Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 42-43 (28.5.1925)
- Date
- 1925-05-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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!»*,: Sf /• j«, '-t**e»,'4*ä<fj/f 't i»^»« JWM»>*t\<H**< —rf t»g*f" . / >.vw.. :, •w- Nr. JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 383 Erste Eindrücke R.W. T.cl-Awlw, 20. Mal 1925. Ttl-Awlw Ist das Zentrum der neueren städtischen Ent- Ljcklung. Jerusalem, dessen Charakter durch seine mehr- Lu<cndjährlge Vergangenheit festgelegt Ist, bleibt weit da- ] Haler ruröck, und auch Haifa, das sich in den letzten Jahren Lpjd zu erweitern beginnt, ist bisher nicht in demselben L,n wie Tcl-Awiw eine völlig neue, eigentlich jüdische i(|i6plung. Tcl-Awlw hat auch die größte Anziehungskraft Jsildie neuen Einwanderer; über sein Wachstum zu sprechen # heute beinahe schon eine Banalität — besonders In diesem platte. Manche Gewährsleute Schätzen die Einwohnerzahl tcrfits auf 38 000. Die Stadt macht den Eindruck einer pfüigen Bauwerkstaitc, in dem neuen Viertel, das sich das lltrz Tcl-Awiws" nennt, 6lud große drei- und vierstöckige fläustr Im Entstehen, weite Strecken Landes an der Meeresjjste, die vor kurzem noch trostlose Snnddünen waren, sind (tute mit Häusern besetzt und von betonierten StraOcn durchjogen, die das früher fast unmögliche VorwÄrtsschrciten trlciclitcni. Außerdem sind die Anfänge größerer und kleinerer Industrieller Betriebe auch beim ersten oberflächlichen Anblick ^merkbar. Was dem Besucher, der nach längerer Zelt und als mvissenhafter Leser und Hörer aller Berichte, ins Land tomint, aulfällt, ist der Umstand, daß das äußere Stadtbild fch gegen früher nur wenig verändert hat. Das Straßenbild trotz der vierten Alijah, beherrscht von den Typen der Arbeiter, Chaluzlm und besonders viel Jugend. Beim Empfang ia Darons am letzten Sonntag zeigte sich das Volk von Td-Awiw in den Straßen, ein stattlicher Anblick, diese logcndc Menge, schaulustig und enthusiastisch. Man sagte mir jedoch, daß dieser Empfang nur ein kleines Schauspiel «ir im Vergleich zu dem großen Balfour-Tag. Die Synagoge, in der die Fcstvcrsammlung stattfand und wo der Baron, selbst voll Rührung, seine große Ansprache in hebräischer Uebcrsctzung verlesen ließ, steht noch fast unverändert, gnrollcndet wie vor zwei Jahren. Sic ist ein nicht gerade jsttictisch gelungener Monumentalbau, gegen dessen Ausluhrung seinerzeit die Architekten wegen seiner künstlerischen Mängel protestiert haben. Der halbfertige Bau Ist jedoch ichon in Benützung genommen, statt eines Daches ist Segeltuch darüber gespannt. Ganz Tcl-Awiw macht einen solchen unvollendeten Eindruck und wird ihn noch auf Jahre hinaus behalten. Es ist ein treues Abbild der werdenden jüdischen Heimstätte. Alles ist im Werden und es gibt auch die. verichiedcnstcn Prophezeihungen, Lobsänger ebenso wie Unheils- Propheten. Prophczclhcn ist aber auch lu diesem Hall eine mißliche Sache. Nach dem ersten flüchtigen Anblick wollen wir damit jedenfalls zurückhalten. In Tcl-Awiw 6pürt man den Pulsschlag des Werdens. Es wird heute als das eigentliche Zentrum empfunden, und schon mehren sich die Stimmen, die es für einen Irrtum halten, daß Ussischkin vor fünf Jahren die zionistische Zentrale von Tcl-Awiw nach Jerusalem verlegt hat, wo sie vom clgcnt. liehen Leben abgeschnitten ist. Ussischkin allerdings verwirft tinc solche Auffassung heute noch mehr als früher. Gerade Jtrusalcm mit seinem großen geistigen Erbe, mit der Oloriolc jtincs Namens und seiner Ideellen und symbolischen Bedeutung, gilt es für das neue Judentum zu erobern. Dies ist eine Aufgabe — vielleicht für Jahrhunderte. Die Linie