Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 38 (15.5.1925)
- Date
- 1925-05-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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s~ ' <>»-»-rt>'l">'t" Nr. 38 JUEDISCHE KUNDSCHXÜ Seite 35! Idee und Wirklichkeit Von Med. Dr. W. Kohner, Karlsbad. (Schluß.) Diese Worle wurden noch zu einer Zelt geschrieben, icr Kercn Hajessod noch olcht war, da der Kut „Geld" tch nicht die Jüdischen Gassen durchhallte. Was Ist von der tovccunß heute noch übrig geblieben, da «s überhaupt fön anderes Ziel, keine andere Maxime mehr gibt als „Oeld''. u)ir noch vor kurzer Zeit der Vorwurf, die zionistische Orfinl<alion sei eine Oeldsammelmaschfne geworden, leiden« tfhaHllch zurückgewiesen worden, so wird heute diese ihre Funktion als Ehrentitel aufgestellt. Wer sorgcnerlüllt ob der Miinft den Zionismus die zionistischen Blätter durchliest, j;{ Verhandlungsbcrlchle der zionistischen Tngungen studiert, um das zionistische Ingenium auf seinen Wegen kennen zu ]tfiifn, der wird nur auf einen einzigen Ausweg stolScn, der jllöberall verkündet wird: Oeld. Niemand hat den Mut, offen und frei zu sagen, ebb das nicht der Weg ist. Wohl wird es Edingen, noch immer Oeld drutreiben, durch ungeheure Mühe, einen Stab von guten kirnten noch neue Kreise der judenheit zu ergreifen, verschicdcnc Gemeinden, Vereinigungen und Einzelpersonen zu Beiträgen für den Paläst Inaaufbau zu gewinnen. Aber es erscheint mir vollkommen sicher, dab das in ganz absehbarer ItU aufhören mull und aufhören wird. Die ganze Art der jetzigen zionistischen Arbeit ist gekenn- (dehnet durch eine staunenswerte Unkenntnis der menschlichen ptychologic. Die guten Aquisitcure des Kercn Hajessod und itl Kercn Kajcmetn, die eigentlich diejenigen sind, die über die Art der ücldaufbringung zu entscheiden haben, deren Er- (jhrungen zum Maßstab gemneht werden, glauben, daß es die Idee, die sie vertreten, ist, die das Geld aus den verflossenen Taschen hervorzaubert. Weil sie Erfolge haben, nben sie sich der Täuschung hin, die I d e e d e s P a 1 ä s t i n a- Jutbaus habe den Erfolg. In Wirklichkeit aber ist es ihre Persönlichkeit, die Erfolg hat. Wenn sie für irgend eine andere Sache kämen, hätten sie dieselben Erfolge. Man darf eicht die erfolgreichen Aquisitcure tragen, sondern diejenigen, die keine Erfolge aufzuweisen haben, wenn man einen objektiven Einblick naben will. Es ist absurd, zu glauben, daü min in einer Zeit, wie es die unsere ist, Opfer verlang«» könne. Opfer verlangen kann man von einem Menschen, der diru geschaffen ist, und das Ist ein so verschwindender Bruchteil des heutigen Judentums daß aus ihnen nicht das tltxiccts eines Tages bestritten werden könnte. Opler ist nicht umsonst ein Wort, das aus dem religiösen Leben genommen ist und wir sollten wissen, daß ein Opfer entweder gegeben wird, weil es aus vollem Herzen kommt, aus dem überragenden Gefühl der Hingabc, der Dankbarkeit oder der Uebc oder aber — was die Regel ist, well dem Opfernden von dazu bestimmten und davon ihr Leben bestreitenden Priestern unter der Vorspiegelung von Lohn oder Strafe das Opfer heraus gelockt wird. Seien wir uns darüber klar, daß die Masse zu Opfern nicht zu haben ist. Wir sprechen