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Jüdische Rundschau · 1925-06-30 · Heft 51 (30.6.1925) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 51 (30.6.1925)
Date
1925-06-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 448- JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 5t Der Verbandstag Die verflossene Tagung det Landesverbandes der jüdischen Gemeinden In Preußen hat all denjenigen Recht gegeben, die von der Annahme ausgingen, daß die lebendigen Kräfte des preußischen Judentums, zur Selbstbehauptung genügend groß sind, um initiativ aus sich heraus In würdiger und sachlicher Welse die vorhandenen eigenartigen Bedürfnisse der Innerhalb des Staates wohnenden Judenheit wahr* zunehmen. Daß die preußischen Juden besondere nur von Ihnen selbst feststellend« und durch Selbstverwaltung zu befriedigende Interessen haben, hat keine einzige Oruppe innerhalb der preußischen Judenheit geleugnet. Ucber den Umfang dieser Interessen bestand und besteht Jedoch /wischen den einzelnen Gruppierungen eine verschiedene Auffassung. Während die Majorität des Landesverbandes, die liberale Traktion, auf dem Standpunkt verharrt, daß der Landesverband vorwiegend zur Regelung und Wahrnehmung der religiösen Angelegenheiten innerhalb des Staates berufen sei, vertreten Insbesondere die Mitglieder der Jüdischen Volkspartei und in gewissem Maße auch die konservativen Mitglieder des Verbandes die Ansicht, daß die Judenheit nicht nur durch rein konfessionelle Momente verbunden ist, sondern daß der Umkreis der eigenartigen Bedürfnisse über die religiösen Notwendigkeiten hinausgeht. Der Verlauf der Tagung hat bewiesen, daß die Auffassung derjenigen, die in der Judenheit nicht nur eine Iniindische konfessionelle Oruppe erblicken, die Zustimmung aller Vertreter Im Landesverband gefunden hat, in dem Augenblicke, wo nun daran ging, den realen Gegebenheiten des Jüdischen Lebens in Preußen Rechnung zu tragen. Ein solcher Pall ergab «Ich bei der Beratung und Abstimmung Ober die Resolution der Jüdischen Volkspartei betreffend die unterschiedliche Behandlung von ausländischen Juden bei Einbürgerungen und Ausweisungen. Ebenso einmütig waren alle Fraktionen des Landesverbandes In den Prägen, die die soziale Hilfstätigkeit der preußischen Juden betreffen und wenn auch In dieser Hinsicht keine besonderen Beschlüsse gefaßt wurden, so unterlag es doch keinem Zweifel, daß die Ausführungen, Insbesondere der Redner der Jüdischen Volksparlei, welche betonten, daß die Hilfstätigkeit der deutschen Juden nicht an der Orenzc Halt machen dürfe, allgemeine Zustimmung fanden. Schließlich war die Haltung des Vcrbnndstages gegenüber den Darlegungen der Volkspartel betreffend den Pallstinaaufbau bezeichnend. Sogar Dr. Holländer anerkannte die Verpflichtung jedes Juden, -venu auch auf neutraler Basis, an diesem Werke mitzuarbeiten. Dr. Peysers Taktlosigkeit, Palästina als seelisches i.Ausland" für die deutschen Juden zu bezeichnen, fand allseits Ablehnung. Man mag die Körperschaft, die wihrend dreier Tage im llerrcnhausc verhandelte, Judcnparlament nennen oder das Wort Parlament, wie es die Liberalen tun, ablehnen, Tatsache bleibt, daß diese Versammlung eine durch demokratische Wahlen legitimierte Oesamtvertretung der prcttßlsehen Judenheit war, In