Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 37 (12.5.1925)
- Date
- 1925-05-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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I l.n »- Nr. 37 7ÜEDISCHE RÜNÜSCH'ÄÜ Seite 342 Die Warschaner Selbstmordepldemle Aus Warschau wird der „Wiener Morgenzeitung" berichtet: Die trostlose wirtschaftliche Lage, die wie uberall, 'nett In Polen, t'. zahlreichen geschäftlichen Zusammenbrüchen Ptführt hat, macht sich ganz besondere unter den luden fühlbar, die zum überwiegenden Teile dem Handels- und Gewerbe- •laiid angehören. Die Stagnation Im Handel und die Schwierigkeiten, die vornehmlich die von Juden betriebenen Industriezweige gegenwärtig durchzumachen haben, erzeugte In den Oflhrn der Juden eine geradezu seelische Depression, die .ich in einer nicht mehr zti übersehenden Sclbstmordcpcileiuie kundgibt, wie sie die Jüdische Ocschlchte' bisher nicht zu verzeichnen hatte. Der sprichwörtlich gewordene fatalistische Optimismus, der bisher das Judentum über alle politischen und wirtschaftlichen Krisen und Verfolgungen hinübcrgcrcttct hat, scheint plötzlich versagt zu haben, Dieser psychische Zusammenbruch ist viel bedenklicher als der wirtschaftliche, weil er beweist, wie sehr der Krieg, die Pogrome und die Erschütterungen der Nachkriegszeit diese Menschen 50 sehr zermürbt hat. daß viele von innen den letzten Halt verloren haben und den Selbstmord als Auskunftsmittcl wühlen, der besonders bei den Ostjuden stets als unjüdisch und irreligiös verpönt war. Um divscr furchtbaren Psychose zu steuern, haben die verschiedenen jüdischen führenden Kreise, je nach ihrer Stellung und Richtung, zu verschiedenen Mitteln gegriffen. Die jüdischen kaufmännischen Vereinigungen halten unausge- «cfzt Beratungen darüber ab, wie der jüdische Handelssland durch gegenseitige Rechts- und Kredithilfe, durch gemeinsame Vertretung ihrer Interessen bei den Behörden usw. über Hie gegenwärtige Krise hinübcrgclcltet werden könnte. Auch die starke Auswandcrerbcwcgung nach Amerika und Ercz-Isracl will zur Entspannung der Nervosität unter den Juden beitragen. Vom religiösen Standpunkt nimmt nun auch das warschauer Rabbinat Stellung, denn diese Flucht aus dem Leben, das so vielen Juden unerträglich geworden ist, wütet in orthodoxen Kreisen in nicht geringerem Maße wie in den Reihen der fortschrittlich Gesinnten. Die Maßnahmen des Rabbinats sind radikal drakonisch, doch muß man füglich zweifeln, ob sie auch den gewünschten Erfolg zeitigen werden. Das Warschauer Rabbinat wird nämlich schon in den nächsten Tagen einen Aufnif an die jüdische Ocffcntlichkcit erlassen, in welchem verfügt wird, daß nach einem Selbstmörder keine der sonst für den Fall des Ablebens von Blutsverwandten bestehenden Traucrvor.schriftcn, wie Schiwah usw., beobachtet werden dürfen, dem Selbstmörder darf man nicht das Trauer- «leite geben und selbst die Chcwra Kadischa darf sich mit der Lclciic eines Selbstmörders nicht befassen. . . Das Rabbinat glaubt bei der den Juden angeborenen Pietät durch diese Art der Exkommunizicrung der Leiche des Selbstmörders besonderen Eindruck hervorzurufen, übersieht aber in seiner Wcltfrcmdheit, daß der lüde, dessen Verzweiflung bis zum Selbstmord gereift Ist, mit allem, auch mit der Rücksicht auf das Rabbinat, abgerechnet hat. Andererseits tnuO es als grausam empfunden werden, die Hinter» hlicbcncn des Unglücklichen zur Pietätlosigkeit zu zwingen. Das ist das ungeeignetste Mittel, die Sclbstmordepedcmic einzudämmen. Auch die „Frankfurter Zeitung" behandelt In Ihrem Feuilleton vom 7. Mai die traunge Erscheinung der Selbstmordepidemic unter Juden. Sic schreibt u. a.