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Jüdische Rundschau · 1925-05-28 · Heft 42-43 (28.5.1925) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 42-43 (28.5.1925)
Date
1925-05-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 384 JÜED1SCHE RUNDSCHAU Nr, 42/43 Der größte jüdische Schriftsteller (Betrachtungen über Scholem AI eiche m) Von Seh. Cforelfk. in dem Testament det vor neun Jahren verstorbenen Scholtm Alelcbem bellndet tlch die überaus rührende Bitte an sein« Kinder «od Freunde, an Jedem Oedenktage einiges aus »einen Werken vorwiesen. Etwas vorzulesen aus einer geschllderten und gestalteten Welt, die nicht mehr da Ist. Wo i»t Tewje? Verschwunden Ut er. Wie eine ferne Legende rrruiet uns dieser klassische Heid an; genau so wie das ganze Leben vor zwanzig Jahren uns beinahe legendarisch vorkommt. Scholem Aleichem sah, wie diese aaftlge, Inhaltsreiche, glaubig* Welt allmählich versinkt, verschwindet. Ea war unmöglich, das nicht zu sehen, da er doch selbst versucht hat, den neuen Jüdischen Menschen ru schildern. Allein es gelang ihm nicht. Wie es der ganzen jüdischen Literatur, der jüdischen Kunst überhaupt bis Jetzt noch nicht gelungen ist, den neuen Juden künstlerisch darzustellen. Es ist dies das überaus merkwürdige Schicksal der jüdischen Kunst, daß sie mit dem neuen jüdischen Menschen nicht fertig werden kann. Im Leben ist er schön Ungut da, dieser Mensch, aber In der Kunst Ist er noch nicht vertreten. Immer noch halten die Erinnerungen an das jüdische Städtchen, an du Patriarchalische. Auch die jüdischen Maler, die den modernsten Kunstrichtungen huldigen und sie vertreten, sind der neuen jüdischen Welt abhold. Ihnen schwebt immer noch der alte Jude mit dem langen Bart vor. Oh expressionistisch, kubistisch, immer und immer sieht man auf der Leinwand die Synagoge, das jüdische GSßchen. Rasierte Juden, junge Juden, einen Chaluz gibt es nicht tu sehen, weder in der jüdischen Literatur, noch in der jüdischen Malerei (in der jüdischen Malerei besonders nicht). Wie ist dies ru erklaren? Es mit dem Nichtkönnen allein ru erküren, wäre verfehlt. Nein, nicht mit dem künstlerischen Unvermögen, sondern mit dem großen Zauber, den jene verschwundene jüdische Wtlt des Städtchens noch immer ausübt. Gleichwertiges an seelischen, geistigen Qualitäten ist noch vorläufig nicht entstanden. Da« her die Bitte Scholen) Alelcheras, ihn dadurch ru ehren, ihn in Erinnerung ru behalten, diö man sich am Jahrestage «eines Tod« versammle, um aus seinen Werken vorwiesen. Dieser Bitte wird mit viel mehr Inbrunst und Pietit Genüge getan'als der groOe Humorist und der größte jüdische Schriftsteller »ich vorstellen konnte. Dem Werke Scholem Aleichems wird mit Jedem Jahr mehr Bewunderung, mehr Begeisterung gezollt. Je mehr wir uns von der Epoche entfernen, die in «olch genialer Welse in Scholem Alclchems Büchern verkörpert ist, desto mehr neue Momente, nicht allein humorvoller, groteskeT Art werden von uns entdeckt. Vor fünfzehn, zwanzig Jahren las man Scholem Aleichem in den jüdischen Häusern, um die Seele aufzuheitern, mit einem stürmischen Lachen. Man lacht auch Jetzt, aber man ist auch ernst und feierlich