Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 37 (12.5.1925)
- Date
- 1925-05-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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T Nr. 37 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 341 rjite Schuld der deutschen Judenheit Von Hauptlehrer A. Strauß In Uffenhclm. Vorbemerkung der Redaktion: Die in dem ziehenden Aufsatz behandelten Fragen sind, soweit sie "i luf kleinere Gemeinden und auf einen Teil der Mittelbinden beriehen, im allgemeinen zutreffend. Darauf hat rt, nur. wie die Zuschrift meint, der G-V. immer wieder •.«Viesen, sondern vor allem die uns nahestehende jüdische ^Koarlci. Ihrem Einfluß ist es mit zu verdanken, wenn in - meisten Oronceineliiden die Besoldung der Beamten und "Lff insofern sichergestellt, als die staatlichen Sätze Au- Sie finden. In Berlin t. D. ist den Beamten und Lehrern!f Rcichsbcsoldungsordnung ausdrücklich zugesichert. Für }: tehrerausbildung müOte In der Tat weit mehr als bisher 'Liehen. Das Vorgehen de» „Verbandes bayrischer israrSer Oemcinden" ist vorbildlich. Der Preußische Landesf! hlnd jüdischer Oemeinden, der voraussichtlich am 21. Juni Immcntritt, hat in dieser Hinsicht eine große Aufgabe zu Erfüllen. Er wird die Stelle sein, von der aus für die ««.bildung der Lehrer in weit gröOerem MaOe als bisher ge- ,,»t werden muß. Ocsuchc von Lehrerseminaren, deren ffiltnz bedroht ist, liegen bereits dem Landesverbände vor. «V Richtlinien für die Besoldung sind in einer Resolution zu ,r Verfassung des Preußischen Landesverbandes, die au» der r ruiic vom 25. Juni 1922 beschlossen wurde, niedergelegt, {^besagen, daß die Besoldung der Beamten der VerbandsvLfindrn nach staatlichen Grundsätzen erfolgen soll. Auch!, Oroßgemeindcn werden sich, unabhängig davon, was y. Landesverband bcsclilicßrn sollte, mit der Lehreraus. ydunc eingehender beschilftigen müssen. Vorbereitende Siilte sind nach dieser Richtung hin auch getan. Die Oe- ,,inde Berlin hat zur Ausbildung von jüdischen Lehren iJfll Stipendien in Aussicht genommen. Alle diese im Flusse Undlichcn Beratungen müßten aber, wenn sie eine Wirkung Gliben sollen, erheblich beschleunigt werden. I. Jahrzehntelang führen jüdische Lehrer und Beamte in Deynchland einen schweren Kampf um Bröl und Recht. Ihre •Milte Stellung ist infolge ungenügender Besoldung und dawh bedingter materieller Abhängigkeit trostlos und rangiert ititer hinter der aller deutscher Beamtenkategorien, werden ioch noch heute bei Vakanzen viele jüdische Lehrcrstcllen «in Mittel- und Kleingemelnden Nord- und Westdeutschlands ,s| eine Art Submission („Offerten mit Gchallsansprüchcn niid zu richten usw.") ausgeschrieben und naturgemäß den Ändestnchmeiiden übertragen. Die Anstellung erfolgt selten n definitiver Form, meistens wie bei niedrigem Dienstpersonal 1.1 monatliche, vierteljährliche Kündigung oder mit Vertrag ist mehrere Jahre. Nur die Beamten der Groß- und allenfalls fiaiRcr sozial empfindenden Mittclgcmelnden erhalten Penwnsrechte, während alle übrigen als die unglücklichen Oplcr tiner rückständigen jüdischen Gemeindepolitik, wenn sie alt s»d dienstunfähig sind, sich dem Elend und der Mildtätigkeit sSrrantwortet sehen. Die Folgen dieses Mangels an sozialem Pflichtgefühl der deutschen Judenheit blieben denn auch nicht 13«: In den letzten sechs Jahren liefen die zur Verzweiflung .»tltitbcneii lungeren Beamten ihren Ocinrlndcn haufenweise