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Jüdische Rundschau · 1925-06-30 · Heft 51 (30.6.1925) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 51 (30.6.1925)
Date
1925-06-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 448 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 51 Einwanderung und Siedlung auf dem Lande Von Dr. S. E. Soskia, Tel-Awiw. Man kennt tchon die Antwort: „Die neue Einwanderung kam unerwartet, wir »Ind nicht vorbereitet, wir sind ein junges Kolonialvolk, die Anderen haben eine langjähtiRC Erfahrung." Darum flrttt man die merkwürdigsten, stets aber unruhig bllrkeiidcn Gestalten auf den Straften Tcl-Awlws, auf den Sandflächen von Judäa, auf den tief braunen Böden des Emek, mit der einen Frage auf dem Gesicht: Wo erhalten wir noch Land. Es »ind Landsucher. Sie sind gesandt von ihren Oruppen und Vereinen In Polen, Litauen, manchmal Transsylvanlcn, Rumänien, aber hauptsächlich aus Polen. Bc- §leitet von Maklern »türmen ile in Auto» von Tel-Awiw nach en Teilen de« Lande«, wo man ihnen Land verspricht. Sie verhandeln mit den Vertretern der Exekutive In Jerusalem, der P.LD.C, der Oeulah, des Meschek. Ucberall die Antwort — es gib» kein Land für euch. Die Preise »ind zu hoch, die Araber wollen nicht verkaufen. Palästina lit für Euch schon ausverkauft. Ein anderes Bild. Der Einwanderer ist glücklicher Bc« sitzer von Land. Er hat 100 Dunam in Kutkut oder 50 Dunam in Iksal oder 10 Dunara in Atuleh. Er führt nach den betreffenden „Orten", fragt, wo Ist das Land, will davon Besitz ergreifen. Auf der einen Stelle heißt es, man müßte erst die Sümpfe trockenlegen, bei der anderen ist man mit der Vermessung beschäftigt, an der dritten wird am Stadtbauplan gearbeitet. Per unglückliche Kolonist muß warten, warten, a h. Üeld In der Madt verzehren, und oft unverrichteter Dinge zurückkehren. MuBte denn das Alles so eintreffen? Waren unsere „Baumeister" des Landes Israel unvorbereitet? Vor sechs Jahren erschien das Duch von Dr. Runnin ..Der Aufbau des Landes Israel", in welchem er bis in die einzelnen Einzelheiten die Organisation von Fonds, Gesellschaften, Einrichtungen schildert, die großen Kapitalien, die hierfür erforderlich sind, berechnet, Voranschläge für die einzelnen Siedler aufzeichnet, Schemata der Kolonlcgründung aufstellt. Im ersten Jahrzehnt sollten Jährlich angesiedelt werden: 100 Oroßpflanzcr, 400 Pflanzer. 500 Oetreidebauern, 500 Kleinsiedler und 500 Häusler, wofür er ein Kapital von 45425000 Ooldfranken genau berechnet. Es »ind verschiedene Fonds an der Aufbringung des Kapital* außer den Ansiedlern selbst beteiligt, jedem Fonds, jeder Gesellschaft ist die entsprechende Rolle zugewiesen worden. In den ersten zehn Jahren sollten 1000 Oroßpflanzer (Landflächc 70 Dunam zur Hälfte bewässert, oder 200 Dunam unbewlssert). 4000 Pflanzer (50 Dunam zur Hälfte bewässert, oder 100 Dunam unbewässert), 5000 Oetreidebauern (100 Dunam Land), 5000 Klclnsicdlcr (15 Dunam, davon 10 bewässert) und 5000 Häusler (10 Dunam und Arbeit in Lohn bei anderen). Insgesamt 20000 Anslrdlcrlamilicn, d. h. etwa 100000 Seelen, für die eine Landflächc von 1060000 Dunam erforderlich Ist. Dies für zehn Jahre. Sechs Jahre sind seit dem Erschelnen des Buches verstrichen. ... Es wird einem schwer zu Mute. Während der aechs Jahre seit dem Erscheinen des Buches hat man dem Verfasser meines Wissens niemals seine Voraussagen vorgehalten. Hat man dies Alles nicht ernst genommen, oder wurde das Buch wenig gelesen und ist es gar schon in Vergessenheit geraten? Aber daß so wenig aus diesem Programm In Erfüllung gehen