfnis für solche Griindungen nicht vor. Sie dienen lediglich dazu, den Preis für die ärztliche Tätigkeit und damit den Qualitätswert der ärztliehen Leistung zu erniedrigen. (3 wäre außerordentlich bedauerlich, wenn die Ein- «äiiticniug hochqualifizierter Acr/tc aus Deutschland dem Lande keinen Nutzen, sondern geradezu Schaden bringen »iirde. Ls müssen Mittel und Wege gesucht werden, diesen kulturell, wirtschaftlich und moralisch hochstehenden Beruf ml seinem Niveau zu erhalten. Die ß c r 11 f s 11111 s c 11 i c 1111111 g als Mittel zur Entluhmg des iir/tlichcn Arheitsmarktes allgemein zu euipfchloii, erscheint nichl zweckvoll. Allerdings sind schon eine größere Anzahl von Aer/ten in andere Bernte ühergegangen, Aer/te sind in der Landwirtschaft, in der Geflügelzucht, als Chauffeure tätig. Diese Lösung, die praktisch mir für einen ־)״ringeii Pro/e11ts;t/ in Frage kommt, kann aber national• »irlwli.iftlich nicht als voll befriedigend angesehen werden. Es kann nicht sinnvoll sein, aus gut ausgebildcten und erfahrenen Aer/ten mittelmäßige Landwirte oder Handwerker zu machen. Ls muß vielmehr das Bestreben sein, die Kennt• nissc und Eäliigkciteit der Aerzte so auszunutzen, daß sie hem Lande wirtschaftlich und sozial Nutzen bringen. Dies kann mir mit Hilfe der öffentlichen Institute des hndrs geschehen, Folgende Richtlinien kommen da• hei in Betracht: 1. Die Benachteiligung des jüdischen Bcvölkcrungstcils in der (i e s 111! d 11 e i t s v e r w a It 1111 g <1 c r Regierung ist auf die Dauer nicht tragbar. Obwohl die jüdischen Aerzte?0f׳n aller im l aude tätigen Aer/te bilden, befindet sich in der zentralen (icsumlh ׳itsabteilu1״g der Regierung überhaupt kein jmlischcr Arzt. Obwohl die Einwanderung fast aus• schließlich aus Juden bestellt, die erhebliche Ucbcrsehiissc in ücbiihren aufhringen, werden die Einwanderer im Hafen von Jaffa ausschließlich von nichtjüdischen Aer/ten ahge• fertigt. Auch im Bezirksgesumilieitsanit von Jaffa befindet sich kein jüdischer Arzt. Im ganzen Bezirk Jaffa-Tcl-Awiw sind nur zwei jüdische Aerzte beschäftigt, einer als Bezirks* arzt in Tcl-Awiw und ein zweiter als Arzt am Rcgicrungsspital in Jaffa. Aelmlieh liegen die Verhältnisse allgemein. Dazu kommt, daß mit der steigenden Einwanderung auch eine stärkere Belastung der Gesundheitsämter eintritt, die eine NVueinstellung von Aer/ten, besonders in den jüdischen Sicdclungsgchictcn, nötig macht. Es wäre dringend erwünscht, wenn die Jcwish Agency darüber mit der Regierung ver• handelte. Auf diese Weise könnte eine Anzahl Aerzte zum Nutzen der Bevölkerung gute Verwendung finden. 2. Ls ist bedauerlich, (laß die j ii d i sc 11 c K o 1 o n i 5 a t i o 11 last ohne verantwortliche ärztliche Beratung vor sieh geht. In der Jcwish Agency ist־ überhaupt kein Arzt tätig. Der Waad I ciimi, die leitende politische Behörde des jischuw, hat eine är/tlich geleitete (re• sundlicitsahteihmg (Waad habriuth), die aber keine sanitären Aufgaben hat. Dabei gibt es eine Anzahl Arbeitsgebiete, die ärztliche Mitwirkung notwendig machen, so die gesmullicitliehe l'rhcrwacliung und Belehrung der Alijah, die ärztliche Stellungnahme bei der Planung und dem Ausbau von Sied- Jungen, die ärztliche Mitarbeit in der sozialen Fürsorge in Jer Gowcrbcliygicnc. Ls wäre notwendig, daß der Wand Leunii in «len verschiedenen Siedlungszentrcn hygienisch Und lürsorgeriseh vorgcbildctc Aer/tc anstcllt. 