Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 39 (19.5.1925)
- Date
- 1925-05-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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JUßDISCHE RUNDSCHAU Seife 301 Zwei Jahre Transjordanien Von Dr.- J. Schechtmann, ßerlln. Vor zwei Jahren, am 25. Mal 1923, wurde in der Haupt* iiadt TransJordaniens, In Amman, mit großer Feierlichkeit jj{ Verkündung der Unabhängigkeit Transjordanicnt volU ((,jtcn, Es fand eine Parade der 700 Mann »tarken arabischen Arnico Transjordaulen* «tnlt, viele britische Flugzeuge inserierten während derselben über der Stadt. Der Htßh Commlssloncr von Palästina und eine An,*»hl arabischer «s'otabcln waren bei der Feier zugegen, Emir Abdallah vor« l„ den Wortlaut der Ihm von der Londoner Regierung ' Qtxrundten Unabhänglgkcltscrklärung, und Sir Herbert Sa« mucl gratulierte im Namen der englischen Regierung Transjordanien zur Erlangung der Unabhängigkeit. Er streifte j„ seiner Rede die großen Ereignisse der letzten Jahre und führte den Arabern vor Augen, daß es ihnen nunmehr möglich ist, ein freie» Leben zu führen. „Die Zukunft des Landes", sagte er, „liegt nunmehr in den HSndcn des Volkes selbst. Transjordnnlen wird das sein, wa» die Araber aus Ihm machen werden." Seitdem sind volle zwei Jahre verflossen, für ein junges l«nd eine zu kurze Frist, um endgültige Urteile zu fällen. Wenn man aber bedenkt, daß am 25. Mal 1023 eigentlich nur die formelle Unabhängigkeit Transjordanlens proklamiert wurde und daß das Land schon seit 1920 ein abgesondertes Leben führt, scheint es doch möglich und zeitgemäß, einige Schlösse darüber zu ziehen, was „die Araber aus Ihrem Lsnde gemacht haben". I, Lange Zeit war der staatsrechtliche Status Trantjördanicns unklar, Diese Unklarheit ist eigentlich anfangt nur infolge der eigenartigen Bedingungen der Kriegsteit entstanden, die niclif von politischen oder nationalen, sondern von rein militärisch-technischen Erwägungen diktiert wurden. Nach der Disposition der provisorischen Mitllärbcsctzung, die von Lord Allcnby getroffen war, bildete Transjordanlcn einen Teil der O. E.T. A. Out und stand daher nominell unter der Herrschaft Emir Fclsal*. AU der letzte am 2V Juli 1020 von den Franzosen aus Damaskus vertrieben und ersetzt uurdc, erhob sich die Frage, ob sie auch seine Rechtsnachfolger in der Regierung über Transjordanlcn seien. Damals aber bezweifelte noch niemand, daß Transjordanlcn einen organischen Bestandteil Palästinas bildet, das zum englischen Mandat gehört, und auf eine diesbezügliche Anfrage ant- «ortete die Pariser Regierung, dafl sie sich In die Angelegenheiten Trinsjordanlcns nicht einzumischen gedenke. Die arabischen transjordanischen Scheichs waren mit dieser Lösung vollständig zufrieden. Sie hatten niemals besondere Sympathien für die Regierung Feisals In Damaskus, besonders ds diese Aushebungen durchzufahren und Steuern einzutreiben versuchte. Die Engländer beruhigten sie in den für die Beduinen empfindlichsten Punkten, Indem sie die Versicherung abgaben, daß keine Aushebung und keine Entwaffnung beabsichtigt seien. Das genügte den Scheichs vollüindig. Die britische Verwaltungwuide also 1020 auf Transiordanlen ausgedehnt, aber nicht In derselben Form, wie .;ie In Clsjordanien h/stand. Es wurden gewiss« Flgcntümichkeiten des noch völlig primitiven Landes mit seiner nomadisierenden Bevölkerung