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Jüdische Rundschau · 1925-05-19 · Heft 39 (19.5.1925) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 39 (19.5.1925)
Date
1925-05-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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A Seite 362 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 39 stimmt wurden, für tolche Bedürfnisse verwendet wurden. Der Handel stockt, und auf dem Ocbictc der Volksaufklärung ist kein Fortschritt zu erreichen." In der Sitzung des Oberhause« vom 6. Mai 1924 hat Lord Raglan auch eine entsprechende Interpellation eingebracht, In der er die Regierung Abdallahs als eine „tyrannische, unbesonnene, unfähige und ,vor allem unpopuläre" charakterisiert. Alle An/eichen sprechen dafür, daO Lord Rnrjlan in seiner Cliaraktcrisllk nicht übertrieben hat. Die Bevölkerung wird nicht nur durch Räuber geplündert, sondern auch durch Willkür und Korruption der Ucuntcn, sowie durch schwere Steuern bedrückt Die Verteilung von Steuerlasten erfolgt ungerecht. Emir Abdallah hat unter den einzelnen Stämmen seine Günstlinge. So z. B. wurde dem Stamme Bcni-Sakbcr, der ihm in seinem Kampfe gegen die Wahabiter Hilfe geleistet hat, eine Vorzugsstellung eingeräumt; er wurde von allen Steuern befreit und seinen Angehörige» die höchsten Stellen des Staatra verliehen. Von den Interessen und Wünschen der Bevölkerung nimmt der Emir keine Notiz. Obwohl die englische Deklaration, die vor der Unablüinglgkeltserkllrung Transjordanlens veröffentlicht wurde, ihm zur Pflicht machte, eine „konstitutionelle Regierung" Im Lande einzuführen, kümmerte er sich wenig daran. Eine Deputation, die Im Juli 1923 eine Verfassung für das Land verlangte, jagte er einfach davon. Unter dem englischen Druck hat er zwar Im August 1923 eine Kommission eingesetzt, die ein Wahlgesetz für die konsumierende Versammlung Transjordanlens vorbereiten sollte, und Ende 1923 sogar einen Auf. ruf an die Bevölkerung erlassen, in welchem zur Kenntnis gegeben wird, daß demnächst die Wahlen in das Parlament .Transjordaniens stattfinden werden und daß das Parlament selbst nicht später als bis zum 1. April 1924 einberufen wird. Das Ist aber nicht (-eschenen. Noch bis heute besitzt Transjordanlcn keine legitime Vertretung der Interessen der Bevölkerung. Unter solchen Bedingungen Ist es natürlich, daß die Unzufriedenheit der Araber immer drohender wurde. Im August 1923 ist es endlich zu einem offenen Aufstand gekommen. Der unzufriedene Teil der Beamten vereinigte sich mit einigen Notabcln; an der Spitze der Unzufriedenen setzte sich das volkstümliche Haupt des Adwanstammcs, der Sultan Al-Adwan, und verlangte unter Drohungen nach Reformen. Die Forderungen dieser „Opposition ' waren: die Einberufung eines Parlaments, der Erlaß der Rückstände des Oschers der Fellachen aus den letzten Jahren, Herabsetzung der Beamtengehälter, die Elnlührung der Ersjiarungsmaßnahmcn in der Administration, Entfernung von Fremden von allen Stellen und die Rückzlchung der Privilegien, die dem Stamme Benl-Sakbcr eingeräumt wurden. (Schluß folgt.) Die lüdlsclte Kolonisation In Rußland Mr. David A. Brown aus Detroit, der durch seine Tätig kelt als Leiter der Sammelaktion des Joint Distribution Commlttce zugunsten der notleidenden Juden Europas sich einen Namen gemacht hat, hat soeben seine Tour durch die jüdischen Kolonien in der Ukraine und in der Krim beendet. In Gesellschaft Mr. Browns reisten der Direktor der Ocscllschaft Agro-Joint Dr. Joseph Rosen und der Moskauer J. T. A.