der In parlamentarischer Weise Ober jüdische Angelegenheiten verhandelt wurde. Wohl Ist der Verbandsrat nicht so demokratisch zusammengesetzt wie der Verbandstag, aber Immerhin steht er mit dem Verbandstage ,jm'Zusammenhang und wird' via facti ein Exekutivorgan der repräsentativen Vertretung der preußischen Judenheit sein. Diese erscheint somit einheitlich organisiert Und ihre Organe, Verbandstag und Verbandsrat, sind berufen, die Judenheit nach Innen und nach außen zu vertreten. Die Forderungen dieser Organisation haben Gewicht und Bedeutung und es ist kein Zweifel, daß der Staat auf die Stimme dieser Organisation Rücksicht nehmen wird. Es soll nicht verhehlt werden, daß ein großer Teil der Verbandsversaminlung nur zögernd den Weg der Zusammenfassung aller lebendigen Kräfte der Inländischen Judenheit gegangen Ut. Aus den meisten Aeußerungen der liberalen Vertreter klang die Uebervorsicht, man könnte die Existenz des Landesverbandes dahin deuten, daß er ein Organ der jüdischen Selbstverwaltung und Selbsthilfe in Angelegenheiten darstellt, die über Synagoge und Ritus hinausgehen. Die Tatsachen des jüdischen Lebens setzen sich aber trotz dieser Bedenken auch in liberalen Kreir.cn sieghaft durch. Ein Beispiel hierfür Ist das Problem der Jüdischen Erziehung. Darunter wollen die Liberalen nur konfessionelle Erziehung verstehen. Die Notwendigkelten sprechen eine andere Sprache. Ziel der jüdischen Erziehung ist nicht nur1 der konfessionelle lüde, sondern der jüdische Mensch. Die soziale Hilfstätigkeit bei den Juden kann sich nicht nur auf Kranken-, Wabenanstalten und Slcehenhäuscr erstrecken, sie greif» In das Oeblet der sozialen Umschichtung ein und wird auf diese Welse ein Teil jüdischer Volkspolitik. Insbesondere die Wandererfürsorge zwingt zur Zusammenarbeit mit den Judcnhciten anderer Länder. Die Wechselwirkung zwischen dem neuen Palästina und der "Diaspora tritt Immer sinnfälliger In Erscheinung. Das Verständnis für diese Zusammenhinge ist In allen jüdinche» Kreisen im Wachstum begriffen, auch in den liberalen. Man mag auf dem Standpunkt stehen, daß die Juden die Kennzeichen besonderen Volkstumcs haben, oder diesen Standpunkt ablehnen. Sicher ist, und das' wird In Taten anerkannt, daß die Juden eine Oruppe eigener Art sind, deren Struktur kein Analogen in den andern Rellglonsgesellschafti findet. Noch Ist der Landesverband in seiner heutigen Oestalt nicht vollkommen. Er muß zunächst einen Ausbau nach der Richtung erfahren, daß er alle Juden in Deutschland umfaßt, die sich als ein Teil des ganzen jüdischen Volkes fühlen müssen, Er muß In aUgcmcln-JOdUchcn Angelegenheiten An- Schluß an die Weltjudcnhelt suchen und wir sind Oberzeugt, daß er Ihn auch finden wird. Es gilt der deutschen Judenheit Innerhalb der Wclljudenheit wieder den Rang zu erobern, den sie anj Anfang dea 19. Jahrhunderts besessen hat. Es gilt unbeschadet des Zusammenhanges mit Deutschland die deutschen' Juden einzuordnen In die Qesamtaufgaben des durch keine. Grenzen von Staaten und Erdteilen zu trennenden jüdischen. Volkes. Wa. Schluß der Verbandstaguag In der' Vormittagssitzung am 23l Juni wurde noch ein« Reihe Resolutionen angenommen, so eine Resolution: der Landesverband möge dahin titig sein, daß ein Reichsverband «Der deutschen Juden