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Jüdische Rundschau · 1925-05-19 · Heft 39 (19.5.1925) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 39 (19.5.1925)
Date
1925-05-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer 0,30 Ooldmmk \ r*7;U l -J tL O) ^V? V ^~~*\J ^^Mt^^MI^ t~~~\^1j7l /^TnTI (—3 c~1 ö(L? r-a C«. ^.*«3 (iL »-.mJ] tu t1 Sektion und Verlatf W 15, MeinckettraOe 10. Enchtlot Ihn DicnaUJ und FrclUf. Buugiprcii bei der Expedition p0n»tlloh 135 Goldrawk, Vi«rt«l|lbrlieh 5,25 Goldmuk. ()1i,jj,»txion»oioU «nrdca In dtr WlhrunJ dtr «lonln« Uadar t>«r<ctu<l Nununor 39 Berlin, 19. V. 1923 Anzeigen -Verwaltung Jüdisch« Rtindich«« G.m.b.H., D»rlinWl5, M«ln«ke*if.lO Teltphoni Amt BUmwck 71611—70. A»»«U«opr»liiei«ip»l»JJ«ii|«M»m«»l'««i*>O^M.Sil«lltil»Midi«OJOO^M. Aat«l««u<JitaOi DWatUJ md FrtlUg ■ «•hnltl*< 4 Ukr. '!|Hlia^S«>CaBCUJB»aaS.8KH,J rrzsccesnoi Telephon! Bismark 7165- 70. PosUchockkontoi Berlin Nr. 17392. FOr OnUtnlcXl Poilin«rlnil»n«oil Wim, Konto Nr. 156030. FüfTich»choilow«Wli Pottipirkiittnarat Prag. Konto Nr. 5? 410. Für r*l«m F«iltp(i>kiM«sinl Winehiu, Kogl« Nr. IM70*. RediktlonMchluQ Sonntag und Mittwoch nachmittagn"Din o^k XXX. JabrK. \(tr ]«**" Zionismus «rslrobt fflr das Jüdische Volk die Schalruno einer öffentlich ■ rochtllch gotlchorton Holmatatto In Pnlüatlna. „Daaolor Programm." Eine neue Rede Amaerys i London. (J.T.A.) Aus'Anlaß der Eröffnung des neuen Palästina-Pavillons auf der bririjthen Reichsausstcllung zu Wcmbley am 12. Mai veranstaltete das Komitee des Pavillons ein Festessen, fJ welchem eine Reihe britischer Persönlichkeiten ge- [jden waren. Der Hauptredner war der britische Kolonienministcr L. S. Am cry, der einleitend feststellte, dtr gegenwärtige Palästina-Pavillon sei teicher und schöner ausgestattet als der vorjährige, und die Palästina-Regierung sei in diesem jihre viel besser repräsentiert Sodann kam Mr. .Amcry auf seinen jüngsten Besuch in Palästina ju sprechen und erklärte, die Schön hei t des Landes, die historisch bedeutsamen' Ortschaften, die großen wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes und die wundervolle Arbeit, die die britischen Beamten unter «hr schweren Bedingungen vollbracht haben, hätten ia Ihm den GlaubenandleZukunftPalästlnas befestigt Mr. Amcry fuhr fort: Palästin abraucht jetzt mehr Kapital und mehr Bevölkerung. Es form schon heute ein Anwachsen sowohl der jüdischen als auch der arabischen Bevölkerung gut vertragen. Er sei überzeugt, daß Araber und Juden harmonisch zusammen leben und zusammen arbeiten können. Jüdische Arbeit und jüdische Intelligenz haben beispielgebend und anspornend auf das Arabertum gewirkt. Die Juden bringen nicht nur Kenntnisse, Kapital, sondern auch Idealismus Ins Land. In den letzten fünf Jahren hat sich die arabische Bevölkerung um 80 ODO, die jüdische Bevölkerung um 50000 Seelen vermehrt. „Die Entwicklung der jüdischen Kolonien und das neue Slcdlungsuesen haben auf mich einen starken Eindruck gemacht, im meisten überraschte mich das intelligente und zugleich' gesü.ndc Aussehen der Jüdlschen'Klrider auf dem Uandc, Die zionistische Bewegung hat mit ihrem Kapital und ihrer Aufsicht sehr viel zur. Entwicklung beigetragen. Palästina erzeugt Bodenprodukte von hoher Qualität, die eine große Bevölkerung ernähren könnten. Während meines Aufenthaltes in Palästina ersuchte mich Herbert Samuel, den palästinensischen Produkten Meistbegünstigung (Imperial Prcfcrcncc) zu gewähren. Obwohl Schwierigkeiten konstitutioneller Natur dem entgegenstehen, untersuchte ich diese Angelegenheit. und hoffe, es werde möglich sein, die Sache günstig zu erledigen. Die neuen