Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 42-43 (28.5.1925)
- Date
- 1925-05-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 386 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 42/43 Problem, das «Ich In PalSstina to r«ich entwickelt, erfordert »oforige Beachtung. .... , . . , , Ich weiß von vornherein, daß es Leute geben wird, die jeden Versuch ablehnen werden, sich In diese oder jene palästinensische Trage einzumengen. Aber die hragc wird nicht schwinden, und wenn wir «ie nicht ollen und klug behandeln, werden wir später einmal unter weit schwierigeren und unangenehmeren Verhältnissen dam gezwungen sein. Um jedes MlOvcntSndnli über einen Kardinalpunkt zu vermeiden, möchte ich vor allem andern tagen, daß ich die von den Oiümlcrn un»crcr Bewegung In ihrer Irimzeit getroffene Entscheidung für »ehr klug und gerecht halle, wonach der Zionismus die verschiedensten Ansichten über die religiöse Frage dulden müsse und gröOtc und vollständigste Gewissensfreiheit gewährt. Aber bis zum heutigen Tag hat die Bewegung eine noch weitergehende Haltung eingenommen. Sie hat nicht nur, mit Recht, abgelehnt, etwa religiöse Kriterien für die Zulassung zur Mitgliedschaft oder Mitarbeit einzuführen, sondern sie Ist einen Schritt weiterßicnuccn und hat «ich sozusagen neutral erklärt. Dies* Haltung der Neutralität, der völligen tnthaltung von jeder Stellungnahme in religiösen Fragen, war auch vielleicht notwendig und gerechtfertigt in der ersten Zeit der Bewegung, als ihre Tätigkeit größtenteils politischer und propagandistischer Natur war. Heute liegen die Dinge ganz anders. Wir stehen einer Wirkllclikclt, einem lebhaft pulsierenden jftdi- ■eben Leben in Palästina gegenüber; mit einer zionistischen Leitung, die durch das, was sie tut. oder durch das, was sie unterläßt, den Oang der Entwicklung entscheidend bccüiflußt. ob sie will oder nicht. Unter diesen Verhaltnissen Ist absolute Neutralitat unmöglich? Welches Bild zeigt sich uns heute? Obgleich man In weitgehendem Maße parteimäßiger Uebcrtrcibung Rechnung tracen muß. wird es doch aus altem, was man von Palästina hört, klar, daß die Entwicklung, insofern es sich um die Ncucinwandcning der letzten Jahre und um die neuen Siedlungen handelt, ganz entschieden vom traditionellen Judentum wegführt. Was diese Situation für diejenigen von uns bedeute!, die religiös oder traditionstreu sind, bedarf keiner Erörterung, aber ich bleibe dabei, daß diese Entwicklung uns vom rein zionistischen oder nationalen Gesichtspunkt aus ernste Besorgnis einflößen muß. Die Synagoge war die große Schlrincrln jüdischen Lebens und nationaler Werte, ein Vorrat, aus dem wir frei und fast tinachtsam geschöpft haben. Ein rascher Verlaß und eine Zersetzung des religiösen Lebens, che noch Palästina neue kulturelle Werte von gleicher Kraft und Bedeutung hervorgebracht hat, würde eine Ocfahr bedeuten, die w« kaum ohne weiteres auf uns nehmen dürften. Außerdem muß die wachsende Entfernung und ständige Entfremdung zwischen den religiöson und unrcligiösen Elementen der Bevölkerung, die Erregung, der Mangel gegenseitigen Verständnisses, die Erbitterung und der Streit, die aus dem Zusammenstoß des religiösen Fanatismus auf der einen und des fanatischen antireligiösen Dogmatismus auf der andern Seite entstehen müssen — aß dies muß die palästinensische Oemcinschalt in ihrer Kindheit schwächen und vielleicht die Blüte der