Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 41 (26.5.1925)
- Date
- 1925-05-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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\ Seite 375 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Kr. 41 Beraum Zwt Uthler Von Joseph Barai, Daganiah. Ein ntues Grab auf dem Friedhof von Daganiah. Soviel Jahre Daganiah besieht, soviel Oribcr auf lelnem Friedhof. Und der Jordan, der seine Wasser In die Ebene strömen läßt, verschlingt Jahr für Jahr «eine Opfer, unter ihnen Mensehen von Daganiah. Dieses Mal ist uns Hennann Mahler entrissen worden. Er war erst acht Monate mit uns In der Kwuzah, aber in dieser kurzen Zeit vermochte er schon sich fest mit uns zu verbinden und uns allen lieb zu «-erden, so daß es schwer war, noch festzustellen, wie kurze Zeit er erst bei uns war. Sehr schnell überwand er die Zeit des Neuscins in der Kwutah und begann sich heimisch zu fühlen. Tag und Nacht träumte er von der Zukunft und erwog Pläne über die Ausgestaltung und Verschönerung; der Siedlung. Er gehörte zu denen, die nicht viel Worte machten, aber in seinem Herzen trug er die großen Forderungen der Arbeit und des gemeinschaftlichen Lebens. Sein edler Oe* Sichtsausdruck, sein Tun In der Kwuzah und in ihrem tag* liehen Leben brachten das zu deutlichem Ausdruck. Hermann Mahler ging von Mönchen nach Palästina im September 1920 und arbeitete in der holländischen Kwuzah (in Benjamina). Nach zwei Jahren fuhr er nach Holland, um sich dort in Viehhaltung und Milchwirtschaft zu vervoll, kommnen. Vor neun Monaten kehrte er zurück und wurde als Chiwer in Daganiah Ateno aufgenommen. Am S. Ijar zog er in das neue Haus, ordnete mit seiner Frau sein neues Zimmer, arbeitete an den neuen Möbeln und ging; dann rnit seiner Frau, um im Jordan zu baden, an einer Stelle, wo sie noch niemals gebadet hatten. Der starke Strudel zog Ihn In den Abgrund. Nach wenigen Minuten zog man ihn tot heraus. Alle Bemühungen der Chawcrim, ihn ins Leben zurückzurufen, blieben erfolglos. Er war 26 Jahre alt. Einige Augenblicke erstarben in unseren Köpfen alle Oedanke», die wir einmal für die Zukunft gehabt hatten. Wie gebrochen standen wir an »einem Qrabe. Aber auch Araber zu schaufeln sind wir schon gewöhnt. Und wir ermannen uns, ringen mit uns, werden wieder stark; wir dürfen nicht weinenI Der Soldat im Kriege darf sieht weinen.! Aber die erstickten Tranen brechen hervor und mischen sich mit dem Kaddisch, das der älteste der Chswtrim spricht. Koch ein Opfer, noch eine Falte auf dem Qesicht derer, die den Friedhof von Daganiah seit seiner Entstehung kennen. Und trotz aUedem fassen wir uns und gehen an die Arbeit eines neuen «Tages. Denn wir sind an der Front. Statistik des Palüstioaamtes Berlin vom April 1925 Kinn« m».n KU*.. j^,. Ä". Touristen 27 14 — Kapitalisten ,65 S Zertifikate 0 4 2 Anforderungen 2 1 5 Rückwanderer -3 1 ~ -V-3T 41 30 2 10. 13 3 15 13 2 S 7 1 4 4 — 12 sr 7c7 8 Berufistatistik der Zertifikate aus Deutschland. Männer: Frauen: Maschinenschlosser 2 Gärtnerinnen 2 Kinder 2 Setzer 1 Ehefrau l StuhlrneliUr 1 T Elektromonteur* 2 Minner: 8 Landarbeiter 1 Frauen: 3 Oirtner 1 Kinder: 2 T" ~iT Benutzte Reisewege. ' KTassenpassagiere Deckpassagiere, insgesamt Triest 18 24 42 Marseille 5 25 30 Oenua 3 — ' 3 Neapel 7 - 7 Hamburg —__2 2 •35- 51 84 Brief aus Rumänien Von unserem Korrespondenten. Ein in die-sen Tagen im Senat eingebrachtes Gesetzes- Projekt über die Reform dci Prlv.itochuIUnterrichts enthält eine Reihe von auch für die jüdische Bevölkerung sehr wichtigen Bestimmungen. In der Vorkriegszeit pflegten solche Ocsctzc immer