geschaffen werde. Einige Entschlüsse Ober Lehrerbildung usw. wurde «eilt dem Unterrichtsausschuß, teils dem Rat überwiesen, Die letzte Sitzung war ausschließlich der Frage der Revision des prcußfschen judenrechts gewidmet. Dr. Freund gab ergänzende Aufklärungen über die Notwendigkeit einer Aendcrung der Auslrittsgctetzj;pbung, betreffend den Austritt von Personen aus der Gemeinde und von Gemeinden au« dem Verband, Die Möglichkeit des Austritts müsse bestehen bleiben, sofern Qcwlssensgründc vorhanden «Ind. Dr. Kollcnschcr sprach gegen die Thesen der Libcn Vereinigung, Insbesondere gegen den Passus, daß die durch Art. U7 gewährleisteten Rechte nicht starker «inßcschränkt werden dürfen, ah dies bezüglich der Christdien Reh'Rlonsgcsellschaften geschehen ist. Er meinte, man darf eich überhaupt keine Uunchrliiikunflen gefallen lassen, auch wenn solche gegen christliche Rclegten^eselUdjaften bestehen, Keineswegs darf sich der Staat Irgendwie In Innere Angelegenheiten der Ocmclnden, wie Bcamtcnctat, Verleihung von Aemtern usw. einmischen. Jedes OcccU Ist unannehmbar, welches nicht die Gleichberechtigung für alle Juden, auch Ausländer, vorsieht. Kein Lnndcsgcscu dorf Schranken aufstellen, die dein H 137 des Kclchwi-scUrs widersprechen. Der liberale Antrag zum Staatshaushalte lautet: ..Der Rat wird ersucht, darauf hinzuwirken, daß durch Einstellung in den Staatshaushaltsplan den Indischen Gemeinden,Ocmcludcverbänden und Einrichtungen In iihnllclrcr Welse wie lewels den christlichen Gemeinden, Verbänden und Einrichtungen eine staatliche Beihilfe zur Besoldung Ihrer Rabbiner, Prediger und anderen Kultusbeamtcn gewährt wird." Dieser Antrag wird einstimmig angenommen: Es wird hierauf in die Abstinimiusjr über den folgenden liberalen Antrag eingegangen: „Der Verbandstag des Preußischen Landesverbandes jüdischer Ocmeindcn erwartet, daß der Rat anläßlich Neuregelung der Judcngcsctzgcbung die Einhaltung folgender Grundsätze siehe rt: 1. Die durch Art. 137 der Rclchfivcrfassung gewährleisteten Rechte, namentlich die, Selbstverwaltung, dürfen keinesfalls eingeschränkt werden. 2. Dies g!lt namentlich für die Anstellung von Beamten und die Wahl von Mitgliedern der acmcimleorganc. 3. Diejenigen, welche die Erklärung abgehen, daß ihr Austritt aus der örtlichen Gemeinde lediglich wegen religiöser Orilmle rrfolct, kennen eine Per« Roiialgeinehxic öffentlichen Rechts bilden, oder Ihr beitreten, 4. Die Ucberlcitung in Ansehung der neupreußischen Gebiete darf nur erfolgen unter Mitwirkung Indischer Selbslverwaltimgskörpcr der einzelnen Gebiete und unter Wahrung erworbener Rechte der ietzigets Rabbiner, Lehrer und sonstigen Beamten. Der Antrag wird mit einer Mehrheit der Liberalen gegen Volkspartct und Konservative zum Beschluß erhoben. Es wird d.um die Wahl des fÜnfzchnRlIcdrlgen Ausschusses vorgenommen. Ein Antrag Berge rs, den Poale Zion einen Sit* mit Beratungsrccht einzuräumen, wird mit 41 gegen 33 Stimmen abgelehnt. Die Ausschußliste wird einstimmig angenommen. Man geht hierauf in die Erörterung des Antrages der Fraktion der Jüdischen Volkspartci ein, der folgendermaßen lautet: „Die im Landesverband vereinigten Synatfogengemelnden sind übereinstimmend der Rechtsauffassung, daß ß VI Abs. 2 des Gesetzes vom 23.7.1317 durch die Vorschriften des Art. 137, Abs. 3 der Rtichsvcrfassung aufgehoben worden ist.!