und schreiben ununterbrochen leichthin von jüdischer Masse, jüdischer Gesamtheit u. ä., ohne uns überhaupt im klaren zu 6ein, was wir darunter zu verstehen haben. Wieviel fruchtbringender wäre es, uns einmal über diesen Begriff im klaren zu sein als über die Sorgen der Kwuzoth zu sprech-ii. VCn würden wir von einem Handwerker sagen, der das 'Material nicht kennt, mit dem er arbeitet, was wn dem KönMlcr, der die Beschaffenheit des Steines, der Farbe, des Holzes nicht kennt, aus dem er seine Kunstwerke formen roll, was von dem Politiker, der die Massen, ihre Psychologie, Ihre Eigenschaften nicht kennt? Nur der Zionismus glaubt über diese so selbstverständliche Forderung der Materialkenntnis erhaben sein zu können. Zu seinem gröüten Schaden, wie wir stündlich zu sehen Gelegenheit haben. Es Ist Zeit, sich endlich klar darüber zu werden, was nun unter „Volk" ru verstehen hat. Wer gehört zum Volk im Sinne von „Masse"? Die Kriterien hierfür sind psychologischer Natur. Es gehört zum Volk die grobe Schicht von erwerbsbcflissenen Burgern, Kaufleuten, Gewerbetreibenden, Beamten u.a., die auücrhalb ihres Berufes keinerlei geistige Inlcressen mehr kennen, die nicht die Kratt und auch keinerlei geistige Interessen mehr kennen, die nicht die Kraft und auch keinerlei Sehnsucht haben nach Erhebung aus dem Ocdnnkcngängcn des Alltags, deren geistiges Interesse seinen Olplclpunkt Im Lclhblb1»thck6roman, In der Bierbankpolilik, im Kaffechaustratsch findet. Zur Masse gehört auch ein ziemlich bedeutender Kreis der sogenannten Intelligenz, die, ausschließlich auf ihren Beruf konzentriert, diesen nicht dem Sinnt nach, sondern als reine Erwerbsquelle ansieht und - leider — der allergrölltc Teil der Frauen. Masse ist, kurz gesagt die Summe aller der Menschen, deren ganzes Sein von einer primitiven, ganz aufs Materielle gerichteten Uhcnsanschauung erfüllt ist, die seelisch nahezu unbeweglich m Miütrauen allen neuen Dingen und Erscheinungen gegenüber erfüllt sind, die vor allem all den Erscheinungen einer höheren Menschlichkeit vollkommen unempfindlich gegenüber- Mchen. die sich in die Worte: Ehrgefühl, Verantwortlichkeit lür Alle, Pietät, Begclstcrungsfählßkelt für Outes und Schönes rusammenfassen lassen. Was hier von „Masse" gesagt wurde, gilt wohl vor »Rem von dem Durchschnitt des europäischen und amerikanischen Judentums. Die Massen des Ostens, die zum allergrößten Teile unter dem Einfluß, der religiösen, bzw. •oiUlistischen Ideen stellen, 6ind schon aus diesen Gründen Prioccupiert und der zionistischen Idee als solcher nicht 'ujängllch. Dagegen spricht natürlich der Umstand nicht, Jiß große Teile des Östlichen Judenturas aufbruchsbereit sind und gerne nach Palästina gehen würden, wenn wir '"neu die Möglichkeit bieten könnten. Lieber aber wäre ein QroHteil der jetzigen Aliiah nach Amerika eegangen, wenn f> nicht zufällig seine Tore geschlossen hätte. Die Schilderung der „Masse" aber wäre unvoJtstlndig, '*wn wir nur die negativen Selten Ihres Wesens hervorhtben würden. Der seelischen Trägheit — der Trägheit fr» Herzens — sieht eine groBc und oft erfolgreiche c^iig«. Erdings auf das Geschäft orientierte — Agilität gegen- Sparsamkeit, FlciB, Ocduld, Familiensinn stnd ihre Whaus