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Jüdische Rundschau · 1925-06-23 · Heft 49 (23.6.1925) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 49 (23.6.1925)
Date
1925-06-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr-<9 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 433 Sokolow Uber aktuelle Palästina •Fragen Sokolow ist nach einem ganz kurzen Aufenthalt in Rumänien am 15. Juni in W arschau eingetroffen, wo er am 16. JUI|I Vertreter der jüdischen Presse empfing, um ihnen Aufklärung über eine Reihe von Palästinafragen zu geben. Sokolow dementierte vorerst die Gerüchte, daß seine Reise nach Polen mit dem Besuch Lucicn Wolfs und mit den polnisch-jüdischen Ausgkichsvcrhandlungcn zusammenhinge. Er habe von diesen Ocrüchten erst zufällig in Rumänien .erfahren. £s sei daran kein wahres Wort; ausschließlich Privatangelegenheiten hätten Ihn nach Polen geführt. Sodann unterstrich So- Itolow mit Nachdruck, daß. die von verschiedenen Seiten gciußerten Befürchtungen, Kolonlalminlstcr Anicry stände der lionHischen Sache nicht besonders günstig gegenüber, von Oruiul auf falsch seien. En glands politische Rieht» llnlen bleiben unverändert. Amcry sei ein eifriger Anhänger der Balfour-Dcklaration und werde diesen seinen Ansichten in nächster Zeit Ausdruck verleihen. England wünsche die Erhaltung des Friedens in Palistina und sei über die überaus günstigen Resultate der jüdischen Kolonljjtion erfreut, möchte allerdings, daß auch die Araber diesem Werke ihre Anerkennung geben. Wir haben stets an die Möglichkeit eines jüdisch-arabischen Einverständnisses geglaubt und g'auben auch heute daran, trotz aller Wühlereien des arabischen Kongresses. Ebenso unbegründet seien die Alarmmcldungen über die Verschlechterung der Situation in Palästina und die Abkühlung unseres Verhältnisses zu England. Im Ocgcntcll, die Situation in Palästina werde stets günstiger, und England, das sich bis jetzt nur mit Erklärungen unsererseits begnügte, ist jetzt In der Lage, die jüdische Arbeit in Palästina schätzen zu lernen. Bezüglich Lord Plumers erklärte Sokolow: Man bedauert, daß die englische Regierung sich mit der Zionistischen Organisation wegen der Nominierung des neuen High Commissioncr nicht beraten habe, und man spricht sogar von einer Verletzung des Mandats. Ja, es Ist wahr, die Zionistische Organisation wurde durch diese Ernennung überrascht, aber von einer Verletzung des Mandats Vann absolut keine Rede sein. Im Mandat selbst wird überhaupt nicht von einem High Commissioncr gesprochen, geschweige denn von einer Fühlungnahme mit der Zionistischen Organisation im Falle der Ernennung eines solchen. Wer die englischen Verhältnisse kennt, der weiß, daß die Ernennung eines High Commissioncr vollständig unabhängig, selbst vom Parlament, erfolgt. Die Entscheidungen werden Im engsten Rahmen des Kabinetts gefallt. Lord Plumer ist für uns c'm unbeschriebenes Blatt. Man soll ihm nicht mit Voreingenommenheit entgegentreten. Tatsache ist, daß er die Politik Herbert Samuels fortsetzen wird. *Dann wertere Alarmmcldungen. Die Oerüchte über die Demission von B entwich sind nicht wahr, ebensowenig die Meldung von der Herunte r» holung der jüdischen Fahne. Etwas Aehnliches ist nicht vorgekommen. Ein jüdischer Geschäftsmann, der am Geburtstag König Oeorgs sowohl die jüdische als auch die englische Fahne ausgehängt hatte, wurde von irgendeinem Polizisten aufgefordert, die jüdische Falmc einzuziehen, worauf der Kaufmann erwiderte, daß auch auf dem Hause der