gestimmt. Sehnsucht packt uns. Mit Bewunderung und Dankbarkeit, blicken wir auf zu diesen Helden Scholem Aleichem«, die uns durch die Distanz der Zeit nicht nur nicht verblaßt, sondern Im Gegenteil immer leuchtender, immer wertvoller anmuten. Und dies ist auch das Hauptmerkmal, an dem wir einen großen Schriftsteller "erkennen. Es Ist gar nicht so lange her, als uns Perez bedeutender als Scholem Aleichem erschien. Wer will jetzt bestreiten, diO die Krone der jüdischen Literatur auf das Haupt Scholem Aleichems gesetzt werden muß? Erreicht wurde das ohne besonderes Mühen eifriger Jünger. Es ist von selbst gekommen, als Folcc der großen geistigen Karriere, die seine Helden Tewjc, der Milchmann und Menachem Mendel und die vielen anderen Helden inzwischen gemacht haben. Es ist gekommen als Folge der Erkenntnis, daß Scholem Aleichem derjenige unter den jüdischen Schriftstellern ist, dem die alle» zerstörende Zelt nichts anhaben wird, weil er Bleibendes, Dauerndes geschalten hat. Dies Bleibende, Dauernde Ist ea, was hier mit der geistigen Karriere gemeint ist. In der Literatur sind nur diejenigen Gestalten von Geltung, die im Laufe der Zeit nicht an Wert einbüßen, sondern Im Gegenteil im Range steigen. Als klassisches Beispiel bleibt immer das Schicksal des Ritter» von la Mancha. Als Cervantes seinen Helden in die Welt entließ, hieß ei, er wollte eine Satirc über das aufgeblasene, dekorativ heldenhafte, Im Verfall begriffene Rittertum schreiben. Erst durch die Distanz der Jahrhunderte ist Don Quichole aus dem Rahmen des Lokalen herausgetreten, und wir sehen in ihm jetzt den großen Idealisten und flammenden Enthusiasten. Wir wissen auch jetzt, daß die Geschichte der Menschheit nur deshalb nicht wie ein ekelerregendes Balgen von Raufbolden aussieht, weil sie von Zelt zu Zeit beherrscht wird von den Don Qulcholes. In der ganzen Weltliteratur hat keine einzige Oestill eine solche erstaunliche Karriere gemacht, ist dermaßen im Rang und Wert gestiegen, wie der spanische Ritter. Das Beispiel ist hier deshalb angeführt worden, um noch deutlicher zu betonen, daß an diesen Merkmalen - dem Stelgen an geistigem Wert und Rang des geschilderten Helden — hauptsächlich zu erkennen Ist, ob der Dichter und sein Werk nur Oiste während einiger Jahrzehnte sind, oder ob sie Aussichten haben für Oeneratlonen große Bürger der Literatur ru bleiben. In der judischen Literatur sind es nur die Haupthelden Scholem Aleichems» die solchen Anspruch «heben können. Wie haben sich tatsächlich unsere Beziehungen zu ihnen ge- Jndertl Als der jüdische Leser vor vielen Jahren die erste- Bekanntschalt mit der Makler- und Schlemlhljrestalt Menschern Mendels gemacht hat, war die Hauptaulmerksamkcit der grotesken Seite in seiner Korrespondenz mit seiner Frau Sore Schelndel zugewandt. Man hatte Freude an dem Witz, an dem Kolorit des Milieus und an der unvergleichlichen Sprache. Spater wurden die Beziehungen ernster. Die Oestalt Menachem Mendels diente als ernste, wehmütige Betrachtung unserer Soziologen, die das Bedrohliche In dieser ökonomischen Wur. zellosigkeit sahen. Erst jetzt begreifen wir, wie direkt lädierlieh es war, von der WurzellosIgkeJt