Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 39 (19.5.1925)
- Date
- 1925-05-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 358 JUEDiSCHE RUNDSCHAU Nr. 30 die sich in Ihrem Wortlaut beileibe nicht gegen die Juden, Iii der Praxis aber hauptsächlich gegen sie richten. So sind, zur Illtistricrung' dieser Praxis, In Oalizien 4000 ehemalige Elsenbahnbeamtc jüdischer Volkszugehörigkeit aufs Pflaster gesetzt und führen seit Jahren einen Kampf nicht etwa um Ihre Wlcdcrclnstellung, das wäre aussichtslos, sondern um eine bescheidene Abfindung, Auch die Stcucrgesctze verraten In Ihrer Fassung Äsolut nicht, daß sie die gefährlichste Waffe in der Hand der Regierung bei der Vernichtung jüdischer Existenzen «ind. Sie heißen, wie in anderen Ländern: Erwerbssteucr, Umsatzsteuer, Gewinnsteuer usw. Im Loben aber haben •le eine ausgesprochen antisemitische Struktur. Unnachnichtlich wird jüdischen Kauflcuten, Gewerbetreibenden, Hausbesitzern und Industriellen buchstäblich der letzte Qroschen aus den Taschen gezogen. Die Steuerbehörden scheuen nicht davor zurück, bei der Steuerbcmessun? Juden und NIchtjudcn derart verschieden zu behandeln, daß der jüdische und nichtjüdische Inhaber desselben Geschäftes Im Verhältnisse von 4 *. 1 bis 10 : \ bcsteuert werden. Die Einführung von Staatsmonöpolcn bot der polnischen Regierung die willkommene Gelegenheit, hunderttausende jüdischer Existenzen zu. vernlchten. Das zeigte sich besonders bei der Einführung des Tabak- und Zigarettenmonopola in Kongrcßpolcn. Seit jeher waren Zigarettenfabrikanten und Zigaretten* arbeiter in Kongrcßpolcn zum tiberwiegenden Teile Juden. Die Einführung des Tabakmonopols nahm nicht nur den im Tabakgeschäft tätigen jüdischen Unternehmern, sondern auch den ungezählten judischen Arbeitern und Kleinhändlern die Vcrdlcnstmöglichkeit, da die Regierung allmählich die jüdischen Zigarcttcnnrbciicr entließ und die Zigarettcii'Verschlcißstellen nur Nichtjuden Ubergab, Einen Hauptschlag führte die Regierung gegen die jüdische Bevölkerung in der Angelegenheit der Konzessionen. Insbesondere im ehemaligen österreichischen Teile der polnischen Republik befaßten sich zahlreiche Juden mit dem Verkaufe von Spirituosen, Tabakfabrikafen, Salz und dergleichen. Die Befugnis zum Verkauf dieser Artikel war an die Ocwiihrung von Konzessionen gebunden. Die Zahl dieser Konzessionäre belauft sich auf etwa 35 000. Das Ministerium Grahski entzog nun mit einem Federstrich auf Grund einer dieser Regierung zur Stabilisierung der Finanzen gewährten befristeten Vollmacht einen Tag vor Ablauf dieser Vollmacht allen Inhabern, die «dt Jahrzehnten innegehabten Konzessionen, angeblich um sie Invaliden und Kriegsbeschädigten zu verleihen. Dieser Entzug erfolgte ohne die geringste Entschädigung. .Faßt man ulle diese Maßnahmen zusammen, so ergeben sie ein Bild eines rücksichtslos durchgeführten wirtschaftlichen Ausrotlungskricgcs gegen die jüdischen Existenzen. Vergeblich sind alle Interpellationen der jüdischen Abgeordneten, vergeblich die Verzweiflung*- schreie der betroffenen jüdischen Berufsorganisationen — die Regierung hat für alle Klagen taube Ohren. Hierbei befolgt sie eine geradezu aufreizende Methode: in Erklärungen und Beschwichtigungen tut sie äußerst konziliant und leugnet die antijüdische Absicht. Immer wieder beruft sie sich auf StaatsnotwendigUcitcn und die