nur zuungunsten der Juden auszufallen und die meisten gegen „fremde Privatsclntlen" gerichteten Bestimmungen trafen erbarmungslos die Jüdischen Lchran* stalten. Das neue Ocsctr, obwohl es noch immer nicht als eine ideale Schöpfung hingestellt werden kann, ist doch in vielen Hinsichten von einem liberaleren Geist durchdrungen und stellt für die jüdischen Schulen in gewisser Hinsicht eine Errungenschaft dar. Daß die rumänische Regierung dem national jüdischen Programm kein richtiges Verständnis entgegenbringt, kann ihr buligerwcise nicht als Schuld gebucht werden, sondern Ist nuf das Konto der Führer der jüdischen Bevölkerung selbst zu setzen, die nicht energisch und ziel« bewußt genug die Anerkennung unserer Nalinn.ilgüter verlangt haben. Und *o sehen wir, daß das Ocset/c.Mirujrkt die Bestimmung cnth.ilt, daß die Unterrichtssprache in den jüdischen Schuten — zum Unterschied von den Schulen der übrigen nationalen Minderheiten, die ohne weiteres In ihrer Muttersprache unterrichten dürfen — din Staatssprache, d. h. Rumänisch, sein muß. Nur die. Religions- und geschiehtliehen Unterrichtsfächer (jüdische Ocschichte und Literatur) sowie der Unterricht der hebräischen Sprache «elhsl kann in Hebräisch erfolgen. In den sogenannten konfessionellen Kindcrschulen (etwa den Chcdariin zu vergleichen, heule In der Hauptsache als Kindcrgarlrjt funktionierend), in denen Unterricht an 5—7jährige Kinder erteilt wird, kann die Unterrichtssprache die Muttersprache, d. h. Hcbriisch »ein. Dieser Forlschritt d»r rumänischen Gesetzgebung in bezug auf das jüdische Schulwesen, n.iinliili die Anerkennung des Hebräischen als eine den Juden unbedingt notwendige Sprache, sowie dai Zugeständnis, d.ifl In den Kindergärten In der „Muttersprache" unterrichtet werden darf, sind ein Markstein in der Geschichte der rumänischen Gesetzgebung. Die Zeichen der Zeit, welche sich schon beim Lmpfaner Sokolow» und der bei dieser Gelegen* heit gegebenen Deklaration der riiinäiilHclwn Regierung iiiirr den Zionismus deutlich m erkennen gaben, werden mielt hierin nicht verleugnet. Im Zeitalter der hebräischen Universität kann auch die ruinünisclic Regierung nicht umhin, die hebräische Sprache ganz oder teilweise als die. Spracht; drr Juden und als ein Lebensbedurlnis der jüdischen Schule und Gemeinschaft anzuerkennen. Ein anderes Gesetz, das die Regierung demnächst zur Abstimmung im Parlament bringen wird, ist das über die innere und .innere Organisation der Gemeinden, Das Gesetz will die Kulhi-igcmeiiKiiii aller religirWn Kongregationen, also natürlich auch der luden, einer Reglementierung unterwerfen, und die vielen sehr verschiedenen und abweichenden lk- Stimmungen über deren Punktionen vereinheitlichen. Hin solches Gesetz kann nur hegrüflt werden, insofern es den bisherigen Zustand der Oe*.et/tn«lr,keil und daher die UchelsCinde materieller und anderer Natur beheben hilft, unter denen viele der jüdischen Gemeinden schwer zu leiden hatten. Doch enthält diese Gcsctzcsvorlagc noch manche Bestimmungen, die dem jüdischen Oeiste und der neuen Zeit nicht genügend Rechnung tragen. Um nur ein Itcmniel anzuführen: Den Gemeinden soll durch diese» Gesetz verboten werden, Spenden und UulerMlitzitngcii an nu.wilrtlgc Institutionen oder Personen zu gewahren, ohne hierfür die vojherige Autorlsaüon des Ministerrates erlangt zu haben. Line solche Bestimmung, die, wenn sie angenommen würde, den Gemeinden die Beteiligung an den Sammlungen für die hchr.'iisehe Universität, für de» Kcru» Hajessod usw. außerordentlich erschweren würde, kann loimogiich hingenommen werden. Wie wir erfahren, wird drr jüdische