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Jüdische Rundschau · 1925-05-15 · Heft 38 (15.5.1925) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 38 (15.5.1925)
Date
1925-05-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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/ Seite 348 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 38 II. Wir haben in der letzten Nummer der Jüdischen Rundschau einige Details über die Oroßc Kwuzah En Charod veröffentlicht, Insbesondere die Angaben über das Budget. Es war ein Beispiel aus einer derjenigen Siedlungen, die heute den Touristen am meisten bekannt sind und den größten Eindruck zu machen pflegen. Wir hörten, daß von den geforderten 17000 Pfund mir 10000 bewilligt und von diesen auch nur ein Bruchteil bar ausgezahlt wurde. Und wieder einmal hörten wir, daß eine unserer landwirtschaftlichen Gruppen vor der bangen Frage stand, was mit den völlig, unzureichenden Mitteln geschehen solle: die Wirtschaft wenigsten* notdürftig zu erweitern, auf die Qcfahr hin zu verhungern oder die Versorgung mit Lebensmitteln sicherzustellen und wieder für ein Jahr den Ausbau der Wirtschaf» zu verschieben. Mit jenem selbstverständlichen Heroismus, der unserer Arbeiterschaft charakterisiert, hat man sich zu der ersten Alternative entschlossen, hat wieder einmal geglaubt, die Gesundheit der Chawcrim dem Aufblühen der Wirtschaft hintansetzen zu können. Nicht uns steht es zu, diese Entscheidung zu kritisieren. Was uns zusteht, ist klar: , dafür zu sorgen, daß künftig: unsere besten Menschen solchen Entscheidungen nicht wieder gegenüber stehen müssen. III. Das Kommunique, das über die offiziellen Verhandlungen zwischen der Zionistischen Organisation und der Agudas Jisroel ausgegeben worden ist, gestattet kein zuverlässiges Bild über Verlauf und Bedeutung, dieser Besprechung. Es wird konstatiert, daß in zwei Fragen eine Einigung, zustande gekommen ist, nämlich in den Fragender Einwanderung,und des Bodenkauf s. Worin diese angebliche Einigung besteht, wissen wir nicht Ein zweiter Vcrhandlungskomplcx war die Frago der Gern eindcordnung, die ja von Breuer In erster Linie benutzt wurde, um seinen Kampf gegen angebliche zionistische Intoleranz zu führeil. Hier ist man zur Einsetzung einer gemeinsamen Kommission gelangt, die In Wien tagen soll und deren Beschlüsse der Genehmigung durch die zuständigen Instanzen der beiden Weltorganisationen bedürfen. Was endlich die Frage des Eintritts der Agudas Jisroel in die erweiterte Jewish Agcncy anbetrifft, so hat die offenbar sehr eingehende Diskussion, bei der von zionistischer Seite Charakter und Kompetenz der Agcncy dargelegt, von agudistischcr die Bedingungen für den Eintritt formuliert wurden, zu einer Vertagung der komplizierten Frage geführt. Wir verlangen, daß die Exekutive baldigst die Ocffcntlichkcit über diese Verhandlungen genauer informiert, die von uns mit größter Vorsicht geführt werden müssen, che wir Beweise für ein aufrichtiges Interesse der Agudah an einer wirklichen Kooperation mit nichtorthodoxen Juden erhalten haben. IV. Die Beschlüsse der Pariser Konferenz der Zionisten- Revisionisten enthalten eine Stellungnahme zu fast allen wesentlichen aktuellen Fragen unserer Bewegung, ausgenommen vielleicht die rein organisatorischen Fragen, die freilich bei der Einstellung der Jabotinsky-Gruppe zur Erweiterung der Agcncy etwas weniger aktuell sein mögen. Was die Beschlüsse charakterisiert, kann zusammenfassend als ihr rein deklaratorischer