-. Sollte mau es glauben I Die Rabbiner von Warschau haben sich zusammengetan und haben den Selbstmord verboten I Wer sich dem Ochciß widersetzt und dennoch sein Vergnügen daran findet, vermittels eines Sturzes aus dein Fenster oder des Ocffncns von Üashähncn mit übereilter Geschwindigkeit aus diesem herrlichen Leben in ein immerhin problematisches Jenseits hinüber zu jonglieren, der wird streng bestraft werden, sagen die Rabbiner. Aber wie macht man es, einen Menschen zu bestrafen, der sich für alle seine Sunden schon bereits selbst das höchste Ausmaß zudiktiert, das die weltliche Gerichtsbarkeit in ihrer Unzulänglichkeit herauszufinden imstande ist? Das graue Elend kriecht längs der Häuser mit den zerbröckelnden Fronten durch die Straßen der Judenstadt. Ganz cewiß, der Jammer brütet über ganz Polen, aus dem sein hartnäckiger Finanzministcr Grabski den letzten Pfennig herauspreßt, um die durchlöchertsten Staatskassen damit sloplcn 711 Können. Aber am schlimmsten ist der Handel getroffen. Und der Handel liegt zu neun Zehnteln in den Händen der Juden. Nun schließt aus Not ein Laden nach dem andern auf der Nalcwki und der Francziskancka, wo sich die jüdischen Tcxtil- und Lcdcrhändlcr, Haus für Haus, angesiedelt haben. Der eine Händler läuft zum andern und bettelt flehentlich um einige Dutzend Zloty, und keiner besitzt sie. Ein tiefes Orauscn herrscht in den Wohnungen, in die, Ifstcn und unbeirrten Schrittes, der Abgesandte des Herrn Orabskl tritt, und für Vermögensabgabe, Einkommensteuer, Grundsteuer und olle möglichen Abgaben in einem Monat mehr verlangt, als der Verdienst in einem Vierteljahre het'ägt. „Der Jude unterschlägt sein Einkommen", so heißt <lif imtliche Losung, wenn es sich darum handelt, die Slcucr- 'iffcrn in schönen, phantastischen Zahlen festzustellen. Oewill mag dies in vielen Fällen richtig sein . Aber hat man vielleicht tjehört, daß christliche Händler sich beeilen, die Summe wer Verdienste in den Büchern zu überschätzen? Böse, ungreifharc Feindschaft lauert überall gegen den Juden In Polen. Es gibt keine Pogroms mehr unter polnischer Herrschaft, und wenn man die Ocsetzcsparagraphcrt durchblättert, so findet man manches, mit dein man im Ausland paradieren kann. Wenn sie nur immer zur Wahrheit würden, diese Gesetze von der Glcidibcrcchtigungl Der jüdische {•emenhändler, der seinen Laden an der einen Ecke der Straße &at, muß sehen, wie er rüder und quälender von den Steuerbehörden angenackt wird, als sein christlicher Konkurrent auf «er anderen Seite der Straße, wie die Summen, die er hergehen juß, um vieles die seines Konkurrenten übersteigen. Denn c» „Jude unterschlägt ja sein Einkommen". Bctclvwctdcn? Die RcU&tdcn sind statt vot QctcchVigkcit "nd es soll einmal jemand kommen und ihnen nachweisen, <"ß sie den Juden schlechter behandeln, ja, daß sie Ihn sr>gar verfolgen. Gibt es etwa einen numerus clausus auf römischen Hochschulen? Es soll jemand wagen. Polen zu verleumden I DasQcsetz verbietet sogar ausdrücklich den immens ciausus, Man hat es mit einem ehrenwerten und geechten Staate zu tun. Und wenn die große Mehrzahl der J"oen von den Studienräumen fern gehalten wird — nun, S daran die einfache Tatsache die Schuld, daß kein natz vorhanden ist, und zwar zufällig Immer in den Augcn- °"5kcn, in denen ein Jude sich meldet. Und wenn ein P'ufender Professor einen jüdischen Studierenden ganz bc »anders scharf hernimmt, dem christlichen Kameraden dagegen tise über die Schwierigkeiten hinweghilft so ist das eben n,c Rewisse Stlmmungssachc, und der Teufel soll den Deweis lern, daß die Juden im Nachteil sind. * btJ?'