berücksichtigt und ihm elno besondere Stellung neben Palästina eingeräumt. Die Autorität der >chcich* wurde beibehalten, mir daß sie britische politische Keimte als Berater erhielten. Das Land erhielt auch eine rlf.onc Verteidigung»- und Poll zeit nippe i die dort aufgebrachten Steuern sollten Im Lande sellmi verwendet werden. Ende August 1020 besuchte der neuernannte Hlch Commissioner Sir Herbert Samuel Transjordanlcn und erklärte den in Es Salt versammelten (ransjordanischen Scheichs und Notabcln, daß Cis- und Transjordanien einen gemeinsamen Hjgh Commissioncr haben werden und daß der Verkehr zwischen beiden Teilen absolut frei sein soll. Alles sprach dafür, daß Transjcrdanlen als ein organischer Teil Palästinas betrachtet wird, der nur ein für seine besonderen Verhältnisse'passendes Vcrwaltungssystcm erhalten muß. Ein Palästina und TransJordanien ginr. fernliegender Umstand änderte aber entschieden die Lage. Als Ende 1018, nach der Unterzeichnung des Pricdcnsabkommcna, die Frage irr Auswahl eines Herrschers für Mesopotamien von den britischen Behörden behandelt wurde, wurde hierfür der zweite Sohn des Königs Hussein von HedschaS, Abdallah, In Aus- «cht genommen, und 1910 hat, mit cngli&chcr Zustimmung, dne Qruppe von mcsopolamlscheii Notabein dem Emir Ab- Mhh die Krone des Irak angeboten. Die weitere Entwicklung der Ocschchnlssc modifizierte iber grQndllch diesen Plan. Im Juli 1020 wurde der jüngere Bruder Abdallahs, Fclsal, von den Franzosen aus Syrien vertrieben. England mußte für dlc^h Ihren Schützling, der »chon einen Königstitcl führtc.dn anderes Königreich schaffen, •m Juni 1021 fand In Kairo eine Konferenz statt, der der Kolonialmlntst»r Churchill und die High Commlssloncrs Pa- Allnas uttd Mesopotamiens b?Iwohnt;u. Es wurde u. n. beblossen, Fclsal die Krone Iraks anzubieten, und schon Im lull 1020 wird Fclsal vom „mesopota mischen nationalen Kon« Sicß" mm König von Irak ausgerufen. Emir Abdallah Ist um seine Hoffnungen auf die mesöpöla» "fache Kröne gekommen. Die britische Regierung hielt es J}>« für nötig, ihn zu entschädigen, um,-wie sich die „Jcwlsh wironlcle" ausdrückte, „einer Eifersucht zwischen den beiden Riüdern vorzubeugen", Sie machte Emir Abdallah den Vor-?d»lag. Ihm die Regierung des östlichen Palästina (Transir'fdanlcn) zu übertragen mit der Aufgabe, unter den Beduinen- "immen Ordnung zu schaffen. Abdallah erklärte sich von «itscm Vorschlag befriedigt und hat als Vertreter der "»ndatsrmacht die Verwaltung über Transjordanlcn "Her der Oberleitung des High Coinmhuioncr* von Palästina Provisorisch übernommen; anläßlich des Dcsuchet'Churfl'lili In Palästina wurde Emir Abdallah In seinem Posten als 'Wicrrscher von Anion und Moab bestätigt. Das bedeutete selbstverständlich Schon einen erheblichen ^iritt auf dem Wege der Absonderung Transjordanlens vom "»Igen Palä»tina. Weitere Schritte folgten. In dal Projekt Palästinamandates, das England dem Völkerbund vorgelegt "'t und das später, im Juni 1022 vor) dem letzten bestätigt *«rde, wurde g 25 hlnclngefügt, laut welchem der Mandatar "«rechtigt sei, in den zwischen dem Jordan und der Ost- 5'enze Palästinas gelegenen Ortschaften diejenigen Vorgriffen des Mandates, die er für dlt besagten Gegenden ^anwendbar hielt, zu Indern oder aufzuschieben, Laut dem itfln dieses Paragraohtn wäre England berechtigt, nur «in« telne sekundäre administrative Bestimmungen des Mandates