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Jüdische Rundschau · 1925-05-12 · Heft 37 (12.5.1925) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 37 (12.5.1925)
Date
1925-05-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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I Seite 344 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 37 Swine. RoscnblQtb Die Nachricht von dem Tode Samuel Rosenblüths, obwohl seit Wochen befürchtet, erschüttert alle, die da» QWck bitten, Ihm nahezustehen, auf die seine Persönlichkeit, die unmittelbar echte«, lebensfrohes Judentum ausstrahlte, in ihrer liebevollen, gütigen Eindringlichkeit gewirkt hat. Ein echter Schüler Rabbi Esrlel Hildesheimers hatte er «Ich in das Jüdische Schrifttum versenkt und lebte In Ihm. Dann hatte ihn Oustav Hirsch nach dem von Ihm übernommenen Messingwerk bei EbcrswaWe gezogen, wo er bald die Leitung des Büros (Ibernahm. Diese jüdische Kolonie Mcssingwcrk wurde min für Jahrzehnte »eine Heimat. Hier erzog er seine Kinder, hier fand er aber auch Genossen und Schüler, mit denen er „lernen" konnte. Seine rcligöse Orundauffassung binnte ihn keineswegs in enge Orenzen, vielmehr suchte er sich mit allem bekannt zu machen, was aus jüdischem Oc- (ühl entsprang. So horchte er, der gereifte Mann, auf, als die ersten Propagandisten die zionistischen Ideen hinaustrugen, so wurde er später Mitglied des Misrachi, so folgte er dann der. Arbeit in Erez-Israel und im Oaluth mit liebevollem Vcr- »tindnis. Fröhlichkeit war der Orundzug seines Wesens. Aber nicht jene oberflächliche Fröhlichkeit, die äuOerer Reizmittel bedarf, seine Fröhlichkeit trug ihn vielmehr durch das Leben» dis ihm nicht immer leicht geworden ist, gab Ihm Spannkraft, machte Arbeit und Mühsal leicht und gab seinem Hause das Oepräge. Als seine Söhne In den Verbindungen des K. J. V. aktiv geworden waren und ihre Komilitonen in dem gastlichen Rosenblüthschen Hause Einkehr hielten, waren sie, gefangen In der Stimmung dieses Heims, der Festtagsfreude seiner Sabbathe und Joinlm Towim. Das Haus Roscnblüth wurde der Mittelpunkt eines Kreises, der für die Entwicklung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland die größte De» deutung gewann, jede neue Acuflerung des zionistischen Lebens wurde dort an den Freitag-Abenden aufmerksam verfolgt. In der Erziehung zahlreicher junger Zionlsten spielen die Stunden, die sie in Samuel Rosenblüths gastlichem Hause verleben durften, eine entscheidende Rolle. In dieser Um* gebung blieb Samuel Rosenblüth jung bis In sein Alter hinein. Erst vor kurzem war es Ihm vergönnt, Eres-Israel zu besuchen, wo drei seiner Kinder ihre Tätigkeit gefunden haben. Wer ihn gekannt hat, wird mit Schmerz empfinden, daß sein Platz leer Ist, daß wir arm sind an Minnem, wie er tiner war. 7\"2*it\ Ein Voriran von Paquct Der „Frankfurter Zeitung" entnehmen wir folgenden Bericht über einen Vortrag von Alfons Paquet: „Als Ausgangspunkt seiner Betrachtungen stellte Alfons Paquet, der die zionistische Bewegung mit stärkster Anteilnahme in Wort und Schrift begleitet hat, sich selbst die naheliegende Frage, inwieweit er — als Nichtjude — dem Vorwurf einseitiger Subjektivität zu begegnen vermöge. Solcher Fragestellung gegenüber umzeichnete er seine Auffassung des jüdischen Problems dahin, daß ihm dessen Gegenwart ah eine Art Zustand von Dämmerung sich darstelle, aus dem sich aber schon der Oedankc einer neuen Renaissance herausbildet, einer innerlichen Selbstbesinnung, vielleicht zugleich unter äußerster Oefahr. Ist aber überhaupt von einer politischen Idee zu sprechen, wo die politische Form noch vollkommen fehlt? Wie wäre es wohl gekommen, wenn das