Charakter bezeichnet werden mid es füllt schwer zu glauben, daß die Konferenz-Teilnehmer an die Möglichkeit der Verwirklichung dieser Beschlüsse geglaubt haben. Das Problem der Jcwlsh Agcncy gedenkt man in der Form zu lösen, daß zum Kongreß alle Juden Palästinas« alle Spender der zionistischen Fonds und alle Mitglieder der an der Palästina-Arbeit beteiligten Organisationen Wahlrecht haben und der Kongreß dann sämtliche Mitglieder der Agcncy wählt, die Ihm allein verantwortlich sind. Das also bedeutet, daß die Zionistische Organisation ihren Charakter als nationaler Vortrupp verliert und in eine allgemeine jüdische Palästina-Organisation umgewandelt wird, ein Vorschlag, der seltsam anmutet gegenüber dem sonstigen Radikalismus dieser Vorschläge. Ob nicht vielleicht, wenn wirklich die an der Palästina-Arbeit beteiligten Organisationen auf dem Zionlstcnkongrcß vertreten sein werden, dann der nationale Charakter des Aufbaus viel mehr leidet, als wenn die Zionistische Organisation mit ihrem eindeutigen nationalen Aiifbnuprogramm mit anderen Organisationen die Jcwlsh Agcncy bildet? Die Pariser Beschlüsse enthalten ferner den alten Ladenhüter der Legion, 6lc verlangen — In Abänderung des Mandats — für die Ernennung des High Commissioncrs die Zustimmung der Zionistischen Organisation, sie verlangen die vollkommene Einbeziehung Transjordanlcns. Wie man sieht, es ist eine bunte Speisekarte, bei der mau mit einzelnen Forderungen politischer und administrativer Natur übereinstimmen kann, aber im ganzen nicht das Ocfühl hat, vor einem Aktionsprogramm zu stehen, das Basis für die Verhandlungen des Kongresses sein kann oder auch nur die Verhandlungen des Kongresses wesentlich beeinflussen kann. V. Die Forderung nach einer Verständigung mit den Arabern ist häufig genug gestellt worden und entspricht sicherlich dem Wunsche fast aller Zionisten und Juden Palästinas. Aber umso schwerer Ist es, praktische Wege zu zeigen, auf denen diese Verständigung bewerkstelligt werden kann. Schon der Mangel einer gemeinsamen Sprache kommt hierbei als äußerst störend in Betracht. Die Zahl derjenigen Juden Palästinas, die sich arabisch verständigen können, ist klein genug und noch viel kleiner ist die Zahl derjenigen, die eine arabische Zeitung zu lesen vermögen. So Ist eine Verständigung rein sprachlicher Natur fast stets ausschließlich durch das Medium des Französischen oder Englischen denkbar und das macht zwar den Weg zum arabischen Effcndi, niemals aber zum Fellachen oder städtischen Arbeiter gangbar. Deshalb beanspruchen die praktischen Versuche der palästinensischen Arbeiterschaft, zu gemeinsamer Arbelt mit dem arabischen Arbeiter zu gelangen, die ernsteste Beachtung aller derer, denen wirklich an einer Verständigung mit den Arabern gelegen ist. Nachdem bei den Eisenbahn-, Post- und Tclcgraphcuarbcitcrn bereits der Weg. zur gemeinsamen Arbeit gefunden worden ist, hat dann die Streikbewegung, vor allein in Haifa eine weitere Annäherung gebracht; denn diese Streiks waren ja in der Hauptsache Lohnstrciks als das Ergebnis der Teuerung und interessierten Juden und Araber in gleichem Maße. Der Brief, den streikende arabische Arbeiter in Haifa an die Histadruth Haowditn richteten, und der mit dem Ausdruck aufrichtigster Dankbarkeit für die Solidarität der jüdischen Arbeiter schließt, ist ein wertvolles Dokument auf dem Wege der arabisch-jüdischen Verständigung. Bekanntlich ist die Entwicklung inzwischen weiter gegangen und es wird augenblicklich