eivon, nur die alten und schwachen mußten und müssen in Erbiitcrung auf ihren undankbaren Posten bis zum letzten Ende aushalten. So kam, was kommen mußte und Einsichtige Iiiigst vergeblich warnend voraussagten: Ansehnliche Ocmeindtn sind ohne Beamte, die Kinder ganzer Distrikte erhalten kIio« jahrelang keinen Miirintisiintcrriclit, wichtige religiöse Funktionen bleiben unausgeüht; der Got.esdienst i t viellach eingestellt und der Vcita.i jüdisch-kulturellen Lebens ständig -thr Im Zunehmen. Einschrankend sei bemerkt, daß in Süddeutsch land die Lage der jüdischen Beamten eine weit insere ist; speziell in Bayern haben sich die früher recht ühlimmen Verhältnisse dank dem segensreichen Wirken des Verbandes b averischer israelitischer Gesein den seit fünf Jahren gründlich gewandelt. Hoffentlich ncht nun auch der für Norddcutschland nach so schweren Otburtswchen ins Leben getretene Preußenverband dem jubelten Bcamtcnelend und damit der geistigen Not der jüdischen fiemeinden ein für allemal ein Ende. II. Ein anderes Kapitel, daß den im Vorstehenden geschilder- •fi Mißständen an Unwürdigkeit nicht nachsteht und dazu die jesamte Judenheit in Deutschland angeht, betiift das Gebiet des Lehrernachwuchses. Aus sattum bekannten Ursachen mußten Im Laufe der letzten zehn J»hre die jüdischen Lehrerseminare ihre Pforten schließen, "-r zwei konnten sich mühsam in unsere Tage hinüberretten. Mer auch diese wenigen führen einen verzweifelten Existenz- 'tmpf. Um sie über Wasser halten zu können, find ihre Anstalts- »«ntände und Lehrer, hervorragende Pädagogen und Zierden fr< Judentums, gezwungen, statt 'mit voller Kraft dem erhabenen Berufe zu dienen, mit der Almosenbüchso In der Hand, In Stadt und Dorf, von Haus zu Haus zu gehen —. „Hat man je gesehen, daß der Rektor einer Universität sich um die materiellen Bedürfnisse der ihm unterstellten Anstalt bemühen muß? Ist es nicht selbstverständlich für jedes Kulturvolk, daß es die Bedürfnisse seiner geistigen Sutten auf. bringt?" Sollte diese Frage, die Herr Dr. Deutschländer aut der jüngsten Keren Hatorah-Tagung in Hamburg flammenden Auges für auswärtige Icschibas an die Versammlung richtete nicht auch Berechtigung für Inländische Lehranstalten haben, zumal für solche, welche für die Gesämtlich der jüdischen Gemeinden Deutschlands eine Lebensnotwendigen darstellen? Es darf keine Stunde, länger mehr geduldet werden, daß die geistigen Führer auch für die materiellen Bedürfnisse der ihrer Obhut anvertrauten Anstalten aufzukommen haben, vielmehr muß die Sorge für diese Lelirstättcn Aufgabe der j ü - dischen Ocsamthelt sein. Ich wende mich an die jüdische Öffentlichkeit insbesondere an sämtliche jüdische Vereinigungen, Qcmcindcvcrbändc und Organisationen mit der dringenden Bitte nachträglich noch in den Etat für 1025 genügende Mittel zur Subvcntionicning der jüdischen Lehrerbildungsanstalten in Deutschland einzustellen. Der Bayerische Gcmefndcvcrband ging auch in dieser Hinsicht mit gutem Beispiel voran, indem er seit seiner Gründung der Würzburger Lehrerbildungsanstalt (nebst der Pr.'iparandic) angemessene Unlerslüzting zuteil werden ließ. Sie ganz zu erhallen liegt weder in seiner finanziellen Kraft, noch im Bereiche seiner Obliegenheiten, denn die genannte Schule Ist keine spezifisch bayerische Anstalt, sie versorgt vielmehr eine große Anzahl jüdischer Gemeinden im ganzen Reich mit Beamten. Es gibt von München bis