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Jüdische Rundschau · 1925-06-19 · Heft 48 (19.6.1925) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 48 (19.6.1925)
Date
1925-06-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nf.48 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 423 Die Ansiedlung bemittelter Elemente in der Landwirtschaft Von Dr. A. Ruppln. Ein besonderes Problem bildet die Ansiedlung von Juden ,us Osteuropa, die keine oder gans ungenügende landwirt- (fliatllichc Erfahrung haben, dagegen einen großen Teil der /Ur Ansiedlung erforderlichen Mittel besitzen. Die Zionistisch : OfMiiisatlon war bisher zum größten Teil auf die Ansiedlung »ätuJich unbcmitlcllcr junger Leute eingestellt. Der Orund hierfür war nicht etwa der, daß die Zionistische Organisation Itine bemittelten Leute ansiedeln wollte, sondern der, daß mlchc bemittelten Leute nicht vorhanden waren. Bis zu Ende ict Weltkrieges litten die landwirtschaftlichen Siedlungen In Pelina unter der Willkur der türkischen Beamten, unter dem Mangel an Verkehrswegen und In vielen Fällen auch unter der Malaria in solchem Qradc, daO wohlhabende Juden abgeschreckt wurden, sich als Landwirte niederzulassen. In den wenigen Fällen, in denen es einzelne doch taten, endete es {ist durchwegs damit, daß diese Leute nach kurzer Zeit die Landwirtschaft wieder verließen oder sich, wenn ihre Mittel preß genug waren, denjenigen Kolonien zuwandten, in denen $|c als Plantagcnhcsltzcr mit ulchtjüdischcn Arbeitern arbeiten konnten. In den Jahren 1010 bis 1914 bemühte sich das Palästina- Amt in Jaffa, bemittelten Juden dadurch die Ansiedlung in der Landwirtschaft In Palästina anziehender zu machen, daß es die in den sogenannten Achusoth organisierte. Diese Achusoth sollten 50 bis 100 Mitglieder umfassen und sollten (ur ihre Mitglieder Pflanzungen in Palästina anlegen. Die Mit» ejirder sollten erst dann nach Palästina gehen, wenn diese Pflanzungen bereits Ertrag gaben, so daß ihnen die größten Schwierigkeiten, die sonst den neuen Ansiedler treffen, erspart blieben. Die Entwicklung der Achusoth Ist jedoch an zwei Klippen gescheitert (abgesehen davon, daß der Krieg dazwischen kam und es unmöglich machte, von den Mitgliedern der Achusoth, die meist in Rußland wohnten, die Gelder tut Fortführung der Pflanzungen zu erhalten). Die erste Klippe war, daß eine Pflanzung, die nicht von dem Eigentümer selbst und unter seiner Aufsicht, sondern durch einen von dem ausländischen Eigentümer angestellten Verwalter mit Lohnarbeitern angelegt wird, sich erheblich teurer stellt und trotzdem in der Regel qualitative Mängel aufweist, wodurch ihre Rentabilität In Frage gestellt wird. Der zweite Orund war der, daß die Mitglieder der Achuss nicht sämtlich mit cincmmal nach Palästina kamen und hier eine Siedlung von mindestens 50 Familien gründeten, sondern daß zunächst nur einzelne wenige Mitglieder nach Palästina kamen, die ihre Isoliertheit schwer empfanden und nach kurzer Zeit den Platz verließen. Alle von der Achusoth in Palästini angelegten Farmen (Poriah, Kafruric, Rama, Ruchama, Karkur) muBtcn deshalb durch Besiedlung mit ChaluzimclcmcHlcn reorganisiert werden oder werden diese Reorganisation in Zukunft noch durchzumachen haben. Die American Zfon Commonwealth hat auf ihrem mit dem Oelde bemittelter Privatleute gekauften Boden in Balfourla zunächst chic Anzahl von Chiluzlm angesiedelt und hält auch weiter an dem richtigen Prinzip