Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 40 (22.5.1925)
- Date
- 1925-05-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite Mft JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 40 i Brie! aus Polen V-n unserem Korrespondenten. M.O. Warschau, Im M»l 1025. Wirtschaftliche Lage, — Bank« und Kooperitlvwtun, — Handwerkeratend. - Di« k«utmännlichen Verbinde. — Polnisch« Steuerpraxi«. — Die Hssnd«l»kamni erfrage. — Revision der Konzessionen. — Die Monopole. Die wirtschaftliche Lige Pole« hat »Ich In jüngster Zelt erheblich vertelilechlert. Die Industrk stagnier», die. Arbeitslosigkeit ereilt rapide um sich. Da» Defizit der polnischen Handelsbilanz wird von Monat ru Monat größer. Die allgemeine Wirtschaltskrisls macht «Ich Im Leben der Juden besonders fahlbar. Die Selbstmordepidemle gra- »iert in der jüdischen Gasse, unzählige Existenzen gehen täglich zu Orundc. Der Eruat der Situation zwingt selbst die Gleichgültigsten zum Nachdenken. Man sinnt auf Abhilfe und entdeckt, daß die einzige Rettung die wirtschaftliche Selbsthll fe IM. Und da gewahrt man mit Bestürzung, wie sehr man auf diesem Ocblcte zurückgeblieben Ist. Nehmen wir z. R. das jüdliche Da nkwe sen. Wie iat et in erklären, fraß» im „Lodrcr Tageblatt" der Verfasser eines „Die Jüdischen Danken" überschriebenen Artikel», daß eine ao kleine Jndctiheit, wie die litauische, imstande war, eüien mächtigen Uankapparat auszubauen, wahrend dio polnlachc Judcnhcit, ein wichtiger Bestandteil des jüdischen Volkes, bei Ihrem guten Willen geblieben Ist? Der Hauptgrund liegt darin, erklärt der Verfasser, daß die litauische Judcnhcit vom Fundament und nicht vom Dache begonnen hat In Litauen wurden vorerst in den verschiedenen Städten und Flecken mehr als 100 Volktbanken ge- Jründct. Und dann erst wurde das Werk durch die „Zentrale üdlache Koopcrstlvbank" In Kowno gekrönt. Dagegen wurde hei uns zunächst die Zentrale gegründet, während man sich für die Schaffung lokaler Danken sehr wenig Interessiert hat. Als zweiten Grund bezeichnet der Verfasser die Tatsache, daß die Schaffung der Volksbanken in Litauen emo nationale Angelegenheit war, an der (.amtliche Judischbürgerlichen Parteien, vereint im Natlonalvolk, teilgenommen haben. Das Beispiel der Zentralen Jüdischen Kooperativbank in Kowno, (das heute nächst der Litauischen Staatsbank das bedeutendste Bankinstitut des Landes ist), ze&e der polnischen Judcnhcit den einzuschlagenden Weg. Wir müssen unbedingt das ganze Land mit einem Netz von Volksbanken bedecken, die ihre Zentrate in Warschau haben müssen. Und dann, wenn ein solches Banknetz bereits existieren wird, können wir ■n eine Anleihe beim amerikanischen Judentum denken. Mit der Oründung der Volksbankcn sollte sich der Jüdische Nationalrat in Polen befassen. Da dieser aber bloß aus ZJozristen besteht, während es sich doch um eine Angelegenheit von KlaMgrael handelt, so sollt« lieber nach Meinung des Artikclschrcibors der Jüdlscho Sejmklub, der sämtlich« bürgerliche Schichten des polnischen Judentums umtsOt, die Sache in die Hand nehmen. Ein zweiter Artikel desselben Verfassen beschäftigt sich mit der Lage des jüdischen Handwerkerstände«. Der Artikclschrciber weist auf das drohende Innungagesoti hin, das von der jüdischen Handwerkerorganisation rechtzeitig bekämpft werden müsse. Das best« Mittet hierfür sei eine jüdische Handwcrkcrausstcllung (wie die jungst In Wilna atatgefundene), und zwar Im gcsamtpolnischen Maßstäbe, um «o vor der Oc/fciitllchkclt die Leistungen des jadischen Handwerks zu demonstrieren. Ferner müssen an allen Orten Rohstof fkooneratlven gegründet werden, die dem Handwerker Materialien auf Kredit liefern. Die Gründung solcher Kooperativen würde noch In and c rer Hinsicht von Wichtigkeit «in, Dir Handel«' minister hätte versprochen, bei der Verteilung der amerlka* nlschen