Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 50 (26.6.1925)
- Date
- 1925-06-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Hein lion rtc: ine de.) in for. Dt. der nur aunie a!cn >ul :tn.;tn tnn de lic dtr :iu. jicl tm «a :n. len!cn cnjmi m icr be. m ill. ion Ich toi :rt, cit hl- :!« r«i de Iii w tt :r '31 Kr. so JÜEÜISCHE RUNDSCH'ÄÜ Seite 439 tu;« :a i « Tagung des Landesverbandes Der zweite Vcrhandlungstag bot In der Generaldebatte in bewegteres Dild als die Eröffnungssitzung. Zu Worte gcf'„len die verschiedenen Richtungen, und trotzdem es nur ,»rta«n Aufwand an Temperament und wenig Erregung gab, fluiden doch die Gegensätze in der Stellung der einzelnen firuppen zum allgemeinen Judcnproblcm scharf gcgcneln- Llrr. Unzweifelhaft stellten die Reden und Erklärungen der, i'fftrcler der lüdl-dicn Volkspartci ihrem Inhalte und Ihrer form nach Höhepunkte der Tagung dar. Vor der Plcnar- «Itrunft fand eine interfraktionelle Sitzimrr Matt, in der Uber •ic IJwctzuiig der Rabbinerposten im Rat verhandelt wurde; fine Einigung herrschte nur inbezug auf die Rabbiner pr, Baeck und Dr. Horowitz und inbezug auf die Vertreter /tt Hochschulen. Für den 3. Rabbinersilz präsentierten die ybcralen Dr. Scügmann, die Volkspartei Dr. Emil Levy. Um 11 Uhr begann die Plenarsitzung mit der Wahl der Babbincrvcxtrcter im Rat. Qewählt wurden durch Zuruf nr, Baeck und Dr. Horowitz, Frankfurt a. M. Mit iwuc auf den dritten Sitz entspann sich eine Diskussion, iu Jcren Verlauf Obcrrcg.-Rat Hans Ooslar für die Wahl nr, Levy*» eintrat. Iis kam zur Abstimmung. Ocwählt wurde Dr. Seligmnnn. AU Stellvertreter wurden gewählt Pr.Rosrnthal-KöIn, Dr. Levy und Rabbiner Wilde. Als Verlier der Hochschulen wurden durch Zuruf gewühlt: Prof. pf> M. Güttin an n-Brcslau, Rabb. Dr. Weinberg- Btrlin und Prof. Dr. Elbogcn-Berlin. Nachdem noch Herr Dr. Ismar Freund zum Etat ge- «nrochen hatte, ging man in die Ccncraldcbatte über den Rechenschaftsbericht ein. Herr Stern (liberal), der als erster & Wort ergriff, sprach aber die Notwendigkeit der Aus. bildung eines tüchtigen Lehrernachwuchses, und setzte sich «arm für die Idee eines Rcichsvcrbandcs aller deutschen Juden ein. Dr. Alfred Klee legte namens seiner Fraktion zunächst (in starkes Bekenntnis für den Ocdankcn des Ocsamtjudcntum* ab. Das preußische und deutsche Judentum seien nur •in Teil des Weltjudciitiims und wenn unsere nächste Sorge latiirgrinäß drin deutschen Judentuinc gelte, so machen wir doch in Jüdischen Dingen an keiner politischen Orcnzc halt. )t, Klee entbot dann der Wiederaufbauarbeit Palästinas seinen Oruß. Diese Arbeit sei heute keine Parteisache, sondern eine Aufgabe des Oesamtjudentums. Im weiteren Verfolg seiner eindrucksvoll vorgetragenen Ausführungen besprach Klee die Frage der Erziehung, die nur in eigenen jüdischen Schulen gc« wihricUtet sei, die Frage der jüdischen Wandcrlursorgc, der sonstigen sozialem llilfstiitigkeit und befaßte sich zum Schluß mit der Politik der n a t i o n a 1 d c u t s c Ii c n Juden, die alle für Palästina tätigen Juden als Verräter an Deutschland bezeichnen. Man fiilflt und handelt all lüde jüdisch und als Deutscher deutsch. Ats Vertreter der Konservativen formulierte R. A. Dr. H o r o w i t z Frankfurt a. M. die kulturellen und Schulfordcrungcn der gesetzestreuen luden. Er forderte jüdische Schulen, in denen die Thora ein Heim hat. Mag.