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Jüdische Rundschau · 1925-06-26 · Heft 50 (26.6.1925) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 50 (26.6.1925)
Date
1925-06-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Kr. 50 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 44! Bulgarien und seine Juden Sofia» Anfang Juni. (Orlglnalbcrlcht). Oft und nachdrücklich wird rühmend hervorgehoben, daß es In Bulgarien überhaupt keinen Antisemitismus gäbe und ciiO die Juden dieses Landes sich vollständiger Gleichberechtigung erfreuten. Bis zu einem gewissen Orade entspricht dies auch der Wahrheit, und man kann den bulgarischen Dauern und den Regierungen dieses Landes das Zeugnis nicht verweigern, daß sie den nationalen Minderheiten — also auch den Juden — gegenüber wirklich tolerant sind, sofern diese Minderheiten die Kreise der Machthaber nicht stören, im Innern und nach Außen steh passiv und korrekt verhalten. Da dies bei der hiesigen Judennelt der Fall ist, die besonders außenpolitisch keinerlei tür Bulgarien bedenkliche Tendenzen haben kann, so wird sie sullscnwclgend geduldet. Mit den Hauern kommen Juden, die ausschließlich sn Städten wohnen, nur wenig in Berührung. Es gibt keine politische Partei mit ßrononziert Judcnfcindllclicn Bestrebungen, und von den vielen egieningen während der fünf Jahrzehnte seit dem staatlichen Bestände llulgarlens war wofil keine einzige antisemitisch behaftet. Materiell ist die Lage der bulgarischen Juden, die hauptsächlich den Zwischenhandel und verschiedene Handwerke betreiben, nicht besser aber auch nicht schlechter als die des Durchschnittes ihrer christliehen Berufsgenossen. Von einem regen gesellschaftlichen Verkehr zwischen Juden und Christen ist nicht viel zu bemerken; sie leben friedfertig nebeneinander. Alles in allem ein erträglicher Zustand, der unseren Stammesgenossen in Rumänien idyllisch erscheinen dürfte. Trotzdem herrscht innerhalb der jüdischen Einwohnerschait Bulgariens tiefe, stetig wachsende Unruhe. Alt oder jung, reich oder arm, jeder Jude ächzt tinter einem Alpdruck, Jeder fürchtet den morgigen Tag. Das Ucfülil von Ruhe und Sicherheit ist abhanden gekommen. In früheren Zeiten zitterte Israel, wenn Könige weinten. In Anpassung an die gegenwärtigen Verhältnisse In den Oaluthläudcrn müßte dieses Axiom lauten, daß Israel zittert, wenn die Völker weinen. Das bulgarische Volk weint, und Israel zittert. Bulgarien macht leidensvolle Zeiten durch; die Folgeerscheinungen der jüngsten Kriege erweisen sich gerade in diesem Liudchen schrecklicher und schwerer als die Kriege selbst. Dieses ausdauernde, zühe Bauernvolk kann die Verluste und Enttäuschungen, die Opfer und Demütigungen der jüngsten Vergangenheit offenbar nicht verwinden. In seiner ohnmächtiger» Wut und Verzweiflung zerrt es an seinen Ketten, reißt alte Wunden auf und schlägt sich neue; es zerfleischt sich seiher. Darin liegt die Erklärung für die blutigen inneren Kämpfe und für die furchtharen Ereignisse der letzten Wochen, die die ganze Welt mit Entsetzen erfüllen. Und sie zittern, diese vierzigtausend jüdischen Seelen, als müßte der ganze Schrecken dieser tragischen Situation ihres Landes sich gerade über sie ergießen, ah> wären gerade sie Ziel und Objekt des lauernden Unheils, als müBtcn gerade sie den Funken an sich riehen, der vom finsteren Gewölk droht. Wie nun Ist dieses Angstgefühl zu erklären? Ist es Instinkt oder atavistische Schärfe des Ocfühls, das In jedem jüdischen Ocmüt schlummert und dessen Wahrhaftigkeit nur zu oft