nationalen Renaissance In der Knospe brechen. ...... Ä1_ Dazu kommt die Wirkung auf die D.aspora. Ob es uns recht Ist oder nicht, wurde da« Ideal de» Wiederaufbaus In hohem Made .gerade von Jenen gewürdigt, die religiöse Empfindungen und Neigungen ererbt haben. Sic machen große Anstrengungen, um aus Palästina das Ercz-Isracl ihrer Traume zu machen, wo ein jüdisches Leben In voller Freiheit* geführt werden kann. IXcscs jüdische Leben, wie sie es auffassen, unifaßt auch die Wiederherstellung des Sabbaths in seiner königliehen .Wörde, die Erneuerung der Festtage, die Belebung des jüdischen Rituals und die Erhöhung und Verschönerung der Synagoge. Die Vorstcßung eines Palästina, wo diese Ideale nicht verwirklicht sind, ist Ihnen furchtbar und unerträglich. Wenn die Jetzige Strömung ungehindert und ohne Ocgengewidit fortdauert und mit der Dauer an Stärke gewinnt, dann wird ihre Energie schwinden und ihre Leistungen werden eine andere Richtung nehmen. Es handelt sich also um ein nationales Problem, das große Bedeutung' gewinnt und mit Mut und In ebnem Ocist aufbauender slantsmSnnischcr Oesinnung beliandclt werden muß. Wie dies geschehen soll, das ist eine schwere Frage, die sorgfältige und genaue Ueberlcgung erfordert. Wir müssen die jüdische Tradition von neuem unler dem Gesichtspunkt studieren, daß alle nationalen Werte, die sie enthält, richtig fruchtbar gemacht und planmäßig in unser nationales Leben eingeführt werden. Aber ich würde weitergehen und behaupten, daß ein Weg gefunden werden muß, um die Stärke und das Ansehen der Organisation dafür einzusetzen, daß die Entwicklung und Kräftigung des traditionellen Judentums in Palästina gefördert wird. Ich möchte nicht, daß die religiöse Freiheit eines einzelnen Individuums beeinträchtigt würde, aber ich möchte, daß die positive Entwicklung religiösen Lebens durch die zionistischen Fonds und die zionistische Autorität gefördert werde. Letzten Endes vertraue ich darauf, daß sich der aufbauende Genius des jüdischen Volkes unbedingt selbst durchsetzen und zwischen den beiden Extremen die goldene Mitte finden wird. Ein bekannter amerikanischer Zkmist, selbst orthodoxer Haltung, Sol Roscnbloom, äußert sich in der „New Palesüne" vom 19. Dezember 1924 unter der Ucbcrschrift: „Seelisches und Materielles" etwa so: Es wäre irrig zu glauben, daß die Chatuzim alle einander gleich sind. Aber zweifellos ist ein großer Teil der aus Osteuropa kommenden jüngeren Generation von den verschiedenen Typen des modernen Idealismus beeinflußt Manche Touristen, die durch das Land hasteten, waren aut Onwu einet viertelstündigen Unterhaltung tntrüsttt Ober die „radikalen" und „irreligiösen" Anschauungen mancher unserer jungen Idealisten. Manchmal dünkt es mir, als hälfen sich die jungen Leute selbst schlimmer gegebrn. als sie sind, einfach aus Vergnügen daran, ihre zudringlichen Besucher zu ärgern, die nicht Immer Sympathie und Verständnis mitbringen. Ich glaube fest an den Wert des traditionellen Judentums und doch scheint es mir, dtß ich diese jungen Leute verstehen kann. Vor allem müssen wir sje mit der jungen Generation in der ganzen Welt vergleichen und nicht mit der alten, wenn wir das Maß ihres jüdischen Idealismus abschätzen wollen. . Aber der wirkliche Schlüssel zu Ihrem Verständnis liegt darin, daß nun dessen eingedenk Ist, was sie durchgemacht haben. Sic haben gesellen, wie die entsetdkhste Mißachtung von