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Jüdische Rundschau · 1925-05-28 · Heft 42-43 (28.5.1925) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 42-43 (28.5.1925)
Date
1925-05-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Ü Seite 380 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr 42/43 lelrlisclc liSiinrisii in icifisclliii Die Tälißkeit des Jüdischen Schulvereins Berlin Der Jüdische Schulvcreln betrichtet als icjn» Aufgabe die Oründung und Unterhaituns moderner JOditcher Cr* zlehungs- und Untcrrlchtsanstalten In Berlin. Er hat In mehr •ts sechsjähriger Arbelt eine Reihe von Einrichtungen geschaffen, die sich, wenn auch noch sUndlg der Entwicklung untetworfen, heute tu einem beachtenswerten Erzlehungswerk zusammenschließen. Das filtcste Oilcd In dieser Kette von Unterrichts» snttalten Ist die Hebrlliche Sprachschule. , Seit dem Jahre 1919 bestehend, zlhlt ile gegenwlrtlg In zehn Klassen naheru 200 Schaler. Ziel der Sprachschule Ist die Aneignung des Hebräischen In seinem gesamten Umfange. Hebräische Unterrichtskurse hatte es schon lange hei uns gegeben. Was die Sprachschule Ober diese meist kurzlebigen Versuche emporhebt, ja Oberhaupt erst eine wirkliche „Schule" ermöglicht, sind namentlich zwei Faktoren,- die Intensität und die Methodik des Unterrichts. Die Erkenntnis, daQ nur eine Intensive, am besten tägliche Beschäftigung mit dem Hebräischen eine wirkliche Förderung In der Kenntnis der Sprache verbürgt, hat dazu geführt, mit dem alten System des ein- bis zweistündigen Kursus zu brechen. Vier bis fünf Wochenstunden 6ind für die Schüler aller Klassen obligatorisch. Zusammea mit der häuslichen Vorbereitung mündlicher und schriftlicher Art erfordert dies eine erhebliche Mingabe sn Zeit. Wenn dennoch zahlreiche Studenten, }unge Kaulleutc, Lehrer und Lehrerinnen, Kindergärtnerinnen, sowie Utere Schüler und Schülerinnen ein derartiges Opler bringen, io darf man wohl annehmen, daß sie sich reichlich belohnt lühlen. Die zweite Besonderheit der Sprichschule bildet Ihre Methodik. Sie steht Im Qegensatze sowohl zu der Uehcrletzungslchrwclse, wie sie noch heute den Religionsunterricht beherrscht, in dem nur an Hand von Bibel und Oobctsuch das Hebräische als tote Sprache gelehrt wird, wie auch ru der reinen Iwrith b'lwrlth-Methode, die lediglich auf Konrersatlon aufgebaut ist und nicht zur Literatur führt. In Jcr Sprachschule herrscht die „gemischte" Methode, die vom lebenden Hebräisch ausgeht, dabei aber eine sichere grammatische Grundlage gibt und auf schnellem Wege In die Literatur einführt. Diese Art des Unterrichts erweist sich für fie Schüler der Sprachschule, die zumeist eine deutsche Schule besucht und dort moderne Sprachen In ähnlicher Welse gelernt haben, «1s die geeignetste. In den Anfängcrklassen Ist die Unterrichtssprache zunächst deutsch. Durch hebräische Fragen und Erklärungen dca Lehrers wird dann allmählich der Uebergang zur hebräischen Unterrichtssprache vorbereitet, die tut diesem Wege nach wenigen Monaten herrschend wird. Die Ausbildung ist möglichst vielseitig. Es wird nicht nur Fertigkeit Im Sprechen erstrebt, sondern durch schriftliche Arbeiten, Uebersetzungen und Aufsätze wird, auch eine gewisse Uebung Im schriftlichen Gebrauch der Sprache .erzielt. Besonderes Oewicht wird darauf gelegt, die Schüler mit den Oeistesschitzen der hebriischen Literatur aller Zeiten vertraut zu machen. Sobald als möglich wird zunächst in leichteren Par- Üen die Bibel dargeboten, deren Studium in den oberen Klassen »tändig vertieft wird. Aber auch das talmudische and das mitte.alterliche Schrifttum werden den Schülern naherebricht, und selbstverständlich wird auch den besten Werken ler modernen hebräischen Literatur der gebührende Platz rugewleaem So darf man mit Recht sagen, daQ ein Schüler, ler mehrere