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Jüdische Rundschau · 1925-05-15 · Heft 38 (15.5.1925) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 38 (15.5.1925)
Date
1925-05-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 352 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. & der Sicherheit und eine gewisse Opferfrcudlgkclt, well er weiß, daß er sein Opfer nicht „für nichts" bringt Das ist die gesunde Mentalität des Masscnmenschen. Gegen diese Mentalität haben wir, wie im vorhergehenden zu zelten versucht wurde, stets gesündigt, da wir Opfer materieller Art verlangten und dagegen nichts zu geben hatten als »Sentiments''. Die Masse aber Ist, das ist ihr Charakteristikum, unempfindlich gegen Scntlmcnts, Meine Forderung geht nun dahin, die zionistische Organlnatlon so auszugestalten, daD dieser gesunden Mentalität Rechnung getragen wird. Es muH möglich sein, die in einer — wenn auch lockeren — Organisation von vielleicht über einer Million Mitgliedern ruhende potentielle wirtschaftliche Energie In eine manifeste, auf die einzelnen Mitglieder wenigstens »i einem kleinen Bruchteil ruck fließende umzuwandeln. Irgendwelche sichtbare, wirtschaftliche Vorteile muß eine derartige Organisation ihren Mitgliedern bieten können. Ich bin zu wenig Fachmann auf wirtschaftlichem Gebiete, um die Details einer solchen Encrgictransformation ausarbeiten ru können. Einige wenige Beispiele werden vielleicht nützlich sein. Man erinnert sich an die Rubrik der „Wert", die betitelt war „Aus den 5 Weltteilen" oder so ähnlich und die der Beginn einer wirtschaftlichen Cooperation der Zionisten der weit war, die nur durch den Krieg jäh unterbrochen wurde. Die Stellenvermittlung einzelner zionistischer Verbünde z.H. in Deutschland ist eine ähnliche kcliiihaftc Anlage /u einer Inncr/ionisllschen Wirtschaftsordnung. Die Publikation von Adreßbüchern nach Berufsgrunpen geordnet, von ähnlich geordneten Mltgllcdcrvcrzclchnlsscn, Kabattsystcme usw, wären weitere Beispiele. Fachleute mögen sich dieses Gedankens bemächtigen und Vorschlage erstatten. Vor Jahren habe ich diese Ocdankcn in der Presse und auf zionistischen Tagungen vertreten, ohne daO Ihnen irgendwelche Aufmerksamkeit geschenkt worden wäre. Vielleicht wir die Zelt noch nicht reif dazu. v Machen wir uns von gewissen Schlagworttin frei, die nur geeignet sind, uns In unserer Arbelt aufzuhalten, rechnen' wir mit den gegebenen Bedingungen, das Beste aus ihnen machend, so werden neue Arbeitsmethoden für uns verwendbar. Die OröDc des zionistischen Ocdankens verträgt heute schon gewisse Konzessionen in seinen praktischen Organisatlonsformcn. Diese Konzessionen an die Wirklichkeit können keinen anderen Zweck haben, als die Schlagkraft und die innere Konsolidation zu starken und zu befestigen. Die Idee wird von ihnen nicht berührt, gerade so wenig wie die Idee der sozialen Gerechtigkeit durch das Bestehen von Arbeitslosenunterstützung oder Streikkasse berührt wird. Gelingt es, die Zionistische Organisation derart auszugestalten, daß sie nicht nur durch Scntiment, sondern durch ein gewisses wirtschaftliches Oemcinintcresse zusammengehalten wird, so Ist leicht zu ersehen, daß eine derartige Organisation auch allgcmcinwirlscliaftlich besser fundiert sein wird, ein besserer