Judentum sich dereinst auf clnlpc Jahrhunderte der römischen Cäsarenherrschalt unterworfen hätte, um dann vielleicht doch wieder zu den Trümmern des alten Tempels zurückzukehren, statt sich in mehrtausendjährige Zerstreung zu begeben? Aber losgelöst vom alten Boden offenbarte sich anders die nationale Idee in der Wahrung des geistigen, Inneren Tempels. BibeL Talmud und Geschichte wurden seine Dokumente. Ein Zusammenhang unsichtbarer Gemeinschaft sollte erwachsen, ein unsichtbarer Staat, ohne Oberhaupt und ohne Machtmittel; mag man darum streiten, ob jener Zusammenhang rassemäßiger oder kultisch-religiöser Art sei. Polltische Ideen sind nicht an Staatsform gebunden. L\s haftet ihnen allerdings etwas Unfaßbares an. Aber kann man wirklich von einer „politischen Idee" etwa des Deutschtums oder des Engländcrtums sprechen? Sind es hier nicht vielmehr Herrschafts be streb un gen 'die sich durchzuringen suchen? Drei U r w o r t e nennt der Redner für die jüdische Idee; Israel, Zion, Messias. Von tiefstem Mythos ist die Idee des Bundes umgeben, des Vertragsjchlusses eines Volkes mit seinem Oott. Dieser Bund und seine äußeren Zeichen: Sabbath, wiederkehrende Feste, Bodengesetz gehung hoben es von den einstigen heidnischen Nachbar Völkern ab. Weiter die Idee des Menschen als Ebenbild Gottes, hier ohne Ansehung von Klasse und Abstammung. Der arme Mensch wird zum sozialen Problem des Prophetentums. Dann der Begriff des Reiches, die Erwartung eines abschließenden Endzustandes von Gerechtigkeit und neuer weltordnung, des Reiches Oottes. Aus alledem erwuchs ein starkes Selbstgefühl den anderen Völkern gegenüber. Immer war das spätere Christentum sich seinerseits am stärksten und radikalsten, wenn es sich auf die alte jüdische Oeistigkeit zu berufen kam. So werden die zweitausend Jahre Christentum zu einer ständigen Aus emindersetrung zwischen der alten jüdischen ueberliefe fung und den kommenden Ideen. Der Redner wendet sich der zionistischen Beytgunjj »u, die er über alle Hemmungen hinweg in jugendlich heroischer Kraft und Hingebung vorwärts schreiten sieht und aus der er ein Stück homogenen echten Menschentums erwachsen sieht. Er gedenkt der einstigen Kreuzzüge, die Ihm teils aus edelsten, teils aber auch aus banalsten Beweggründen hervorgegangen erscheinen; Redenkt der einstigen jüdischen Auswanderer, die auf altem, Reheiligten Boden in Armut von Almosen lebten. Die neue fSewegung würde als vorwiegend kapitalistisches Unter nehmen ihren großen Zielen nicht gerecht zu werden vcr "?ogen. Selbst bei Wiederbelebung der alten Snrache würde s>e keine Innerliche Tiefe zeltigen. Nicht Patästintemus, sondern Zionismus müsse der Innere Sinn sein, dieser aber Könne Vorbild der Menschheit werden, wenn auch Im Cjmnfc gegen Trägheit und Murren der Außenstehenden, nir die übrige Welt offenbart unsere Ocgcnwart das Ocsetz «er Relativität auch für die mächtigsten Staaten. In den Wirrnissen des europäischen Christentums ging Streben nach neuer messlanischer Zelt nie verloren, "elm Zionismus handelt es sich um einen Autbruch zu neuem Ziel. Wer Antisemit Ist, der müsse auch Anllarlcr «eml In der Idee des Judentums erscheint historisch gc Reben die Achtung vor der geistigen Macht. Das Bibel *x>rt .Scholaum' — Friede —, das heute zum Wort des yrußes auf altem mcnschheltsgeheiligtem Boden geworden, ' '«t der Urgrund jener politischen Idee des Judentua»!" Sitzung des Zentralkomitees der Z. V. f. D. Am Donnerstag, den 21. Mai 1025, findet dicSlfzungi des Zentralkomitees der Z. V. f. D. im Logenhaus, Klcistslraßc 10, statt. Die Sitzung beginnt pünktlich um 10 Uhr vormittags. Berechtigt zur Teilnahme sind nur Mitglieder des Landcsvorstandcs und die ins Zentralkomitec delegierten Vertreter der Ortsgruppen. jptas^x'*?»