3. Die Gesund h e i t s f ii r so rg e ist bisher zersplittert u'1d wird ohne organischen Aufbau von verschiedenen In- ÜiUiten nach ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten geleitet. Die Schulgestnidhriispllcgc ist hauptsächlich in den Händen der Hadassa. Bisher sind auf diesem Gebiet wenig Aer/tc tätig. P>e Arbeit wird in der Hauptsache von Schwestern geleistet, ohne die Arbeit als solche zu kritisieren, scheint doch angebracht, die Frage aufzuwerfen, ob nicht tu diese Arbeit wesentlich mehr Aerzte eingeordnet werden könnten, I s wäre möglich, diese Arbeit durch stärkere Ver- Wendung von Schulärzten auszubauen und zu vertiefen. , 4. Die Behandlung Unbemittelter geht zurzeit ״״ wesentlichen auf Kosten der Aer/te. Entweder es bcstehen Öffentliche Polikliniken, die die Unbemittelten (und n|d1t nur die Unbemittelten) kostenlos oder für geringe Bc- *ahlung behandeln, oder die Unbemittelten kommen zu den?'״len direkt und werden von ihnen kostenlos behandelt. Ncher wird — von Ausnahmen abgesehen — kein Arzt seine .ille von «Jcr Bezahlung abhängig machen. Aber cs 1licht ein/iisclieu, daß in einer Zeit, da cs dm anderen Gien sehr gut geht, dein Aer/testand aber schlecht, die Last medizinischen Hilfe für die Minderbemittelten allein aut ®ייז Aer/ten liegen soll. Keinem anderen Beruf wird em *olches Verhalten ziißcniutet. Zweifellos ist es sehr ehrenvoll ־״״ den ärztlichen Stand־, aber zurzeit scheint es doch an- Wir,Id,ן, t|it. Kosten der iir/illelien Versorgung Mmd(- ticmiitofier a״f <|jc Allgemeinheit zü übertragen; dabei sollte ‘h'r die ärztliche Tätigkeit auf diesem Gebiet nicht mono- Polls•«•׳« werden. Mit anderen Worten: die arincnar/tlichc *atigkcit sollte so aiisgcbaut werden, wie es in anderen ^״dern schon geschehen ist. Wer ärztlicher Hilfe bedarf, *bsT nicht imstande ist, dafür zu zahlen, erhalt c׳ncn vom Waad hakehillah (oder von einer a״dcrc" 0 ל!,‘l •*hrtsstclle), kann sich damit zu jedem Arzt begeben, der *rzt erhält für seine Tätigkeit dann eine Entschädigung von r^ohlfahrtsstdle. Für die Tätigkeit des Arztes in ,®nlfahrtspraxis wird ein besonderer Tarif vereinbart. '1״em solchen System könnten sämtliche Armenpohkhmken *'schlossen werden. b. Die Bestrebungen, Palästina zu einem Zentrum für Heil- und K 11 r b c d ii r f t i g c zu machen, sollten energisch gefördert werden. Alle Voraussetzungen dafür sind gegeben. Der Strand des MiUclnieercs, gleichmäßiges, im allgemeinen mildes, aber an verschiedenen Punkten ahgestuftes Klima, heiße Quellen in Tiberins — also sehr günstige natürliche Bedingungen. Dazu die Anziehungskraft «les Landes f 11 r Tourislen. Nun befinden sieh im Lande ׳eine große Anzahl Acr/te von Ruf. Es wäre im Interesse des Landes, die Acr/tcschaft nicht in luftigem Lebenskampf zu schwächen, sondern die Situtalion auszunutzen und Ein* richtuugen, die der Entwicklung Palästinas zu Kurzwecken ,!1'"‘’1,י .n1 begünstigen. Dazu gehört in erster Linie, daß die Errichtung von Sanatorien und