in unserer Oeschichte bekräftigt wird, daß immer und überall der Jude schuldtragend Ist, daß er als Slindenbock herhalten muß. Jn diesen für Bulgarien •chreekensvollcn Tagen leidet der bulgarische Jude mehr als sein rhristlichcr Mitbürger, er leidet doppelt; als Staatsbürger und als Jude. Neben den mit unversöhnlicher Gehässigkeit und Wut sich befehdcndim Klassen und Parteien bilden die Juden ein Element der Friedfertigkeit, besonnener Ruhe und Arbeit. Aber sie sind zu schwach, noch nicht ein vom Hundert der Ocsamtbevfllkcrung, ohne jedweden Einfluß im öffentlichen Leben des Landes. Sie verabscheuen jedwede Gewalttätigkeit. Es sind eben Juden, orientalische Spanlolcn, seit vielen Fahrhunderten daran gewöhnt, mitten im Gewirr der einander befehdenden Völkerschaften als Enklave zu leben. Instinktiv ahnen eic, daß ihnen jede Einmischung In die Partei- und Klassenkämpfe nur Unheil bringen würde. Die Angst schärft den Blick. Darum sehen es die hiesigen Juden nicht gern, daß die jüngere Generation bestrebt ist, mehr als ihre Vater den bulgarischen Staatsbürger hervorzukehren, die durch Verfassung und Gesetze verbürgte Gleichberechtigung praktisdi zu erproben. Das sind meistens junge Leute, die bulgarische Schulen besucht, die bulgarische Universität absolviert haben, zumeist Advokaten, die am Parteigetrieb Oeschmack finden und sich tätig bemerkbar macheu wollen. Da es moderne Menschen und Juden sind, rangieren »ic fast immer im bnksradikalen Flügel, sind Sozialisten, Radikale oder gar Kommunisten. Daß solche jungen Juden schlecht dabei fahren, daß sie sich und ihre Volksgenossen den größten Widerlichkeiten und Gefahren aussetzen, beweisen einige Beispiele aus der allerjflngsten Vergangenheit. Da war ein junger Advokat namens Marko Fried - mann, der Im Prozesse wegen des furchtbaren Attentats in der Kathedrale „Svcta Nedelia" die Hauptrolle spielen mußte, vom Kriegsgericht zum Tode durch den Strang verurteilt und vergangene Woche zusammen mit zwei anderen Bulgaren öffentlich gehängt wurde. Sohn jüdischer Eltern, die vor Jahrzehnten, von auswärts kommend, »ich in einer bulgarischen ''royinzstndt niedergelassen haben, hatte Fricdmanii nichts Jüdisches au sich als den Namen und die Abstammung. F.r hat es wahrend der Verhandlung auch selber nachdrücklich hervorgehoben, indem er zu seinen Richtern sagte: „Ich bin Jude nur durch Zufall der Geburt, jedoch Bulgare durch Kultur und aus Ucbcrzcugung." Wie Im Urteil ausdrücklich erkannt wurde, war Friedmann am Attentat vom 16. April direkt überhaupt nicht beteiligt. Er war auch kein Terrorist, sondern über- 'c"gter Kommunist, mithin „Verschwörer", und mußte seine bcnuW am Oalgcn büßen. Da war ein anderer Jude, namens Josef Herbst, der Sprößling einer vor Jahrzehnten aus Oesterreich eingewanderten jüdischen Familie. Auch dieser stand dem Judentum gänzlich fern. Ehemaliger bulgarischer Off zjer, wahrend des großen Kriege« Chef des amtlichen bulgarischen Pressebüros, In zweiter Ehe mit der Tochter des als großer Patriot und Ministerpräsident berühmten Karavcloff verheiratet, war Josef Herbst ein talentierter Publizist und bekämpfte das jetzige Regime mit viel Ocfst und scharfer Verve, aber immer in legaler Welse und In vollendeter Form. Das war sein Verbrechen. Gleich am Tage nach dem Attentat wurde er bei Nacht aus seiner Wohnung geholt und Ist seitdem spurlos verschwunden. Ein gewisser Otto Nechelos, auf. ■ oten stammend und polnischer Staatsangehöriger, von Beruf miÄ"' eJ",Äcr »rifnflleher Mann, der sieh durch Mildätlgkeit