>cr Vcilundslag ersucht alle ihm angeschlossenen Gemeinden, in Zukunft dieser Rechtslage Rechnung zu tragen." Einige liberale Redner finden diesen Antrag bedenklich. Vorsitzender, Justizrat Sonnenfeld, fraßt die Herren der Volkspartei, ob sie steh dem Risiko der Ablehnung aussetzen oder den Antrag lieber zurückziehen wollen; Die Volkspartei zieht den Antrag: Zurück. Hierauf hielt der Vorsitzende, Justizrat Sonnenfeld, das Schlußwort, Polnisch-jüdische Verständigung Die aus Watschau einlangenden Meldungen bestätigen, ß es nach wochenlsngen, an Zwischenfallen reichen Verhandlungen zu einer prinzipiellen Verständigung zwischen den Vertretern des jüdischen Sejmklubs und der polnischen Regierung gekommen M. Der Frleden«pakt wird gegenwärtig noch von den einzelnen Fraktionen des jüdischen Klubs beraten und bedarf noch der endgültigen Redaktion. Bis er in seinem authentischen Wortlaute vorliegen wird, muß sl;h die Würdigung der Abmachungen Reserve auferlegen. Heule handelt c; sieh darum, prinzipiell die Stellung der jüdischen Oeffcntlichkelt auch außerhalb Polens zu diesem Ereignis zu kennzeichnen. Die Juden der ganzen Welt begrüßen die Tatsache, daß In Polen ein Anfang gemacht wurde, den ungeheuren Ocgcnsatz zwischen der polnischen Gesellschaft und den In Polen lebenden Juden abzubauen. Weder die polnische noch die mit Ihr mitfühlende ausländische Judenheit haben es gewünscht, daß der Gegensatz zwischen polnischem Sla.it, polnischer Gesellschaft und der polnischen Judenheit verewigt werde. Gerade au* unserer zionistischen Auffassung des Juden- Problems heran« messen wir aber allen Lrritngcnschaf'tn der Judenheit in der Diaspora nur einen bedingten Wert bei. Die Zionistcn stehen darum auf dem Standpunkte, daß unter voller Wahrung der jüdischen Eigenart überall ein derartiger modus vivendi zwischen Staat und jüdischer Gemeinschaft Im Staate geschaffenwerden muß, daß die Unzulänglichkeiten des Diaspora-Daseins der Juden In weitestgehendem Maße gemildert werden. Iiis Hauptproblem der polnischen Judenheit ist gegenwärtig neben ihren nalionalkulturellcn Bedürfnissen rein wirtschaftlicher Art. Die schwere ökonomische Lage des polnischen SUalc* übt MturRctttätt auf die polnischen Juden. «Ine besonders fatale Wirkung. Dazu kam bisher der antl« semitische Kurs der einander ablösenden polnischen Reglerungen. Besonders kraß trat der Reglcruiigs-Antlscmltlsmus In der Handhabung der Verwaltung gegenüber den Juden In Erscheinung, , Der abgeschlossene Vcrstnndigungspakt soll eine Acra einleiten, in der die polnische Zentralrcglcrung alle Anstrengungen machen soll, um den gesetzgeberischen und administrativen Judenhaß abzubauen. Daß dieses Bemühen nicht in vollstem Ausmaße und nicht sofort In allen Erscheinungen des politischen, sozialen und wirtschaftlichen Lebens in Polen iVcrwIrkllcht werden kann, ist für die polnische Judenheit' und auch für uns vollkommen klar. Noch ist der eingefleischte Judenhaß der polnischen Behörden recht wirksam. Unverändert bleibt die ökonomische, für die Juden unglückselige Tatsache, daß sie zwischen Urproduktion und Konsum stehen und in erster Linie Opfer der in ganz Europa und auch In Polen sich durchsetzenden, wirtschaftlichen