positiven Eigenschaften. Es ist vom Standpunkte des Nalökonomen gar nichts gegen die Masse zu sagen. Alle ihre Eigenschaften haben dazu geführt, daß bei fhr das uekj igt, das w i r brauchen und das in unseren Reihen nicht 'u finden ist, weil Menschen, die nicht ihr ganzes Herz "i de« Erwerb hängen, in unserer heutigen Zelt es — vulglr P'Mgt — wohl zu allerhand Ehrenstellen, *bef n,cnt m buchen Gütern bringen können. Diese Materialkcnntnis erscheint mir unbedingt notwendig, fn dort keine unangebrachten Hoffnungen entstehen zu "isen, wo Enttäuschung wirklichen Verlust bedeuten würde. , .wie kommt man an die Masse heran? Das?"« nur das Ist die Kardinal frage, nn deren Beantwortung '5 «cii Endes das Schicksal der zionistischen Bewegung hängt ^c Mittel, die im langen Verlauf einer mühevollen PropapndatStlgkcit in Anwendung gebracht und vorgeschlagen?}"den, sind letzten Endes Mittel des Geistes, der höheren ^.«Henkelt, des höheren Menschtums. Das Mittel, geeignet 5,t Massen -fortzureißen, wäre der allgemeine Willenssturm, von dem Herzl geträumt und der ein wesentlicher Bestandteil 6eincs Kalkulicrcns war. Ein derartiger Wlllciissturm wäre möglich gewesen zu einer Zelt, in der die MaierioU- 6i'erung, Lcbcascntfremdung, Flachheit der heutigen Zelt die IMischen Massen noch nicht so ergriffen hauen, wie es icutc der Fall ist Auch heute noch können Massen In einen Zustand versetzt werden, in der ein Wille, eine Sinnesart fJe beherrscht. Dazu aber Ist notwendig eine Jahrhundertlange Erziehung zum Ocdankcn einer Scliicknalsgcmclnschaft, ein Staatsgedankt;, ein tief verwurzelter nationaler Oedanke als Grundlage und ein ungeheures elementares Ereignis, das durch seine unmittelbar auf die Seele jeden einzelnen einwirkende Kraft an die Urinstinktc des Menschen heranreicht. Der Krieg, die Kriegspsychose wnr ein solcher Willenssturm. Das Untcrgehenkönnen du Indivldualwlllcns in einen Masscnwlllcn, das manifestwerden eines wirklichen Kollektivwillens ist m. E, ein Zeichen der wirklichen Orfj.inlslcrllie.lt eines Volkes, ein Zeichen für die biologische Einheit quasi einer Nation, ein Zeichen also für die Oesundhett eines Volkes. Unser Jüdisches Volk aber — und das bildet Ja eben dlo Grundlegung des Zionismus überhaupt — ist kein solches, unter einen biologischen Begriff zu fassendes, gesundes, d.h. zu Kollektivwillcn6äußerungen bereites Votk. Beweis dafür unter anderem das Fehlen einer jüdischen öffentlichen Meinung. Uns fehlt die Disposition zu einem Massenwlllen, wenn auch die Elementarerclgnisse uns nie gefehlt haben, die Anlaß1 dafür hätten sein können. nir:s&g5»r.mr^ "fWjjffl) Der Miß me§ dcafsdKn ZMs» mm ans üm lim&mft ttji von m MmM seiner Sciäcliei m jz£i>*zy*z!'~.~\ZSi So muß auch — trotz der enthusiastischen Empfänge unserer Führer in den Jüdischen Zentren des Ostens —* der Gedanke an einen jüdischen Willcnsslurm fallen gelassen werden, und mit ihm auch die sogenannte Moasenpropaganda. Wir sehen uns alle, kurz rekapituliert, In folgender Situation: Der Zionismus als sozial-politische Idee Im weitesten Sinne kann sein Ziel, die Normalisierung oder Harmonisierung des jüdischen Volkes nur erreichen, wenn der größte Teil dieses Volkes hinter ihm steht. Zionismus ist dio