Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 37 (12.5.1925)
- Date
- 1925-05-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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tf' Seite 340 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 37 » Zu unserer Goluspolitik*) Von Dr. Victor (Wandsbeck). Zu diesem Thema, das nach Abschluß der preußischen Landesvcrbandswahlcn nicht eingehend genug besprochen werden kann, «lud bisher zwei Beitrüge erschienen, die von flöwciistcin in Nr. 14 und von Bcu-Zlott Feit In Nr. 10 dieses Matten. Während Fett nur eine Seite der Frage, die Ocmcindepolilik In Deutschland, behandelt, rührt Löwenstein An den Grundpfeilern des ganzen schwierigen Problems, wirft eine große Zahl von wichtigen Fragen auf und verlangt die Beantwortung durch «In Aktionsprogramm. Die Aufstellung eines einheitlichen Aktionsprogrammes für die Goluspolitik in den Ländern der Diaspora halte Ich für unmöglich Was das Baseler Programm über die Ooltispolitik sagt, ist sehr allgemein gehalten. In Punkt 2 ist als Mittel zur Erreichung der öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Paliistina ,.dle Olicdcntng und Zusammenfassung der gesamten Judenschaft durch geeignete örtliche und allgemeine Veranstaltungen nach den Landesgesetzen" in Aussicht genommen. Die zu schaffenden Ocsamtorganlsationen, die als Träger des zionistischen Gedankens gedacht waren, sollten hiernach nicht gleichartig sein, sondern sich nach den Landesgesetzen unterscheiden. Die Entwicklung, welche die Goluspolitik in den einzelnen Ländern der Diaspora bis zum Weltkriege genommen hat, rechtfertigte die These 2 des Baseler Programms. Im alten Rußland und im alten Oesterreich, den Ländern der jüdischen Masscnsicdlung, setzte die jüdische Landespolitik ein mit dem ausgesprochenen Ziele durch die parlamentarische Vertretung der Judenschaft eine nationale Autonomie in diesen Ländern zu erlangen. Die nationale Zerrissenheit dieser Nationalitäten» Staaten bildete die geeignete Grundlage der jüdischen Autottomicbcstrcbungcn; in Deutschland, Frankreich, England und Amerika tonnte niemals von einer jüdischen Beteiligung an der Landespolitik die Rede sein. Aber auch hier war die Entwicklung nicht einheitlich. Wenn man in diesen Ländern bis zum Weltkriege überhaupt von einer Goluspolitik sprechen kann, so beschränkte sie «ich in Deutschland auf schüchterne Ansätze einer Betätigung in den Ocmelndcn und Beteiligung an Qcmcindcorganisatlonsbcslrcbungcn, während in den anderen Ländern des Westens diese Seite der Goluspolitik aus Gründen, die hier nicht erörtert werden können, nicht in Betracht kam. Hier bestand die Golustätigkcit der Zionisten im wesentlichen in der Mitbctcillgung an der Arbeit der großen Wclthilfsorganisationcn, wie Afiiance, Uo, Bnc Brith usw. Allen Ztoiiistcn im Osten und im Westen war gemeinsam das einheitliche zionistische Ideal und die mit der Verwirklichung desselben verbundene Vorbereitung*» arbeit, aber in der Goluspolitik trennten sich ihre Wege, im Osten Landespolitik mit Ziel auf nationale Autonomie, dazu intensive Ocmcindepolilik, in Deutschland Ansätze zur Gcincindcpolitik, im übrigen Westen Wclthilfspolitik. Das Kopenhagener Manifest der Zionistischen Organisation vom 25 Oktober 1918 formulierte die Forderungen