undn Hilfsbereitschaft ruiniert hatte, soll vor vielen iimfniden B?l'crnfil,\rer Alexander Stambollnsky, als dieser wi . \ VC,r,,ol,jl. wurde, Irgfiiclwo versteckt oder Ihn sonst- n w,3n,e,"lWtf ,,u^"• AU, Siambullniky später allmächtiger Är vf." P"'sancii wurde, ha er Ncchcle« aus Dankbarkeit [TJTT,nlßtn cln« bäuerischen Hanaelsgesellschaft wE-u" nCLler cr Qc,d v«n««"* haben loll. Otto Nechelcs &,L,iJlelo1Inr s'mFnl!,,eJll c.r ,dcr Ocffcutlichkeit reÄ!t ,?cl,ne ST0.0« bf*,?n<1 ««»Wich darin, daß « mit Sttmbulinsky Befreundet war urtd von diesem bcünstigt wurde. Auch Nechelcs wurde nach dem Attentat In _er Nacht abgeholt und Ist auf mysteriöse Welse verschwunden. Das gleiche Schicksal hat auch einen gewissen Marco Flnzl, Uorseuumklcr von Beruf, und einen Advokaten namens Molsc Cohen ereilt. Aber während Flnzl partcl|K>litisch als neutral bekannt war, gehörte Cohen der kommunistischen Partei an. Als hätte die Erde sie plötzlich verschlungen, Kind Herbst und Nechelcs, l'inzl und Cohen nicht mehr da. Ihre Frauen, Ihre Kinder, ihre Verwandten und Freunde grämen sich in qualvoller Ungewißheit ab; wo sie forschen oder anfragen, erhalten sie ausweichende Antworten, begegnen sie Augen, die nichts gesehen, Ohren, die nichts gehört Imhcn wollen, begegnen sie Gesten, die nichts und doch das Allerfurchtbarste besagen. Und das Gras wiiehst Jetzt manneshoch auf den Feldern, besonders üppig wächst es über menschlichen Gräbern. , , Ä , Qewlß, diese und vielleicht , noch andere Opfer der schrcckcnsvollen Zeit sind nicht als Juden gefallen. Auch fällt es keinem vernünftigen Menschen ein, aus solchen Vorkommnissen, so entsetzlich sie auch sind, mit tendenziöser Uebereilung zu folgern, daß eine antijildischc Strömung gerade ^yai&y^T&^Wiii^»^^ An die liestauensieiite dtr SciioKcloliiionid Die Schckclaktlon In Berlin muß am 1. Juli boendot «ein. Niemand darf das Material länger behalten Jeder muß seinen Schekelblock bia zu diesemTermlnbcl dcrB.Z.V. abgerechnet haben. Berliner zionistische Vereinigung. 9 .Tvwr; fin/iw,* »\;v.?^^{fW»YÄvwi<wftt xhw.v.vamk^ die Juden damit trrtfen wollte. Das nicht. Aber im Zusammenhang mit anderen Erscheinungen In der jüngeren und jüngsten Vergangenheit müssen sie trot/dem gerade den Juden besonderen Schrecken einjagen. Noch sind die Erpressungen vom vorjährigen Winter in frischer Erinnerung, da die Juden unter Todcsdrohuugen horrende Betrage zahlen mußten. Noch steckt jedem Juden der Schrecken in den Beinen über den Raub eines jungen Menschen, des^ Sohnes eines vermögenden Juden, der am hellichten Tage im Zentrum der Hauptstadt von Räubern entführt wurde, um am unglücklichen Vater Erpressung zu üben. Noch sind die ür.'ibcr jenes unglücklichen Juden und seines dreizehnjährigen Knaben ftisch, die im Stadtgarlcn erschossen wurden, well der Betreffende die hohe Summe nicht bezahlt hatte, die von Ihm gefordert wurde. Und wenn nun die Juden Bulgariens diese und ähnliche Heimsuchungen nicht nlj AunIIiiB einer ludenfeindlichen Gesinnung und Strömung beurteilen und bewerten, wenn sie sich trotzdem hartnäckig weigern, an die Existenz eines Antisemitismus in Bulgarien zu glauben, so geschieht von gc- , wisscr Seite so manches, um diese Zuversicht zu untergraben, das zähe Vertrauen /u erschüttern. Wie anderswo, sind auch hier die nationalistischen Offiziere zusammen mit einem Teil der Studentenschaft in dieser Richtung tätig. Wandcrcrvcrbindungcn, jugendliche Sportler und Studenten haben nach berühmten Muster das Hakenkreuz zu Ihrem Fluidem gewühlt, vielfach