Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 42-43 (28.5.1925)
- Date
- 1925-05-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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r C €T7JTT1? mD lünLt J-JiVli K"" '1 T*t \f%0aa und Verl»* W 15, Melnekcitmflo 10.! ka DieoiUfi und Freitag. BexugipreU bei der Expedition I 80,tllcb 135 Goldmwk. Vierteljährlich 5,25 Goldmtrk. ' ..;itb«ura>nti w«rit«i la d«/ Wthroaf <Jw •lutttti Ltadw btrvcfeitL Erscheint .„<«»<i«»b*",0'*Bt* tfttnwwrj^ Anzeigen -Verwaltung Jüdische Rundichau G.m.b.H., Berlin W15, Melntkeilr.10 Telephon! Amt Bismarck 7165—70. A»i«lj«npr«lii8£«»pilt^oiip»f<lll«»«ll«0,400^M.Sltr.«oi»iocS«0,JOO.-M. Aanlj«5»chl»0i DIv«d Fr<ll*( **chmltUf «Uhr, j ' 7 f J \ 0 '« ' Jjtnzclnnmmcr 0,40 Goldmark K j \) ff*^ r~1 c~~* [V)) \L; '»■■3 J ---3 NkM-rf^ Telephon! Ul.imark 7165-70. PoiUcheckkontoi Berlin Nr. 17392l'Or OtiUtitlcbi Poilin«ili»iifniml Wien. KoMo Nr. I560JO, Für T»chtchoil9w«V«li Ftilintrknicntral Vr*t, Kenia Nr. 59410, Kür P*Ihi i'ntllpirkuuotint W.nchiu. Koolo Nr. I9070&, RedakttonnchluO Sonntatf und Mittwoch nachmittag. rrDTi <ivd 'n XXX. Jahr»;. y Zionismus antrabt für das JUdlsch« Volk dl« Scharrung einer Öffentlich. rechtlich pailcherlan Melmatatte In Palästina. „Basaler Programm." •■ \) 'v; Mattan Ttiora i. Im Mittelpunkt des jüdischen Volkslebens standen [,'e drei sogenannten Wallfahrtsfcste, jedes charaktcrihäft durch ein historisches Ereignis und durch die gleich- L^c Verknüpfung mit Vorgängen der Natur, gefeiert L Jerusalem, wo sich das ganze Volk versammelte, fihrend Pcssach das populärste Fest bis zum heutigen Le geblieben ist, an das sich unzählige Gebrauche, L-cnJcn und Erzählungen knüpfen, wahrend ähnliches y\\ von» Sukkothfcstc gilt, ist das Schcwuothfcst ein Lig verblaßt. Dieses Fest hat nichts aufzuweisen, L| man mit dem Scdcrabcnd, mit dem Sitzen in der!3Vk.ili und mit den Umzügen am Simchath Thora gleichen könnte. Das wäre nicht merkwürdig, soweit L $|ch auf die Verknüpfung mit den Vorgängen der Llislincnslschcn Natur bezieht. Das mußte im Oolus 'erblassen und erst Palästina wird uns wieder Feste Utn können, die aus dem wirklichen Leben eines dem hsdc und der Nalur eng verbundenen Volkes hervor- Utn. Aber Schcwuoth ist gleichzeitig das Fest, da Tliora Israel gegeben wurde. Damit macht unsere Tradition Schcwuoth zu einem Feste, das gleichberechtigt Ukn Pcssach steht: ist dieses das Fest der nationalen [iolUwcrdting, so bedeutet Schcwuoth die geistige Volksitrdung. Und während das zweitausendjährige Leben Uercs staatsloscn Volkes den Gedanken der nationalen •<!rtiung aus Aegypten nie vergessen ließ, vermochte £«e$ Volk, dessen ganzes Leben ein Beschäftigen mit Utt Thora war, diesem Geburtsfest der Thora keine behendere Bedeutung mehr zu geben. Die Thora bestimmte Wen Tag.und jede Stunde des Lebens; brauchte man [iieinen Tag, um besonders an sie zu denken? II. Wie bei anderen Völkern, so ist auch bei uns die Itnloiulc Wiederbelebung in cn,ger Verknüpfung mit Ufr Wiederbelebung der nationalen Kultur und Sprache I Hand in Hand gegangen. Noch vor dem Entstehen des politischen Zionismus ging die Haskalah in Rußland den heg von der russischen zur hebräischen Sprache und pirte ihr: Publikum von der modernen europäischen üieratur zur ncuhcbrälschcn. Diese Bewegung ist durch husend Fäden verbunden mit der erwachenden Paplinalicbe, die dann in den majestätischen Strom des Hitischcit Zionismus gemündet hat. Neben den Bilu, I ::n Pionieren jüdischer Arbeit in jüdischem Lande, stehen »■«ichbcrcchtigt Ben Jehuda und die Lehrer, die Pioniere lief wiederbelebten hebräischen