des jüdischen Volkes an'die Friedenskonferenz in den drei Punkten: 1. Errichtung der nationalen Heimstätte in Palastina, 2. volle und tatsächliche Gleichberechtigung der Juden in allen Ländern, 3. nationale Autonomie auf kulturellem, sozialem und politischem Gebiet für die jüdische Bevölkerung aller Länder jüdischer Massensicdhing, sowie aller anderen Linder, falls deren jüdische Bevölkerung Anspruch darauf erhebt. Programmatisch bedeutet das Kopenhagener Manifest auch bezüglich der Goluspolitik keinen Fortschritt, denn es läßt den einzelnen Ländern den weitesten Spielraum und fordert die nationale Autonomie nur für die Länder des Ostens. Auch nach dem Weltkriege bis zu dorn heutigen Tage sind wir zu einem programmatischen Abschluß auf keinem Gebiete der Goluspolitik gelangt. Dagegen haben wir nuf organisatorischem Gebiete erhebliche Fortschritte zu verzeichnen. Die jüdischen Nationalräte des Ostens schlössen sich zu einer Zentralstelle, dem Komitee der jüdischen Delegationen mit dem Sitz zunächst in Paris und dann In Genf zusammen, auf dessen Initiative die Regelung der jüdischen Mindcrhcitsrcchte in den Friedensverträgen im wesentlichen zurückzuführen ist. Auf die weitere Entwicklung der Autonomlcbcslrcbungcn in den einzelnen Ländern des Ostens einzugehen, Ist hier nicht der Ort. Ein weiterer nennenswerter organisatorisch bedeutender Erfolg ist der Zusammenschluß der jüdischen Wohlfahrts- und Wclthilfsbcstrcbungcn der einzelnen Länder zur jüdischen Wclthillskonfcrcn z, der alle Richtungen des Wcltjudenhims angehören. Es ist kein Zufall, daß Leo Motzkin, Präsident der Welthilfskonferenz und gleichzeitig der Geschäftsführer des Komitees der jüdi- *) Wir setzen mit diesem Aufsatz die Diskussion über die Fragen der Ooluspolitilc fort. Red. „J. R." sehen Delegation Ist. Seine Verdienste um die Entwicklung der Ooluspolitilc können nicht hoch genur» eingeschätzt werden. Wenn wir einen Ulick in die Zukunft werfen .wollen,. so sehen wir auf der einen Seite die Jcwisli Agency als die organisatorische Aiisdrueksforin für die Pnläslinahcstrcbungcn und die Welthllfskonfcrcnz als die organisatorische Aus« drucksforin der Goliisbcstrebiiiigciij vereinigt stellen sie unter zionistischer Führung die Organisation des Wctljudcntums mit paliistinn-zcnlrlscucr Tendenz dar. In diesem Zeitalter der Orgaiilsatioiisbcstrcbimgcn des Wcltjudcntums hat auch das deutsche Judentum die ersten Ansätze zu einer Ocsanitorg.inisatlou gemacht. Als Zelle dieser Organlsatlonsbcstrcbuugen dient die indische Gemeinde, die In Deutschland, anders wie in anderen Ländern des Westens, im Laufe der Jahrhunderte sich zu einem besonders selbständigen, lebensfähigen Organismus entwickelte, ausgestattet mit dem Gemeindezwauge tut.! dem Bcsteiicriingsrechtc. Der föderative Charakter des dculschcii Kelches Im Mittelalter bis in die Neuzeit hinein förderte diese Entwicklung und verhinderte die Bildung einer Laudesklrchcnorgonisation wie sie in Frankreich zur völligen Erstarrung des Judentums geführt hat. Die am Ende des vorigen Jahrhunderts einsetzenden Bestrebungen des liberalen Judentums auf Schaffung einer landeskirchlichen Organisation zunächst des preußischen Judentums stießen auf den Widerstand orthodoxer und zionistischer Kreise und es ist «Ins Verdienst der