Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 42-43 (28.5.1925)
- Date
- 1925-05-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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I Nr. 42/43 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Seite 387 Brie! aus Polen Von unserem Korrespondenten. * Warschau gm., Mitte Mai. Ein Resultat der polnischen Wirtschaftskrlsl» Ist die Immer häufiger werdende Erscheinung, daß Jüdische Industrielle Ihre Werke Ins Ausland überführen. Hierbei ist Palästina keineswegs das alleinige Ziel, Weit häufiger gehen sie nach Rumänien und den übrigen Balkan Und ern, wo aufnahmefähigere Absatzmärkte, billige Arbeitskräfte und ein gerechteres Stcucrwcscn die Industrie begünstigen. Den Anfang machte der Lodzer Industriebezirk, zu dem ilch In letzter Zeit der Blalystoker gesellt hat.* Hier hat die Abwanderung der Fabrikanten solchen Umfang angenommen. daO bereits- 80—90 •/» der Textilarbeiter bescliäftigungslos sind. Noch bedrohlicher ist die Lage im Kai Itcher Bezirk, wo der Starosta von Turck die Mitteilung machte, daß die dortige Arbeiterschaft Infolge der Abwanderung der jüditchen Fabrikanten nach Palästina in größte Erregung versetzt Ist Vielleicht öffnet diese Erscheinung der polnischen. Regierung endlich mal die Augen, indem sie sich tu einer Revision ihrer Judenpolitik versteht. Es sollte aber nicht überraschen, wenn sie statt dessen eines Tages — Ihren Philorionismus revidiert. Die rechtliche Lage der polnischen Judcnhelt Ist dieselbe geblieben, Insbesondere Ist es die jüdische Bevölkerung der Grenzmarken, die der ungehemmten Willkür der Administration preisgegeben Ist. Die ungelöste Staatsangehörigkeitsfrage bietet der Verwaltung genügend Handhabe, um Ober das Schicksal unzähliger Menschen nach Gutdünken ru schalten. „OcfSllt jemand dem Starosta nicht," schreibt ein sozialdemokratisches Blatt, „so schiebt er ihn einlach nach Rußland ab, Und da dieses die Ankömmlinge nicht aufnimmt, so werden sie wiederum nach Polen zurückgeschickt, Es gibt viele Falle, wo jemand auf solche Welse wiederholt hin und her geschickt wird., Hierbei werden die Betreffenden auf der einen wie der anderen Seite mit QefÄngnis bestraft In einem Falle wurde eine kranke Frau mit vier kleinen Kindern elfmal hin und her geschlck t." Zur Lösung der Orcnzmarkenfrage wurde seinerzeit unter dem Vorsitz des Vizepremiers Thugut eine besondere Kommission eingesetzt. Von deren TJ'igkelt hört man nur wenig. Und dabei harren die Staatsangehörigkeit»-, Qcmclnde-, Schul- und Sprachenfrage dringend der Lösung. Das Verhalten der polnischen Ocffcptllchkclt gegenüber den kulturellen Forderungen der Juden Ist bei der jüngste» Budgetdebatte im Sejm wieder einmal unzweideutig zutage getreten. Sämtliche jüdischen Antrüge bezüglich derSubildicrungdesjüdisehenSchulwerks wurden abgelehnt. Bezeichnend Ist, daß selbst die Soilaldcmokratcn gegen die jüdischen Forderungen stimmten. Der jüdische Sejmklub befindet sich somit in einer eigenartigen Lage. Vorerst paktierte er mit der Linken, bis er wahrnahm, daß deren Finanz- und Wirtschaftspolitik den Juden schadet. Dann.orientierte er.sich nach der. Rechnen, bis er von dieser' wirtschaftlich und1 kultürcll preisgegeben wurde. Das Resultat ist eine gänzliche Isolierung