Organisierung des jüdischen Ocsatntwillcns. Das Jüdische Volk von heute ist zur Bildung eines Gcsanitwillens eben durch seine anormale Lage derzeit nicht befähigt. Dies ist der erste „Circulus vitiosus". Der zweite Circulus viliostis besteht in folgendem. Die Mobilisierung der verfügbaren geistigen und wirtschaftlichen Kräfte des jüdischen Volkes erfolgt heute unter dem Titel: „Aufbau Palästinas", durch die Setzung eines Teiles für das Oanze. Die dadurch gewonnenen Kräfte genügen nicht nur nicht für den Aufbau, sondern es werden durch die Einengung der zionistischen Idee Kräfte lahmgelegt, die sonst für die Gcsamlidcc von unerläßlicher Wichtigkeit sind. Dadurch fehlen die Menschen, die auch für das Teilproblem die entsprechende Arbeit leisten können. Parallel zu diesem Zirkel läuft ein dritter, der sich ungefähr folgendermaßen formulieren läßt: Die weltpolitische Lacc des Zionismus macht reale Gegenwartsarbeit in Palästina unerläßlich. Durch diese Palästinaarbeit wird der Gesamtorganisation so viel Kraft entzogen, daß die weit politische Stellung des Zionismus unhaltbar wird. Diese letztere Fassung würde ungefähr den Gedankengängen Strickers entsprechen. Ich habe nicht die Emplincrung, als ob ich In dem Vorausgehenden die Situation des Zionismus falsch oder ein seittg dargestellt hätte. Sicher Ist die Situation in düsteren Farben geschildert worden, aber es ßcliclnt mir, daß wir wohl zu unterscheiden haben zwischen Schwarzsehern und solchen, die nur nicht rosig sehen. Optimismus, diese beste indische Eigenschaft, ist wohl vereinbar mit schärfster :ritlscher Einstellung. Diese Einstellung aber erscheint mir unbedingt notwendig zu sein. Wir sind uns dessen bewußt, daß wir seit fahren In einem tragischen Kreise laufen müssen. Wo ist die Lösung, wo der Punkt, an dem der Hebel ein-, gesetzt werden muß? Ob PaUstlnaauIbau der Punkt sein kann, erscheint nach dem Ocsagtcn als eine Frage, die verneint werden muß. Der Pflichtgcdankc ist Inadäquat der großen Masse ebenso wie der Gedanke des Opfers. Wenn im Folgenden der Versuch einer Lösung gemacht werden soll, so bin Ich mir wohl bewußt, daß auch dieser Art der Lösung große Schwierigkeiten gegenüber stehen. Diese liegen vor allem darin, daß die Forderung, die aufgestellt werden muß, auf den allerersten, flüchtigen, trotzdem über i»chr bestimmenden Blick hin als utuinnlslisch erscheinen könnte. Deshalb erscheint es mir wichtig, zu versuchen, diese Forderung so gründlich als es in meiner Kraft steht, zu fundieren. I5cr Zionismus als solcher erscheint uns als der Kampf gegen die Bedingtheiten der. Lebens, als Negation alles dessen, was Zelt und Schicksal nun dem Judentum gemacht haben, als ein Auflehnen gegen die Bedingungen der Umwelt, gegen die l*sychologic der Masse, als ein Nichtancrkciincn der Trägheitsgesetze, denen wir unterworfen sind. Das sind die Forderungen, die dem Zionismus eine Zeit lang und teilweise noch heute die Merzen der Jugend erobert haben. Das Streben nach Einheit, Oanzlicit, Ungctcilllieit, nach Zusammenfließen von Idee und Tat. das den Typus des Chaluz geschaffen hat, erfüllt gerade die besten und opfcrbcreilctsten unter uns. In diesen Forderungen finde ich den persönlichen Zionismus, den