Kliniken erleichtert wird, 1 ־* ״.. H•. die alte aus der Tiirkcn/eit stammende Vorschrift, daß für jede Privatklinik eine Bodcnflächc von mehreren Dun,am zur Verfügung stehen muß, von der Regierung aufgeflohen wird (sic macht bei den heutigen Preisen die Errichtung einer Privatklinik in Tcl-Awiw unrentabel und da• 1111t unmöglich). |:s muß ferner von den in Frage kommen• den Ortswrwnltimgen endlich Ungesehen werden, daß für Kurbe/irke entsprechende Einrichtungen geschaffen werden, daß Verkchrsordming, Bebauung um! Rcpflan/ung den Bedürfnissei! Frholungssiichcndcr angepaßt wird. Es muß schließlich das Werbewesen im Ausland zentralisiert werden. ö. Ls ist ferner nötig, «las Ansehen u n d <1 c 11 Einfluß der Acr/tcorganisation in jeder Weise zu stärken. Die Aerztcorganisaiion hat zwar eine Reibe von Beslimintmgcii beschlossen, die hier ebenso wie in an- «leren Ländern das berufliche Niveau sichern sollen; diese Bestimmungen stehen aber meist auf dem Papier; cs fehlt an Machtmitteln, sic durchzusctz.cn. Nun ist die Schaffung einer jüdischen Acrztckammcr, die durch die Regierung anerkannt würde, aussichtslos. Doch gibt es zwei Wege, die das Ansehen und die Kraft der Acr/tcorganisation so erhöhen könnten, daß sie imstande wäre, in ihren Reihen Ordnung zu halten, daß sic unterbinden, liir Fortbildung für Aerzte schaffen konnte, kenmtng durch die jüdischen dischon Institute beschließen schuftigen, tlie zur Acr/teorgauisatinn solchen Aer/ten Verträge schließen, nur unlauteren Konkurrenzkampf sorgen, soziale Einrichtungen Der eine Weg ist die Aller• Institute. Wenn sämtliche jüwürden, nur Aerzte zu bc* geboren, nur mit Atteste von solchen Aer/ten anerkennen würden, so wäre damit schon eine er• liebliche Stärkung des Ansehens der Organisation erreicht. Dieser Weg wäre ohne Schwierigkeit gangbar. Der andere Weg• wäre die Schaffung regionaler Aer/trkammcrn, etwa nach dem ׳ Vorbild der Zwangsinmingcn in Deutschland. Wenn in einem Bezirk die Mehrheit der Aerzte die Bildung einer Kammer beschließt, so könnte die Regierung ihr die entsprechenden Rechte verleihen (Zwangsmitglicdschaft, Diszi• plmarbcfugnis), Dies würde wahrscheinlich nur in einzelnen rein jüdischen Gebieten möglich sein; immerhin läßt das Gemeinde ver waltungsgesctz auch die Bildung nationaler Bezirke in gcniischtnationalcn Gebieten zu, was sieh hierbei auch auswirken könnte. Auf jeden Fall ist das Bedürfnis nach einer besonderen Standesgesctzgebmig in der Aerzte• Schaft zurzeit sehr groß und sehr begründet. Die Ausführung «liescr Vorschläge konnte schon eine fühlbare Erleichterung der Lage der Acr/te bringen zum Nutzen der Bevölkerung. Sicher gibt cs noch andere Wege, z. B. Bau neuer und Vergrößerung bestehender Krankenhäuscr, eine Forderung, deren Erfüllung dringend notwendig ist. Es ist aber hier davon abgesehen worden, Vorschläge zu machen, deren Erfüllung von besonderen linanzicllcn Voraussetzungen abhängig ist. Die oben gemachten Vorschläge sind sämtlich durchführbar, ohne daß erheb• liehe Kosten sachlicher Art entstellen. Auch nach Durch* führung dieser Vorschläge wird die Lage der jüdischen Aerzte sehr unsicher sein; aber es ist doch zu hoffen, daß sie wenigstens einem Teil «1er Aerzte die Möglichkeit geben, zu existieren. N. ist Bc-?