Entwicklungstendenzen werden. . , Dio eingeleitete Verständigung Ist ein begrüßenswerter Anfang. Sie wird sicherlich dazu beitragen, Polens Stellung in der Welt zu krSfligcn,, Wjchtf^cr, noch als der Pakt mit der polnischen Regierung ist die Verständigung von Volk zu Volk. Bis zu diesem Ziele ist Jedoch ein weiter Weg. Ob er je erreicht »|rd, Ist angesichts der anii 1 semitischen Einstellung fast aller Schichten des polnische« Volkes fraglich. Keineswegs wird aber die polnisch-jüdisch* Verständigung, wie der Obmann des jüdischen Klubs aus drücklich betont hat, in Irgendeiner Weise die Beziehungen { acwlachen den Juden und den anderen nationalen Minderheiten I im polnischen Staate belasten dürfen. Niemals werden sich \ die Juden zum Werkzeuge des Staatsvolkcs bei der Unter < drückung andsrer nationaler Minderheiten hergeben. M. W. Warschau. (J.T A.) Die polnische Presse gibt eint*« aus dem Inhalt dea zwischen der Jüdischen parlamentarischen Vertretung und der polnischen Regierung abgeschlossenen Paktes wieder. Danach enthalt der Pakt 52 Punkte. Dcrn. nlichst wltd die Regierung dem Sejm eine Vorlage utitctbnit,n wonach die Oeschäftslokale an Sonntagen zwei Stunden ol|cn' bleiben dürfen, ferner eine zweite Vorlage, daß die Vorschriften wegen der praktischen Anwendung de<s numerus cl.iu- »ns In Polen unwirksam werden. Außerdem hat die Regie, rung u. a. folgende Verpflichtungen Übernommen: Die ju. dischen Schulen mit jüdischer und hebräischer Unterrichtssprache erhalten Oeffentlichkellsrccht; die jüdischen Fachschulen werden von der Regierung finanziell unterstütz; die jüdischen Poslulste mit Bezug auf das Gesetz über die Jüdischen Ocmclnden werden berücksichtigt; jüdische Cierlchtsaspiranten werden angestellt; ab l. Januar 1026 werden allmählich und systematisch jüdische Beamte In Regierung*. Institutionen aufgenommen; die Jüdischen Forderungen hetreffend den Militärdienst werden berücksichtigt; die jüdische Bevölkerung erhält eine proportlonelle Vertretung in den Handelskammern, Kredit- und Flnanrlnsiitutioncn des Staates. Die polnische Staatsbank wird den jüdischen Kaufleutcn gleiche Kredite wie den nlcht-Jüdischrn einräumen; jüdische Lieferanten werden bei staatlichen Bestellungen in gleicher Welse berücksichtigt wie die nicht-Jüdischen. Die „Jüdische Emigrationsbank" u. a. noch nicht legalisierte Jüdische Insti. tutloncn erhalten die Genehmigung von der Regierung Die Frage der Staals/ugchörlgkeit soll in kurzem erledigt werde«. Das Schriftstück enthalt auch einen Passus, daß auf die polnische Rechtspresse in dem Sinne eingewirkt werden wird, daß judenhetzerische Artikel unterbleiben. Gegenüber dem J.T.A.-Vcrtreter iußerte Dr. Reich, der Präsident des jüdischen Parlamcnlaklubs, er glaube, die erzielte Verständigung leite ein neues System ein; es ist cm Anfang, auf den man weiterbauen könne, um das jüdische Leben in Polen zu festigen. Dies wird nicht allein den Juden, sondern auch dem polnischen Staate viel Nuuta bringen. Dr. Reich bestritt kategorisch, daß die jüdisch» Unterhändler gewisse Verpflichtungen in den Beziehungen zu den anderen nationalen Minderheiten cin-c gangen wären. Die Einzelheiten der Abmachung, sagte Dr. Reich, werden nach der endgültigen Formulierung zur Veröffentlichung gelangen, — Der zweite Jüdische Unterhandle', Dr. Thon, erklärte dem J.T,A.