Gerechtigkeit, Wohlwollen und Jedem menschlichen Gefühl zu Mord, Raub und Plünderung führten. Kann es Wunder nahmen, wenn sich ihr Idealismus In anderer Form ausdrückt als in der üblichen von Oebeten und Zeremonien? Vielleicht sind sie im Irrtum mit ihren Ideen und ihren Methoden aber man müßte geistig blind sein, um nicht ihre Opfer' bercitschaft für ein Ideal sozialer Hingebung zu seilen. Mag dem sein wie immer, keines der beiden Extreme ist der charakteristische Typus des neuen Lebens in Palästina. Es ist kein Zweifel, daß die tentrtie Te»4*n; des paUstinemisehea Lebens to eaoer Richtung geht, wo die Achtung vor physischer Arbeit und das Bestreben, Verbindung mit der Welt zu halten, steh mit der traditionellen jüdischen Liebe zum Buche verbindet. Der Sabbath und die Festtage werden natürlich regelmäßig eingehalten und die jüdischen religiösen und Ocinrlndc-In» stitulioncn In jeder Jüdischen Siedlung geführt Es mag einzelne Fälle von Verletzungen und Nichteinhaltung geben, aber das öffentliche und Ocmelndclcbcn entwickelt sich im Einklang mit der Uebcrlieferung. Die Elnhcltdc* Geistigen und Materiellen, des Jüdischen und des Allgemeinen, des Studiums und der Arbeit, der Religion und des Tagewerke* ist charakteristisch für das neue Leben, das sich In Palistina entwickelt In der gleichen Nummer der „New Palcsllnc" fährt aber auch das grobkalibrigc Ocschütz eines Artikels „Grundlehren des Judentums'« von A. H. Fromenson auf, der den orthodoxen Standpunkt in äußerster Schürfe vertritt — ohne allerdings seine sehr allgemeinen Behauptungen, ja Beschuldigungen zu konkretisieren, geschweige denn zu begründen. Er 6ngt: Ich behaupte daß alles, was in Palästina geschieht, jeden Juden angeht, der den Aufbau Ere/.-lsraels zu einem Teil seiner Lebensaufgabe gemacht hat. Alle, die freiwillige Arbeit für den Kercn ilajcssod oder Kercn Kajemcth leisten oder regelmäßige Beiträge geben, ganz zu schwelgen von denjenigen, die direkt oder indirekt seit Jahren für den Zionismus arbeiten — sind gleichberechtigte Partner dieser Arbeit mit den Chaluzim. Das ist selbstverständlich, aber es Ist nötig, es zu betonen, da Sprecher der Zionistischen Organisation von hohem und niedrigem Rang, sowohl hier als auch in Palästina, es sich zur Gewohnheit gemacht haben, Beschwerdeführenden zu antworten, es gfil* Kngc in Palästina, die sie nichts angingen. Wenn cm Ocsdiäftsmarai seinen Partner sagen würde, gewisse Dinge, die Im Bereich Ihrer gemeinsamen Unternehmung vorfallen, gingen ihn nicht-» an, würde die Ocnielnschalt aufgeladen werden. Wenn die zionistischen Beamten hier und In Palästinn und wenn die Mitglieder gew isser Kwuzoth bei ihrer Jetzigen Haltung verbleiben, können sfc manchen abstoßen, der sehr enttäuscht und verärgert über eine Dciikiiugsnrt ist, die man in dem prägnanten Satz zusammenfassen kaum „Da* geht euch nichts an, Maul hallen und wcltcrdlciicnl" Um aber die Hauptfrage zu behandeln, so berührt sie eine Situation in Palästina, die mich tief erregt hat, als Ich ihr begegnete. Es traf mich wie ein Scillae mitten Ins Gesicht. Weil mir der Zionismus und Ercz-Isracl so teuer sind und ich die Chaluzim so liebe, möchte ich diese unsere Jungen und Mädchen, deren Haltung und Lebensführung ich so verurteile, als kranke und verwöhnte Kinder betrachten. Krank infolge ihrer da« seelische Gleichgewicht vernichtenden Erlebnisse in Europa, erschwert noch durch