ז-ח Von Dr. Felix A. Theilhaber Wir dürfen als bekannt voraussclücken, daß Wissen ein moralisches Postulat der luden des Mittelalters war. Als aber die Emanzipation den Juden die Möglichkeit gab, sich in jeder Weise auch die deutsche Bildung anzu• eignen, zeigte sich, «laß der Besitz der deutschen Kultur auch der Schlüssel zum wirtschaftlichen Aufstieg war. So st eilte sieb für das Biklungsstrcbcn ein vermehrter Anreiz ein. Die Tradition, sich mit geistigen Gütern zu beschäftigen, . bekam neu«: Impulse. Die Großstadt, in die man aus anderen Motiven iihersiedelt war, erleichterte die Ausbildung. Die Mode, die Kinder studieren zu lassen, ausgehend von den• jenigen, die Lernen und Wissen an sich hochschätzten, ergriff alle, da die Macht des Geistes für Erwerb, Eheschließung, tür jede Stellung in! Leben die beste Voraussetzung war. Eine einzige Ziffer illustriert die Verbreitung der Bildung unter den Juden. 1013 waren unter je hundert militär• pflichtigen Juden fünfzig im Besitz, des sogenannten Einjährigenselieiiis, Wenn man dagegen die Anzahl bei der übrigen Bevölkerung betrachtet, so erhält man statistisch geradezu ph; iifasiiselie Differenzen. Von je hundert Protestanten kamen je «frei lind von hundert Katholiken zwei mit derselben Vor* bildiing zum Militär. Danach hatte die Hälfte der deutschen Juden eine abgeschlossene, gehobene Schulbildung. Nun gab cs aber einen weiteren Prozentsatz von Schülern, die in der höheren Schule nicht gut initkamcn oder die aus wirtschaftlichen Gründen vor dem Abschluß abgingen. Danach besuchten ca. 60 bis (13״״ der jüdischen Kinder höhere Schulen. Tatsächlich altspricht diese Annahme den Statistiken, die in ausführlicher weise in dem Buch ״Der Anteil der Juden am Unterrichtswesen in Preußen“ gegeben sind. Im Durchschnitt besuchten im Jahre 10(11 ca. f>5 ׳״« Juden höhere Schulen, Nach Provinzen kamen in höhere Schulen als die Volksschule von den jüdischen Kindern; In der Provinz: Sachsen 00,0״!() Brandenburg und Berlin 70—75,0״;» Schlesien, Pommern, Ostpreußen, Schleswig, Hessen. Posen 50—65,0״/« Hannover Westpreußen 46—10,0״;« Rheinland, Westfalen 36—38,0 ׳,״» Holte 11/ollern 17,0 0'״ Die Jiiilen hatten den Nutzen einer guten Bildung rasch ertaßt. Die großstädtische nichtjüdische Bevölkerung ging bald denselben Weg. So war zum Beispiel in Berlin der Unterschied zwischen Juden und Christen im Schulbesuch höherer Anstalten bei weitem nicht so groß wie anderwärts, von «ler Provinz Posen z. B. ganz zu schweigen. Langsam suchte auch die nicht jüdische־ Bevölkerung ihren Kindern eine gehobene Ausbildung und damit ein besseres Fortkommen zu ermöglichen. Bei'den Juden hafte der Trieb, der Jugend durch einen guten Schulunterricht eine Erleichterung des Lebenskampfes zu erwirken, bereits um die Jahrhundertwende — wie wir gesehen haben — die weitesten Kreise erfaßt. So zeigen die Ziffern geraume Zeit später vom |ahre 1025 für Berlin keinen vermehrten Besuch jüdischer Schüler an höheren Schuten. (Die Differenzen erklären sich für die Zeit nach dem Krieg aus dem Fortfall der Vorschulen der Oymnasten; daher entsteht eine Zunahme «kr