Jahre hindurch die Sprachschule besucht, eine Einsicht in die verschiedenen Quellen jüdischer Kultur bekommt, wie er sie In gleicher Mannigfaltigkeit wohl kaum in einer anderen Bildungsstätte empfangen dürfte. Für die jüdische Erziehung der Jugend sorgen die beiden Volksschulen, für welche die Jüdische Oemelnda In dankenswerter Welse Räume zur Verfügung gestellt hat. Die '.Ine Schule befindet sich im Westen der Stadt, Im Verwaltungsgebäude der Synagoge Fasanenstrafle, die andere Im Osten, In der Religionsschule der Synagoge Rykestraße. Die beiden Im Aufbau begriffenen Schuten werden zusammen von nahezu 250 Schülern besucht. Das Ziel dieser Schulen steht Im Einklang mit der Erkenntnis der, modernen Pädagogik, daß die Schule ihre Aufgabe nicht In der bloßen Vermittlung von Wissenistoff erschöpfen dürfe, sondern den ganzen Menschen erfassen müsse. Eine solche Erziehung unserer Jugend zu Im Judentum wurzelnden Menschen soll durch Verbindung von allgemeiner und jüdischer Bildung erzielt werden. Jüdisches soll nicht nur In besonderem „Reitgionsunterricht" vermittelt werden, Im übrigen aber keine Rolle spielen, sondern es soll das gesamte Schullchcn erfüllen. Auch In den allgemeinen Fächern — deren Lehrziel natürlich mit denen der entsprechenden Volksschulklassen übereinstimmt und In denen auch dieselben Anforderungen wie dort gestellt werden — werden nach Möglichkeit jüdische Inhalte dargeboten. Jüdische Märchen und Sagen befruchten die Phantasie der Kinder und machen Ihnen Ihre Gestatten lieb und vertraut. Eine besondere Rolle spielen natürlich die Jüdischen Feste und Ihre Vorbereitung. Höhepunkte des Schullebens hlldcn gemeinsame Chanukkah- und Purimfeiern, Wesentlich zum jüdlschfn Charakter der Schule trügt das Hebräische bei. Auch hier kommen die Prinrlplen de» modernen Sprachunterrichts zur Geltung. Die Unterrichtsweise muß natürlich ganz der Fassungskraft der Kinder angepaßt sein. Eine fremde Sprache kann In so frühem Alter nur dann wirklich aufgenommen werden, wenn sie dem Kinde als gesprochene Sprache entgegentritt Im hebräischen Anfangsunterricht, der sich dem Oesamtuntcrrlcht eingliedert, herrscht noch reiner Klndergartenhetrlfb. Die Anschauung vermittelt die Aufnahme und das Veratändnls Jener Wörter! Spiel, Lied, Reim und* Handferllgkeltsunterrlcht prägen sie welter ein. Bald können die Kinder kleine Oeschlchtchcn selbständig auffassen. Erst wenn bereits eine gewisse Sprachfertigkeit erreicht Ist, wird dann tum hebriischen Schreiben und Lesen übergegangen. So vorgebildete Kinder können dann auch bald die sprachlichen Schwierigkeiten biblischer Ocschlchten viel leichter überwinden, als nach der üblichen Uebersotzungsmethode unterrichtete Schüler seihst höheren Alters. Von der Erkenntnis ausgehend, daß man mit der Beeinflussung des Kindes schon vor dem schulpflichtigen Alter beginnen müsse, zumal In den zahlreichen Fällen, wo das Haus dem Kinde gar keine jüdischen Eindrücke vermittelt, hat sich unser Verein In den letzten Jahren auch der K i n d e r garten arbeit zugewandt. Er unterhält vier Kindergärten In verschiedenen Teilen der Stadt mit etwa tOO Zöglingen. Auch hier ist das allgemeine Erziehungsziel des Kindergartens mit einem Jüdischen verbunden. Auch der Jüdische Kindergarten hat eine hebräische Note, ohne daß natürlich hier von einem schutmäßigen Unterricht die Rede aeln kann. Wir können mit Freude feststellen, daß unsere Bestrebungen nicht nur den Betfall der Eltern unserer Schüler finden, sondern daß auch weitere Kreise mehr und mehr Verständnis für unsere Arbelt zu zeigen beginnen. Die Lehrweise der Hebräischen Sprachschule z. B. hat Interesse und Zustimmung selbst solcher jüdischen Pädagogen gefunden, die uns noch bis vor kurzem fremd oder gar feindlich gegenüberstanden. Ebenso erfreulich Ist der Widerhall, den