Sprache, die Führer auf Htm Wege, zur hebräischen Schule, auf dem neuen hege zur alten Kultur. Und das kulturelle Werk, das W den Fundamenten aufgebaut ist, die die Pioniere der pfichc gelegt haben, wirkt zurück auf das Oaluth, Kindt im Osten eine begeisterte Jugend, deren Ideale Nie Ocdankcn der Arbeit, der nationalen Sprache, des «jenen Landes und eines gerechten Lcbens»sind, schafft I Schulen, die moderne Bildung mit wahrer jüdischer Kultur f der selbstverständlichen Grundlage der hebräischen fache verbinden. .Wir wissen nicht, an welches Er- "<Ns ein späterer Mythos vielleicht einmal die Wicdcr- Webung unserer Kultur und Sprache so knüpfen wird, *>« unsere Tradition das Schewuothfest dazu auswählte, ""an ihm die Thora zu Israel gelangen zu lassen.Wie I '««ach und Schcwuoth die Feste der Volkswcrdung '< das eine politisch, das andere geistig betrachtet, J?Ist die politische Renaissance unseres Volkes ohne |5le Hastig-kulturelle undenkbar. Iii. Man kann nicht sagen, daß diese Auffassung, deren kretische Berechtigung heute von jedem Zionistcn ^fhnnt wird, sich in der Praxis bestätigt. Das hefische Schulwcrk in Palästina ist ein wahres Stiel- •ad der Bewegung geworden. Es gab eine Zeit vor u Kf'cgc, die Zeit des Schulkampfes, als man in der Raffung eines nationalen Schulwerks die zentrale Auferblickte. Inzwischen hat sich die hebräische Unter- I ^spräche durchgesetzt und die Gemüter haben sich „'"''igt. Die Schulen in Palästina sind ein Gegen- 1 l,nd der Budgetberatung und Objekt der Reduktionen «worden. Vorgänge wie der Lchrerstreik vermögen lr vorübergehend das Ir.lcrcssc zu erwecken, aber Y" «Incr wirklichen Beschäftigung mit, den Fragen ">cr" Erziehungswcscns Ist keine Rede. Die Bcjjeunß ist merkwürdig abgestumpft gegenüber den it,cl,en. denen sie die größte Anerkennung und För- {u"2 schuldet. Wir sind nicht mehr in einer Zeit, In in Ruf» daß «an Im Emck hungert und fiebert, u Gemüter aufzuwühlen vermag und wir finden es 18t i tin dcr Ordnung, daß die Pioniere unserer Kultur, jj-^'er in Palästina, sie, denen die erste in Palästina ^erdende Oeneration anvertraut. ist, Ihre Oehilter Eäm Md Dr. üeiziMrais London, 20. Mol 1925. Liebe Gesinnungsgenossen! Ich fühle mich verpflichtet, an Sie in einer dringenden Sache einige ernste Worte zu richlcn, denen Sic, wie ich hoffe, Beachtung schenken werden. Aus inneren und äußeren Gründen holte ich es für unbcdinrjt notwendig, daß der kommende Kongreß ein unbestreitbares Zeugnis ablegt von der S t fi r k e unserer Orßonisntlon, die man mit Recht von uns erwartet und die für dos weitere Gedeihen unserer Arbeit unentbehrlich ist. Bevor noch die Executive und dos Actions-Comitc vor die zionistische Öffentlichkeit mit ihren Planen bczüqlich des Kongresses freien, müssen wir Sicherheiten dafür schaffen, daß der Kongreß äußerlich so repräsentativ als möglich gestaltet wird und daß er an Zahl seiner Delegierten, sowie an Zahl der Wöhlcr, die in ihm vertreten sind, dem letzten Kongresse nicht nur ebcnbürlig Ist, sondern ihn womoßlich übertrifft. Es gibt im Momente für die verantwortlichen Orßone der zionislischcn Bewegung keine wichtiijcre Aufgabe als diese. Ich halle geglaubt, daß dank der Atmosphäre, in welcher die zionistische Arbeit vor sich geht, die Bcmühun«cn zum quantitativen Ausbau unserer Organisation durch Anwerbung von neuen Mitgliedern und Schekclznhlern zu den besten Erwartungen berechtigen. Nach meiner Rückkehr aus Palästina habe ich mich aber überzeugt, daß dies nicht überall der Fall ist und daß leider infolge des Vcrsagcns mancher Verbfinde im vergangenen Jahre ernsle Zweifel bezüglich der Erreichung