Hamburg, von Basel bis Königsberg, von Breslau bis Köln, In Deutschland keine jüdische Groflgemclnde und keine von Juden bevölkerte ländliche Provinz, in welcher nicht Schüler des Würzburger Seminars amtieren, wie auch umgekehrt dessen Schülermaterial aus allen Provinzen des Reiches sich rekrutiert. Es ist deshalb schon allein aus diesem Grunde selbstverständliche moralische Pflicht aller bayerischer wie außerbayerischer Oemeinden und gemeindlicher Körperschaften zur Erhaltung dieser grüßten ältesten Lehranstalt Deutschlands alljährlich einen entsprechenden Beitrag zu leisten. Daß ein mit religiösem und profanen Wissen reichlich ausgestatteter, staatlich vorgebildeter und geprüfter Nachwuchs an Lehrern und Kullusbeamtcn, dem zeitgemäße Besoldung und rechtlich-soziale Stellung gesichert Ist, dringend nottut, darüber dürfte man sich in allen ernsten indischen Kreisen, ohne Unterschied der Partelstelhing, völlig klar sein. Um aber in dieser Beziehung auch den leisesten Zweifel zu beseitigen, sei mir gestattet, die Schlußsätze eines vorzüglichen Artikels in Nr. 2 d. J. der C.-V.-Zeittmg von Herrn iustizrat Dr. Brodnitz: „Grundlagen des jüdischen Aufaucs" hier zu zitieren: „Wir brauchen den jüdischen Beamtenstand, der den höchsten Anforderungen gerecht zu werden vermag, der dafür aber auch den Anspruch hat, den übrigen deutschen Beamten, was soziale und wirtschaftliche Lage anbetrifft, völlig gleichgestellt zu sein. Wir brauchen vor allem diejenigen Einrichtungen,die den Nachwuchs solcher Persönlichkeiten sichern, die durch Ihre wissenschaftliche Bildung und ihre Stellung innerhalb des Judentums zu Führern im Wiederaufbau berufen sind. Nur so ist es überhaupt möglich, den notwendigen Nachwuchs zu schaffen und der jüdischen Arbeit zu erhalten. Daß diese ganze Frage nicht nur das ist, was sie nul den ersten Blick erscheint, eine Beamtenfrngc, sondern viel mehr als das: die jüdische Frage, ergibt sich bei ernster Betrachtung sofort. Das Judentum schafft damit für sich selbst eine der wesentlichen Voraussetzungen für seinen Weiterbestand." Zusammentritt des Preußischen Landesverbandes Die Versammlung des Preußischen Verbandes jüdischer Oemeinden ist für den 21. Juni d. J. nach Berlin einberufen worden. ♦ Die nächste Sitzung der Repräsentanten- Versammlung findet Donnerstag, den 14. d. M., um 7 Uhr, im Sitzungssaal Oranienburger Straße 30 statt Auf der Tagesordnung »teilt u. a. die Wahl eines R a t s m i t gliedes und die Frage der hebräischen Sprachschule. Der Gcmcmdevorstmd will die Sprachschule In die eigene Verwaltung übernehmen oder, wenn dies vom Kuratorium der Schule abgelehnt werden sollte, eine eigene Schule begründen. Besonders in der letzteren Angelegenheit ist eine interessante Debatte zu erwarten, da anzunehmen Ist, daß die Volkspartci mit aller Energie für die Erhaltung der Sprachschule in ihrer vollen Selbständigkeit eintreten wird. Jüdische Frechheit* '•'<■(% Chaos ineinander verschlungener divergierender Ent- »icMtingscinrichttingcn heißt eben Leben, Der Kampf um das ■'•-t Gcsellschafisidcal geht Seite an Seite mit dem Kampf "m die neue Religiosität, um den neuen Nationalismus, um die *J«e Kultur. Nicht nur Menschen sind hier neu, sondern die ';)* Erde selbst, der Boden die Luft, der Himmel: alles, alles. J"d der Kampf zwischen den Stcinfclsen der Klagemaucr und (a jungen Oartenstädten, der Kampf zwischen den Tränen l" Moriah und zwischen