sollte, außer Landausverkauf und Gründung einiger Kolonien im Emek, hätte auch der schlimmste Pessimist nicht gedacht. Oedankllch war man also für ein weit umfassenderes Programm vorbereitet. In Wirklichkeit aber fehlt dem Ankömmling sogar die Gelegenheit, sich nach Kaufmöglichkeiten für Land an einwandfreien, uninteressierten Stellen zu erkundigen, Es fehlen Beamte der Organisition, die ihn nach den Gegenden begleiten, wo er Land besichtigen konnte, die ihn vor der Spekulation bewahren, bei denen er einen Plan oder eine Anregung über die für ihn erforderliche Fläche, die Art ihrer Ausnutzung erhalten würde. So steuern die Delegierten führerlos Im Lande herum, treiben ungewollt die Preise für den noch erhältlichen Boden in die Hohe, kehren entmutigt heim. Ja, mußte es denn so sein? Konnte der zukünftige Ansiedler nicht schon in seiner Heimat einen Rat erhalten, wo und was er kaufen soll? Nicht Land allein, sondern Land mit einem Plan, wie er das Land ausnutzen soll, was er damit anfangen soll. Sollte man ihm nicht schon io den Palästina- Aemtern und Landcszcntralcn durch kompetente Berater, die von der Zionistischen Organisation delegiert wären und somit verantwortlich sein müßten, erklären, wo und für welche Zwecke Land zu erwerben ist, wieviel Kapital für die An- Siedlung und nicht allein für den Landkauf erforderlich ist usw.? Das Verhältnis von verfügbarem Kapital zu der anzukaufenden Fläche wurde bei allen Landkäufen gänzlich aus dem Auge gelassen. Die Standard-Orößo der Parzelle war 100 Dunam, später etwas weniger — 75. Andererseits sind aber auch Käufe erfolgt von Flächen, die in 2—5 Dunam Parzellen ausverkauft wurden. Warum einmal 100, das andere Mal 2 Dunam? Steuerlos, führerlos, ziellos. Um aber einen Hat zur Annahme eines bestimmten Siedlungsplanes zu erteilen, muß man selbst einen Plan haben. Man muß einen Maßstab anlegen können an den einzelnen Siedler, wobei nicht allein die Kapitalhöhe, sondern auch Fähigkeiten, Neigungen, Zusammensetzung der Familie des zukünftigen Kolonisten in Betracht kommen. Ich behaupte, ' daß man in den für die Kolonisation verantwortlichen Kreisen einen solchen Maßstab nicht besitzt. Sonst würde man nicht solche erkünstelte Schemata für die Ansiedler ausgedacht haben, wie es Ruppin in seinem angezogenen Werke, sich basierend nuf Ettlnger« „Methoden und Kapitalbedarf Jüdischer Kolonisation in Palästina", tut. Der Eine berechnet und der Andere akzeptiert die Berechnung, daß ein Großpfianzer der etwa 70000 Goldfranken in seinen Besitz investiert, einen Reingewinn von 3390 Franken (dies auch von dem lukrativen Orangenbau) erzielt, der gewöhnliche Pflanzer von rund 40000 Goldfranken investierten Kapitals 1600 bis 2000 Franken Reingewinn erhält, der Gctrcldebauer von 24 000 Franken — 1166 Franken, der Kleinslcdlcr bei Investlerung von 12900 Ooldfranken — einen Reingewinn von 1050 Franken hat und schließlich der Häusler, dessen Wirtschaft 6650 Goldfranken kostet, noch 331 Franken Im Jahre verdient, neben seinen Einnahmen aus Lohnarbeit. Abgesehen von der geradezu röhrenden Genauigkeit, mit der die Einnahmen bis auf den Franken berechnet werden, und vor der man »ich verbeugen könnte, wäre sie nicht so ... . komisch, wird man »Ich fragen müssen, auf Orund welcher recl cn Verhältnisse haben sie solche Zahlen herausgerechn'et? (Ncbenbc bemerkt, folgt aus diesen Berechnungen, daß auch bei Ruppin und Ettinger der Kleinsledler-Typ mit 8«fc Reingewinn der lohnendste Ist.) Zweifellos wird man ngen, daß diese Berechnungen durch die so kurze Spanne Zelt überholt worden sind. Dann Ute man