ein« Menachem Mendel zu sprechen, der doch allen wirtschaftlichen Katastrophen Trott bietet, der sich niemals der Resignation und der Verrweiflung hingab, nicht aus Leichtsinn, sondern weil er tief ver, wurzelt mit etwas Bedeutendem, Ewigen war. Felsenfest stand er da. Felsenfest standen alle Kasrilowker Juden Scholem Alclchems da. Wenn ich mich nicht Irre, bestand das Oesamtvermögen von Kasrilöwke in einem einzigen Rubel. Aber man hörte niemals von Selbstmordepidemien wegen der schlechten ökonomischen Lage. Ach! ökonomisch-kritisch war <Ue Lage der Kasrilowker Juden . doch immer. Aber man hielt Kind. Weshalb tollte man denn nf/ht standhalten? Dt doch auch in Kasrflowko Juden zu finden waren, wie derjenige, von dem so Wunderbares erzählt wird: als er nimlieh im Sterben lag und «eine Angehörigen so bitterlich weinen sah, sammelte er den Rest seiner Kräfte, um die Verzweifelten zu ermuntern: „Weshalb weint ihr denn so und jammert. Ich fahre doch nicht nach Amerika. Wir werden una noch sehen, man wird sich noch trelfen . . ." Nein, wahrhaftig. In Kasrilöwke beging min nicht Selbstmord, well die Geschalte schlecht gingen. Das OeachAft war nicht alles, außer ihm trab es noch etwas Bedeutendes, Heiliges. Und dies ist der Grund des Optimismus von Menachem Mendel. Und wir fetern Ihn Jetzt, wir betrachten ihn Jetzt mit ganz anderen Augen dieses Optimismus wegen. Das Negative vom soziologischen Standpunkte nimm» sich wie eine Bagatelle Im Vergleich ru seinem großen Glauben aus. Noch viel erstaunlicher ist die Karriere, die Tewje, der Milchmann, im Laufe der zwanzig Jahre gemacht hat. Daß der jüdische Leser ihn ßlelch in» Her« Geschlossen hat, war nicht ru verwundern. Slrftmte doch so viel Herrensgüte aus dieser Gestalt, konnte er doch wie keiner so ungebrochen aus den Miseren des Lebens hervorgehen. Aber gleichzeitig haben w.r uns ru sehr ergötzt an der Art, wie er Bibel- und Talmudsprürhe in seiner eigenartigen, Intimen Weise, formell verfälscht, aber Im Wesen richtig rum Besten gab. Daa Humorvolle In den Monologen Tewje.s hat uns vergessen gemacht, daß ein Welser zu uns spricht. Den Weisen, den Leuchtenden in TewJe, diesem Volksinann, haben wir erst jetzt entdeckt. Sollte an uns die Trage gerichtet werden, ob in unserer Literatur eine Gestalt ru finden ist, die das Wesentliche des jüdischen Charakters darstellt, so we.den wir um eine Antwort nicht verlegen sein. Tewje ist der Exponent der jüdischen Seele. In diesem schlichten, schriftunkundigen Dorfmann ist eine alte Kultur eines alten Volkes verkörpert. Scholem Aleichems ru gedenken, dazu braucht man keine besondere Veranlassung. Auch diesmal geschah es nicht wegen des neunten Jahrestages nach seinem Tode, vielmehr entspringt es dem Scelcnbedürlnlf, sich an einem großen literarischen Beispiel ein wenig zu ermuntern. In der jüdischen Literatur ist ein bedrohlicher Stillstand eingetreten. Keine neuen bedeutenden Kräfte regen tieb. Krifle, die uns ru einer Hoffnung ermutigen können. Diejenigen Glücklichen, die tägliche jüdische Arbeit verrichten, die noch Glücklicheren, die. das jüdische Zukunftsheim bauen, sind viel zu sehr beschäftigt und auch zu einem gewissen