Vertragspartner bei einer doch unbedingt einmal kommen müssenden Anleihe sein wird, daß schließlich auch ihre politische Bedeutung, die sie einzig und allein der Idee verdankt, nicht geschmälert werden wird. Das Auseinanderhalten von Idee und Organisation, der In die Praxis durchgeführte Satz: Oebet der Idee, was der Idee und der Organisation, was der Organisation ist, erscheint mir als der einzige Ausweg aus den drei tragischen Zirkeln, In denen wir uns seit Jahren bewegen, dem faustischen Tiere gleichend, das von einem bösen Geist auf dürrer Heide im Kreis herumgejagt wird. Tagung der Anglo-Jewlsh Association London. (J. T. A.) Am 10. Mai trat die Anglo-Jewlsh Association unter dem Vorsitz ihres Präsidenten O. E. d'A v i gdorQoIdsmld zu einer Sitzung zusammen. Es entspann sich eine längere Debatte über den Antrag, Rabbiner Dr. Samuel Da ich es als Mitglied des Rates zu kooptieren. Herr Harry Cohen trat sehr schwach dem Antrag entgegen und führte aus, die Ansichten Rabbi Dalchcs wiren demjenigen der Association scharf entgegengesetzt, er fuße nicht auf den Prinzipien und Traditionen der englischen Judenhcit; man dürfe es nicht zulassen, daß die Association von einem ehrgeizigen auslandischen jüdischen Element beherrscht werde. Eingedenk des langwierigen Emanzipationskampfcs der Juden in England bitte er, Dr. Dalchcs abzulehnen. Herr Prag führte aus, die Anglo-Jewlsh Association hatte nie geographische Unterschiede solcher Art gemacht. Mlnncr und Frauen aller Schattierungen hätten in ihrer Mitte Platz. Herr J. Seligmann führte aus, gerade die Tatsache, daß Dr. Dalchcs sich mit solcher Energie der unterdrückten ausländischen Juden annimmt, empfehle ihn für die Würde eines Ratsmitgllcds. Dr. Dalches wurde einstimmig gewählt. Herr O. E, d'Avigdor Ooldsmld erstattete Bericht über den Verlauf der Feier der Universitätseröffnung in Jerusalem, bei welcher er die Association repräsentiert hat. Worte sind nicht imstande, sagte er, den hehren Verlauf der Zeremonie zu beschreiben. Keiner der achttausend Anwesenden werde jenen Nachmittag vergessen. Jeder fühlte, daß In Palästina eine neue Renaissance der hebräischen Kultur begonnen hat. Jeder wönscht dieser Bewegung vollen Erfolg. Es wurde sodann der Bericht des auswärtigen Komitees verlesen, aus welchem hervorgeht, daß gegen die Verfolgung des Jüdischen Religionsunterrichts In Rußland in Moskau Interveniert wurde. Der Botschafter Herr Rakowsky, versicherte, man werde die Vorstellungen jüdischerscits freundschaftlich in Erwägung ziehen. Mit dem Minorilätcnkomitec des Völkerbunds wurde über den Bruch der Minderheitsabmachungen seitens verschiedener Regierungen let Osteuropa, jr«.ptochcn. Das Minoritätenkomitee forderte die Regierungen in Polen, Rumänien und Lettland auf, die Minderheitsvorschriften zu beachten. Das Komitee hat Schritte unternommen, um die Frage der Unterrichtssprachen in den Schulen Litauens vor den Völkerbund zu bringen. Der litauische Sejm beschädigt sich nämlich mit einem Projekt, laut wclehern litauisch die einzige Unterrichtssprache an allen Schulen sein dürfe; dadurch Ist die Existenz des Jüdischen Schul- Wesens bedroht. — Das auswärtige Komitee sandte dem polnischen Außenminister einen ausführlichen Bericht über die Nöte der Juden in Polen. Der Außenminister, Graf