nach rechts und links. Die polnische Regierung lehnt die Jüdischkulturcllen Forderungen nicht rundweg ab. Wenigstens behauptet sie, bloß infolge der jüdischen Uneinigkeit zur Untätigkeit verurteilt ru sein. „Die Aussichten für die Forderungen der jüdischen Schul- Organisation." erklärte neulich VUcprcmlcr Thugut einer Jüdischen Delegation, „sind deshalb besonders schlechte, well innerhalb der Jüdischen Oelfentllchkelt selbst keine einheitliche Stellung in dieser Frage vorherrscht Die Nalewkls und Ocnschas (Warschauer Judenstraßen) besitzen überhaupt kein nationales Bewußtsein und keine nationalen Forderungen. Sabbat Interessiert sie bei weitem mehr, als die Frage der nationalen Rechte." . Die Richtigkeit dieser Behauptung möchten wir dahingestellt seih lassen. Tatsache Ist, daß auch die orthodoxen Kreise (die der Minister Im Sinne hatte) bestimmte Forderungen bezüglich einer eigenen Schule erheben. Aller ■dings verlangen sie die Anerkennung des Che der als der normalen jüdischen Volksschule. Dafür' soll er Insofern modernisiert werden, als er den Unterricht allgemeiner Fächer In polnischer Sprache clnscjillcßcn soll. Die Stellung der Regierung zu dieser Forderung Ist eine geteilte. Blldungsmlnlstcr Orabskl, ein ausgesprochener Reaktionär, Ist für den Cheder, Vizcprcmler Thugut, ein „Demokrat", dagegen. Die Meinungsverschiedenheit zwischen beiden Ministem (in sämtlichen Dingen der nationalen Minderhelten) Ist derartig groß, daß bereits wieder von einer Demission Thuguts gesprochen wird. Praktisch dürfte für die Juden wenig herauskommen. Hat sich doch der „demokratische" Thugut der obcncrwlhntcn Delegation, die Ihm Ihre Forderungen bezüglich einer jiddisch-weltlichen Schule unterbreitete, dahin g äußert, daß er, ohne ein Anhänger des Chedcrs zu sein, den Standpunkt der Orthodoxen bezüglich der polnischen Unterrichtssprache Immer noch annehmbarer tihdetl Und erst der Bildungsminlster Orabskl: Sein Benehmen gegenüber derselben Delegation erinnerte lebhaft an .die Aufgeblasenheit zaiistlschcr Würdenträger. „Die Schulorgani sation hält es für nötig," sagte der Sprecher der Dclc gation, „festzustellen, daß sie ihre Forderungen im Zu •immenhange mit den Unterhandlungen erhebt, die der Minister mit der Orthodoxie führt." Der Minister geriet In hellen Zorn. „Ich werde nicht erlauben,«' schrie er, mit der Faust auf den Tisch schlagend «mir von Irgendeiner Organisation vorschreiben zu lassen tnit wem Ich unterhandeln soll. Die Regierung tut,'was [hr gelillt, und niemand hat was dreinzureden. — Noch ein wort wegen der Orthodoxie," drohte der Minister schließlich mit der Faust auf den Tisch achtagend, „und Ich breche die Unterredung ab." Man alehl also, daß sowohl Orabskl als auch Thugut, holz eines gewissen Unterschiedes In der Behandlung der Delegation In der Sache selbst ziemlich einig sind beide sind gegen die Jiddisch« und für die polnische Unterrichtssprache . . , ...... Die Zersplitterung des jüdischen Schulwesen» In Polen hat aber auch kaum Ihresgleichen. E* existiert «In halbes Dutzend, verschiedener. Schultypen? der Cheder, der, halb «formierte Cheder, die Qemelndeschule. dl« Misrachischule, die Tarbuthschule und die Jiddische Schule. Jeder Schultyp*» hat «ein eigenes Programm, eigene Methoden und