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Jüdische Rundschau · 1925-05-22 · Heft 40 (22.5.1925) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 40 (22.5.1925)
Date
1925-05-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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NM° JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 307 Zwei Jahre Transjordanien Von Dr. J. Schechtmtnn, Berlin. (SchluB) Emir Abdallah reagierte auf dicte Forderungen als ein .«hcchler oricnlalischcr Potentat. Er ließ alle ungehor- \,cn Beamten einsperrenj einige wurden de» Verrats anfllicl. andere verbrannt. Gegenüber Sultan Adwan mußte vf Emir Abdallah höflich sein, und er versprach ihm die i^illung »einer Wünsche, Aber dieser und sein Anhang •^itn diesem Versprechen nicht; sie fürchteten auch spätere ^e. Und am 16. September zogen die Stimme Adwan Vj ßclka gegen Amman, zerschnitten die Telephon- und VfRMpl'tndrihte und vernichten die Stadt zu nehmen. Der '.ßj war aber vorbereitet, und obwohl seine eigene „Armee" a den Aufständischen schnell rclßaus genommen hat, blieb f«joch Herr der Lage: britische reguläre Kräfte waren Lwreltlg zur Stelle und den Rebellen war es natürlich „Irlich, ihnen standzuhalten. Auf der Walstatt blieben „, Häuptling und 30 Aufständische; die übrigen flohen. Die {ffulJrcn hotten keine Verluste. Ausschließlich durch eng- ■^■c Bajonette wurde der Emir Abdallah vor seinen eigenen >',tcrtancn gerettet: einige hundert Soldaten, die ihm zur 0t von seinem Vater, dem König Hussein von Hcdschas, l^hickt worden waren, kamen erst ein paar Tage später. ' Es sind verschiedene Versuche gemacht worden, die ,,!ircn Qründe des Scptembcraufstatidcs zu finden. Eine gc- ,i)sc Presse suchte Ihn als eine „nnUzlonlstlsche Bewegung" ijini'tcllcn. Der bekannte Antizionist Lord Raglan versuchte „der „Daily Expreß", umgekehrt, zu behaupten, daß es die psisten waren, die den Aufstand'anstifteten, weil sie die gliche Entwicklung Transjordauicns fürchteten. Auf diese feiuupfungcn lohnt es sich nicht einzugehen. Mehr begründet citlnt die Vermutung der angesehensten arabischen Zeitung ^tckkatam", daß bei dem Aufstand die französische Regierung je Hand im Spiele gehabt habe: bei den Rebellen ist in n Fällen militärische Ausrüstung festgestellt worden; die Rc- •irden haben einen Briefwechsel zwischen den Führer der Isiständischcn, Sultan Adwan und den französischen Vcrreter ermittelt; endlich hat der Sultan Adwan Zuflucht im tiniösischen Syrien gefunden. Diese Vermutung mag mehr ia wenig richtig sein: sie erschöpft aber nicht den Kern •er Frage, der nicht in Irgend welchen fremden Einflüssen .!#, sondern in der tiefen Unzufriedenheit der Bevölkerung ei der Unfähigkeit der Rcgicning, das Land wirtschaftlich ttd kulturell vorwärts zu bringen. Eigentlich strebte auch Emir Abdallah sehr wenig danach. Oer Chef der dänischen Palästina-Expedition, Otmar Sommer- '(kl erklärte nach seiner Rückkehr von der Sinai-Halbinsel: .Das ganze Ocblet des Ostjordanlandcs, das Ich durchquerte, .