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Jüdische Rundschau · 1925-06-30 · Heft 51 (30.6.1925) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 51 (30.6.1925)
Date
1925-06-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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JUEP1SCHE RUNDSCHAU Seite 447 Die Bedeutung der Landwirtschaft für den Autban Palästinas Von Dr. Arthur Ruppln. Der kommende Kongreß wird vor ganz veränderten, neuen wirtschaftlichen Tatsachen In Palästina stehen und wird ernste Entscheidungen über die künftige zionistische Tätigkeit zu fällen haben. Angesichts der Tatsache, daß durch die neue Entwicklung die Ansichten über den Aufbau Palästinas in vielen zionistischen Kreisen verwirrt worden sind, halten wir es für wichtig, nachfolgenden Artikel, der die Notwendigkeit einer Basicrung der na'astincnsischcn Wirtschaft auf der Land- Wirtschaft nochmals grundlegend dartut, gerade vor dem Kongreß zu veröffentlichen und hoffen, daß er ernste Beachtung finden wird. Red. „J.R." Am Beginn der nationalen jüdischen Bewegung »teilt die Erkenntnis, daß die Landwirtschaft die wirtschaftliche Orund- |ice für die nach Palästina einwandernden Juden werden müsse. Bereits in den Schriften von Hirsch" Kalischcr (um IS60) und in den ersten Regungen der Chowcwc Zlon kommt „ klar rinn Ausdruck, daß die Rückkehr nach Palästina zugleich eine Rückkehr zur Landwirtschaft sein müsse. Aber «ohl die wenigsten waren sich damals darüber klar, welch unermeßlich schwere Anforderungen diese Notwendigkeit an die Juden stellen würde. In den Galuthländcrn gleicht die berufliche Zusammensetzung der Juden einer Pyramide, deren breite Dasis von den Kauflcutcn, kaufmännischen Beamten und Vermittlern eingenommen wird. Ihnen folgen industrielle Unternehmer, Angehörige der freien Berufe (Acrztc, Anwälte, Ingenieure, Journalisten, Künstler, Lehrer), und Handwerker und erst an der schmalen Spitze der Pyramide finden sich industrielle Arbeiter und Landwirte. Das ist das gerade Gegenteil von dem, was Palästina braucht, wenn die Landwirtschaft jie Grundlage des wirtschaftlichen Lebens werden »oll; was In den Onluthländcm die Spitze Ist, muß ]6:t die Basis werden. Das bedeutet eine radikale Berufsumschichtung. Eine solche Bcrufsumschichtuig ist so schwierig, daß man sie nur dann in Betracht ziehen <sann, wenn der Zweck sie absolut notwendig macht. Es ist also zunächst zu fragen, ob wirklich die Juden in der Bcrufszusammcnsctzung, die sie in den Oaluthl.indcrn haben, in Palästina nicht existieren können. Untersuchen wir zunächst denjenigen Beruf, welcher der Hauptberuf , der Juden außerhalb Palästinas ist, nämlich den Handel. In den Galuthländcrn können so viele Juden vom Handel leben, well sie als Kaufleute besonders befähigt sind iniil nur wenig Prozent der Ocsanitbcvülkcrung ausmachen, für deren Tauschbedürfnisse sie sorgen. In Palästina, das zur Zeit (Ende 1021) unter einer Ocsamtbcvölkcruiig von 800 000 etwa 110 000 gleich 14 Prozent Juden zählt, fehlen diese Vor. aussetiungcn. Es fehlt das große „Hinterland" der nichtjü' disrhen Konsumenten; denn die Tauschbedürfnisse der Nicht, juden sind infolge der primitiven Lebenshaltung der Fellachen (Bauern), welche über zwei Drittel der nichtjüdischen Bevölkerung ausmachen, beschrank». Was der Fellache kauft und verkauft, dürfte kaum dem dritten Teil dessen entsprechen, was ein Bauer in Osteuropa, geschwelge denn in höher entwickelten Ländern kauft oder verkauft. Der ganze Warenumsatz Palästinas ist nicht größer als der einer mitteleuropäischen Stadt von 200 000 bis 300 000 Einwohnern. Dieser an sich schon sehr schmale Spielraum für die Handelsbel.iligung wird aber für die Juden noch dadurch verengert, daß der Handel mit den Nicht juden zum größten Teil