die allgemeine Hysterie, die seit der russischen Revolution den Kontinent ergriffen hat; und verwöhnt durch allzuviel öffentliche Bcweihräuchcrung als Märtyrer und Heroen. Selbst wenn sie normal gewesen wären, als sie nach Palästina kamen, hätten sie verwöhnt werden müssen durch die ständige Wiederholung Ihrer übermenschlichen Eigenschaften, der ungeheuren Opfer, die sie bringen, wenn sie die 11511c der Ukraine verlassen und «tat OllUk nahen, dnn zu tun, was «Ie /u tun sie Ihr ganze» Leben hofften und dessen Besitz sie zum Gegenstände des Neides für uns übrige macht. Unsere Ueberzciigung, die Uchcrzctigung aller Zlonistcn, Insbesondere derjenigen, «He an der Wiege der Bewegung standen, war so stark, weil Palästina das Jüdische Land ist; es ist Ercz-Isracl Kein anderes Land kann das jüdische Land sein. Wenn aber das neue Palästina die GrundJchren des Judentums, wie sie unveränderlich in unserer Thorn festgelegt sind, verachtet, dann kann es auch nicht das Ödische Land sein, gleichgültig wieviel Juden dort wohnen, nd deswegen haben wir da» Recht, das unveräußerliche Recht, zu verlangen, daß es jüdisch sein soll, nicht Im Sinne dessen, was der verstorbene Dr. Schcchtcr einmal „rohen Nationalismus" genannt hat, wooidcrn In dem Sinne, daß es die Ethik und Moral verkörpert, die uns überliefert wurden und für deren Verwirklichung das Jüdische Volk ins Leben gerufen ist Im Grunde heißt das, daß die Zionistcn nicht an dem geographischen Palästina als solchem interessiert sind, sondern nur insofern, als das, was man P.il.lstun nennt, Ere/.-Israet ist. Mit Ercz-Isracl im Herzen Iclicn wir auch Im Qaluth ein jüdisches Leben. Werm die wirtsdiaftlfchen, politischen und psychologischen Verhältnisse inj der übvlgcn Welt es schwer, ja unmöglich inachen, jüdisch zu leben, so haben viele von uns das Gefühl, daß wir uns dein IdcaJ eines jüdischen Lebens Irgendwie nähern, wenn wir helfe», aus Ere»f»raet eine Wirklichkeit zu inadten. Der Mann, der enttäuscht war, weil die Chaluzim nicht dawwenen, drückte den Oed unken zweifellos grob, aber recht prägnant aus. Auf dem Orumle dieses Mannes lebt der Wunsch, daß er täglich „dawwenen" könnte. Und er ist Zion*rst, weif er glaubt, daß er so wenigstens durch ein Surrogat seine innere Sehnsucht befriedigen kann (wer Freud kennt, wird verstehen, wa* ich ämmMf&Itzrmwi* tvj«%4i jt^g^^TKp^Y^**^ '»■j^iiiw'iTMij Wir müssen auf die bedauerliche Tatsache hinweisen, daß der größte Teil unserer Gesinnungsgenossen die 2S©n3ÖGGQnSöGE3GIi* für das 2. Quarta! 1925 noch nicht gezahlt hat. Wir fordern unsere Ortegruppen und Vertrauensleute dringend auf, alle Beitrage — auch die noch lür die vergangenen Quartale ausstehenden <— sofort clnzuziehen und uns zu übermitteln, Diejenigen Gesinnungsgenossen, bei denen unsere Zentrale die Zionistcnstcuer direkt erhebt, und die auf unsere schriftliche Aufforderung nicht reagierten und die angekündigte Nachnahme zurückgehen ließen, erhallen in diesen Tagen erneut eine Zahlungsaufforderung. Wir bitten dringend um jofortige Ucbcrwcisung des Beitrages, resp. um Einlösung der Nachnahme, die wir anfangs Juni nochmals versenden werden. Die Zionistcnstcuer ist die finanzielle Orund. läge für die Arbeit der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Jeder Gesinnungsgenosse muß sich an der Aufbringung der Zionistcnstcuer beteiligen. Zionistische Vereinigung für Deutschland Postscheckkonto: Berlin 8091. — Bankkontoi Darm- Städter- und Nationalbank, Kurfürstendarnm 52. ISttatte^pSlWr^^ meine). Aber wenn seine Hoffnung, daß in dem jüdischen Und cm v6Mg jüdisches Leben entsteht, vereitelt, Ja ver. spottet wird, dann verliert das Land jeden Reiz fitr ilm £cgen diesen, meinetwegen bürgerlichen Ocsiditsmmkt kann man nicht mit Redensarten von „glühender Jugend" und ihrem Sturm und Drang kommen. Es ist glatter Unsinn, von Individueller Freiheit zu sprechen, wenn diese Freiheit tatsächlich Zügclloslgkcit ist und wenn die Aui. Übung dieser sogenannten Freiheit das grundlegende Prmzin umstürzt, worauf das ganze Gebäude des Zionismus niht, n5m. lieh die Herstellung Palästinas als Land Israeli, Ich hin überzeugt, daß Mr. Neuntann nicht als moralischer Polizist wirken will, Wie Ich weifl, daß mir diese Absicht fernliegt. Aber ich bin eins mit Ihm In der Forderung, daß man gewi^c« Oruppcn von Chaluzim, die eine bestimmte Art von Leben führen, sagen soll, daß sie nicht die Freiheit haben zu hm was innen bchagt — in Erez-Isrncf. Indem sie trciwüiw dorthin kamen, sich freiwillig auf dem Land anwedelten! auf dem Boden, der mit OcW erworben wurde, das ausschließlich von solchen aufgebracht M, die an Ercz-Isracl als in ein Land der Orundsütze des Judentums glauben, aut Boden, der das unveräußerliche Eigentum des jüdischen Volkes ist- Indem sie die Hilfe des Kercn Hajcsnod annehmen, der so gut wie ganz von Leuten geschaffen ist, die dleselbea Anschauungen haben, haben die Chaluzim ciivcn f c ierlichen Vertrag mit dem jüdischen Volk abgcsdilosscn, die Entwicklung des jüdischen Landes zu (ordern, und als Teil dieses Paktes haben sie sich verpflichtet, eine soldie Haltung und selche Lebcnslormeu zu vermeiden, die deo Orundlchren des Judentums entgegen sind und die, wenn man bei ihnen bleibt das Ziel des Zionismus zum Sdicitem bringen müssen. Die Zionistische Organisation kann nicht neutral m Fraget sein, die die Orundlchren des Judentums berühren. Sie muß Stellung nehmen und zwar in positivem Sinne. Sic muä so Stellung nehmen, daß jedem Cnaluz und jeder Chaluzah klar wird, daß das Leben, das man in Palästina führt, ein Indisches Leben sein muß, jenes Leben, das unsere Familie rein gehalten hat, das uns frei von Unsittlichktit und Verfall gehalten hat, die über andere Völker kamen. Sie muß so Stellung nehmen, daß alle, die noch nach Ercz-Isracl kommen wollen, nicht kn Zweifel darüber sind, daß sie, wenn sie sich auf die große jüdische Reise machen, nur jüdisches Qeplick mitnehmen dürfen und lucbt jcaei widerwärtige Mehrgepäck, daß ein so großer Teil unscra lugend seit dem Krieg erworben hat. wenn sie nach Ercz- Isracl kommen, müssen sie so gut verstehen, daß sie nicht Zftgclloslgkcit erwartet, wie eine „revolutionäre Jugend" sie fordert, sondern Freiheit, die Freiheit, nach der der Jude gestrebt hat, die Freiheit, ein vollständig jüdisches Leben zu führen und gemeinsam mit unsals unsere Partner zu arbeiten, die wir auch zu den Erbauern Ziona gehören, wenngleich wir gezwungen sind, noch für einige Zeit im Oaluth zu bleiben. In sehr temperamentvoller Welse erwidert Fromenson in der „New Palcstinc" vom 20. Februar 1025 unto der Ucbcrschrift „Zur Verteidigung unscrei Chaluzim" eine seit längerer Zeit In Palästina lebend« Amerikanerin, Jcssic F. Snmptcr. Sic schreibt: Wiim Mr. Fromenson nichts grundsätzlich Jüdisches In dm Chaluzim sieht, findet er