Unterrlchtssprachc. In der einen Schule wird hebräisch, In der anderen jiddisch, In der dritten polnisch, In der vierten hebräisch-jiddisch, In der fünften hebräisch-polnisch und In der sechsten jiddlsch-polnlsch unterrichtet. Nun Ist die Verschledcnartlgkclt der Schulen nicht das schlimmste.. Welt schlimmer Ist es, daß die Schulen nicht einem einzigen Verbände angehören, nur bei voller Wahning Ihrer Eigenart nach' Innen und nach außen In hygienischen, ökonomischen und politlsch-rechtllchcn Fragen geschlossen zusammenzustellen. An Stelle dessen sehen wir, daß «Ich die einzelnen Schulorganlsalloncn gegnerisch gegenüberstehen und sich 'gegenseitig ihre Autorität In den Augen der Regierung untergraben. Die Zulassung von Juden zu den Hochschulen Ist nach wie tor ein schmerzliches Problem. Wie Grünbäum jüngst im Sejm erklärte, besteht an den medlrlnlschen und technischen Fakultäten ein strenger Numerus elau. us, %vas aus einer Ucbcrslcht für die letzten Jahre hervorgeht. Im Jahre 1915 gab es an der Warschauer medlzlntsehen Fakultfit 63 <Yo Juden Im Jahre 1022 — 40,o «,'e, während Im Jahre 1023/24 Insgesamt 10 Juden Aulnuhine fanden. An der Poscner Universität gibt es bloß 2 •/• Juden. An der landwirtschaftlichen Akademie zu Dubia ny wurden die drei jüdischen Studierenden derartig von Ihren Kollegen terrorisiert, daß sie die Akademie verlassen mußten. Die Krakauer und Warschauer Akademie verweigerte dagegen ihre Aufnahme. . . . In Sachen der Palästlnabcwegung steht die bevorstehende Pro-Palästlnakonfcrenz Im Vordergrunde des Interesses. Die Vorbereitungen ru derselben sind bereits Im vollen Oange. Die Kommission zur Ausarbeitung des Wahlreglements hat bcrclls einige Sitzungen abgehalten und die Grundlagen der Wahlordnung festgelegt. So wurde die Anwendung des alt gemeinen und prnportlonellen Wahlrechts beschlossen, an denen sich die gesamte jüdische Bevölkerung ohne Unterschied de« Geschlechts beteiligen soll. Das ganze Land so'l demzufolge In 20 Wahlkreise eingeteilt werden, wobei die S'5:Ue Warschau, Lodz, Lemberg, Krakau und Wilna selbständige Wahlkreise bilden. Die Einteilung der übrigen Wahlkreise soll In der Welse gcschchen, daß sich ein Jeder denselben mit dem betreffenden Oouvrrnemont deckt. Die Deleglertcnzahl wird sich auf 450 belaufen. Hiervon werden SO v« auf die einzelnen Wahlkreise, proportlonell zu Ihrer jüdischen Bevölkerung, verteilt werden. Die restlichen 20 */« der Mandate werden den von besonderen Onippcn atifgesleUlen zentralen Landostisten, taut der Zahl der In den Wahlkreisen verbleibenden Reslstlmmen, zugute kommen. In jedem Oouvernement werden KrelswahlkommIssionen, In |edem Orte Wahlkomitee« mit der Durchführung der Wahlen betraut werden. Schließlich wurde In der Kommission die Frage einer allgemeinen Registrierung der Wähler besprochen. Der endgültig auszuarbeitende .Wahlordnungs»ext - wird -auf. .einer erneuten KömmlsstonsaKrung angenommen werden und von der Exekutive des Aktlons-Komitecs zur Vorbereitung der Pro-Psläsllnakonfercnz bestätigt werden. Jüngst wurde In Warschau der offizielle Bericht des polnischen Konsuls In Jerusa'em veröffentlicht. Diese» höchst Interessante Dokument erhält ein reiches Materl»! Ober die ökonomische Lage Pn'JIstlnas und über die Perspektiven des polnischen