Zionismus des Einzelnen begründet. Aber es ist nun die Frage zu stellen, ob die zionistische Idee als Idee der Renaissance des Volkes sich mit diesem persönlichen Zionismus deckt. Es scheint dies im allgemeinen die Ansicht der maßgebenden Kreise zu sein, die bereit 6ind, diejenigen, die diesen Pcrsönlichkcitsfordcmugcn des Zionismus am weitesten nachgekommen sind, als die Zlonisten, die Vollzionislcn, die anderen aber, die in den Verstricktliciten des Lebens zurückgeblieben sind, als die qualitativ Minderen anzusehen und dementsprechend zu werten. Die Maßgebenden, das sind die In einem bestimmten Gedanken- und Idccnkrcls erzogenen Männer, die über Zionismus schreiben oder über ihn sprechen und die in der jüdischen Presse und den zionistischen Acmtcm die Tonangebenden sind, müssen aus diesen Gedankengängen heraus natürlicherweise etwas, was 60 durchaus bedingt ist — wie es die Zionistische Organisation ja in der Tat sein muß — als etwas Zweitklassiges betrachten, als reines Mittel zum Zweck. Ihr Gedankengang ist: Die Zionistische Organisation bat die Mittel zum Pnlästltiaaufbm bereit zu. stellen: hat sie diese Aufgabe erfüllt oder kann sie sie nicht erfüllen, dann hat sie zu verschwinden. Qegcn diese Gedankengänge wendet sich meine Fordemng, die lautet: Zweiteilung des Zionismus in Idee einerseits, Organisatlo ^andererseits nicht nur de facto, sondern auch de Jure. Dazu erscheint es notwendig, daß m erst die zionistische Idee in ihrer Reinheit und Unbcdlngtlr i: nif-dcr aufgerichtet wird. Man muß wissen und erkennen, daß da* wichtigste, das einzig bestimmende die Forderung zu sein hat: Da$ jüdische Volk soll wieder aufgerichtet werden, soll wieder in die Lage kommen können, sein Schicksal nrllut ru bc stimmen. Wcun dJe Möglichkeit geschaffen werden kann, daß Im Jüdischen Volke wieder cm nationaler Wille entstehen kann, so nehmen wir von diesem nationalen Willen an, daß er in der Richtung Palästina, Hcbraisrrrus, mosaischem Sozlalgcsetz seinen Weg nehmen wird. Da wir als latente Sehnsucht des Volkes Erez-fsrael annehmen, da wir. In Analogie mit anderen Vftlkcrn, lit der Trias Land, Sprache, Kultur das endliche Ziel jedes nationalen btrebens sehen, sind wir Zlonisten. Unsere Tätigkeit als Zlonisten ist die Beorderung der Willensbildung Im jüdischen Volke, besser gesagt die Schaltung der Möglichkeiten zu einer derartigen Willensbildung. Diese* Recht usurpieren wir, weil wir fühlen, daß in uns den Lebenswillen des Volkes noch oder wieder lebendig ist, wir usurpieren dieses Recht als Minorität in wohlverstandener Mißachtung aller demokratischen Forderungen. Das ist das revolutionäre Element unseres Zionismus. Es Ist klar, daß die zionistische Idee in dieser Sclw'rfe nicht Oemcingut der Massen werden kann. Stets, zu allen Zelten und in nllcn Völkern waren die Willcnskräftigsten die Bestimmenden. Zur Reinigung der Idee ist auch 'eine Revision des Wortes Demokratie unerlißlieb, dieses Wortes das als Hemmschuh allen unseren Bestrebungen anhängt, das wir — in dieser Beziehung durchaus assimiliert, den gerade herrschenden Zcitströmungcn entnommen haben. Von maßgebender Stelle aus mull die Forderung auf. gestellt werden, die Idee des Zionismus neu zu ergreifen und zu