-Rat Neu mann (Religiöse Mittelpartei) trat ebenfalls für religiöse Erziehung ein. Er bekämpfte aber die Forderung, daß Hebräisch Unterrichtssprache in religiösen Fächern sein sollte. Hebräisch, sagte er, ist unsere heilige Sprache. Wer sie als Umgangssprache gebrauchen will, der mag es tun, uns widerstrebt es, so etwas zu unterstützen. Dem Aufbauwerk in Palästina stehen wir sympathisch gegenüber, aber auch das Ist Sache des Einzelnen. Der Landesmbajid ist ein Verband preußischer Juden,, ihm obliegen wtzig preußisch-jüdische Aufgaben. Alfred Berg er (Poale JZion) protestiert gegen die unpariläüschf. Zusammensetzung des Rates, welcher von der liberalen Mehrheit beherrscht ist. Das Wahlrecht in zahlreichen jüdischen Gemeinden ist noch immer das veraltete Verhäitniswahlrccht, in vielen Gemeinden haben die ausländischen Juden überhaupt kein Wahlrecht. Der Redner bezeichnete es als eine Ehrenflicht der preußischen Judcnheit, das Aufauw e r k in Palästina zu fördern, die von den jüdischen Arbeiterparteien geschaffenen Institutionen für das Arbeitende Palästina zu unterstützen, ebenso das Werk der fachlichen Ausbildung von Chaluzim. Die soziale Wohlfahrt ist eine der vornehmsten Aufgaben des Verbandes, aber sie dürfe nicht an den Grenzen Halt machen. Den Reigen der Redner der Nachmittagsitzung eröffnet San.-Rat Pcyser (Liberale Fraktion, Vorstandsmitglied des Verbandes nationaldcutschcr Juden). Er polemisierte sehr scharf dagegen, daß Gelder deutscher Juden für Auslands, zwecke, d. n. für Palästina, verwendet werden. Er zweifle nicht an der gut jüdischen Gesinnung der Zionistcn, er zweifle aber an ihrer deutschen .Gesinnung. Die Worte des Redners rufen einen Sturm der' Entrüstung auf Seiten der Volkspartci hervor. Auch Vertreter der anderen Minderheitsparteien protestieren. Die Stimmung wird 6chr erregt. Frau Ollendorff (liberal) schildert eingehend die Arbeit der jüdischen Frau auf sozialem Gebiete. Dr. Sandler (Volkspartci) verteidigt vier Postulate: 1- Absolute Durchführung der Demokratie fm Landesverband; 2. das Vorgehen der Staatsbehörden gegen die 9s*iudcn ist von einer ungerechtfertigten Härte und Rück- '■chUlosigkcit. Die Ausweisungspraxis wird unglaublich hart gcliandhabl, wegen geringer Paßvergchcn werden die härtesten Strafen auferlegt. Er begründet die von seiner Fraktion eingebrachte Resolution an den Minister des Innern, die nachgeordneten Behörden nach der Richtung einer humaneren Handhabung der Vorschriften zu instruieren. 3. Die Organisation des Landesverbandes wird die Ein- "yiUidee unter den preußischen unB deutschen Juden Harken und die Bande zusammenhalten, die die Emanzipation 'u lösen begonnen hat. 4- Mitarbeit am Aufbau alastinas ist Sache jedes Juden. Die deutsche Judcnheit Wwc sich nach dem Beispiel der amerikanischen judcnheit «n «et JewUU Agtncy beteiligen. Rabb. Kober-K6|n beleuchtete die Stellung der Rab- 'wer, Lehrer Falkenbcrg (liberal) sprach über das *'oblcm des Religionsunterrichtes. Er forderte eine Veroenrune und Intensivierung der Rcligionsslundcn an den juatsschulen und stellte diese Forderung der Errichtung •'«encr jüdischer Schulen voran. Er nahm San.