Volksschüler; 1061 waren die Vorsclüilcr von Gymnasien unter den höheren Schülern gezählt.) Es gab im Stadtkreis Berlin jüdische Schüler im 5«mm*rl90i um 1.3.132$ an Höheren und Mitlel-Schulcn 8 017 7 410 an Volksschulen 3 838 4 211 12 755 11 630 der Bei Obwohl Berlin auf Kosten der Provinzgemeinden von 1001 bis 1025 um 50 000 jüdische Seelen /״genommen hatte, fand keine absolute Vermehrung der jüdischen höheren Schiller statt. Die Kindcr/alil stagnierte intolgc des Geburtcnrückganges und die Zahl jüdischer Kinder an höheren Schulen blieb konstant wegen der bereits um die Jahrhundertwende «hirehgeliilirti'ii überwiegenden Ausbildung der jüdischen Ju• geml in höheren Schulen, Während also die jüdische Jugend in den Berliner Gyn»• nasien der absoluten Zahl nach gleich blieb, aber schon relativ sank, nahm sie in der Provinz entsprechend der Minderung der jüdischen Bevölkerung und der starken Geburtenreduktion ab. Diese Entwicklung hätte mit der Zeit greifbar in Er• schcinung treten müssen. Sic zeigte sich übrigens, wie wir sehen werden, bereits an den Universitäten. Am auffallendsten äußerte sich das vermehrte Bildungs• streben an den Hochschulen. Hier studierten 1031/32: 3374 Juden (neben 986 ausländi• sehen Juden), d. h., es waren Juden von den 90 728 einhei• mischen Studenten 3,77 «/o, von Studierenden aller Hochschulen• jedoch nur 3 ״״. In «len technischen Hochschulen war der Prozentsatz der deutschen Juden nämlich nur 2,2 ״׳״. Leider existieren für das ganze Reich keine alten Vcrglcichszitfern; die Zahlen aber z. B. für Preußen geben einen gewissen Uebcrblick. Im Jahre 1802.93 betrug der Prozentsatz der preußischen Juden, die au einheimischen Hochschulen immatrikuliert waren, 0,34. Vor 40 Jahren war also der Anteil der jüdischen Studenten neunmal so groß wie ihrer Bcvölkcrungsschicht entsprach. Das wirkte sich in einzelnen Fakultäten noch bc• sonders auffallend aus. Um die Jahrhundertwende bildeten die jüdischen Mediziner an den preu- Bischen Hochschulen 15—18״«, im Jahre 1031/32 war ihr Prozentsatz unter den Medizincrnin Deutschland auf 7,2 ״> z 11 r ti c k g c g a n g c n. Aut der Hochschule studierten die Juden am liebsten, der geistigen Anregung wegen, in den Großstädten. Ein großer Teil stammte aus ihnen, da aller Juden in den Großstädten lebten. So waren von «len jüdischen Studenten Preußens des Jahres 1000 bereits 25״״ in Berlin geboren. Die Wirtschafts• entwieklnng der deutschen Juden, 11. a. auch der latente Anti• sernitisnms ln den Kleinstädten, bedingten «lic Flucht vom Land und den Umzug nach den Grollst,1«ltcn. Der frisch diplomierte junge Arzt fand in Berlin, Frankfurt, Hamburg, Breslau, hochstehende jüdische Krankenhäuser, ati denen er seine Ausbildung fortset/cn konnte. Während die Univcrsi• tätskliniken und Provin/krankcnhäuser jüdische Assistenten in bescheidenstem Ausmaße annalimcn, kamen sie an den großstädtischen Anstalten leichter unter. Daraus erklärt sich die Anhäufung jüdischer Aerzte an ein• /einen derartigen Instituten. Nach Ablauf der Ausbildung ent• schied sich die Mehrzahl auch der auswärts beheimateten in der Großstadt zu verbleiben, was zu der Uebcrfüllung der Hauptstädte mit jüdischen Acrztcn beitrug. Nach den vorliegenden Auszählungen gab es 1931/32 an den Hochschulen in Deutschland litt männliche und 524 weib• liehe jüdische Mediziner (davon 709 männliche und 518 weibliehe reichsdfiitsche). 