ohne die eigentliche Bedeutung dieses Wahr- Zeichens zu kennen, und die Offiziere machen nu< Ihrer' xenophoben und antijüdischen Gesinnung Überhaupt kein Oehciiunis mehr; sie verlangen offen, da!l die Juden Bulgarien verlassen und nach Palästina auswandern sollen. In einer vorwöchigen Nummer Ihres Organ-, kündigen die Offiziere zusammen mit den Griechen und Armeniern auch den luden die .Gastfreundschaft; unter süßsauren Komplimenten für Ihr braves Verhalten und ihre Anstelligkcil werden die bulgarischen Juden höflich aufgefordert, auszuwandern, sich nach Palästina zu begeben, Berufe und Vcrdleustmöglichkcitcn den christlichen Bulgaren zu überlassen, denen es, acltl schrecklich.schlecht ergehe. Und da die Offiziere unter dem jetzigen Regime die eigentlichen Machthaber, die wahren Gebieter tiber alles und alle sind, so bringt niemand die. Courage nuf, ihnen zu erwidern, daß die Juden Bulgariens keine geduldeten Gäste sind, denen man einfach den Stuhl vor die Tür (.teilen kann, daß sie vielmehr erbausässig im Lande sind, wo sie unter Rom und rtvzanz, also lange bevor die Bulgaren einbrachen, schon ansässig waren. Und die vielen, vielen Blutoplcr, die die Juden in den letzten Kriegen für Bulgarien und seine nationalen Aspirationen hingegeben haben! War das alles nicht genug, um sich dauerndes Asylrecht und Bürgerrecht In diesem Laude zu erkaufen 1 Aber auch ohne die Hinauskoiripllinentlcriiiig der Herren Olfizicrc habet viele spanlolische Juden Li den Ic'.ztc.i zwei bis drei Jahren Bulgarien schon verlassen, und ihrer noch viel mehr sind im Begriffe, demnächst auszuwandern. Sic gehen fast alle nach Palästina, von wo In letzterer Zeit günstige Nachrichten und Berichte von Augenzeugen hier eintreffen. Unter diesen Auswanderern sind viele jugendliche Chaluzim, Handwerker und Gewerbetreibende, aber auch vermögende Leute. Inhaber reiuiomlcrter Handelsfirmen, bei denen weder materielle Beweggründe noch zionistische Ideologie ausschlaggebend sein dürften. Wenn die Herren Offiziere und ihre nationalistischen Trabanten ihre Agitation weiter fortsetzen, so kann diese Auswaiidcnuigstendeiiz auch den Charakter einer Masscnflucht annehmen. Ob Bulgarien damit geholfen sein wird, daß etliche Tausend seiner friedfertigsten, arbeitsamen und kultivierten Bürger das Land verlassen, wird dann die Zukunft lehren. Es ist kein gutes Zeichen für ein Land, wenn gerade die nützlichen und ruhigen Bürger es fluchtartig verlassen, weil ßlc sich in ihm nicht sicher fühlen. C. M.. J. Zur Erwellerartg der Agesey Herr Justizrat Dr. Boden heImcr, Köln, ttufkrt sich in längeren Ausführungen über die Form der Erweiterung der Agcncy. Aus Platzgründcn müssen wir uns auf Abdruck des folgenden Resümee beschränken; 1. Eine Abmachung mit nichtzioniätiKchiu Organiiatioucn über deren Beteiligung an der Jcwisli Agcncy ist trotz den politischen Charakters dieser Einrichtung zulässig. 2. Es Ist au3 logischen und aus Zwcckmäßlgkcitsgrüiidcn abzulehnen, diesen Abmachungen den Sinn zu geben, daß die Delegierten dieser Organisationen Nlchtzlon listen sein sollen. Diesen muß vielmehr dein freien Eritsclilufl der betreffenden Organisationen überlassen bleiben. 