gut, sie zu «votieren, zumindest aber zu korrigieren; tut man es nicht, so muß man annehmen, daß die Konzeption, die den Berechnungen zu Orundc gelegen ist, dieselbe geblieben üt. Man muß gewiß Zahlen Tuben, aber nur annähernde, nur A^frp«««:. Man sollte «Ich hüten, zu genaue Zahlen n publizieren und sie auch von Anderenzu fordern Sc stimmen nie. Aber was erforderlich wäre, Ist ein In rfemlich weiten Orcnzen gehaltener ökonomischer Maßstab für dl« Rentabilität einer wirtschalt. Dabei Ist die Frage nach dem Reingewinn irreführend, da derselbe In bedeutendem Maße von der Wirtschaftlichkeit, von der Geschicklichkeit de» An- Siedlers abhängt und im Falle der größeren Parzellen, die mit Hilfe von Lohnarbeit bebaut werden müssen, auch noch den Teil des Ertrags In Abzug bringt, der als Lohn verdient wurde. Richtiger Ist die Frage nach dem Rohertrag. Dieser gibt das Bild der Produktivität de* Hoden» und der ganzen Wirtschaft Mehliger wieder. Einen »olihcu VcrglrfrhsniilUtoh der Rentabilität hätten wir gegenwärtig für Palästina gut gebrauchen können. Haben wir ihn in den 30 Jahren der Roloaisalion, bis zum Kriegsausbruch gerechnet, nicht finden können, so hätten wir versuchsweise uns nach anderen Ländern umsehen müssen, die Ähnliche klimatische Verhältnisse aufweisen, und da wäre wieder Kalifornien, das Land, nach welchem unsere Kolonisatoren so oft sich gewendet haben, zu befragen. In Kalifornien besteht ein Grundsatz, daß eine Farm, eine Wirtschaft dann gesund ist, wenn der Rohertrag 25<>/<> der investierten Summe ausmacht. Kostet die Anlage einer Wirtschaft, alles Inbegriffen, sagen wir 1200 bis I50O £, so muß der Rohertrag 300 bis 375 £ per Jahr «ein. Vor dem Kriege war der durchschnittliche Rohertrag der Farmen der Vereinigten Staaten von Nordamerika, also die großen Latifundien mitgerechnet, etwa */< des investierten Kapitals, d.i. 16»A«/e. Jedoch wird allgemein erwartet, daß ein Farmer von seiner Wirtschaft, und dies muß besonders dort der Fall sein, wo er auf kleineren Parzellen selbst wirtschaftet, 25"^ Rohertrag erzielt. Eine Oetreldrhaularm m Kalifornien, die z.H. 16000 Dollar kostet, muß 4O00 Dollar Jährlich Rohertrag liefern. Tut sie dies nicht, *o ist etwas mit ihr nicht in Ordnung. Dies hat sich auch aeit dem Kriege nicht geändert. Mit den gestiegenen Preisen der Roherträge stieg proportlonell auch der, Wert der Wirtschaft. Diese praktischen Ergebnisse, die den Wert eines Maßstabes haben, sind dem Publikum ohne weiteres zugänglich. Das Zirkular Nr. 210. ebenso wie Rupplns Duch, 1919 erschienen, der Universität von Kalifornien, College of Agriculture in Berkeley, wo nicht wenige unserer jungen Agronomen ihre Ausbildung genossen und wo auch die „führenden" Häupter unserer Kolonisation Informationen geholt haben, ist betitelt „Ratschläge für den Ansiedler in Kalifornien" und entlü't kurze Aufsät/c vom Dekan und Direktor der Landw. Versuchsstation und anderen Mitgliedern ihres Stabes. Hier sollte man sich den Maßstab gewissermaßen erborgen, wenn man noch keinen eigenen hatte, und den Versuch machen, unsere palästinensische Wirtschaft unter diesem Gesichtspunkte zu prüfen, statt rein arbiträre Typen auszudenken, die In der Wirklichkeit nur zum Teil bestände? haben. Es Kütten also die Ruppln'schen VorkrlegsTvnen palästinischer landwirtschaftlicher Betriebe Roherträge liefern müuen: Der Oroßpllanrcr von 70 000 Franken — 17500 „ Pilanzer „ 40 000 „ — 100CO „ Getrcdbauer „ 24 000 - — 6000 „ Kleinsiedler „ 12900 „ - 3223 „ Häusler „ 66'0 „ « 1640 Von solchen Roherträgen würden besonder» bei den Typen ohne