allgemeine wirtschaftliche Krisis, für die sie nichts könne. Hinweise auf unzählige Vorkommnisse, aus denen die antijüdischc Tendenz eklatant hervorgeht, werden von den polnischen Ministern mit erstaunten und ungläubigen Mienen aufgenommen. Die gleiche Schcinlieiligkclt wird von der offiziellen polnischen I\>lltik auch im Auslände in Anwendung gebracht, wenn das Ausland sich nach den polnisch-jüdischen Beziehungen erkundigt Und das tritt fast Immer ein, wenn die polnische Rc« gierung in ihrer finanziellen Bedrängnis sich an den ausländischen Geldmarkt wendet. Kommen Vertreter des Auslandes nach Polen und lernen aus eigenem Augenschein die antijüdische Praxis der polnischen Politik kennen, so wird Ihnen seitens der polnischen Regierung bedeutet, daß das polnisch-jüdische Verhältnis darum viel zu wünschen übrig lasse, weil die Juden In Polen nicht genügend patriotisch sind. Auf den Einwand, daß es den polnischen Juden sehr schwer gemacht wird, patriotisch zu sein, erfolgt von polnischer Regierungsstelle eine ausweichende Antwort. Dieses System des Ableugnen«, Bcschöulgcns und der Schcinlieiligkclt In der Behandlung der Judcnfrage vor dem Auslande hat in der letzten Zelt vollständigen Schiffbruch erlitten. Die In den Vereinigten Staaten aufgelegte polnische Anleihe ist vom amerikanischen Publikum nicht gekauft worden. Der polnische Außenminister weiß, warum das Ausland so wenig Vertrauen in polnische Kapitalanlagen setzt. Ein Staat, der den regsamsten und wirtschaftlich rührigsten Teil seiner Bevölkerung von der Arbeit in der Volkswirtschaft ausschaltet, untergräbt in der ganzen Welt, das Vertrauen zu seiner wirtschaftlichen Prosperität. Dorum hat der i>olnischc Außenminister in den letzten Tagen in die innere Juden- Politik eingegriffen, Anläßlich der Anwesenheit eines hervorragenden amerikanisch-jüdischen Kapitalisten hat er in Aussicht gestellt, daß eine Regelung der polnischjüdischen Beziehungen in der nächsten Zeit in einem den Juden günstigen Sinne erfolgen werde. Totsächlich hielt der polnische Außenminister mit dem Obmann des jüdischen Sejmklubs, Dr. Reich, eine Besprechung ab, in der er vorschlug, Herrn Luden Wolff aus London nach Polen zu berufen, damit dieser zwischen der polnischen Regierung und den Juden vermittle. Bisher wurde seitens der polnischen Regierung gegen die polnische Judcnhcit Immer als schwerster Vorwurvf erhoben, daß sich die polnische Judcnhcit hilfesuchend an die „anonyme Macht" der Auslandsjudenhelt wendet. Ntir.mchr schlägt die polnische Regierung etwas vor,- was sie bisher geradezu als Landesverrat gebrandmarkt hat. Woher diese Sinnesänderung? Offenbar well sie vermutet, der assimilierte Westjude Luden Wolff werde gerade in der brennenden Frage der nationalen Entrechtung der polnischen Judcnhcit viel nachgiebiger sein, als die Vertreter des jüdischen Sejmklubs, die In Kenntnis der Bedürfnisse ihrer Volksgenossen In diesen Fragen nicht nachgiebig sein können. Es ist selbstverständlich, daß Dr. Reich den Vorschlag des polnischen Außenministers nur mit sehr gemischten Gefühlen aufgenommen hat und daß die polnischen Juden, die In den letzten Jahren, um jedem Vorwurf des Schiclcns über die Landesgrenzen zu entgehen, sich gehütet haben, ausländische Judcnhllfc anzurufen, es jetzt ablehnen müsse», mit Hilfe ausländischer Juden in ihren, nationalen Rechten verkürzt?»werden. Die ■ Forderungen der polnischen Juden gipfeln In drei Punkten: Einstellung des wlrüehafHieben Ausrottunjskrieges, tatsächliche Gleichberechtigung und Erfüllung der kulturellen Bedürfnisse (Schulwesen). Das Ist das Minimum dessen, was sie auf Grund der bestehenden Verträge und auf Grund ihrer Leistungen für den Staat zu beanspruchen berechtigt sind. Die Aussicht, daß die jüdischen Forderungen von der polnischen Politik restlos berücksichtigt werden, sind trotz der letzten Ankündigungen des polnischen Außenministers sehr gering. Unverzeihlich vom jüdischen Standpunkte wäre es jedoch, wenn die Juden ausdrücklich auf das verzichten, was ihr gutes Recht i«t. Darum ist es begreiflich, daß sie die Eiuniengung von ausländischen Faktoren ablehnen, die von der polnischen. Regierung .zu Hilfe gerufen werden. M. W. * Mr. S. E. Lam por t, der sich im 11 Mai im Aeroplan nach Prag begab, erklärte dem Warschauer J. T. A.-Vertreter, seine Konferenzen mit dem Ministerpräsidenten Orabtkl, dem AuOcnministcr Skrzynskl, dem Ilaiidctsmlnlstcr Kc- Nr.'-1''" i> i iuM.uiu.a.1. i Arthur Segal i i..-i.'U'«.'jaii.mi' m uihiimu» iibü n'iiu i iijuhi. mim1 nittn.i......ib.1. .'ji'tji1 ii'i dron, dein Präsidenten des Jüdischen Parlamentsklubs r> « Reich und anderen maßgebenden Persönlichkeiten hatten ih f von der Möglichkeif einer po I nl s ch-j ü d isch.,' Versündigung überzeugt. Lamport setzte den Mit nlstern auseinander, wie sehr Polen gewinnen wurde, wrr. den Juden die Möglichkeit zur freien Entwicklung ihrer Ener" glcn gegeben werden würde. — Der „Momonl" fragt, wanjm öle Mitglieder der Regierung mit dem Ausländer Lamport Jüdische Fragen konferierten, nicht aber mit der j>jrlamcil tarischen Repräsentanz der polnischen Judcnhcit, Die Zutunr weist darauf hin, daß Lamport Mitglied des Anleihekonsortiwm In Amerika Ist. ms Hat Wendung In der polnischen Judenpolltlk? Warschau. (J.T.A.) Der polnische Außenmlnhir Skrzynskl lud am 14. Mal den Präsidenten des jfidischui Parlamentsklubs, Dr. Leon Reich, zu sich ein und besprach mit Ihm die jüdischen Probleme in Polen, \vohe der Minliter seine Hoffnung auf eine günstige Lösung üt', Juden frage aufdrückte. Er sprach von seinen Unterredungen mit dem anierikfliiisch-Jlidlfchen Führer Lamport und (..in leine Absicht kund, Herrn Luden Wolf aus London ein. zuladcn, damit dieser zwischen den Juden und der polnischen Regierung vermittelt. Dr. Leon Reich legte dem Minister die jüdischen Forderungen vor, die In folgendem gipfeln: 1. Endt de* Wlrtsehaftskampfe» gegen die Juden*. 2. wirkliche vollp Gleichberechtigung; 3. Erfüllung der kulturellen Bedürfnis In Jüdischen Kreisen wundert man »Ich, wie es kommt, daß der Außenminister über Innere Staatsangelegenheiten verhandelt. In Jüdisch-politischen Kreisen lehnt man einr Vcr in 1111 u » g Luden Wolf» ab und fordert, d»f, die Regierung mit dem P ar I a m c n tsk 1 u b a|$ der wirklichen 'jüdischen Volksvertretung dlrektvcr handelt. Warschau. (J. T. A.) In einem Interwlew mit dem J.T.A.