1886 87 studierten allein in Preußen 606 rcichsinläiulischc Juden Medizin und in ganz Deutsch• land etwas über KMX). Inzwischen hat die Zahl der nichtjüdi• sehen Mediziner recht beträchtlich zugenommen. Die jüdi• sehen männlichen Mediziner machten 1931,32 nur noch 4,7 "/o der deutschen Mediziner überhaupt aus. Dieser Rückgang der männlichen jüdischen Mediziner wurde durch das zu• nehmende Studium jüdischer Medizinerinnen aufgchalten. Das Fraucnstudium nahm gerade viele Jüdinnen auf. Wie ursprünglich beim Studium überhaupt, so ergriffen die jüdisehen Mädchen die Gelegenheit, sieh Bildung und eine geach• tctc Stellung zu erringen. 1020 zählten sie in Preußen 17 0> der Studentinnen der medizinischen Fakultät, also genau ebensoviel wie ihre männlichen Kameraden vor einem Lebensalter unter der medizinischen Studentenschaft ausgemacht hatten, 1931 32 in ganz Deutschland noch immer 12,5 ״י׳; da• durch betrug der Gcsamtantcil der jüdischen Studieren• den der Medizin in ganz Deutschland immer noch 6״/«. Bedeutsam ist nun die Zahl der jüdischen Aerzte. Silberglcit hat sie für «las Jahr 1025 ausgezählt. Fs gab damals in Preußen deren 4565, von denen etwas über die I lallte anscheinend in Berlin lebte. Für ganz Deutsch• land können wir die Zahl der jüdischen Aerzte auf 6006 ver• anschlagen, d. h. zirka 10 n/0 der deutschen Aerztescliaft, ein Prozentsatz, der nach der von uns aufgezeigten Entwicklung im Laute der Jahre allmählich auf 6 ״״ herabgegangen wäre. Von den 6000 jüdischen Aerztcn waren Anfang 1933 etwa 5600 niedergelassen, 1000 in der Fortbildung bzw. kurz vor der Niederlassung, etwas über UDO im Studium. Von diesen letzteren 1600 werden tlie wenigsten in Deutschland ihr Fort• kommen in ihrem Beruf finden. Von der Kassenpraxis aus• geschlossen wurden gleichfalls über 2600. Die Mehrzahl hatte die Orts-, Landusw. Krankenkassen, ein Drittel erst die kaufmännischen Kassen und Patienten der freien Versieherungen. Unter den Ausgeschlossenen sind fast restlos die 750 weiblichen Aerzte vertreten. Die im Studium begriffenen Mediziner sind zumeist bereits in der Auswanderung begriffen. Von den jüngeren, ehemaligen Kassenärzten folgt ein größerer Teil nach, selbst von det^ ״/.(igelasscncn“ haben ungefähr 200 Deiitsrhlaml verlassen. Es scheiden also gegen 50 ״;«, etwa 3000 —3500 jüdische Medi« ziner aus. Achnlich liegen die Verhältnisse — auch rein Ziffernmäßig — bei den I u r i s f e n. Die Zahl der Jura studierenden Juden war fast gleich groß. Im Jahre 1031/32 gab es 1012 Juden auf den Hochschulen, die Rechtswissenschaften hörten. Darunter waren 160 Frauen und 112 Ausländer. Auch hier waren die Jüdinnen mit 16 ״« der Juristinnen anteilmäßig besonders stark vertreten. Aber trotzdem ging der Anteil der jüdischen Juristen von Jahr zu Jahr zurück. 1887 studierten in Preußen noch 9 •/# Juden Jurisprudenz, im Jahre 1931/32 zählte man (die Frauen eingerechnet) hn ganzen Reich 5,8 */••

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