Lohnarbeiter schon recht annehmbare Reingewinne verbleiben, d. h. vom Pflanzer ab bis zum Häusler, den Gctreidebauer miteingeschlossen. Aber Roherträge von 25«/« des investierten Kapitals, ja so«ar nur von 1nVa*/». d.i. der Durchschnitt der ganzen Vereinigten Staaten, wobei die vertustbringenden Betriebe miteingeschlossen »ind, können beim Oetrcldcbau nur erzielt werden, entweder bei einer sehr großen Ausdehnung der bearbeiteten BodenCäche unter Anwendung von wenig menschlicher Kraft und viel landwirtschaftlichen Maschinen, oder auf sehr kleinen Parzellen, die hoch intensiv bearbeitet werden. Erstsrcs ist in Palästina nicht möglich, da das Land zu leuer ist. Letztere» hat man noch nicht genügend begriffen. Legt man den kalifornischen Maßstab der Höhe des Rohertrages an die g e g e n w ä r 11 g vorhandenen Wirtschaftstypen, so sieht man erst recht, wie unmöglich eine Getreidewirtschaft Im Emek, die 1500 £ ko.itet, jährlich 375 £ « 25»/» oder auch nur 250 £ «• 16»/»*/» der Kosten der Farm abwerfen kann. Es würde erforderlich sein, daß Jeder Dunam 2,50 bis 3.75 £ Rohertrag liefert. In der Tat liefert er beim Getreide vielleicht höchstens 1 £, beim Futtcrhau, wenn das Heu verkauft werden kann, bi» zu 2 £ (in Bcnjaminah stellenweise). Dagegc;: können und werden Rohertrage von 25»/o<beim Orangenbau abgeworfen: ein Dunam PardcQ, Kosten des Hauses sowie Kapitalzinsen eingerechnet, »teilt sich auf etwa 100-120 £ und bringt einen Rohertrag von 25 bis 30 £ und darüber. Roherträge nach dem gleichen Maßstabe werden auch bei rationell betriebenen Pflanzungen erzielt werden können, bei denen die Höhe des Bodenpreises nicht dermaßen ins Gewicht fällt wie bei den Getreidewirtschaften von 100 Dunam. Sehr gut kann diesen Maßstab die von mir empfohlene Intensive Wirtschaft auf 10 Dunam vertragen, die 500 £ kosten und gewiß nicht unter 125 £ Rohertrag liefern wird. Die Frage nach der Flüche einer Wirtschaft muß vom Gesichtspunkte de» Erträgnisses beantwortet werden. Eine extensive Getreidewirtschaft muß so groß sein, daß sie nach Abzug der Verzinsung und der Ausgaben noch ein gutes Auskommen liefert Diese verbietet sich in Palästina schon von vornherein, erstens, wie Ich schon oben erwähnt habe, infolge des honen Preises für den Boden, zweitens durch die Existenz eine» getreidebauenden Nachbarn, dessen Wirtschaft nicht 15 £ per Dunam (alle Kosten gerechnet) kostet und von dem keine Verzinsung des Anlagekapital» erwartet wird. Die Auswahl der Kulturen für eine bestimmte Genend Ist nicht nur eine Frage des Klima«, sondern in bedeutendem Maße eine ökonomische. Mit einer Ideologie wie die. daß der Bauer selbst «ein Brot erzeugen müsse, sonst Ist er ein Händler, da er einen Teil seiner Produkte verkaufen und Brot kaufen müsse, kommt man nicht weiter. Hochwertigkeit der Produkte Ist maßgebend für Ihre Kultivierung. Auch hier sind die guten Kalifornfer uns mit einem Defspfci vorangekommen: es besteht In Kalifornien ein allgemeiner Grundsatz, daß landwirtschaftliche Produkte, die von der Farm verkauft werden, einen Erlös von merTr als 5 cents per 1 Ib., d.i. etwa 2,2 Piaster per 1 kg bringen müssen, oder aber einen hohen Prozentsatz von Wasser cinschlieüen müssen. „Produkte, die teurer als mit 5 cents pro engl, Pfund feäe^2'2«P.ias,cr JJf0,?. verkauft werden, sind getrocknete JÄlci PfcKlc» «»^"•'Ä*» Hammel, Schwein. Butter. Käse, Geflügel, Eier, Wolle, Baumwolle, Zucker, Nüsse, Gemüse und Blumensamen. Beispiele von Produkten, die einen hohen Prozentsalz von Wasser enthalten, sind Milch, frische Früchte, Zuckerrüben, Melonen, Tomaten, Kartoffeln