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Jüdische Rundschau · 1925-06-09 · Heft 45 (9.6.1925) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 45 (9.6.1925)
Date
1925-06-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 402 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 45 Nr- ■•\ •'!. H«r, uoyä George, Kenrnvorfliy Die Ernennung Lord Plumers zum High Commissioncr von Palästina ist im allgemeinen von der jüdischen und nichtjüd'schcn Presse mit Ruhe und ohne weitgehende Kombinationen aufgenommen worden. Zu fest steht die durch das Mandat und das white paper bestimmte britische Palästinapolitik, xu deutlich sprechen Halfotirs Paliistinnbcsuch und Amcrys Reden für eine konsequente Fortführung dieser Politik, ots daß die unerwartete Ernennung eines unpolitischen Ocncrals zum Nachfolger Herbert Samuels Anlaß zu unvorsichtigen Mutmnfhingon hätte geben können. Freilich, unerwartet war diese Ernennung, und Dr. Welz mann hat ausdrücklich in einem Interview betont, daß auch ihm diese Ernennung überraschend gekommen sei. Das Mandat gibt der von der Zionistischen Organisation verkörperten Jcwish Agcncv nicht die Berechtigung", bei der Ernennung des High Goinmissioucr mitzuwirken, und es erschien vielleicht in diesem Falle dem Leiter der zionistischen Politik' klüger, sich überraschen zu lassen als durch vorherige Kenntnisnahme des Namens den Anschein einer Mitverantwortung zu übernehmen. Nicht auf die Auswahl der Person des neuen High Comrrissioner haben wir Ingerenz; unsere Sache Ist es, von der britischen Regierung und dem Mann ihres Vertrauens in Jerusalem eine Politik zu verlangen, die Im Einklang mit Englands feierlich übernommenen und vielfach bestätigten Verpflichtungen sieht. Nichts veranlaßt uns zu einem Zweifel in dieser Richtung. Amcry hat diese Ernennung vollzogen, nachdem er vorher im Irak und in Palästina die Verhältnisse persönlich kennengelernt und ohne Zweifel die Personenfrage mit Männern seines Vertrauens, vor allem mit Herbert Samuel selbst, beraten hat. Sicherlich hat der Ocsnmteindruck dieser Reise in Amcry den Gedanken wachgerufen, daß Englands Interessen im Vorderen Orient einen Mann verlangten, der gegebenenfalls auch imstande wäre, die Waffen benutzen. Verfehlt aber scheinen uns die Mutmaßungen mancher deutscher Blätter, die in Plumers Ernennung den Anfang einer aggressiven britischen Politik gegen die Türken vermutet haben. Wenn von einer Acndcrung der britischen Palästina- Politik überhaupt die Rede sein kann, so wäre sie vielleicht in der Richtung zu suchen, daß durch die Ernennung eines Mannes, der Qcncral und Vcrwaltungsbeamter ist, aber politisch vorläufig keinerlei Stellungnahme hat, die britische Regierung ihre Absicht dokumentiert hat, in Zukunft mehr als bisher die Geschicke Palästinas von London aus zu leiten und durch ihre Direktiven den neuen High Comtnissioncr mehr zu binden, als das bisher der Fall gewesen ist. Eh läßt sich nicht voraussagen, wie diese Absicht sich in der Praxis auswirken kann. Es ist sehr wohl möglich, daß damit die Behandlung mancher Angelegenheiten einen etwas langwierigen CharcUicr bekommen wird, aber auf der anderen Seite ist vielleicht die Ausschaltung gewisser