-Rat Pcyser l'gen die Angriffe der Linken in Schutz. M. A. Loeb (konservativ) stellte im Gegensatz zum Vorredner das Postulat eigener jüdischer Schulen voran, w eine Vermehrung des Religionsunterrichtes an StaatsriEiPi..."1.. WV}}^ zu h.0(fcnt nur die jüdische Schule wd jüdisches Wissen und jüdische Tradition stärken. Die 'wßcnde Zahl der Mischehen zehrt am Mark des Juden- Das muß allen zu denken geben. "den die Tims. . Ministerialrat Dr. Badt (Volkspartci) schließt sich u Rührungen Dr. Sandlers an, daß die Praxis gegen d W'VdfB Jund *üc Auslandsnidcn eine unmenscliliche ist. 3»» Undtagsabgeordneten ist das betreffende Material jWJänglich, und er "könne Nien Ausländern, die 40 Sprache. Palästina Glaubensbrüder Im aber spielen alles Dr. Naumann berufen, wenn man von Ihnen eine mildere Praxis gegen Auslandsjudcn verlangt. (Hört-Hßrt-Rufe.) Wie muß es auf Nichtjudcn wirken, wenn das Mitteilungsblatt der nationaldeutscheii Juden, das vielen nlchtjOdlschcn Kreisen zugänglich gemacht wird, alle Zionistcn als Landcsycrrätcr bezeichnet. (Pfui-Rufc. Von liberaler Seite wird dem Redner zugerufen, er möge nicht so viel über Naumann sprechen, es interessiere niemand. Seitens der Volkspartci wird den Liberalen «ler Name Peys<T ciilgegciigcriifcn.) Der Redner bring» Fülle vor, wo die DciilsrhnnllonaJon Im Landtag den Innenminister Severin« wegen seiner angeblichen Ost|udrnfreundlidikclt aufs ncliürfstc bekämpften und rieh auf Artikel in dem von Dr. Naumann herausgegebenen Mitteilungsblatt beriefen. Für uns Juden in Deutschland, rief der Redner aus, versteht sich das Deutsche von selbstl (Allseitiger Beifall.) Es ist uns aber ein Herzensbedürfnis, in einem neuen und freien Deutschland zu leben. Dr. Naumann hat sogar den Rcicbsbund jüdischer Frontsoldaten, auf den wir alle stolz sind, als Bund jüdischer Elnhcltsfrontsoldatcn bezeichnet. Dir. Holländer (Central-Verein) führt aus, wir |udco bildeten eine religiöse Gemeinschaft und nur die Religion verbindet uns mit den ausländischen Juden. Es wird in zu leichter Weise eine Gemeinschaft mit den Gstjiidcu konstruiert, die nicht existiert. Wir halten die Ostjudoii keineswegs als iiiiebcnbürtig oder gar minderwertig, ober wir stellen fest, daß sie anders geartet sind und in den deutschen Kulturkrcis nicht hineinpassen. Der Redner akzeptiert die Formel Dr. Klees, daß man als Jude jüdisch und gleichzeitig als Deutscher deutsch fühlen kann, nur bedingt. Wir können keineswegs deutsche Sprache und hebräische Sprache nebeneinander stellen. Deutsch ist unsere Volkssprache, hcbriiheh unsere heilige als Zufluchtsland unserer unglücklichen Osten sei zu begrüßen, die Zionistcn auf eine Karte aus. Auf Antrag Dr, Stern wird die Debatte geschlossen und Über die Resolution der Volkspartei abgestimmt. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Sic hat folgenden Wortlaut:; „Der Vcrbandstag stellt mit lledaiiern fest, daß die Ausweisungspraxis der preußischen Verwaltungsbehörden gegenüber den Ostjiidcu immer schärfer gchandliabt wird, und daß Anträgen auf Einbürgerung, auch wenn die Antragsteiler schon jahrzehntelang in Deutschland wohnen, immer größere Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden. Der Vcrbandstag ist überzeugt, daß der Minister des Innern als oberster Chef der Verwaltung diese Praxis nicht billigt, und bittet ihn daher, die nachgeordneten Behörden mit entsprechenden Weisungen zu versehen, insbesondere aber anordnen zu wollen, daß bei Auswtisuiigsfallen den Geboten der Menschlichkeit mehr als bisher Rechnung getragen wird." Dann sprach Dr. Ismar Freund über: Revision des prculli sehen J u den rechts. Der Redner geht ausführlich auf Art. 137 der Reichsverfassung ein, laut welchem eine Staatsklrchc nicht existiert, wonach also die einzelnen Glaubensgemeinschaften die Freiheit, eigene öffentlich-rechtliche Organisationen zu bilden, besäßen. Es bleibt aber ungeklärt, ob durch diesen Artikel das Judengesetz von 1847 als abgeschafft zu gelten habe, ob es sich um ein zwingendes Kcichsrccht handelt, welches Staatsrecht bricht, oder ob Raum gelassen wird für Landesgesetze. Es müsse, schloß Dr. Freund, ein einheitliches Judcnrccht zur Geltung kommen und der Grundsatz gelten: Wer in der Oemclnde als Jude wohnt, der Ist Jude. Der dritte Vcrhandluiigstag war der niirihberatung des Etats gewidmet. Abgeordneter Dr. Ii n d t gibt eine ausführliche Geschichte der Kämpfe um die Stantsbcihllfcn für die jüdischen Synagogen-Gemeinden, und meint, der Kampf um die Staalsbcihilfcn Ist ein wichtiger Heitrng zum jüdischen Kampf ums Recht. Bereits im Jahre 1014 hatte Im Preußischen Abgeordnetenhaus ein Kampf dafür eingesetzt, daß den jüdischen Synngogengcmciudcn die proportioncll gleiche Staatsbcihilk zuteil wird, wie den evangelischen und kathotholischen Bekenntnissen. Im Jahre 1023 figurierte im preußischen Etat ein besonderes Kapitel Svnagogciigcmciiiilcn. Aber schon im Jahre 1021 fiel die Angelegenheit unter den Tisch, ohne daß eine Begründung hierfür versucht worden ist. Der Kampf um die Wiederherstellung der Position wurde aufgenommen unter der Devise: was für Evangelische und Katholiken recht ist, muß für die Juden billig sein. Charakteristisch waren die Argumente, die der damalige Finanzminister Richter gegen den damals vorliegenden Antrag Dr. Badt und Genossen ins Treffen geführt hat. Kr meinte, der Umstand, daß das Fehlen dieser Position Im Etat viele Jahre nicht bemängelt worden ist, beweise, daß die Notwendigkeit einer Wicdcrcinstcllung nicht vorliegt. Der Redner bemerkte, dieses Argument zeige, wie leicht durch stillschweigende Duldung ein Unrecht zum Recht gestempelt wird. Ein zweites Argument des Ministers war der Hinweis, daß die Synagogengemeinden sogar leistungsfähiger sind als die christlichen Gemeinden. Auch hier altes Vorurteil, welches unsere soziale Arbeit hemmt und bekämpft werden muß. * « Der vom Verbandstag angenommene Voranschlag de» Landesverbandes für 1025 sieht vor: Ausgaben. Verwaltung 50 000 M. Subventionen an Gemeinden, Theologische Bildungsanstalten und Lehrerbildungsanstalten 1 153700 von Fällen berichten, wo jü- Jahre in Deutschland wohnen, lif r? «ic J*nrc »n ucutscniand wonnen, Xkäii 'WR* /«weigert wurde. Der Redner klagt die tie Är£hcn Men,an' daö «kdurch ihre Propaganda «rfJ?.rcußiscl?eJJ. Behörden gegen die ausländischen Juden ««Wlusstn, Oft komm» tt vor, daS Behörden iM «8 Verwaltungsblatt 6000 Statistisches Jahrbuch 4 000' Vcrbandstag und Rat 50000 Bildungsanstaltcn zur Heranbildung von