3. Gnindsalzllch Ist festzustellen, daß Jede/» Mitglied der „Jcwlsh Agcncy" r.lch die Schaffung der nationalen I leim- Stätte für das jüdische Volk In Palästina mm Zlclo zu setzen hat. Es muß In das Gewissen jede» Delegierten einer nichtzionistischen Organisation gestellt werden, zu entscheiden, ob er nach dem Zweck der Einrichtung der „Agcncy" Mitglied derselben werden kann, ohne das Baseler Pro grarnm anzuerkennen. ',„.., , , . Zur organisatorischen Umgestaltung Zu den von uns publizierten Vorschlägen der deutschen Zlonistru über die organisatorische Umgciitallung «ler Zionistischen Organisation macht Herr Justizrat Dr. Hoden - heim er, Köln, In einem Schreiben an die Z.V. f. D, folgende Anmerkungen: „Zu Ihren Organisationsvorschlägen erlaube ich mir einige Bemerkungen zu machen: I. Landesverbände: lllcf seidigen Sie bezüglich des lokalen Arhclt.koinitces vor, «faß ihm die Vertreter aller zionistischen Oninpcn angehören müssen, <Iie die gemeinsame zionistische Arbeit in der Stadt leisten sollen. Diese Lösung hat sich in der Praxis nicht als zweckmäßig erwiesen. Für die Durchführung örtlicher Veranstaltungen war das Arbcilskotnitee zu groß und für die propagandistische Wirkung zu klein und ohne unmittelbare Beziehung zu den Mitgliedern der verschiedenen Gruppen. Die Arbeitsausschüsse entwickelten sich zu Debatticrklulw meist theoretischer Art mit endlosen Reden der Mitglieder. Mein Vorschlag ist vielleicht schwieriger durchzuführen, aber wenn er durchgeführt ist, von durchgreifender Wirkung. I:r geht dahin, daß alle Zlonlsten eines örtlirhcii Bezirk« Mitglieder der Ortsgruppe sein müssen, innerhalb deren uta ihre Verpflichtung gegen den Landesverband und die Zentral- Organisation zu erfüllen haben. IMc von Ihnen unter Ziffer 1—5 formulierten Kompetenzen des Landesverbandes waren auch auf die Ortsgruppe anwendbar. Ihre übrigen Vorschlage zu Ziffer I halte Ich für zweckmäßig. Mit Ziffer II, Schckel, bin ich einverstanden, ebenso mit Ziffer III über die Exekutive. Dagegen halte Ich Ihre Regelung des Actions-Comltds und Senats nicht für empfehlenswert. Zunächst darf der Senat nicht lediglich ein Anhängsel des A.-C. sein. Wenn er überhaupt eine Itedcutiing haben soll, muß cr seil» st.'indige Kompetenzen haben und Innerhalb dieser Aufgabe müssen seine Mitglieder auch da* Stimmrecht haben. Uis A.-C. Ist eine Körperschaft für sich, die der Exekutive dauernd zur Seite zu stehen und sie zu überwachen hat. Das A.-C. muß deshalb auch in grollen Umrissen die Meinungen des Kongresses widerspiegeln. Aus diesem Gründe möchte icli den drei bedeutendsten Landesorganisationcn oder Föderationen das Recht geben, ic sieben Mitglieder in das A.-C. zu präsentieren, deren Wahl dann durch den Kongreß erfolgen kann. Diese 21 Mitglieder sollen nach dem Grundsätze gewählt werden, daß sie in der Lage sind, Jeder Sitzung tles A.-C, das häutiger als bisher zusammentreten soll, beizuwohnen, «o daß es als ständiges Kontrollkomitcc betrachtet werden kann. Der Senat soll sich dagegen zusammensetzen aus Mitgliedern „de Iure" und Mitgliedern „durch Wahl des Kongresses". Auch die „de jure''-Mitglicdcr sollen der Genehmigung des Kongresses unterworfen werden. Zu den „de jure"-Mitgliedern rechne Ich erstens ausscheidende Mitglieder des A.-C, ilie mindestens wahrend dreier Perioden vom Kongreß als A.-('.-Mitglieder gewählt worden Und, zweitens die ersten Präsidenten der früheren Kongresse, dritten» den Vorsitzenden des Kongrcllgcrichts, viertens den Kongreßanwalt, fünftens die Vorsitzenden des Jcwish Colonial Trust, des J. N.-F. und des K.-ll., die unter 3-5 Genannten nur, solange sie diese Acmter bekleiden. Die übrigen Mitglieder sollen, um die Zahl auf 40 Mitglieder zu ergänzen, jeweils vom Pcrrnancnzausschul) vorgeschlagen werden. Die Mitglieder des Senates werden auf Lebenszeit gewählt. Eine Abberufung ist nur möglich unter den Voraussetzungen, unter denen die Mitglieder des Council!, des J.CT. ihre Befugnisse zu ihrem Amte verlieren. IVr Senat tagt in besonderen Fällen bei Einberufung gemeinsam mit den Mitgliedern des A.