kleinen zionistischen Gcmcindcgruppcn gewesen, daß nul «lern 11. Gc» meindetage im Jahre 1000 die von den Liberalen erstrebte kirchliche Organisation durch Annahme des bekannten Antrags Friedmann begraben wurde. Die wcchselvollc Geschichte der Organisationshcstrcbungcii des liberalen Judentums beweist, daß in Deutschland eine Gcsninlorgnnisation im Sinuc einer Landeskirche unmöglich ist. Die nach dem Weltkriege einsetzenden Orgaulsationsbestrcbiingen mußten dieser Tutsache Rechnung tragen und führten zunächst für Preußen zur Bildung einer Gcsamtorganlsation, die, losgelöst von den Bestrebungen einer Landeskirche lediglich die Aufgaben übernehmen soll, die den Juden aller Richtungen gemeinsam sind und von uns nls die nationalen bezeichnet werden. Im Rahmen der Plattform, die durch die Gründung des preußischen Landesverbandes mit seinen aus allgemeinen Volks Irgendwelchen Äußeren RUchsichten geschehen, etwa um ,i zionistische Farbe unserer Vorschlagslisten schamhaft zu u decken, sondern aus Inneren historischen Gründen & r besonders schmerzlich, daß gerade Herr Fett wie ' ni •S IS! nicht Kl Ein wallten hervorgehenden Judciipnrlamcnt geschaffen wurde, ist die Verwirklichung des Prinzips der Volks g c tu cI ud c durchaus möglich. Der Begriff der Volksgemcinde Ist keines zahl rclc Iie Kcrc« IUI wegs ein schwankender, wie Löwenstein und Fett anzunehmen scheinen. Der lo. Dclegicrtcntag der zionistischen Vereinigung für Deutschland, der im Juni 1020 stattfand, hat nach meinem Referat über unsere Ocineiiidcnolitik —• vgl. Nr. <13 von 1020 dieses Blattes «- den von einer zionistischen Kom» mission ausgearbeiteten Entwurf einer Ocsamtorgauisntioiis» Verfassung für die Juden im Deutschen Kciehc einstimmig angenommen. Dieser Entwurf beruht auf den Grundsätzen oxi Volksgemcinde und der wesentliche |j 21 desselben würde in Zukunft eine völlige Trennung von Gemeinde und Kultus für die größeren Gemeinden zur Folge haben. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland hat damit dem Prinzip der Volksgemcinde, das ich aiw der Verfassung der Hamburger Gemeinde entwickelt habe, zugestimmt. Zu Unrecht bemängelt l.mvciistciu «las Fehlen eines detaillierten Gcuiclndcprogramincs. Wie für die Goluspolitik im allgemeinen, so "war für die Gemeindepolitik im besonderen erst einmal die Organisation, der Rahmen zu schaffen, die demokratische Plattform zu errichten, auf welcher es möglich ist, in gemeinsamer Arbeit und im Kampfe mit den (ihrigen Richtungen des deutschen Judentums unsere Forderungen zu vertreten und eine Entscheidung z.u uusern Gunsten /u erzwingen. Unsere Qcincindcpoiitil; mußte daher eine formale, in der Hauptsache Orgaiiisationspililik sein. Detaillierte Programme sind erst möglich, wenn der Aufgahcnkrci* des Parlaments festgelegt t*it. Darüber wird ja gerade demnächst der Hauptkampf entstehen, ob der Aufganerikreis des preußischen JiHlenpailaiiieut. *<> eng gefaßt werden soll, wie es die Gcnicindcgcwalligcu bisher gewünscht haben, oder ob, wie wir es wollen, die Gesamtintercssen des deutschen Judentums und des Wcltjudcntums in den Bereich der Erörterungen tfcs Parlamentes gezogen werden müssen, Aber darin stimme ich mit Löwenstein überciu, daß wir n u n m c hr anfangen müssen, die viclvcrzwcigtcn Probleme der Ooluspolltlk