#«r,yjas^Uijtj«c#CTi^^ Theodor Frltsch verurteilt. Von der sechsten Zivilkammer des Landgerichts Leipzig ist jetzt ein Piozcß entschieden worden, der mehr als drei Jahre geschwebt hat. Der bekannte völkische Führer Theodor Frltsch (Leipzig) hatte am 1. Februar 1021 1O00O Mark Belohnung für den Nachweis ausgesetzt, daß die in seinen Schriften wiedergegebenen Zitate aus dem Talmud und Schulchan Anich nicht sinngetreu übersetzt seien. Der Direktor des Ccntralvcrclns, Dr. Ludwig Holländer, erbrachte den Nachweis, Frltsch verweigerte die Zahlung, so daß Dr. Holländer gezwungen war, Klage zu erheben. Die Parteien hatten Privatgutaclttcu beigehraclit, der Kläger ein Out.ichtcn des Profcwin Dr. Outtmann (Breslau), der Beklagte eines von Dr. E. Blschoff (Leipzig). Vom Gericht wurde Professor Dr. Kahle (Bonn) als Sachverständiger bestellt. Das Amtsgericht Leipzig wies die Klage Dide vorigen Jahres ah. In der Berufungsinstanz verurteilte das Landgericht Leipzig Theodor Fritsch zur Zahlung von 10000 Mark nach dem Stande der Mark vom 11. Mai 1022. in der Urteilsbegründung heißt es, daß Vcrlwt der Zeugenaussage zugunsten eines Nlcliljudcii gegen einen Juden Ist keineswegs ein bedingungsloses, wie man nach der Übersetzung des Beklagten im ..Handbuch der Judenfrage" annehmen muß. Die wesentliche Beschränkung des In der streitigen Stelle des Schulchan Aruch verfügten Aussage- Verbotes ist in der Ucbcrsctzung des Beklagten auch nicht andeutungsweise erwähnt. Durch Weglnssung der Einzelheiten erscheint das Verbot verallgemeinert, dadurch ist sein Sinn in einer auch für die moralische Bedeutung des Verbotes erhebliche« Weise entstellt und die Ucbcrsctzung des Beklagten kann daher niclit mehr nls sinngetreu Im Sinne der Auslobung anerkannt werden. Mit Nndiwchuiig einer solchen erweislich unrichtig übersetzten Stelle hat der Klüger diejenige Handlung vollbracht, für welche der Beklagte die Summe von 10000 Mark als Belohnung ausgesetzt hatte. Gleichzeitig war infolgedessen «lic Verpflichtung des Beklagten zur Auszahlung der zugesagten Summe fällig geworden, und der Beklagte konnte den Eintritt dieses Erfolges nicht dadurch verhindern, daß er seine Verpflichtung zur Zahlung bestritt, während ihm doch der wahre Sinn der im „Handbuch der Judcnfragc" sinnwidrig gekürzten Stelle ganz wohl bekannt war. Die Jahrtauscndfclcr der Rhclnlando und die deutschen Juden. Aus den Vorbereitungen zur Feier der tausendjährigen Zugehörigkeit der Kheiiilandc zu Deutschland, die im luiil d. J. stattfindet und nicht altein im Rheinland, sondern In ganz Deutschland begangen wird, nehmen die rhclnl.'imllseilen Juden in hervorragender Weise Anteil. Den Aufruf des Ehrcnausschusscs für die Jahrtausendschau der Uheinlandc In Köln haben von iüdischcr Seite unterzeichnet: der Vorsitzende der Synagogcngcmclndc Köln, Blumenau, der Landtagsabgeordncte Justizrat Falk, der Vorsitzende des Rheinisch-westfälischen Rabbinerverbandes Dr. Koher (Köln). Wie schon mitgeteilt, wird die Jahrtausendschaii in Köln eine iüdischc Abteilung haben, die das Leben der Juden in den Rhclnlandcn im letzten Jahrtausend wiederspiegeln wird. Juden In der Gesetzgebenden Versammlung von Tanger, Die Gesetzgebende Versammlung von Tanger, die laut einer Ende des Jahres 1023 von Großbritannien, Frankreich und Spanien unterzeichneten Konvention einberufen wurde, trat am 1. Dezember zusammen. Die Gesetzgebende Versammlung besteht aus 2b Mitgliedern, unter diesen sind drei Vertreter der jüdische» Bevölkerung. Auch einer der drei britischen Vertreter in der Versammlung ist ein Jude: Herr Isaak