Genicindebiincl Rumänien* an die Regierung mit t-inrm Memorandum herantreten, durch welches auf alle Mänsc.1 und Lücken des Gesetze« hingewiesen und mehr Rücksicht auf die jüdischen Drdüilnnsc und Gr pflogcnheiten, verlangt werden wird. Im zionistischen Leben Rumäniens sind in den letzten Wochen keine wesentlichen Veränderungen eingetreten. Die Rückkehr der nach Palastina verreist gewesenen Zionisten gab den erwünschten Anlaß, in mehreren größeren Stadien gut besuchte Volksversammlungen abzuhalten, In denen die Teilnehmer an den Jcrusalemer Feiern ihre Eindrücke aus Palästina wiedergaben. An diese meist sehr gut besuchten Massenversammlungen wurde auch der Beginn der SehekcI• aktlon geknüpft, die ge/icnwärtig im ganzen Lande durchgeführt wird. Auch die Tätigkeit für den „Kercn HaJcsRod", die für einige Wochen (um die PeOachfclertage herum) ihr Tempo verlangsamt hatte, setzte nun wieder mit doppelter Energie ein; eine Reihe von heuer noch flicht besuchten Ortschaften wird gegenwärtig bearbeitet, darunter vor allem Oalatz, wo man hofft, 2 Millionen Lei mitzubringen (im Vergleichende Statistik April 1033, 1024, 1023, April 1023 April 1024 April 1025 Touristen 5 45 41 Kapitalisten — 3 16 Zertifikate 2 18 IS Anforderungen 3 8 8 Rückwanderer 7 0 -1 17 83 76 Die Statistik zeigt ein starkes Ansteigen von 1023 jis heute. Insbesondere Ist dies deutlich bei der Kategorie B (Kapitalisten), das sind Personen, die mindestens ein Vermögen von £ 500 nachzuweisen in der Lage (Ind. Die Kate* gone E (Zertifikate) und A (Touristen) zeigen einen geringen Rückgang gegen 1924. Es muß Jedoch hierbei folgendes berücksichtigt werden: a) Zertifikate, Et gibt keine rcgelmüßige monatliche Auswanderung in dieser Kategorie, da die Zcrtilikatc stet« auf cm halbes Jahr ausgegeben werden und die Auswanderung sich daher auf eine gewisse Anzahl Monate verleilt Im Jahr 102S Ist es gelungen, die Abfertigung zu beschleunigen, so daß der größere Teil der Zertifikat- Empfänger der Frühiahrs-Alijah bereit! In den ersten beiden Monsten ausgereist ist b. Touristen. In diesem Jahre hat die Eröffnung der Universität am 1. April zur Folge gehabt, daß sich die •Touristik innerhalb des Frühjahrs besonders auf den Monat März konzentriert hat Ein Vergleich der Oesamtziffern der ersten 4 Monate 1924 und 1925 zeigt daher trotz des scheinbaren Rückgangs im April 1925 die, starke Steigerung von 1925 gegen 1024. ■ 1024 Jan.-April 1925'Jan.-April Zertifikate 34 116 , Touristen 74 254 ' Oesamt-Abf. 197 511 „BlUcidoth" eise revolutionäre Partei! Warschau. (J.T.A.) Das polnische Innenminisierium versandte zur „Information" an die ihm. untergeordneten Stellen und Aemler eine Jüdische Revolutionäre" betitelte Broschüre. Darin wird z. B. auch die zionistische Arbeitspartei ,,H Uchduth' zu den ..revolutionären Partelen".gezahlt Der Jüdische PirlamenUklub wird gegen diese Art '^Aufklärung" tuspruch crbcbcfli vorigen Jahre wurden in dieser Stadt l,OS Millionen erzielt). In dieser Stadl arbeiten, unter der bewahrten Führung von Dr. J. Wilensky, die Delegierten Ii. Kamin, K.-H.