des gctüigcrcn Widerstandes ist Tel-Awiw, wo nicht tausendjährige Steine umzuformen, soudern Neues auf den Sand zu bauen ist. Heule macht das Leben seine Forderungen geltend. Eine Reihe von zentralen Institutionen schicken sich au, von Jerusalem nach Tcl-Awiw zu übersiedeln. Vor allem, die Institutionen der Arbeiterschaft, zunächst die Leitung der Baukooperative „Solei Bonch"; wahrscheinlich wird bald das Hauptbüro der Histadruth folgen; am 1. Juni beginnt die von der Arbeiterorganisation geschaffene Tageszeitung „Dawar" in Tel-Awiw zu erscheinen Tel-Awiw ist heute die größte Arbciterkonzcntratlon des Landes. Bei den vor zwei Wochen stattgefundenen Wahlen des neuen Stadtrates hat die Liste der Arbeiterschaft von 41 Sitzen 10 erobert, also beinahe die Majorität. Die Arbeiter- I Iraktion Ist bei weitem die stärkste in der Qcmclndcsttibe. I V'ären nicht die linken Poalc Zion. die einen bis zwei Sitze erhalten haben, mit einer eigenen Liste aufgetreten, so wäre »ine klare Arbeltcrmchrhclt. Bei dieser Gelegenheit verdient «uch erwähnt zu werden, daß die sogenannten „Allgemeinen ponisten", die zum ersten Mal unter diesem Namen in einen wahlkampf eingetreten sind, und sogar Achad Haam als Listenführer gewonnen •— manche sagen mißbraucht — haben, jur zwei Sitze erhalten haben, Achad Haam und Supraski. "ic Aufstellung dieser Liste ist von vielen allgemeinen Zionistcn «inerzeit mißbilligt worden, da Im Lande selbst, wo alle Bürger Kreits in der Struktur der Gemeinde eingegliedert sind, tl« Programm der allgemeinen Zionistcn, insbesondere für illt Stadtverwaltung, nicht existiert. Die Arbeiterfraktion wird allerdings erst zu beweisen «ben, daß sie zur Regierung fähig Ist. Im Vorjahre schon "ben Arbeitcrvcrtrctcr in der Stadtverwaltung ausgezeichnete Arbeit geleistet, insbesondere der Finanzreferent Twcrsky. Die neue Stadtverwaltung hat bisher nur den ersten Bürger- Ilster Dlzengoff einstimmig wiedergewählt, die anderen "tmter sind noch unbesetzt. Der Stadtverwaltung harren 8'oOc soziale und administrative Aufgaben. Ein Sclbstvcr- ^»ungskörper von diesem Umfang und so außerordentlich kompliziertem Gefüge ist nicht leicht zu beherrschen. Nicht "•ur die Einwanderung und die stetig wachsende Bevölkerung «tten ungeheure Probleme, auch die hygienischen, sozialen, Vt'kehrstcchnischen und bautcchnischcn Probleme sind äußerst Kliwlcrlg, Eine der schwersten Fragen Ist heule die Woh- ^»nsnot mit ihren Folgeerscheinungen. Die Mictsprclsc in Jtl-Awlw übersteigen bereits alles wirtschaftlich Tragbare, jür kleine Wohnungen von zwei Zimmern verlangt man 8 bis '0 Pfund monatlich. Dabei ist sichere Aussicht vorhanden, 0l3 anläßlich des bevorstehenden Kündigungstermins die Mietweise noch gesteigert werden. Angesichte dieser Tatsachen bewegung Ins Stocken gerät und die Wohnungsnot noch verschärft wird. Man erzählt sich, daß am Tage nach dem Wahlsieg der Arbeiterpartei die Orundstücksprcise In Tcl- Awiw um 20—25 °'o gefallen sind. Auf derartige Panikreaktionen, die wir ans der Zeit des Sprkulationsficbcrs In Europa zur Genüge kennen, ist nntürllch nicht viel zu gehen. Es Ist anzunehmen, daß auch im Folie einer Ilöchstmlcten- Verordnung der Profit der Haiishcslt/cr noch Immer groß genug bleibt. Man wird eben auf die Idee verzichten müssen, von der Miete nicht nur eine anständige Reute zu haben, sondern auch noch die Baukosten des Haines selbst zu amortisieren, so daß man in kurzer Zeit ein Haus auf Kosten des Mieters hat und noch obendrein den ßodenwert hinaufgetrieben hat. Eine derartige ungesunde Wirtschaftspolitik muß sich rächen, von der moralischen Seite ganz zu schwelgen, Denn die unerträglichen Mieten treiben die