fest in den Händen der arabischen Kauflcutc liegt. Es ist für die Juden schwer oder sogar unmöglich, diesen Handel an sich /u bringen, weil der dem Juden rassenverwandte palästinensische Araber für den Handel sehr befähigt und durch seine genaue Kenntnis der Landcsvcrhällnissc und der arabischen Sprache dem ncucingcwandcrtcn Juden überlegen ist. Der Jude kann also als Händler fast nur für die jüdische Bevölkerung tätig sein. Unter diesen Umständen' ist es schon sehr viel, wenn 10 Prozent der jüdischen Bevölkerung pich vom Handel ernähren. Jede Vergrößerung dieses Prozentsatzes kann nur entweder eine vernichtende Konkurrenz unter den Kauflcutcn oder eine künstliche Verteuerung der Waren; preise für die jüdischen Konsumenten zur Folge haben, wie sich schon jetzt unangenehm bemerkbar macht. Das oben erwähnte bezieht sich auf den B i n n e n h a n del in Palästina selbst. Es gilt aber ebenso für den Außenhandel und für den Transitverkehr mit den Nach« birländern. Der arabische Kaufmann ist Im allgemeinen kapitalkräftig und Importiert Waren vom Auslande ebenso billig wie der Jude. Auch im Exporlgcschäft läßt er sich vom Jui den nicht verdrängen. Der Transitverkehr mit den Nachbarlindem hat für Palästina — mit Ausnahme des geringen Vcr- I kelus mit Transjordanien — keine Bedeutung, denn Aegypten iiml Syrien haben wegen ihrer höheren Kaufkraft und wegen ihrer besseren Schiffsverbindungen und Häfen weit größere Stapelplatz für europäische Waren als Palästina. Es wäre »ko ilwurd, wenn man von Palästina aus diese Nachbarländer mit europäischen Importwaren versorgen wollte. Wenn I'alä- ""'na einmal das vielfache seiner jetzigen Einwohnerzahl haben wird und dam gute Häfen, dann wird es vielleicht mit den großen Stapclplälzcn Beirut und Alexandrien konkurrieren können. Aber zur Zeit kann davon nicht die Rede sein. Wie der Handel hat auch das Handwerk in Palästina den Nachteil, daß der Handwerker nicht wie in de» Galuth- [■•ndern neben der jüdischen Kundschaft auch eine beträcht- "<hc nkhtjliulschc Kundschaft bedient. Mit wenigen Ausnahmen z. B. (Glaser, Klempner, Uhrmacher) arbeitet der indische Handwerker in Palästina nur für jüdische Kundschaft, well der nichtjüdische Handwerker Im allgemeinen die Bedürfnisse der nichtjüdischen Kundschaft besser oder mindestens ebenso gut befriedigt wie der jüdische. Hierzu kommt, daß an sich der Bedarf der nichtjüdischen Bevölkerung nach Handwerkserzeugnissen sehr beschränkt Ut, weil oer Fellache bzw. die Fellachenfrau sehr viele Sachen, z. B. die meiste Kleidung, selbst herstell». Wenn »Ho unter 100 000 Juden sich 10—15 Prozent vom Handwerk ernihren, so Ist ok» das Maxlmimum des Möglichen. Schon bei diesem Prozentsatz zeigt sich häufig,»daß nicht genügend Arbeit für die einzelnen Handwcrkcrklassen vorhanden ist und manche stehen wirklich Infolge der übergroßen Konkurrenz dauernd am Rande des Ruins. Für die liberalen Berufe (Aerzte, Hellpersonal, Rechtsanwälte! Ingenieure, Lehrer) trifft Im großen und ganzen ebenfalls /u, da« »Ic zu 00 Prozent auf die Jütll:.chc Kundschaft angewiesen sind. Der arabische Fellache, der die Mehrzahl der Bevölkerung bilde», nimmt nur in verschwindend seltenen Fällen die Dienste eines Rechtsanwaltes oder Ingenieurs in Anspruch. In dem relativ häufigeren Falle der Inanspruchnahme eines Arzte« Ist durch die Existenz nichtjüdischer Acrztc und durch die Kliniken und Hospitäler, die von den christlichen Missionen unterhalten werden und unentgeltliche Behandlung gewähren, dem NichtJuden die Möglichkeit gegeben, ohne den jüdischen Arzt auszukommen. Die Zahl der nichtjüdischen Acrztc betrug am 1. 1. 