und eine große ^1 Gemüsen" ... . Und wei*C' «Auf die Dauer wird der Mann, der seine Wirtschaft so einrichten kann, daß V dcn.Verkauf niedrig bewerteter Produkte vermeldet, es sei denn, daß sie einen hohen Prozentsatz von Wasser enthalten, die Fruchtbarkeit seines Bodens am Ungsten bewahren und die geringsten Marktschwierigkeiten haben." Weizen kai2..i'L" gewinnbringendes Produkt sein, wenn eine ungewöhnliche Nachfrage danach In Europa besteht Auch diese Grundsätze d» Ergebnis vteljlhrlger Erfahrung _ werden dem Ansiedler in dem oben zitierten offiziellen Zirkular Nr 2lft der Universell von Berkeley von den Mitgliedern des Stabct der Versuchsstation empfohlen. Das heißt, man tollte wasstr haltige Produkte erzeugen, auch wenn sie einen niedereren" Preis als 2 2 Piaster per kg erzielen, nur wenn man einen nahen lokalen Markt für sie haben kann. Sonst müssen sie In Konserven und Prüveraen umgewandelt werden, um «» zu einem höheren als dem angegebenen Preis verschifft zu werden. Freilich können Verliültnlisc eintreten, die den Export gewisser Produkte zulassen, die heute unter dem ol>pn an geführten Omlcht'.punkle noch nicht exportfähig sind Wozu so'len denn in einem Aufsatz über tinwanderune und Landsiedlung alle diese Auseinandersetzungen führen was soll diese Ablenkung? Sie soll beweisen, daß bei der Beratung von Einwanderern gewisse Ideen vorhanden, renkte Grundsätze angewendet »ein müssen, daß man nicht gedankrn. los Leuten 100 Dunam für Oetrelde oder 50 oder 25 empfiehlt ohne sich selbst klar zu »ein, was der Mann damit antanzen soll, ob er daraus eine menschenwürdige Existenz ziehen kann oder nur darben muß. Man sehe sich die gedanken. und ziellos begründeten Dnel-Brak, Magdlcl, Aln Hai, Kafr Saba usw. an. Aus alten diesen Punkten lassen sieh wirt. ichaftllch gesunde Organismen aufbauen, auch noch letzt wenn man einen wirtschaftlichen Maßstab an sie anlegt' wenn man weiß, was man will. Es muß nicht unbedingt der kalifornische Maßstab angelegt werden, obzwar er vieles Erprobtes und für uns Anwendbares enthält, aber man muß endlich einmal das Arbiträre, das Zufällige, da» Aufsgente. wohl-Empfohlene ausscheiden. Wirtschaftlich wohl durchdachte, vorsichtig abgewogene Ratschläge müßten von ver. antwortllchen Stellen au« erteilt werden und »o dem Neuankömmling Geldverluste und Enttäuschungen erspart bleiben. , Eil Schreibe» Maedoiald London. (J.T.A.) Ramsay Macdonald sandte an den Leiter der Keren-Hajessod-Aktlon in Polen, Leib Ja He, das folgende Schreiben. „Ich, der ich die schöpferische Arbeit der Judcnheit Palästinas mit eigenen Augen gesehen habe, hoffe, daß Ihre Volksangehörigen ihren Appell für den Wiederaufbau Zions liberal beantworten werden." Die Zahl der Juden In Polei Ueber die Zahl der in der getarnten polnischen Republik lebenden Juden begegnet man ziemlich abweichenden Angaben. Man liest verschiedentlich selbst von 4»/i Millionen Juden, In anderen Veröffentlichungen werden 4 Millionen, aber auch 3Vt Millionen angegeben. Alle diese Zahlen schießen über die Wirklichkeit weit hinaus. Es sei hier daher auf eine Reihe von Artikeln des Ahgeordiiplcn Grilnhaum verwiesen, die Im Warschauer „llajiil" Nr. 2f>, 28 und erschienen sind und worin angegeben wird, daß im Jahre 1921 die Zahl der Juden in Polen nicht mehr als rund 2800000 betragen hat. Wenn wir die Ein- und Auswanderung, Geburt», und Sterbefälle, also das Wachstum der jüdischen Bevölkerung in Polen in Betracht riehen, so dürften wir in der Annahme nicht fehlgehen, daß auch heute die Zahl der Juden In Polen nicht wesentlich größer als im Jahre 