-C, und der Exekutive. Er ist Jedesmal zugleich mit dein Kongreß einzuberufen und hat dann In seiner Vereinigung mit Exekutive und A. C. das Vetorecht gegen Beschlüsse des Kongresses. Ich würde vorschlagen, das Vetorecht dahin zu beschränken, daß im Falle des Vetos die Beschlüsse des Kongresses einer zweiten Lesung zu unterwerfen sind und einer qualifizierten Mehrheit bedürfen. Das Recht der Abberufung von Mitgliedern der Exekutive ist niitlcr dem Kongreß nur dem Senat in seiner gemeinsamen Sitzung mit dem A.-C. und der Exekutive zu bewilligen, ebenso das Recht, die zionistischen Mitglieder der Jcwish Agcncy bindend zu instruieren. Zum Kongreß (Zllfcr V) habe ich nichts zu bcinetken. Zu Ziffer VI (Zionistische Vertretung in der Agcncy) halte ich die amerikanischen Vorschlüge in der gegenwärtigen Form für gefährlich und nicht annehmbar. Die Wahl von Mitgliedern in den Rat der Agcncy kann nicht darauf abgestellt werden, ob die betreffenden Personen Zioiilsteu sind oder oh sie der Zionistischen Organisation nicht angehören. Es gibt nichtzioiiistische Organisationen, die Zionlstcn als Mllglicder hoben. Diese Organisationen könnten den Wunsch haben, Zionlstcn gerade wegen ihrer zionistischen Erfahrung und Energie in den Rat der Agcncy zu entsenden. Diese wäre jedoch laut Statut hiervon ausgeschaltet. Andererseits halte ich es theoretisch nicht für ausgeschlossen, daß die Zionistische Organisation den Wunsch haben könnte, irgendeinen Nichlziomstcn für den Rat der Agcncy zu gewinnen, der zulällig oder aus bestimmten Gründen von den anderen an der Agcncy beteiligten Organisationen nicht nominiert wird. Die von Marshall vorgeschlagene Ukuiiig wäre eine Prämie darauf, daß Personen von Rang und Ansehen in nlchtzlonistifcIicii Organisationen sich dein Zionismus nicht anschließen, denn In dienern Augenblick wären sie von der Nomiuleruug In die Agcncy seitens dieser Organisation ausgeschlossen, Die Lösung Ist viel einfacher und gerechter zu gestalten, wenn sie nicht auf die einzelnen Personen abgestellt wird, sondern auf die Organisationen. Den nlchtzionistisehcn Organisationen wird die Ernennung der Hälfte der Mitglieder des Councils zugebilligt. Die andere Hälfte wird von der Zionistischen Weltorganisation ernannt. Hierbei steht es jeuer Organisation frei, ob sie Zionlstcn oder Nichtzionistcn In den Council entsenden will. Die Erfahrung wird dann wahrscheinlich lehren, daß auch die nichtzioiilstisclicn Organisationen es vorziehen werden, Personen, die der Zionistischen Organisation nahestehen, in den Council zu entsenden. Slaalsbellrat? tür die Israelitischen Kuliasgeneiidea Bayerns München. (?.T.A.) Im Bayerischen Landtage wurde der Zuschuß für den Verband israelitischer Kultusgemeinden In Hoho von 5000O M. für 1924, von 60000 M. für 1025 mit 13 gegen 12 Stimmen genehmigt. Digegcn stimmten Kommunisten, Sozialdemokraten, Dcutschnntionate und Dciitschvfllkhche. Gegen die vier Clialuzlni, die sich über die (mische Grenze nach Palästina elngc*chuii>gi;clt hatten, fand die Gerichtsverhandlung statt. Zwei Chaluzim Mna zu je zwei Mannten Gefängnis und zur Landesverweisung verurteilt worden. _ t > Dicnstog, den 17. d. Mt«.. fand in Krakau eine große Massenversammlung (talt, in der Dr. Hantke, Berlin, und Abgeordneter Dr, Tihon referierten.

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