Optimismus sogar verpflichtet, um so etwas ru merken. Für die aber, die einem offiziellen Optimismus immer fern standen, und außerdem es sich nicht nehmen lassen, der Wahrluit ins Auge zu bücken, wenn auch diese Wahrheit traurig aussieht, für diese ist es eine seelische Erholung, in d<*.n Büchern Scholem Alclchems ru b'l.tern. Man Ist glücklich, fcsutillen zu können, daß unsere Literatur doch einen großen Schriftsteller nennen darf, und daß unter den jüdischen Schrittstellern er — Scholem Aleichem — doch der größte war und Ist. Aas der Weit der Cnassidlra Von Chajlm Bloch. Die hellige Liebe. Man weiß, daß die Seele des Rabbi Baruch von Mtedziborr einen „Funken" von der Seele des Königs Silorao hatte. Er pflegte daher am Vorabend des Sabbath, nach heiligem Brauch, das Hohe Lied, den Gesang der Gelinge, mit einer feurigen Inbrunst anzustimmen und kein Mensch konnte ihm In dieser Stunde nahe kommen. Rabbi Hirsch von Zyditschmv, der Lieblliigs-ichüler des „Sehers" von Lublin, kam einmal zur Zeit des Schebuatfestes, das damats auf einen Sabbat fiel, nach Micdriborz zu Rabbi Baruch, denn er wollte ihn versuchen. Am Vorabend des Sibbath erfaßte Rabbi Hirsch das brennende, unbezwingliche Verlangen, In der Stunde, da Rabbi Baruch das Hohe Lied sprechen werde, sich in 'seinem heiligen Gemache zu verstecken. Er fürchtete tlch jedoch allein in das. Heiligtum einrulreten und redete daher seinen Bruder, Rabbi Mose von Simbor, zu, sich mit ihm ru verstecken. Kaum hatte Rabhl Buuch das Lied begonnen, da befiel Rabbi Mose, dessen Seele der äußersten Erhebung nicht gewachsen war, eine große Angst. Kr flüsterte Rabbi Hirsch ins Ohr: „Bruder, ich verbrenne und halte, es nicht länger ausl" Denn die Stimme des Rabbi war leidenschaftlich, brennend, begehrend und verzehrend. Ribbl Hirsch faßte den Druder am Gürtel und gab ein Zeichen, daß er ruhte verharren iollr. Als aber Rabbi Baruch den Satt: „Cr hat mich Ins Weinhaus gebracht, und sein Zeichen über mir Ist Liebe; labet euch mit Traubenkuchen, erquickt euch mit Aepfeln, denn Ich bin liebesknnk" sprach, sahen die Brüder Fcuerfunken um das Haupt Rabbi Bruchs fliegen. Rabbi Mose llel aus dem Gemache. Rabbi Hirsch hingegen hörte die Stimme, sah die heilige Flamme und bezwang sich, Und Rabbi Baruch fuhr fort: „Anhebt mein Liebster und spricht zu mir: ,Auf, meine Traute, meine Schöne, komm, denn der Winter ist vorüber, der Regen vergangen, die Blüten lassen sich auf der Erde sehen, die Zeit des Oesanges ist gekommen und der Turtel Ruf läßt sich hören in unserem Lande'." Er sprach die Worte wie einer, der Blumen mit der Wurzel dem Boden entnimmt, und Rabbi Hirsch überkam die brennende HoffnungdcrErlösunt» — die lechzende Sehnsucht nach dem Messias schien ihm in Erfüllung gegangen, der jüdische Frühling gekommen zu sein. Rabbi Baruch fuhr Indes fort: „Ich gehöre meinem Geliebten und raein Geliebter gehört mir." Er sprach diese Worte mit einer solchen Hingabc als hätte er «eine Seele In die Hand des Sehöpfers gegeben. Rabhl Hirsch crlnir; f» nicht länger, doch dachte er sich: „L's Ut ein Augenblick, sich für Qott hinzugeben l Oeschehe mit mir was immer, Ich übergebe meine Seele dem