dem Lachen in Israel, schafft Neues, "•Vit das Neue schlechtweg für die Menschheit . Wie aus Stein gehauen, entsteigt dem Buche Saltens ein N dieses gewaltigen, unverständlichen Lebens. Palästina?' heute noch ein Rätsel. Es kann daraus werden dies oder j!l*ej, Gewaltiges oder Schwaches, Hohes oder Niedergedrückt Nichts ist so schwer, wie das Rätsel körperhaft werden? lassen. Diese Kunst ist Saiten in seinem Buche über £'«tina eigen. Dieses Buch Ist ein kulturgeschichtliches Wment. Einst wird man sich darauf berufen, wenn es gilt, :u r.tut Land der Juden aus der Art zu begreifen, vrit t» *"«r aufgebaut worden fst. Exhlbillonlsmos? , f**ul Morgan hat (mit Franz Schulz) die alt« Raedersche 'W* i.Robert und Bertram" neu bearbeitet. Eine Kritik (| Theaterstückes müßte vor allem feststellen, daß Schnoddrig. Und Tempo des heutigen Berlins In keinen organischen, .*> wirkenden Zusammenhang mit den Resten der alten ««ung tü bringen sind. Eine Kritik der Gesinnung mag sich den Mut freuen, der entgegen dem neuen „Umorien- "^»•Programm" die Grimasse einer Moral angreift, wie '•us Affiren und öffentlichen Zuständen heraus, das Rechtsj uhl verletzt Umso unverständlicher bleibt die Lieblosigkeit, 'typische Merkmale bestimmter, Jüdischer Beweise genußvoll freitet, als wäre der Hausdichter eines nationalistischen . '»««rverbandc» am Werk. Die Plgur des „Milieu-Juden" l ,df<; *u den dankbarsten Rollen der Volksstücke — gerade fei * We" durch Gestikulieren und Mauscheln immer eine y?r* Menschenart, Güte, Witz, eine stille menschliche ^'«egenhtlt durchdrang, die erst recht durch die lufJere, die Lachlust herausfordernde Hemmung Folie bekam. Die moderne Technik muß, um wirksam zu sein, anders, schärfer, prägnanter, spitziger angreifen. Aber Morgans Familie ippelmeyer ist nicht satirisch, sondern nur lyrisch gesehen, die Lachlust wird durch Verächtlichmachung erregt, auch nicht der leiseste Zug versöhnt, und die Rechnung stützt sich nur auf inneren und äußeren Jargon. Der Mangel an Reserve, der sich jeder gehässigen Tendenz preisgibt, grenzt fast an Exhibitionismus, und die peinliche Familiarität, die das Publikum mit Worten und Gesten direkt aufsucht, ist die unbehaglichste, billigste Form, — die depravierte Form eines depravierten Zeitalters — das urtprünglich edlen, die Menschen zusammenhaltenden Gefühls, daß wir alle Kinder einer Familie sind. Eine solche Taktik kann sich eine schwer um äußere Ocltung ringende Gemeinschaft nicht erlauben. Die wertvollen Juden werden m'tt kompromittiert, ohne daß e'.ne künstlerische Leistung die Mißachtung der Oefahr rechtfertigen könnte. Zigfield, der in Amerika die Olrl-Truppen zusammenstellt, hat In einem langen Zeltungsartikel auseinandergesetzt, daß und warum er auch die reizvollste Schönheit zurückweist, wenn sie nicht Poesie, nicht Haltung hat — well es nur die Haltung ist, mit der man sich Oeltung erwirbt. Wir müssen sie von allen verlangen, die dis jüdische Wesen lenken — selbst wenn es sich „nur" um einen Humoristen handelt. _ || _ Jerusalem In Bildern. Die Pro Jerusalem Society, die sich him Ziele gestellt hat, die Schönheit Jerusalems und die Eigenart des Stadtbildes zu schützen, hat im Laufe ihrer sechsjährigen Tätigkeit eine Reihe von Publikationen veröffentlicht, worunter die bedeutendste, die Jahrbücher sind, welche der frühere CIWc Advlser Ashbee redlgiert hat. Die neueste Veröffentlichung der Oesellschaft tat. ein