Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 44 (5.6.1925)
- Date
- 1925-06-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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NM« JUEDISCME RUNDSCHAU Seite 303 Organisationsfragen Vtrsdillge dtr Zloilstischea VeretnlQoag lür Deutschland Dtr Landcsvorstnnd der Z.V.f.D. hat an die zionistischen Lande»- und Sonderverbande folgendes Zirkularschreiben «richtet: Berlin, den 1. Mol 1925. Sehr geehrte Gesinnungsgenossen I Nachdem der 14. Kongreß bereits (ür Mitte August einberufen Ist, ist es notwendig, ats Vorbereitung für den Kongreß eine Klärung der wichtigsten Fragen herbeizuführen, die ihn beiclillligcn werden. Nur bei gründlicher Vorbereitung dieser Art kann der Kongreß, der nur wenige Tage zusammen ist, fruchtbare Arbeit leisten. Daher betrachten wir (i als wesentlich, daß sich schon vor dem Kongreß die einzelnen Oruppcn über die Fragen, die dort behandelt werden sollen, verständigen. Zu den wichtigsten Fragen des Kongresses scheint uns diesmal die Frage der Reorganisation der Bewegung xu gehören. Es bedarf wohl nicht erst der Begrün* düng, «laß in vielen Hinsichten einschneidende Acndeningcn notwendig geworden sind und daß er. jetzt on der Zelt ist, über die rein theoretische Diskussion dieser Frage hinaus den Versuch einer praktischen Reorganisation zu machen. Es ist selbstverständlich, daß jene Ncubclcbung der Organisation, die wir alle wünschen und erhoffen, nicht nur durch organisatorische Maßnahmen herbeizuführen sein wird, daß vielmehr nur durch eine kontinuierliche zionistische Erziehung und geistige Erneuerung aller Teile der Bewegung die Reform möglich sein wird. Dennoch glauben wir, daß die organisatorische Reform mit eine wichtige Vorbedingung einer solchen Ncubclcbung Ist. Doch auch diese rein organisatorische Reform wird unter Berücksichtigung aller Dcdlngungcit und Faktoren nicht auf einmal durchzuführen sein, vielmehr kann ei «Ich nur um die Einleitung eines Evolutlonsprozcsscs handeln, der die neue Form schaffen wird. Als Versuch einer Basis für eine solche schrittweise Lösung des Problems sind die Vorschläge zu betrachten, die wir Ihnen im folgenden im Namen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland unterbreiten. Wie Ihnen bekannt sein durfte, hat sich der letzte Delcgiertentag der deutschen Zlonlstcn im Dezember 1924 auf Orund eines Referates von Dr. Nahum Qoldmann eingehend mit diesen Fragen beschäftigt, nachdem ihm von seilen einer hierfür eingesetzten Kommission konkrete Vorschläge unterbreitet worden waren. Auf der Basis jener Vorschlage wurde eine neue Kommission vom Delegiertentag eingesetzt, bestehend aus den Herren Kurt Bluincnfcld, Isaak Feuerring, Dr. Nahum OoUlmann, Dr, Arthur Hanlke, Dr. S. Knznclsou, Dr. Martin Roscnblüth und Dr. Robert Weltsch. Diese Kommission hat unter Berücksichtigung der auf dem Deleglertcntag vorgebrachten Gesichtspunkte seitens der verschiedenen Oruppcn den gesamten Fragenkomplex nochmals gründlich durchberaten und die Vorschläge ausgearbeitet, die wir Ihnen im folgenden unterbreiten. Die Vorschlage sind von dem Landesvorstand der Z. V. f. D. gutgeheilten worden. Wir dürfen noch einleitend bemerken, daß die Absicht der Z. V. f. D. dahin geht, einen ZusammenichtuQ aller hierfür In Frage kommenden Gruppen zu erzielen, die bereit sind, sich auf bestimmte Reorganlsations- "vorschlage für den KongTcß zu einigen. Die Vorschläge, die wir Ihnen hier machen, sind daher nicht als unabänderlich gedacht, sondern lediglich als Ausgangspunkt einer Aussprache mit