Lehrern, Kantoren und Gemeindebeamten 46000 Verschiedenes u. unvorhergesehene Ausgaben 50 000 Summe 1368 700 M. Einnahmen. Staatsbeihittcn 510 (M> M. durch Beiträge der Gemeinden aufzubringen 853700 Summe I30b7üü M, * Die Wahl von vier Mitgliedern in den Rat des Vcn bandes durch den Verbandstag hatte nachstehendes Ergebnis: Sonncnfcld (liberal), Vogelstein (liberal), M ' Loeb (konservativ), Hantke (Volkspartei). * Der neugcwähltc Rat hat am Dienstag eine Sitzung abgehalten und sich konstituiert. Zum Präsidenten wurde der Vorsitzende der Berliner Jüdischen Oemclnde, Kammergerichtsrat Leo Wolff (Lib. Vereinigung) gewählt. Zu stellvertretenden Vorsitzenden mit gleichen' Rechten und Pflichten wurden gewählt: Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee (Volkspartei), Bankier Bruno Oalewaky (konservativ) und Justizrat Leo Ltlicnthal (liberal) Eine Schwester Dr. Wcizmanns getlorbcn. In Jerusalem verschied am 18. Juni Frau Minka Law, Oattin eines Beamten des Jaffa-Distrikts. Die Verstorbene war eine Schwester, von Dr. Chajirn Weiztnuo, M EE&sicse Im „Rasswjct", dem Lcihorßan dc£ Herrn Jaboiinsky, nimmt der Führer der Revisionisten Stellungzum Koiirrrcßprofframfli der Z.V.f.D. Das ist freilich euphemistisch ausgedrückt, denn Jabotinsky hatdns Versprechen, das er ntn Anfang seines Artikels ablegt, unser Programm nicht zu analysieren, getreulich erfüllt. Herr Jabotinsky gefüllt sich darin, die deutschen Zionistcn als „Landsknechte" zu bezeichnen. M51U türisclic Bilder liegen ihm naturgemäß nahe. Er will mit dein zitierten Ausdruck offenbar die Organisationstreuo und Disziplin der deutschen Zionistcn verhöhnen. Wir haben auch nicht erwartet, bei ihm Verständnis für eine Gesinnung zu finden, die das Interesse der gesamten Bewegung niemals aus dein Auge verliert und die, so wenig sie sich je gescheut hat, ihrer oppositioneller» Meinung Ausdruck zu geben, dennoch dies nie mit Mitteln versuchen wird, die die Organisation sprengen. Herr Jabotinsky ist nicht verpflichtet, die „Jüdische Rundschau" regelmäßig zu lesen oder überhaupt über die Vorgänge im deutschen Zionismus auf dem laufenden zu sein. Das ist immerhin für den Fall erforderlich, wenn er über deutsch-zionistische Angelegenheiten schreiben will. Hülfe er sich auch nur oberflächlich informiert, so wäre ihm nicht die Naivität unterlaufen, zu glauben, daß es die Pariser Beschlüsse der Revisionisten gewesen seien, die uns zur Veröffentlichung eines Kongreßprogrammcs bewogen haben und daß unser Vorschlag der Schaffung einheitlicher Landesverbände aus den' Pariser Beschlüssen übernommen sei. Wir empfehlen Herrn Jabotinsky, die Vcrhandlangen des Wiesbadener Delcgierfcntags vom Do zcinber 102-1 einer Durchsieht zu unterziehen, oder sich bei seinem Fraktioiisfrciind, Herrn Dr; Nachum Goldmann, der darüber gut informiert sein dürfte, zu erkundigen, wie das Kongreß-Programm zustande kam. Da wir einmal bei Herrn Jabotinsky sind, können wir es uns nicht versagen, auf zwei weitere Erörterungen von ihm einzugehen. Jabotinsky.Iiat auf den scheidenden Herbert Samuel einen Artikel geschrieben, den man sich nach dem jahrelangen Kampf, den Jabotinsky gegen Samuel geführt hat, ungefähr vorstellen kann. Und nun höre man: „Die fünf Jahre der Rcglcrung Herbert