in drei Sprachen erschienener Band, welcher zwölf Tafeln, Bilder aus Jerusalem, enthält .Die Photographien sind das Werk des Jcrusalcmer jüdischen Uchtkünstlers Jakob Hanauer Kalter. Die Bilder enthalten Ansichten von „Jerusalem vom Skopusberge", »Omannoschee", „Daviditunu", „Klage- Vor dem Wiener Schwurgcriclit wurde am 7. Mal eine Verhandlung gegen Robert Stricker wie gegen den verantwortlichen Redakteur der „WI e n e r M o r g c n z c i t u n g" ' Jccob Krausz durchgeführt Ocgcnsland der Verhandlung lldcte die von Stricker in einem Artikel in der „Wiener Morgcnzcitung" geübte Kritik an dem Urteil des Bezirksrichters Dr. Neudeck in dem Prozeß de« Zahnarztes Dr. Koffler gegen die Fabrlkantinsgattin Frau EmmaSpringiusklee. Die Dame hatte dem Kläger das Wort „jüdische Frechheit" zugerufen. Der Richter fällte einen Frcispruch mit der Begründung, daß der Inkriminierte Ausdruck eine berechtigte Kritik für das Vorgehen Kofflcrs darstelle. In der Urteilsbegründung hieß es: „Das Beiwort .jüdisch' enthalte für sich allein überhaupt keine Bclcidigug. Selbst wenn man das Wort Jüdische Frechheit' als Einheit auffassen würde, konnte die Dame nicht etwa von einer spczilischen jüdischen Frechheit sprechen, sondern nur in ihrer begreiflichen Erregung durch irgendein beliebiges Beiwort den Aus« druck .Frechheit4 unterstreichen, ohne daran zu denken, daß dadurch das Beiwort die Judenschaft beleidigt werden könnte." In der „Wiener Morgenr.citung" wurde diese Urteilsbegründung als der „unverschämteste antisemitische Bubenstreich, der seit langem in eine in Gerjchtssanlc begangen worden sei", genannt, „ein brutales Attentat gegen die Ehre und die Sicherheit der österreichischen Judenschaft". Oegcn das Blatt wurde das Strafverfahren eingeleitet, in dessen Verlauf sich Robert Stricker als Verfasser des Angriffsartikcls bekannte. Gegen Roheit Stricker wurde nun von der Staatsanwaltschaft die Anklage wegen Vergehens gegen die öffentliche Ruhe und Ordnung und Anitschrenbcteidiguug des Richters erhoben, gegen den verantwortlichen Redakteur Jakob Krausz die Anklage wegen Vernachlässigung der pflichtgemäßen Obsorge. Der Andrang des Publikums zur Verhandlung war außerordentlich stark. Robert Stricker erklärte, er habe sich genau über die Angelegenheit informiert und sei zu der Uebcr. zeugung gekommen, daß die Urteilsbegründung tatsächlich eine Beleidigung der jüdischen Volksgemeinschaft bedeutete und daß seifns des Richters nicht unparteiisch, sondern parteiisch unter dem Druck gewisser Stimmungen gcurlcilt wurde. Der Richter hat erklärt, „jüdische Frechheit" ist zulässig als Steigerung des Begriff es „F r e c h Ii c i t". „Jüdisch" ist erlaubt, um eine häßliche Sache noch häßlicher darzustellen. „Da ist in mir die Frage aufgetaucht," sagte Herr Stricker, „<r»b Dr. Neudcck bei .deutscher Frechheit' oder .katholischer* oder .protestantische Frechheit' auch zugegeben hätte, daß dies erlaubt sei. Zu meinem Vorgehen wurde ich durch meine Volkszugehörigkeit und meinen Charakter als jüdischer Publizist gezwungen." Bezirksrichter Dr. Neudeck, als Zeuge vernommen, erklärte, er sei kein Antisemit, er habe während seiner Einjährigr-n/.cit einen jüdischen Freund gehabt Er habe die Uebcrzeugung gewannen, daß der Frau Springiusklcc das Wort ..jüdisch" nur unbewußt entschlüpft sei. Sie habe sich im Worte vergriffen. Nach den Plaidoycrs des ersten Staatsanwalts und des Verteidigers