begreifen. Dieses Rückbcsinncn auf die wirklichen Quellen unserer zionistischen Kralt muß diejenigen wieder in den Dienst der Sache stellen können, die durch die Verzettelung aut allen Ocblctcn sich nach und nach selbst verzettelt haben, die durch die Unmasse von sogenannten praktischen und Oegenwartsaufgabcn, die aut sie eingestürmt sind, an sich verzweifelt, alle die feinen, besonnenen und) guten Köpfe, die wir gehabt haben, die, hervorragend ah Willensbildncr, doch sich nicht zu „Schnorrern" geeignet fühlten. Wenn Beschäftigung mit der „Idee" von hervor, ragenden Stellen aus nicht mehr als „Zcilvcrscliwctidung" disqualifiziert sein wird, werden wir wieder Menschen findet«, die den besten Teil Ihrer geistigen und sittlichen Kraft voll in den Dienst der Willensbildung stellen werden. Daher geht meine Forderung, schärfer formuliert, dahin, der Ided wieder die Stelle clnzuciiiimcn, die ihr gebührt, sie al«» eigentliches Cnerglczciitnim zu betrachten und sie nicht Dienerin des Palästinaaufbaus oder Irgendeiner anderen prak. fischen Aufgabe sein zu lassen. Pflege, Durchbildung und Weiterbildung der ideellen Grundlagen des Zionismus muß Aufgabe derjenigen Kreise der Zionislen sein, die in sich Neigung und Beruf verspüren. Sic, die Theoretiker, sind, diejenigen, von denen Immer neue Energien ausgehen werden. Auch wenn sich ihre Arbeit nicht sofort in Ziffern und Zahlen ausdrücken lassen wird, muß anerkannt werden, dab sie das geistige Zentrum der Bewegung sind. Audi diese Arbeit muß und kann organisiert werden. Ansitze zeigen sich schon hie und da. Wir können die Thüringische zionlslischc Gesellschaft als solche bezeichnen; auch die neue Jchuda Halcvy Loge des Ordens l.O.U.B. In Berlin kann, wenn sie auch nicht zionistisch ist, ein geistiges, ideelles Kraftzentrum bilden. Kleinere, erlesenere Kreise von Zionislen werden 6ich in allen Städlcn finden, ihrem ungezwungene« Zusammenschluß in Gesellschaften, ihrer Aushreitttngsmögliclikclt aut geistig hochstehende Niclitzionlstcn, ihrer Einfliißmögliclikcit aut wertvolle Nichtjudcn steht nichts im Wege. Da ihre Tätigkeit nicht belastet ist mit materiellen Anforderungen, werden sie sich trei entwickeln können. Diese Gesellschaften brauchen kein Budget, keinerlei materielle Unterstützung seitens der „Partei''. Was sie brauchen ist nur die offizielle' Anerkennung und Würdigung. Sie sollen — kurz gesagt — im Leben des Volkes die Stelle der „Akademie" einnehmen. In ihnen soll das geistige Rüstzeug geschmiedet werden, das wir für unerläßlich für den Ziomsmus halten. Es ist liier nicht der Platz, auf die Details dieser gelstiueu Organisation einzugehen. Etwas anderes Ist nun die Organisation des Zionismus als solche, liier handelt es sich um ein materielles Erfordernis. Ungeheure Mittel 6ind autzubringen. Man hat vollkommen zu Recht erkannt, daß auf dem Wege der Spenden das Ziel nicht zu erreichen ist. Man hat die Steuer proklamiert, hat den herrlichen Begriff des Maasser aus der Geschichte und aus dem religiösen Leben hervor« geholt, ohne aber zu bedenken, daß die Zeiten andere geworden sind und mit ihr die Menschen. Warum sollte eine Steuer in einer Zeit, da Stcucrmoral so außerordentlich problematisch ist, einen anderen