in ständiger Arbeit zu behandeln, um zu einer Klärung und zu einem alle Einzelheiten enthaltenden Programm zu gelangen an Stelle der Richtlinien, die im Wnlilkntnplc ihren Zweck erfüllten. Ist es nun möglich, diese gewaltige Aufgabe der Organisation der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, also den bestehenden zionistischen Ortsgruppen anzuvertrauen oder muß für sie eine neue Organisation geschaffen werden? Seitdem wir uns an den Oemciudcwahlcn bi Deutschland beteiligen, haben wir dies nicht unter der rein zionistischen Flacgc getan, sondern unter der Bezeichnung „jüdische. Volkspartci" (schon 1020 In Berlin) oder „lüdtacli-dcmokratische Partei'' (schon 1020 in Mamburg). Dies Ist nicht au9 --- dies erkannt hat. Ebenso wieder zionistische PaiT stittaaufbau in n ichtzionittisc hen KrcUf' Anhänger gefunden hat, die u, cssod zum Teil an leitender Stell* mitarbeite«! und sich später nn der JewUu Agciicy beteiligen werden, so hat auch di. zlo« 1 st I sch c Ooluspolitik, die in Wahrh*. positive jüdische Volksarbcit ist, für vi NichtzlotilBtcn sowohl Im Osten wie |„ Deutschland eine derartige Anzichunt-i kraft gehab», daß sie sich bei dieser politi' sehe« Arbeit in Reih und Olicd mit uns pt' stellt Ii n Ii c-Ii. Ich brauche nur an Glc jüdischen Nation'1' riitc in Polen und den russischen Raiidstaaleu zu erinnern. \Ü'j! durften die Mitarbeit dieser wertvollen Elemente, die sich, \Vk, wir, zum jüdischen Volke bekennen, nicht zurückweisen ued sie etwa zu Mitläufern degradieren. Deshalb waren tlic \iv. Zeichnungen „jüdisch-demokratische Partei" und „jüdisch- Volkspartci" aus den Verhältnissen entspringende Notwendig kclttii. Ist dies aber der Fall, so ergibt sich von selbst, <jä'u die jüdische Volkspartci als dauernde Organisation ausgebaut werden muß. Es ist nicht das erstemal, daß wir' eine zionistische Aufgabe — denn eine solche bleibt die Golmpolilik — einer anderen Organisation anvertrauen. f)k körperliche Ertüchtigung der Juden ist einer der wichtigsten zionistischen l'rogranimpuuktc. Dennoch wird der Turnsport nicht in den zionistischen Ortsgruppen gepflegt, sondern es Ist eine besondere von der Zionistischen Organisation im. abhängige Organisation in dem Makkabi-Wcltvcrhnnd pcschaffen worden, dem auch Niclitzlonislcn angehören. T\ haben sich aus dieser Trennung, die ich als eine Dezen tralisation bezeichnen möchte, Schwierigkeiten nicht ergeben, denn die national-jüdischen Turnvereine gehen stets mit uns Hand in Hand. Diese Dezentralisation muß auch bezüglich der Golus- und%Gcincindcpolitik stattfinden, denn es wird dt.: zionistischen Ortsgruppen schlechterdings unmüglich sein, die weitverzweigten Aufgaben der jüdischen Volksiwtci, zu deir.n ich vor allem auch die Schul- und krzicliuugsfragen und die Bekämpfung des A n t i s e in i 11 s m us zähle, «ach Beginn der Tätigkeit des Landesverbandes zu übernehmen. Wer in der Ortsgruppenarbeit tätig ist, der weiß daß die Ortsgruppen mit den dringlichsten Palästinaarbeiten, den Arbeiten für Kcren llajcssnu, Kcrcn Kajcnu-th, llcchaluz und I lachscharnh derart überlastet sind, daß seilet die «ur alle paar Jahre stattfindenden Geincindcw.ihlcn aU eine unangenehme Störung der Arbeit empfunden wurden Die eigentliche Oolus- und Gciiicindcarhcit mußte in den letzten sechs