-Vertreter nagte der Präsident des jüdischen Pari*, meiilsklubs in Polen, Dr. Leon Reich, die Besorgnis, die die jüdischen politischen Kreise bezüßtich der beabsichtigten Einladung Luden Wolfs als Vermittler zwischen den Juden und der polnischen Regierung geäußert haben, sei über, trieben. Die Frage der Einladung Mr, Wolfs durch SkrzynsVi Ist nicht aktuell. Aus dem Gespräch mit drin Aufiomiilni-.iif h*bc Reich den Eindruck gewonnen, d.iO auf der Seite der Regierung der gute Wille zu einer Lösung des jüdischen Problems besteht. Die Hoffnung, auf eine baldige VerMJn dlgung sei darum berechtig». Möglich Ist, daß schon in g.in? kurzer Zeit Einzelheiten über die zrur Verhandlung stehenden Fragen bekanntgeben würden; heute wäre eine solche Mit teilunc verfrüht. Der Raub der Jüdischen Konzessionen Warschau. (J. T. A.) Auf der Tancsordnung 6ti \ nächsten Sejm-Sitzung steht die Abstimmung* über die Fraje der Rcvidicrung der Konzcssionsvcrlclhungcit in ganz. Polen. Bekanntlich hat die Scjin-Kommission ungeachtet der jüdischen Proteste die Verfügung der Regierung bestätigt, wonach die Monopolkwnzessloncii betreffend dcn.Vcrkauf von Tabak, Spiri tuosen usw. den blslierlRen Besitzern entzogen und Veteranen, Kriegr.witwcn, sowie früheren Beamten verliehen werden. Bei Durchführung dieser Verfügung wurden etwa 35000 jüdische Familien mit mehr als 150 000 Seelen, die zum wirtschaftlich schwächten Teil der Bevölkerung gehören, brotlos werden. Auf Grund einer Interpellation des jüdischen Parlamentsklubs .sollte die Frage vor das Plenum des Sejm kommen. Nunmehr aber beantragte die Regierung Vertagung der Angelegenheit weRen angeblicher Erkrankung des Regierungreferenten. Wie der J.T.A.-Vcrlrctcr erfährt, ist die von Thuglitt geführte linke Baucmgruppc Wyzwolcnic entschlossen, die Behandlung der Frage schon in der nächsten Sejm-Sitzung zu erzwingen. * Wa räch au. (I. T. A.) Der jüdische Parlamcntskluh von Polen inlerpelllerle Jen UnterrlchUminlstcr wegen der gefährliche» Judenhetze, die In den Volksschulen, besonders in den kleineren Orten-vor sich geht. Als Beispiel für die SchuHhcmcn, die den Kindern aufgegeben werden, führten die Interpellanten die folgenden an: „Die jüdische Pest vergiftet die polnische Seele." — „Der Jude Ist eine Schlange an unserer Brust" — „Wer Im Kampf mit den Juden Blut vergießt, der dient Polen." „Hinaus mit den Juden aus Polens Grenzen." uff (i-■ .,*■<" fc.'V V ■k'Jh'V' eine I1, r; u<*il.;iV «,ar. {.;,', M"d;v: X - M' [Vi ■!t t ' .Vi *nl%.~. , die ).\ f , i schleif: im stellt i i' j; j| mkc>! i': f' V/am I :<■'!; P3l5f! iu -'H V < -U_J.---l'.U.UI . (Zur gegenwärtigen Gesamtautstellung im Graphischen Kabinett, veranstaltet anläßlich eines 50. Geburtstages.) Das, was wir als ausgesprochen jüdische Kunst bezeichnen, stammt überwiegend aus dem Osten. Aber ebensowenig wie uns der Olücksfall eines kleinen Stammes eingesessener palästinensischer Juden dam verleiten darf, die jüdische Kunst mit dem absoluten Rassenmaß der orientalisch-südlichen Kunst zu messen, well an die überwiegende Mehrheit der Suchenden Im Oohis zu denken gegenwärtige Notwendigkeit Ist, eben so wenig darf die Oberfläche des nlchtjudischen Europäcrtums in» andere Extrem führen, daß der westjude nur europäischer Künstler Ist. Wenn wir genauer zusehen, werden wir e» fasPlnimer erfahren, daß auch im scheinbar durchaus Individuellen Kunstler alch das Blut nicht verleugnet, i .Der Künstler Arthur Scgat, seit Jahren einer der PQhrendcn , V) der Btwtaung d« jungen Kumt, echclnt auf den criten «ick solch ein nur — europäischer Künstler. Gegenwärtig £ ht er In einer größeren Ausstellung fm Graphischen Kabinett «Pen Ucberblick Ober seine Entwicklung. Zur Qesamtauj. Stellung fehlen