<! heute vollständig vernachlässigt und fast menschenleer... Leider hält Emir Abdallah nicht viel davon, den Beduinen »dernc Landwirtschaftsmethoden zu lehren: „sie sollen Keiben wie sie sind", — meint er. Und so wird Transjordanlcn ta& einige Zeit auf seine Auferstehung warten müssen." Das lind lebt noch jetzt unter denkbar primitiven Verhältnissen. In der Oktobersitzung der ständigen Mandatskommission des Völkerbundes In Genf konstatierte das Mitglied der ■ Kom- Mslon, Mr, Grlmshoro, daß in Transjordanlcn noch bis jetzt t.:e gewisse Form der Sklaverei besteht und daß sogar m Sklavenhandel vom Süden aus getrieben wird. Sir Herbert Samuel gelang es nicht, diese Behauptung zu enteiltigen. Der Kulturzustand des Landes Ist erbärmlich. Die Hiuptstadt Transjordaniens Amman ist ein kleines unansehnliches Nest Emir Abdallah selbst wohnt mit seinem Ge- Mje in kakhifarbigen Zelten. Das Amtsgebäude des Königsftlchs ist ein bescheidenes Qcbäudc, vererbt von der früheren türkischen Administration. Die Volksaufklärung steckt noch a den Kinderschuhen. Der Innenminister Transjordaniens Huliar Bei Arslan erklärte zwar 1023 mit naivem Stolz der oerikanischen Journalistin Elisabeth Titzcl: „Wir haben!) Elementarschulen für 4000 Kinder, wir haben ein vorzüg- Spitnl, geleitet von arabischen Aerztcn; Im nächsten Konit werden wir sogar eine Zeitung herausgeben; Sic haben 'on unserer Ackcrbauschule wohl gehört? Wir planen damit •in Internat für Beduinenjungen — zehn von jedem Stamm — p> vereinen. In einiger Zeit wollen wir Amman zu einer wirk- •'fctn Hauptstadt ausbauen." Aber In dieser naiven Prahlerei Glicht sich der größte Teil auf die Zukunft. Was die besehenden „Schulen" betrifft (ihre Zahl ist ohne jeden Zweifel ^•»t übertrieben), so sind das gewöhnliche erbärmliche .«tktebe", und die Kultur hat nicht einmal oberflächlich ic« primitive Land berührt. Die „Zeitung", die seit 15. Mai in Amman erscheint, ist ein typisches Amtsblatt, das f60 keinem, außer einem Häuflein Beamter gelesen wird, ««kundige sind überhaupt in Transjordanlcn eine Seltenheit Die Staatsautorität ist gleich Null. Die autochtone Be< 'Gerung, freiheitsliebend und beweglich, zahlt faktisch fast 'tinc Steuern und will von keinen Verpflichtungen seiner pönalen Regierung gegenüber wissen. Da« ganze Einsen der Regierung bilden 150 000 Pfund, — dieselbe *2">e, die sie von England zugewiesen bekommt. Der Emir J^lah selbst lebt auch ausschließlich dank der englischen "uion: er bekommt 5000 Pfund monatlich. Der ganze Staat «etiert auf englische Kosten. Diese Lage begann allmählich unerträglich zu werden. **ohl in arabischen, als auch in englischen Kreisen wurde •f" unruhig. Es entstanden Ocrüchte, daß Abdallah durch «Jen Bruder All ersetzt werden soll. Der König Felsal von sandte 6eincm Bruder ein Telegramm, In dem er ihn fii ^"nt, m seiner Regierung und Verwaltung vorsichtig zu „' u"d Ihn daran erinnert, daß er, Felsal, selbst In Syrien ^»gen war, seinen Thron aufzugeben. Die an den Auf- Regen Abdallah beteiligten und zur Verbannung verur- ,pi txansjordanlschen Notabcln fanden Zuflucht und Vcr- 54111s bei dem' Vater Abdallahs, König Hussein von j««chas. Der letzte hat während seines Besuches in Amman schwere Lage seines Sohnes und seine nach innen und ^[ außen erschütterte Position richtig eingesebitzt und hat iflarchgcsctzt, daß der energische und starke Rida Rikabi der dem Emir Abdallah tief verhaßt war und bisher wVjfbannung lebte, Im Mal 1924 nochmals zum Minister- Renten ernannt wurde, Rikabi Pascha übernahm alk Re- ...