lokaler Einflüsse, die in Palästina eine Rolle spielen können, ein positiver Faktor. Es ist sicherlich mehr als ein Zufall, daß gerade in den Tagen der Ernennung des zweiten Oberkommissars ein Manu von der Autorität und Bedeutung Lloyd Georges sich in einer außerordentlich beachtlichen Rede wieder einmal als warmer Freund des Zionismus bekannt und die historische Bedeutung der britischen Palästinapolitik unterstrichen hat. Neben Balfour dürfte es keinen Mann in England geben, der so tief die kulturschüpfcrischc Leistung des jüdischen Volkes erkannt und so sehr die Wiedergutmachung des ihm zugefügten Unrechts gefordert hat wie Lloyd Georg*. Seine Verdienste, die Wclzmnnn bei dieser Gelegenheit mit warmen Worten anerkannt hat, werden in der ganzen jüdischen Welt als solche empfunden, und alle diejenigen, die manchmal befürchten, daß die Erfüllung der Dalfour-Erklärung mehr aus Pflichterfüllung als aus Innerer Anteilnahme an diesem Werke geschieht, werden In Lloyd Ocorgcs Worten mit Freuden den Geist erkannt hnben, der in den Jahren des Krieges und nachher den Zionismus nicht allein um Englands willen, sondern auch um des jüdischen Volkes willen zu verwirklichen trachtete. Noch ein anderer bewährter Freund unserer Sache hat In diesen Tagen über Palästina und den Zionismus sich geäußert. Kenn wort hy glaubt nicht, daß die Ernennung Plumers eine Acndcrung der britischen Palästinapoliiik bedeute. Er bedauert, daß man Transjordanien von Palästina getrennt habe; wie ganz anders wäre heute die Position Transjordaniens, wenn es mit jüdischen Siedlungen bedeckt wäre.. Aber tun so mehr erfordere jetzt das wohlverstandene britische Interesse die Förderung der jüdischen Slcdlungstütigkcit In Paliislinn, die ein zuverlässiges Element ins Land bringe. Anders als Lloyd George betont er ako nicht die idealistische Seite der britischen Palästina-I>olitik, sondern die reale des britischen Interesses. Für uns war es gerade ein Beweis für die Dauer der britischen Palästina-Politik, daß sie mit <lcn eigenen Interessen des Empire so völlig übereinstimmte und daß die Idealistischen Antriebe, die der Bnlfour-Erklärung zugrunde lagen, sich in voller Uebcrcinstimmung mit den realen Interessen des Reiches befinden. Mißverständlich erscheint freilich KennwortltVR Acußcninrj über das Interesse nnglnnda nn einer inlllliirlüclillgcii Bevölkerung in Palästina für den Fall eines Wah.ibitcnnngriffs. Palästina- Ist Mandatland, nicht britische Kolonie, und die Mandatarmacht, nicht aber die Bevölkerung des Mandatlandcs ist zur Bcschützunft bestimmt und für sie verantwortlich. Wir teilen den Optimismus Lloyd Georges und Kennworthys und wissen, daß von uns allein unsere Zukunft in Ercz-Tsmcl abhängt. Wir hatten unseren Start, wie es Lloyd Qcorge in Versailles ausgesprochen hat, an uns ist es „to makc the best of it", F. L. Feierliche EröHnnnn. des National-Museums Ii Jerusalem Jerusalem (J.T.A.). Am 2. Jtinl wurde In Jerusalem da» neugeschaffene Jüdische Natlonal-Muscum feierlich eröffnet. Die Eröffmingszcrcmonlc IcPc^ Ni'mm Sokolow, der In seiner Festrede die Leistungen de* Direktors der Kunstschule „Bczalcl", Prof. Boris Schatz, der sich seit zwölf Jahren um die Schaffung des