In bezug auf TransJordanien zu Ändern, nicht aber seinen Hauptzweck, der In der Einleitung zum ganzen Mandat (In der Form einer Wiederholung der DoIfour.Deklerntlon) zum Ausdruck gebracht wird. England Ist »her viel weiter gegangen. Dem erfahrenen und klugen ersten Ministerpräsidenten Abdallahs, Rlda Pascha cl RIkabt, der dabei vom <ingl!»chen Residenten In Ainmnn, Mr. John Phllby unterstützt wurde, Ist es gelungen durchzusetzen, daß Im September 1022 Lord Batfour selbst, als Vertreter Oroßbrltannlcn« Im Rat des Völkerbundes, die Erklärung abgegeben hat, daß auf Grund des 8 25 des Palästina-Mandats die Bestimmungen für die Errichtung eines jüdischen Nallonnlhelmcti In Palästina auf Transjordanlcn keine Anwendung finden. Der Rat des Völkerbundes nahm diese Erklärung zur Kenntnis, wie auch die Mitteilung, daß der Orcnzzug zwischen Cis. und Trans. Jordanien folgendermaßen bestimmt Isti „Zwei Mellen Im Westen von Akaba oberhalb der Mitte des Waadl Araba, Ifings des Toten Meeres und am Jordan-Fluß bis zu jenor Stelle, wo steh der Jordan mit dem Jarmuk vereint. Die am 1. September 1922 veröffentlichte Palästinensische Konstitution („Order In Council") enthielt auch den § 6ö, in dem bestimmt wurde, daß „diese Order sich nicht auf die Gebiete östlich des Jordans und des Toten Meeres bezieht | dlo besagten Ocblele werden auf Orund besonderer Grundlagen, nach Anweisungen des 'Staatssekretärs für die Kolonien, verwaltet werden". Die Absonderung Transjordanlcn» von Palfistlna machte ununterbrochene und rasche Fortschritte. Ucl seiner Ankunft in London Im Oktober 1022 erklärte Emir Abdallah In der Presse: „Transjordanlcn Ist unabhängig von Palästina, es hat eine eigene Regierung und keinerlei Bc- Ziehung zu der Regierung von Jerusalem, mit Ausnahme der gemeinsamen Qrcnzlinle.*1 Diese Erklärung war zwar etwas vorzcltigi Im Oktober 1022 war es noch nicht so weit, Ein halbes Jahr später Ist aber diese Uebcrtrclbung schön zur Tatsache geworden. Anfang Mal 1023 begab sich der neue Zlvllsekretär der palästinensischen Regierung, Sir Öilbcrt Clayton, nach Amman; als Ergebnis seiner Unterhandlungen mit dem F.mlr Abdallah und seinen Ratgebern veröffentlichte die palästinensische Regierung die folgende Kundgebung! „Die britische Regierung Ist mit der Errichtung einer selbständigen Regierung In Transjordanlcn unter der Bedingung einverstanden, daß der Völkerbund seine Zu- Stimmung hierzu erteilt, die neue Regierung eine konstitutionelle sein und Großbritannien die Möglichkeit gegeben wird, die mit Bezug auf dieses Land übernommenen Verpflichtungen zu erfüllen". Keine von diesen „Bedingungen" Ist bisher erfüllt worden. Der Völkerbund hat seine Zustimmung zur Unabbänglgkeitserktärung Transjordanlens nicht erteilt —, w<urdc auch gar nicht danach gefragt. Eine konstitutionelle Regierung ist nicht eingeführt worden. Und doch hat sich England beeilt, seine Erklärung zu verwirklichen: am 25. Mal wurde Trans- Jordanien zu einem unabhängigen Staat —, völlig abgesondert von Palästina, In der Sitzung des englischen Oberhauses vom 4. März d. J. formulierte der Untcrstaatssekrctflr für das Kriegswesen, Oraf von Onslow, den prinzipiellen Unterschied zwischen der Lage Palästinas und Transjordanlens folgendermaßen: „Die Regierung führt In Palästina die Politik der DMlour-Dcklaratlon, die die Schaffung eines Jüdischen nationalen Heimel im Lande westlich