^Rsgcscnarte und Emir Abdallah ist nur.dem Nmen M tmlr geblieben. neue Regierung verölfcntliclit« ein ganz energisches vtttunfügtt Arbellspogrsnai 1. Anbahnung freundschaftlicher, politischer und wirf, schaftllchcr Beziehungen zu der französischen und englischen Regierung; 2. Schutz der öffentlichen Sicherheit durch sofortlj-e Unterdrückung Jeglichen Aufstanden; 3. Verringerung der Ausgaben durch Abbau von Aeintcrn usw.; 4. Schaffung einer neuen Form der StcucrcJnscIiützung und Erhebung, bei der sowohl der Staat als die Bevölkerung *« ihrem Rechte kommen werden; 5. Bevorzugung der Dezirksclnwohncr bei der Vergebung von Bcamtcnsleilcn; 6. Gründung von Schulen, Erleichterung des Verkehrs durch Straßenbau, Unterstützung der Wirtschaft usw. Es sind auch gewisse Schritte zur Verwirklichung dieses Programms gemacht worden. Das Kabinett ist In seinem Bestand bedeutend verkleinert worden. Außer den Minister- Präsidenten sind nur noch die Posten des Justiz- und Finanzmiiilstcrs beibehalten worden, die der bisherige Ministerpräsident Hassan Ihalid Pascha übernahm. Ein großer Teil der Offiziere wurde entlassen. Rikabi Pascha wandte «Ich nn alle leitenden neunten und verlangte von Ihnen binnen rwei Wochen ausführliche Antwort auf folgende Fragen: 1. Zustand des betreffenden Departements bei der Uclier. nähme der Geschäfte und der jetzige Zustand; 2. Eingeführte Reformen und deren Resultate; 3. Auf welche Hindernisse stieß die Durchführung der Reformen; 4. Programm für das nächste Finanzjahr. Es wurde auch ein energischer Versuch gemacht, die vielen Nichtstuer, die sich um den Emir angesammelt haben und Im Lande Unruhen und Intrigen stifteten, loszuwerden. Die Leitung für öffentliche Sicherheit wurde beauftragt, alle Personen, welche keine Rolsccrlaubnls haben, sowie alle Arbeitslosen anzuweisen, alle Verdächtigen streng zu beobachen. Alle diese Maßnahmen hatten aber nicht den erhofften Erfolg. Auch Rikabi Pascha ist es vor allem nicht gelungen, die öffentliche Sicherheit Im Lande zu erkämpfen. Auch unter seiner Regierung ist Transjordanlcn. ein Nest von Mördern und Räuberbanden geblieben, die ununterbrochen die Grenzen Palästinas und Syriens beunruhigen und sich dann nach Trans- Jordanien zurückziehen. Ein Vertreter der französischen Macht in Libanon und Syrien mußte nach Jerusalem kommen, um mit der palästinensischen Regierung die Maßnahmen zu besprechen, die zum Scl.u'zc Pa'äs Inas notwendig sind. In der Verwaltung sind Korruption und Demoralisierung unter dem Regime Rikabi Paschas nicht geringer geworden, und die Intrigen, sowie die inneren Streitigkeiten sind gewachsen. Erst am 20. Februar d. J. haben 500 Scheichs, Führer der clnfluß. reichsten Stämme In Transjordinien, in Amman eine Kundgebung veranstaltet und an Emir Abdallah (wahrscheinlich unter seiner heimlichen Zustimmung) ein Ultimatum gerichtet, in welchem sie die sofortige Vertreibung Rikabi Pnschns und seiner Anhänger aus dem Lande, sowie die Einsetzung eines „Rate* der Repräsentanten" fordern. Die Atmosphäre im Lande fst sehr gespannt, die Schaffung eines einheitlichen nationalen Willens und die innere Festigkeit des Staates sind auch dem „starren Mann" Rida Rikabi Pascha nicht gelungen.