bis sieben Jahren in den Hintergrund treten, weil wir unsere gesamten Kräfte auf die Palä'stinaarbcit m richten halten. Es ist daher ausgeschlossen, daü die überlasteten Ortsgruppen sich auch noch mit der notwendigen Klärung der Ciolusfragcu befassen sollten. Es kommt hinzu, daß wie Löwcnstclii richtig bemerkt, ein großer Teil he sonders der jüngeren Ziouisteu keinerlei Interesse für di,' dolus- und Geiueiiidcarbeit besitzen und sie als zwcilraii;:^«- Arbeit betrachten. Diese Stellungnahme ist durchaus begreiflich, Je stärker unsere persönlichen Beziehungen zu Paliistina werden, um so stärker wird unsere Abneigung gegen die aufreibende Ocmcindcarbeit. die zu ständigen Reibungen mit dem «icht/luoistischcu Judentum Aulall gibt. Ei (:iiu keinen Ziouisteu, der nicht von solchen Stimmungen befallen wird. Diese Stimmungen führen regelmäßig zur hagatfll mäßigen Behandlungder Gohisarbclt in den Ortsgru Im Interesse beider Arbeitsgebiete liegt deshalb die " tragung der Oolus- und Gcmcittdcarbcit auf die neu zu schaffende Organisation der jüdischen Volkspartci. Dies? Organisation muß «dch über alle Gemeinden Deutschland« erstrecken. Die Laii«Icsverliainlswahlcii hauen gezeigt, «Uli selbst in den kleinsten Gemeinden sich ein starker Prozentrotz- .,....... irde Verbleibt es bei dem bisherigen Zustand, daß die jüdische Volkspartci nur gelegentlich der Wahlen in Tätigkeit tritt, so wird die zahlreiche Wählerschaft auseinanderfalten imit damit auch der Zionistischen Organisation ein großer Schaden erwachen. Es muß aber eine starke Organisation vor handelt nein, rfitf die sich die Abgeordneten der jüdischen Volkspartei stützen können, die Ihnen den Rücken stärkt, vor der auch die »uchtzlonlstlscheu Abgeordneten der jüdischen Volkspartci ihren Rechenschaftsbericht zu erstatten haben und zur Verantwortung gezogen werden können. Ist diese Organisation erst geschalten, dann wird es muclieh sein, int Laufe der Jahre ein Aktionsprogramm für die Oolus« und GeincindcpoÜtik aufzustellen, daB uns nicht nur eine starke l'ösllion, sondern die Herrschaft in den jüdischen Gemeinden Deutschlands verschaffen wird i rieh; sieh •m' eht. \i\ si1 ff den Uhr i, wem die / die l.'V.y; f^.cli.'f^ tW$> 'Ai verb \y i ■ i,y ■ »• . i'V- I!: ' >n i't .1-1, n < Ans-"-' «orß' f.niv Die der Tag'; .Sie rem' die der i t hildu, •: Sehr:, r, mebu- * hin fj .ry bebe. /:■ jusü.. iM. i;m«. <■}.'. r i-* •]fi. i >\ 11'. rupt'ito. lieberoi-iui. in «tii nitiiisieii viciiicinuen sich cm siarKcr i'iw.i Satz von Anhängern der jüdischen Volkspartci befindet, In dem dort niemals eine zionistische Tätigkeit entfaltet wm Heul;■: jozi:-s 11 durcVt wcit-lr: doch,* von auf; •' siiid.i'- Min«1 ' in d; : »uf 1 Uli k finif' * sion:( f, tine-,1 und i,' iibfi 1 PflicJ. aus:, rclr' dave, Erbi End; langi1. den n sehe ■ l:uiit fing?, mclv, d c U bcs< fchl-'< Ve m e f mac,. Geb; discj Gen' \ ..!' teil g e; triff» sainj' Jahi, mirl Ahoi kanv vorn des - dies, I. M '>V .f:1 \h: '«h , Ii Vf. II 11 Lesslng, Kleist, BBehner*) Drei Versuche von Arnold Zweig. Diese drei „Versuche", von einem „Deutschen von Erziehung, Juden von Grundwtscn und Wahl, Geistigen ans Leidenschaft" geschrieben, geben, In vollendetste Form gegossen, ein Dikl des geistigen (und somit eines hohen) Deutschland über zwei