zwar die Holzschnitte, die In früheren Jahren von 1911 an der „Sturm«1 veröffentlichte und von denen eine Ausstellung m vergangenen Jahre eine ganze- Reihe zu- «angheh machte; was aber da ist, genügt, wenn auch diese Molischnitte wertvolle Ergänzung sind* ^.i.ut,,c? "he" wlr.e.Inen Wc£T- «> konsequent und folgerichtig wie die Entwicklung, die Arthur Segafaclt »11 nahm. y P«r Impresilonlsmu» war der AnitoO. Holzachnitte In lunfmanlor geben davon Kunde, daß er eine Erschütterung fÄV1' % "Efä *,n? ~'da0 er ihm Einblick gab in die MögmuHHtuJ» BlWe*. Und derauch geistig helläugige Künstler mit der Kraft, die dem Willen zu Farbe und UcM unbedingt dienen wollte, griff die Möglichkeiten an. wuchs mit den i'roblemenj; erkannte die Verjüngung Im Bildaufbau aua der mir.*,lvr/A,l»V,icicr.Vnif des Bildes, wie In der Bildkomposition mit Würfeln. Zylindern, Pyramiden und auch dl« grofle latzte Reinigung durch die reine Farbe. Wenn man Scgal-Bilder neben ander« Bilder neuer Richtung hängt, unterscheide alt «ich sofort und erheblich, we Farbe Ut da, ile leuwiW.- aber noch mehr» alt begnügt sich nicht nur damit Melodie zu - sein oder Harmonie als tiefer reichender Wert, sondern sie will bauen. Scgals Farben wirken wie Paukldtzer,- es stecktein Ruf nach Plastik in ihnen; denn durch Farbabstufung modelliert Regnl <|en Raum in |cdo Farbeinheit. Seine reinen Farben bestehen nllo für sich nebeneinander, aber nicht regellos. Schon früh fand Scgal für sie du» Prinzin der Einheit — Einheit wie ein Atom — wie ein Batuicgcl. Nirgends deutlicher als hier zeigt es sich, daß der Künstler als Organismus etwas durchaus Logisches Ist: der Teil kann aus nicht* anderm bestehen als das Oanze. Der Gesamtrythritua wiederholt alch In den Teilen. Und diese einzr-Inrn Teile •— Urformen oder Teile von Urformen — offenbarten Ihre Immanenten Kräfte, zeigten, daß die einfache Form durch die Oflenbaxung des Ausdruck» zu belohnen vermag und so wiederholte Mch In der Folgerichtigkeit der Kunst »treiiL'cr Ocsctzc dasselbe wie in 3er Musik, daß gerade die scheinbar strengsten Ocsctzc Möglichkeit für größte Freiheit gewähren. Arthur Scgal hat den Kubismus nicht erfunden, er zog auch nie seine äußersten Konsequenzen. Aber er wäre nicht In ihn hineingewachsen, hätte er nicht Im Experiment selbst nach Erneuerung gesucht, hüttc es ihm nleht selbst auf Schritt und Tritt Bestätigungen gegeben. Dvr Skeptiker s,agt hier vielleicht; Mode. Wer aber die Bilder kennt,-namentlich diesen einen weiblichen Kopf voll unerhörter Plastik, der sagt-da« nicht; denn hior sieht er mehr. Den Willen zur Klarheit, zur großen Linie, zur Plastik, er Ist südliches Erbgut. Der Westjude als nordischer Europäer, der hat" hier den Orund nicht, <He Grundlage, die einfache Formen Aufnimmt, die da« Dreieck als Symbol benutzt, die Rechteck Kreise, Halbkreise, Parallcltelle, Zylinder als Bildglicdcrungcn aufbaut'wie auf iihrtauscndaltem feoden, diese Grundlage Ist Orlcutrühc, aber auch Orlentfeucr, gcdörrter Sand und gewohnte Sonncnglut. Wenn starke Einschnitte wie eine solche Otlederuns: und Aufhäufung ungeheurer Energien sogar Stelgerungen zuläßt, dann muß ea in einem Grunde sein, der etwas herzugeben vermag. Die Bilder der letzten Jahre mit-einigen Vorläufern aua dem Jahr6 1022 scheinen mit ihrem reinen .Weiß und stärkstem Emailblau kaum einer weiteren Steigerung fähig. Der