des Jordans bezweckt, Im Territorium jenseits des Jordans erfüllt die Regierung die von Sir Henry MacMahon übernommene Verpflichtung, die Unabhängigkeit der Araber anzuerkennen und zu unterstützen." W) Kilometer von Jenisairin entfernt ist auf diese Weise ein t5000O Einwohner zählender ZwcrgMa.it entstände», der nicht nur von Palästina unabhängig, sondern auch unzweideutig dem entstellenden jüdischen Gemeinwesen in Palästina feindlich ist. Schon bald nach seiner Bestimmung zum Herrscher von Traiisjordanicn veröffentlichte Emir Abdallah während seiner Anwesenheit In London Im Oktober 1022 ein ausgesprochen antlzionlstlsches Interview In „Daily Expreß: „Palästina ist erregt", erklärte er, „die Araber sind unzufrieden, die zionistische Politik der englischen Regierung hat das arabische Volk entmutigt. Die Araber sind entschieden gegen die zionistische Immigration." Dieses Interview wurde zwar später unter englischem Druck Im Auftrage des Emirs dementiert, Indem erklärt wurde, daß Emir Abdallah „überhaupt keine Stellung zu den palästinensischen Angelegenheiten einnimmt". Das war aber nur eine gezwungene diplomatische Anrede, denn auch später hat der Emir dort, wo er sich ungeniert fühlt, aus seiner antlzlonlstlschen Einstellung kein O'helmnls gemacht. „Die Juden sind In Palästina nicht auf Orund des Rechtes, sondern Im Gegensalz zum Willen des arabischen Volkes", erklärte er In Anwesenheit des nraherfreundlichen englischen Hnuptresldcnten In Amman Mr. Phllby. der amerikanischen Journalistin Elisabeth TItzcl. Und dem verstorbenen Agudnh-Führcr de Haan gegenüber äußerte er steh noch energischen „Ich sehe kein jüdisches PaUIstlna, Solange die Eiiglfiiiücr in Palästina sind, wird die Politik englisch sein. Und sobald England dan Land vorläßt, Ist das Land arnhhwh. Iis li.t fielt Jahrhunderten cl« arabische« Land. Seit Jahrhunderten I" Uel diesen programmatischen fulndllchcn Acullcrungeu Abdallahs Ist es aber nicht geblichen. Er hut es durcligcnctzt, daß Transjordanlcn heute für dlo Juden ein völlig unzugfing. llchca Land ist. Der Begleiter von MIß TItzcl, Adel Uel, erklärte Ihr seclcnvcrgnügt: „Einige Juden, die aus Palästina herübergekommen waren, um hier Handel zu treiben, wurden Schnell über die Orenzc befördert." Ein noch härteres Schicksal hatten fünf Bpänlollschc Handwerker, dio versuchten, in Transjordailicn Beschäftigung zu suchen; sie Sind dermaßen gepeinigt worden, daß sie eiligst flohen. In türkischen Zelten flcgten sie JahraMs, jahrein ungestört über den Jordan zu ommen. Aüch einige jüdische Forscher, die zu wissenschaftllchcn Zwecken nach Transjordnnlen sich begeben wollten, erhielten keine RclaocrUubnla. Transjordanlcn bleibt allen Juden Völlig verschlossen, Eine nicht unbegründete- Sorge bereitet der |)aläaUncutischen Judcnhclt auch die Rolle, dlo Transjordanlcn In der rtillltErischcn Ausbildung der palästinensischen Araber spielt. Die traiisjordnnlscho Regierung veröffentlichte in der arabischen Presse Palästinas eine Notiz, In der «Ic die Araber tum Eintritt in das arabische Heer — angeblich zum Schulze der Hcdschasbahn — aufforderte, Es meldeten sich über 2000 Araber, von denen sofort mehrere hundert eingestellt und nach Transjordanlcn abtransportiert wurden. Dort erhalten sie — wie das Offizielle zionistische Organ „Haolam" meldete — im Laute einer halbjährigen Frist eine vollkommene militärische Ausbildung