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Jüdische Rundschau · 1925-05-08 · Heft 36 (8.5.1925) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 36 (8.5.1925)
Date
1925-05-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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t Seite IM JUEBISCHE RUNDSCHAU Nr. 33 Ecclcsia militans Von Leo Strauß. Wir brachten kürzlich eine Besprechung des Breucrschen Buches von gesetzestreuer zionistischer Seite. Nun erhalten wir noch die nachfolgenden De- , merkungen von einem außerhalb des orthodoxen Lagers stehenden Autor. ■ Die jüdische Kirche -* dies besagt im vorliegenden Falle und darüber hinaus: die Frankfurter Trennungs-Orthodoxie —, befindet sich In der Offensive. Diese Tatsache Interessiert uns, ohne zu erschrecken. Wir wissen zu gut, daß es Offen« siven gibt, die rieht glücken. Möglicherweise bleibt der Angriff der Orthodoxen in den Drahtverhauen vor unserer! Stellung hängen, so daß wir es nicht einmal nötig hätten, die vorderste Linie zu verteidigen, geschweige denn, sie rurückrunclrmcn. Solaaige wir Kopf und Heu kühl und streng bitten, wird uns der alte böse Feind nicht gefährlich. Seine grausame Rüstung ist das fröhliche Ungefähr seiner Rhctoren, welche mittels Begeisterung Hindernisse der Logik nehmen. Es ist Sache des jüdischen Herzens, gegen derlei Zumutungen nicht sonderlich fest zu sein. Werfen wir wieder einmal einen Blick auf Wehr und Waffen unseres Feindes, unseres erbittertsten und bösartigsten Feindes. Was zunächst sein Kriegsziel betrifft — um Vergebung für die säbctrassclndcn Olcichnissc, aber die Situation zwingt zu ihnen; zudem gewinnen durch sie die Operationen unseres Feindes einen angenehmeren Sinn, als ihnen sonst zukommt — so lautet es: Unterwerfung des jüdischen Volkes unter die Thorah. Dieses Ziel verwirklicht sich kampflos bei vorheriger Anerkennung der Existenz Ooltcs und der göttlichen Provenienz der Thorah. Das Kampfs mittel oder der Trick der Orthodoxie besteht nun darin, daß man die erwähnte Forderung durchsetzen will, ohne vorher die Anerkennung der dogmatischen Voraussetzungen derselben erreicht zu haben. Man Ist zu dem Ausweg gezwungen, weil man bei dem größeren Teile des zeitgenössisehen Judentums die Anerkennung dieser Dogmen niemals erreichen würde. Man hilft sich also mit der durch und durch unredlichen Lehre von der Dogmcnlosigkcit des Judentums, einer Lehre, die eigens zu dem Zwecke erfunden zu sein scheint, Jeden Ernst der religiösen Entscheidung von Orund auf zu zerstören. Als ob es darauf ankäme, daß das ausdrückliche Bekenntnis zu irgend welchen Sätzen bei uns nicht als Voraussetzung für die Seligkeit gilt, und nicht vielmehr auf die schlichte Tatsache, die durch keine Begeisterung aus der Welt geschafft werden kann, daß unsere Clcbctc wie von etwas Selbstverständlichem von Sein und Wirken Oottcs sprechen und sie »nslilndlgcrwcise nur von solchen Juden gesagt werden können, die an Sern und Wirken Oottcs in dem durch die Oebete vorgczcichnctcn Sinne glauben. Man erachtet es ferner nicht als Raub, aus dem Ocsctzcscharaktcr der Thorah die Notwendigkeit der Erfüllung ihrer Ocbotc zu deduzieren — wobei „Qcsctz" eine Art canis a non canendo ist. Man bedient sicii weiter der nicht weniger schamlosen Argumentation: Bejahung der Nation schließt in sich Bejahung der nationalen Kultur — nun Ist aber die nationale Kultur In unserem Falle die Thorah — also