1021 etwa 100, Die Zahl der jüdischen Acrztc bellet sich nm I. XI. 1021 auf 277 und Ut, wenn man sie zur Zahl der jüdischen Bevölkerung In Beziehung setzt, grüßer als in Irgend einem nndern Lande der Welt; denn es entfällt ein Jüdischer Ar/t auf je 400 jüdische Einwohner, während z. B. in England, Frankreich und Deutschland ein Ar/t auf mehrere tausend Einwohner kommt. Nimmt man die Zahl der jüdischen und nichtjüdischen Acrztc für Ende 102-1 mit 150 an und setzt sie zur Oesamtbevölkerung in Beziehung, so kommt ein Arzt auf ca. 1700 Einwohner, was für ein Land von der Entwicklungsstufe Palästinas ungeheuer hoch ist. Als Folge dieser Verhältnisse Ist die Lage vieler Acrztc in Palästina eine sehr schlechte. Auch die rapide Vermehrung der Zahl der jüdischen Rechtsanwälte und Ingenieure in den letzten Jahren hat eine Verschlimmerung der Lage dieser Bcrufsaiigcltörlgcn zur Folge gehabt. Eine weitere Vermehrung Über den jetzigen Prozentsatz, der .(einschließlich der Beamten) etwa 15 Prozent beträgt, ist kaum möglich. Was den let/len Beruf anhetilflt, In welchem die Juden In Galuthländcrn reichlich vertreten sind, nämlich den Beruf der industriellen Unternehmer und Beamten, zu denen sich auch in manchen Industrien, z. B. In der Textilindustrie, jüdische Arbeiter gesellen, so läßt sich folgendes sagen: Jede Industrie ist an bestimmte Bedingungen gebunden, von denen die. wichtigsten die Nahe zu den Rohstoffen (/. U. Holz, landwirtschaftliche Erzeugnisse, Kohle, Eisen) und die Nahe zu den Absatzgebieten sind. An Rohstoffen ist Palästina nicht sonderlich reich. E» hat weder Kohle, El"cn noch sonstige abbauwürdige Mlnrr (abgesehen vielleicht von der Salzgewinnung su der Mittelmeerküste und aus dem Toten Meere). Es hat auch zur Zeit noch keine Wälder von Bedeutung. Als Rohstofle für Industrien kommen deshalb nur die pflanzlichen und tierischen Produkte der Landwirtschaft in Belrarht. Aufzuge zu deren industrieller Verarbeitung sind bereits vorhanden, so die Mühlcnindustri.*, OcünduUric, Seifenindustrie, Zigarettenfabrikation, Gerbereien. Andere ähnliche Industrien, wie z. B Brennereien, Brauereien, die Konservenindnstric, die Zuckergewinnung aus Zuckerrohr oder Zuckerrüben durften in naher Zukunft ins Leben treten. Aber der Entwicklungsprozeß ist ein langsamer, da er an das Vorhandensein großer Mengen billiger landwirtschaftlicher Produkte und eines großen Konsunis gebunden ist und diese zur Zeit noch nicht vorhanden sind. Mit nndern Worten: die Landwirtschaft muß nls grolle l'rodti/eniin und Konsuiucntln vorangehen, dann kann die Industrie nachfolgen. Zu den Industrien, die infolge der Nähe des Absatzmarktes gute Aussichten haben, selbst wenn sie die Rohstoffe g.tnz oder teilweise importieren müssen, gehören die Bauindustrien (z. B. die Produktion von Zcmcntflicscn, Dachziegeln usw.) und die Textilindustrie. Palästina importiert jährlich zirka 800000 Textilwaren aller Ar». Jüdische Tcxtillndustricllc und Textilarbeiter aus Polen haben schon begonnen, diese Industrie nach Palästina zu verpllanzcn. Ebenso haben viele andere jüdische Klcinindustricllc. aus Polen ihre Kenntnisse (und in vielen Fällen auch ihre Maschinen) zur Herstellung industrieller Waren des täglichen Gebrauchs nach Palästina gebracht und produzieren hier aus importierten Rohstoffen oder Halbfabrikaten die Fertiglabrikate, die bisher aus Europa eingeführt wurden (z. B. Schuhe, Koch- und Bcleuchtungsapparate, Spiegel, eiserne Bettstellen). Allerdings sind fast alle diese Industrien auf die Deckung des Eigenkonsums Palästinas beschränkt; beim Export ins Ausland sind sie der ausländischen Konkurren/ nicht gewachsen. Der Zolltarif Palästinas, der bis zum September 1021 fast alle importierten Waren gleichmäßig mit einem Wertzoll von 1t Prozent belastete, Ist seitdem geändert worden. Der neue Zolltarif ist im Prinzip ein (spezifischer Zolltarif, der für jede Ware einen bestimmten Zollsatz pro