fest, daß auf iedem nciy*ckauflcn Boden vor An- »ledlung einzelner bemittelter Juden zunächst eine Siedlung i«n Chaluzlm begründet werden muß. Diese Erfahrungen mit den Achusoth haben gezeigt, daß für die Ansiedlung bemittelter Elemente, wenn sie Überhaupt möglich sein soll, andere Formen gefunden werden müssen. In mancher Beziehung ist die Lage heute besser als vor dem Kriege, weil die englische Verwaltung mit vielen Mißbrauchen der früheren türkischen Verwaltung aufgeräumt hat und bessere Verkehrswege schuf. Außerdem hat sich die Lage auch der bemittelten, Juden aus Osteuropa und insbesondere in Polen so verschlimmert, daß heute die Uebcrsicdlung nach Palästina nicht mehr ein solches Opfer an materiellem Wohlergehen bedeutet wie früher. Die Zionistische Organisation hat ein großes Interesse daran, diese bemittelten Juden, die im Durchschnitt etwa 500 £ besitzen, zur Landwirtschaft heranziehen, weil sie auf diese Weise nicht wie bei den unbemittelten Ansiedlern gezwungen ist, die ganzen 1100 £, welche die An- Siedlung einer Familie kostet, aus eigenen Mitteln herzugeben. Andererseits natürlich muß die Zionistische Organisation dafür sorgen, daß nur solche Elemente zur Ansiedlung kommen, hei denen wenigstens ein großes Maß von Wahrscheinlichkeit vorhanden ist, daß sie als Landwirte sich einleben und Erfolg haben werden. Denn jeder Mißerfolg bedeutet nicht nur den Ruin der Ansiedler, sondern schädigt, selbst wenn er gänzlich mit privaten Mitteln unternommen wird, letzten Endes den Rul der gesamten Kolonisation in Palästina. Das Problem, Leute, die bereits in reiferem Alter stehen und für eine Familie zu sorgen haben, die bisher in städtischen Berufen tätig waren, nie schwere körperliche Arbeit geleistet haben und an ein relativ behagliches Leben gewöhnt sind, an schwere körperliche Arbeit unter freiem Himmel zu gewöhnen und in einer kleinen Gemeinschaft unter oft sehr unkomfortablcn Verhältnissen anzusiedeln, ist ein sehr schwere«. Es ist heute noch nicht möglich, eine völlig befriedigende Lösung dieses Problems zu bieten. Immerhin möchten wir Jie Linien andeuten, auf denen die Lösung zu liegen scheint: 1. Die Siedler sollen in der Regel nicht über 35 bis 40 Jahre »I» sein. Altcrc Personen eignen sich nur dann, wenn sie mindesten» ein erwachsenes Kind haben, das schwere, körper« ''cht Arbeit leisten kann. 2. Leute, die bereits vor der Einwanderung körperliche Arbeit geleistet haben, wie z. B. Handwerker, eignen sich «sser als frühere Kauflcutc oder Burcauangcstclltc. 3. Leute aus Dörfern oder Kleinstädten sind besser als Leute aus Oroßstädtcn. 4. Von größter Wichtigkeit ist die F r a u. Tüchtige und inspruchslosc Hausfrauen bedeuten fast sicher eirnn Erfolg, ebenso wie untüchtige oder anspruchsvolle Frauen einen Mißerfog wahrscheinlich machen. 5. Wenn irgend möglich, soll der Ansiedler, bevor er «Ine eigene Wirtschaft beginnt, mindestens ein Jahr als landwirlscUaftlidicr Arbeiter in Palästina arbeiten. Wo dies un- ■näRlich Ist, soll er wenigstens einen erwachsenen Sohn nach ^»lüstina schicken, damit dieser die Arbeit erlernt, bevor der v»tcr nach Palästina kommt. Am besten würde es sein, *tnn die Söhne in dieser Zwischenzeit unter Leitung eines 'Mtrukieurs das Land für die Ansiedlung ihrer Eltern vor- «feiten und die Wirtschaft einrichte* 6. Sehr wichtig is», daß die Ansiedler, die In derselben «wlung In Palästina wohnen wollen, sich nicht fremd sind, «dl dies sicher bald zu großen ZwIstigkeKen in der Siedlung führt. Das beste ist, wenn Gruppen von 50 bis 100 Familien sich zusammen ansiedeln, die sich bereits in ihrem Herkunftslnndc kennen gelernt haben und die gleichen Gewöhnheiten und Anschauungen In Ihre neue Siedlung mitbringen. 