Skrzynski, hatte bereits im Parlament zum Ausdruck ge>' bracht, daß man ru einem gegenseitigen Verständnis gelangen wird. Es wurde sodann die Optionsfrage in Oesterreich und die Behandlung Jüdischer Studenten an der Wiener Universität besprochen. Die ungarische Regierung hat dem Völkerbund noch keine Antwort erteilt auf den vom Joint Foreign Coramittee-Vorschlag, die Entscheldung über die Oüttlgktlt des Oewtxes Ober den numerus öausus In Ungarn dem Internationalen Gerichtshof zu über- Arne Wagner In der FrUlizcEt des polnischen Ziniil.mii«, die wir uns heute gewöhnt haben, die Zeit des „heroischen Zionismus" zu nennen, waren wir in Deutschland aus vielfältigen Ur. sachen so eng miteinander verbunden, daß jeder den anderen nicht nur dem Namen nach, sondern von Angesicht und stielet auch nach seiner Wesensart und seinem menschlichen und zionistischen Werte kannte. Wenn damals das Schicksal einen der Weg- und Kampfgenossen von uns nahm, brauchten wir einander nicht erst zu sagen, was wir mit dem Dahingegangenen verloren hatten; wir wußten es olle, wir kannte« Ilm ja alle, sein Leben war ja ein Teil unseres eigenen gcwesen. Heute Ist das alles so ganr anders geworden: wir sind nur noch Gesinnungsgenossen, mir noch Ocnosscn der Arbeit, nicht mehr allesamt Freunde und Ocnosscn desselben Weges. Wir sind unser so viele geworden, Unterschiede des Ltbcnsaltcrs, der Weltanschauung und des ersten zionistischen Erlebnisses trennen uns menschlich so stark voneinander, daß einer des anderen Wesen und Wert gar nicht mehr kennen kann, ja daß wir voneinander oft gar nicht mehr wissen, <l,ill auch der andere ein Genosse der Gesinnung und der Arbeit Ist, Ein neues Geschlecht — und das Ist das Olück des Zionismus — ist gekommen, „das von dem alten nichts mehr weiß", im besten Falle die Namen weniger weithin leuchtender Führer aus der heroischen Zelt des Zionismus kennt. Diesem neuen, jungen Qcschlechte gilt es zu zeigen, welcher Art die treuen Soldaten der alten Kampfreihen des deutschen Zionismus gewesen sind; diese Generatiou der Verwirklichung, für die Zionismus etwas so Selbstvcrständllclics, leicht Faßbares geworden Ist, soll, wenn einer der alten Kfliiipferschai dahingeht, es erfahren, wer die Menschen waren, die vor ihnen der Fahne des Zionismus gefolgt sind. Ich will heute von einem sprechen, der 20 Jahre lang uns — Jetzt schon 1 — „Alten" .Freund, Weg- und Kampfgenösse für Zlon war und jetzt mitten aus dem Leben heraus in der Blüte seiner Jahre uns entrissen worden Ist. Wir haben Arno Wagner zu Grabe getragen; ihn, der uns als die Inkoruation des lachenden, strömenden, selbstsicheren Lebens erschien. Unfaßbares, rätselvolles Schicksal, das die Starken, Aufrechten, die Lcbcnsbcjaher, In der Mitte des Weges zerschmettertI Hier war einer, dem die Freude an der Welt und den Menschen angeborenes Bedürfnis war, einer, der die Schönheit, den Frohsinn, das Lachen überall suchte, einer von dem Heiterkeit und Beglückung in breitem Strome ausging, einer, der den sieghaften Glauben an den Fortschritt hatte. Arno Wagner war gerade, Innerlich ungekünstelt, einfach und gerade und er glaubte an den geraden Weg. Das führte ihn zum Zionismus. Judentum Im Oaluth — das mußte, wcnu's überhaupt Judentum blieb, Knimmhclt, Vcrbogcnhclt, mußte