in den Kreisen der Histadruth die Frage erörtert, ob die Begründung einer Gewerkschaft möglich ist, die die jüdischen und arabischen Arbeiter Palästinas umfaßt und deren nationale Sektionen sich mit denjenigen Fragen beschäftigen könnten, die nicht gemeinsamem Interessengebiet sind. Als solche kommen bei dem jü' dischen Arbeiter etwa Fragen der Einwanderung und der hebräischen Kulturarbeit in Frage. Es scheint fast, als jmuüUL Ji, Nene Schrillen zur Rcllfllousphllosopbic Von neuen Büchern über das Thema der Philosophie und Religion erscheinen mir vor allem Oentiles „Vorträge über die Religion" wesentlich. (Oiovanni Ocntile: Discorsi di religionc. Flrcnie, Vallccchl, 1024, 152 p.) Ihr Gedanken- Inhalt ist woht nicht neu. Es iit wesentlich Fichtesche Philosophie, die uns entgegentritt. Aber die nun mehr als ein Jahrhundert alten Gedanken wirken stark In der neuen Formulierung, die ihnen der italienische Philosoph gibt. Das Wesentliche an seiner Einstellung Ist, daß er den Glauben an das Objekt, an ein Sein außerhalb und unabhängig.vom Oeistc bis ins letzte verfolgt und autgibt. Ucberall dringt er auf Verfassung und Wirklichkeit (die eine geistige ist) und bekämpft den sprachlich so bequemen Olauben an Realitäten, die vom QcitU unabhängig sind, üttchcr z. ö. gibt es IQr ihn nicht. Sie sind tot, nicht existent. Es gibt nur Leser. Die Wissenschaft ist auch wieder der O e i t, der sie aulbaut. Die Poesie ist entweder Schaffen des Künstlers oder Nachschaffen des Gcnleflers. Daraus folgen Konsequenzen für die Politik: Der Staat ist nicht etwas, was auOerhalb der Menschen existiert, sondern ein Stück menschlichen Lebens. Er wird täglich von uns verwirklich», die Art, wie wir zusammenleben, ist der Staat. So ist auch alle Oeschichte in Wahrheit innere Oeschichte. Die Oeschichte des einzelnen Individuums ist die Geschichte seiner Befreiungen, der Erlebnisse, In denen es sieh mehr und mehr von der WirWichkelt der Umgebung befreite und von der Allgewalt des Ich überzeugte. So findet auch dos Problem der Freiheit ictne Lösung i „Unfrei" ist das Ich nur für denjenigen, der an ein objektives Für-skh- Bestehen der Dinge glaubt. Haben wir die SouvtrnSitlt des Ich einmal erkannt, so entfällt das gante Problem. „Die Welt existiert eben nicht, sondern verwirklicht »Ich", so lehrt diese Philosophie, die sich „aktueller Ideallsraus" nennt und den geistigen Akt in den Mittelpunkt Buer Betrachtung «tat Die Religion min Ist dies Streben nach Realltlt Im geistigen Akt, nach WcaenUlchkelt Im Oehrte. u Äu,e *e 8roDc RoUe nWvor» welche der jüdischchristlichen Religion auf dem Wege m Klärung dieses .Tatbestandes zugefallen ist. Durch sie wurde dlo Natur durchbrochen. Die Liebe z. B„ weiche für die Orieclicir eine Tatsache war, wurde für die Juden ein Gebot, aber" nicht mehr passive Fortsctiung der Natur, sondern freie Tat. Wenn Ocntile in seiner Religiosität au! Fichte und weiter auf Meister tlckliart zurückgreift, im versucht ein anderer italienischer Schriftsteller, Costa, die Frage über „eine mögliche zukünftige Religion" durch Hlnwcli auf die Scltopenhauersche Philosophie zu beantworten. Das Buch (A, Costa i dl una possibile futura religionc. Torlno, Bocca, 1924, 155 p.) ist nicht so tief schürfend wie das von Ocntile. Die Einwände, die gegen das Judentum erhoben werden — daGl es die Weit zum Geschöpf eines allmächtigen Oottcs machte und die Menschen daher zu Werkzeugen, die keine eigene Verantwortung tragen können —, sind wicht seht Viel. Itter