7. Die Ansiedler Köllen auf J.N. F.. linden al» Pachter angesiedelt werden, weil sie auf diese Weise alle Ihre eigene Mittel für die Errichtung Ihrer Gebäude und für die Erwerbung des Inventars freihalten. Auch wird auf diese Welse die Möglichkeit einer Bodenspekulation ausgeschaltet. 8. Wenn der Siedler selbst die für die Errichtung d:r Gebäude, Anschaffung des tnvciitirs, des Saatgutes, für Lebensunterhalt bis zur ersten Ernte nStlgcn 700 £ nicht hat, soll der Kcrcn Hajessod Ihm In der Form einer Hypothek auf seine Oehäudc ein Darlehen von etwa 200 £ geben. Die eigenen Mittel, die der Siedler nach Palästina bringen muH, werden deshalb mindestens 500 £ betragen. «. Die Siedler, die ja meistens bereits aus den Jugendjahren heraus und Väter von Kindern sein werden, sollen nur in solchen Plätzen angesiedelt werde», die bereits assaniert, vor Ucbc .-fällen gesichert und nicht zu weit von Vcrkchrszcutren abgelegen sind. Auch soll die Arbeit nicht außergewöhnliche körperliche Anstrengung verlangen (Gegensitz. zur Chaluzlmansiedlung). 10. Außer der «blichen gemischten Wirtschaft «oll als Wirtschaftsform die Anlage einer Orattgcnpflanzuitg von 15 bis 20 Dunarn mit Luzerne als Zwischenkulhir und mit Milchwirtschaft und Geflügelzucht in Betracht gezogen werden. Hierzu dürfte (einschließlich der Gebäude) ein Kapital von etwa 1100 £ nötig «ein. Mindestens 10 Siedler sollen sich in einer Gruppe vereinigen und unter Leitung eines Fachmannes ihre Pflanzungen i.clbsl (oder durch ihre Söhne) anlegen. Wenn der Siedler »clbst 1000 £ besitzt, soll ihm der Kcrcn Hajessod in der Forin einer Hypothek auf Boden und Gebäude bis 400 £ leihen. Noch besser wäre es, wenn unter Führung und Beteiligung des Kcrcn Hajessod für diese Darlehen eine Agrarbank gegründet werden könnte, an der sich auch privates Kapital beteilig». Da Orangen der rentabelste Zweig der palästinensischen Landwirtschaft sind, dürfte hier die Sicherheit für Kapital und Zinsen, die da« private Kapital verlangt, gegeben sein. Trotz aller o'.ilgen Kanteten ist es sicher, daß nicht alle bemittelten Siedler Erfolg haben werden. Es ist cl>fn In vielen Fällen für Leute in reiferem Alter unmöglich, sich auf die ganz anderen Verhältnisse, die sie in Palästina Antreffen, umzustellen. Aber es würde schon ein Erfolg sein, wenn wenigstens die größere Hälfte dieser bemittelten Slsdlcr sich in die Landwirtschaft einlebt. Die übrigen werden dmn eben ihre Wirtschaft anderen besser qualifizierten Siedlern abtreten müssen. Der Unterschied in den Forderungen, welche die Zionistische Organisation für die Ansiedlung bemittelter und unbemittelter Siedler stellt, würde also darin bestehen, daß die bemittelten Ansiedler, die mindesten« 500 £ eigene« Kapital besitzen, sofort oder nach einjähriger Vorbereitung Boden und Kredit erhalten und nach Möglichkeit in „Irichtcrcn" Plätzen angesiedelt werden sMIcn, während die unbemittelten F.lcincntc in der Regel erst zur Ansiedlung gelangen, wenn s c dne fünf- oder mehrjährige Arbeit In der lanlwlrtsrhaft hinter sich haben, und zwar eine Tätigkeit, die, wie z, B. bei den ersten Okkupation*- und Dralnagearbeiten mit Gefahr für verschiedenen Behandlung der bemittelten