*) Das alles erklärt genügend auch die äußere Schwäche Transjordaniens. Der Staat isf, obwohl er eine eigene Armee, die sehr viel Geld koste», besitzt, und ungeachtet des kriegerischen Charakters seiner Einwohner, vollständig wehrlos, — nicht nur gegenüber einer europäisch ausgerüsteten Armee, sondern auch gegenüber einer »rabischen Nomadenhordc. Am deutlichsten hat es der wahabltlsche Ucberfall auf Transjordanien bewiesen. Die Wahabiten sind alle Totfeinde der Familie des Königs Hussein, die sehr oft schon da* I Irdscliasgchlet und den Südteil Transjordanicns überfallen haben. Es waren aber Immer nur vereinzelte Raubzüge, die sehr verheerend wirkten, die aber keine rein politische Bedeutung hatten. Im August 1924 aber sind die Wahabiten mit ernsten und weitreichenden Absichten nach Transjordanien gekommen. Sic haben 10 000 Reiter zusammengezogen, legten unbemerkt hunderte Kilometer zurück und überfielen am 14. August in einer Breite von SO Kilometern die Hauptstadt Amman. Sic hätten zweifelsohne die Stadt erobert, wenn nicht britische Streitkräfte rechtzeitig zu Hilfe gekommen wären. Die lokalen britischen Kräfte reichten nicht au», und am 15. August zogen ununterbrochen britische Reiter und Fußtruppen von Palästina nach Transjordanien. Die britische Artillerie und Aeroplane haben die Wahabiten natürlich zurückgeschlagen und ihre Reihen bedeutend dezimiert, Das war aber ein englischer Sieg und nicht ein arabischer. Auch die Regierung Rikabi Paschas war nicht Imstande, Transjordanien so Innerlich zu festigen, daß es einem feindlichen Ucberfall trotzen könnte. Besonders akut wurde die Slchcrhcitsfragc Transjordaniens nach dem Oktober 1924, als die Wahabiten Mekka erobert und König Hussein von Hcdschas, den Vater Abdallahs, vertrieben hatten. Der siegreiche Ibn Saud hat feierlich geloht, nicht zuzusehen, bis alle Glieder der Haschimitcn-Dynnstic von ihren Thronen verjagt werden und bereitete offen eine Offensive gegen Transjordanlcn, um Emir Abdallah aus dem Lande zu vertreiben. Im Februar d. J. überschritt ein Trupp der Wahabiten unter dem Kommando des Emir Abd-cl-Aziz die Grenzen Transjordanicns und tötete viele Bewohner. Emir Abdallah war machtlos, dlcr.cn Ucbcrfällcn standzuhalten. Um Ihren Schützling zu retten, wurde England Im April d. J. schließlich gezwungen, mit Ibn Saud ein Abkommen zu schließen, in dem er sich verpflichtete, keinen neuen Angriff auf Transjordanien zu unternehmen. England iiat aber dafür einen teueren Preis bezahlen müsse«. Es hat Ihn Sauds heutigen Machtbcsitz anerkannt und sich verpfichtet, den Bruder Abdallahs, den König Ali von Hcdschas, preiszugeben und ihn in seinem Kampf gegen Ibn Saud nicht mehr materiell zu unterstützen. Das bedeutet ein Ende der großen Pläne der Familie Hussein. Anders aber wäre Transjordanlcn nie vor Wahabitcnübcrfällen sicher. Und die Sicherheit des Landes hat für England eine ungeheuere Bedeutung. England liegt sehr viel an der Sicher- Stellung des von Amman vlerzelinUglg ausgehenden Luftdienstes; die ständige Gefahr eines Wahabitcnübcrfalls vernichtete diese Sicherheit. Noch wichtiger vielleicht Ist der Umstand, daß der Weg nach dem Irak von Palästina aus dem Zigriff der Wahabiten ausgesetzt war. Diese Gefahr veranlaßte sogar England, die ursprünglich nach Haifa projektierten Rohrleitungen für das mesopotamische Petroleum nach „ *) in einem »m 22. Okiober v. J. erschienenen Artikel „Ein mißlungenes Experiment" forderte die „Times", daß man „Emir Abdallah zu einer mehr verfassungsmäßigen Herrschaft drängt". „Wenn er unser Schützling bleiben soll, so darf er uns nicht durch eine, schlechte Verwaltung kompromittieren,*' dem Im syrialcn Alcxandrctte umzuprojektieren. Der Vertrag mit Ibn Saud, der sich verpflichtete, Transjord.niicn zu respektieren und damit Haifa sicherzustellen, beseitigt diese Gefahr, Ute Abdallah» Rcßicrung nicht zu beseitigen