? d'e Wilnaer Zeitung „Die Zeit" meldet, wird der ich« *lc, R*bwI°" Raim',dc.f y<f'««r des großen ethl- Piti..rWerk1e• >A°fc* ChaJun", in der nächsten Zeit nsch '"MUna reiten, uro «Ich dort dauernd niederzulassen. Ein Völkerbundskommissar für die Judenlrage Von Dr. Oskar Karbach, Vorstandsmitglied der Jüdischen Völkcrbuiidllga für Oesterreich. Mit der Zerstreuung des jüdischen Volkes über den Erdball war die Judenfrage ßcirchcn: merkwürdig und einzigartig wie olks, \va» da» Judentum berührt, war die Art, in der die Menschheit versuchte, den Schwierigkeiten ihrer Lösung zu entgehen. Durch Jahrhunderte fegte man sie ad acta, kapselte mau sie in das Ghetto ein: und als sie so uf» Laufe der Zeit dank des unverwüstlichen Tradition«, beharren* der Juden staunenswert unverändert erhalten, endlich nicht mehr zu umgehen war, wollte man mit der gewagten Fiktion der Ncglerung des jüdischen Volkstums und der Ausflucht der alleinseligmachenden Assimilation über ihre Klippen hinwegsetzen, Aber es verdient festgehalten zu werden, daß auch die assimilatorische Lösung des Problems in der Legislatur niemals nnders als durch negierende und einschränkende Bestimmungen, in der Praxis jedoch nahezu gar nicht von der nichtjüdischen Umwelt systematisch angestrebt wurde. Erst die allerletzten Jahrzehnte haben, ausgehend von der immer stärker werdenden Reaktion gegen diese Verschleppungstaktik der Maßgebenden, vom Antisemitismus und dem Wiedcrcrwachctt des jüdischen Volksbcwulltseins aus. die, weltgeschichtlich betrachtet, hier zweifelsohne parallele Erscheinungen darstellen, Versuche gesehen, die jüdische Frage systematisch zu lösen. Die Initiative hierzu, wie alle positive Arbeit ist bisher ausschließlich jüdischer Tätigkeit zu verdanken. Von dem großen Neubau dieser systematischen Ord- «lung der jüdischen Angelegenheiten über die ganze Welt hin stehen heute erst Teile in verschiedenen Stadien der Vollendung: am weitesten ist dank der Schlagkraft des großen Gedankens, wie der Umwälzungen des Krieges die zionistische Komponente gediehen. Ihr folgen das in bitterster Notwendigkeit entstandene Werk interterritorialer jüdischer Hilfeleistung, wie es in den großartigen Aktionen für dio Opfer des Krieges und der Revolutionen und die verelendete jüdische Bevölkerung der besiegten und wirtschaftlich ruinierten Staaten zu segensreichem Ausdruck kam und schließlich, am weitesten zurückgeblieben, ja neuerdings unverdientermaßen sogar zurückgegangen, die Bestrebungen zur Neuordnung der jüdischen Verhältnisse in der Diaspora; deren Aktualität «ach den ersten Stürmen de* Umsturzes und der definitiven Einrichtung tiuropas zu Unrecht verblaßt ist. Zwischen diesen drei Hauptzweigen jüdischer Reformtätigkeit (in «liesein Zusammenhange braucht von dem Gebiete des Erwachens eines neuen jüdischen Kulturlebens nicht gesprochen zu werden, das sonst wohl an erster Stelle zu nennen ist) besteht trotz vielfacher Identität der leitenden Persönlichkeiten und der Massen, die sie tragen, kein befriedigender und vollständiger innerer Zusammenhang, Von verschiedenen Instanzen aus dirigiert (Zionistische Exekutive, WcIUiilfskonfercn/, Comit« des dclegations lulves) fehlt selbst den jüdischen Kräften, die hier aufopfernd am Werke sind, ein einheitlicher präziser Plan: wir besitzen wohl etwa cüi ideales Zukunftsbild von Erez-Ixrncl vor innerem geistigen Auge, aber keines der Entwicklung der jüdischen Gesamtheit, Wir stehen erst am Anfang systematischer jüdischer Aufbauarbeit