und unbemittelten Leben und Gesundheit verknüpft Ist. Die Berechtigung dieser Siedler ist darin gegeben, daß der unbemittelt? Shd'er im Falle seine« Mißerfolges das Geld der Zlonl«t!schen Olginisation verliert, und daß deshalb die Organisation größere Sicherheit für seine Eignung haben muß, w|: s'c durch vorhergehende vicljährigc Arbeit in der Landwirtschaft in Palästina gegeben l*t. Der bemittelte Ansiedler dagegen riskiert in erster Linie sein eigenes Geld und die Zionistische Organisation kann deshalb In diesem Falle In beztig auf die Eignung des Siedlers nachsichtiger sein und sich Hilf die Vorsicht drs Siedlers reibst verlasset!. fn vielen Fällen ist es bei Verhandlungen mit Gruppen bemittelter Leute, wetche sich in Palästina ansiedeln wollen, schwer festzustellen, welche Mittel die Leute besitzen. Die Angaben der Siedler über ihre Mittel sind häufig übertrieben oder ganz unbestimmt. Das kann seinen Orund nicht In der Absicht haben, durch solche Angaben die Aussichten für die Ansiedlung zu verbessern. Es kann aher auch darin begründet sein, daß der Siedler fast niemals sein Vermögen in barem Geld vorrätig hat, sondern in Waren. OcbKuden, Maschinen, außenstehenden Forderungen, und daß es sich im voraus selten genau sagen läßt, welchen Barhrtrag die Liquidation dieser Vcrniücrenswrrle ergeben wird, Es Ist der zionistischen Exekutive in Palästina f.isl niemals möglich, In die Vcrmögensvcrhältnlssc jedes einzelnen Auwe ilers einzudringen und seine Angaben zu verifizieren. Andererseits muß eine Gewähr dafür geschaffen werden, daß der Ansiedler wirklich die oben erwähnte Mindcstsummc von £ M)1 hc:llzt, well er im anderen Falle in Palästina sehr bald Schiffbruch erleiden oder der Zionistischen Organisation gröflere t astrn aufbürden würde, als diese zu tragen imstande is». Als ein Mittel zur Abhilfe schwebt uns hier vor, daß die Siedler, sobald ihnen der J. N.-F. die Uchcrlavsung von Boden zusagt, dem J.N.-F. 250 £ für jede Familie einzahlen. Dt zwischen dem Erwerb des Hodens und dem Zeitpunkt, in welchem der Boden für die Besiedlung reif ist, gewöhnlich ein Jnlir vergeh», so haben die Siedler Zeil, Imicrhalh dieses Jahres ihre Liquidation zu beenden und mit den weiteren 250 C nach Palästina zu kommen, Mit diesen 230 £ sollrn sie sotort den Bau eines massiven Wohnhauses und Stalles beginnen. Sobald diese fertig sind, sollen sie darauf von der Zionistischen Organisation ein hypothekarisches Darlehen von 200 £ bekommen und außerdem soll der J. N.-F. ihnen die früher eingezahlten 250 £ zurückzahlen, sobald sie dieselben für die Anschaffung des Inventars nötig haben. Es ist kein Zweifel, daß die kolonisatorische Aufgabe der Zionistischen Organisation viel leichter wäre, wenn sie überhaupt von der Ansiedlung unbemittelter Leute absehen und von jedem Siedler ein Minimum von eigenem Kapital verlangen könnte. Bei Beginn der zionisllschcn Kolonisation, z. B. bei Begründung der Farm Kincreth hoffte man, daß die Iii den Farmen beschäftigten Arbeiter durch besonders angestrengte Arbeit mehr als ihren Lebensunterhalt verdienen und auf diese Weise allmählich ein kleines Kapital ersparen würden, das dann Ihr Beitrag zu den Ansicdlungskostcn sein würde. Aber diese Hoffnung hat sich ats trögc.