Zionistischen Exekutive die Fahne wehe. Er könne versichern, daß die jüdische Fahne nicht eingezogen worden ist und den ganzen Tag geweht habe. Man wirft uns vor, daß wir Genf vernachlässigen. Es ist dies ein naiver Vorwurf, denn der Schwerpunkt des Völker bundes' liegt nicht in Genf, sondern in den Hauptstädten der verschiedenen Staaten. Die Delegierten kommen nach Ocnf mit einer genauen Marschroute ihrer Regierung. Unsere Politik müßte also darauf beruhen, die verschiedenen Staaten an Ort und Stelle für uns zu gewinnen und nicht In Ocnf. Sokolow kam dann wieder auf die jüdisch-arabischen Verhältnisse zu sprechen und erwähnte mehrere Tatsachen, die beweisen, daß sich schon so manches zum Besseren gewandt habe, Die gemeinsame Mai-Demonstration der jüdischen und arabischen Arbeiter bedeute einen großen Schritt vorwärts Größere Bedeutung komme jedoch der Annäherung infolge der Aufbauarbeit im Lande zu. So (rage die Elektrifizierung Palästinas bedeutend zu einer Gemeinsamkeit der jüdischen und arabischen Interessen bei. Die arabischen Ingenieure arbeiten zusammen mit den jüdischen, wie wir uns auch im allgemeinen bestreben, die Araber in das jüdische ökonomische Leben hereinzuziehen. Wir wollen sie ihrer wirtschaftlichen Passivität entreißen und hoffen, auf diesem Wege am ehesten zu einer Verständigung zu kommen. / Und nun die Einwanderung. Birgt die vierte Alljah wirklich Gefahren in sich, und insbesondere, wenn sie einen Massencharakter annimmt? Es ist dies in Wirklichkeit absolut nicht der Fall. Natürlich hat jede Einwanderung ihre guten und schlechten Seiten. Es ist klar, daß die Arbeit der früheren „Luftmcnschcn" in Palästina nicht so erhebend ist wie die Arbeit der Chalu/im im Emck. Aber auch die Arbeit dieser Luftmenschen Ist ein Beweis der jüdischen Energie und Geschicklichkeit, deren bester Ausdruck Tcl-Awiw ist. Die Erzählungen über die Buden mit Gazoz (Selterwasser) sind stark übertrieben. Gewiß, es dürfte auch in Palästina noch eine große Zahl von Luftmcnschcn geben, aber wenn sie sich in Tcl-Awiw nicht einordnen können, dann übersiedeln s"e nach „Jablonna" (die landwirtschaftliche Siedlung des Wunderrabbi von Jablonna), wo sie sich der Erdarbeit widmen. Bezüglich der geplanten Erweiterung der Jewish Agency erklärte Sokolow, daß er über diese wichtige Angelegenheit auf dem Kongreß seine Meinung auszudrücken Gelegenheit nehmen werde. Ucbcr letztere Frage veröffentlicht die Lemberger „Chwila" eine Unterredung mit Sokolow, worin dieser erklärte, er sei für die Erweiterung der , Agency, ohne sich jedoch jetzt auf Einzelheiten einlassen zu wollen. Aus Amerika Hegen noch keine konkreten Informationen vor, ebensowenig aus anderen Ländern. Die Einzelheiten werden des Näheren auf der A.C.-Sitzung vom 15. Juli in Berlin besprochen werden. Er könne aber schon heute "gen, daß es bereits Zeit sei, die Tore zu öffnen, mit dem Vorbehalt, daß die Zionistische Organisation auch weiterhin Ihre entscheidende Rolle behalte. Man äußert gewisse Bedenken, daß Elemente in die Agency kommen werden, die nitht volles Vertrauen verdienen. Qewlß, es gibt gewisse Bedenken, aber deren Behebung hängt einzig und allein von uns ab. Wir dürfen eben nicht in Pessimismus verfallen, «nn dieser ist nicht schöpferisch. Unere Stärke hängt davon w, ob wir In der Lage sein werden, die Zionistische Organisation zahlenmäßig wie auch geistig zu stärken und sie geistig Ul>d moralisch,« vertiefen. (Ziko.) < Krise In der Stadtverwaltung Tcl-Awiw A.O. Jerusalem, den 10. Juni 1025. Die