Bejahung der Thorah. Als ob die religiöse Grundfrage durch ein nationales Dekret entschieden werden könnet Man entblödet sich endlich nicht, die Notwendigkeit der Thorah in der Weise „tiefer" zu begründen, daß man zeigt: Dio Politik der nicht unter der Herrschaft der Thora stehenden Völker — „Turmbau zu Babel" — führt zu dem Weltkrieg. Diese Begründung würde ebenfalls dazu führen, daß man In der Weise des frommen Betrugs die Ocboie erfüllte, um der wohligen Folgen der Erfüllung willen. Aber beweist sie etwas? Führt sie zu einer Wahrheit? Wahrheiten werden nachweislich nicht durch die Annehmlichkeiten ihrer Folgen bewiesen. ' So oder so in der angegebenen Weise pflegt, wie gesagt, die Orthodoxie zu argumentieren. Denn die offene Dis kusslon der theologischen Probleme hat da» Ocwittcr in sich, seit die In der traditionellen Theologie übliche Verifikation der Offenbarung durch die europäische Kritik unmöglich gemacht worden ist. — Nebenbei: Den Oeistcshistorikcr der Gegenwart wird Interessieren, daß kluge Köpfe, die das Oras wachsen hören, neuerdings von der Seichtheit der Aufklärung sprechen. Mit einem erstaunlichen Fingerspitzengefühl für Modernität begabt, wissen sie mancherlei von der Seelenloslgkcit usw. des 19. Jahrhunderts zu sagen. Als . ob der vernünftige Kern, der in diesen Deklamationen nur einmal verborgen ist, oder gar diese Deklamationen selber jemals die Religionskritik der modernen Jahrhunderte aus der Welt schaffen könnten. — Unverblümt die zentralen Dogmen an den Anfang zu stellen — dazu wind sich die Orthodoxie erst dann verstehen, wenn ihr in jedem einzelnen Falle nachgewiesen worden ist, daß ihr alle psychologischsoziologischen Ausflüchte und Schliche nichts nützen. Verstehen wir manche Anzeichen recht, so hat man sich bereits darauf besonnen, daß man, gleichgültig gegen ntlc fnktlsclaon Nachteile, ganz dumm und ehrlich die Frage nach Ooft und seiner Offenbarung stellen muß. Zuletzt hat die Religion selber das höchste Interesse daran. Ihr kann nichts an Leuten liegen, die das Oesetz erfüllen um Ihres Volkes willen oder um aller Völker wllcn, und nicht oder nicht in erster Hinsicht um Oottcs willen. Erst dann, wenn die Frage wieder so gestellt wird und sich gemäß der Verschiedenheit der Antworten die Partclgruppicrung innerhalb des Judentums gestaltet» wird eine Auseinandersetzung, Ja ein Miteinander von Orthodoxie und Nicht- Orthodoxie aufrichtigerweise möglich sehn. Ein erfreulicher Fortschritt ist es jedenfalls, wenn Breuer in seiner neuesten Schrift: „Das jüdische Natlonalhelm" (Frankfurt 1925) die entscheidende Frage darin sieht, „ob Oott und der Thorah der Primat über der jüdischen Nation zustehe oder ob das historische Verhältnis umzukehren sei". Es handelt sich nicht mehr um Individualismus—Typismus, Macht—Oeist, Hochverrat-Ocsetzcstrcue, nicht mehr um zwischenmenschliche Angelegenheiten. Nicht nur aus diesem Orunde: Wegen der aufrichtigen Hcraussstellung der letzten dogmatischen Voraussetzungen ut die Breucrsche Schrift erfreulich. Sie unterscheidet sich auch, was .die Schreibkunst anlangt, gar sehr zu Ihrem Vorteil von den bisherigen Schriften des Verfassen, ja von dem größten Teile der politischen Literatur der Juden übernaupt. Sic Ist wirklich eine politische Schrift, sachlich und War; die zweifelhaften dichterischen Eruptionen, die die Aneignung der letzten Vcröffcntllchuncen Breuers zu einer Qual «nachten, dahin