-iseh erwiesen. In den aücrscltcnstcn Fällen haben sich landwirtschaftliche Arbeiter etwas gespart. In der Regel war ihr Verdienst in der schweren Konkurrenz mit dem nichtjüdischen Arbeiter so gering, daß sie knapp den nickten Lebensunterhalt decken konnten. Diejenige!!, die neben der Eignurg zur Landwirtschaft auch eigene Mittel mitbrachten, waren verschwindend wenig. Nach den! Weltkrieg hatte der ökonomische Zusammenbruch der Juden in Osteuropa zur f olge, daß die nach Palästina auswandernden Chain/int oft nicht einmal die Regiekosten nach Palästina aufbringen konnten und jedenfalls in Palästina ohne jegliche Mittel anlangten. Es blieb also für »llc Zionistische Organisation kein anderer Weg, als entweder auf die Ansiedlung dieser Elemente, die durch ihre Begeisterung und Arbeitsfähigkeit das beste Menschenmatcrial für die Ansiedlung waren, zu verzichten, oder ihre Mittellosigkeit als notwendiges Ucbcl mit in Kauf zu nehmen. Die Zionistische Organisation hat sich zu der zweiten Alternative entschlossen und sie hat es nicht zu bereuen. Denn diesen Elementen Ist es zu verdanken, wenn ein neuer Geist der Arbcitsfrciidlgkcit und der Liebe zur Landwirtschaft In Palästinn eingezogen Ist und wenn heute eine Kette von neuen aussichtsreichen jüdischen Siedlungen in Emck Jcsrecl existiert. Aber es wäre falsch, aus dein, was unter dem Zwang der Verhältnisse notwendig und nützlich war, ein Prinzip zu machen und zu sagen, daß die gänzlich unbemittelten Ansiedler die einzig geeigneten seien. Es bleibt fraglich, ob die Einwanderer, die in der nächsten Zeit aus Osteuropa kommen weiden, immer auf derselben Heilte des Charakters und der Begeisterung stehen werden, wie die Chaluzlm der letzten Jahre, die eine Elite darstellen. Man muß sich darauf Kcfaßt machen, daß je größer die Einwanderung wird, sie den Charakter der Elite verliert und »Ich mehr dem Durchschnitt nähert. Sehr wichtig ist es dann, sich bei der Auswahl der Kandidaten für die landwirtschaftliche Anslcdluug n'ch» lediglich attt die Charaktereigenschaften zu verlassen, sondern den Ansiedler von vornherein finanziell mit seinem Erfolg und Mißerfolg zu verbinden. Wcim jetzt ein Ansiedler, der keine eigenen Mittel in seine Wirtschaft hineingesteckt ha», schlecht wirtschaftet, ko wird er vielleicht gezwungen sein, die Wirtschaft aufzugeben und erleidet eine moralische Demütigung unter seinen Genossen. Aber materiell hat er davon keinen Schaden, vielmehr trifft der gesamte Verlust die Kolonisa. tionsgcscllschaft. Würde der Ansiedler sich auch nur in einem kleinen Malte, sagen wir mit 10»«, an den Ansicdlungskostcn beteiligen, und würde ein etwaiger Verlust zunächst seine eigene Beteiligung treffen, so würde dies für ihn eine Mahnung sein, erst dann für eine Ansiedlung zu kandidieren, wenn er genügend Erfahrungen und Kenntnisse dafür angesammelt hat. Es würde für ihn auch eine ständige Warnung bedeuten, In seiner eigenen Wirtschaft vorsichtig und wirtschaftlich vorzugehen, da bei einem Mllierfolg sein eigenes Kapital verloren gehen würde. In den Kreisen der palästinensischen Arbeitet besteht zwar noch eine gewisse Skepsis darüber, ob es möglich sein wird, Kandidaten für die Absiedlung zu finden, die sowohl die persönliche Qualifikation als auch eigene Mittel m der oben erwähnten Höhe besitzen. Andererseits ist es aber auch den Arbeitern klar geworden, daß die Stellung der Ansiedler zu der Kolonisationsgcscllschaft eine viel bessere wäre, wenn sie ihr nicht völlig unbemittelt, sondern mit einem gewissen Betrage eigenen Kapitals als Kandidaten für eile Ansiedlung j;egcnÜbcrlrcU-n könnten. Ettinger, der langjährige Leiter der