Einheit oder pro Kilogramm vorsieht. Er Ist für den Schutz der Industrie besser als der frühere Tarif, weil er, wenn auch nur in bescheidenem Maße, die Tendenz zeigt, Stoffe, die in Palästina selbst nicht vorhanden sind, mit einem niedrigeren Zollsatz, Fertigfabrikate, deren Herstellung in Palästina möglich ist, mit einem höheren Zollsatz zu belegen. Daß diese Tendenz des Tarifs zaghaft und zögernd ist, liegt daran, daß eine Erniedrigung der Zollsätze die Zollcin nahmen, die einen wesentlichen Einnahmeposten Im Staat? haushält Palästinas bilden, verringert, während eine Erhöhung der Zollsätze auf notwendige Gebrauchsartikel diese verteuern und dadurch den Widerstanil der Bevölkerung hervorrulen würde, die zu mehr als 00 Prozent aus Konsumenten und höchstens zu 10 Prozent aus Produzenten Industrieller Erzeugnisse besteht. Diese Verhältnisse werden auch In der Zukunft einer protektionistischen Zollpolitik entgegenstehen. Bei einzelnen Artikeln, die von der Mehrheit der Bevölkerung nicht gebraucht werden (z. B. Spiritus, Bier, Luxusartikel) ist ein hoher Zollsatz denkbar. Dagegen wird jede für den inländischen Massenkonsum arbeitende Industrie sich damit abfinden müssen, daß sie nur einen mäßigen Zollschutz genießt und deshalb nur dann existenzfähig ist, wenn ihre Produktionskosten nicht wesentlich hiher , sind als im Auslande. Eine bevorzugte Stellung werden diejenigen Industrien haben, welche Güter erzeugen, deren Wert In einem gewissen Grade darin liegt, daß sie in Palästina erzeugt sind, dem Lande, das für Juden und viele religiöse Christen einen besonderen Nimbus hat. Hebräische Bücher und Kalender, Grabsteine, jüdische und christliche Ritualien, Souvenir-Artikel usw. werden, wenn sie aus Palästina stammen, gegenüber denselben Erzeugnissen aus andern Ländern bevorzugt werden und „Liebhaberpreise" eniclen. Ihr Markt wird um so größer werden, je mehr Touristen nach Palästina kommen. In dieser Beziehung sind die Aussichten recht gute. Palästina M als Touristenlan d in den letzten Jahren bereits in Aufnahme gekommen und die Touristik kann, wenn die Verkehrs- und Hotclvcrhältnlsse sich entwickeln, in kurzer Zeit als Einkommensquelle für Palästina dieselbe Bedeutung gewinnen wie für das benachbarte Aegypten. Nicht nur seine „heiligen Ställen" und die Verehrung, die es bei Juden, Christen und Mohammedanern genießt, verleihen ihm eine große Anrlcbungskralt; auch sein mildes Winterkllrna, seine Heilquellen (Tlbcrlns) und seine eigenartige Landschaft (Jordantal, Totes Meer) sind von großer Bedeutung. Mit der wachsenden Ausbreitung der zionistischen Idee wird Palästina ein Wallfahrlsland für die Juden und ein Erziclmngsland für ihre Kinder werden. Das wird ein Aufblühen des Hotclwcscn» und aller sonstigen Zweige der F r c mdcn i ndust ri e zur Folge haben. Welche Einkommensquelle das bedeutet, wirf* daraus klar, daß schon heute in Tcl-Awiw viele Dutzende von Hotels und Pensionen bestehen, die hauptsächlich vom Touristenverkehr leben. Wenn hiernach gewisse Industrien und der Touristenverkehr günstige Aussichten haben, die wir keineswegs unterschätzen wollen, so ist doch auf der anderen Seite klar, daß sie allein nicht imstande sind all denjenigen Juden, die in Handel, Handwerk und freien Berufen keine Beschäftigung finden, eine Existenz zu bieten. (Selbst In d<:r Schweiz, dem Tourlstenlandc psr exccllencc, leben noch nicht 10 Prozent der Bevölkerung von der Frcnidcnlndustrle). Diese Lücke kann nur die Landwirtschaft ausfüllen. Sic ist, wenn sie in erster Linie auf, die Selbstversorgungdes Ansiedlers eingestellt i<t, sowohl vom äußeren wie vom inneren Markte fast unabhängig und kann dadurch für eine unbeschränkte Zahl von Juden eine Existenzquellc werden. Und noch mehr. Der Händler wird den Ucbcrschuß