Arbeitslöhne und die Preise aller Produkte nur in die Höhr. Es ist zu hoffen, daß die Stadtverwaltung vernünftige Mittel und Wege finden wird, um diesen Uchcln abzuhelfen. Es wird wahrscheinlich noch harte Kampfe geben und nur mit Vorsicht und Klugheit kann vorgegangen werden. Die Arbeitslosigkeit Ist stark zurückgegangen, und doch ist die Ansicht von ihrem völligen Verschwinden stark übertrieben. Viele Bauarbeiter arbeiten nur drei Tage In der Woche, die Arbeit wird gestreckt und zwischen die Genosssen verteilt. Der Arbeitslohn des ungelernten Arbeiters beträgt jetzt 35 Piaster täglich, das ist bei drei Arbeitstagen in der Woche 105 Piaster oder 21 Mark. Davon ist noch immer schwer zu leben, besonders wenn man für ein kleines leeres Zimmer 2 Pfund oder -10 Mark Im Monat zahlt. Die Lage des städtischen Arbeiters gibt noch schwere Probleme auf. Auch unter den Frauen ist die Arbeitslosigkeit sehr groß. Frau Hooficn, die von der Frauenorganisatlou eine Art Heimindustrie eingerichtet hat, erzählte mir, daß die Zahl der Bewerberinnen weitaus die Möglichkeit der Beschäftigung überschreitet. Die große Mehrheit muß abgewiesen werden, weil die Organisation bisher nur für einen kleinen Umfang ausreicht. Qualität und Ausführung der Arbeit sind vorzüglich, die Mädchen sehr gelehrig, der Preis für europäische Verhältnisse sehr billig, — es fehlt nur der Markt und das Interesse, das erst geweckt werden muß. Bekanntlich hat Helene Hanna Thon in Jerusalem ähnliche Versuche gemacht, gleichfalls mit viel Frfolg (worüber sie In diesem Blatte selbst berichtet hat). Hier Ist ein großes Arbeitsgebiet für zionistische Frauen aller Länder. - &1.VVM, VIVIM.V... •■.«» W ,,, U|b IWMI|A...l'l> ~ ^»tes, der für Einzelgcbictc Spezialgesetze dieser Art erlassen f1««. (Praktisch kommt heute dafür nur Tcl-Awlw In Bc- ["cht.) Natürlich ergibt sich »uch hier ein Interessen- •«nfllkt schärfster Art zwischen Vermietern und Mietern. Jber auch für den Wlrtschaftspolltikcr, der nicht Partei in a'escm Konflikte Ist, Ist die Frage nicht so leicht zu bcant- "Wen. Ei besteht-die Befürchtung, daß bei Beschränkung "r Mieurprdie die heute vielfach »ptkulativ betriebene Bauiml immmuim Von Joseph Fricdfcld, London. So gewagt alle politischen Kombinationen und Prophezeiungen sind, so verlockt es doch, die gleichzeitige Ernennung von Sir George Lloyd zum britischen Obcrkonunissär in Aegypten und Lord PI u m c rs zum Nachfolger Sir Herbert Samuels in der VcrwaHun;r Palästinas als Ausfluß einer bestimmten, die beiden Nach bargehlctc und ihre Stellung im britischen Reichssystem umfassenden Politik zu betrachten. Die gegenwärtige britische Regierung hat es sich aJs Ziel gesetzt, die Bande, die das britische Reich zusammenhalten, zu bc festigen. Einer der ersten Schritte auf diesem Wege war ihr Vorgehen gegenüber Aegypten nach der Ermordung des dortigen britischen Obcrkoininnndantcn, Dieses Vor gehen führte zum Sturze Zaghlul Pashas und wie wenig Zaghlul Pasha seither an Popularität eingebüßt hat, und wie entfernt der Zustand Aegyptens von der ersehnten Beruhigung ist, ersieht man aus dem Umstände, daß das im Jahre 1925 ncugcwähltc ägyptische Parlament entgegen allen offiziellen Voraussnguugcu und ungeachtet allen Druckes, den die gegenwärtige Regierung bei den Wahlen ausgeübt hat, eine bedeutende Majorität für Zaghlul ergeben und so den Zustand herbeigeführt hat, daß Aegypten ohne Parlament und gegen die Verfassung regiert werden muß. Es ist bekannt, daß zwischen der Regierung in London und Lord Allcnby weitgehende Meinungsverschiedenheiten über die Politik in Aegypten bestanden und seit Monaten forderte ein Teil der englischen Presse den