Sitzung der Stadtverwaltung Tcl-Awiw vom 6. Juni, bei der unter anderem die Wahl der verschiedenen Kommissionen auf der Tagesordnung stand, endete mit der Demission d;s Bürgermeisters Discngoff. Bis heute ist die Lage noch nicht geklärt, Jedoch tritt gegenwärtig nach dreitägiger Beratung der Fraktionen und verschiedenen Verhandlungen der Stadtrat zusammen, so daß zu hoffen ist, daß die Krise bald behoben werden wird. Bekanntlich hatte bei den Neuwahlen zur Stadtverwaltung, die vor vier Wochen stattfanden, die Liste des laflacr Arbeiterrats einen Sieg davongetragen, so daß die linke iifaktion die weitaus stärkste im Stadtparlaincnt damtclllc. Jedoch lagen die Kräfteverhältnisse so, daß keine Gruppe eine absolute Majorität besaß. I'« Ist das unter anderem eine Folge jener übermäßigen Zersplitterung im Wnhlkampfc, über die wir bereits in unserem Bericht über die Wahlen kürzlich gesprochen hoben. Der bisherige Bürgermeister Discngoff lialtc unter den gegebenen Umständen keine tragende Majorität hinter sich, so daß es von vornherein klar wurde, daß sein Verbleiben im Amte nur bei -einer Zusammenarbeit mit der Arbeiterfraktion möglich war. Die Linke konnte, da sie nicht die absolute Majorität besaß, nicht die Leitung der Geschäfte und damit das Bürgermeisteramt übernehmen. Bei der Verteilung der Ressorts und der Besetzung der verschiedenen Acmtcr stellte dje Arbeiterfraktion eine Reihe von Bedingungen: sie verlangte den Sitz des Vizepräsidenten, die Leitung einer Reihe der Kommissionen, vier von den nenn Sitzen im Aktionskomitee der Stadtverwaltung und die Stelle des verantwortlichen Sekretärs. Der Bürgermeisterrosten sollte nacli wie vor von Discngoff, d. Ii. vom „/entmin", bekleidet werden. Nach längeren Verhandlungen kam man In allen Punkten zu einer Uebcrcinstiniinung, jedoch scheiterte die endgültige Regelung an der Frage des Sekretariats. Discngoff erklärte, dal) er die Verantwortung für die Oeschäftc nicht tragen könnte, wenn die Arbciterfraklion auf dieser Bedingung bestehen bliebe und verließ gemeinsam mit einigen Delegierten der Rechten die Sitzung unter Erklärung seiner Demission. Zurzeit schweben Verhandlungen, die vermutlich in der zur Stunde tagenden Sitzung des Stadtrats in TeJ-Awiw ihren Abschluß finden und die Krise beenden werden. In der palästinensischen Presse ist ein heftiger Kampf um diese Frage entbrannt. Vor allem bemüht sich die neue Zeitung „D a w a r" in täglich aufeinanderfolgenden Leitartikeln in aller Öffentlichkeit die Situation zu beleuchten und di>: Stellungnahme der linken Fraktion zu verteidigen. Dagegen greift „Maarcz" das Verhalten der Arbeiter heftig an, da er darin einen Uchergriff und den Versuch einer „Ucbcrnahmc der Herrschaft" sieht, der unberechtigt und daher zu bekämpfen ist. Für den Jisehuvz ist diese Krise von großer Bedeutung. Es braucht nicht mehr erwähnt zu werden, was für Tel-Awiw, das heute etwa ein Drittel der Juden Palästinas umfaßt, davon abhängt, in welchem Geiste es geleitet wird. Es gab nicht wenige im Lande, auch außerhalb der Arbeiterschaft selbst, die den Sieg der Linken im Stadtrat freudig begrüßt haben und sich von einer scharfen Steuerpolitik usw. eine Beschränkung der Spekulation und eine gesündere Basicrung der Stadtbevölkerung versprachen. Auf der anderen Seite wieder wurden bedenkliche Stimmen laut, die sich dahin äaßerten, daß es wohl mit der frappanten Entwicklung In Tcl- Awiw ein jähes Ende nehmen Könnte, wenn es wirklich zu einem radikalen Eingreifen der sozialistisch