den einzelnen Gruppen und als Basis eines Zusammenschlusses derjenigen Gruppen, die wenigstens in den Grundlinien mit uns übereinstimmen. Wir hoffen, daß es möglich sein wird, noch vor dem Kongreß auf Grund der Antworten der verschiedenen Oruppcn, an die wir diese Vorschläge senden, einen einheitlichen Vorschlag auszuarbeiten, auf den sich wenigstens ein beträchtlicher Teil der zionistischen Gruppen und Landesverbände wird einigen können. Der Kongreß soll dann auf Grund dieses Vorschlages den ganzen Fragenkomplex gründlich prüfen und seine Entscheidung treffen. Es ist klar, daß in Anbetracht des baldigen Zusammentritts des Kongresses die Verständigung möglichst bald erfolgen muß, weswegen wir Sie bitten, die im folgenden dargelegten Vorschläge sehr bald Ihren Instanzen zu unterbreiten und uns deren Standpunkt darzulegen und zwar nicht nur im allgemeinen, sondern in einer detaillierten Stellungnahme zu den einzelnen Vorschlägen mit einer eingehenden Kritik und mit Abänderungsvorschlägen. Wir hoffen, daß wir im Verlauf von vier Woche n im Besitze Ihrer ausführlichen Antwort sein werden, worauf wir auf Orund aller eingegangenen Antworten versuchen werden, Ihnen einen die verschiedenen Gesichtspunkte und Abänderungsvorschläge berücksichtigenden Plan zu unterbreiten, Vorschlüge für die Reorganisation I. Territorialverbinde. Als eine der wichtigsten Aufgaben für eine Reorganisation erscheint uns die Notwendigkeit, ein Zusammenwirken aller Zionisten eines Territoriums bei denjenigen zionistischen Arbeiten herbeizuführen, bei denen eine solche Zusammenarbeit möglich ist. Bei aller Anerkennung der Berechtigung von Socdcrorganisatioitcü und Einzclgruppicrungcn innerhalb der zionistischen Bewegung gibt es doch zweifellos eine Proße Reihe zionistischer Arbeiten und Aufgaben in jedem Ttnhorium, deren Bewältigung keineswegs nach weltanschaulichen Gesichtspunkten, sondern lediglich nach territorialer Gliederung erfolgen kann. Wie die Dinge heute liegen, wird durch die schablonenhafte Anwendung des Föderationsprinzips Juf alle zionistischen Arbeiten eine große Zersplitterung und Vergeudung der Kräfte und nuf einigen Gebieten eine Desorganisation und Anarchie bewirkt. Als zionistische Aufgaben, die prinzipiell unter einheitlicher Leitung in einem bestimmten Lande geleistet werden müßten, erscheinen uns ttwa folgende Gebiete: 1. Bildung einer zionistischen öffentlichen Meinung durch gemeinsame Aussprachen und Diskussionen über die wichtigsten zionistischen Fragen, um auf diese Weise allmählich zur Möglichkeit einer einheitlichen Führung der gemeinsamen «onistischen Politik zu gelangen. Heute ist der Zustand zum großen Teil so, daß die einzelnen Oruppcn zionistische Politik •nachen, ohne gegenseitigen Kontakt, wodurch einerseits innige der mangelnden Auseinandersetzung zwischen den Qruppen eine innere Erstarrung innerhalb der Gruppen selbst »«wirkt wird, andererseits aber audh die Aktionskraft der 'ionlitischen Gesamtheit geschwicht wird. 2. Die Leitung und Kontrolle der zionistischen Propa Bands, wodurch die Sonderpropaganda der einzelnen Gruppen Ucht behindert werden soll. Es gibt große Oeblete allgemeiner zionistischer Agitation und Aufklärung, besonders auch gegenüber der nichtjüdlschcn Oclfcntlichkclt, bei denen ein Zusammenwirken »Her Oruppcn möglich und notwendig Ist. 3. Die Leitung und Kontrolle der Tätigkeit der Fonds. Gerade hier ist eine "Zentralisierung sehr notwendig, da heute vielfach die Arbeiten der Fonds ohne einheitliche Gesamtleitung in den einzelnen Ländern erfolgen und die Oetahr besteht, daß die Fonds sieh zu einer Art von selbstitndigcn Organisationen In den elii/elnen Ländern aufwachsen. 