Durchbruch zu Plastik und Süden arfolgtc von innen her. Wer auch aua den Kreisen der Nlchtexprcaslonlstan über den iuSeren Anblick der PatzeUenteilurtK hinweg den Willen :\ hat, einmal nur das Bild selbst sprechen zu lassen, wild sehen, daß Wege hinein führen; steht vor dem Bilde wie vor einer Oeschlchte, die sich auch erst nach und nach erschließt. Und dniui wird er sagen, daß gerade Arthur Scgal« Weg klar Ist. Klarholt Ist ja das Ziel Jeder heutigen Entwicklung. Den Niederschlag der inneren Entwicklung, die ich eben skizzierte, stellen auseinandergelegt die ausgewählten Bilder dar. frühe Scebüdcr von 1013 und 1014 haben noch den breiten malenden Strich, Das Meer ist Badestrand, jede Welle kann eich heben, es ist durchsichtig und leicht, nicht schwer. Er m.n't die Bewegung, dis Immer wechselnde Fühl — Weite —. Die Farbe Ist stark an sich, kommt aber nicht als solche rur Geltung, dem Strich merkt man et an, daß er ein Provisorium Ist, es strebt alles auseinander. In ein schönes Winterbild »17 ist schon 60 etwas wie Ollcderung gebricht. Es wirkt ruhig. Die blaue Farbe tflbt den Orundton, aber Stinunun« l*t noch der dominierende Klang. Aber schon tQ13 bringt den Umschwung. fXi« Bild oclitor Frau zeigt das neue Prinzip zum ersten Mali Für jede Naturforra eine Urform. Hier versuchte er es auch, das Bild räumlich aufzuteilen.' Die Hauptelement«, Form und Farbe, elnd in Ihrem Rildwert und In Ihrer Beziehung zueinander erkannt und angedeutet schon benutzt. Die Verwendung paralleler Linien und Plächen, die Aufteilung des Raumes durch die Darstellung jeder Dimension fst hier angefangen. Der Strumpf zeigt schon die Verwendung der reinen Farbe In Arthur Segafs typl<*her übstufende» Bindung. Die Einheiten, die anater folrrcrlchtig die Faszetten werden, sind hier vorgebildet, ebenso wie die steigernde Weiterbildung zu der Farbhclllgkclt der letzten Bilder. Den naturwissenschaftlichen Entwicklungshlstorikern mschl solch ein Bild natürlich «Inen Strich durch die Rechnung, denn alle» lat da zum Greifen, und doch Ist es gefolgt von Bildern, die noch einmal Entwicklung zeigen, aber materialistisch, wenn man no sagen darf, als ob die Entwicklungstheorie t nicht aussterben dürfte. Statt des geniale" Sprunge« feigen die Brucken. Die Bildtcllung erfolgt nicht aus Inneren wldspannungen und der Lösung durch das Ütscl'i sondern physikalisch optisch. Zwei Bilder aus dem Jahre »21 ..StraBe bei Nacht mit Bäumen" und „Leben de« Wensehen'* werben-ebenso wie 1023 Helgoland für diese Anschauung, die das Prinzip des Filmbildes die unendlich schnell« den \|!, rcvol,\i' als ei|ij..| U:;:iv mit <:,! i Land',, new«;: I,' niiscl'.;,!, Lumi l Messel erst m'. unter':,., mit i sehn- ■ i Schiff,- und das '! entst.'. | drittt |.' Bette', / Spch',') SchiK;, zehn'11,, vier';; bar, sich rieht!'1 , -H -I das ■ ► - . ') il1 was . ■;.',! Auf; zwiny., Tain-. fahret iyes n dem,; l" verä^ nichi1 die -'i .\ uns , sind V tige.,-: wircS. stirrij1 grar/, ersd unst! Seh'.. fONl* zum'J Gen ";>;>. Auf«:,'! P le;' luna auf i durc! ': folg'.,'. Wie.;:' rrerif!- dur('v licht!, deut Ist veri Eint t i : ■. |!:' r'. N < '.h.i Am yM. i CH:<>i' Cur. " *aw-.>\ Brrl f. zum ,-, tür-Vt1" Schi'i'V' WqM! daß -ji. vetj; 1: mit Üi" l'inil i'Ji I fast. i '! der. i!»': ' ■■ *h\lj. . , « )r'i'. *'«■'■'• S,Ö<I ' 1| uf;!- IvtiCi.') ■ u-M.'A't} ques^ S,l»«r)" Ku| . f , r