vermochte. In allen Beziehungen und von Jedem Standpunkt aus hat »ich bisher die Lostrennung Transjordanlcns von Palästina als ein künstliches und nicht gelungenes Experiment erwiesen. Noch 1920, als die ersten Schritte In dieser Richtung geschahen, schrieb „Palestinc": „Cisjordanien und Transjordanien sind geographisch, wirtschaftlich, historisch und strategisch untrennbar; es sind zwei Hälften eines einzigen ganzen Palästinas. Der Jordan Ist keine Grenz- und Trcnnungslinre und kein Hindernis und war es nie. Handel und Verkehr gingen immer hinüber und herüber, und dieselben Völkerschaften und derselbe Staat hielten zu Jeder Zeit beide Jordanufer besetzt Qilcad ist die erste jüdische Siedlung in Palästina. Die reichen und zum großen Teil leeren Gebiete Transjordanicrw sind für das wirtschaftliche Leben eines jüdischen Palästinas unentbehrlich. Daß Transjordanlcn strategisch von Cisjordanien untrennbar ist, beweist die gau/u Ocschlchte, und die zahlreichen Raubzüge der letzten Jahre Illustrieren diese Behauptung." Diese Auffassung Ist schon lange zum Gemeingut der zionistischen Ocffcntlidikcit geworden. In diesem Sinne hat 1924 sich ganz unzweideutig der 12. zionistische Kongreß geäußert,') und erst im Mai 1924 schrieb anläßlich der Palästina-Debatte im Cordenhaus das offizielle zionistische Zentralorgan „Haolam": „Wir kommen nicht um die Tat- Sache herum, daß Palästina westlich und östlich des Jordans eine ökonomische Einheit bildet. Besonders ein industriell sich entwickelndes Palästina kann ohne das transjordanische Hinterland nicht bestehen." Für die jüdische Kolonisation sind die zum größten Teil leeren und unvergleichlich fruchtbaren Flächen Transjordaniens ein natürlicher und reicher Landfonds. Der Chef der dänischen Palästina-Expedition, Gunar Sommerfeld, der das ganze Ostjordanland durchquert hat, bezeichnet es als „vollständig vernachlässigt und . fast menschenleer. Bei den „Heißen Quellen" z. B., die mit einem Dampfboot in kürzester Zeit von Jericho aus zu erreichen sind und die einst das Zentrum des ganzen Landes waren, hausen jetzt nur ein paar Nomaden In ihren Zelten. Und das prachtvolle Ackerland, das in biblischen Zeiten Palästinas Millioncnbcvölkcning verproviantiert hat, liegt heute brach. Wenn moderne Menschen und Gtld nach Transjordanien kämen, dann müßte dieses Land, trotz reiner relativ geringen Regenmenge, lamlwirtschaftlidi mit meiner Heimat Dänemark konkurrieren können —, so fruchtbar int der Ik.den, der heute kaum eine viertel Million Maischen kümmerlich ernährt.'^ Dasselbe Urteil fällt auch* Prof. Pas sarge, der In seinem Artllicl in den „Naturwissenschaften" daran erinnert, daß das Ostjordanland im Altertum von märchenhafter Fruchtbarkeit war und eine der wichtigsten Kornkammern des alten Rom war; nur seitdem der Islam hier herrscht ist es zu einer fürchterlichen Steinwüstc geworden. Jetzt liegt dieser herrliche Boden unter den Platten des Steinpflasters, der sogenannten Hamada; nach Entfernung dieser Lavaplattcn tritt die fruchtbare Erde zutage, die einst den Hauran zur Kornkammer machte. „Einst war der Hauran," schließt Prof. Paiivirgc, „als geordnete Verhältnisse herrschten, eine Kornkammer des römischen Reiches, könnte es das nicht wieder werden?" Dazu gehören aber „geordnete Verhältnisse", Menschen und Gelds «las alles hat das selbständige Transjordanirn nicht zu schallen vermocht Die Absonderung Tram,Jordaniens