4. Die Leitung der Alijah und 1 laclischarnh, die zweifellos gemeinsam geführt und kontrolliert werden muß. 5. Der Konnex mit den zentralen zionistischen Instanzen der Wellorganisation, insofern es sich um I>iiigc handelt, die die zionistische Gesamtheit eines Landes belrcflcn (Durchführung von zionistischen Aktionen Im Lande, und dcrgl.l. Alle diese Aufgaben bieten ein genügend weites Feld, auf dem Territorial-Vcrbände, in denen alle zionistischen Onippcn eines Landes zusammengefaßt werden, wichtige Arbeit leisten könnten. Diese Zusammenfassung ist so gedacht, daß aus den Sondergruppen jedes Landes und dem allgemeinen zionistischen Landesverband ein übergeordneter Tcrritorialvcrband in der Weise gebildet wird, daß In dessen Instanzen sämtliche Gruppen ihrer Stärke entsprechend vertreten sind. In allen größeren Stödten sollten lokale Komitees gebildet werden, in denen alle Gruppierungen repräsentiert sind, und diesen I.nkalkomitees soll eine In gleicher Welse gebildete Zciilraliust.-ui/ Übergeordnet werden. Dieser zentralen Instanz würde die Leitung aller oben skizzierten Arbeitsgebiete vorbehalten sein. Sic würde beispielsweise die Nationalfondskomniissloii und die Kcrcn Hajcssod-Kommlssioii wählen, und diese Kommissionen müßten ihr unterstehen. (Allerdings müßte die Ernennung der leitenden Beamten der Fonds der Bestätigung durch die Direktionen der Fonds unterliegen.) Es ist klar, daß die Zugehörigkeit der Sondervcrbiiiulc zum Tcrrilorial-Vcrband unbeschadet ihrer interterritorialen Organisation und ihrer Verbindung mit ihren zentralen Fraktions-lnstanzcn erfolgen soll. Die Schaffung dieser Tcrrltorinl-Vcrbändc liat zwei sachliche Vorbedingungen: 1. Die Ii I ii f ii Ii r u u g des F. 1 u Ii c 11 s s c h e k e I s, Es brauchen nach den Jahrelangen Dehnten, die In der Tlonlsllscheu Ocffcntlichkcit über den Einhcitsschckel geführt wurden, nicht nochmals alle Argumente, die für seine Einführung sprechen, dargelegt zu werden. Wir möchten nur betonen, daß uns die Schaffung des Einliciisschckcls als eine der wichtigsten Voraussetzungen jeder Reorganisation der Bewegung erscheint, und wir glauben, daß ihr auch die Sonderverbände zustimmen könnten, weil bei einer Gestaltung der Tcrritorialvcrbändc, wie wir sie skizziert haben, die Sonder- Standpunkte und besonderen Interessen der Föderationen keinesfalls tangiert werden sollen. 2. Die zweite Vorbedingung wäre die Ausschaltung aller derjenigen politischen Fragen aus der Kompetenz der Tcrritorial-Vci bände. In denen ein gemeinsames zionistisches Vorgehen unmöglich ist. Das ist vor allem die Frage der Landes, und ucineluilcpoHlik. In diesen Frauen soll der Tcrritorinl-Vcrband nur dum Stellung nehmen, wenn ein gemeinsames Vorgehen aller Gruppen im Einzelfalle möglich ist. Sonst sollen die Gruppen einzeln vorgehen und der Territorial- Verband als solcher neutral bleiben. Eine der günstigen Wirkungen der Territorial-Vcrbände wäre darin zu sehen, daß die positiven zionistischen Aufgaben stärker in den Vordergrund treten würden gegenüber den Fragen der Landes- und Ocmciudcpolilik, die heute in manchen zionistischen Tcrritorial-Vcrbändcn fast ausschließlich die zio. nlslische Ocf fcntlichkcit beschäftigen. Wir erwarten von der Schaffung der Territorial-Vcrbände eine Ncubclcbung des Zionismus in den einzelnen Ländern und die Schaffung einer wirklichen zionistischen öffentlichen Meinung über alle SondergruppicMinncn hinweg, die heule fast