-Sekrelaf aus Berlin, Publizist M. Jadiinsohn und Adv. Oscar Crämer. Nach Oalatz folgen dann die vier größeren Ortschaften Brotoschani, Braifa, Husch! und Vaslui, worauf die eigentliche Kampagne dieses Jahres in der Hauptsache als abgeschlossen betrachtet werden kann. Der Kampl nm die Autonomie In Litanei Kowno. (J.T.A) In einer Beratung, an welcher dio jüdischen Sejm-Mitgllcdcr, Vertreter der Kreisstädte und der zentralen politischen und wirtschaftlichen Organisationen teilgenommen haben, wurde beschlossen, überall sogenannte „Vereinigte Komitees" zu schaffen, welche die Funktionen, der )udUcltcn Gemeinden übernehmen sollen. Es wurde festgestellt, daß das vom Sejm angenommene Gcmclndcgcsctz die Kompetenz der Jüdischen Qcmcinden so einengt, dnß es diesen unmöglich geworden ist, die. notwendigen Funktionen durchzufühlen. Ermordung von Chnluzln In Uigarn Wien. (J.T.A.) Die Wiener Zeitung" „Der Abend" meldet aus Westungarn, daß dort einige Chaluzim aus Polen, unter ihnen die Brüder Goldberg und Tennenbaum, von Gendarmen in grauenvoller Weise ermordet worden sind. Die Chaluzim machten eich zu Fuß auf den Weg von Oalizien nach Oesterreich, um von dort nach Palästina weiter zu reisen. Sie verirrten sich auf ungarisches Gebiet, wo sie von Ocndarmcn festgenommen, ihrer Habe beraubt, niedergeschlagen und in die Donau geworfen wurden. Vorübergehende Bauern hörten die durchdringenden Hilferufe der gequälten Opfer; als sie hinzukamen, waren dieselben bereits in den Fluten der Donau verschwunden. Ilongerslrelk Jerusalem. (J.T.A.) Vier kommunistische Arbeiter, die wegen politischer Vergehen verhaftet wurden, traten in den Hungerstreik. Sic forden^ ah politische, nicht aber all kriminelle Häftlinge behandelt *u werden, Mehr als 15000 Jüdische Arbdler Jerusalem. (J.T.A.) Der Leiter des Arbciudenarfc ments der pallstiiiciislschen Exekutive, Herr Sprlnzak erstattete der Exekutive Bericht über die Jetzigen ArbcIrV Verhältnisse; in diesem heißt es: Mit Einschluß der 2500 Landarbeiter in den kooperativen landwirtschaftlichen Siedlungen auf dem Lande beträgt die Gesamtzahl der jüdischen Arbeiter Im Lande gcgcnw3rtlr 15122. In diese Ziffer sind Beamte, Lehrer, Schreiber usw nicht einbegriffen. Der Prozentsalz der Beschäftigungslosen hat sich von 10—12 «v in den vergangenen zwei Jahren auf einen Durchschnittssatz von 3—4 «,'•» in diesem Jahre vermindert. Der Hauptarbeitszweig, der fast keine Arbeitslosigkeit kennt und auch die Ncuankommrndcn schnell absorbiert bleibt die Bautätigkeit, die 3683 Arbeiter beschäftig*' während Fabriken und kleinere Industrien 2810 Arbeiter beschädigen. 1000 landwirtschaftliche Arbeiter arbeiten bei den Kolonisten, 1100 bei öffentlichen Arbeiten, wie Wegebau, 1010 im Transport, wcscii (inkl. Eisenbahnarbeiter, Fahrer und Kameltreiber) und 050 in verschiedenen Betrieben. Der jüngste Arbcitszwelg, den: »ich jüdische Arbeiter zugewandt haben, Ist der des Kn nicltrclbens. Etvu 200 sind allein in Tcl-Awiw mit dem Transport von Sand und anderen Baumaterialien vom Strand in die Stadt beschäftigt. Ansdebnang drr antisemitischen Slndcnlcauiruücn In Wien Wien. (J.T.A.) Der von der antisemitischen Studentenschaft der Hochschule für Bodenkultur angekündetc Streik wegen Nichtausführung ihres Beschlusses,"keine ausländischen Juden aufzunehmen, liat am Montag, den 18. Mal, begonnen. Das Rektorat hat die Sistierung der Vorlesungen für acht Streiktage ausgesprochen. Derweil herrscht Ruhe. Dir Zahl der jüdischen Hörer «Irr Hoch schule lur Bodenkultur betragt clw« 80 bis 100. Auslin-lu studieren 011 dieser Anstalt in geringer Zahl. Die antisemitische Hörerschaft hatte es hier durchgesetzt, daß die neuaufgenommenen Hörer In ihrem Nationale die Abstammung der Eltern angeben, Am Dienstag, der, 10. Mai, ereigneten sich an dtr Wiener Technischen Hochschule stürmische Lärmsrenen. In dem die antisemitische Hörerschaft in rückuchMoscr Wriw gegen die Jüdischen Kollegen vorging. Dai Rektorat \cr fügte die Sperre der Technik. Die Studentenkammencrtretung der hakcukrcuzleritthcn Studenten hielt heute morgw das Haupttor der Hochschule besetzt und ließ niemand Iiis ein, der »ich nicht als Arier ausweisen konnte.