Nallonit-Muscums bemüht, rühmend hervorhob. Das Museum, das ebenfalls den Namen „Bczalc!" führ», cntlililt mehr ah GO'tO Objekte alter und moderner Kunst, die In 18 Sälen untergebracht sind, Tschechische* Konsolal In Palisllna Prag (J.T.A.). Wie die Prager „Sclbstwehr" erfährt, wird in nächster Zeit ein Tschechoslowakisches Konsulat für Palästina In Jerusalem errichtet werden. Damit Ist die Funktin eines ehrenamtlichen Berichterstatters des Handelsministeriums zwecklos geworden. Das Handelsministerium hnt Reinen ehrenamtlichen Berichterstatter, Herrn William Donath in Jerusalem, seiner Funktion enthoben, Anfrkeaonnrj der Wibibllcn In Beantwortung einer Anfrage erklärte Cftamberlaln im Unterhaun, daft England die Regle rungdesWn habltcnführcrs in Mekka anerkannt habe und daß die englische Regierung den Plan wohlwollend prüfen werde, einen diplomatischen Vertreter an dem Hofe von Ibn Saud zu unterhalten. Drlel aus Palästina A. 0. Jerusalem, den 25. Mal, 1Q25, Mit dem Ansteigen der Zahl der Arbeiter im Lande, dai» mit der großen Alljaii der letzten Zeil verknüpft ist, tritt d.u Bedürfnis einer genauen Ucbcrslcht des Arbcilsmarklcs und eine zweckentsprechende Verteilung der zur Verfügung $|c. Iicnden Arbcttsmßgllchkcitcn stärker und stärker zutage, de. kanntllch bildete aus diesem Orundc die Forderung der Ar. heiter nach KonzrnlrJeriing der Arbeitsvermittlung In Ihrem eigenen Arbeitsamt in den großen Streiks und Aussperrungen, die vor einigen Monaten in Tcl-Awlw herrschten, einen der Zcntralnunklc der Verhandlungen. Unterdessen hat sich die Arbeitstage nicht wesentlich geändert, freilich Kind in den verschiedenen Arbeitslimtcrn in den Städten eine gewl^t Anzahl von Arbeitssuchenden verzeichnet. Es handelt sich jedoch dabei zum Teil um Neuankömmlinge, die es nach gewisser Zeit immer unterzubringen gelingt, die aber dann bei einer neuen Landung wieder durch neue ersetzt werden. E« Ist das ein durchaus gesunder Prozeß. Die Arbeitstage als solche Ist also nicht unbefriedigend. Dagegen macht Meli In letzter Zelt die Erscheinung stärker bemerkbar, daß keine Uebcrcinstimmung In der Verleitung der verschiedenen Arbeiten herrscht. Die Polgc Ist, daß zu Zeiten und an bestimm, ten Orten Mangel an Arbeitskräften eintreten kann, während* wir Monate vorher nicht genug Stellen für Arbeitsuchende finden konnten. Um ein Beispiel zu geben: es kann geschehen - und wir haben solche Fä Ic gehabt —, daß in der Zelt, wo In den Kolonien eine große Anzahl von Arbeitern gebraucht wurde, z. B. zu Saisonarbeiten, auch andere große Arbeiten, wie Chaussccbautcn usw. in Angriff genommen wurden. Die Folge Ist atd der einen Seite, daß für alle Unternehinuiigcn nicht genug Kräfte freizumachen sind, und daß andererseits zu einer Zeit, wo dann später keine Saisonarbeit zu haben Ist, oder In den großen Regen ein Teil der Hnuaihtllcu eingestellt werden luuf), keine Reserven heilen vorhanden sind, die der drohenden Arbeitslosigkeit entgegen wirken, eben deshalb, weil man diese Arbeiten bereits zu einer Zelt ausführte, wo sie nicht so dringend gebraucht wurden. Es wurden deshalb seit einiger Zeit tn der Arbeiterschaff eine Reihe von Vorschl/igcn diskutiert, die olle darauf hinausliefen, die