Exporia. Der Konsul, der, wie man merkt, die Wirtschaftslage Palästinas eingehend otudlert hat, gibt eine detaillierte Analvse des p.i'ästlncnslschen Imports und kommt zum Schlüsse, daß für den polnischen Handel und Industrie Palästina ein Land von großen A bsa t sm ö gllch ketten bilde. Ferner erkennt er an, daß Palästina im ökonomischen Sinne den Schlüssel zum gesamten Orient darstelle. Die Eroberung dieses Marktes würde für die polnische Handelsbilanz glänzende Resultate er geben. In letzter Zeit hat die Palästinnbewegung In Polen weitere Kreise gezogen. I'ür die Auswanderung nach Palästina be ginnen steh berufliche Organisationen als solche zu Interessieren. So besuchte den Kercn-Hajer-scxt- Vertreter, Jaffe, bei seiner Jüngsten Anwesenheit In Lodz eine Delegation des Zentralen Jüdischen Handsve rkcrvcrbaiidcs, die Ihn um größere Berücksichtigung bei Verteilung von P.VästlnnzerÜfikntcn bat. Die Delegation Informierte hierbei Joffe, daß Ihr Verband aus 25ODO organisierten JQ' dlschen Handwerkern bestehe. Alle seien nuall flzlcrte Fachleute, von denen ein großer Teil nach Palästina übersiedeln möchte. Sie wären nun gezwungen, sich direkt an Jaffe zu wenden, weil sie Im Lodzar Palästina-Amte nicht den gehörigen Einfluß hätten, Bezeichnend Ist auch, daß die Handwerkcrorgnnlsatloii als solche ein« Akllon zugunsten des Keren Hajcssods unternahm. Die verstärkte AHJah aus Polen machte sich In letzter Zelt bei der Kontrolle Im englischen Konsulat zu War schau besonders fühlbar, TagiSj-lich meldeten sich hunderte Olim, wahrend die Kontrolle bloß zweimal wöchentlich statt findet. Das zentrale Palästina-Amt In Warschau wandte sich daher an die Jenisalcmcr Exekutive mit dem Ersuchen, bei der palästinensischen Regierung Im Sinne der Erhöhung der Kontrolllagc auf fünf In der Wnche vorstellig ru werden Die Vergrößerung der Zahl der Paliistlnazertlfikate für das nächste Halbjahr (8000, statt der bisherigen 3000) Ist allenthalben hierzulande mit der größten Genugtuung aufgenommen worden. Wohl steht die nuf Polen entfallende Zahl noch nicht fest, doch wird mit 3000 bis 4000 Zertifikaten mit Bestimmtheit gerechne». Daher hat das Zentrale Pnlfiitlna anit beschlossen, In den nächsten drei Monaten 500 Zcrtl fikatc monatlich zu verabfolgen. Da», Zentrale Palästina-Amt besitzt noch nicht die nötigen Instruktionen, welche Elemente' und Branchen bei der Vor abfolgung der Zertifikate ru bevorzugen sind. Klar Ist Jeden falls, daß die Chaluzlm, die eine entsprechende Hachschara hinter sich haben, In erster Reihe Berücksichtigung - finden werden. . . Es ist auch möglich, daß diesmal eine gewisse Zahl Handwerker, die nicht über das erforderliche Kapital ver fügen, mit Zertifikaten bedacht werden.- Den fortgesetzten Bemühungen des Zentralen Palästina amtes ist es ru verdanken, daß nun einer ganzen Kategorie von Pachleutcn, wenn als elno Bescheinigung seitens des Zentralen Haudwerkcrvcrbaiide« In Warschau beibringen, das PaUUtlnavIsum bereits bd einem Kapital von 250 Pfund ian Stelle der früheren 500) gegeben wird. Es sind dies die Fächer! Schmiede, Weber, Klempner, Stellmacher, Elektrotechniker, Tapezierer, Kanalisationsarbeitcr, TrikoiagenmeUtcr. Was die Auswanderung In den nächsten Monaten anbelangt, so rechnet das Zentrale Palästina-Amt