Jahrhunderte. Der „von Oruiidwcscn und Wahl", der im Blute die Kritik in sich trägt, kommt durch befcs Eindringen und treffendes Erfassen zu Erkenntnissen <ind Thesen, die, aus heftigster Liebe gefunden und nun bewußt aufgestellt, in der Tat bleiben werden. Dieser Essayband, weit mehr als ein Kriterium, itt die, Geschichte des deutschen Dramas, das hell beleuchtet, zergliedert und untersucht wird. Drei Repräsentanten deutscher Dichtung, einander verwandt durch den Ursprung des künstlerischen Aulbaus ihrer Werke, der nuf Shakespeares n?Ä«.v»ttt tvnnncrt Ist, ließen Zweig die geistige Rblogle des Dramas finden und führten Ihn, dann weiter, zu einer neuen Dramaturgie. Was dieses Buch aber so überaus schmackhaft werden '«»t, ist, daß jeder Satz von einem heute lebenden geistigen «nd dennoch sehr empfindsamen Menschen geschrieben Ist, der an der Zeit leidet und dessen Worte zur Kritik, zu ver» o-mmender Kritik für diese Epoche, werden. So ist eine er» «launliche Wahrheit, daß dieses Buch, in der Oegenwart ent» «nndeii. der Vergangenheit nachgegangen, für die Zukunft "leibend, ein nolltlsehet Iturh wurde, dai durchaus nicht rc» 'ignlerend, sondern scharf kritisierend unsem geistigen Ver» '-II klar und unerbittlich hart, weit eben getreu, wieder» »P'cgelt. Wjc Zweig äußeres Leben mit Werden und Werk zu» »arnmenbringt, wie er die Entwicklung seiner Dichter sach» 'di und. fachlich, dennoch aber ganz teilnehmend schildert, ji 'nelstcrhift. DaB Lesslng leuchtendes Idol bedeutet, daß oitser wirklich große Mensch, daß dieser erste Elhtker Mut frot, heute nicht/zu verzweifeln, sondern »uszuWrcq, Ist *) If M. Sj*th,Ve%, Berlin. » 4 der wundervolle Schluß des ersten „Versuches". Die Liebe zu Kleist und «las Verständnis für diesen sehnsüchtigen, \m» glücklichen Dichtcrmcnschcn lassen jenen Essay selbst zu einer ergreifenden Dichtung reifen, die für den genialen frühvollcndeten Meleor Büchner in edler Trauer nuskllngr. Dieser fland, von einer Melodie geführt, ist sehr, sehr lebendig. Und obwohl Thesen aufgestellt, Wissenschaftliches behandelt wird, obwohl untersucht und bewiesen wird, kenne ich wenige Bücher, die bo mitreißen, Aufwühlen und erschüttern. Daß Essays so Interessant sind, daß ein Werk, ein — im Grunde genommen — kritisches Werk so beglückend wirkt, kommt daher, daß ein Kritiker zum Dichter wuchs oder der Dichter ein Kritiker ward. Heinz Stroh. reltx Sailens Buch Ober Palästina Von Anlttn Multc r-Coli cn , Wien. Es ist ein Genuß köstlicher Art, das neu erschienene Buch Felix Saltens'„Neue Menschen nuf alter Erde" (Paul Zsolnay-Vcrlag, Wien) zu lesen. Man wird erinnert nn den Ausspruch, der einst über die deutschen Philosophen getan wurde: nur die Juden können unter ihnen deutschI So arg ist es in der übrigen Literatur deutscher Sprachgebiete gewiß nicht. Trotzdem ist die Einführung in die Tiefen der deutschen Sprache bei Schriftstellern jüdischer Abstammung manchmal bewunderungswürdig bis zur UnglaubhafligkclL Diese wundervolle, sich Immer wieder In sich selbst verseiikeiKle Sprarhn Itt <la» erste, wan «len l.cser des neuen Salleubuchr» packt. In den letzten Jahren, wo Palästina Immer mehr in den. Gesichtskreis des allgemeinen Kulturbewußtseins drang. 