gerichteten Elemente käme. Den» eben diese frappante Entwicklung der Stadt beruhe .nun. einmal zum grollen Teil, auf Tätigkeiten und Geschäften, die vom volkswirtschaftlichen Standpunkte nicht immer zu rechtfertigen wären, Der Wahlsieg in Tcl-Awiw öffnete der Arbeiterschaft ein großes Oebiet sozialpolitischer Tätigkeit. Es war hier die Möglichkeit gegeben, eine Reihe von wichtigen Forderungen, die im Interesse einer gesunden Entwicklung der Stadt lagen, durchzusetzen. Es war ohne Zweifel ein I>edaucrlieber taktischer Fehler, daß gleich m Beginn der Arbeit ein solcher Zwischenfall nicht vermieden werden konnte. Es ist verwunderlich, daß bei solchen Gelegenheiten nicht vor Zusammentritt der offiziellen Versammlung die Verhandlungen zwischen den Fraktionen erledigt sind, sondern daß mau es iinvorsichtlgcrweisc zu einem Öffentlichen Skandal kommen läßt, der nachher nur schwer wieder gut zu machen ist. Von beiden Seilen hat man — anscheinend unbekümmert um das. was daraus entstehen muß — die Krise heraufbeschworen. Auf der einen Seite hatte Disengoft durchaus keinen Grund dafür, anzunehmen, daß die „Wahlresultate zufällige seien" und die „Arbeiterschaft den Ruin für Tel-Awiw bedeute". Andererseits war es von vornherein klar, daß die ultimativen Bedingungen der Arbciterfraklion zu einer Krise führen müßten. Es wäre von seilen der Linken sehr viel taktischer gewesen, nach und nach in der praktischen Arbelt ihre neuerworbene Machtstellung auszunutzen, anstatt sich von vornherein durch zu scharfe Forderungen eine gegnerische Stimmung in der Ocffentliclikcit zu schaffen, besonders wo sie nicht nur für ihre eigenen Interessen zu kämpfen hat. Es scheint, daß wir auf dem Gebiete der nationalen Selbst- Verwaltung ebenso werden Lehrgeld zahlen müssen wie überall. Es fehlt uns der entwickelte „Common sense", wie wir ihn bei Völkern finden, die parlamentarisch durch Jahrhunderte erzogen sind. Es würde sich lohnen. In der Munizipalpolitik einmal bei den Engländern in die Schule zu gehen. Vielleicht könnte man einiges au ihren Beispielen lernen, so daß wir unsere Arbeit von vornherein auf vernünftige Grundlagen stellen. „Die Krise Im Zionismus" Unter diesem Titel veröffentlichen eine Reihe von deutschsprachigen Zeitungen, so die „Frankfurter Zeitung", die „Vossische Zeltung", die „Neue Freie Presse" und das „Präger TagbhU" eine Jerusalem« McUUmg, die tvwa folgendes besagt: Die Ernennung Lord Plumers, ohne Befragen und ohne Kenntnis der zionistischen Exekutive, würde in ganz Palästina als eine schwere Bloßstellung der Exekutive und Dr. Wclzmanns empfunden. Es habe sich In der zionistischen Bewegung eine starke radikale Ornppc unter Füll' rung Jabotinskys gebildet, die auf dem Kongreß in Wien den Versuch machen werde, Wcizmann zur Demission zu veranlassen. Diese Nachricht ist zunächst einmal keineswegs In allen Einzelheiten richtig, Insbesondere Ist die Stellungnahme der palästinensischen Presse sowohl zur Ernennung Plumers, wie zur Opposition eine keineswegs so einheitliche, wie der Korrespondent es will. Auf Jeden Fall bedauern wir lebhaft, daß ein offenbar der Opposition nahestehender Korrespondent es für nötig erachtet hat, in der nichtjüdischen Oeffcntlichkclt innerzlonlstlschc Kämpfe zu erörtern und dadurch den Eindruck einer Krise hervorzurufen, gegen deren Bestehen sich bei dieser Gelegenheit auch difl „Wiener Morgcnzcilung" nachdrücklich wendet. Es ' ist übrigens interessant, daß dieser jerusalemer Korrespondent mit der größten Selbstverständlichkeit als