Industrien, die ich besichtigt habe, waren gut entwickelt und fundiert. Die Haupt- Schwierigkeit besteht in dem Mangel an einem gut ausgebildeten Transportwesen. Ich hoffe, mit dem. Bau des Landungsplatzes in Jaffa und des Hafens in'Haifa wird der Palästina-Industrie die nötige Bequemlichkeit zum Export, der Produktion und dem Import des Rohmaterials gegeben sein." Zum Schluß sprach Mr. Amery über die Notwendigkeit der Hebung des Touristenverkehrs in Palästina. Durch Schaffung besserer Hotels und besserer Verkehrsmittel wird Palästina eine größere Anziehungskraft auf die Touristen ausüben. Das abschließende Urteil über Palästina Lst: Es wurde der Qrundstcln zu einer sehr guten Sache gelegt. Der nachfolgende Redner Mr. Raoul Foa, Direktor der Englisch-Acgyptischen Bank, führte aus, er teile durchaus Mr. Anicrys Ansichten über die Zukunft Palästinas. Palästina erfüllt alle, die zu seiner Entwicklung beigetragen haben, mit Stolz und Genugtuung. Die Englisch-Acgyptische Bank hat gleich zu Beginn des neuen Aufbauwerkes Geld in Palästina vorgestreckt; er freue sich, sagen zu können, dnß die Darlehen pünktlich zurückgezahlt werden. Dem Festessen wohnten u. a. noch die folgenden Persönlichkeiten bei: Sir Gilbert Clayton, Sir Alfred Mond, Baron jnmtt de Rothschild, Sir Adolph Tuck, O. E. d'Avigdor Goldsmld, Walter S. Cohen, Dr. Q. Halpcrn, Major-'R.- T.'litt lc (Kommissar des Palästina-Pavillons), der vor kurzem ernannte Leiter der Zentralbank der Kooperativ-Gcnossenschaften in Palästina H, Vitcles, Generalleutnant Sir A. H. McMahon, Major H. L. Nathan, Leonard L. Cohen und.Captaln L. W. Charley. Der Dcsccli Rothschilds In Sichron Jerusalem. (J.T.A.) Zum Empfang Baron Rothschilds veraammcltcn sich alle Kolonisten von Sichron- Jaakob und die Vertreter der jüdischen Zentralorganisation in Palästina in der Synagoge. Als Baron Rothschild in der Synagoge eintraf, wurde er.von einem Vertreter der Kolonisten, des Waad Lcumi, der Organisation der Kolonistensöhnc „Bnei Benjamin", der Ycmcnitcn und der Arbeiterorganisation Palästinas, durch Ansprachen taßrüBt. Baron Rothschild dankte für die ihm erwiesenen Ehren und appellierte insbesondere au die junge Gene- »tion, in den Spuren der Väter zu wandeln, im Lande *u bleiben und die Landwirtschaft in allen Ihren Zweigen zu entwickeln. Er wies darauf h'"» daß jüdische Religion und Tradition im neuen Nalionalhclm den ersten Platz einnehmen müssen. Am Nachmittag desselben Tages traf Baron Rotschild Jlt Sir Herbert'.Samuel in Mcir Schcfeja, einer Siedlung in der "Nähe von Sichron-Jaakob, wo Lady Samuel eine Schule für Waisenmädchen begründete, zusammen; Zu Ehren des Gastes.wurde ein Essen gegeben, ^sprachen hielten: Sir Herbert Samuel und Lady Sa- Juel, Baron Rothschild, Colonel Symes, der Gouverneur «r Nordprovinz Palästinas, ferner Nahum Sokolow N Ussischkin. Sir Herbert Samuel sagte, der Bc- '^H Baron Rothschilds bedeute immer ein großes Ereig-!'* in der Geschichte Palästinas, da er ein Wohltäter der "den und auch der Araber Ist. Baron Rothschild dankte »vegt und sagte, er freue sich, in Gesellschaft Sir Her- Samuels zu weilen, der Palästina so weit emporge- ]'3cin hat und im ganzen Lande beliebt ist Er beklage Jnim gleichallen den bevorstehenden Rücktritt Sir ^rbert Samuels von seinem Posten als Oberkommissar, "prr Nahum Sokolow erklärte, die gesamte Judcnhcit »icke zu Baron Rothschild mit Liebe und Verehrung auf. y^Uchkin sagte, Sir Herbert Samuel,,Baron Rothschild Nahum Sokolow symbolisieren die dem Aufbau a'ästinaa «Ich widmenden drei Kräfte: 'Politik, Land ,I1(J nationaler Oclst. . Die Gesellschaft begab sich sodann nach Sichron-Jaawo sie von den Kolonisten zum Tee gebeten wurde. Geschäftsläden waren geschlossen, auch die Arbeit;"<c, der Tag wurde zu Ehren der Gäste alt Fest began-!ttl,;•..