Anleihe auch die jüdischen Handwerker zj bcrüeksich tlgcn. Man dürfe sich aber nicht täuschen: falls den Jüdischen Handwerkern wirklich etwas gegeben werden sollte, so wird die Summe geringfügig und von nicht zu leistenden Garantien bedingt sein. Ganz anders wäre es, falls die jüdischen Handwerker In Röhstoffkooperatlven organisiert, die Regierung». subskJle nicht In Ocld, sondern In Materialien und Werk« zeugen verlangen würde. Schließlich müsse für die Verbesserung des Oe schmacks der Jüdischen Handwerker gesorgt werden, in den vom „Ort" der „ica" und dem Ingenleurvoreln unterhaltenen Hsndwerkerschirlen müssen speziell» Kurse für Erwachsene eingerichtet werden, um ihnen das Zeichnen und andere Fertigkeiten beizubringen. Di« Verbesserung des Oe «ehmackes wurde den Handwerkern ermöglichen, das vom Innungsgcictz verlangte Uxanitu leichter zu beliehen. Da« lnnungsgcsct* Ist aber nicht die einzige Oefahr, die das jüdische Handwerk In Polen bedroht. Hinzu kommt noch dss Jünfjat vom Handelsministerium ausgearbeitete neue Industriegesetz, das demnächst dem Sejm vorliegen wird. Nach diesem Oesetze soll die Eröffnung einer Werk» atltte von einer obrlgkcitiLhcn Erlaubnis bedingt sein. Das Gcictt sieht keine Garantie vor, daß dio Erlaubnis gewiihrt wird. Man braucht kaum tu sagen, daß die luden auf diese Welse einer unumschränkten administrativen Willkür preisgegeben wlttn. Die jüdischen Wlrtschaftsorganitaltoneii entfalle» nun In letzter Zelt eine verstärkte AkllvHät. So fand In Warschau eine Tagung des Revisionsverbande« der Jüdischen kooperativen Gewerkschaften In Polen statt, der die Einberufung einer allgemeinen Landeskonferenz sämtlicher Kcoperativgenosscu- «ehalten in Polen beschloß. Nach der Landeskonferenz soll eine Delegation nach Amerika geschickt werden, um dort bei den jüdischen Volksbanken und Plnanitnitltuten für das Jüdische Kooperativwesen Kredite zu erwirken. Die Verwaltung der Bank für Kooperative zu Warschau faßte gleichfalls ein für dal jüdische KooperatWwesen in Polen wichtigen Be6chluÖ. Bislang befanden sich nämlich sumtliche Aktien dieser Bank in Händen eines Fundatiönafonds, io daß die jüdischen Kooperativgeiiosscnschaften nicht unmittelbar an der Bank Interessiert Warth, Nun verlangt die Verwaltung, daß zumindest die Hlllte der Aktion kt den Deut« der Jüdischen Kooperatlvgenouentchifttn übergeht, dsrolt dl« Bank die übernommenen Aufgaben mehr ah bish«r erfüllt., Auch die kaufmännischen Verbind« Umtn den Wert der wirUchtftrtchen Selbsthilfe 'frottier mehr teMtaen, An manchen Orten (Warschau, Lodz und anderswo) existieren also bishtr nicht ein sondern zwei kaufmännische Verbände, die sich nicht selten gegnerisch gegenüberstanden. Ein selcher Zustand untergrub die Autorität der jüdischen Organisationr.n In den Augen der Reglorung gänzlich. Nun will man dem ein Ende machen und es sind Bemühungen am Werke, die Verbünde miteinander zu verschmelzen. Der A u f g a b c u k r c I a der kaufmännischen Verbünde Ist heute ein ganz anderer, als früher. Die hohen Steuern treffen die kaufmännischen Kreise besonders hart und hatten Bankrotte, Lizitationen und Geldstrafen zur Folfte. Der Zentrale Handclsverband In Warschau war daher bemüh», bei der Regierung wegen Milderung der hohen Steuern zu intervenieren. Dank dienen Interventionen erließ erließ dai Finanzministerium ein Zirkular, wonach in gewissen Fällen Erleichterungen eingeräumt werden. Dasselbe wurde auch bei Nachzahlungen auf Gewerbescheine zugestanden. Ferner hat der Zentrale H.indelsverb.ind Projekte bezüglich Abänderuni? der Umsatzsteuer ausgearbeitet, die den jüdischen Stellvertretern als Material dienen (ein bezüglicher jüdischer Antrag gelangte jüngst In der Finanzkommisslon <le* Sejm» trotz Geguemchalt der Regierung zur Annahme). Schließlich haben die Interventionen des I laiwielsverhande» auch