1021 Ist, auf Jeden Fall aber die Zahl von 3 Millionen nicht (ibersteigt. OrOnbaum bezieht sich bei seinen Vcröffent- Hebungen auf die Ergebnisse der am 30. September 1<521 in ganz Polen durchgeführten Volk»zählung, wie sie im polnischen Statistischen Jahrbuch für 1921 zur Veröffentlichung gelangten. Die Jadri In der polnischen Armee Warschau. (J.T.A.) In der letzten Sitzung des polnischen Senats hielt während der Beratung über das Heeresbudget der jüdische Senator Mendelsohn eine längere Rede über die Juden In der polnischen Armee. Er führte Die Juden erfüllen gewissenhaft ihre Militärpflichten, verdienen die krankenden Vorwürfe nicht, die ihnen von polnischer Seite gemacht werden. In der Armee dienen zweimal soviel Juden, als auf den Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung entfallen würde. An allen bisherigen Spionageaffären waren Juden nicht beteiligt. Der Redner brachte eine Reihe Fälle vor. wo jüdische Soldaten von Vorgesetzten und Kameraden gepeinigt wurden und beschwerte sich darüber, daß Offerten jüdischer Lieferanten, auch wenn sie die günstigsten sind, zurückgewiesen werden und daß den iüdisehen Soldaten an jütü-'Tn Festtagen trotz Vorschrift keine Dienstfreiheit gewährt wird. Senator Mendelsohn formulierte folgende Wünsche de jüdischen Parlaincntklubs: 1. Abschaffung aller Gihcimzirkular: des früheren Kriegsmiiilstcrs Sosnkowski über Beschränkungen für Juden, 2. volle Gleichberechtigung für jüdische Soldaten bei Stellenbe«etzungen und Engagements, 3. Freiheit der Ug' liehen Andachtsübung und Dienstfreiheit au Jüdischen Fest' tagen, 4. Freiheit, »ich rituell zu beköstigen, 5. gleiche Bc handlung jüdischer und nlchtjüdischcr Lieferanten, 6. System!' »lerung von Feldrabbinerposten bei jedem Korps. Kriegsminister Sikorskl erwiderte, die Vorwürfe Senator MendeUohns seien nicht überzeugend, die Armceleitung bebeobachtet gegenüber den jüdischen Soldaten alle Vorschriften, nur ist es nicht möglich, ihnen Sabbathruhe zu gewähren. Hichseharah Ii Polen Ebenso wie In früheren Jahren hat auch Jetzt der Hech.iluz In Polen bei Beginn des Sommers begonnen, die sich für Palästina vorbereitenden Chaluzlm bei verschiedenen OmsbetUzetn in ganz Polen unterzubringen. Ei handelt sich diesmal um ca. 2000 Chaluzlm, von denen bereits Anfang Mal 1250 sowohl bei jüdischen wie auch bei niehtjüdischeu Gutsbesitzern arbeiteten. Im Laufe des Monats Mai sollten noch einige hundert Chaluzim untergebracht werden. Die einzelnen Kwuzotli zählten 6-40 Mitglieder und führen auf Ihren einzelnen Arbcitsgötern ein gemeinsames kooperatives Leben. Die Verträge mit den Gutsbesitzern laufen größtenteils bis zum Herbst. Die Chaluzim erhallen für ihre Arbeit Wohnung und volle Kost, in einigen Orten auch einen gcringen Tagelohn. Bemerkenswert Ist, daß gerade nicht- Jüdische Gutsbesitzer die Chaluzim besonders gern aufzunehmen geneigt sind. Außerdem wurden in diesem Frühjahr durch die Lokalorganl»ationen des Hcchaluz in zahlreichen Orten Farmbetriebe eingerichtet, wo die Chaluzim eine selbständige Wirtschaft führen. Im Mal waren vorläufig 6 solcher Farmbetriebe tätig. Außerdem gab es auch zahlreiche Gartenwirtschaften. Außer vom Hcchaluz werden Palistinawanderer, die sich landwirtschaftlich betitigen wollen, auch von den zionistischen Ortsgruppen bei Gutsbesitzern untergebracht. So hat auch das Warschauer zionistische Lokalkomitee Abmachungen mit einer Reihe von Gärtnern und Outtbesltzem getroffen, bei denen es eint größere Zahl von Gesinnungsgenossen untergebracht ritt _ (Zlko.)

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