-Vertreter. Es wurden alle mit dem jüdischen Kolonisationsplan zusammenhängenden Umstände eingehend geprüft. Mr. Drown wird nach seiner Rückkehr nach den Vereinigten Staaten die jüdische Öffentlichkeit in Amerika über den Plan der jüdischen Landansiedlung und dessen Aussichten unterrichten. Von Slmferipol aus sandte Brown das folgende Telegramm an Felix M. War bürg, den Vorsitzenden des Joint in Amerika: Soeben von einem Besuch der jüdischen Kolonien in der Ukraine und In der Krim zurückgekehrt, stehe Ich noch ganz unter dem Eindruck der vollbrachten Leistungen. Ich betrachte eine jüdische Landansiedlung In Rußland auf brei tester Orundlage als sehr wichtig und erstrebens wert. Die Fonds, die das Joint Distribution Committcc für die jüdische Kolonisation verwenden hat, haben geholfen, ein notwendiges Aufbauwerk in die Wege zu leiten. Bis jetzt wurden 4000 Familien au f dem Lande an gesiedelt. Sollten entsprechende Fonds zur Verfügung stehen, so wird es möglich sein, bis Ende 1927 25 000 F a mlllen anzusiedeln. Gegenwärtig werden von jü dlschen Siedlern 400000 Morgen Land bearbeitet; bis zum Herbit d. J. wird sich die Aufbauflächc auf 600000 Morgen erhöhen. Aus allen Teilen Ruß lands laufen Gesuche jüdischer Familien ein, die sich der Landwirtschaft widmen wollen. Jetzt ist die große Oelcgcn helt da, ein großes Wiederaufbauwerk In Ruß land zu vollbringen. Es müssen sofort die nötigen Fonds aufgebracht werden, denn wenn wir es jetzt nicht für produktive Arbelt aufbringen, so werden wir später ge nötigt sein, dieses Geld für heillos Verelendete und Sterbende zu verwenden. Der wundervolle Ocist, der unter den jüdischen Kolonisten herrscht, erweckt In mir die Uebcrzciigung, daß der russischen Judcnhelt eine wahre Liebe für den Boden Innewohnt Wem nur irgendwie die Möglichkeit gegeben ist, aufs Land zu gehen und sich der Landwirtschaft zu widmen, der tut es mit großem Eifer und mit Hingebung. - * New York. (J- T, A.) Dieser Tage wurde in New York eine Konferenz der vor kurzem zwecks Förderung der jüdischen Kolonisation in Rußland begründeten Ocscllschaft „kor" abgehalten. Der Sekretär der Ocscllschaft, E. Wattenburg, teilte der Konferenz mit, daß bis Jetzt 4000 Aktien im Betrage von 40000 Dollar gegen bar abgesetzt worden sind. Der Konferenz wohnten 136 Delegierte aus Los Angeles, Denver, Chlkago, Winnlpcg, Montreal, St. Paul, Kansas-City und anderen Zentren bei. Vertreten waren verschiedene russische Landsmannschaften, einige Zweige der Ocwerkschaftsunlon, die linken Poale Zlonund die J Qdlsch-kommunlitlsche Fö deratlon. . » * Riga. <J. T. A.) Eine in Wolodarsk, Kreis Korosten, vor kurzem abgehaltene Versammlung Jüdischer Dorfbewohner nahm eine Protestresolution gegen du Verhalten verschiedener Dortsowjets gegen Ihre Jüdischen Mitglieder an In vielen Dorfiowjcts werden die Jüdinnen Sowjetmltgll cd crelnfach ignoriert, was zu dem Dekret der Regierung über das Recht der jüdischen Minorität auf Teilnahme an der Verwaltung im Widerspruch «feht. Die Regierung wird aufgefordert, Schritte zum Schutte der Jüdischen Rech*« tu unternahmen, Zur Bodenpolitik Von Dr. C. M. Zweig, Jerusalem. In Nr. 35 der „Rundschau" brachte