Rücktritt Lord Allenbys, da er den ägyptischen Bestrebungen gegenüber zu nachgiebig gc wesen sei. Es war auch Lord Allenby, der Im Winter 1921/22 gegen das Widerstreben des englischen Ka blnctts die Unabhängigkeitserklärung für Aegypten durchgesetzt hatte. Daß man ihn abgerufen hat, zeugt davon, daß man Aegypten gegenüber eine energischere Politik betreiben will, die in der Form vielleicht diplo matlschcr sein innpr als die soldatische Politik Lord Allenbys, aber im Wesen unzweifelhaft unnachgiebiger. Sir George Lloyd ist ein konservativer Politiker, der lange Jahre bereits im Orient gedient hat, und der zu letzt in für Indien kritischen Jahren den Oouverncur Posten in Bombay bekleidet und dabei Energie und Geschick in der Niederwerfung der indischen revolutionären Bestrebungen bewiesen hat. Für eine konservativ-imperialistische Politik in Aegypten war er unzweifelhaft der richtige Mann, wenn auch seine Ernennung in Aegypten wohl kaum begrüßt werden wird. Andererscits mag es ihm gelingen, In dem durch innere Zwistigkcltcn, Intriguen und Eifersüchteleien der Führer zerrissenen und durch Korruption heimgesuchten Aegypten wirtschaftlich und administrativ Ordnung herzustellen. Sir George Lloyd ist aber kein Soldat und in dem jetzigen Zustand des Vordem Ostens ist es nötig, daß an dcrSpitzc der britischen Verwaltung in jenen Ländern auch ein Soldat stehe. Der englische Kolonlalminlstcr hat gemeinsam mit dem englischen Minister für das Luftfloitcnwcscn eine Reise nach Mesopotamien kürzlich unternommen. Die Luftflotte spielt bei der Verteidigung und allen Operationen im Orient eine noch größere Rolle als in Europa, Die Verhältnisse In Mesopotamien und Insbesondere in dem Grenzgebiete der Türkei, der noch nicht beendete Konflikt zwischen Ibu Saud und der ShcrlfHdcn Familie, die Loge in Aegypten f/cben Palästina, das in dem Mittelpunkte dieses Gebietes liegt, eine besondere strategische Bedeutung, Dies war wohl für die Wahl Lord "Pliuncrs entscheidend, der sich im Weltkriege als kommandierender General ausgezeichnet und den Fcldmarschall- und Lord-Titel auf den» Schlachtfehle erworben hat. Er hat sein ganzes Leben als Soldat verbracht und war nach dein Kriege Ocncralgouvcrncur in Malta, das damals angesichts der üigc in der Türkei und in Aegypten von besonderer strategischer Bedeutung war. Nach den wiederholten Erklärunccn der englischen Regierung in der letzten Zeit besteht kein Zweifel daran, daß die Ernennung Lord Phuncrs zum Obcrkommissür lu Palästina, keine Acndcrung der britischen Politik in diesem Lande selbst bedeutet. Die Ernennung beweist mir, welch großen Wert England Palästina heute zuweist. Lord Plumcr wird sich unzweifelhaft getreu an die Auffassung seiner Regierung in den Fragen der Ausführung der Dalfour-Deklaratlon halten. Es Ist das große Verdienst Sir Herbert Samuels, daß er seinem Nachfolger das Land in einem Zustand der Beruhigung und der Blüte hinterlaßt, den herbeizuführen es der ganzen großen stnatsmännischen Kunst des liberalen Politikers Samuel bedurft hat. Palästina unterscheidet sich heute vorteilhaft von Aegypten, und Lord Plumcr braucht nur die großen Linien des bisherigen Systems fortzuführen. Es mag bedauerlich sein, daß als Nachfolger Sir Herbert Samuels nicht wieder ein Jude ernannt wurde, aber es ist zu erwarten, daß Lord Plumer die Politik seines Vorgängers nicht ändern und die Ernennung eines Nichtjuden noch weiter zur Beruhigung1 des Landes beitragen wird. Lord Plumcr bringt wohl wenig nähere Kenntnis Palästinas und der Verhältnisse dort mit sich, um so mehr Ist es zu begrüßen, daß ihm als oberster Beamter der Zollverwaltung Coloncl Symcs zur Seite gegeben wurde, der