gedringt, wohin sie gehören: (n die Ecken, u» Owe för.du in der Wfiste der Politik venchmachtende t. 3 c! ~. > - \- ■ i ■• jüdische Herz. Ohne Mütterchen mit Runzeln geht es freilich auch jetzt noch nicht ab. Indessen Icgf der Eindruck, daß der Verfasser in der Politik, In einer sehr aggressiven Politik übrigens, zu Hairsc ist, den Verdacht nahe, daß die Dichtung des Verfassers lediglich ein Kampfmittel — ein Fata-Morgana- Gas, wenn dergleichen technisch möglich ist — im Diensteder Politik, und also nicht nach ihren kümmerlichen poetischen, sondern nach ihren erträglicheren demagogischen Qualitäten zu beurteilen sei. Auf solche volkstümlichen Darbietungen, die pikanter, -wiewohl nicht „schöner" dadurch wurden, daß In das Schmalz der Drehorgel der Schmiß juristischer Distlnktionen hlncinschnitt, verzichtet der Autor dieses Mol. ( Er kommt zu seinem Ernste. Mit diesem Ernste Ist es so bestellt, daß er auch unser Ernst Ist, zum mindesten aber: daß er für uns ernst ist. Was aus der Betrachtung der tatsächlichen Politik der Ortho, doxic auch der Kurzsichtigste hätte merken können, das wird hier von dem Inspiratoren derselben beinahe gesagt: Dlcr Zionismus hnf cinau einzigen jüdischen Feind, und dieser ist die Orthodoxie. Wir Nicht-Orthodoxcn sind ihr Verräter und Treulose. Das klingt erfrischend, Ja schneidig und ist so wohl atreh In der Ordnung. Er überblickt Jedoch diese Thesen, er geht über sie hinaus, ohne weiter eindeutig zu werden. Er handelt des Langen und Breiten von gewissen, Palästina neuerdings bewegenden Streitigkeiten, die Ihn sehr zu erregen scheinen, und deren sachliche Erledigung wir, mangels eigener Sachkenntnis, b/.w. eigener Pnlästinareiscn, der zionistischen Leitung überlassen müssen. Dabei nimmt Breuer die eigenartige Stellung ein, daß er, als Angehöriger der jüdischen Nation, der Trägerin der am der Bnlfour. Deklaration sich herleitenden Hechte, gegen Verwaltung*, maßnahmen einer fremdländischen' Behörde, der Regierung der zionistischen Nation, die nbsurdcrwclsc Snchwnltcrin der Rechte der jüdischen Nation ist, protestiert. Eine verwickelte Situation. Grob gesprochen — und aus der PfcrdcKchcltcn- Weis' in die babylonische Turmbau-Wels' transponiert — kommt es darauf an, der Zionistischen Organisation eins bei der englischen Regierung anzuhängen. Mit diesem Ziel steht in einem Idealen Zusammenhang das andere, den Innerhalb der Zionistischen Organisation arbeitenden Orthodoxen Schwierigkeiten zu machen. Diese Orthodoxen dürften, vom Standpunkt Breuers aus, als' zionistische Staatsbürger jftdU sehen Glaubens anzusehen sein. Im wesentlichen eine Inner, orthodoxe, gleichsam international-orthodoxe Auseinandersetzung. Wir enthalten uns jeder Einmischung. Sollen wir sagen, daß uns dieser Hlnaiiswurf aus dem! jüdischen Volke nicht gleichgültig ist? Uns liegt heute wie Immer an einer Auseinandersetzung mit der Orthodoxie, well wir an der Vorstellung einer geschichtlichen Einheit des jüdischen Zusammenhanges festhalten. Damit hat es aber bestimmte Schwierigkeiten, über die wir uns vorhin geäußert haben. Die größte hat Breuer beseitigt: die Vertuschung der eigentlichen Streitfrage. Es bleiben aber noch manche bestehen. Man tut der Orthodoxie Unrecht, wenn man ihr subjektive Unehrlichkeit vorwerfen würde. Es wäre nicht nur unrecht, es wäre anmaßend, lächerlich, sinntos und — gleichgültig, Wir sagen dies nicht zur Abschwächung, aus Lauheit, Oanz