und nichts ist verständlicher als die gesunde Reaktion auf die Würdclosigkeitcii der eben vergangenen Periode der Sclbslncgieruug, die alles und jedes ans eigener jüdischer Kraft herzustellen und zu erreichen vermeint, Aber die Zeit ist zu ernst für Experimente und für die Hingabe au Utopien,' deren Fehlschlagen nur mit Verbitterung und Enttäuschung enden kann. Iis kann sich morgen schon wieder um Leben, Sicherheit und Besitz von Millionen von Volks genossen liandcln, ein zu hoher Einsatz für eine Vcr< schlcppungstaktik und für die Abkehr von dem Gefühl der Verantwortlichkeit und von der Erkenntnis der natürlichen Orcnzcn des eigenen Maclitlwreichcs. Es gibt keinen jüdischen Faktor und es kann auch keinen heute geben, der imstande wäre, allein die Welt-Judenfrage in complcxi systematisch zu bearbeiten, Ihre Voraussetzungen klarzustellen, Ablulicvorschlägc mis/uarbelleii,. geschweige denn sie zu verwirklichen. Die Gründe hierfür sind: 1 Ein völkerrechtlich aucrfcniiiitcr jüdischer Faktor für das Gc samt gebiet der jüdischen Frage Ist heute undenkbar, 2. Ein numerisch bedeutender Teil der Juden steht außer halb jeder organisatorischen Bindung (auch hinter der Jewish Agcncy wird z. II. nicht „das ganze jüdische Volk" stehen, sondern nur ein erweiterter Kreis). Der praktische Einfluß afler jüdischer Faktoren auf die jüdischen Xlassen selbst ist lediglich ein moralischer: ciiie tatsächliche Leitung ihrer Angelegenheiten, besonders in sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht, die für Reformen nötig wäre, existiert nicht. 4 Das Judcnproblcm umfaßt heute schon Personen, «leren Vertretung wir ablehnen (z, 11. Numerus clausus gegenüber .getauften Juden). 5. Herrschen bedeutende, verschieden motivierte Meinungsverschiedenheiten über die einheitliche Bc haiidhing der Jmlcnlrngc Im aktiv-jüdischen Lager selbst 0. Bedarf es in einer Zeit, die selbst «len grollten Mächten ihre ständige Abhängigkeit von der Gesamtheit der Völkerfamilic ständig vor Augen führt, keines Beweises, daß ein Volk wohl allein — und nur so sich nuf sich scllwt besinnen kann, daß aber das Durchsetzen äußerer Vcr äudcruugen ohne Mithilfe Gutgesinnter unnif>|;llcli ist. Damit fällt aber jede Möglichkeit, die Judenfrage, eines der größten Probleme der heutigen Menschheit, vollständig und objektiv festzustellen und die Mitwirkung der gesamten Gesellschaft für sie zu reklamieren und durchzusetzen. Was wir zu ihr äußern, wird immer Meinung einer Partei im btrcit. ja in der Regel einer Partei werden: aber unser Zeitalter hat cm Recht darauf, in der Judenfrage seine Pflicht zu tun, in einer seiner kompliziertesten und schwerwiegendsten Angelegenheiten, die weit über den Kreis der jüdischen /.icnschcn hinausgrcilt und politisch, wirtschaftlich und kulturcll mit ihrem hpiel und Gegenspiel offencr.uiid verborgener Kutte wcsctttfvch diuu UUriiRt, lue Unruhe der Wcft zu Konservieren. Gerade derjenige, der für die Idee des Völkerbundes arbeitet, wird sich davor hüten, ihn in schier heutigen Form zu überschätzen und sich mit dieser zufrieden zu geben Aber der Bund Istentwicklungsfähig und er kann einmal das Gewissen der Welt werden: sich ihm anvertrauen, kann schon heute nicht heißen, seine nationale Würde verleugnen oder die Ansprüche seines Volkes an die Zukunft degradieren. Die Errichtung eines eigenen Völkcrbundkommissariats für de« gesamten Bereich der Judenfrage ist eine Notwendig, kcit: nur cm Organ des Völkerbundes kann mit dem Wust volkcr- und staatsrechtlicher, innenuntf außenpolitischer Schwierigkeiten fertig zu werden hoffen, vor «lern