damit, daß sie nicht nur nicht geringer als Im abgelaufenen Monat sein wird (als außer Touristen gegen 2000 Personen cmlgrlertcn), sondern sich noch verstärken wird." In den letzten drei Monate« sind aus Polen laut der Statistik de» Zcntraien Palästina-Amtes gegen 5000 Personen nach Palästina emigriert (darunter 30«;« Touristen). Wie In den meisten Ländern, geht Innerhalb des polnlschcn Judentums eine Umschichtung In der Richtung, der produktiven Berufe vor sich. So haben sich beim Warschauer „Ort" 600 Händler und Kauflcutc eingeschrieben, die Irgendein Fach erlernen wollen. Von Interesse Ist auch, daß von den 500 Personen, die In den „Ort"«chulen diverse Handwerke erlernen, 80«/9 Mittelschulbildung besitzen. Von den wachsenden Eingingen des Jüdischen Nationalfonda In Polen Ist In diesen Dlhttcrn bereits berichtet worden. Jungst hotte nun die N.-F.-Lcltung In Oallilen an die dortigen Gemeinden den Aufruf ergehen lassen, sich zugunsten des J.N.-F, zu besteuern. Dieser Aufforderung sind Inzwischen nachstehende Gemeinden nachgekommen: Lemberg mit 3000 ZI., Stanlslau — 1200, Przcmysi — 1000, Zloczow - 6000. Es Ist zu hoffen, daß dieses Beispiel bei den übrigen Ocmelndcn Nachahmung findet In der polnischen Jugendbewegung nimmt der Hasch omer H a z a 1 r" einen hervorragenden Platz ein. Er besitzt In Polen 136 Ortsgruppen, die 7320 Mitglieder umfassen. In letzter Zelt fanden In verschiedenen Gegenden Konferenzen statt, und zwar: am 14. und 15. Marz In Groduo (ür Polulsdi-Lltaucn, am 22. und 23. März in Kowcl für Wolhynlen und am 22. März In Kutno. Laut dem jüngsten Bericht der Hauptleitung des „HascJionicr Ilazair" sind In letzter Zelt 50 seiner Mitglieder nach Palästina übersiedelt. Der „Haschomer HazaTr" gründete im vorigen In Kaluszin (bei Warschau) eine landwirtschaftliche die sich Inzwischen gut entwickelt hat. Nun geht er ein« ähnliche Farm auch In Podolien zu gründen. Jüngst erließ die Hauptleitung des „Haschomer Hazai'r" an alle Ortsgruppen eine Aufforderung, sich der Sorge für jüdische Waisen zu widmen. Das Zirkular erwähnt die diesbezüglichen erfolgreichen Leistungen in anderen Ländern, namentlich In Litauen, wo der „Haschomer Hazalr" Kinder- und Jugendheime gegründet hat. Die Vereinigungsbestrebungen Innerhalb der polnischen Jugendbewegung sind ein besonderes Kapitel. Sie gehen auf die Danzigcr Konferenz zurück (September 1924), die einen diesbezüglichen Beschluß faßte. M; Jahre Farm, daran, Vom IDdlscbea Schulwesen In Polei In einer der letzten Sitzungen des Interministeriellen Komitees (ür die Randgebiete setzte, sich der polnische Unterrichtsininistcr für die Beibehaltung der Clunlaihn in den Randgebieten ein, wobei er bemerkte, daß die Unterrichtsspräche In den Chedarim Im ersten Jahre Jiddisch oder hebräisch »ein könne, im xweiten Jahre jedoch von der polnischen Unterrlchtf.inrachc abgelöst werden müsse. Die jiKlaistisrhen Fächer stillen Jedoch auch In den oberen Jahr« gängen in Jiddischer oder hebräischer Sprache gelehrt werden. Diese Vorschlüge Köllen angebll.h Im Einvernehmen mit den ürthidoxctt gemacht worden sein, Gegen den Antrag des Unterrlchtsminlsters sprach nich der Vi/eprcmler Thugutt aus. der ein erkläitcr Feind der Chedarlm fei. Eine der nächsten Sitzungen des Komitees soll ganz der Besprechung der Jüdischen Probleme In den polnischen Riudgcbictcn gewidmet sein. ■ '')■• " W.y :. «:v!