Verteilung der verschiedenen Arbeitsmöglichkeiten so zu konzentrieren, daß jede In einem Zeitpunkt ausgeführt würde, In dem sie am dringendsten erscheint. Es kam darauf an, zwischen den einzelnen Institutionen, von denen die Arbeiten ausgehen und verteilt werden, eine gut funktionierende Kooperation herzustellen, die auf gegensciti. grr Information und gemeinsamer Beratung beruht. Als solche Institutionen bzw. Körperschaften sind anzuseilen: „Solei Bonch", für iiffcntllche und Bauarbeiten, die Landarbcitcrzcntralc (Mcrkas Chaklai) für die Arbeit in den Kolonien, die Elnwanderungszcntralc (Mcrkas Alijah) und evtl, die städtischen Arbcitcrrätc mit den Arbeitsämtern. Die letzte Beratung der allgemeinen Arb:itcrorganisatlon, die vor vierzehn Tagen in Tel Awiw tagte, diskutierte die Notwendigkeit und die Form einer solchen Information?, und Rcgulatlonsstellc. Es wurde beschlossen, bei der Exe. kutive der Arbeiterorganisation ein Sekretariat zu schaffen, das die diesbezüglichen Fragen behandeln null und millefdem eine Kommission zu bilden, In denen die obengenannten Institutionen vertreten sein sollen. Diese Einrichtung ist geeignet, die nötige Ucbcrslcht und Rc julhrung der Arbeitsmögllchkcitcu zu schaffen, die bisher nicht in genügendem Maße vorhanden waren. Das Ist um so wichtiger, als wir, wenn sich der Umfang der Einwandening nicht ändert, in der nüchslcn Zelt damit zu rechnen haben, daß In jedem Monat tausend neue Einwanderer mit Arbeit zu versorgen sein werden. Um unter diesen Umstanden die Arbeitslosigkeit möglichst zu beschränken, wird es nßtipr sein, sämtliche Arhcttflm'igtlchkeltcii In vollem Umfange und zu richtiger Zelt auszunutzen. Wie aus Jerusalem berichtet wird, hat die RcRierung den indischen Arzt Dr. Oplatka vom Departement lur Gesundheitswesen der palästinensischer» Regierung als ihren Vertreter auf dem Internationalen medizinischen Kongrcil in Belgrad delegiert. n;; W"iMi ■jadsepf:-,;{S I. VC1 >He:'J H< Artikel ■Viits 'jO,;i de mV .ribiscVj,;'- (chcn.f ' :;cscr i.i' „Nfi: -chler •dem 1 ,r,dcr ] i»'. üben....1: ru untf l;;!'; ♦tun iJisch, I. M' (pfCClM".'. ,;th vi, pjlistiiA ■ piumci1! j; ', .idis-cl'111!. '(tlion I; fortda r Verfas.i..' .,s[;y »in*1?, in »ir . eine Vy ' lubcn ( lur a.; ürdc;! , ürlsch'ji sehe \'-t ßrantCi 6ic /,'.! ihre I ,. das di; | trm&g ., recli'i«* ' ermöjr/t schnei oder u<• K i Herbe, i >uf <;;' Aende i eintre, '!'•> u;t »m 1.: 'i' lür C |l 'sordc' ickret' i,1 dem Rede-,'; Stidtv; Rede i.y der t'1! teiiu.;.i dankt neue«'. , lührc . 1a Hebe *■ i.i britis '■', Du»,"' liUsst Slnnu 1 Arbc;! (lurcl 1 ,. .;a linde racl zu d..,: Orga ' Im Q liehst;. Idcnt,''; tchoi. 1' Morr1 auch i1 lasse JWlsi «Ina \ "hei i E"Rl v&lk« : Hisel; Fron',? n' Erne , auf [ Ann« wäre V zur . RiC; vier |, In g wolv, vom, "ich) bere 30. f «fscl. Man, J>»tU Verlt ^ci Die Celllslin Ra|a Garbnsowa Vor etwa drei Wochen hörte Ich diese junge große Künstlerin — sie Ist noch nicht siebzehn Jahre alt — in einer Wcstpcnslon, wo sie zum ersten Male vor einem geladene« Berliner Publikum sich produzierte. Um es gleich herauszusagen: wfr hörten die genialste Cclllstln der Gegenwart. Sie spielte, von Kapellmeister Taube meisterhaft begleite1, ein bekanntes