Dr. J. Schechlmann einen sehr interessanten Artikel „Die Bodenpolitik". Seine Thesen gingen dahin, daß man die Mäßigung der Bodcnprclsc nicht nur durch jüdische Bodenpolitik, d. h. durch Einflußnahme auf die jüdischen Kolonisationsinstltut'.oncn und Privatpersonen anstreben müsse, sondern zugleich durch eine zielbewußte und feste Boden- und Steuerpolitik der palästinensischen Regicrung. Diese Thesen unterstütze Ich — das sei vorausgeschickt — unbedingt. Nur möchte Ich mir, als mit den palästinensischen Verhältnissen näher vertraut, gestalten, einige Details der Darstellung richtigzustellen, damit sie nicht In der Diskussion, welche hoffentlich rege einsetzt, zwecklos weltergeschleppt werden. Wenngleich Dr. Schechlmann — mit Recht nn die Spitze seiner Vorschläge die Forderung rückt, die Zionistische Organisation solle von der Mandatarmaclit die in § 6 des Mandates den jüdischen Siedlern versprochenen Staats- und Brachländcrclcn herausverlangen, kommt er schließlich zu dem ernüchternden Ergebnis, daß zweifellos, auch bei den besten Erfolgen auf diesem Qcbletc, nur wenig Boden für die Kolonlnlsation zu erlangen ist.' Die Qründc aber, aus denen Schechtmann zu diesem Ergebnis kommt, sind nicht ganz zutreffend. Erstens glaubt er, daß „die wirklich fruchtbaren Sultanbödcu im Jordantnl von arabischen Pächtern dicht besiedelt sind, an deren Verdrängung selbstverständlich niemand denken kann." Diese Böden sind in Wahrheit keineswegs dicht besiedelt; auch wenn man sich nur mit einer extensiven Wirtschaft zufrieden gibt statt der Intensiven, die hier durch Bewässerung ohne weheres zu erzielen wäre. Im Zusammenhang damit möchte Ich ein weiteres Detail klarstellen. Es heißt Im besprochenen Artikel resigniert, daß „der beste Teil der Domänengeläiide Im Jordantnl und bei Bcth Schean an arabische Besitzer vergeben worden sei", Ob der qualitativ beste Teil, das weiß Ich nicht. Wenn aber gemeint sein soll, der größte Teil, lind darauf kommt es uns ja vor allem an, so Ist die Annahme Schcchtmnn'" — gottloh! — unzutreffend. Denn von den rund fiO')000 Tunim „Dschiftlikboden" rings um Ikth Schean, welcher sich östlich des Natlonalfondsbodcns von Nurls bis zum Jordan und südlich der Nationalfonds- und Ica-Röden von Daganla und Mcnachcmia längs des oberen Jordans erstreckt, sind tat sächlich bloß 60000 Dun.im, also ein Zehntel des gesamten Bo dens an Araber — zur Abzahlung In langfristigen Jahresraten — verkauft worden. Ja, Ich verrate kein Geheimnis, wenn Ich mitteile, daß diese Käufer da mehr Boden bekommen haben, als sie benötigen, und daß sie nicht übel Lust zeigen, davon mit Gewinn weiter zu verkaufen. Daher kommen für jüdische Ansiedler einmal die noch nicht vergebenen 5-10000 Dunam In Betracht, und weiter von den restlichen 60000 Dunam jener Teil, den die übermäßig beleihen arabi«chcn Eigentümer entbehren können und wollen. Natürlich ist es vor allem Sache des Kcren Ka|ctncth, der doch das anerkannte Organ der zionistischen Bodenpolitik ist, sich um diese Böden zu bewerben. Er muß dies schon deshalb tun, weil er ein eminentes Inlcrcssc daran hat, seine Böden im Emek — gemäß der seit nun 4 Jahren verfolgten Konzentrlcrungspolltik — zusammenzuschließen; vielleicht auch, weil er Wert darauf legen muß, daß gerade In diesem, der Landesgrenze naheliegenden Ochlct das opferfrohe, ar beitsstarke und wahrhafte Chaluzclement