Im Gegenteil I — Die orthodoxe Taktik ist nur dadurch möglich, daß sie sich nie Mühe gibt und nie Mühe gegeben hat, das Wollen des politischen Zionismus zu verstehen. Mit der Etikette Apikorsuth versehen, Ist es nicht Gegenstand einer ernsthaften Auseinandersetzung. Wozu überhaupt Auscinandersetzung, da man ja weiß, wahr, und wahrhaftig weiß, daß man Recht hat und die Anderen die Irrenden sindl Man hat immer, man hat grundsätzlich ein gutes Gewissen. Aber bedeutet der unerschütterliche Besitz eines guten Gewissens nicht — den Verlust des Gewissens überhaupt? Man traut seinen Augen kaum, wenn man über Hcrzl liest: er habe „einen tollkühnen Sprung unter die Groß, mächte gewagt", welcher Sprung nur durch das „wunderbare Zusammenwirken" mit dem Weltkriege das nationale Heim ersprungen habe. Ist das gewissenhaft? Wenn wir recht unterrichtet sind, wußte Herzt, daß das jüdische Volk den Völkern für ihre etwaige politische Leistung eine politische Gegenleistung zu bieten habe. Es handelt sich also nicht um einen „Sprung", sondern um das Ausspielen Macht gegen Macht, wie in aller Politik. Daher besteht zwischen den realen Grundlagen des politischen Zionismus und den realen Grundlagen des Weltkrieges kein wunderbarer, sondern ein natürlicher Zusammenhang. Wir erinnern daran,, daß die Zerstörung der Türkei und der Kampf für die Minoritäten Kricgszicle der Entente waren, und daß die Entente, vor allem England, ein Interesse an' einer wohlwollenden jüdischen Ocffcirtlichkcit hatte. Die Ocnlalität Hcr/Is besteht nicht in einem „Sprung" und nicht, in einem „Schrei", sondern in der Politisierung des jüdischen Volkes. Mit einer Widerlegung der Tatsachen-Behauptung würde man unserem Ocgner nicht gerecht, Man mtifl weiter fragen! Was Ist der Zweck der Nrciirftchc-n Hrlwmpliiitic? Was läßt sich mit Ihr erreichen? Erstens: l>lc Verwirklichung des politischen Zionlsnnis eine Folge des Weltkrieges — keine schlechte Drnndmarkung des Zionismus in den Augen des schwarz-rot-golilcncn Staatsbürgers, Zweitens: Die Haifour-Dcklaration keine eigene Leistung des Zionismus — ein Geschenk der Stunde, der Ocschichtc, der Voi-sehung. Also kann auch die Orthodoxie sich bedenkenlos ihrer bedienen, In ähnlicher Weise ergibt sich, daß der Zionismus aus dem Jüdischen Volk clu Volk wie alle anderen VWker machen will. Vor Jahren sprach man in diesem Sinne wohl von „Verwirklichung". Je mehr nun aber das ursprüngliche Wollen Herzts lebendig wird, um so deutlicher sehen wir die Unmotivicrthcit des NormalitätRWollcrts ein. Nicht „ein Volk wie alle anderen Völker" Ist das Programm des selbst, kritischen Zionismus, sondern nur'dies, daß AuscrwähltCB Volk-Sein nicht heißen müsse: ein Volk von Händlern und Advokaten. Darin liegt kein „Kampf gegen die Herrschaft Gottes,"Kampf gegen die Herrschaft der Thorah Gottes*'.' Von „Kampf* ist überhaupt nicht die Rede, höchstens von Distanz. Und diese Distanz ist nicht im Willen zur Normall. tät begründet — der Zionismus ist keine Dcprcssions-Er scheinung —. wir protestieren gegen solche Unterstellungen und werden sie im Wiederholungsfälle nicht 'mehr als gut. gläubigen Irrtum ansehen können — sondern darin, «laß die dogmatischen Voraussetzungen der Orthodoxie durch die europäische Kritik als fragwürdig erkannt sind. Wenn die Orthodoxie entschlossen Ist, auf dieser Basis zu kämpfen der Zionismus wird sich dem Kampfe nicht versagen: wiewohl er sich nicht auf diese Uebcrllcferung, sondern nur auf di« Vernunft berufen kann. Was lehrt uns Td-Äwiw? (Von Justizrat Dr. Bodcnhclmcr, Köln. Wir bringen den nachfolgenden Artikel als einen Beitrag zu den brennenden Fragen unserer Siedlung* arbeit. (Vorbemerkung der Redaktion.) Ucbcr Tcl-Awlw darf Ich wohl mitreden, da ich elnci der Ocburtshclfcr dieser jüdischen Stadt bin. Zur Zelt der Begründung war Ich Vorsitzender des .Direktoriums des J N.