es vielleicht bei Jenen palästinensischen Rabbinern, deren Gerichtshof Frauen für erbimlähig crfcJürt Ihnen die Vormundschaft über ihre eigenen Kinder abspricht, zuliißt, daß sie von ihren Männern weggeschickt werden, aber nicht, daß sie die Scheidung verlangen, die Verheiratung von elfjährigen Mädchen gestatten usw., oder bei Jenen primitiven, aber begabten, streng orthodoxen jemenitischen Juden, die mehrere Frauen heiraten. Sieht man im Judentum seine Vergangenheit, »eine Gegenwart und seine Zukunlt, dann findet man Onmdlchrcn des Judentums bei all diesen, insbesondere aber bei den Chaluzim, der Zukunft Ich finde die Chaluzim so vcrscldedcn in ihren Anschau- Hilgen und ihrem Charakter, In ihren Typen von traditioneter Religiosität bis zum Radikalismus, wie Jede andere zahlreiche Schicht von Juden. Aber ein paar Züge haben sie fast unveränderlich gemeinsam: ihre Hingebung für Palästina (nach Meinung der Rabbinen die erste der Mizwoth) und die Bereitschaft ohne Klage dafür zu leiden, ihre Verachtung für ntlcs Unehrliche, worauf vielleicht die Entrüstung mancher ihrer Kritiker zurückgeht, ihre Einfachheit der Lebensführung, ihre gute Kameradschaft, Ihr Verantwortungsgefühl, ihren Ernst mit Bezug auf ihre Ideale und Ziele. Als palästinensische Jüdin empöre ich mich und protestiere gegen Mr. Fromcnsons dunkle Anspiclungon und Verdächtigungen unserer Sittlichkeit. Wenn es vicllcldit in Palästina noch nötig Ist, zu dulden, daß es außer Landes wohnemte Großgrundbesitzer gibt, so wollen wir doch mit außer Landes wohnenden Moralpredigern nldits zu tun haben. Wenn Mr. Fromenson unsere Lebensweise zu ändern wünscht, bitte, dann möge er hierher übersiedeln und es tun. Möge er den Arbeitskittel antun und mit seinen Händen arbeiten, auf Anerkennung und Wohlstand und Freundschaft und Bequemlichkeit verzichten und probieren, wie es schmeckt, ein bißchen so „verwöhnt" zu sein wie die Chaluzim. Dann darf sich seine Stimme, wie die der andern orthodoxen Arbeiter hier, für ein höheres Maß religiöser Strenge crhcl«cn. Möge er helfen, die Zukunft zu schaffen; aber kein Cluluz wird dulden, daß man ihm von auswart* droht, materielle Hilfe zu entziehen, um seine Lebensweise auch nur um ein Jota zu beeinflussen. Wir in Palästina verkaufen unsere Seele nicht (Ein zweiter Teil folgt) Sllzontj des Zentralktmltcs Berichtigung. Im ProtoVon der Sitzung des ZcntralkomUcs, abgedruckt in der vorigen Nummer der Jüdischen Rundschau" muß es unter III, Absatz ft, Zelle 3, rieht g heißen: „und setzt die In Berlin an süss Igen Mitglieder des Landesvorstandei .... als Hauptwahlkommlssloii ein." Im Absatz V, „Jüdische Volkspartei", fehlte die Feststellung, daß die Herren Dr. Klee und Dr. Köllenscher sich mit dem vom Landesvorstaod vorgelegten und vom ZcnfralkomUe* angenommenen Antrag ausdrücklich einverstanden erklärten. Gruppeiverbaodslagoag des ZlonLslljchen CroppenvcrbandeJ Sachsei-Anhzlt Bsginn der Tagung: Sonntag, den 7. Juni 192S fa Dessau, vormittags 10>/« Uhr Im Oemelndchausc, Steinstraße 13/14. Tagesordnung: 1. Referat Kurt Blumeofeld üher die Aufgaben des Kongresses und das Kongreß« Programm der Z.V.f. D. 2, Diskussion über das Referat zu t. 3. Vorstellung einer hcbrilschen Untcrrlchtsklasse der Sprachkurse in Dessau. 4. Bericht und Aussprache Ober die Chaluzwerksültc In Magdeburg, 5. Aussprache Ober <u> finanxießea UUtvngm de; datclien Ortsgruppen. 6, EventusAs.