6ind viele Palästlnabüchcr geschrieben worden. Man könnte sie absichtslose Bücher nennen. Sic wollen die'Dinge nicht so sehr werten, ah vielmehr erleben. In diesem Genre der absicJitsIoscn Palästlnabüchcr bedeutet das Buch Saltens ein neues Kapitel. Vfelc seiner Vorgänger, verbinden mit den Voitcllcu des unbefangen nur Erleben», Bcschrclbcn-Wollcns den Nachteil §anziicher Unbcrührlhclt.von den gflstigcn Orundlaßcn, denen er Palästinaaufbau seine kulturgeschichtliche Bedeutung ver» dankt. Man könnte dies auf die Formel briufftn, die Palästlnabüchcr der letzten Zeit entstammen dem Gefühl und nicht dem Wissen. t Saiten weiß unvergleichlich mehr als seine Vorgänger. Es Ist das Wunderbare in seinem Buch, daß sein Wissen da« Ocfiihl verstärkt und nicht schwächt. Es ist ein spezifisch jüdisches Wunder. Niemals kann das religiöse Oeliihl hei einem Juden so stark sein, wie wenn es Wissen und Gelehrsamkeit entquillt. — Daß Sailen nicht ganz fremd, nicht vollständig sich auf sein Ocfühl verlassend, nach Palästina kommt, das eben bringt Ihn so nahe dem Verständnis Palästinas. Wenn Saltcns Buch In gewissem Sinne als ein Bekenntnisbuch betrnchtet werden muß, so ist es das bewußte Verlassen fremder Ocistigkcit, das absichtliche Suchen jüdischen Intellekts, welches es dazu macht. Saiten sucht nicht in Palästina den „Ocist des Oalilhcrs", er sucht den jüdischen Geist, v.u dem er den Rückweg fand. Das restlose Anknüpfen der Gegenwart an die Vergangenheit, das Verneinen dessen, was zwi-cheu beide» liegt und den jüdischen Menschen demütigt und niederdrdekt: «lies Ist die geistige Grundlage des neuen PaUUUtw, uo» wie «\ Saiten nah. La Ist eine Brandung von unerhörter Wucht, welche liier eich auf steinerne l-'clscn stürzt, die die Küsten der Vergangenheit abgrenzen, Die ganze steinerne Pracht dieser Vergangenheit stemmt sich der jtigcndkuhncn Gegenwart entgegen. Es ist der Kampf der Ocgcnsätzc, die eins werden wollen In dem Schmclztiegcl des Werdens. Das Erfüllen dieser Urantinomlc macht das Buch Sailens unruhig- Es atmet an jedem Blatt die große Unsicherheit des Keimen«. Es ringen die Gegensätze Im aufschießenden Keim: es kann dies werden und jenes, Glück und Unglück, jauchzende Gewalt und winselnde Schwäche, Salton »clmut den Kninpl und hk-lit den «.in;eiisat/. Unruhig ist sein Buch, wie Palästina seihst. Unruhig in gutem «Sinne: unruhig heißt, was lebt. Nur das Tote ist starr. Den Gipfelpunkt erreicht die Kunst, die das Erlebnis formt, wenn sie die kämpfenden Ocgcnsätzc erschaut. Der Kampf zwischen der an Arterienverkalkung leidenden bürgerlichen Gcsellschalt mit Ihren unhaltbaren Widersprüchen und unmöglichen Dasein«- hedlngungen und zwischen der jungen Idealistischen Gesellschaft steigt auf, wie gemeißelt In D.'imoncngestalt von Meisters Hand. Dämonhalt ist dieser verbissene Gegensatz, und dennoch hat er etwas nn sich, was an gute Ocistcr mahnt. Es Ist eine furchtbare Gegensätzlichkeit, und Ausgleich wird einst neues Leben heißen. Ein uebel bringt das andere, heißt es. Aus einem Gegensatz kommen hundert, ein Kampf gebiert tausend Kampfe, und Wie neUj L' i, um ". neu. i-^v alte, i V»< i i, den ,/ auf,, : r' Mhj1;;^ Biii ist .! v.l. enl. , W;-' |,,> \, . i iv.i; ru l'ali D4 d.n wie *?'! - Ui. if: §cr i,: ■> I-> 5: '; if, -. V-1 I'oi de| kelj; «Iii: Nr üb*,, tief: sie] gel die Ii mii'lji:; 'M> dc^fi*')' i \$ l'l hfi| Vi