Ccllokonzcrt von Salnt-Sacns, ein paar elegante Orlginalsachen von Rachmaninlw und Chopin, Dach und Qluck In Ucbcrlragungcn. Das Wunder vollzog sich Insofern, als hier alles beisammen war, was das Oenlc eines reproduzierenden Kßnstlcrs ausmacht: feinste Technik, herrlicher Ton und Fülle, vollendete Auffassung und eine Reife, wie sie bei Musikern In solch jugendlichem Alter und bei so zarter Seclcnttruktur selten anzutreffen ist. Kommt eine zarte Judin daher, aus Tiflis, wo sie beim sonst unbekannten Professor K. Minjak gewiß vollkommenen Unterricht genoß und spielt klassische und moderne Musik mit einem FcingcfüM und einer Vollkommenheit, wie man sie vor allem bei Cellisten vergeblich sucht, t So dürfte wohl nur Casali In jungen Jahren gespielt haben. Da ist zunächst das Herbe im Grunde nur Ton und sonores, elegisches Element hergebendes Instrument, eben das Cello. Aber sich: das Kind mit den echt jüdischen tiefliegenden Augen bewegt die linken Finger wie auf einer (üß rauschenden Violine, Da ist ferner: die hohe Kultur der klassischen Stücke, aber welche Ucbcrraschung: das Kind, das nur in seiner ernsten Hagerkeit und Im Blick Schmerz und Tiefe verrit, spielt Bach und Gluck ginzüch, als hätten dlctc Meister nur für solche unschuldige Meisicrbncn ihre Arien geschrieben. Kein Ton Ist länger bis auf den wichtigen Bruchteil einer Sekunde, der für das Ochcimnls der Wiedergabe alles bedeutet, ausgeballen, keine Phrase übertrieben, keine Weisheit der Melodik unbegriffen. Aber liier Heg» auch schon etwa« von Lösunj. Kaja darbusowa spielte zunächst Zierliches und Altklastisches. Was .sie an dämo Ischcr Kunst und an noch ausgeglichener Technik wird zu bieten vermögen, das wird sie In den nächsten Jahren Hgcn müssen. Bleibt noch etwas besonderes von der Jüdin Rata zu lUcn, Sie ist ein echtes asiatisches 'Kind im vornehmsten Sinne des Wortes und verrät eine urnl'c Kultur, die nichts von Ghcttocngc an sich hat. In den Blättern der „Jüdischen Rundschau" sei sie als ein Phänomen unseres wunderbaren Volkes allen anspruchsvollen Europäern angekündigt. Arno Nadel, Atmlcllungsslrelte Diese AusstclIimgRstrclfe dient •— das sei vorweggenommen —■ keinem anderen Ziel als der Kuiwthctrachtung, die an dieser Stelle gepflegt wird. Das Ziel heiflt: Jüdische Kunst. Die zu leistende Arbeit: Hindernisse forträumen und dem Kommenden den Weg erleichtern durch Hervorhebung der bishcr'gei nntwlcklungsmarkstelnc als wegweisende und zugleich weghauende Kräfte, — zeigen, was da ist und war: Steinhardt, Lcsser Ury, Hermann Struck und Hinweis auf das Neue, das wird und stark heranwächst: die Junge jüdische Kunst des Ostens, Marek Szwaitz, Max Band, Hybak, Mintschin, der junge Kahn u. a.....ein jugendstarker, hoffnungsvoller Weg, zu dem sich auch alles Starke des heranwachsenden jungjfidischcn Westens sicher einmal bekennen wird, wie es Jetzt als Einzelner der Palästina-Maler Pcysok beginnt. Unsere Kunslbctrachtung — Ich bin sicher, daß es nicht nur die ineine ist — hat daher, abgesehen von den Fragen nach Qualität und Individueller Entwkklung, Immer das große Ziel vor Augen i Was bedeutet-das Werk für die jüdische Kunst? Die kulturellen Gegebenheiten des westindischen Lebens