einer großen Zahl von Dclcßicrlcn zum nächsten Kongreß bestehen. Do ich und die Executive um dos Gelingen des Kongresses, an den sich große Hoffnungen knüpfen, besorßt sind, sehe ich mich genötigt, an Sie, cechrte Gesinnungsgenossen, die Aufforderung zu richten, dafür Sorge zu fraßen, daß Ihre Organisation beim 14. Kongreß durch eine Delegation vertreten ist, die an Sfßrkc ihrer Vertretung dem 13.'Kongresse zumindest gleichkommt. Ich fordere Sic auf, die Anstrengungen für den Vertrieb des Schckels zu verdoppeln und zu verdreifachen und olle Mittel der öffentlichen und individuellen Propaganda in Bewegung zu setzen und ieden Zionistcn vom obersten Führer bis zum einfachsten Partei- Soldaten in die aktive Schekelarbeit einzustellen, damit dieses Ziel unfehlbar erreicht wird. Ich nlaube von Ihnen erwarten zu dürfen, daß Sie Ihre Pflicht tun und bitte Sie. mich bald wissen zu lassen, mit welchem Schekelergcbnls Innerhalb Ihres Verbandes zu rechnen ist. Mit herzlichen Zionsgrüssen, Ihr ergebener, gez. Ch. Welzmann Prfisidcnt der Zionislischcn Organisation. nicht bekommen, daß auch sie hungern müssen. Wir denken nicht daran, wie es Menschen deprimieren und in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen muß, wenn sie statt mit aller Liebe ihrem Er/.lchunq;swcrk sich hingeben zu können, gezwungen sind, täglich und täglich die Frage zu stellen, wie sie das nackte Leben fristen können. Aber das ist nicht alles. Wenn es selbst gelingt, die Erhaltung der Schulen durch das Budget in ausreichendem Maße zu gewährleisten, so ist damit nur wenig geschehen. Eine Welle neuer Einwanderer kommt mit jedem Schiff in das Land. Wir fragen besorgt, ob es gelingen wird, sie unserem neuen Leben einzugliedern, ob es möglich sein wird, sie zu verantwortungsvollen Gliedern des Aufbaus zu erziehen. Und wir denken nicht darrn, daß nur die Schule diese Aufgabe zu lösen vermag. Wie die Schule bisher in vorbildlicher Weise durch ihre gemeinsame Erziehung die Verschiedenheit zu überwinden vermochte, die in der landsinannschaftliehen und sprachlichen Verschiedenheit des neuen Jischuw gelegen ist, so vermag nur sie In Wirklichkeit die Eingliederung der neuen Einwanderer zu übernehmen, Indem sie die Kinder erfaßt. Es gibt heute in Tcl-Awivv zwei Schulen mit jiddischer. Unterrichtssprache I Es gibt heute jüdische Kinder in Missionsschulen! Wir müssen > unser. Schulwcrk erweitern,'um es zur Aufnahme, aller Kinder der vierten Alija fähig zu machen. Vor allem aber sollte die zionistische Ocffcntlichkeit sich einmal mit dem Ocdanken vertraut machen, daß nicht alle Fragen der Erziehung unserer neuen Oeneration dadurch gelöst sind, daß man die Sprachenfrage gelöst hat und die Schulen notdürftig oder unzureichend finanziert. Während wir im Oaluth die zionistische Bewegung als eine erzieherische betrachten, wahrend für uns Fragen der Jugendbewegung, der beruflichen und geistigen Machscharah eine große Rolle spielen, wird nicht das mindeste Interesse der Frage gewidmet, zu welchen Zielen und mit welchen Mitteln unsere Schulen In Palästina erflehen. Die Mündige materielle Not hat da/u geführt, daß heute das lutcrcs.se für die inneren Fragen unserer Erziehung und unseres Unterrichts in Palästina fast ganz erloschen ist. Die Probleme der Er/lcluing in Palästina sind den ent- Hprcchciiden Problemen des Gallith näher als man glaubt. Aufgabe der Schulen in Palästina müßte es sein, eine Jugend zu erziehen, die in ihrer seelischen Einstellung und Ihrem beruflichen Können geeignet und gewillt ist, i n P a I ä» stlnn zu leben und den Aufbau weiterzuführen. Wo sind heute die Stellen in unserer