jede durch greifende jüdische Tätigkeit heute kapilulicrcn müßte. Niu bo kann die Judcnfragc al» universelle Erscheinung crfnßt, statistisch geklärt werden, was Krieg, Revolution und wirtschaftlicher Zusammenbruch verschulde!, was Flllchtlingunol, Numerus clausus und Wirtschaftsall!isemltismu« vcrhruchci-, ww Masscnwandcrung, Berufiumschichtnng, Palästina vor- 5nde{t und teilweise neu gebaut haben: nur von dort aus kann der Welt ein umf»»Kndes BIM geboten werden von dem Kampf der Idee« innerhalb des modernen Judentums, von den Motiven des Ringens um den Gedanken der nationalen Wiedergeburt, von der Größe, Taktik und den Hintergründen des Antisemitismus, von den Auffassungen und den Maßregeln der einzelnen Regierungen. Es gibt keine andere Frage, die mehr internationalen Charakter besitzt und mehr «les Supplementes eines internationalen Forums bedürfen würde. Nur ein ständig mit jüdischen Angelegenheiten befaßter Funktionär kann im Notfälle rasch hei der Hand sein und den schwerfälligen und für uns Juden schwer zugänglichen Inst.iii/eii/iig beim Völker- Imiitle wirkungsvoll und brauchbar ergänzen; nur er Kann, culsptccheiid (lernten, ein zusammenhängendes Reformprogramni ausarbeiten, d,is die Garantie besitzt, vorurteilslos geprüft und iniernatioiial unterstützt zu werden. Der Kommissär würde kein Organ des Judentums sein, mildern eines der im Völkerbünde vereinigten Nationen zur Prüfung und Regelung einer der großen Fragen «1er Menschheit: er svürde aber auch kein Diktator sein, gegen dessen Tätigkeit ein Widerspruch unstatthaft wäre, ebensowenig wie dies bei einem der anderen Kommissionäre der Fall ist, die heute schon bestellt sind, schon gar nicht vor dem Bestehen eine» jüdischerscits gebilligten Kcformprogrammcs, hinter dem der Einfluß und die Mitwirkung des Völkerbundes steht. Aber zweckentsprechend beraten, im Besitze ausreichender Hilfsorgane und günstig disloziert (etwa in Prag oder Wien) würde seine Bestellung zumindest die heute einzige Möglichkeit darstellen, ohne bcsomlcrcn Zeitverlust die OeficntllchKcit der Welt die Existenz einer Judcnfragc und ihre ungeheuere Bedeutung für die Gesamtheit nachhaltig und unbestreitbar vor Augen zu führen, In weiterer Folge aber dann die moralische Unterstützung für die freuen, uneigennützigen und verkannten Arbeiter am Werke zu sichern, die immer zugleich auch für den Fortschritt und den Frieden gewirkt nahen, wenn sie sich für ihr Volk einsetzten. Mit Palästina verheißungsvoll verknüpft, hat der Völkerbund Recht und Pflicht, den Schutz des ganzen großen Werkes zu übernehmen. Wir sind noch lange nicht bündnis- und koatitionsfähig: und somit ist das Interesse der Menschheit für die jüdische Renaissanrcarbeit nur dann zu erregen, wenn sie durch ihre befugten Vertreter selbst erfährt, daß hier ebensosehr auch für sie gearbeitet wird und sie sich selbst hilft, wenn sie mitarbeitet. % Intcrnalioiale Verslchtrnirj gegea Pogrome Wien. (J.T.A.) Am 25. Mal findet In Genf die erste Sitzung der vom Völkerbundsrat eingesetzten Kommission für Versicherung gegen Massenkatastrophen statt. Den Vorsitz, wird Senator Ciraolo führen. Das jüdische Mitglied des polnischen Senats Dr. Michael Ringel, der schon oft auf interparlamentarischen Tagungen neben der polnischen auch die Jüdische Sache vertreten hat, ist mit Senator Ciraolo und den anderen maßgebenden Stellen in Verbindung getreten, um zu erreichen, daß auch der antijüdische Pogrom unter die internationale Versicherung fällt. Celreonte christliche nid indische Malleiern la Wirscbia Warschau. (J.T.A.) Zum ersten Male seit mehreren