-F., an den sich die Oründcr wandten,' um eine Anleihe zu erhalten, durch die eine Orundtagc für die Stadtgründung geschaffen wurde. Sowohl Im Direktorium de« J. N.-F. als Im A.-C. erhob sich starker Widerspruch gegen diese Verwendung der Gelder des J. N.-F. Ich trat damals mit Entschiedenheit für die Gewährung des Darlehens ein, da mir die politische Bcdcu. tung einer solchen Stadtgründung einleuchtete. Nach den damaligen Prinzipien des J. N.-P. waren auch die Gelder desselben zu anderweitigen Kapitalanlagen frei. Insbesondere war. hierfür entscheidend, daß nach den Beschlüssen des Kongresses die Gelder zum Landkauf erst verwendet werden durften, wenn die Minimalsumme von fünf Millionen Franken erreicht war, was damals noch In weiter Ferne lag. So setzte Ich die Gewährung des Darlehens durch und hatte im Jahre 1912 Gelegenheit, mich davon zu überzeugen, daß auf diese Art mit verhältnismäßig geringen Mitteln eine rasch wachsende Siedlung geschaffen Worden war. Diese Siedlung hat aber nur dann für die Zukunft des jüdischen Palästina einen grundlegenden Wert, wenn wir sie als Muster, stadt betrachten nicht in den» Sinne eines Vorbildes, sondern um an Ihr zu lernen, wie man es künftig machen soll und was zu unterlassen Ist. Die Mängel der Siedlung bilden heute das Tagesgespräch Sie werden vielfach übertrieben. Zum Teil hat man vergessen, daß zur Zeit der Oründung die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse weit schwieriger waren als heute. Ohne auf die Einzelheiten einzugehen, kann man sagen, daß einer der Schäden die Spekulation mit dem Orund und Boden Ist, die eine erhebliche Steigerung der Mieten und der Grundrente zur Folge hat. Dieses Spcku, lanlcntum hätte zum grüßten Teil vermieden werden können, wenn es möglich gewesen wäre, damals einen großen für eine Stadtgründung erforderlichen Lamlkomplcx durch den J. N..F. zu erwerben und in Erbbaurecht zu vergeben. Bei den Erbbauvcrträgcn hätten Bestimmungen getroffen werden können, die eine Spekulation vermieden und den Mietwucher verhütet hätten. Heute stehen einem solchen Plaue weder unüberwindliche gesetzliche noch tatsächliche Hindernisse im Wege. Einen Beleg dafür, daß damals diese Methode nicht durchführbar war, bietet der Versuch einer ähnlichen Oründung in Haifa, der daran scheiterte, daß der J. N.-F. es ablehnte, ein Darlehen nach dem Muster Tcl-Awiws zu geben und darauf bestand, den arund und Boden für die Siedlung zu erwerben und in Erbbaurecht zu vergeben. Die Folge war, daß diese Oründung eines geschlossenen Stadtviertels in Itaifa scheiterte. In positivem Sinne lernen wir aber von Tcl-Awiw, daB eine städtische Siedhing neben einer bestehenden arabischen Stadt einer Ncugrundung sowie auch der zerstreuten An- Siedlung von Juden Innerhalb sowie um die arabischen Städte vorzuziehen ist. Durch die letztere Methode, die besonders In Haifa und Jerusalem m die Erscheinung tritt, wird der Wert des gesamten städtischen Bodens ins ungemessene