unu da fällt jedoch in dein Buch eine gute Dcnicrkung^ wie, wenn z. D. die OriiDc des Katholizismus darin gesehen wird, daß er Hüter einer mittleren Linie In der religiösen Entwicklung war und den religiösen Extremen die ruhende Beharrlichkeit entgegensetzte. Costa vergleicht, ihn mit dem Pendel oder dem Volant, welche durch die Trägheit extreme Bewegungen zur Mitlc zurückführen. Der Heilige Franziskus zum Beispiel, cnfant tcrriblc der katholischen Religion, hatte die Welt auf den Kopf gestellt ohne die begonnene Klugheit Oregorn IX. „Pessimistische Rcligionsphilosophic der Gegenwart" nennt sich ein Buch, daskürzlich von Fritz Joachim von Rlntele ii Im Verlage Franz A, Pfeiffer, München, herausgegeben wurde (227 Selten). Die Rcligionsphilosophic, die gemeint 's», ist die Eduard von Hartmanns. Hartmann stand an der Orcnzc zweier Epochen. Er hat in seiner Ocdankcnwctt — die noch lange nicht genug bekannt ist und dei es vielleicht zum Verhängnis wurde, daß die „Philosophie des Unbewußten", ein Jugendwerk, rasch berühmt wurde — das ganze philosophische Erbe verarbeitet, Rtatclen stellt mit vieler Akribie die religiösen Lehren Hatlmatm» nach Ihren einzelnen Gegenständen zusammen und vergleicht sie mit den religiösen Gedanken, die nach ihm kamen, Rl.ntclcni Standpunkt Ist der christliche und an dem mißt er die Hartmanmxhe Philosophie. wenn hier durch die Klassen-Solidarität der Arbeiter seh»» der Weg zur Uebcrbrückung nationaler Oeeci,' sätzllchkelt gefunden Ist, gCn' VI, Aus den verschiedensten Teilen des Oaiuth haben wir In den letzten Tagen Nachrichten bekommen, die das immer stärkere Anwachsen der antisemitischen Bc. wegung beweisen. DJe französischen Gemcindewahlen haben in O'ran (Algler) zu Ausschreitungen geführt die noch andauern und bei denen die Juden offenbar sich ernsthaft. ihrer Haut gewährt und sogar zum Gegen, angriff auf eine antisemitische Zeitung übergegangen zu sein scheinen. Unendlich verhängnisvoller sind frei, lieh die Verhältnisse in Polen, obwohl dort an Stelle des Pogroms das menschlichere Mittel des Au$. hungerns getreten Ist Die Selbstmordcpidemic, von der auch die allgemeine Presse, wie z. B. die „Frankfurter Zeitung" berichtet und die zu ernsthaften Schritten des ttabbinats geführt hat, dürfte Ihresgleichen selbst In der Leidensgeschichte unseres Volkes suchen. Die polnische Regierung führt Ihre Politik, einen polnischen Mittelstand durch Erdrosselung des jüdischen heranzuziehen, unbeirrt weiter, in Amerika spricht man eher von weiteren Einschränkungen der Einwanderungs-Quote als etwa von ihrer Aufhebung und nur langsam vermag Palästina eine fühlbare Erleichterung für die ungeheuerliche Notlage zu gewähren. Daß auch In Deutschland die jüngsten Vorgänge eine Verstärkung der antisemitischen Bewegung gc. bracht haben, ist selbstverständlich, und wer am Tage des Einzugs des neuen Präsidenten der Republik etwa die schwarzen mit Totenkopf tind Hakenkreuz geschmückten Fahnen gesehen hat, wird sich darüber keine Illusionen machen. Immerhin wird das Urteil des Leipziger Ocrichfs gegen Theodor Fritsch, durch die er zur Zahlung der ausgetobten Summe verurteilt wurde, diesen berüchtigten antisemitischen Agitator gelehrt Itaben, künftighin mit Auslobungen etwas vorsichtiger zu sein. Weit sympathischer hat uns das Urteil des Wiener Gerichts gegen Stricker berührt, das zwar wegen der Formalbcteidigungen eine Geldbuße verhängen mußte, aber doch volles Verständnis dafür gezeigt hat, mit welcher Würde und welcher