A. Abcnsur, Mitglied der Bankfirma Moses Paricntc, die sich um die britischen Interessen in Tanger sehr verdient gemacht hat. Tausend jüdische Familien In Madrid. Tausend jüdische Familien wohnen gegenwärtig dauernd in der Hauptstadt Spaniens. Sic sind meist Kauflcutc, Bankiers und Handwerker. Sic bilden eine ansehnliche jüdische Gemeinde, die eine Synagoge im Zentrum der Stadt besitzt. Der Oenicindcrat hat unlängst der jüdischen Gemeinde ein Grundstück für einen jüdischen Friedhof zur Verfügung gestellt. Die Juden In Südafrika. In ,,The Zionist Rccord". dem Organ der Zionistcn Afrikas, wird auf Grund der letzten Zählungen die Anzahl der in der südafrikanischen Union lebenden Juden mit 62103 angegeben. Davon sind 31063 Männer und 28 OI0 Frauen. In den Städten leben 57 261 und in Farmen 4S-I2 Juden. Jüdische Prosclytcn? Laut dem soeben erschienenen Bericht der ungarischen Chcwra Kndischa sind wahrend des letzten Jahres zahlreiche gctaultc Juden wieder zum Judentum zurückgekehrt. Auch sehr viele Christen ließen «ich In die jüdische Gemeinschaft aufnehmen. Man führt diese Be wegung auf die brutale und verbrecherische antisemitische Taktik der Rasscschützler zurück. (Im 8-Uhr-lllntt hat Ministerialrat Dr. Oskar Müller vor kurzem mitgeteilt, daß auch In Deutschland als Reaktion auf das Treiben des antisemitischen Ariertums zahlreiche christliche Jünglinge und Mädchen, unter ihnen Abkömmlinge aller Adclsgesclilcchtcr, zum Judentum übertreten.) Die amerikanischen Kirchen gegen den Antisemitismus. Die 43. Konferenz der Föderation der amerikanischen Kirchen beschäftigte sich u.a. auch mit der Frage des Antisemitismus in Amerika. Das Exekutivkomitee wurde aufgefordert, den anwachsenden Antisemitismus in Amerika witksam zu bekämpfen. Zu diesem Zwecke wurden für die nächsten drei Jabrc je 15000 Dollar in das Budget eingestellt. Ein ehemaliger Rabbiner als PcBach-FcInd. Der frühere Rabbiner einer Stadt in Weiß-Rußland, Manes, der seine Rabbinerwürde niederlegte und ein Bekenntnis zum Kommiinismus und Atheismus ablegte, war In diesem fahre der Führer der von den jüdischen Kommunisten inszenierten Kampagne gegen die Institution des Passah-Fcstes. Manes eröffnete den Feldzug am 7. April mit einer Vorlesung Im jüdischen Arbeiterklub zu Minsk über den „Ursprung des Passah- Fcstes", In welcher er die Mitteilungen der Bibel über den Auszug aus Aegypten als Legende bezeichnete. Er forderte seine Zuhörer auf, während der Passäh-Tage nicht Mazzoh, sondern Brot zu essen. Er seihst, so erwiderte er auf eine Aufrage, werde zu Passah Brot essen. (J.T.A.) ,,ZionIst Review", das offizielle Organ der englischen Zionrsten, nimmt In seiner Malnummer Stellung zu den Problemen des XIV. Zionlstenkongresses. Die Frage, in welcher Welse die Zionistische Organisation neben der Jewlsh Agency weiter arbeiten wird, insbesondere das organisatorische und Küromäßigc Nebeneinander, scheint unserem englischen Bruderorgan noch völlig ungeklärt. Dagegen tritt „zionist Review" mit großer Entschiedenheit für das Verbleiben der Exekutive fn London ein. Palästina In Weuibley Von Lieut. Colonel Harold Solomon, London. Auf' der britischen Rclchsausstcllung In Wembley soll In diesem Jahre Palästina den Ausstellungs-Pavillon, den es im vorigen Jahre mit Cypcrn zu teilen gezwungen war, ganz zugewiesen erhalten. Dies wird ermöglichen, die Mannigfaltigkeit der palästinensischen Produktion besser als im vorigen Jahr vor Augen zu führen. Die Reichhaltigkeit des Pavillons schildert nachstehender Artikel Col. Solomons, des früheren Leiters des Handelt, und Industrie-Departements der palästinensischen Regierung und Hauptorganisators des Palästina-Pavillons