gesteigert. Hierdurch werden nur die Araber bereichert, die den Grundbesitz Im Zentrum der Städte Inne haben, ohne daß die Juden irgend einen Nutzen davon hätten. In politischer Hinsicht ist In diesem Falle viel schwieriger für die Juden, maßgebenden Einfluß in der Verwaltung der Städte zu gewinnen. In diesem Falte ist auch weder die Sicherheit der jüdischen Bevölkerung noch die öffentliche Ordnung und Reinlichkeit in demselben Maße gewährleistet wie bei der Neugründung einer besonderen Stadt. Daß dieses empfunden wird, zeigt die Vorliebe der besitzenden Klasse unter den Einwanderern für Tcl-Awiw. Wäre eine geschlossene Siedlung nach derselben Methode In Haifa geschaffen worden, so ist anzunehmen, daß Haifa heute im wesentlichen eine jüdische Stadt wäre. Schließlich gibt uns Tcl-Awiw einen Fingerzeig, wie mit möglichst geringem Aufwand an Mitteln eine möglichst rasche Vermehrung der jüdischen Bevölkerung zu bewirken Ist. Dies gibt uns auch einen Schlüssel für eine rasche Industrialisierung des Landes. Man wende das Beispiel Tcl-Awlws auf eine Reihe anderer Städte an und die jüdische Bevölkerung wird dort entsprechend wachsen. Der politische Wert eines solchen Vorgehens Ist unübersehbar. Es Ist heute eine Binsenwahrheit, die aber nicht genug wiederholt werden kann, daß es für unsere Zukunft von entscheidender Bedeutung Ist, In kürzester Zeit die Majorität der Bevölkerung des Landes zu bilden. Erst wenn dieses der Fall ist, haben wir Aussicht, die öffentlichen Mittel in ausgiebigem Maße für die allgemeine Entwicklung des Landes In Anspruch nehmen zu können. Solange die Juden eine Minorität des Landes bilden, laufen sie Ocfahr, bei der In absehbarer Zeit notwendigen Einrichtung einer Selbstverwaltung majorisiert zu werden. Daß dieses den Todesstoß für das Jüdische Nationalhcim bedeuten würde, bedarf keiner wetteren Erklärung. Nur durch die Förderung der städtischen Siedlung und Einführung von Industrien ist aber eine rasche Erlangung der Majorität der Bevölkerung zu erwarten. Alles was dagegen bisher auch von autorisierter Seite geltend gemacht worden Ist, beruht" zum Teil auf Fehlschlüssen oder der Untcrschälzung der Notwendigkeit einer außerordentlichen Krnftanstrcngung. Es wird behauptet, die Industrialisierung bewirke keine raschere Vernich- Berliner Zionistische Vereinigung. Monlag, den 11. M»l, nbendt punkl 8", Uhr, Ira tUta»<u««L. Mdnrktilrttt 10 t Sitzuno der Uenreicruersammiuno der a U . ...... .. Timnirdnigii 1. Wahl dt« VortUndit d«r D.Z.V, l' K»«U. A»nd«rong dt. | j0 d«r BtUonjtn dtr B.Z.T. n, W»hl»n »um Ztmrtlko-r.lt.t 4. Tl.rUM dtr In d»r Ittattn Bltignff d*t V. V. »InRtitliUn KommlMlon Qbtr dl» gtnltnl» VmorgmliUlon dtr B.7-V, », HUIlunitnth«. ond n...hWlMtune. DI» «lull»« <nr MI«*ll*dor dtr HU off.MlIoh. .»■::,;., "i i;,<j. m < j!;Ä,.:i run,; . . jed'l . <! Set -/I' V« , y ,;•;. lunjj l|, 1-, m;:?;;'7 i mit. ,.<•• (' auf./;. v;V")li St*', [f nici, , Wf'i'l . wic';':^:"!, sim, ■ - m\, ■<•'. n Vci '-V .'„i1 dcri.^v.iN: Kov.h •.'.!' , <i;i* ,*; I Kif'i ' V > , rat". ii';-;ri' Kar-'' -t-jV. bei: .;i; I ■':■(, daßy öhV plU in '., ,>'• v ''V wci,-- «•!•„:<;•• bcly'-..'.Mi'}, '' ElnVlH \ : ine-!! U'Ii" ■ füri, ■ ., i ru ■ > i bca.VV '<!■■;- odClJ ■.>',' ";; mai'v'-A. ■!••'' |! ,f ■ auf , um;', >%.." not!'"' i1 , m 'i';,, Ktf;,:1 ■ / . ( > fest'-':'"■';!('; am1""-- ., \ Mui '1,' in ,, hici jüd . 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