um cWn nach Palästina rurückiu-. kehren und von neuen Leuten ersetzt werden. Das bedeutet selbstverständlich eine offensichtliche und bedenkliche Um» gehung des allgemeinen Verbote« der palästinensischen Regicrung, an Irgendeiner militärischen Ausbildung teilzunehmen und eine ständige Ocfahr fftr die Jüdische Bevölkerung Palästinas.') II. Die Macht über Transjordanlcn Ist dein Emir Abdullah mit dem Auftrag übergeben worden, vor allem Frieden und Ordnung herzustellen und die arabischen Scheichs zu bändigen. An sich war diese Aufgabe nicht leicht, Die Türken hntten seinerzeit In Tr»iiR|otdanlcn eine Garnison von 50OO Mnnn und konnten keine Ordnung halten. Aufstünde, Räuhcreich und Uebcrfälle waren eine alltägliche Erscheinung. Da« war aber unter einer fremden und verhaßten Türken, herrschaft. Jetzt hat dan Land eine eigene nationale Regierung. Die Bevölkerung Ist in nationaler und rcli. giöscr Hinsicht einheitlich: sie ist arabisch und muRcliniliinisch. Es gibt keine protestierenden Minderheiten. Die 6000 Christen unterscheiden sich sehr wenig in Gebräuchen und Kleidung , von den Moslimen, und die 13 000 Zirknssler sind mehr an dem Preis des Getreides, nl« au der Politik interessiert; Juden gibt es mir zwei, die völlig arablslert »Ind. Nationale und religiöse Reibungen sind al»o ausgeschlossen. Und doch fehlt die elementarste Ruhe und Ordnung Im Lande. Die englische Regierung bemüht sich zwar, diese Tntsache zu verschweigen und die Lage als befriedigend darzustellen. In der Sitzung des Oberholls» vom ö. Mal 1024 erklärte der Uutcrslantssckrctär für die Kolonien, Lord Arnold, daß die Errichtung einer Verwaltung unter Emir Abdallah einen bc. deutenden Vorteil gebracht hätte: „Früher bestand eine dauernde Gefahr des Eindringens der Bcdulncnbandcn, deren Fcrnhaltung beträchtliche polltische und militärische Anstrengungen erforderte, Seit dem Tage Jedoch, an dem die arablseht; Regierung In Transjordanlcn errichtet worden Int, bleibt Palästina frei von Ucbcrfitllen seitens der östlichen Grenzen." Die Tatsache stimmt; Palästina Ist wirklich In den letzten Jahren von Ucberlällen verschont worden: das hat aber seinen Grund nicht In der Errichtung einer arabischen Regierung östlich des Jordans. Well diese Reglcnuig 'sich unfähig erwies, in Ihrem eigenen Laude Ruhe und Ordnung herzu, stellen. Wandernde Räuberbanden durchqueren das Land in allen Richtungen. Einmal wurde der englische Resident selbst im Ghor von einer Bande angefallen. Im August 1021 hat das Ucbcrhanduchmcn des Banditenwesens Im nördlichen Traiisjordanicn, Insbesondere das Auftauchen einer viel, köpllgen Verbrecherbaude au« dem Hauran die palästincn* sische Regierung veranlaßt, ein üctachcmcnt der britischen Gendarmerie nach dem El-Rcmtha Irbid Distrikt zu entsenden, um zusammen mit der Ortspolizei und den Franzosen gegen die Räuber vorzugehen. Am 24. August meldete die Reutcr-Agcntur: „Die Räubereien auf der transjordanischeu Grenze haben bedeutende Dimensionen erreicht; bewaffnete Uebcrfälle nuf Autos haben viele Verwundete und Tote zur Folge gehabt." Der Kampf (regen dieses Banditenunwesen erforderte große Kräfte und Mittel, die die transjordaiiischc Regierung nicht besaß, und schon im Budgetjahr 1023/24 sah sich die britische Regierung genötigt, Ihre Subvention dein Emir Abdallah zu verdreifachen (von 5000O Pfund auf 150000 Pfund zu erhöhen), da — wie sich die