kaum noch Irgendwo besteht. Wir wissen sehr wohl, daß sich gerade der Annahme dieser Forderung erhebliche Schwierigkeiten In den Weg stellen werden; wir glauben aber, daß angesichts ihrer fundamentalen Wichtigkeit der Versuch ihrer Verwirklichung mit allen Kräften unternommen werden muß. If. Schckel. Es wurde bereits erwähnt, daß der Schckel wieder als Einhcitsschckel für alle Zionisten gestaltet werden soll. Dabei erscheint uns aber auch eine Erhöhung des Schekelprcises als notwendig, und zwar sowohl aus dem prinzipiellen Gesichtspunkt heraus, den Akt des Beitritts und der Zugehörigkeit zur Organisation dem Einzelnen fühlbarer zu machen, als auch aus dem wichtigen praktischen Motiv, die Exekutive ausreichend zu finanzieren, da keine Rclorm der Organisation möglich ist, ohne eine starke Exekutive, die über ausreichende Mittel für ihre Arbeiten verfügt, Wir würden die Festsetzung des Schckcls auf 2—3 Schilling für angemessen erachten. III. Exekutive. Die zionistische Oclfcntlichkclt ist sich heute darüber klar, daß gerade hinsichtlich der Exekutive eine gründliche Reorganisation notwendig ist. Die Exekutive muß wieder werden, was sie in früheren Jahren war, nämlich das wirkliche Zentrum und die wirkliche Leitung der Bewegung in allen wichtigen Fragen. Im Zusammenhang mit dieser Frage ist in der letzten Zeit .besonders die Frage der Verlegung der Exekutive erörtert worden. Wir sind der Ansicht, daß die Frage nicht so gestellt werden kann, wie es meist geschieht, als Frage der Verlegung von London nach Palästina. Die Argumente, die für eine Verlegung nach Palästina sprechen, sind allgemein bekannt und läufig dargelegt worden Die Bedenken, die dagegen sprechen, sind vor allem drei fachcr Natur: a) Die Verlegung nach Palästina könnte als eine Zurück. Ziehung der zionistischen Bewegung auf das palästinensische Judentum und die zionistische Exekutive politisch lediglich als Repräsentanz des palästinensischen Judentums und nicht mehr als Träger der politischen Ansprüche des jüdischen Volkes in der ganzen Welt betrachtet werden. b) Die Exekutive in Palästina könnte zu sehr von den Stimmungen, Wünschen und Einflüssen des palästinensischen Judentums abhängig werden und somit nicht mehr die autoritative Stellung einer obersten Leitung innehaben. c) Ea bestehen gewisse technische Schwierigkeiten für die Leitung der organisatorischen und propagandistischen Arbeiten der Exekutive von dem entfernten Palästina aus. Was wiederum die Möglichkeit einer Exekutive In London betrifft, so sprechen alle Erfahrungen der letzten Jahre gegen die Möglichkeit einer fruchtbaren Arbeit In London, so daß nicht zu erwarten ist, dort eine starke und arbeitsfähige Exekutive schaffen zu können. Aus diesen Erwägungen pro und kontra heraus sind wir zu der Ansicht gelauert, daß die restlose Konzentrierung der Exekutive an einem Platze noch nicht möglich ist. Nach wie vor muß die Internationale politische Arbeit von London aus dirigiert werden. Eine politische Agentur in London könnte keineswegs ausreichen; daher nmß ein Teil der Exekutive, bestehend aus zwei bis drei Mitgliedern, In London bleiben, der die Politik leitet und bestimmt. Alle öhrigen Ressorts sollen In Palästina konzentriert werden, auch die organisatorischen und propagandistischen Ressorts, wobei allerdings Im einzelnen noch Maßnahmen getroffen werden müssen, um gewisse technische oder organisatorliche Bedenken, die dagegen sprechen, zu beseitigen oder zu mildern, so z, B. durch Errichtung von Vertretungen der Exekutive In Europa und Amerika. Wir betonen, darf