das Ziel der Opposition den Sturz Dr. Weltmanns betrachtet. Tagung des Landesverbandes Der Zusammentritt des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden zu seiner ersten Tagung bedeutet Zweifel- 'los ein großes Ereignis im Leben des deutschen Judentums. Um so anfallender war das Arrangement der Eröffnungssitzung, die, anscheinend von den Leitern des Verbandsbüros gewollt, einen farblosen Verlauf nahm. Trotz der wenig unterstrichenen Feierlichkeit der Eröffnungssitzung hinterließ sie in jedem Teilnehmer den Eindruck, daß ein bedeutungsvoller Anfang gemacht wurde, dem hoffentlich für das gesamte deutsche Judentum segensreiche Taten folgen werden. Kammergerichtsrat Wolff eröffnete als Vorsitzender des Vorstandes der Berliner jüdischen Gemeinde die Sitzung. Er begrüßt den Vertreter des Kultusministeriums, Oberregieriiiigsrat Paul, den Rcgicnnigsasscssor Na st und den Stadtrat Steiger, der in Vertretung des Oberbürgermeisters Dr. Bocß erschienen war, den Rechtsanwalt Sa Im g er als Vertreter des sächsischen Verbandes jüdischer Gemeinden. Staatsrat Dr. Cohn (Dessau) und Laudesrabbincr Dr. Waltcr als Vertreter der Anhalter Synagogengemeinden, lu dem Verbände sei für jede Richtung Platz. Er soll nicht eine Stätte des Kampfes, sondern des Ausgleiches sein. Zu den Aufgaben des Landesverbandes gehört nicht nur. für das materielle wohl aller deutschen Juden und die von innen geschaffenen Einrichtungen zu sorgen, sondern auch für die Erhaltung und Förderung alles di-sscn, was für die Pflege der jüdischen Religion, Ethik, der Jüdischen Wissenschaft und des jüdischen Geistes unentbehrlich ist. Es ist leider bisher nicht gelungen, die große Organisation der deutschen Juden zu schaffen. Es hat sich gezeigt, daß der Unterbau zu einer solchen gefehlt hat. Jedoch tut eine Zusammenfassung der im deutschen Judentum schlummernden Kräfte bitter not, damit Juden una Judentum geachtet und gleichberechtigt in deutschen Landen dastehen. Erst in diesen Tagen habe er (Kammcrgcrichtsrat Wolf) aus dem Munde des Reichs- Präsidenten vernommen, daß dieser in, seinem hohen Amte mit gleicher Gewissenhaftigkeit alle Bekenntnisse schützen werde. Der Reichspräsident habe damit etwas Selbstverständliches gesagt. Aber, daß er es ausgesprochen hat, . und daß er glaubte, dies im Namen des gesainten deutschen Volkes zu tun, des wissen die deutschen Juden Dank und werden seine Worte in Ehren halten. Die Forderung «ler deutschen Juden sei gewesen, daß man ihnen die gleiche Achtung wie den anderen Bekenntnissen entgegenbringe. Die deutschen Juden ihrerseits könnten darauf nur einmütig ant- worten, daß sie sich stet« bemühen werden, treue Kinder des deutschen Vaterlandes zu sein und ein Glied der Volksgemeinschaft zu werden, von der der Reichspräsident sprach,. Kammcrgcrichtsrat Wolf sagte, weiter: „Mag es früher, wenn wir zur Beratung zusammentraten, sei es unter dem Druck schwerer Ereignisse, sei es in ruhiger Zeit, nicht immer ganz friedlich zugegangen sein, so hängt doch jetzt alles davon ab, daß es diesmal anders wird. Richten wir deshalb alle den Blick auf das, was uns einigt, nicht auf das. was uns trennt, dann wird aus dem Zusammcnwtiken so vieler Kräfte die neue gewaltig bahnbrechende in sich geschlossene Macht, die dem deutschen Judentum bisher gefehlt hat, erwachsen." Rabbiner Dr. Bacck sagte unter anderem: „Wir sind Kinder der Thora. Wir kommen zusammen, um einander zu finden. Wir wissen, daß wir im Tiefsten doch eins sind. Wenn luden zusammenkommen, dann soll es