Schöpfer, und wenn ich auch'stürbe, ich welche nicht von dannen, daß Ich die Worte der Braut, der jüdischen Gemeinschaft, zu ihrem BrÄutigaiu, dem Ewiglehenden, durch den Mund des Rabbi verkünden höre." Und da er da« sann, fühlte er sich von einem neuen Oeist belebt und konnte schon das heilige' Feuer erlragen; denn er hatte im Herzendie „Heiligung seines Namens" vollbracht. Als er den Salt vernahmt „O Uge seine Unke mir unter dem Haupte und umarme mich seine Rechte , . . denn stark wie der Tod ist die Uebe," so fühlte er sich von einer heiligen Uebe erlaßt, seine Seele mit der Rabbi Baruch* vereint und beide Seele« »liegen ru der Seele aller Seelen empor... - »Das Haust« An einem Schebuatfeste waren beim Ruzhlner viel* Chawldim beisammen; wohl dem Auge, das die fruchtbare« Welnstöcke und Zweige, ZaddiUm und Chassldim um heiligen Tisch sah. " Mötzlich sprach der Rabbi: „Nach dem Auszug« d,. Juden aus der ägyptischen Knechtschaft fing die söhm, dl« Unreinheit der Schlangensünde zu schwinden an. fr.' dichte Luit, der Vorhang zwischen den Juden und ihre» Vater im Himmel läuterte sich, so daß sie beim Erapf«-.. der Lehre am Berge Sinai von dem MakeJ der Sünde «J, rein waren. Da offenbarte sich die Herrlichkeit Gottes |« Ihnen; Gott wohnte in der ganzen Welt, in der gmtn Menschheit, Geist und Materie waren vereint Darum tieißt es In den Litaneien für das Srhcbuatfest: ,Er bog den Himmel zun Sinai und sprach zu Mose, dem Qetreuen: Komm heuutt' Es kam die Sünde mit dem Kalbe. Oott konnte sie nicht verhindern, da er doch dem Menschen die freie W»h| Im Tun uberließ. Seine Herrlichkeit wich daher von dun Herren des Menschen. Und daher heißt es: ,Er ließ seine Wohnung ru Slloh fahren, daß er unter Menschen wohne (Psalm 7$,61), das meint: er zog aus dem Oeiste du Menschen in eine gebaute, materielle Wohnung. Daher sprich! der Prophet Jechesklel: ,Du Meruchcusohn 1 Sige dem Volke Israel: das Haust Und e.s wird eich schämen seiner Missetat und es wird messen den Umfang/ (Jcchesklel 43, lö,) Nui die Sünde des goldenen Kalbes machte den Bau des Tcmpeli notwendig. Ware nicht die Sünde, dann hätte Oott Im Herten des Menschen seine Wohnung aufgeschlagen." Der Ureigene und der Fremde. Rabbi Jakob Jizchak von Prrysucha, der „Jehudj", einmal über Schebuat beim Maggfd von Koziejice. Bei Tisch am zweiten Tage sprach der Maggld ru ihm: „Heiliger Jeltudi, wie kommt es, daß Ich am zweiten Festtag, der nur In den Ländern der Oaluth begangen wird, eine grööcre Helligkeit als am ersten, mit dem in Erez-Israei die rtler um ist, empfinde. Warum soll der Tag, den uns die Fremdheit gab, mein Herz mehr alt der ureigne angehen?" Der Jehudi antwortete: „Ich will es euch sagen: Venn ein Mann mit seinem Weibe in Streit war und si« sich versöhnen, wird die Uebe größer als zuvor." Der Miggld darauf: „Möge eoer Sinn Befriedigung finden, wie ihr den meinigen befriedigt habt." Der Bauer als Cbassld Von David Arjeb. Meinem Vater nacherzählt Zum Belrer Raw — seligen Angedenkens — kam «isu Tages Alter Jizchak, einer der glühendstem Anhänger des Beizer, mit seiner neuvermählten Tochter und ihrem Manne, einem jungen Gelehrten aus der Jeschlwah von