bei den Finanzämtern und Schätzungskommi SR Ionen selbst Insolcrn eine Wirkung erziel», als diese bei Veranlagungen weit vorsichtiger als früher zu Werke gehen. Nun hat aber das Verhalten der Regierung gegenüber der oben skizzierten Tätigkeit des Hatidelsvcrbandcs eine Aende rung erfahren. Das Finanz- und Innenministerium haben neulich ein Zirkulär erlassen, wonach den kaufmännischen Organisati inen Interventionen In Stcucrsachen verboten werden. Dies wird damit motiviert, daß die Rekurse, die diese Organisationen für Ihre Mitßlleder schreiben, sich In vielen Füllen als unbegründet erwiesen hättem Da« Zirkular droht die Schließung der Handel», verbände an, falls sie ihre bisherige Taktik nicht ändern werden. Wie „unbegründet" nun solche Rekurse sind, beweisen nicht einige besonders charakteristische Fälle (die letzten Endes doch nur Amnahinrn sind), sondern «Ii« tägliche polnische Steuerpraxis selbst. Hier einige Illustrierende «eispiele: Auf eine Beschwerde der Kleinhändler des Blelsker Kreisen, wegen einer ungerechtfertigt hohen Umsatzsteuer für da« zweite Halbjahr 1024, sindte der Finanzminliter einen Inspektor, der an d*n einzelnen Ortschaften Erhebungen anstellte. Als Resultat stellte er fest, daß In 30»/» der Fälle — insgesamt waren eii 2580 ~ die Veranlagung keine gesetzliche war. In einem Ort, der durch einen Fluß In zwei zu verschiedenen Krehen gehörenden Hälften geteilt Ist. wurde auf der einen Seite eine viellach höhere Steuer als auf der anderen veranlag». Der Gesamtbetrag der Umsatzsteuer für das zweite Halbjahr 1921 war um 53"/« höher als Im ersten thlhjahr, wiewohl besagter Kreis zu der Kategorie der von der Mißernte betroffenen Ocgewlen gehörte, in denen dio dörfische Bevölkerung eihebllchc Steuererleichterungen genoß. Aehnllch lag es In Lemberg, wie eine speziell dahin ausgesaudte- Sejmkontmission festgestellt ha». So hatte die Flnanzkammcr das Umsatzsteuerkontingent für das Jahr 1024 auf 320 Milliarden angesetzt, während es sich m Anderen hcchentwicko'.ten Industriebezirken auf 150—200 Milliarden belief. Die Lemberger Umsatnteiierquote stellte 23,8«/« von Sanz Polen dar. Auch stellte die Kommission fest, daß die ehälter der Flnaiizkammerangestelltan von der Höhe der Steuereinginge abhlngenl Und trotzdem, ungeachtet solcher Zustände, brachte rt jüngst Orabski Im Sejm fertig, über die angeblich tm Lande geführt« Antistciierpolitik Klage zu führen. Das Verhalten der polnischen Oclfcntlichkclt gegenüber den Juden tritt In der Frage der Handelskammern besonders deutlich hervor. Bislang existierten siokhe bloß In den früheren österreichischen und deutschen Teilgebieten, während es in Kongrcßpolcn noch keine gab. Ihre Schaffung wurde bereits (m Jahre 1021 beantragt, doch infolge großer Meinungsverschiedenheiten zurückgestellt ,,In den meisten Kammern, schreckte der Verband polnischer Ksufleute, werden die Juden dio Oberhand haben und die« zum Schaden des Landes ausnützen." Ein jüdischer Abgeordneter brachte jüngst in der Handele- und Industrlckommlsslon des Sejms die Frage der Handelskammern wieder zur Sprache, Offen erklärte er, daß man die Handelskammer» bloß au« Furcht vor den Juden nicht schaffe — es sei denn, daß man auch dort einen numerus clausus anwendon könnte. Bei dor In der Kommission herr. sehenden Stimmung gegenüber den Juden könnte natürlich diese .Interpellation keine praktischen Folgen haben. In der nächsten Zukunft Ist mit einer Verschlechte r u n g der wirtschaftlichen Lage der polnischen Judcnhcit mit Bestimmtheit zu rechnen. Die Revision der Konzessionen steht unmittelbar bevor; dio bezüglichen Ausführungsbcstlmniungeii werden noch in den nächsten Tagen veröffentlicht werden. Wlo verlaufet, bestehen nicht die geringsten Hoffnungen bezüglich einer milderen Handhabung des Gesetzes. Allen bisherigen Besitzern von Konzessionen