immer ein Kiddusch Haschern, eine Heiligung des göttlichen Namens, bedeuten." Stadtrat Steiger begrüßte den Verbandstag namens des Magistrats Berlin. Namens der israelitischen .Synagogengemeindcn -im FreUtaat Sachsen ergriff Rechtsanwalt ur, Sali nger das Wort. Staatsrat Cohn-Dessau sprach im Namen der Antialtischcn Synagogengemcindcn. Außerdem wurde ein Begrüßungsschreiben der bayerischen israelitischen Kultusgcmcinclcn und ein Beghißuugstclcgromm der badischen Landessynode verlesen. Es erfolgte dann die Wahl des Präsidiums des Verbandstages per Akklamation. Zum ersten Vorsitzenden wurde lustizrat Sonncnfcl«* gewählt. Zum ersten stellvertretenden Vorsit/endcn Rechtsanwalt Dr. Kollensch er, zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden Isl Kahn-Berlin. Außerdem wurde Rabbiner Dr. B ra u n sch wc i g-Oppeln zum Mltglicdc des Präsi. diums ernannt. Dr. Flcischcr-Schncidciniilil und Dr. Frank-Altona wurden zu Schriftführern gewählt. Nach der Wahl des Präsidiums kam der nächste Punkt der Tagesordnung, Geschäftsordnung des Verbaudstagcs, zur Verhandlung. Von selten der Konservativen und der „Jüdischen. Volkspartci" wurden Bedenken gegen den vorliegenden gedruckten Entwurf ausgesprochen, da dieser die Rechte der Minderheiten nicht genügend sichere. Beide Parteien erklärten sich jedoch mit der vorliegenden Geschäftsordnung für die diesmalige Tagung einverstanden, es wurde aber ein konservativer Antrag auf Einsetzung einer besonderen Geschäftsordnungskomniissiin, bestehend aus 15 Mitgliedern, zur zweckmäßigen Abänderung des gedruckt vorliegenden Entwurfes für die Geschäftsordnung angenommen. Nach Erledigung weiterer Formalicn erstattete Dr. Isinar Freund einen ausführlichen Rechenschaftsbericht über die bisherige Tätigkeit des Landesverbandes. Die Tagung fand am Montag, den 22. Juni, ihre Fortsetzung. _ Apdlsten als Botlenpreislrelber Dic jüdischen Zeitungen in Polen berichten aus "Palästina über einen skandalösen Vorfall, den agudistischc Anhänger des Oerer Wunderrabbi in Palästina verschuldet haben. Vor Jahresfrist hatte die P.L. D.C. in der Nahe von Pctach Tikwah bei einem Arahcr, namens Abu Kischk, 4000 Dunam Boden um 12000 C gekauft, eine Anzahlung geleistet, und eine landesüblich geringe Konventionalstrafe für den Fall des Rücktrittes vom Verkauf ausgemacht. Vor einigen Wochen erschienen als Vertreter der polnischen Agudah und des Derer Rcbbcn die Herten Jakob Talmud, Kaminker, Rinsky und Warschawsky in Palästina und holen Abu Kischk für den bereits der P. L. D. C. verkauften Boden 8 £ pro Duuam, wodurch sie ihn in den Stand 'Setzten, die geringe Strafe an die P.L.D.C. zu zahlen. Die Rabbinnte von Jaffa und von Jerusalem und auch Rabbi Sonncnfeld warnten Talmud und seine Freunde vor dem Ankauf des bereits an eine jüdische Gesellschaft verkauften Bodens, aber die polnischen Agudisten schlugen diese Warnungen in den Wind. Weber die Handlungsweise Talmud? und seiner Genossen herrscht in Palästina große Lmpörung. Die polnisch-jüdischen Zeitungen verlangen von der Warschauer Agudah-Zentrale restlose Aufklärung dieses Falles und fordern die Agudah auf, ihre Anhänger vor derartigen Preistreibereien, dei der Bodenspekulation Tür und Tor öffnen, zurückzuhalten. Der Merkas Chaklat steht In Verhandlungen mit der Zionistischen Exekutive wegen des Bauesvon Gasthäusern für die Besucher der Siedlungen im Emck. Vorläufig werden Ossthäuser in Nahaltl, Ain-Charod und Daganiah geplant, (Ziko.)

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