der Widerpart von allem echten Menschen- und Mannestum, von Kraft, Stolz, Reinheit, Unbefangenheit, Fröhlichkeit, Zukunftsglaubcn sein. Arno Wagner aber besaß alle diese männlichen Tugenden; das Schicksal hatte sie ihm, der ein ganzer Mann und eben deshalb ein fröhliches Kind war, auf den Lebensweg mitgegeben, und darum führte Ihn dieser Weg zum Zionismus, zu denen, die an die Erneuerung des echten jüdischen Menschen glauben. Er hat über den Zionismus nicht spintisiert, keine Theorie aus ihm gemacht. Fröhlich, glaubend und kraftvoll stand er, Mann geworden, im Lager der Zionsstreiter. Das mußte so sein; seine innere Geradheit, sein Optimismus und sein froher Lebenswille brachten das einfach mit sich. Es waren dieselben Züge im Wesen Arno Wagners, die ihn auch zum Sozialisten machten. Er glaubte fröhlich an die Menschen, an Ihre Fähigkeit sich hlnaufzucnlwickeln und an ihren Witten zum Guten, zu Gerechtigkeit und Brüderlichkeit. Optimist, der er war, wie nur ein Jude es sein kann, trieb es Ihn, nicht weil seine wirtschaftlichen Erkenntnisse es forderten, sondern weil er nach seiner Natur helfen und) beglücken mußte, Ins Lager des Sozialismus. Er hat für Ihn geworben und gekämpft mit der gleichen leidenschaftlichen Liebe und Hingegebenheit wie für sein zionistisches Ideal, und keine Enttäuschung, die er auf diesem Wege erlebte, hat ihn schwankend gemacht Er ging Immer bis ans Ende den Pfad, den ihn sein Weg einmal geführt hatte. — Seinem Leben sind die Enttäuschungen nicht erspart geblieben; gerade er, der so stark glauben, so optimistisch holten konnte, hat sie In besonders hohem Grade erfahren. Die letzten, die Ihn besonders erschütterten, well sie in gleichem Maßet den Juden und den Sozialisten In ihm trafen, gaben Ihm einen besonders starken Stoß. Mitten aus dem Leben heraus nahm ihn der Tod von uns weg. Er (st uns ein Freund, ein Weg- und Kampfgciiosnc von einer Treue und Bereitschaft gewesen, die uns r.o glücklich machten, wie seine Jugendliches Miterleben seine Schüler beglückte und mit sich fortriß. Er war uns ein Freund, ein Freund in Zlon, nehmt alles nur in allem. Wir werden ihn niemals vergessen. Georg Herlltz. Mirtyrerlod einer russische! Zlonlslii Berlin. (J.T.A.) Die Kreise der Zlonlsten-Soziali&tcn „Zelte Zlon" erhielten aus Rußland in. den letzten Tagen neuerdings Nachrichten über Verfolgungen der Angehörigen der zionistisch-sozialistischen Bewegung ,.Zelre Zlon". Einen erschütternden Eindruck rief die Nachricht über den Selbstmord der jungen Berta Lewin, die sich Im Ocfängnls zu Minsk das Leben nahm, um nicht Ihre Genossen verraten zu müssen, wo/u sie die Q. P. U. (polltische Polizei) zwingen wollte. Am Tage der Bestattung Berta Lcwlns erließen die Anhänger der linken Zelre-ZIon-Bcwcgung in Tausenden von Exemplaren eine flammende Proklamation an die Jüdische Arbeiterjugend, In welcher das Vorgehen der Polizei gegen Berta Lewin georandmartet und die Tote als Märtyrerin gefeiert wurde. Pallstliu Anlell m der otlonialseitea SUalsschaU Oenf. (J-T.A.) Professor Borel, der vom Völkerbundrat zum Schiedsrichter in Sachen der ottomanischen Staatsschuld eingesetzt worden Ist, hat den Appell der Palästina-Regierung gegen die Heranziehung Palästinas zur Zahlung eines Schuldantclls für die Ausgaben der Hcdschas- Elsenbahn verworfen. Dagegen hat der Schiedsrichter den für TransJordanien fixierten Schuldtntcll herabgesetzt. Die von Palästina zu zahlende Summe wurde bekanntlich mit fi Million« tOrk. Ehud fixiert. Breslauer Brie! Preuc»Tee des Kercn Hajeisod - Ocffeniltche /ugendvertammlung — Die Vorgänge Im C.