\ "} ■:• . >' i>) - .*■> ~ i ''ü1 ,: i1 «; JK -', •!?! i t'] >l ' i*r ■ '') i ■'. .' ••'» i w -;• i'V;;■,.:■(>■ ,':>';•: I ■ , "Ow < ' , ' Sl I' .t <■;•; '[ iu >:•..;, 'i. i ■ ■:• ■ . | I; i -v **• i ]l i ■ I ';'ut tX!■' V II.- -I I I!' »• *■*"■ i % Ii Die jüdische Abteilang der Dachiasslelluarj la Florenz Rom. (J.T.A.) In Florenz wurde dieser Tage In Anwesenheit des Königs, der Mitglieder der Regierung und zahlreicher Vertreter der Oclchrtcnwclt diu zweite luternntionnle Buchausstelluiig feierlich eröffnet. Diese Ausstellung enthüll einen besonderen Pavillon für Jüdische Literatur, Wissenschaft In allen Sprachen. Vertreten sind u.a. die Ver- läge „Israel", Florenz; Verlag für Jüdische Kunst und Literatur, „R.mon", Berlin; „Jewlsh l'ublicatlon Society", Philadelphia.; „Uull(a", Nürnberg; „Stihel", Warschau, u.v.a. Der König ließ sich In den Jüdischen Pavillon führen und verweilte dort Inngerc Zeit Er bewies ein tieferes Interesse für die Ausstellungsobjekte und ließ sich von dem Organisator des jüdischen Pavillons, Dr. Olaß, eingehend informieren. Seine besondere Aufmerksamkeit widmete des König den Büchern und Kunstblättern des Berliner Verlages „Rimon", über die er sein Wohlgefallen kundgab. Der Koni« blätterte in den Memoiren Theodor H c r»I s und sprach, V mit seiner Umgebung darüber, daß er vor 20 Jahren mit ' dem Begründer des modernen Zionismus ein ISngercs Oc sprfich hatte, an dessen Einzelheiten er sich noch genau erinnert. Während die Judalca in englischer, deutscher, franzö. Bischer und Italienischer Sprache zahlreich und In Standard« Werken vertreten sind, sind hebräische Bücher nur in kleine» Anzahl und In schlichtem Einbände vertreten. Anscheinend waren die großen hebräischen Verlage über die Ausstellung nicht Informiert, denn die wenigen ausgestellten hebräischen Werke stammen aus privatem Besitz. * Rom. 0.T. A.) Dieser Tage wurde in Florenz der erste Kongreß der jüdischen Studierenden In Italien abgehalten, Vertreter der großen italienischen Universitäten waren zur Begrüßung erschienen. Den Beratungen wuluite auclals Vertreter des Weltvcrbandes Jüdischer Studenten Her» Steinig. Wien. bei. Es wurden Berichte über die Wirtschaft, liehe Lage der Jüdischen Studierenden In Italien erstallet und die Schaffung einer Föderation jüdischer Studenten in Italien beschlossen. Der Kongreß faßte eine scharfe Pro. tcstresolutlon gegen den numerus clausus. * Berlin. (J.T.A,) Dor Einladung deutsch-jüdischer medizinischer Kreise folgend, wird der Zcntralvcrband für jüdi. sehen Gesundheitsschutz „OSE" an der Organisierung einer jüdischen medizinischen Abteilung bei der Deutschen hygienischen Ausstellung, die im Jahre 1026 In Düsseldorf statt, finden wird, teilnehmen. Di« Düsseldorfer Ausstellung, die * wfihrend der Konferenz deutscher Aerztc und Naturforscher eröffnet werden wird, besieht aus drei Teilen: Gesundheitsschutz, soziale Fürsorge und Medizin. Dem jüdischen Tel! der Ausstellung wird ein spezieller Pavillon reserviert werden. Die Mittel werden durch di« Bnel Drlth-Logen, jüdische Gelehrte und den Verband „OSS" aufgebracht werden, ,! I '!' I .'■ ■ t ~ ,|M ■; ,1-d \ " -r i V>. iL i r: V < »1 l I, "M!