Jahren verlief die Maifeier in Warscluui ohne schwere antisemitische Störungen. Die polnische sozialistische Partei beging ihre Maifeier, ohne daß sich Juden au Ihr beteiligten. Es ist noch in Erinnerung, daß am 1. Mal v. J. die jüdischen Teilnehmer au dem Dcmonstrationszuge von den Fascistcn aus dem Zuge herausgeholt und schwer mißhandelt wurden, ohne daß die christliche Arbeiterschaft sich ihrer angenommen hätte. Diesmal veranstalteten der jüdische Sozialistcnbund, die linken und die rechten Poale Zion je eine eigene Maifeier. Die Lösung des „Bund" lautete: jiddische Sprache, jiddische Schulen, bürgerliche Gleichberechtigung der Juden; die Losung der linken Poale Zlon lautete: jiddische Sprache, jiddische Schulen, es lebe das arbeitende PaLlstina. Die Demonstrationen verliefen ohne Störung. Unter den demonstrierenden Kommunisten wurden aber mehrere Juden und Christen verhaftet. Einige hundert fascistischc Akademiker veranstalteten eine Gcgcn-Dcmonstration mit den Losungen: nieder mit den Juden-Kommunisten, nieder Palästina, es leben die Arabcrl Als die Demonstranten versuchten, in das Jüdische Viertel ei 11 zud rl n gc n, stellte sich ihnen Polizei entgegen und zerstreute sie, Anll|Odiscke Aosschrclluigca!■ Algerien Der „Mnfin" meldet aus Oran: Infolge des Ergebnisse» «Irr Miiuiziiialwnlilen, die einen Sieg'der antijüclischcn Liste gebracht haben, ist ei zu einem «rüsten Zusammenstoß gekommen, bei dem etwa 10 Personen schwer verletzt wurden. Die Polizei mußte strenge Sicherheitsmaßnahmen treffen, da die Agitation auf die eingeborene Bevölkerung Übergriff, die sich nn den Kundgebungen gegen die Juden beteiligte. Einstein in AroeaUnicu Prof. II inst ein, der von den argentinischen Universitäten und wissenschaftlichen Gesellschaften eingeladen wurde, In Buenos Aires Vortlage zu hallen, benutzte seine Anwesenheit in dieser Stadt, um in Verbindung mit den dortigen jüdischen und zionistischen Kreisen zu treten. Das in Buenos Aires, iu JUUlkcUcr Sprache mvUchvcmi« Tageblatt „Oos VoW veröffentlichte eine Unterredung mit Einstein, über den Aufbau Pnl/Istlnas und über die hebräische Universität. „Dos Volk" teilt auch mit, daß Einstein der Londoner zionistischen Exekutive versprochen hJlttc, in Argentinien für diezionistische Bewegitng tütig zu sein. 12000 Juden In Portugal, in Lissabon ist soeben ein Almanach erschienen, aus dem hervorgeht, daß in Portugal rund 12(XX) Juden leben. Im Jahre 1VOI wurde in Lissabon die Synagoge „Schaarc Tikwah" eröffne», im Jahre 1813 gründete Rabbiner Abraham d'A b c 11 a die erste Synagoge seil der Iiistorischen Judenniistrcibuug. Die jüdische Gemeinde Lissabons besitzt eine Bibliothek, unterhält eine Schule und beaufsichtigt eine Anzahl WohlldtlgkcUslnslitutc. In «ler Kua Novo da Uslrela zu Lissabon befindet sich ein alter Jüdischer Friedhof mit unterhaltenen Gräbern. Die Stadtchronik erzählt, daß dieser Friedhof nach dem großen Erdbeben des lahres 1755 angelegt worden ist. Von früheren jüdischen Friedhöfen det «Ich r " ' 'l-1 1 "}* v '>;.i *Vi« •): ■ / ',';« ll "!l ''•1': , 11/ r ■' ,;V;: ' ixH' 1 * '1 :i j'1''1' 1M in ' l't'! . f f, ' tjV; *l' r ti!•s '.'; ~r' 1;! i ' M;l < '• < * i * v <' 1 j," '1 ' i."' i' *"-\.v : : I.' T.\, f 1 1 -f:'/ il K' 1 v'V! lVV »..' v 1!':'|«; 'i '),,» m r. . I } V 1, M 1 .r;• V j , , 'a;; i\ ■■■ 1>W. '"ll 1 Ul'i lif t. hl r« ]t.-' i'ü'v: '■IVM, ','■ :.<4>'': " ,!;!,!," ri.v >< \'\- Ü l t:! 1 1 1 .1 [»'•,; f W\ "Ii 'Ii-" i> .,11;h •A), . V befindet keine Spur mehr. 1 i' | 1' 'Ii'';,'! r.'fV'r '»:*!>' *• »)' 1' i UJ ' tvij i t , s' f , :,\ 1 l'^r *