- Ein Ausihli£ neben den» Eingang verkündete, daß man allen Juden den Eintritt verwehre, weil kürzlich einige Wiener Abcndblittci gegen politische AcuOcningen des Professor Kobcs In einem Kolleg protestiert hatten. Durch die heutige Aussperrung der jüdischen Studenten wollte man diese dahin brinnen, daß sin den Zeitungen nahelegten, kündig derartige Artikel zu unterlassen,. Daici kam es zu stürmischen Aufluden. Auch />olchc jüdischen Studenten, die Prüfungen ablegen sollten, durften die Hocltsclrule nicht betreten. Die in den Hörsälen und Arbcitsräumeu bereit-, anwesenden jüdischen HOrer wurden von den nichtjüdischen Studenten gezwungen, die Technik zu verlassen. Eine jüdische Abordnung begah sich zum Rektor Prof. Salinger, um dagegen Klage zu führen Der Rektor erklärte, daß das Vorgehen der dcutschnationalen Studenten ungesetzlich sei und vom Rektorat nicht geduldet ss-erden könne, sbtiertc aber zugleich die Vorlesungen «■ Wien. (J.T.A) Die Vorlesungen und Arbeiten an dci Wiener Technischen Hochschule, die am Dienstag wegen dei himultiösen Ausschreitungen gegen die jüdische Hörerschaft unterbrochen werden mußten, haben wieder begonnen. In einem Schreiben an den Unterrichtsministcr rechtfertigt der Rektor der Technischen Hochschule, Prof. Salinger, die Hilfung der antisemitischen Studentenschaft, die sich deshalb gegen die jüdische Kollcgcnschaft wandte, weil Wiener Zei tungen, insbesondere der „Abend", eine scharfe Kritik de» Vorgehens des Prof. Karl Kcbcs veröffentlicht haben. Dieses Schreiben dcß Rektors Salingcr gibt der Wiener Presse neuerdings Anlaß zu einer scharfen Kritik gegen den an der Tech nlschcn Hochschule herrschenden Ocist. Der Präsident der Wiener Kultusgcmeindc, Prof. Dr. Pick, und die Vizepräsidenten Dr. Ldwcnhcrz und Dr. Orenstcin begaben sich ins Unterrichtsministerium und legten schärfsten Protest dagegen ein, daß die Affichicrung des judenhetrerischen Aufrufs an dem Gebäude der Technik zugclassci: worden war; sie verlangten die sofortige Entfernung des Aufrufs. Eine Abordnung des jüdischen Hochschulausschuss» und des jüdisch-akademischen Tcchnikcrvcrbandcs sprach beim Rektor Salingcr vor und protestierte gegen das Verhalten der antisemitischen Studentenschaft. Koosliluleruig einer AkllvIMeigruppe in Wien Die österreichische Gruppe der Zlonistcn-Rcvisionlstcu (Jabotimki-Orupjc) hat sich konstituiert vvA In die Leitung die Herren IJr. Norbeit Holtmann und Ing. So b also Im u.a.m. gewählt. — Die Aktlvitas der jüctisch-akademi*chcn Verbindungen „Unitas", „Zephira", Barissia". „Hyrkanin und „Esra" haben das Pr<v gramm der Zionisfen-Revifimiir.teu angewwimcji. Diese Couleurstudenten stellen sich vermutlich die Legion als eine Fortsetzung der Mensur mft anderen Mitteln vor Die Revision des Prozesses Scbapiro Warschau. (J.T.A.) Das Oberste Militärgericht hat bekanntlich das Urteil de* Plozkcr Feldgerichtes, welches im Jahre 1020 den Rahbüicr Schapiro wegen Einverständnis mit dem Feinde zum Tode verurteilte und erschießen ließ, kassiert und eine neuerliche Verhandlung angeordnet. Die Verhandliuig wird am 29. Mal in Warschau htattfmden, Slailsla-edlle IQr die IBdlschei Koloolstei la Uuiilmd Riga. (J. T, A.) Die Zcntral-Undwirtschafishank in Moskau beschloß, 200000 Rubel zu Zwecken von Darlehen an neue jüdische Kolonisten bereit zu stellen. Die Sowiet- Regierung wies die Kolonlsatlons-trcllung an, weitere 400 0W Rubel für Darlehen an jüdische Kolonisten zur Verfügung zu-stenen. Die Darlehen werden «uf fünf Jahre zu 6<* jährlich gegeben, wobei den Kolonisten frei steht, auch andere KrcdjtqucJlcn zu beautzea,