vorzugssvclse ange siedelt werden soll. Schließlich können beide vorgenannten Kategorien der Bcth Schcan-Rödcn nur Im Einvernehmen mit der Regierung erworhen werden und diese wird sich viel eher erzielen lassen, wenn die Verhandlungen vom Keren Kaje meth als einer rechtlich anerkannten, gemeinnützigen Instl tutlon, bzw. für ihn von der palästinensischen Exekutive geführt werden. Es würde die Schritte b»l der Regierung natür lieh nur fördern, wenn man von den noch freien Böden Korn ptexe zur Anslcdlung jener jüdischen Legionärs verlangt, die sich auf ein noch unvcrjährlcs Versprechen der Regierung berufen können. Hier handelt es sich also um keine bloß theoretische Angelegenheit, tint auf dem nackten Recht des § 6 des Mandates zu beharren, sondern, da noch viel guter IVchlftlikhodcn zur Verfügung steht, um eine äußerst praktische Forderung, Soweit sie noch nicht erhoben und durchgesetzt worden Ist, muß sie unbedingt nachgeholt werden. Wenn vielleicht früher politische Erwägungen bei der Zionistischen Exekutive für das Rückstcllcn dieser Forderung gesprochen haben, etwa well man den Arabern keinen neuen Beschwerdcgrund geben wollte, so hat sich das doch heute, da wir den Boden bei der steigenden jüdischen Einwanderung dringend brauchen und da die Produktivität der jüdischen Arbeit, vor allem In der Landwirtschaft, von so vielen Autoritäten, zuletzt dem Kolonlalmlnister Amcry, bezeugt worden Ist, durchgreifend geändert. Es Ist ferner nicht zutreffend, daß „vor kurzem die Regierung eine Vereinbarung mit der »englischer» Syro-Ottoman Agriniltural Company Ltd. wegen einer Konzession zur Trockenlegung des Hulehsees und zur Anteile» rierung und Bewässerung bestimmter Landstrecken In der Umgebung des Sees getroffen habe". Diese Nachricht Ist anscheinend mißverständlich In die Presse geraten. Der High Commlssioner hat In seinem Bericht an die Mandatskommission des Völkerbundes u. a. auch diese Konzession als zurechtlestehtnd anerkannt. Erteilt Jedoch Ist r1c schon von der türkischen Regierung worden, Dan Verschulden der Jetzigen Palästinarcglcrung, wenn man ein solches annehmen will, beschränkt sich darauf, daß sie die alte Konzession anerkannt und für die Verwertung derselben auch noch eine Nachfrist gewährt hat. Nun ist es fraglich, ob die Hulchkon- Zession mit der späteren, an Ruthenberg erteilten Konzession zur Verwendung der Jordanwässcr, vcreinbarllch war. Andererseits steht uns noch In frischer Erinnerung, daß der Internationale Gerichtshof im Haag erst kürzlich gegen Ruthenberg für die alte Konzession entschieden hat, die ein Grieche für die „Elektrifizierung" Jerusalems besaß. Keinesfalls braucht, und das soll hier genügen, das Hulehgcblet als für die jüdische Ansledlung unbedingt verloren gellen. Nun wende Ich mich dem zweiten praktischen Vorschlag Dr. Rrhrchtmanns zu, die Regierung solle dl« übermäßigen Bodenpreise durch zweckmäßige Besteuerung der unbebauten Böden drücken. , Wenn es uns gelingt, Dschlftlikbödcn umsonst oder doch billig zu erwerben und der jüdischen Ansledlung zu erschließen, wird die» schon durch \blenkung der Nachfrage die Effendli zur Ermäßigung ihrer Preisforderungen veranlassen. Dies soll natürlich nichts gegen die gerechto Forderung nach Steuerreform tajjeji, Irrig sind jedoch einige weiter angeführten Details über das angeblich stetige, sprunghafte Steigen der