io Wembley. Es war keine leichte Aufgabe, die Palästina übernahm, als es den Beschluß faßte, die Einladung des Staatssekretart der Kolonien anzunehmen, auf der großen britischen Reichtausslellung in Wembley im Jahre 1921 vertreten zu sein. Daß sie erfüllt und so erfolgreich erfüllt wurde, dazu kann man nicht nur die kleine Schar von Beamten und Privatpersonen beglückwünschen, die mehr als zwei Jahre vor der Ausstellung an dem Projekt gearbeitet hat, sondern die gesamte kommerzielle und industrielle Bevölkerung des Landet und ferner, In Indirektem Sinne, jene vielen Millionen In der ganzen Welt, Christen, Moslems, Juden, die für Palästina ein lebendiges Interesse empfinden. Wie typisch für die orientalischen Länder war jenes weiße, orange gestreifte Kuppelgebäude, aus dem sich die grünen Fensterläden und Türen lebhaft heraushoben — besonders eindringlich an den leider so wenigen strahlenden Snimnrrlagcu des Sommers 1021. Die Orlcnfprodukte darin, die Früchte und Parfüms, Süßigkeiten und llonig, Spitzen um) Stickereien, die Messing- und Perlmuttcrarbriten, Ton- und I lolzbildwerke machten einen glauben, die massiven Tore, die man soeben durchschritten hatte, bilden die Grenze zwischen Morgen- und Abendland. Wenn man sich aber an die Umgebung gewöhnt und Zeit und Raum — denn der Palästina- Pavillon war stets gedrängt voll — gehabt hatte, die Ausstellungsgegenstände sorgfältiger zu betrachten, dann mußte man finden, daß dieser Eindruck nicht ganz korrekt war. Denn in Palästina begegnet das Kamel auf der Landstraße dem Automobil, der Pflug Abrahams gräbt die Scholle Seite an Stile mit der letzten Erfindung der Mechanik aus den Vereinigten Staaten und die kümmerlichen einheimischen Viehherden grasen auf der Ebene von Scharon neben durchgezüchteten Hcrcford-, Jersey und Friesenrassen. Und im Pavillon sieht man In benachbarten Räumen das primitive geblasene Glas aus Hebron — das Erzeugnis eines aus der frühesten Antike stammenden Gewerbes — und die Pläne für die Nutzbarmachung des Jordan zur Erzeugung von Millionen Kilowatt elektrischer Energie für die Entwicklung der wachsenden Industrie Palästinas. Etwas weiter ab hängt das Bild einer großen Fabrik — der größten Mchlnuihle im Nahen Osten, die mit neuesten Masellinen ausgestattet ist. Moderne Parfüms bringen Gruße von „der Rose aus Scharon und der Lilie des Tales". Toiletten, seile wird verkauft, die wir kein englisches Produkt schäumt und doppelt so viel ausgibt, hergestellt mit modernen Maschinen, aus reinem Olivenöl, wobei nicht vergessen werden darf, daß die primitive Seifcnhcrstcllung in Palästina fast so alt Ist, wie die Olivenbäiime, welche die Täler von Samaria und die Hügel Oaliläas säumen. Viele Seiten könnten ausgefüllt werden mit dem Erzählen von diesen alten Ocwerbcn, deren Kunst durch die Jahrhunderte von Hand zu Hand getragen wurde. Viel mehr noch könnte berichtet werden von der starken Welle moderner Industrie, die anfängt, sich Uber das Land zu ergießen und den Staub der Jahre mit frischem Leben durchwirbelt. Nur ein paar wenige der bedeutendsten Zweige seien erwähnt, die alle oder zum Teil im Pavillon des Jahres 1923 wie 1921 zu finden sein werden. Nehmen wir erst einmal die traditionellen Handwerks, zweige, die Teppich- und Klelilerweber, die Färber von „Gewändern vieler Kulturen", die Sticker von Ramallah und Bethlehem und die Spitzcnklöpnler von Nazareth. Dann die Kupfer-, Zinn-, Silber- und Goldschmiedekünstler, die geschickten Filigranarbeiter und diejenigen, die die seltsam geformten Kainclglocken machen, deren charakteristisches Geläute von Dan bis Berscba und noch weiter ertönt. Gerber wie Simon und die Hersteller jener