auf Monopolartikcl (Spiritus. Tabak) werden dieselben rücksichtslos abgenommen werden, um sie Krlegslnvallden und pensionierten Beamten zu «hergeben. Mit einem Federstrich, werden somit an 150 000 Juden brotlos werden. Die Schaffung wcltorcr Monopole Ist hi Aussieht ge« nommen. So Ist die Flnau/kommtalon des Sejms an die Behandlung des OescIzeRproJektes über dss geplante Streichholzmonopol geschritten. Man muß also mit dem Ruin unzähliger weiterer Jüdischer Existenten rechnen. Erfüllen die Monopole auch Ihren Zweck? Auf diese Frage gehen die Auslassungen Antwort, die jüngst der jüdische Senator Roten »strich In der Budgctkommtfistan des Scuaii In Sachen des SpIritiKmonopots gemach» hat. Das Spiritusmonopol, meinte er, trage nicht den Chsraktcr eines selbständigen wirtschaftlichen Unternehmet«. Die Administration erfordere vre? Oeld, da» für Nebenzwecke verwendet wird. So hfilte man, um der „Bank Lesznl" unter die Arme zu greifen, deren Haus für 80000 Dorlar gekauft Jetzt verlautet, daß nun auch die „Bank Norodowy" vom RozwoJ (antliüdlsche Boykottorganlsatlon) auf diese Welse gerettet werdon soll. Als Kompensation hierfür tollen die Nättonaktemokratcn versprochen haben, für die Regierung zu stimmen. D&a Monopol sei eine Waffe fn Händen der Regierung, um «Ich dt« Unterstützung von Parteien zu tlchcro, deren Institutionen vom Bankerott bedroht «indl..... Presseschau Wir entnehmen der „Wiener Morgenzeitung" folgende Ucbersetzung eines Artikel« der arabisch-palästinensischen Zeitung „Mernt al Scherk": „Die fundamentalen Fragen des Landes bilden das Mandat und die Baltour-Deklaratlon. Diese beiden dürfen wir nicht anerkennen. Das hindert imi Jedoch islcht an einer gemein, samen Arbelt dort, wo hie für die Möglichkeit besteht. Auch Mesopotamien steht unter dem Mandat, das hindert e« Jedoch nicht, Hand In Hand mit der britishen Rer>tenrm zu gehen. Audi das Osljordangcblct eicht unter dem Mandat hat Jedoch «eine eigene Politik, nach welcher es handelt und geht. In Mesopotamien besteht eine geordnete Regierunj und eine Volksvertretung, und auch da* Ostjordangcbiei hat eine geordnete Regierung, und wenn es auch noch kein» gewählte Volksverlretung hat, »so wird es diese, wenn Allih will, In naher Zukunft besitzen. Was hindert nun Eret-lsra^ dasselbe zu haben, ohne da« Mandat und die Balfour-Dcklara tion anzuerkennen? Ist denn die Anerkennung dieser beidm genannten Dinge eine Bedingung sine qua non, unter wekhri «II« Regierung die Bildung einer nationalen Regierung und einer Volksvertretung zubilligen will? Ist es denn unmöglich, Mandat und Balfour-Dcklaratlon zu Jenen Fragen zu reihen' die, wie zum Beispiel die Mossulfragc und die Frage dci ottomanlschen Schuld, deren Losung für die Zeit nach dei Friedenskonferenz von Lausanne verschoben wunde, mt mit der Zeit Ihre Lösung finden können, Ist es denn wirklich unmöglich, Aendcrungen In die Oesetze von Erez-lsrael eb zuführen, durch welche sowohl die Interessen der britischen Regierung al« auch diejenigen von Ercz-Isracl gewahrt werden, ohne dabei da* Mandat und die Balfour-Dcklaration zu erwähnen? Da« sind die Fragen, mit welchen der kommend« Kongreß sich wird beschäftigen müssen. Der Minister für Kolonien sagte uns, Ercz-Isracl sei ein arabische« Natlonolhetrn, und daß die Araber darinnen dit entscheidende Mehrheit sind, In dem Maße, daß die Juden nicht die Möglichkeit haben, die Majorität zu bilden. Nun denn, ist Erez-Israel ein arabisches Nationalhcim und bilden die Araber die Mehrheit darinnen, iat C9 dann nicht die Pflicht des Internationalen Oesctzts, die Herrschaft der Majorität herzustellen, wcsJislb also würdigt die Regierung nicht die Forderungen der Araber und ignoriert 6le? Hat sie den Juden versprochen, ihnen in Erez-Israel eine nationale Heimstättc zu errichten, was geht das die Araber an? Wir haben