dieser Vorschlag nicht eine restlose Verlegung nach Palästina bedeutet, und glauben, daß am vielen naheliegenden Onindcn die Frage ül>crliaupi nicht in prinzipieller Forin unter der Parole der „Verlegung" darirrstellt werden »oll schon um ungünstige außenpolitisch« Wlikungen einer solchen Parole zu vermelden. Es handelt sich vielmehr um eine Interne Ncuclntcllung der Ressorts und um eine Verschiebung des Schwerpunktes der Internen Arbeiten der Exekutive nach Palästina, wobei aber die Abtellung in London aus vollberechtigten Mitgliedern der Exekutive bestehen soll, IV. Aktionskomitee. Im Zusammenhang mit dem Problem des A.-C. hat die Kommission den Gedanken beraten, eine neue Instanz zu A.C. und Exekutive zu schaffen, In Gestalt eines zionistischen Senats. Dieser Körperschaft sollen diejenigen zionistischen Persönlichkeiten angehören, die auf Orund Ihrer Verdienste und Arbeit innerhalb der Bewegung gewissermaßen die Träger der Tradition und Konünuität der zionistischen Entwicklung sind, dagegen nicht mehr so unmittelbar im aktiven Leben der Bewegung stehen, um vom A.-C, aus die entscheidenden Direktiven für die Entwicklung der Orgniilsallnii zu gehen, Diese neue Körperschaft soll nur beratende Rechte (iahen, sie soll in dauernden Konnex mit der Exekutive und dem A.-C. stehen, Ihre Mitglieder sollc.i alle Informationen und Rundschreiben der Exekutive erhalten und so in der Lage sein, zu allen wichtigen Fragen ihre Meinung zu äußern und ihnen Rat zu erteilen. Der Kreis der Mitglieder dieses Senats dürfte natürlich nicht zu weit gezogen werden, damit seine Bedeutung nicht bagatellisiert wird. Gedacht ist an eine Zahl von etwa 30 Mitgliedern. Sic sollen vom Kongreß erwählt werden, damit diese Körperschaft die notwendige moralische Autorität genießt. Die Bedeutung einer solchen Körperschaft läge darin, daß eine ganze Anzahl älterer Zionisten die Möglichkeit Intensiver Mltaihelt haben würden, während es heute Ja leider no Ist, daß ein Ausscheiden nu* dein A.-C. oft die völlige- Inaklivlcriintf des Betreffenden zur Folge hat. Es gibt natürlich mancherlei Bedenken, die gegen eine solche neue Körnerschaft sprechen, »doch glauben wir, «laß ein solcher Senat bei einer richtiger» Gestaltung seiner Zusammensetzung und Kompetenzen nützliche und fruchtbare Arbeit würde leisten können. Unter der Voraussetzung der Schaffung eines solchen Senats würde mithin das A.-C. die Zusammenfassung der wirklich aktiven leitenden Vertreter der zionistischen Landes- und SoitdcrvcrbSndc sein. Sämtliche Mitglieder des A.-C, deren Anzahl 40 sein soll, sollen wie bisher vom Kongreß gewählt werden, wobei Icdoch die einzelnen Verbünde das Recht haben sollen, zu icstimmtcn Sitzungen au Stelle ihrer Vertreter andere zu nominieren, falls Ihnen dies auf Grund der Tagesordnung einer A.-C-Sllzuug Osler aus anderen OrÜndcu notwendig erscheinen sollte. Es brauchen ml'.hln In Zukunft keine Ersntzinltgllcder mehr vom Kongreß gewählt zu werden. Das A.-C. soll alle Rechte des Kongresses haben, auch das Recht der Abberufung der Exekutive unter bestimmten Kautcleit (qualifizierte Majorität bei bestimmtem Quorum), wobei jedoch die Exekutive in einem solchen Falle an einen außerordentlichen Kongreß appellieren kann. Die Jahreskonferenz soll In Wegfall kommen und an ihre Stelle eine Sitzung des A.