<; * fll5l21Sll3 ^®Äll Colonel Symes Nachfolger Sir Gilbert Gaytons Der Qotiverncur des palästinensischen Norddistrikts, Lletit. Colonel G. S. Symes ist zum ersten Zlvllsckretär der Pa Jästinarc(jicning als Nachfolger des vor kurzem zurückgctretC' nen Brig.-Gcncral Sir Gilbert Clayton ernannt worden. . Der erste Zivilsekretär ist nach dem Hlßh Commlssloncr der rangälteste Beamte des Landes. In administrativen An gclcgcnhcitcn ist er der erste Ratgeber des Oberkommissar« und vertritt denselben während dessen Abwesenheit von Palästina. Oer Waad Lcumi und die Verhandlungen all der Agadih Jerusalem. (J.T.A.) Der Waad Leuml hat den Vor schlag Dr. Weizmanns, einen Vertreter zum 14, Zlonistcnkongreß zu entsenden, nbjjclclint. Der Vorschlag Dr. Wclz< inanns Ring dahin, daß der Vertreter des Waad Lctiml auf dem 14.. Zlonistcnkoiißrcß den Standpunkt seiner Körperschaft in der Frage der jüdischen Ocmcindcordnnng In Palästina im Zusammenhang mit den von Dr. Weltmann und anderen zionistischen Repräsentanten mit Vertretern der Agudas Jlsrocl In London geführten Verhandlungen vertreten solle. Der Waad Lcumi stellte sich aber auf den Standpunkt, daß die Fra^e der palästinensischen jüdischen Oemclndeordnung eine innere Angelegenheit der palästinensischen Judenhelt ist und nur In Palästina ausgetragen werden muß. Neuwahl DlzenrjotJs wo BQrfjtrmelsler von Tel-Awlw TeV-Awlw. O.T.'A.) Der vor kurzem neugewählte Stadtvcrwaltungsrat von Tel-Awlw hat sich soeben konstituiert und Herrn M. Dizengoff zum Bürgermeister wiedergewählt Dizengoff nahm die Wahl an. Der ueae Oberkommissar Wr Aegypte*; London, 15. Mai. (Reuter.) An Stelle des Generals Allenby wurde Sir George Lloyd zum Oberkommissar von Aegypten ernannt , Nene Zerilflkaie Die Zionistische Exekutive erhielt Im laufenden Halbjahr bisher 6000 Zertifikate für gelernte und ungelernte Arbeiter. Davon sind 1500 bereits früher zur Verteilung gelangt, während 4500 In diesen Tagen von der Exekutive verteilt werden. '. Sokolows Besuch der Siedlung der Cbissldlm Nahum Sokolow stattete der chassidischen Siedlung auf dem Wege zwischen Nazarcth und Haifa einen Besuch ab. Die chassidischen Kolonisten mit dem Rabbi von Jablonna an der Spitze bereiteten Sokolow einen äußerst warmen Empfang. iZlko.) Die durch den Weltkrieg erfolgte Neuregulicrunß der politischen Grenzen In Mittel- und Osteuropa hat bewirkt, daß in dem ncucntstandcncn polnischen Staate über die Hälfte der osteuropäischen Judcnhcit vereinigt ist; Die seit der Aufteilung Polens im 18. Jahrhundert unter österreichische und deutsche Herrschaft gelangten Teile der in der Vicrländcr-Synodc vereinigt gewesenen polnischen Judcnhcit sind durch die Ereignisse wieder in c I n c m Staatsverband zusammengeschlossen. Die Verschiedenheit der wirtschaftlichen Entwicklung und der Rechtslage zwischen den ehemaligen österreichischdeutschen und den ehemaligen unter russischer Bcdrückung lebenden Juden, macht sich noch stark geltend, und bis auf den heutigen Tag haben diese diffcrenten Teile der polnischen Judcnhcit in vielfacher Hinsicht eine besondere Auflassung ihres Verhältnisses zu Staat und Regierung. Doch trägt die Politik der bisherigen Regierungen der neuen polnischen Republik In starkem Maße dam bei, die gesamte Judcnhcit de* Reiches zusammenzuschweißen und den Vcrscluuclzuitgsprozeß zwischen ehemals kongrcßpolnischcn und ehemals öslerrcichischcn Juden zu beschleunigen. Die früher tintcr zaristischer Regierung vorherrschenden radikalen