die Forderung einer jüdischen Schule mit positiv jüdischen Zielen in den verschiedensten Lagern findet. So dürfen wir uns der Hoffnung hingeben, daß unser Erziehungswerk, trotzdem es noch In seinen Anfängen steht, bei der Entwicklung des jüdischen Bildungswesens in Deutschland einen wesentlichen Einfluß geltend machen wird. K. H. Ualvrrslllls FcsUkl Ii Ulpzlg Am Sonntag, den 17. Mai, veranstaltete die Zionistische Vereinigung Leipzig zusammen mit der Verbindung im K. I. V. „Hatikwah" einen Festakt anläfllich der Einweihung der Hebri- Ischen Universität, Die Festrede hielt Kurt Blumenfeld, ferner überbrachten Glückwünsche: Herr Prof. Dr. Alt namens der Universität Leipzig, Herr Bürgermeister H o f m a n n namens der Stadt, Herr R.ibb. Dr. Felix Ooldmann, sowie namens der Organisation Tarbuth Herr Dr. Woskln. Die Hebräische Sprachscliulc zu Berlin Von N. BcrggrQn,, Berlin. Im Januar 1919 entstand aus kleinen Anfängen die erste Hebräische Sprachschule Deutschland«. Sic verdankte |hle Begründung der Initiative einiger für dan Hebräische ht. gelstcrter Zionliten, die sich In der Folge zu dem Jüdi. diachen Schulvcreln zusammenschlössen. Die durch den Verfall des hebriischen Unterrichts In den Kcli(;ioni. schulen entstandene Leere sollte In wirksamer Weise durch Intensivierung der Beschäftigung mit hebräischer Sprache und Literatur ausgefüllt und die reifere Jugend sowie die Erwachsenen sollten In den Besitz der Ihnen vorenthaltenen Jüdischen Kulturgüter gebricht werden, liier ward ein Weg gefunden, die Jüdische Jugend In Deutschland mit dem Oe samtjudentum geistig zu vereinen und eine lebendirje Wcchs«]. Wirkung mit dem erwachenden neuen hebräischen Lehen In Erezlsracl zu schaffen. Wie es In ökonomischer l|,n sieht hcu'.e selbstverständlich gefordert wird, daü man kitt beruflich auf das Lehen In flrcz-lsrael schon in der Oiaspon gründlich vorbereitet, um dort produktive Arbeit an Sicm des Luftmenschentums zii setzen, so sollte diese Instituüo» dazu dienen, den „Olim" mit dern wichtigsten geistig»! Rüstzeug, der Beherrschung unserer Sprache und der Kennt nls des gesamtjüdischen Qelstcslebcns zu versehen, dami< die besten unter Ihnen 'In den Stand gesetzt würden, n der Neuhelebung des Hebräischen und seiner alten Kulim auf der Bahn organischer Fortentwicklung tätig niit/uarheiten Man darf wohl sagen, daß sich der ursprüngliche Krell der Interessenten durch unsere stille beharrliche Arbeit be trffchtllch erweitert hat und das nicht tum mindesten anet dem Zionismus Fernstehende jetit zu eifrigen Freunden du Hebräischen Sprachschule geworden sind. In den 6Vi Jahr« Ihre» Bestehens Ist es nicht nur gelungen, den größter Teil der In den studentischen Korporationen und den Jugend bünden organisierten nationalen Jugend dem Hchriiisrhu näher zu bringen, sondern auch einen Immer steigend» Einfluß auf Außenstehende zu gewinnen. Dieser Erfolg Ist der bei uns eingeführten Methode des Sprachunterrichts zu verdanken, die im ausgesprochen« Gegensatz zu der im allgemeinen In bezug auf das Hcbriiischi üblichen Lernwelse steht. Das Uehersetrungsprin/ip, das Otis und Leben der Sprache ertötet und die Beschäftigung mli dem Schrifttum zur Qual macht {wobei der endgültige t:rfo'j In gar keinem Verhältnis zu der aufgewandten Mühe steht) Ist den In der modernen Pädagogik inerkannten und er probten Prinzipien des allgemeinen Sprachunterrichts ge wichen. Auf gesicherter grammatischer Grundlage und vtr sehen mit einem gewissen Vokabelschatz erlangen die Schulet In kurzer Zeit die Fähigkeit zur Lektüre leichter hiblischei und neuhebräischer Texte. Die andauernde Uebung Im müid liehen und schriftlichen Ocbraueh der Sprache, die '••nsrl etwa drei Monaten zur Unterrichtssprache gemicht wird ermöglicht eine rasch zunehmende Erweiterung und Ver. tiefung