des landwirtschaftlichen Produzenten über den Eigenbedarf ankaufen und ihm industrielle Produkte verkaufen. Handwerker werden für Bauten, für Bekleidung, für Herstellung und Reparatur von Ocraten llcarhiifligung finden. Industrielle werden die Her- Stellung landwirtschaftlicher Maschinen und sonstiger industrieller Bedürfnisse zu ihrer Aufgabe machen. Der Transport der Produkte wird das Transportgewcrhe beleben. Die Vergrößerung der landwirtschaftlichen Produktion wird viele landwirtschaftliche Nebenliulustrlen Ins Lehen rufen. Lehrer, Acrztc, Techniker werden gebraucht werden. Wie weit die landwirtschaftliche Gütcrcrzcugung auf die ganze Wirtschaft einwirkt und in alle ihre Verzweigungen neues Leben hineinpumpt, dafür ist der beste Beweis, daß in vielen landwirtschaftlichen Kolonien Palästinas die Zahl der Nichtlandwirte, die indirekt von der Landwirtschaft leben, größer ist als die Zahl der Landwirte, ganz abgesehen davon, daß auch la den Städten noch eine namhafte Zahl von Juden aus dem Handel und dem Transport nach den Kolonien seine Existenz zieht. Wenn es uns gelingt, nur 25 Prozent unserer Einwanderer als Landwirte anzusiedeln, so haben wir damit eine Existcn/basls nicht nur für diese 25 Prozent, sondern für weitere 25 Prozent geschaffen, die in der oben erwähnten Weise indirekt von der Landwirtschaft leben werden. Durch die vorstehend geschilderten Verhältnisse nimmt Palästina als Einwandcrungsland für die Juden unter allen Einwandcrungsländcrn eine besondere Stellung ein. Seit 200 Jahren sind es die Man d eis möglichkeiten, welche die Richtung der jüdischen Wanderung bestimmen. Immer war , der jüdische Kaufmann der Pionier, der in neue Länder vordrang, und dem dann, wenn sich Handclsmöglichkcitcn erschlossen, eine große Zahl von Juden aller Berufe folgte. Dir jüdische Einwanderung nach Nordamerika im letzten Jahrhundert zeigt besonders deutlich diese typischen Züge. Sowohl die Einwanderung sefardischer Juden in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts als die folgende' Einwanderung aschkenasischer Juden setzte sich fast ausschließlich aus Kauflettten zusammen, die hier als Vermittler zwischen den nichtjüdischen Produzenten und nichtjüdischen Konsumenten ein weites Feld fanden. Erst als diese ersten Zclmtausendc die Wege ausgetreten hatten, kamen seit dem Jahre I8S0 Hunderttausende nach, die zu einem Teil noch aus Kauflcutcn, zum andern Teil bereits aus Handwerkern lind kleinen industriellen Unternehmern und Arbeitern bestanden. Die Arheiter fanden leicht Beschäftigung, weil sie aus Osteuropa mit einem niedrigen Standard of life nach Amerika kamen und deshalb sich wenigstens am Anfang mit niedrigeren Löhnen begnügten. Die Wanderung nach Palästina kann sich dagegen weder auf große llaiidclsmögllrhkritcii mit nlchtjüdischcn Produzenten oder Konsumenten slül/en, noch kann sie durch Untcrbictung im Lohn auf Industrielle Beschäftigung hoffen. Denn der übliche Arbeitslohn in Palästina ist noch niedriger ats der osteuropäische. Diese grundsätzliche Verschiedenheit der Palästina-Einwanderung gegenüber jüdischer Einwänderung In andere Länder kann gar nicht scharf genug betont werden. Die vielen falschen Meinungen, die man über die besten Methoden zur wirtschaftlichen Hebung Palästinas hört, stammen daher, daß man diese grundsätzliche Verschiedenheit übersieht oder gering «hhtzt. Sie ist der Schlüssel zu der Erkenntnis, daß die Mehrheit der Juden in Palästina weder Händler noch Ver. mittler noch Angehörige freier Berufe, sondern Produzenten in Landwirtschaft und In« dustrle sein müssen, und daß hierbei die Landwirtschaft der Industrie Schrittmacher» dlenste leisten muß. ___________________J 2D©DDDöG<MaQ GcDmDIDGDG' GüGuD SG iQ

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