Bodcnprclsc auf dem Lande. Die Tendenz der Steigerung im Rückblick auf die Jahrzehnte seit Beginn der jüdischen Kolonisation ist zwar unverkennbar, ober die Preiskurve zeigt in Wahrheit ein Zickzack. So Ist es durchaus unrichtig, daß die Bodenpreise seit dem großen Emekkauf des Keren Kajemcth im Fühjahr 1921 ^Durchschnitt 4i/s £E.) noch weiter bedeutend gestiegen sind. Wenn Dr. Schcrlitmann laut dem offiziellen Bericht der palästincnslschen Regierung für das Jahr 1922 einen Durchschnitts, kaufprcls von 16 Pfund für Juden und für Araber einen solchen von 13 Pfund pro Dunam errechnet, muß dies auf einem Irrtum beruhen; zumindest sind wohl In diesen Böden auch solche städtischer Natur Inbegriffen, die gewöhnlich nach Pitt (1600 solche sind ein Dunam) gehandelt werden, bekanntlich ganz unverhältnismäßig teuerer sind als ländliche Böden und dabei rapide Preissteigerungen aufweisen. Ohne mich auf Einzelheiten einzulassen, möchte Ich nur unterstreichen,daB esdet I'alestinc Land Development Company, welche den weitaus überwiegenden Teil aller ländlichen, für den Keren Kajcmeth und andere jüdische Käufer bestimmten Böden erworben hat, neuerdings gelungen Ist, geringere, oft weit geringere Preise zu bezahlen als Im Jahre 1921 und zuvor. In einem Falle, wo es sich allerdings um einen verschuldeten Effendl handelte, waren es bloß 2Va Pfund pro Dunam guten ebenen Bodens. Aber auch sonst gibt es triftige sachliche Gründe für die Preissenkung: einmal das Sinken der Oetreidepreise und dann, weil man nun schon weiß, daß die Juden nicht alles kaufen und jeden Preis zahlen. Irrig ist auch das Im besprochenen Artikel angeführte Beispiel für die „oft ganz ungeheueren", in jüngster Zeit gezahlten Preise. Danach seien 20000 Dunam nnlariavcrsruchtcn Bodens Im Oehiclc des Kischon jüngst ... um 20 Pfund pro Dunam zum Weiterverkauf angeboten worden. Stimmt. Es handrlt sich da offenbar um einen Teil der von „Mcscheh" und Zion Commonwealth erworbenen Djidrabödcn, der faktisch um 21 £E. an Privatkäufer ausgeboten wurde, aber eben, wie Dr. Schechtmann selbst anführt, nach Elnkalkulicrung der Kosten für Sanierung und Parzellierung, und wie ich weiß, auch für Wegebau und Bewässerung. Die genannten Gesellschaften aber haben für den nackten Boden 3'/» £E. pro Dunam bezahlt. Ucbrigcns waren diese 80000 Dunam (und nicht nur 50-«)000) schon In den im Februar 1925 festgestellten Neukaufen von 250000 Dunam inbegriffen. Seither sind allerdings viele weitere Käufe erfolgt. Alle diese Richtigstellungen ändern nichts an der von Dr. Schechlmann richtig gesehenen Tatsache, daß die gewaltig gesteigerte Nachfrage auch nach ländlichen Palästinaböden diese, wenn der Bodenmarkt nicht planmäßig organisiert wird, bei der aus den Städten her übergreifenden Spekulationswut die Preise gleichfalls hochtreiben muß. Niedrige Bodcnpreisa sind aber entscheidend für die Rentabilität der Landwirtschaft. Das gilt auch für jene Ansiedler, welche auf K. K. L.