-V. Am Donnerstag, den 30. ApriL fanden hier zwei wichtige Veranstaltungen statt Auf Anregung von vemcliiedcnrn Seiten wurde am Nachmittag im Hotel „Monopol" C|n Pressc-Tcc vcianslallct IM dieser Gelegenheit wurden Teile aus dem neuesten l'alästinalilm aufgeführt Unter den Gästen sah man den Obcrprisidentcn, den Vertreter det Magistrats, den Assyrlologcn Prof. Ungnad, den Botaniker Prof. Pax, den Vorsitzenden der Vereinigung für Bodenreform, den Chefredakteur der sozialistischen „Volkswacht" Vertreter von Wolfis Telegraphen-Büro und der Telegraphen Union (T. U.), Redakteure der „Brcslauer Neuesten Nachrichten", der „Brcslauer Zeitung" und der „Schlcsischen Volkszcltuug". Der Film hinterließ einen starken Eindruck. Er ist sicherlich der beste, weil sachlichste, von allen bisher gezeigten Palästlnafilmcn. Selbst Journalisten, die von vorn, herein den Dingen in Palästina fremd oder gar ablehnend gegenüberstanden, erklärten übereinstimmend, daß sie ta diesem Nachmittag; Gelegenheit hatten, die Kraft, die in dem I'iiliiftinnwcrk steckt, zu bewundern. Der Erfolg ist nicht zuletzt Kurt Blumenfcld zu verdanken, der über die Araberfrage sprach und bei dieser Gelegenheit über die Besonderheiten der Oricntpolltik sehr interessante Mitteilungen machte. Er wies u. a. die Presse darauf hin, wie sehr die verschiedenen Interessensphären, die sich gerade im Orient treffen, geeignet sind, Alarmnachrichtcn in die Welt zu schicken und wie man gerade palästinensische Nachrichten mit größter Vorsicht entgegennehmen müsse. Man halte den Eindruck, daß an diesem Nachmittag eine Anzahl interessanter Persönlichkeiten für die Sache gewonnen worden ist. Rechtsanwalt Jacobsohn eröffnete und schloß die Veranstaltung. Am Abend fand Im kleinen Konzerthaussaal eine öffentliche Jugendversammlung statt, die von den national. Jüdischen Jiigcndvcrbändcn einberufen worden ist Der Saal war bis auf den letzten Platz, auf die Gänge und auf den kleinen Nebenraum dicht gefüllt Kurt Blumenfcld knüpfte in seinem Referat an eine Diskussion zwischen Blau- Weiß und Kameraden an, die vor einiger Zeit die „Jüdische Zeitung für Ostdeutschland" veröffentlicht hat Die Vorgänge im hiesigen Centraiverein sind den Lesern der „Jüdischen Rundschau" bekannt (vgl „Jüdische Rundschau" Nr. 32, 31). Die Spaltung des hiesigen Ccntralvcrcins in zwei große Oruppen, von denen eine von Rechtsanwalt Focrdcr-Prof. Marek und die andere von Recht* anwalt Tarnowski geführt wurde, sollte in der zweiten Generalversammlung in der Neuwahl ihren Ausdnick finden. Man konnte mit Kccht auf den Ausgang der Wahlen gespannt sein. Aber man wußte, daß die Focrdcrsche Minont.it viel zu groß svar, als daß sie von dem Ccntralvercin hätte ertragen werden können. So schloß man einen Frieden. Rechtsanwalt Tarnowski gab folgende Erklärung ab: „Um der Sache zu dienen und einen Wahlkampf zu vermelden, ist die vom Vorstand aufgestellte Liste ollscitig akzeptiert worden und wird nunmehr der Generalversammlung