bringen es vorläufig noch mit sich,'daß ein großer Teil der jetzt schaffenden jftdlsdicn .Künstler Im allgemeine» europäischen Kunstsdiaffcn verschwindet oder «einen Platz als Individueller Künstler behauptet, Aber die heranwachsende Generation, erzogen in einem ncubclcbtcn Judentum, bringt andere seelische Voraussetzungen und somit auch anderen Ausdruck in ihrem untrüglldKtcn Spiegel der Kunst. Mag' auch die Ausbeute der Ausatclhingastieifcn vorerst nicht groß sein, das, was sich an zukunftsbcjolicndcr, In sich Leben tragender Jüdischer Kunst regt, soll hier die Gemeinschaft finden mit den Kräften des großen Weges. Und vor allem: In Palästina selbst wächst eine neue Jugend in neuem Leben. Mit Ihrer kommenden Kunst ist vor allem zu rechnen, Die Reihe der großen Frühinhrsausstellungcn eröffnete die Sezession mit Ihrer Oaslausstcllung der Oruppc: „Das jun^c Rheinland", deren überragender Führer Gert Wollhcim ist. Von Führung Ist allerdings keine Rede, denn es ist eine zwanglose Gemeinschaft Ideal gesinnter junger Ktiivstler, die nur eins gcmcinwin haben: Gläubigkeit an die Kurvst als Offenbarung. Unter ihnen nimmt der junge jüdische Künstler Karl Schwcslg — 1808 geboren, der Jüngste der Oruppc, — als Aiisstellungslclter eine geachtete Stellung ein. Als eigentlich jftdisdicr Künstler kann man Ilm nicht charakterisieren, wenn er c9 aud> ist, in der hingebungsvollen Ncrvencinfühlung in jedes der Porträts, wie es bei dein Porträt des Apothekers Selbiger ganz besonders der Fall ist. Was er gibt, Ist auch nach seinem eigenen Geständnis Nach- Schöpfung. Das, was nber vor allem auffüllt und was den Blick unwillkürlich auf seine Bilder lenkt, ist die Energie des Strichs und die sichere Uclwrlcgcnhcit der Bewegung — Vorratskrälte, die das Porträt des Schauspielers pyordiardt begreiflich machen. Denn hier bedeutet Bild nidit nur Ncrvciv cinNihlung, sondern Gestaltung: Expression. Eine Komposition „Johannes und der Täufer", teils Altmcistcrdunkel, teils moderne Wlrklichkcitsphantastik, zeigt ihn auf dem Wege zu romanischer Form. Der Täufer Ist „der alte Herr" mit dem vornehmen Diplomatcnbart, aus Dramen der neuen Literatur hinlänglich bekannt. In der Akndcmlcausstcllung begegnen wir außer Liebermann — unter anderem mit einem groß geschetwn, sehr eindrucksvrllcn Selbstbildnis, Jakob Steinhardt mit einem hellen Stadtbild. Von jungen Künstlern Interessiert eine kleine Bronze: „reitender Mönch", mlttclaltcrlidi asketisch, in sich versunken und jung. Eine zarte Anmut liegt dariiW. l>ie Künstlerin heißt: Marie Elisab. FrSnkcl. Von dem Bildhauer Jussuf Abbo sieht man gleichfalls In Bronze die Uti le von Prof. Max J. Fricdlacndcr. Abbos Blick Ist auf die lXu- Stellung des Bleibenden gerichtet: den Qedankcn an sich. Fast asketisch, Oppcnhclmcr zeigt den Menschen als die Weihende Gestalt hinter dem Augenblicklichen. Die Oedanken sind in die Fläche gestrichen, verteilt, wenn auch zur eventuellen sofortigen Disposition. Ein gutes psychologisches Porträt. Abbo Indes zeigt h diesem einen aber wichtigen Zug sofort einen ganzen. ü;-.tankcnkomplcx, der I'"« augenblicklich als jüdischen Künstler legitimiert. Ruth Morold.

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