Bewegung, wo die öffentliche Meinung, die diesem Problem Aufmerksamkeit schenken? Wo besteht eine Vorstellung von der Mentalität unserer palästinensischen Jugend, von Ihrer Stellung zur Sprache und zum Land, zum Beruf und zum Zionismus? A". Auch bei uns in Deutschland bleibt die Kulturarbeit das Privileg weniger einzelner Menschen. Unsere Kinder, gärten, unsere Volksschulen, unsere hebräischen Sprach, schulen, obwohl sie Hachscharah und Erziehung im besten Sinne des Wortes treiben, stehen in einem ständigen schweren Kampfe um ihre Existenz. Gewiß bringt man dieser Arbeit Sympathie entgegen, gewiß ist die Zunahme der hebräisch Lernenden und sogar der hebräisch Wissenden zu spüren. Aber wo finden wir in Deutschland jene Leidenschaft für die Sache der Sprache und Kultur, die der deutsche, Zionismus für andere, ebenso wichtige Aufgaben, noch Immer gehabt hat? Wo ist das Publikum, das an den inneren Fragen unserer Kulturarbeit, an ihren Möglichkeiten und ihren Orcnzcn, an ihrer Mcthodik und ihren Zielen ein' Interesse nimmt, das eine öffentliche Diskussion ermöglichte? Wer außerhalb des kleinen Interessentenkreises empfindet, um nur ein Beispiel zu geben, die furchtbare Schwierigkeit, die im Fehlen geeigneter Lehrkräfte besteht und an der vielleicht bald genug die junge Blüte unserer Schulen eingehen wird, wenn nicht Vorsorge getroffen wird? Gedanken dieser Art scheinen uns am Tage angebracht zu sein, da wir der Thoragcsctzgcbung am Sinai gedenken. Keine nationale Bewegung der Welt hat je zum Ziele geführt, die nicht die geistigen Werte de» Volkes wieder belebt hat Und wir, das Volk des Buches kat* exoehen, sollten unser Erzichungswcscn verkümmern lassen? Wir widmen die heutige Nummer unserer Zeitung, wenigstens bis zu einem gewissen Grade, Fragen unserer •Kultur und Erziehungsarbeit. Wir hoffen durch diese Anregungen zu einer Wiederbelebung des Interesses für die hebräische Kulturbcwcgung beizutragen. Dr. Fritz Löwenstein. Anfragen Im britischen Parlament London. (J.T. A.) In der Sitzung des englischen Oberhauses vom 20. Mai richtete Lord Raglan an die Regierung die Präge, wie groß In Palästina der anbaufähige Boden Ist, wieviel von demselben von den Arabern und wieviel von den Juden bearbeitet wird? Wie groß endlich M die ((lr «lie jüdische Siedlung noch nir VcrlilRiing stehende Fläche? Es sind mancherlei OHindc vorhanden, führte Lord Ri;;l.ni weiter am, wcMialb die Regierung diese Informationen Reben müsse. Mehrere autcinandetColRCrtdc Minister haben erklärt, daß Juden nach Palästina nur gemäß der Auftialimvt.ihiKkcit des Landes hereingelassen werden sollen. Dessen unbeachtet tlnd in den letzten fünf Jahren 33 000 Juden Ins Land gekommen, von denen sich aber nur 2000 bis 3000 auf dem Lande niederließen, während der Rest in die bereits überfüllten jüdischen Viertel von Haifa, Jaffa und Jerusalem zog. Lord S t a n h o p c erwiderte im Namen der Regierung: Palästina mißt insgesamt 27 .Millionen Duuam; davon entfallen auf die südliche Wüste 7 Millionen Dunam, etwa 7Va Millionen Dunam unkultivierten Landes werden für Stlidle, Diirlcr, Eisenbahnen und Wege abzurechnen sein, so daß nur 12i/a Millionen .Dunam für Kultivierung verbleiben. Von diesem Boden verarbeiten die Araber etwa 9 Millionen Dunam, wovon ein Drittel eigentlich unbebaut bleibt; 850000 Dunam bearbeiten die Juden; 150000 Dunom Angehörige anderer Nationen.- Es verbleiben demnach etwa 2i/9 Millionen Dunam unkultivierten Bodens, von welchem wahrscheinlich nicht mehr als U/t Millionen der jüdischen Siedlung in Zukunft zur Verfügung stehen werden. 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