Ihnen nicht« versprochen. Wir «kid die Mehrheit, und d« Recht der Majorität ist et, die Herrschaft über das Land zu üben. Ueber Erez-Israel geht jetzt ein« unnatürliche Epochr, die In der Welt nicht Biresglclchen hat Die Juden wandern in großer Zahl Ins Land, der Ladenverkauf wird forlijeietn. Die Juden kauften den Küstenstrich von Akko bis Jaffa und von den Küsten Erez-Israets ist nicht« übrig geblieben als der Teil bei Gasa und auch dieser Teil wird bald an die Reihe kommen. Sic kauften einen großen Teil des Bodens Im Norden des Landes an und die Bewegung de« Bcdcnvcrkaufes dauert noch weiter an, Jüdlarho Siedlungen werden mit groOei Raschheit erbaut, ihre Zahl reicht heute bereits an die hundert. In diesen Kolonien wohnen junge Menschen, erfüllt von leidenschaftlichen Gefühlen mit gestähltem Körper, wetchc die Kriege in Rußland, Oesterreich und Polen mitgemacht haben und denen der Tod nichts gilt Die Juden führen Ihre KoW sationsarbeit nach militärischem System. Sie sind entschlossen, das Land von allen Seiten zu umfassen, bis es für den Araber keinen Ausweg gibt. Die Araber sehen das alles und fühlen nicht dl« große Oefahr. Was Inbcn wir nun zu hm' Da« ist die Frage, mit der sich der kommende KongrcS wird befassen müssen. Der Kongreß muß sich mit unserer gegenwärtigen La;e beschäftigen und nsch neuen Wegen »uenen, die die Oefahr von uns abwenden konnte. Neue Menschen müssen auf dem Kongreß erscheinen und nicht Jene, die wir Immer auf »Irr Tribüne zu sehen pflogen, wir brauchen einen Kon'jreü, auf welchem da» Scntlment hinter den Verstand zurücktritt, damit wir nicht eine Politik fortführen, von der wir nicht wissen, wohin sie uns führen wird. Wir brauchen einen Kongreß, der von einer großen Zahl Junger Intellektueller beschickt kt, damit die Aufklärung unser Wegweiser in allen unseren Handlungen sei, * Unter dein Titel „Zionistische BUtter" ersecint seit dem 1, Mal In Warschau ein neues zionistische» Zwei Wochenblatt, dessen Herausgebor der Abgeordnete I. Orün bäum Ist In der uns vorliegenden ersten Nummer wird im Programm-Artikel betont, „daß die Volksherrschaft In unserer Renalssance-Bewegung die Hauptä.iche Ist, auf die der Zionis mus um keinen Preis verzichten darf." Ferner wird hervor gehoben, daß In unseror Koionlsatlonsarbclt „die Beherrsch»« den Bodens durch Arbeit die Hauptrolle spielen müsse". Voi den übrigen Aufsätzen der ersten Nummer Ist der Artikel „Unsere Bürokratie" hervorzuheben, In dem eich Dr. Ch Llpichltzin scharfen Wendungen „gegen die neue Oefahr". gegen „den Feind Im eigenen Helm'' wendet. Kuniiiu.tu Bukarest. (J.T.A.) In der letzten Sitzung der rutnl nlschen Kammer interpellierte dor jüdische Deputierte aus d» Bukowina, Dr. Straucher, den lanctimluUter wegen d« Judenpogroms In Focschanl am Tage des Beginnt des Prozesses gegen den Mörder Zelea Ccdreanu und crsucMt die Regierung, alle Vorkehrungen zu treffen, damit «Ich dir Ausschreitungen In Turnu Severin, wo der zweite Prorcfl Codreanu stattfinden wird, nicht wiederholen. Dr. Slrauchci Interpellierte auch den Kultusminister wegen der Vorfol' gung jüdischer Schulen, jüdischer Professoren urut Schüler durch die rumäniachen Behörden. Er erinnerte an den Fall, daß In Czernowltz zahlreiche Schüler de» jüdischen Oyiiv ntilum» relegiert wurden, well sie »Ich, obwohl ohne jede polltischen Ziele, tu einer propallatlnenslschen Ver elnlgung zusammeugeschlotsen haben. Zur Verteidigung des Mörders Codreanu haben sich bifihei mehr «I« zehntausend Personen bei Gericht gemeldet (Laul rumllnlschtn Ocaetzea dürfen auch NichtJuristen bei Strafproietiin die Verteidigung führen.) Sluübetlrag lOr die Synigogei Ii Lettland Riga. (J. T. A.) Auf Vorschlag des Pastors Ballit beschloß der lottlindlsche Sejm, im Rahmen des Budfcels für die Kirchen eine Million Rubel den Jüdischen Synagogen zuzuwenden.