Samuels in Palästina werden für immer eine der schönsten Seiten in der Geschichte der britischen Kolonialpolitik und des Zionismus bleiben". „Sir Herbert Samuel hat dem Zionismus unschätzbare Dienste geleistet. Er nimmt die Liebe des gesamten Jischuw und die tiefste Achtung seiner Anhänger und seiner Gegner mit. Diese Achtung Ist eine einmütige und absolute. Seine Rolle im Zionismus ist noch nicht beendet. Sollte er in das politische Leben Englands zurückkehren, ho wird er der Hüter unserer Interessen sein; sollte er jet/t oder später, als einer aus dem Volke, in den Alltag des jüdischen Lebens in Palästina eintreten, so wird er der erste und der beste Bürger sein". Wozu war also alle Polemik* gegen Samuel und gegen Dr. Wcizmann, der ihn stützen wollte, statt ihn unmöglich zu machen? Dieser ungeheuerliche Widerspruch ist offenbar auch den Lesern des „Rasswjet" nicht entgangen, denn Jabotinsky sah sich genötigt, in einer späteren Nummer zu erklären, seine Lobeshyinnc habe sich nicht auf den Politiker Samuel, sondern nur auf den Menschen bezogen. Man braucht die obigen Zitate nur noch einmal zu lesen, um zu wissen, wie man diese Interpretation ansehen soll. Endlich ist es nicht uninteressant, Jabotinsky* Stellungnahme zur Einweihung der Universität zu betrachten. Wir können vielleicht Verständnis dafür aufbringen, daß irgend jemand Bedenken hat, die hcuti in Jerusalem vorhandenen Institute schon als Universität zu bezeichnen. Aber man sollte auf der andern Seite erwarten, daß gerade ein an der politischen Arbeit interessierter Mann wie Jabotinsky Verständnis dafür haben sollte, welche politische Bedeutung gerade dieser Einwcjhungsfcicr zukommt. Und nun lese man seinen Artikel im „Rasswjet" vom 0, April. Er spricht davon, ,daß man versucht habe, den anwesenden Ausländern Sand in die Augen zu streuen, daß sie aber natürlich alles gemerkt hätten, daß man nur hoffen wolle, 6ic würden nichts ausplaudern, vergleicht unser Verhalten mit dem eines Schaubudcnbcsitzers, der zur Besichtigung eines lebenden Walfischs auffordert und dann eine Holzn ach ah tnu n g zeigt und charakterisiert die zionistische Politik bei dieser Gelegenheit mit folgenden Worten: k,Paarung von Albernheit und Hysterie/ von Prahlerei und Liederlichkeit, von politischer Unerzogenheit und krankhafter Reklamesucht". Wir glauben nicht, daß irgend ein Autizionist oder Antisemit verletzendere Worte hätte finden können. Daß Jaboünsky sich die Wirkung seiner Worte auf die nichtjüdischc Außenwelt überlegt, ist wohl nicht von ihm zu verlangen. Im weiteren Verlauf seines Artikels sieht er in den Demonstrationen eine Verletzung berechtigter arabischer Empfmdlichkctt, die offenbar gerade in Jabotinsky einen berufenen Vertreter ihrer Interessen sehen wird. Aus dem Schluß des Artikels zitieren wir nur einen Satz: „Den Verfasser des Weißbuchs, der zwei Pogrome geduldet hat, den bittet man, auf seinem Posten zu verbleiben, nur well ein jüdischer Oberkommissar eine wirkungsvolle Fassade ist". Das hat derselbe Mann geschrieben, der dann wenige Wochen später den oben abgedruckten Lobeshymnus auf Samuel, verfaßt hat, Difficilc est, satiram non scriberc. Herr Jabotinsky ist einer der Patrone der Konfe»- renzgemeuiechait radikaler Zionistcn. £,U