Kowno, um den Segen des Rabbi zu erbitten. Beim Abschied tagte der Beizer rura jungon Ehemann«: „Wenn ein Judt in Not fst, schllgt er sieh an dl« Brust und bekennt seine Sünden." Der Heimweg führte durch einen Wald. Da tiefer Sehn«« den Boden bedeckte, irrte der Kutscher vom Fahrwege sb und konnte nicht weiter. Er stieg ab, um einen Weg ru finden. Doch als er nach einer geraumen Zeit nicht wiederkam, begab sich Alter Jizchak selbst auf die Suche. Das junge Ehepaar blieb allein. Eine leise schleichende Angst bemächtigte sich seiner Die jungen Leute rückten dicht aneinander und umarmten «Ich Kleine durchsichtige Wölken bedeckten auf ihrer HimracU fahrt für einige. Augenblicke den Mond. Doch bald darauf war der Mond wieder vollkommen sichtbar, und er schien die beiden drohend anzusehen. Jetzt fielen dem jungen Manne die Worte des Zaddik ein Er teblug sich an die Brust und begann: „Herr, mein GoltI Ich weiß, ich habe viele Sünde« begangen, doch welcher Mensch ist ganz ohne Sünden Sieh, ich habe dein heiliges Gebot erfüllt; habe mit achtzehn Jahren ein Weib gechcllcht. In deiner helligen Thors heißt es: Wer ein junges Weib heirate!, soll ein Jahr In seinem Hause bleiben, daß er sich freue mit seinem Wclbc.' Herr: Du wirst doch die Wort« der heiligen Schrift nicht zunichte machen wollen? Vergib mir meine Sünden um meiner Kinder willen, die in meinen Lenden sind." Nachdem er nun dieses gesprochen, sahen sie ganz lern Im Walde ein Licht. Sie dachten, daß es ein Wolf sei, denen Augen so funkelten. Da erschraken die beiden heftig und der junge. Gatte betete wortlos im Herzen. Doch das Licht kam immer naher und bald stand vor ihnen eine Riesengestalt in einen Baucrnpclz gehüllt und mit einer großen Pelzmütze bedeckt. Die Oestalt hielt in einer Hand ein Bell, in der anderen eine Laterne und aul dem Rücken trug sie einen Holzklotr. Die beiden erschraken noch heftiger. Mit einer Stimme, die das junge Ehepaar beinahe aus dem Wagen warf, fragt der Bauer: „Juden, seid Ihr allein 7" Zitternd antwortete der junge Gatte, daß 6ein Schwiejervater und der Kutscher Im Walde herumtrren. Der Bauer machte sich sofort auf den Weg und nach einer knappen Stunde kam er wieder In Begleitung Alter Jizchaks und des Kutschers. Er setzte sich auf den Bock und lenkte die Pferde. Die Insassen des Wagens zitterten. „Wo fahrt er uns nur hin?" fragten sie sich in Qtdanken. Doch bald fuhr der Wagen auf der Landstraße. Seine Insassen atmeten erleichtert auf. Und als sie vor einer jüdischen OasIwirUchaft hielten, da war die Angst von Ihnen vollkommen gewichen. Sie siiegen ab. Alter Jizchak kaufte eine Flasche Branntwein und setzte sie dem Bauer vor. Doch dieser lehnte ab. „Das Ist nicht richtigI" rief er. „Ich muß dir Schnips kaufen." Alter Jizchak war erstaunt. Der Bauer tat einen kralligen Zug aus seiner Tabakpfeife, spuckte Irt weitem Bogen über den Tisch, dann sagte er: „Rück näher heran, Jude, dann sollst du hören. — Es Mnd schon einige Jahre her, da Ich als Knecht bei einem jüdischen Gutsbesitzer diente. Eines Tages, alt meines Herrn Kind erkrankte, sandte er mich mit einem Briefe rum BeJwf

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