Tendenzen wirken bei den kongrcß-polnischen Juden noch Immer stark nach und die politische Linie dieser Schicht der polnischen Judcnhcit ist in weit höherem Maße streng oppositionell als die politische Haltung der galizischcn Juden, die im ehemaligen Oesterreich gelernt haben „fortzuwursteln" und anstatt konsequent zu fordern den Weg zögernder Konzcsslonspolitlk einzuschlagen. In den ersten Jahren der ncucntstandcncn polnischen Staatlichkeit lag die Führung der polnischen Judenpolltik in den Händen der zahlenmäßig überwiegenden kongrcßpolnischcn Juden. Angesichts der unverändert antijüdischen Einstellung der wechselnden polnischen Regierungen hatte die unbedingt oppositionelle Politik der polnischen Judcnhcit, die vom Abgeordneten G rünbäum geführt wurde, keinen Erfolg. Als bei den letzten Scjmwahlcn in Ostgalizicn eine große Anzahl von jüdischen Abgeordneten und Senatoren — übrigens wie in ganz Polen dank dem Wahlbündnis mit dem Minoritätcnblock — gewählt wurde, trat der Einfluß der ehemals österreichischen Juden in der polnischen Judenpolitik stark In Erscheinung. Der jüdische Scjinklub verließ unter diesem Einfluß die Linie der konsequenten mit den anderen nationalen Minderheiten betriebenen Opposition und schlug den Weg von Verhandlungen ein. Führer der neuen Methode wurde der ostgalizisehc Abgeordnete Dr. Leon Reich. Seit ungefähr zwei Jahren wird nun die neue Methode gehandhabt, und der Erfolg ist der gleiche wie der der radikalen Grünbaumschen Opposition: die antijüdischc Haltung der polnischen Regierungen ist unverändert und die Lage der polnischen Judcnhcit verschlechtert sich von Tag zu Tag. Die formalrcchtlicbo Lage der polnischen Judcnhcit läßt, abgesehen von der Gültigkeit einiger veralteter Bestimmungen der zaristischen Gesetzgebung in den ehemaligen russischen Teilen der polnischen Republik,! kaum etwas zu wünschen übrig. Verfassung und Gesetz garantieren den Juden vollständige Gleichberechtigung. fJic Miuoritätcnklauschi der verschiedenen Friedensverträge gewähren den Juden eine Berücksichtigung ihrer nationalen Rechte auf dem Papiere. Die jüdischen Abgeordneten haben wenig Anlaß, im polnischen Sejm gegen die Buchstaben der geltenden Gesetze anzukämpfen. Umsomchr sind sie gezwungen, sich gegen die Anwendung der bestehenden Gesetze und erlassenen Verordnungen zu wehren. Es zeigt sich wieder einmal, daß Verfassung und Recht absolut nicht genügen, um eine Gleichberechtigung zu garantieren. Es kommt. immer und überall auf die Durchführung der geltenden Paragraphen an. Und die Anwendung der Gesetze in bezug auf die Juden Ist in Polen von einem radikalen Judenhaß getragen, der seinesgleichen in keinem anderen Lande und zu keiner anderen Zeit findet. Wohl sind die Juden In Polen vor dem Gesetze gleichberechtigt, aber die Behörden verstehen es, dieses Gesetz in der Praxis In das gerade Gegenteil zu verwandeln. Der Numerus clausus, um ein Beispiel anzuführen, ist gesetzlich in Polen keineswegs festgelegt. Trotzdem verstehen es die polnischen Universitäten, jüdische Studenten fernzuhalten, und die Zahl der jüdischen Mediziner und Techniker an den einzelnen polnischen Hochschulen schwankt zwischen 10 und 20, aber nicht etwa Prozenten, sondern Hörern. Nach dem Gesetze stehen jüdischen Aspiranten in der polnischen Republik alle Bcamtenstcllcn offen. In der Praxis wird ein Jude fast niemals in den Staatsdienst aufgenommen und die noch in der österreichischen Zeit aufgenommenen jüdischen Beamten in Galizicn werden in den meisten Fällen aus dem Dienste entlassen. Handhabe hierfür bieten die Abbauverordnungen,

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