-C. gemeinsam mit dem Senat treten, wobei jedoch die Mitglieder des Senats nur beratende Rechte, haben sollen. V. Kongreß. Der Kongrell bedarf einer Reform nach zwei Richtungen hin. Einmal muß er In der Gestaltung seiner Tagesord uung geändrrt werden. Die schon heute faktisch vorhandene Teilung seiner Vcr hamllungcn in allgemein-demonstrative auf der einen und in sachliche Sncziatbcratungcn auf der anderen Seile muß noch stärker als bisher in seiner Tagesordnung zum Ausdruck kommen. Der entscheidende Gesichtspunkt muß dabei dei sein, daß das Plenum des Kongresses das eigentliche Forum ist für den demonstrativen und ideologischen Teil scinei Verhandlungen, sowie lür die Fixierung der allgemeinen Rieht- Union der zionistischen Politik. Die Einrclberatungcn sollen immer mehr in die Kommissionen, die aus Sachverständigen zusammengesetzt sein sollen, verlegt werden, wobei dahin gestrebt werden inuft, die Bedeutung dieser Kommissionen zu steigern, ihren Beschlüssen eine erhöhte Geltung zu vcr. leihen, um unsachliche Aendcrungcn Ihrer Beschlüsse durch das Plenum zu verbinden. An den Anfang des Kongresse* soll der ideologische Teil gesetzt werden, wobei an die Wiederaufnahme der großen zusammenfassenden Referate über die Lage des Judentum«, ühcr die Aufgaben des Zionismus und über die großen Brinzipiellen Probleme der zionistischen Situation gedacht wird, laran sollte sich als zweiter Teil eine längere Pause für die Arbeiten der Kommissionen knüpfen, deren Beschlüsse dann dem Plenum vorgelegt und möglichst ohne große Debatte bestätigt werden sollen, Der Schhißtcil des Kongresses sollte dann der Wahl .der neuen Exekutive, der Darlegung ihres polnischen Programms und der Stellungnahme des Kongresses zu diesem Programm gewidmet sein. Dlc«cr Schhißtcil sollte durch «las formelle Vertrauensvotum des Kongresses für die neue Exekutive seinen Abschluß finden. Schon aus diesen letzten Bemerkungen ergibt «ich, daß eine radikale Acndcrung hinsichtlich der Wahl der Exekutive durch den Kongreß in Aussicht genommen ist. Hier liegt eine der entscheidenden Notwendigkeiten einer Reform vor. Die Fehler des gegenwärtigen Zustanden sind bekannt: der Handel um die einzelnen Plätze der Exekutive im Permanenz. Ausschuß, die Unmöglichkeit der Bildung einer geschlossenen Majorität im Kongreß durch die Zersplitterung der Fraktionen und als Ergebnis die Unmöglichkeit einer homogenen Exekutive. Hier vor allem muß eine radikale Aendcning einsetzen, um die Zionistische Organisation zu einer geschlossenen Willensbildung gelangen zu lassen. Es muß in erster Reihe dafür gesorgt werden, daß eine Kongreßmajorität zustande kommt, die die Verantwortung für die neue Exekutive und ihre Politik bis . zum nächsten Kongreß übernimmt. Erst dadurch wird es möglich sein, eine wirkliche Opposition bilden zu können, die In verantwortlicher Weise ihren Standpunkt vertritt mit der Tendenz, ihrerseits die Macht und die Verantwortung zu übernehmen, sofern es ihr gelingt, Majorität zu werden. Um diesen Zustand herbeizuführen, Ist es notwendig, dem Pcrrnancnz-Ausscliuß das Recht der Zusammenstellung der Exekutive zu nehmen, vielmehr sollte der Permanenz-Ausschuß lediglich den Präsidenten der Exekutive und damit auch der Organisation (beide Funktionen sollen wieder vereinigt werden) designieren. Dieser müßte dann seine Liste selbst zusammenstellen und mit ihr unter Darlegung seines Programms vor das Plenum des Kongresses treten. Erhält er das Vertrauensvotum einer Majorität des Kongresses, dann ist seine Wahl und die der neuen Exekutive perfekt. F.rhält er es nicht, dann tritt der Permanenz-Ausschuß zur Pcsig. nlciung eines anderen Präsidenten der Exekutive zusammen. Es würde dadurch erreicht werden, daß sich'im Kongreß eine geschienene Majorität bildet, die eine von ihrem vcr-