Energie Stricker die Ehre des jüdischen Namens verteidigt hat. Wir haben Orund genug gehabt, manche Urteile von Ocrichtcn In der letzten Zeit zu bemängeln; so wollen wir hier und im Falle Fritsch unsere Befriedigung zum Ausdruck bringen, wo wir einmal Ocrcchtigkcit erfahren haben, F.L', Keren Dalessod In Polen Wahrend der diesjährigen Winterkampagne des Keren Hajessod in Polen wurden ISO Städte und Städtchen durch die Vertreter des zentralen Keren Hajessod-Komitees in Polen besucht Trotz der schrecklichen wirtschaftlichen Depression in Polen wurden die Vertreter des Keren Hajessod überall rtufs herzlichste aufgenommen und die jüdische Bevölkerung zeigte gröütc Begeisterung (dr das Werk des Aufbau* von Palästina durch den Keren Hajessod. Während des Winters wurden 14 000 neue Zeichner für den Keren Hajessod gewonnen. Das Zcntralbüro hat alle- Vorbereitungen getroffen, um die Kampagne auch während der Sommermonate fort«- setzen. Nach den getroffenen Arrangements, soll auch im Sommer eine groOc Anzahl von Plätzen besucht werden, darunter Blalystock, Qrodno, Pinsk, Drisk, Stonltn. Die Gemeinde Zürich lür den K. B. Auf Antrag von Herrn Nationalrat Dr. Farbstein beschloß die Jüdische Gemeinde in Zürich, dem Keren Hajessod für das Jahr 1925 3000 Pres, zu spenden. » Ebenfalls vom christlichen — und zwar vom •katholischen — Standpunkte ausgehend schreibt Johann Peter Stcffcs, der vor einigen Jahren ebenfalls ein Buch über die Rcligionsphilosophic Hartmanns verfaßte, eine „Religions- Philosophie" alt Handbuch im Rahmen der philosophischen Handbibliothek de» Verlages Kösel & Puvtet, München (2e0 Seiten). Daa Buch hat die Form eines Kompendiums, reicher Inhalt auf wenigen Seiten zusammengefaßt. Obwohl die Form etwas schulbuchhaft ist, enthält das Buch außerordentlich viel Material zusammengefaßt und erfüllt sehr gut den Zweck eines Handbuches. Das Problem der Abgrenzung von Religion und Philosophie spielt natürlich in allen diesen Veröffentlichungen eine große Rolle. Steifes meint, die Philosophie verfolge theoretische, die Religion praktische Ziele. Philosophie sucht zu 'erkennen, Religion anzubeten und zu erlösen. Der Leipziger Professor Hermann Schneider hat soeben in zweiter Auflage ein Buch erscheinen lassen: „Religion und Philosophie, ihr Wesen und Ihre Aufgaben in der Ocgcnwart" (Verlag A.. Kröncr, Leipzig, 253 Seiten). Ihm erscheinen Religion und Philosophie als Stufen derselben Entwicklung, die Religion als tiefere, die Philosophie als höhere Stufe, well sie gereinigt Ut von Antliroponiorphismcn. Dasselbe Thema behandelt ein englischer Autor, Thomas B. Stroug, Bischof von Ripon, in vier Vorlesungen, die In der Oxford Clarendon Preß cischienen sind („Religion, Philonopliy and History, 78 Selten). Für Strong sind Religion und Philosophie zwei verschiedene Einstellungen zur Welt. So urspHlnglich wie die erkcnntnlsmSßlgc EJnslellung zur Welt welche eine Ordnung unserer Erfahrungen voraussieht und zu erkennen sucht, ist die religiöse, welche die Welt al» Offenbarung eines Wesens betrachtet So Ist Religion ein Gcscts der Gestaltung unserer Eindrucke und Wissenschaft ein anderes Ocactz der Gestaltung. Dies führt, scheint mir, geradenwegs zur Lehre von der doppelten Wahrheit, wie sie Im ausgehenden Mittelalter aufkam, zurück. Zum Schlüsse seien noch zwei Bücher erwähnt, welche fas wlbtümJWper Form in die vergleichende Religianiwiatcnschaft einführen, „Die Religion der Völ-

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