von Palästina hat sich bis Jetzt in keiner Hinsicht bewährt. Und ein dermaßen ausgesprochener Antizionist, wie Lord Raglan, hat sich auf einer Versammlung der „Gesellschaft für den Nahen und Mittleren Osten" entschieden in dem Sinne aussprechen müssen, „es sei auch kein strategischer Grund dafür vorhanden, die Absonderung Transjordaniens vom übrigen Palästina aufrecht zu erhalten, da zwischen den Distrikten jenseits des Jordans und dem diesseitigen Palästina eine größere natürliche Verbindung besieht, als zwischen den ciu/rlncii tr.insJnrdaniscJini Distrikten selbst. Sic sind in allen Dingen, außer den Nahrungsmitteln, auf Palästina und Damaskus angewiesen." Es scheint, daß man Jetzt auch in England diese Tatsache allmählich zu begreifen beginnt Es mehren sich Anzeichen, die darauf schließen lassen. Am 2fl. Mai 1921 ist der Paßzwang, d. h. das Visum für Reisen von Palästina nach Transjordanien aufgehoben worden, was selbstverständlich eine große praktische und prinzipielle Bedeutung hat. Der frühere englische Resident in Amman, Mister John Philby, der augenscheinlich zu weitgehende Versprechen den Arabern gegeben hat, wurde durch Koloncl Cox ersetz». Dieser ist abci hinfort nicht selbständig, wie es früher Mr. Philby war, sondern dem englischen High Comrnlssioncr in Palästina, als dem Vertreter der Mnndatsmacht für das ganze Mandatstcrritnrium, d. h. Palästina und Transjordanlcn, unterstellt. „Das Ist aber nicht so zu verstehen," Interpretierte am 4. März d.J. Im Oberhaus der UntcrstaatssckreUr 'ür Kriegswesen Gral von Oimkiw, „daß die traiisjord.niir.cho Verwaltung ganz, von der Palästiiiabcwcgung abhängig sei: es existieren zwei ganz gesonderte Verwaltungen." „Aber", mußte er weiter gestehen, „aus administrativen Rücksichten stehen verschiedene Leiter von Palästinadepartements dem transjordanischen Rest deuten als Sachverständige zur Verfügung, wenn auch zeitweilig." Das gab die Möglichkeit, die Geschähe der englischen Regierung in Transjordanicn nur durch fünf britische Beamte zu führen: drei von diesen sind der Palästinaregicruiig unterstellt, einer ist Beamter des königlichen Luftwesens, einer Im zeitweiligen Vcrtragsdicnst. Dieser kleine Beamtenappara» Ist nur dank der engsten Verbindung mit der Palästina- Administration möglich. Diese administrative Verbindung ist eine natürliche Fol;;c der immer mehr steigenden Erkenntnis der Unmöglichkeit eines vollständig abgesonderten Bestehens Transjordaniens. Aufgabe der zionistischen Politik wird es sein, diese Erkenntnis weiter zu vertiefen und eine möglichst enge Vcrcinigung Palästinas östlich und westlich des Jordans herbeizuführen. •) Die Konferenz der englischen Labour Party in Brayton Im Juni!92i drückte auch ihr Bedauern darüber aus, daß „die ökonomische und administrative Einheit Palästinas" zerstört wurde, und daß Infolge einer „bedeutenden Verminderung des Territoriums, besonders durch Abtrennung von I laurau und Ohergnlilfla, der Kolonisation eine ernste Gefahr droht"; die Konferenz forderte die Regierung auf, „die Vereinigung von Ost* und Wcsbaiistlna IscrbdzuiüJu-ca« , i"', I:!• « '"''' ''S ki >■ i> ii,;. 'i f ,v iV I! L. i 11 ' f'< * iif , i v^- y,i \ oV'N 1 V, <<r;H'ii:" »i't-!.': ' r; •' 'i't! 'i . i'.'Ti. ■ r * '',.:<[" m, - s ■ ,/lr 4 '!■•.; ■ ^, * 1 ,?;, ,i i i ■ i , ,» W,,'! ' vt ' i <i';V;•;»• ' I' ,; K t. Vi Mi t." 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