de« Sprachgutes. Der Gegenstand des Unterricht» Ist das hebräische Schrifttum in seinem Gesamtumfang, vai der ältesten Zelt bis auf die Oegenwart. In 3—4 jahrea Intensiver Arbeit an der Hebräischen Sprachschule wird ein» gewisse Fertigkeit Im mündlichen und schriftlichen Ausdruck sowie die Bekanntschaft mit einem großen Teil des biblischer und neuhehrklschen Schrifttum* gewonnen und auch die nich biblische Literatur In ausgewählten Proben dem Schüler nahe gebracht. Die gegenwärtige Oberstufe unserer Anstalt z. ß hat In den fünf Jahren Ihrer Lernzeit u. a. folgende Stoffs durchgearbeitet: 1. Bibelt Pentateuch, zum Teil mit Rasclii die ersten Propheten, Auswahl au« Jesala, Jeremia und Jechcskel, Ruth, Esther, Echa, Psalmen In Auswahl, MiseWe Hlob In Auswahl. 2. Talmud: Aus der Mischna: Rerachoth, Schabbath (In Auswahl), Beza (in Auswahl), Megllla (in Auswahl), Plrke Awoth, Awoth de Rabbi Nathan, Oemarn Auswahl aus Awoda Sara, Megilla. 3. Possekim: Rambam: Hllchoth Talmud Thora, Hilcholh Teschuwa u. i., Ki/rui Schulchan Aruch (zum größten Teil). 4. Neuhebräitch: U« Werke Mendel« Mocher Sefirims, Schriften Achad Haarn«, L. 0. Pislernali Elne Monographie von Ch. N. Blallk u. Dr. MaxOsborn, Aus der regen Tätigkeit und dem Wirrwarr der letzten |ahrc auf dem Oebicte der Jüdischen Buchkunst, liegt nun lie Monographie über Prof. Pasternak, als Buch der Bücher, »or. Dieses Werk zeigt uns nicht nur die Lcbenststlgkcit des rroßen Meisters und Sohnes unseres Volkes, es cutspricht Mich den höchsten Forderungen des modernen Dibllophilcn bezug auf drucktechnische Vollkommenheit wie auch typojraphlschen und graphischen Oeschmack, Vor illcm aber [oll es eine Schule für unsere Jugend sein, dl« den dornigen (feg des Künstlers gehen will. L, O. Pasternak iat Im Jahre 1862 zu Odessa geboren. Er mußte schon in seiner Jugend das schwere Schicksal lelnes Volkes tragen. Als Jude waren ihm die Tore zu len russischen Schulen verschlossen und so mußte er Im tastende sein Talent reifen lassen. Es gelang Ihm aber in der- »elben Akademie, in der er als Jude zum Studium nicht zugelassen wurde, später als Lehrer zu wirken. Im Jahre 1894 arurde er in die Moskiuer Akidemie als Profe-sor berufen, in welcher er bis zum Ausbruch der Revolution tätig war. Durch die enge Freundschaft mit L N. Tolstoi entitand eine Reihe Illustrationen zu dessen Werken wie auch Porträts des Dichters, die einen Weltruhm' erlangt habtn. Die größten und berühmieslcn Werke von Prof, Pasternak befinden »Ich In den europäischen Oalerlen (Paris, Luxemburger Mustrum, In russischen Oilerlen). 'm Im Jahre 1921 verlegte Piiiernak seinen Wohnsitz nach Bertini «wo er dieses Werk, das nun fertig vor uns Heg», durch mühevolle Arbelt persönlicher Aufsicht In Berliner Rcproduklionsanslalten, seinem Volke schenkte. Das Lebenswerk Pasternaks steht als monumentales Oanze von einem einheitlichen großen menschlichen Oelst vollbracht. Die Tiefe der Erfassung seiner Schöpfungen, welche aus jedem Striche zu uns spricht, |st die Folge des ruhelosen Lebens des ewigen jüdischen Wanderers. Aber nicht nur d«u großtn KQiistlcr und Menschen xelgt uns dieses Werk; hier erblicken wir auch den Lehrer und Meiste unserer heranwachsend» Jugend, die gerade jetzt nach den Stürmen der letzten Jahre vor der Gefnhr steht, sich zu zersplittern in wilden modernen Kunstrichtungen. In dieser Zeit kam zu uns unser Meister und zeigte sich In seiner ganzen Oröße. Nicht in den großen Kompositionen und Qcmäiden soll man den Künstler mchen, sondern In der Skizze und Zeichnung, dort, wo er hemmungsfrei unmittelbar von seinem Ocfühle geleitet ru uns sprlcltt. Da gibt sich uns Prof, Pasternak in der höchsten Vollendung seines Könnens. Da» Wesen der Porirfit-Malciel, das wohl am schwierigsten zu beherrschen Ist, sehen wir In der Monographie In