Eindruck auf die Massen machen, als es die Steuer irgendeines Staates tut. Wir haben einleitend ausgeführt und wohl auch bewiesen, dafi die Masse, das heißt, die Menschen, die das Geld haben, für uns unerreichbar Ist. Mit unseren aus der Sphäre der. höheren ruf nsch. > liehen Lebens geholten Argumenten kommen wir bei ihr " nicht nn. Die Auffassung des Maasser als VolksMcuer ist eine petitlo prlnclpü. Wenn wir als Schnorrer kommen — der Ausdruck ist jetzt wohl salonfähig? — werden wir nur die. jcnlgen erfassen, die nicht zur Masse gehören; bei den anderen werden wir als Schnorrer beschenkt werden. Die Masse will für ihr Geld etwas haben. Das ist fast ein Axiom, mit dem wir uns vertraut machen müssen. Es klingt unseren, durch eine wirklichkeitsahge. wandte Erziehung verbildeten Ohren sehr schrecklich, aber es ist einmal 60. Wir können ja, wenn wir sehr optimistisch sind, versuchen, die Masse auf ein höheres Niveau ru bringen, aber ich fürchte, daß dieser Weg ganz und gar ungangbar ist. Meine Forderung geht nun dahin, von den Organisationen zu lernen, die sich in ähnlicher Situation befinden wie wir. Das ist die Organisation der Kirche und die Organisation deo Sozialismus. Was scheu wir bei diesen, gewiß mächtigen und zahlreichen Organisationen? Die voll, kommene Anpassung an die Psychologie der Masse. Was die Masse will, bekommt sie für ihr Geld. Wir können nicht sagen, daß bei diesen Organisationen nicht Ideen von allererstem Range wirksam sind. Um aber diese Ideen in Wirkung setzen zu könucn, braucht der Sozialismus, um nur von diesem zu sprechen, die Massen, die Träger und Obli" --------- ' " ' ' -,! Chili SClll f ICH fiVf^i-M (.(IVIIDVIIWIIUWII rVJU^Abll OlliU IIUI UfC >UII den Führern In wohlverstandenem Interesse der Sache imputierten Triebfedern. Die Organisation aulrccht zu erhallen gelingt nur.durch die praktischen Vorteile, die verschiedenen kleinen Errungcn6chnitcn, die das Alltagsleben erleichtern und in gewissem Sinne verbessern. Immer schärfer vollzieht sieb geradezu eine Scheidung zwischen politischer und praktischer Seite des Sozialismus. Auf der einen Seite die Führer mit ihrer Ideologie, auf der anderen Seite die gewcrkschalf. liehe, rein wlrtscliaftliche Gruppierung. Jeder einzeln organl. slerte Sozialist — welcher Internationalen er auch angehöre — weiß, daß er erstens der Verfechter einer Idee ist und daß er zweitens von der Idee entweder jetzt oder in EvcutuaUffillen „etwas zu erwarten" hat. Das gibt ihm das Oclühl n nur von diesem zu sprechen, die Massen, die Träger und blckt der sozialen Ideen zugleich sind. Soziale Utopien, ifiasflschc Versprechungen, Leidenschaften, Haß und Feindhaften gegen die „herrschenden" Klassen sind nur die von jV..Y'i t f.-!•' .,' ' <' V^'v •U ,:t,f ,1 Ii.. IM' Ii' *h-irU ■■'.Vi!.': |M':; r-r;l ' i , ' j1 i feV. ■ '■„■;<'v 'k;'|;>, | :' i'.'Hm." Ui ' ^1 i i, u* -la i« i ■ i ':,iv I F.:- Kr 'i ■ ,,i •i. ■i-'.v.i ■'O : M ' (■ . ^fW 11 J,' f'r'S ,1 M l ,! :! . I ■ . '*at ,'vf ,' '' (' ,' t n t ■ ■ '-Ky I .' 'i n -.•i«'K Mi 'f v |/,;,<V . Vii' 3"l'',l' :■; i'! '1 ' \/" | ' II '!'•>! <'\ W(\ •vC"'* y-»tVv nu : I' -I 'Iii'" j 'iQ - *i;30;;,; ■ii ■ 1 :: I -|: :- fl"'./ '.« j'l '' : i*" III f •Mv ■ Ui«? .'• Ir t ■ 1£ V