seit 1019 Gouverneur des nördlichen Distrikts war und somit das Land und seine Verhältnisse genau kennt. Durch sein Wohlwollen und seine Objektivität hat Coloncl Symcs sich das Vertrauen der palästinensischen Judenhclt in reichem Maße erworben. Die englische Presse begrüßt im allgemeinen die Ernennungen der beiden Obcrkommissäre. Uebercinstimmend zollt sie der Verwaltung Sir Herbert Samuels hohes Lob und erwartet, daß der Nachfolger sie im gleichen Geiste weiterführen wird. Für den Aufbau der jüdischen Heimstätte In Palästina selbst Ist die Ernennung des neuen Oberkommissärs von keiner einschneidenden Bedeutung. Lord Plumcr wird die äußeren Bedingungen für den Aufbau der jüdischen Helmstätte in Palästina sichern: Ruhe im Lande und Friede an seinen Grenzen. Die inneren Bedingungen \Jfür den Aufbau zu schaffen, Ist Sache des jüdischen Volkes selbst: sie erfordern die Bereitstellung der notwendigen Menschen und Geldmittel einerseits, und Ruhe, Takt und aufrichtigen Vcrstündigungswillcn mit den Arabern andererseits. Presseschau Die „Wiener Mo r g c n zc i t u n g" bringt am 24. Mai ein Interview mit Herrn Nchcmla de Lieme über die gesamte zionistische. Situation. Herr de Lieme ist äußerst pessiinistlsch und glaubt zu seinem Bedauern überall die Befürchtungen bestätigt' ztf sehen, die er seinerzeit zusammen mit seinen Freunden im Bericht der Rcorganisationskommlssion geäußert hat. Der Kcrcn Hajcssod sei kein geeignetes Mittel des Pa- 1,'islina-Aufbaus und es sei ein schwerer Fehler, daß man die Begründung eines eigenen Schulvcrcins zur Erhaltung des hebräischen Schulwcrks verhindert habe, Die Gcsnmtcingiinge des K. H. seien gering, die'mit dem K. Ii. geleistete Arbeit nicht befriedigend. Das Wirtschaftssystem der palästinensischen Arbeiterschaft sei ein Hindernis für den ökonomischen Aufbau, Auch mit der Jcwlsh Agcncy-Politik ist de Lieme In ihrer gegenwärtigen Form nicht einverstanden. Nachrichten Über Verhandlungen zwischen der Exekutive und ihm dementiert Herr de Lieme, doch stände er jederzeit für zionistische Arbeit zur Verfügung. Wir beschränken uns hier auf die Wiedergabe dieser Gedankenginge und behalten uns eine spätere Stellungnahme vor, * Im „Berliner Tageblatt" vom 26. Mai veröffentlicht Erich Dombrowski einen Aufsatz „Im gelobten Land". * Die Wahlplattform der Histadruth llaowdim zu den Stadtratwahlcn von Tcl-Awlw enthielt auch einen Absatz über Schul- und Erziehungsträger«, den wir nachfolgend zum Abdruck bringen und auf den wir aufmerksam machen wollen, weil dem Kulturprogramm der Arbeiterschaft Im allgemeinen viel zu wenig Beachtung geschenkt wird. Der Passus lautet: „Kultur und Erziehung. Zu den wichtigsten Aufgaben der künftigen Stadtverwaltung gehört die Kulturarbeit und besonders die Volks- Kclrulcrziclrung. 1. In der Stadtverwallung soll eine Kulturabtciluug begründet werden, verbunden mit einer Inspektion des Volksschuluntcrrlchls. 2. Der gesamte Volksscliuluntcrrlclit in Tcl-Awiw soll, mit Zustimmung der zionistischen Exekutive, der Stadt- Verwaltung von Tcl-Awiw unterstellt werden. 3. Alle Kinder sind zum regelmäßigen Besuch der Volksschulen verpflichtet. 4. Der Verbesserung der Lehrmethode ist besondere Aufmerksamkeit zu widmen. 5. Handwerks- und Arbeitsschulen sollen errichtet werden. 6. Die Abendkurse zur Erlernung der hebräischen Sprache müssen konsolidiert und erweitert werden. 7. OrÜndimg von Jugctidfortblhlungskurscn als Fort, aclzung der Volkssclmlcn, Schulen für werktätige Kinder. 8. Konsolidierung der Stadtbibliothek und Eröffnung: von Filialen derselben In den verschiedenen Stadtteilen.";;t i , •' :': 'Vi; ' \ ■w t"h'' : •'<••-. h\• : fr l' :l| i '',!' <: 1^'