Bcgleitdenkschrift zum Budget ausdrückte — „die lokalen Mittel für die Aufrcchterlialtung der Sicherheit im Lande nicht ausreichen . . ." Im Mai 1924 versuchte zwar die Arbeiterreglcnuig Macxlonalds, sich dieser Bürde zu entledigen und weigerte sich, Emir Abdallah weiterhin diese nOOOO Pfund zu bezahlen; In der Slt/nng des Unterhaun"» vom MO. Juni erklärte der Staatssekretär der Kolonien, Thomas, daß die Reglcnuig keine llilf«(;cklcr mehr an Traiisjordanicn Im laufenden Finanzjahr leisten wird. Aber schon im März d. J. hat sich die neue konservative Regierung genötigt gesellen, die dem Emir Abdallah gewahrte Subvention um 55 000 Pfund zu vergrößern, mit der Bedingung, j,nn diese Summe für die Aufstellung und Unterhaltung einer ständigen Armee In der Höhe von 800 Manu Verwendung finden soll. Ohne diese militärische und finanzielle Unterstützung Englands wäre Emir Abdallah nicht imstande, die elementare Sicherheit In Transjordanlcn aufrecht zu erhalten und das Bandenwesen mehr oder weniger zu unterdrücken. Noch weniger Ist es ihm gelungen, eine gute Verwaltung herzustellen, das Vertrauen Keiner Untertanen zil erwerben und sie aus eigener Kraft zu regieren. Seine Verwaltung ruft unter den Arabern selbst heftigste Angriffe hervor. In der palästinensischen arabischen Presse sind schon 1023 Artikel erschienen, in denen Emir Abdallah beschuldigt wird, öffentliche Gelder für sieh und seine Berater zu verbrauchen, die alle In Traunjnrdanleii fremd sind und aus Syrien oder aus dem Hedschas stammen. Diese letzte Beschuldigung war eigentlich mehr demagogisch, als gerecht. Emir AlKlallah war gezwungen, solche „Fremde" heranzuziehen, well es unter den Einheimischen fast gar keine Gebildeten gibt. Er glnubtc auch, daß die echt arabische Abstammung dieser seiner Berater die einheimisch« Bevölkerung Veranlassen wird, sie nicht als „Fremde", sondern als Brüder zu empfangen. Er hat sich aber getäuscht. F>le Araber Traiisjordanicn« bezeugter, keine brüderlichen Gefühle für diese Ankömmlinge und waren wütend, daß di, -.r, als Beamte, luxuriös leben, Indem sie selbst In ichr hmükheit Verhältnissen sich befinden. Noch ctici'glschur grilf die Regierung Abdallahs der bekannte nrnhcrfrciiudliclie Lord Raglan an. „Aul Grund meiner Kenntnis der Lngc, die Ich während meines Aufenthaltes im Lande erworben habe, und auf Orund aus einwandfreien Quellen erhaltenen Informationen, behaupte Ich — erklärte Lord Raglan, in einem Interview im „Daily Expreß" daß Transjordanlcn unter der Herrschaft von F.mir Abdallah *u einem Herd von Korruption und Unordnung geworden i*t. Der Emir hat niemals vwinicht, sein Land zu verwalten, lir begnügt sich damit, den Meinen Tvianneu zu spielen und die Bauern zu ruinieren. l:r erhebt Steuern, um dio Möglichkeit zu haben, Keine Launen und die Launen seiner Cmu.,t. lliigc zu befriedigen. Ich behaupte und habe Beweise fiir nieiiio Behauptung, daß Abdallah 5ÖO0 Pfund der öffentlichen Kasse einnahm, um für einen Günstling ein Haus zu bauen ,., Die Entwicklung des Landes stiicst, well Steuereinkünfte, die für Chausseen und sonstige Aufbauarbeit bc- ») Erst Etidc April dieses Jahres teilte die Palästinarrglcrting mit, daß die Eintragung von Palästinensern in die Listen der Hedschns-Annco den LandcsgcseUcn zuwiderläuft und geahndet wlrdi da« war aber nur eine Folge des Abkommen« mit Ibn-Saud, nuf dt« wir noch zu sprechen kommen.