zionistischen landwirtschaftlichen Kolonisation ist der Meinimg, daß, wenn es dem einzelnen persönlich qualifizierten Kandidaten nicht möglich Ist, eigene Mittel aufzubringen, es doch vielleicht der Gesamtheit der Kanc'ididaten mit Hilfe der Arbeiterorganisation möglich wäre. Der Gedanke hat noch keine definitiven Formen angenommen. In groben Umrissen läßt er sich jedoch folgendermaßen skizzieren: Die landwirtschaftlichen Arbeiter, die nach Palastin» kommen, sollen Mitglieder einer Arbcitcransicdlungs« gcscllschaft werden und sollen dieser Gesellschaft mr.n-.tliehe Betrage in Höhe eines Tagesverdienste«! leisten. Die Gesellschaft soll außerdem von den Arbeiterorganisationen Iii und außerhalb Palästinas Spenden oder D.irlrhcn zu. erhallen suchen, Aus dein so angesammelten Kapital soll die Gesellschaft denjenigen ihrer Mitglieder, welche mit ihrer Zustimmung zur Ansiedlung gelangen und einen gewissen Mindestbetrag einen Kapitals haben, den Rest bis zu 10^» der Ansicdlungskosten als langfristiges Darlehen mit mäßigen Zinsen zur Verfügung stellen. Wenn dieser Gedanke verwirklicht wird, *j svürde zwar der einzelne Ansiedler nur mit einem geringen Betrage eigenen Kapitals beteiligt sein. Aber das Darlehen, das er von der Gcscllschaft bekommt, ist doch ein Darlehen, das ihm von seinen Genossen gegeben wird, und er wird deshalb in höherem Mafic der Kontrolle dieser Genossen unterworfen und ihnen moralisch verantwortlich sein. Vom Standpunkt der kolonisierenden Institution würde dieser Einschult von Wo oder 15"« der Ansiedlungskostcii selbst sicherlich Kehr erwünscht sein, und die zur Gründung der Gesellschaft zielenden Bestrebungen sollten deshalb in jeder Weise gefördert werden. Ein wichtiger Gesichtspunkt hierbei ist der, daß, wenn auch |0<Yo oder 15".'» keinen großen Betrag ausmachen, sie doch den 85 o<lcr 00% welche die Ansiedhingsgcseltschaft gibt, eine erhöhte Sicherheit verschaffen. Es wird dadurch viel eher möglich sein, die landwirtschaftliche Ansicdlunt» auf eine geschäftsmäßige Basis zu stellen. Wem», wie beabsichtigt ist, der Kcrcn Hajessod aus sich heraus einen besonderen KolonIsntlonsfonds gründen und aus diesem alle landwirtschaftlichen Darlehen gehen will, so wird dieser Koloitisationifonds viel eher berechtigt sein, auf Orund der von ihm gewährten Darlehen auch seinerseits Kredite in Anspruch zu nehmen, wenn seine Darlehen wenigstens durch ein kleines Eigenkapital des Siedlers gesichert sind. Setie tDleriehmDogeo is I'aliMtia Der Palästina-Korrespondent des Warschauer „H a j n f berichtet über eine Reihe geplanter neuer Unternehmungen in Palästina: ,.I)lc vor einigen Monaten nach Palästina gekommene Abordnung der Warschauer F Ic i sc h e r -<jc. nosscnsch.ift „Hnbakar", die beabsichtigt, einen Zentral- Schlachthof In Verbindung mit eigener Viehzucht und einer Wurslfabrik dort zu schaffen, hat vorläufig die Eröffnung von Metzgereien In Tel-Awlw, Jaffa (?) und Haifa beschlossen, die nach neuesten europäischen Mustern eingerichtet sind. Man unterhandelt jetzt über den Import von Ochsen aus Ungarn. Es wurden bereits Anforderungen für 20 Fleischer, 2 Wurstarbeltcr und 2—3 Qcdirmcarbcitcr nach Warschau geschickt. Jeder von diesen soll £ 150 besitzen. In Haifa hat dieser Tage eine Oruppc von Warschauer Juden mit der Errichtung einer Schachtelfabrik bcgönnen, für die die modernsten Maschinen aus Deutschland eingeführt werden.

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