-Vcrtrctcr, nach der vollzogenen Verständigung wird der Antisemitismus aufgehet haben, Regleruttgssystem zu sein. Die jüdischen Forderungen haben alle Gebiete des jüdischen Lebens in Polen, das politische, kulturelle und wirtschaftliche Gebiet umlaßt. Dr. Thon sagte, er glaube, daß der Sejm das Ucbcrcinkommen ratifiziert, da der Inhalt der Verständigung in größcrem oder kleinerem Maße den Pottutaten der Sejm-Fraktionen entspricht Die Perlode der Mißverständnisse ist hoffentlich vorbei. Warschau. (J.T.A.) Die Einzelheiten über die an 2f. Juni vollzogene Verständigung zwischen der polnische: Regierung und den Jüdischen parlamentarischen Vertretern sind noch nicht veröffentlicht worden. Die Veröffcntlichun; wird erst vorgenommen werden, sobald der Ministerrat, so wie das Plenum des jüdischen Klubs ihre Billigung zu den gesamten Inhalt des Paktes gegeben haben werden. Vorläufig wurde nur das folgende Communique* gegeben: Die letzte Konferenz zwischen den Deputierten Dr. Reich un-J Dr. Thon einerseits und dem Außenminister Skrzynski und ßildungsminlstcr Orabski andererseits fand in des Amtsräumen des Innenministers statt. In dieser Konferenz wurden die Unterhandlungen über die Art der Erledlgfiinj: der Judenfragc In Polen beendet, In dem man zu einer £{• wissen Verständigung kam, die die Mißverständnisse und Di; sonanzcu, welche In der Beziehung zwischen der polnischen und jüdischen Gesellschaft bestanden haben, beseitigen wird. Die Konsequenzen dieser Verständigung werden in Verlauf einer gewissen Zeit In einer Reihe realer Tatsachen ihren Ausdruck finden; der Beginn der Realisierung der Verständigung wurde für die nächste Woche festgesetzt, Olclch nach Beendigung der Verhandlungen mit dem Minister trat der jüdische Parlamentsklub zu einer Voll »Itnmg zusammen, um den Pakt zu ratifizieren. Dr. Reit! und Dr. Thon hielten mehrstündige Referate. Die Diskussion wurde vertagt, um den einzelnen Klubfraktioncn zu ermo;- Helten, sich mit Partei-Exekutive zu verstandigen. Wie der J, T. A.-Vertrcter erfährt, sind die Fraktionen der Hltachduth, der Agudah und des Misrachi mit dem Resultat der Verhandlungen unzufrieden. Agudah und Misrachi befürchten, daß die Verbesaerungen des Zwangs-Sonntagiruhc-Qcsetzcs problematisch sind. Der Präsident des Klubi, Dr. Reich, konferierte mit dem früheren Premier Wltoi über aktuelle Prägen und über die Frage der Parlament Aktion für den Jüdisch-polnischen Vcrstäitdigungspakt. S*kol»w beim Außenminister Warschau. (J.T.A.) Der Präsident der zionistische» Welt-Hxckulive, Nahura Sokotow, hielt am 24. Juni eine Konferenz mit dem Außenminister Skrzynskl über aktuelle politische Fragen des .Zionismus ab. Auch die Frage der Legalisierung der zionistischen Institutionen In Polen winde erörtert. Die Konferenz hatte einen befriedigenden Verlauf. In den nlchsten Tagen wird Sokolow mit anderen Staatsmännern Besprechungen abhalten. — Es wird erwartet, daß die polnische Regierung eine Erklirun« über ihr« Stellung zum jüdischen Nationalhtlm erlisten .wird, Dal' Programm der Konfcrenzgemelnscluft wurde nachträglich u. i. unterschrieben von Dr. Olücksohn (Ten Aw"w), Jabotintk?, Dr, Klausner (Jerusalem), Rosoff.

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