komischen Wasserheutcl aus Ziegcnliaut, deren Oewerbe in dem Tal an der Höhle von Machprlah schon vor dem Aufdämmern der Weltgeschichte getrieben wurde. Sodann die Schmiede der primitiven Pfltigtcile und der krummen Oriffe. Sattler, deren Erzeugnisse durchaus nicht dem Gurt eines englischen lägers gleichen, und zum Schluß diejenigen, die llausutensilien, wie Korbwaren, Siebe, Holzlöffel, Blasebälge herstellen, die Olaser und die Fabrizierer von Musikinstrumenten, wie Lauten und Trommeln. In diesem Jahre werden in Wembley die Handwerker in einer Art eigenen Umgebung zu sehen sein. Der Pavillon Ist nämlich In eine „lerusalemer Straße" umgewandelt worden, mit Stelnarkadcn, seltsamen Steinbögen oder fliegenden Strebepfeilern, welche die Straßen des alten Jerusalem so einzigartig in der Welt machen. Zwischen den Arkaden werden die Läden eingerichtet, wo die Waren der palästinensischen Handwerker zusammen mit den Feldprodukten zum Verkauf anstiegen werden. Goldene Jaffa-Orangen, Mandeln, Oliven, Femen, Aprikosen, Weintrauben, Walnüsse und Bananen.Weine und Liköre jeder Sorte aus den berühmten Kellern von Rischon und Sichron Jakob, Gerste zum Mälzen, die den englischen Bierbrauern und Destillateuren schon lange bekannt ist, Hrmir;, von dessen Süße Joschua und Caleb nach der Rückkehr von Ihrer Entdeckungsreise über den Jordan erzählten. Auch Zuekerwerk, zuviel um es zu erwähnen, ist für Jung und Alt zu kaufen; ähnliches wird In der ganzen Ausstellung nicht zu finden sein. Auch die letzt entstehenden großen modernen I n du Strien werden vertreten sein, jedoch nicht so vollständig, wie zu wünschen wäre, da sie vorläufig in der Hauptsache nur für den Inländischen Konsum arbeiten und ihre Produkte für Ausstellungszwecke nicht geeignet sind. Die bedeutendsten gehören zur Bauindustrie, wie Silikatziegel, Zementblöcke, nach- und Bodenziegel und Zement selbst, um nur ein paar herauszugreifen. Daneben werden aus dem Meer Salz gewonnen, Zigaretten aus Palästina-Tabak hergestellt, Schokoladen. Mineralwasser u. a. m. fabriziert. Wenn man den Pavillon verläßt, trägt man viele neue Eindrücke mit »Ich heim. Man kommt zu dem Schluß, daß Palästina kein schlecht regiertes Land des Stillstandes mehr Ist und auch nicht unter zersetzendem Hader leide», wie die Zrltungen vor nur ein paar fahren gemeldet halten, sondern daß es unter der klugen Regie Britanniens als Mandatnrmach« und dem Antrieb des zionistischen Ideals eine Aera des Friedens und des Oedeihens atmet, wie es noch niemals in der bunten Oeschlchte überhaupt bekannt war. Eine Bonbonfnbrlk In Haifa. Unter dem Namen „H «• dar" arbeitet letzt In Haifa eine Bonbonfabrik mit einem bisherigen Kapital von £E 700. Acht Leute werden dauernd beschäftigt Fabriziert wird Marmelade, Konfekt und verschiedene Sorten Schokolade. Die Produktion gelanrt größtenteil« Im Norddittrikt von Palistina zum Verkauf. ,t /•< , , . H - , | « :)■,, . I ' J'' (' t Y '11 <{i J > ' r|,'' ' ' ,|l. »■■"!'.';■! u h*! ■. i i l r,i! * " hj y.< hv;:ir 1 riY," r; >; * i: -i < < r;tl »! .'! ' , Ü f:'U c l'V ' l'.'r * ■' 1, '-';.;< dy;-.;., - $• ):.,\>, nllrV l X ><', ' a;,/ ■»':;•• . i ii fM' ■ Pi!' v ■ i' .V. f.',-y-;.: s ''■) ,f, i s >'.:,r\- V. '■ h ■,,,( ,■ v ■'. 'I jl "V ...w h ■ .•.;[ k-- , ' ' 7 i '■ n '> a!.:"' h V-V * ' <! r .i V \i d'. ».: di' ■>,. i/i l."1!' : v ... Ii ii •' i g v a « n/ S! b ,\ , j ■;i V'. .-,'» 1 ' {■'• y Yi. 'I ■ n v / . n J ■• A Vir' *' i, ■H-. ri , r.' all1 <; *. } , yr: %:.■!■■ n \):\ « •> i •i .i. •, iV.-' i.' C -J; / l i'iis; .{m I .•:!.•.» .1 AU 1 ' 1 , t! , ' al : ■; I',1 i t f'»,!)'' i 1 . i * ■ i.U! »' , i

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