-Bodcn ansässig werden; denn wenn sie auch vom Erlaß des Kaufpreises befreit sind, müssen sie doch den nach diesem Preis errechneten Erbpachtzins bezahlen. Es Ist darum nur gerecht, wenn die Zionistische Organisation die Regierung zur Besteuerung der — aus Spekulationerfinden — unbebauten Böden und zur Mäßigung des Oschcr, der drückenden Emtcsteucr, drängt. Die Regierung Ist solchen Argumenten gewiß zugänglich. Hat sie doch erst jünst den Oschcr von 12,63 o/o auf 10 "!o ermäßigt. Es läßt sich wohl erwarten, daß die spekulativen Effendis die Erhöhung des Vcrgho auf unbebaute Böden als nationale Vergewaltigung ausschrclen werden. Die Juden aber müssen betonen, daß es sich um die Bekämpfung eines, wie Schechtmann 6agt, „dem ganzen Lande gegenüber verbrecherischen Systems . . . handelt", daß also die jüdischen Interessen mit jenen des arabischen Pächters, der zum selbständigen Bauern aufsteigen möchte, identisch sind. Die nächste Sitzung der EmigratlonsUonlercDz Berlin. (J.T.A.) Das Präsidium des Vereinigten Komitees für jüdische Auswanderung (Emigrationsdlrcktorium) beschloß, die zweite allwcltlichc jüdische Emlgrationskonfcrcnz für den 9. August d. J. nach Berlin einzuberufen. Die f<ri«, die im jüdischen Emigrationswcscn zurzeit herrscht bewog das Emigrationsdircktorium, von einer engeren Konlcrcnz der Ihm angeschlossenen Organisationen abzu. sehen, vielmehr der Tagung einen allgemeinen Charakter zu verleihen. Es besteht die Absicht, alle jüdischen Organisationen der Alten und der Neuen Welt, die sich direkt oder indirekt mit Emlgratlonsangclegenheiten befassen, zur Beschickung der Konferenz einzuladen. Von den amerikanischen Organisationen werden z. B. außer der Emigrantcn-tlilfsRcscllschaf» „Hlas", die von Jeher mit dem Emigrationsdircktorium In enger Verbindung steht und die erste Präger Emlgrallonskonfcrenz mltelnbcrufcn hat. das Emergency Commlttee, der Amerikanisch-Jüdische KongreD, der Rat der jüdischen Frauen (Council of Iewlsh Women) u. a. m. eingeladen. Von europäischen Organisationen werden außer den mit „Emlgdircct" zusammenarbeitenden Emlgratlonsgcscllschaftcn auch die J ewlsh Colon Isat Ion Association (Ica), die Zentralen Paläst I n n ä m t e r, der Hilfsvcreln der deutschen Juden u. a. m. zur Konlcrcnz eingeladen. Das Programm der Konferenz enthält außer dem Tätigkeitsbericht und den Berichten der nord- und südamerikaui. sehen Abordnungen des Ernlgratlonsdlrcktoriums eine Reihe von Referaten über aktuelle Emlgrationsfragcii, wie z, B, „Die Krlsis In der Jüdischen Emigration", „Emigration und Kolonisation", „Qualifizierte Emigration" (Ausbildung und Vorbereitung der Emigranten), „Politische Tätigkeit auf dem Gebiete der Emigration", „Die Frage der Emigrationsbank", „Organlsatlons- und Budgetfragen", usw. Während der Konferenz werden auch Ausschüsse arbeiten, die sich nilt ganz konkreten und laufenden Aufgaben beschäftigen werden, wie z. B. mit der Lage der zurückgebliebenen Emigranten In den Hafenstädten, mit der Möglichkeit einer Einwanderung In europäische Länder, mit der Frage einer einheitlichen Politik gegenüber den SchiffahrtngcnclUcliaften, mit Rechlschutz, sanitäre und medizinische Hilfe utw. Als Berichterstatter sind bis jetzt vorgesehen die Herren Leo Motzkln, W. Latzky, J. Dljour, Jacob Lestschlnsky, Dr. Brutzkus, Dr. ben Nathan (Berlin), Dr. Silhcrfarb (Warschau), Jefrolkln (Paris), Dr. Schipper (Warschau) u. i. m. Der Schriftsteller, Herr Jacob Leitschinsky, wurde als Mitglied des Emlaratlonsdlrtktoriuras kooptiert. d<;,, n,M .; ff» ( Ii, N''«u; j's ' iri'-K i 'ij' r«; .• v« f '! Sifrf! 1) 1 w,:,i< >,( Ü. aajli"' 4> Sü* '■! »C)l>! f«; r;!/ n[li, ■ ■:)!,■: i :i 1 er. ,i ti| t d// m!'; M'-.n? J^'r M'i« i, 8>r

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