Dr. Plaschkcs und dem Schlußworte Robert Strickers zogen sich die Geschworenen zur Beratung zurück, die zwei Stunden dauerte. Sic gaben dann folgenden Wahr- Spruch bekannt: Sämtliche vier Hauptfragen, betreffend die Aufreizung wurden verneint; die vier Hauptfragen wegen Beleidigung des Dczirksrichtcrs Neudeck wurden mit acht, neun bzw. zehn Stimmen bejaht Hierauf verkündete der Vorsitzende folgendes Urteil: Oberbaurat Robert Stricker wurde von der Anklage der Aufwiegelung, Jakob Krausz von der Anklage wegen Vernachlässigung der pflichtgemäßen Obsorge freigesprechen und Obcrhaiirat Robert Stricker lediglich wegen Beleidigung des Bc zi rk s r ic h t e rs Dr. Neudeck zu einer Oeldstrafc von 1000 Schilling, im Nlchtelnhrlngungsfalle zu fünf Tagen Arrest verurteilt unter Setzung einer zweijährigen Bewahrungstrist. NcukonstifileroBg des Welfverbaades der indischen ( SludcDlenjchall Wien. (f.T. A.) Die Exekutive des Wcltvcrbandcs dci zionistischen Studentenschaft hielt soeben eine Sitzung in Wien ab und wählte den Präsidenten der österreichischen zionistischen Studentenunion, Kurt O f f e n b e r g c r , zum Vorsitzenden der Wcltexckutivc. Die Exekutive beschloß, eine Aktion zugunsten der Ermoslichung der Unterbringung jüdischer Studenten in Jerusalem cinzufeiten. mauer" usw. Die Bilder sind sehr schön gelungen, und man kann sagen, daß das Buch eine künstlerische Tat ist. die sicher zur Folge haben wird, daß die Augen der vielen Touristen und Eingeborenen, die achtlos an mancher im Führer nicht verzeichneten Schönheit Jerusalems vorübergehen, geöffnet werden. Trotz der vielen Bilder, die es von Jerusalem gibt, Ist die Schönheit der Heiligen Stadt noch fange nicht entdeckt u" Ell Ulorroalionsbueh Ober Palästina Der Verlag der Zeitung „Misschar w' taassijah" bereitet die Herausgabc eines Informationsbuches über Palüstfna für Touristen und Neueinwaudercr unter dem Namen „Kol Erez Jisrael" vnx vor. Das Buch soll umfassen: 1. statistische Nachrichten über Bewohnerzahl, Einwanderer, heatheitelc und nkhtbearbeitetc Bodenflache, landwirtschaftliche und Industrielle Produktion, Export und Import; 2. Landesgesetze über Landwirtschaft, Handel und Industrie, Zölle, Steuern und sonstige Abgaben; 3. ein« Verzeichnis sämtlicher Geschäfte, Fabriken, Werkstätten, öffentliche Institutionen, Banken, Hotels, Apotheken usw.; 4. Die Adressen nach Branchen in den Städten und Kolonien; 5. historische, geologische und andere Nachrichten über Tel- Awiw, Jaffa, Jerusalem, Haifa, Tibcrias, Safed mit Karten, Bildern und Diagrammen; 6. Informationen über die Möglichkeiten landwirtschaftlicher, industrieller und handwerklicher Ansiedlung im Lande. Das Buch erscheint zunächst hebräisch und englisch, soll aber auch >n andere Sprachen übersetzt werden. Eine Illustrierte Beilage« des „Haarotz". Der „Haaretz" hat vor kurzem mit der Herausgabe einer illustrierten Wochenbcllage begonnen, die den ersten Versuch dieser Art in Ere» Israel darstellt ,x ' '!.;*, )h ,%t }v i/O 1;.;"■?:« .;•;,'•('< •■ ■!.? . «" i ■ ,r •<;v.'' ■'"Ti. -v •<.'. ■ ' ■'«v.;» Ii' 1 ' f: '* 1 I. , I I > t. •'«':.■.■ <| ■^■■! .'' I *, I ' ' * <-,v, '< •r,:' . •T'.if : i ' 1 11 ti i, i ,i /,V : v . i •»• ■ f. •<\ y- , '' 'i Vi--'!!'■(: < i l «I, /'i i li . i .f^r-.l.! ■):'>- •!*■'■!•''* }'' ' '' L'. i , i I" 1 'S Y'-iJ , ■ ' i, I s:v:i' i'v,"'. .)(»,' H!••;*•: ■!« •'V *!'• Mi"' t. ^:'^ M'fr i 1 '; «i '•»' *>, [ X i<v .i»V- ■