vorgelegt. Ich bin zwar nach wie vor der Ansicht, die auch von Herrn Rechtsanwalt Focrdcr geteilt wird, daß ein Zusammenarbeiten zwischen Ihm und mir in der Ortsgruppe Breslau nicht möglich Ist, habe aber gegen sein Verbleiben im Vorstände nichts einzuwenden. Die Verteilung der Aemtcr Innerhalb des Vorstandes erfolgt durch diesen selbst Um den Herren der anderen Richtung entgegenzukommen, wird der Vorstand, falls die Vorschlagsliste unverändert gewählt wird, als Vertreter der Minorität die Herren Oeincimicrabbincr Dr. Holtmann, Rechtsanwalt Keiler und Dr. Josef Schlesinger kooptieren". Dann gab Prof. Marek als Wortführer der Opposition eine Erklärung folgenden Inhaltes ab: „Die leidenschaftlichen Auseinandersetzungen in der letzten Versammlung haben den Wunsch aufkommen lassen, eine Verständigung herbeizuführen. Im gegenwärtigen Augenblick Ist den deutschen Juden nidits nötiger als eine Einigkeit nach außen. Die Ortsgruppe Breslau soll nicht von Erschütterungen heimgesucht werden. Sachliche Gegensätze sollten Jedoch ruhig ausgesprochen und diskutiert werden. In der letzten Versammlung ist dies zur Qcnügc geschehen, nachdem die Mitglieder schon lange keine Gelegenheit mehr dazu gehabt hatten. Der meue Vorstand wird hoffentlich nicht mehr so lange an einer Meinungsäußerung der Vcrclusiiiltglicdcr vorübergehen, sondern diese häufiger zusnmmfnhcrufcn. Nachdem das lctrlcmal die sachlichen Ocgcnslitze eine sehr sdiarfc persönliche Zuspitzung ernommen hatten, haben wir geglaubt, daß auch Opfer gebracht werden müssen, um diese Ocgcnsätze eich nicht zu einer Siedehitze steigern zu lassen. Die Erklärung von Herrn Rechtsanwalt Tarnowski ist das Resultat der gepflogenen Verhandlungen. Wenn Jetzt innerhalb des Vorstandes auch eine notwendige Trennung stattfinden muß, gehen wir von der Hoffnung aus, daß diese Trennung gerade eine reibungslosere Zusammenarbeit herbeiführen soll. Ich persönlich gebe mich noch der Hoffnung hin, daß die beiden Herren (Focrdcr und Tarnowski), die zuletzt In Streit gestanden haben und deren Verdienste um den Ccntralvercin, jedes in seiner Art wohl von allen Mitgliedern In gleicher Weise geschätzt werden, einen Weg zu engerem Zusammenarbeiten später werden finden können, wenn c» such im Augenblick nicht möglich ist." Dieser Friede der mit diesen Erklärungen geschlossen ist wird allgemein als ein sehr fauler »empfunden. Gegcnsätie, wie sie hier im Ccntralvercin aufgetreten nlnd, werden durch Erklärungen nicht «us der Welt geschafft Sie bestehen weiter und fordern sachliche Erwägung, SKierbelrelnng IBr clihelmlsebe Baumwolle Zwecks Förderung der Baumwollkultur Int die palästinensische Regierung laut einer soeben erlassenen Verfügung alle In Palästina geerntete Baumwolle für die Dauer von zwei Jahren von Jeder Besteuerung befreit. Das gilt auch für die Baumwolle, die bereits vor dieser Bekanntmachung angepflanzt wurde. Errichtung eines großen Hotels In Tel-Awlw. Wie der „Haaretz" berichtet, tritt jetzt der Besitzer des Allenby« Hotels hl Jerusalem, Bcrsky, an den Bau eines großen Hotels in Tcl-Awiw heran, das auf dem großen etwa 5000 Quadratellen umfassenden Platz gegenüber dem Stadthause an der Rothschild-Alice und NachUth Benjamin errichtet wird.

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