hervorragender Weise vertreten. Es befinden sich Porträts und Gruppen von bedeutenden Zeitgenossen darin, die historischen Wert erlangen werden. Nach Erscheinen der Monographie hat Prof. Pasternak eine Reihe Arbelten aus dem palästinensischen, Jüdischen Leben geschalten, wie auch das Porträt Prof. Einsteins, welches die Jcrusaicmer Universität erworben hat'). Unser Wunsch Ist, daß unser Lehrer und Meister noch recht lange seiner schöpferischen Tätigkeit erhallen bleibe und noch die volle Wirkung seines gesunden Einflusses auf unsere Jugend erlebe. S. R. Sclinmicrs „Fraaleln Else1.4 Schnitzle« letzte Novelle „Fräulein Ekte", Ist modern In dar analytischen Technik. In der Stellung des Probloma und In seiner Lösung entspricht si« der Meataiitit einer Ober« wundenen Zelt Schnll/ler vcrlegi den Fall: ein Junges Mfidchen bittet, um den Vater vor dem Zuchthaus zu bewahren, einen Freund des Hauses um die zur Rettung nötig« Oeldsumme; sie wird Ihr unter der Bedingung zugesichert, daß sich das Mädchen hüllenlos den Blicken des Mannes.preisgibt) in der Auflehnung *) '.m Jahre 1022 Ist Im Verlage „llbnen1' ein von Pasterink verfaßter Aufsatz Ober Remhrandt und das Jüdisch« in seinen Schöpfungen erschienen. Ebenso wurde Im darauf folgenden Jahre ein Portralt-Album Jüdischer Dichter, Denker und Künstler in demselben Verlage herausgegeben. gegen das scheinbar Unausweichliche verlegt sie die Siene I« den vollbesetzten Musiksaal des Hotels, In dem die NoulU spielt und nimmt dann dal vorbereitete Gift — diesen Pill verlegt Schnitzler klugerweise um dreißig Jahre zurück. Ali« es itcllt sich heraus, daß dieses Hilfsmittel, eine Sache, die Ihm noch nahegeht, auch uns näher zu bringen, indem «f den Vergleich mit der uns umgebenden Wirklichkeit vermeldet, versagt. Denn was uns auch heute an einer anders gearteten Vergangenheit gewinnt, ist eine aus Zelt und Gesellschaft enipnrtaucheiide, tiefere, auch den Späteren verständliche Menschlichkeit. In dieser Novelle aber Ist das allgemein Nach fühlbare von einer vergänglichen, schmalen, überscllistbewußten Kulturschicht überdeckt. Iis Ist die Kultur der assimilierten, jüdischen Pamilien, deren Töchter durch anpassungsfähige Anmut, geschmeidigen Intellekt, physischen Reiz, eine Stenung In der ersten, damals treisinnigen Wiener Gesellschaft hatten — eine Kultur, die so schcinlehcndig »ar, io wenig produktive Kräfte aufbrachte, daß sie sich vfillif? In sich selbst verbraucht hat, von sich selbst aufgesogen worden Ist. Diese Kultur, die das Blut der zwei letzten Otneritlonra verdünnte, liegt noch so stark als schreckhafte Ahnung i« Unbewußten der heutigen, freigekämpften, sachlich erlebenden Jugend, dnß sie sie In der Dichtung nur dann anerkenn« kann, wenn sie distanziert, also völlig überwunden ist. Fräulein r.lsc hatte diese Distanz nicht. Denn Schnltzler, der irne Einstellung zu erotischen Problemen durch ein langes Letea nicht entwlckelt'hat, dessen Persönlichkeit bei aller geistigen Menschlichkeit und dichterischen Artung sich von den Hemmungen' der Sentimentalität und Ihrer nur seheitihiien Erledigung, der Ironie, nicht freimachen konnte, Ist innerlich mit dem Ablauf des Stoffes nicht nur als Schöpfer, sondern ih Mitleidender sIs Bejaher verbunden. Aus Schnitten Qeneratlon haben heute nur die Kampfnaturen Oeltung behalten, nur sie leben fruchtbar noch in den Wesensbestandteilen der In die Zukunft wachsenden J«* gend. Bei Schnltzler Ist Dichtung und Lllcratcntum auf eint gewiß sehr reizvolle, nur Ihm eigene, von dieser hr«timmien Kultur bedingten Weise gemischt Es ist gerade dieses Ena' Stadium einer Oeseilschaftsphaje, zu deren Noroalfähifikeite» vier i Aus" Vr,, psy,' eine'* abb 1 diel', für noc', Spr^ biet. Leb den Hei/,,1 BQ« Stn.i der i heb,! *!

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