Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 36 (8.5.1925)
- Date
- 1925-05-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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:l Seite 330 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 38 Jerusalem oder London Von Dr. Arthur Hantkc, Berlin, Die,zionistische Bewegung hat seit dem letzten Karlsbader Kongreß sehr befriedigende Fortschritte gemacht. Die Entwicklung in Palästina ist staunenswert. Die Zahl der Chaluzim ist außerordentlich gestiegen. Die hcbrilsch'e Bewegung ergreift immer größere Kreise der Jugend. Der Kcrcn Hajcssod hat sich stabilisiert und vergrößert seine Einnahmen von Jahr zu Jahr. Der Kcrcn Kajcmcth erholt sich sehr schnell von dem Stillstand, der ihn einige Jahre zurück gelähmt hatte. Bei alledem handelt es sich gewissermaßen um ein Leben vom Kapital. Denn diese Fortschritte beruhen nicht auf einer ständig sich erneuernden, laufend vor sich gehenden Entwicklung, sondern sie sind nur das Ergebnis der Anstrengungen seit dem Jahre 1897, die Umwandlung des zionistischen Ideenkanltals In produktive Tätigkeit. AU das, was wir als Kredit der Entwicklung aufführen konnten, ist ja von der zionistischen Idee abhängig. Der Aufbau Palästinas beruht auf den Menschen und den Kapitalien, die dorthin strömen. Und Arbctterchaluzim und kapitalistische Pioniere kommen nur, insoweit die zionistisch« Idee in ihnen stark genug Ist, um sie .nach Palästina zu führen. Und die Ocklcr werden immer nur Insoweit fließen» als es Zionistcn gibt, die stark genug in der Idee leben, um die Forderungen des Ocklgcbcirs für Paliistina mit innerer Ucbcrzeugungskraft stellen zu können, und als es Spender gibt, die unter dem Eindruck einer starken zionistischen Bewegung Ockl geben. Die zukünftige Entwicklung Palästinas und des nationalen Ocdankcns in der Diaspora hängt daher davon ab, daß wir aus dem Zustand des Lebens vom Kapital wieder herauskommen und wieder Jahr für Jahr neue zio« nlstische Idccnqucllcn schaffen. Und das nationale Judentum gehört wahrscheinlich nicht zu den reichen Völkern, welche sich den Luxus erlauben können, ihre Wirtschaft In erster Reihe auf Kapitalcinnahmcn aufzubauen. Dieses Ziel werden wir erreichen, wenn wir uns entschließen, wieder eine lebendige, die wichtigsten Aufgaben des zionistischen Lebens umfassende Zenträte zu schaffen. Heute besteht unsere Exekutive aus zwei Körpern, der Londoner Exekutive und der PaUstltia-Exckutlvc. Nach dem Statut sind beide OUcdcr eines einheitlichen Körpers und untereinander gleichberechtigt. Eine solche Konstruktion ist aber im Leben undurchführbar. Die Palästina-Exekutive hat daher durchaus im Interesse der Organisation gehandelt, wenn sie sich in den letzten Jahren darauf beschränkt hat, das Budget Palästinas zu verwalten und vorsichtig die Organbation gegenüber der palästinensischen Regierung zu vertreten. Im übrigen ist sie nur gelegentlich auf Sitzungen tätig geworden, Würde die Palästina-Exekutive nicht 90 gehandelt haben, to wäre sicher ein Öcgcnclnandcr-Regicrcn entstanden, das neue Verwirrung in die Organisation gebracht hätte. Dafür haben nun aber die Mitglieder der Palästina-Exekutive in den Kauf nehmen müssen, daß sie vor dem Kongreß für die Ocsamtnolitlk der Exekutive verantwortlich sind, ohne doch diese Verantwortung tragen zu können. Die Organisation erkennt dies ja auch an und hat sich — nicht zum Vorteil der Ocsaiutentwickiting daran gewöhnt,' zwischen Organen zu unterscheiden, die nur eine formale Verantwortung tragen, und zwischen Organen, die auch materiell verantwortlich1 gemacht werden können. Die Folge davon ist, daß eine Kritik unmöglich geworden ist. Denn es ist schon kaum noch möglich, eine Stelle in der Organisationszentrale zu finden, welche sich selbst für verantwortlich hält. Mau wirft der Palästina-Exekutive häufig vor, daß mc nicht genug Rückgrat gegenüber den zionistischen Gruppierungen in Palästina selbst hat. Und man folgert hier sogar manchmal, daß eine Exekutive in Palästina überhaupt nicht möglich Ist. Denn die Tagesereignisse drängten sich bei der Kleinheit der Verhältnisse zu stark in den Vordergrund. Eine Palästina-Exekutive, welche in lebendiger Wechselwirkung mit der Organisation stände, welche von der Organisation für verantwortlich erklärt wird und wc*che die*c Verantwortlichkeit fühlt, würde dieser Gefahr sehr leicht entgehen. Heute dagegen hat man künstlich den unerträglichen Zustand geschalten, daß die Palästina-Exekutive von den Qruppcn in Palästina besonders stark beeinflußt werden kann, weil die Organisation alt solche sich der Möglichkeit dieser Beeinflussung begeben hat. Uebcr die Exekutive in London, die von der gesamten Organisation als die eigentliche Exekutive empfunden wird, Ist es sehr schwer, zu sprechen. Die Triigcr und Führer dieser Exekutive, Dr. Wcizmann und Herr Sokolow, stehen für 95 •/<> der Organisation außerhalb der Kritik. Ihre Tätigkeit wird so allgemein anerkannt, da» auch objektiv und ruhig denkende Menschen, die wissen, daß es schließlich niemanden gibt, an dessen Tätigkeit nicht Kritik Irgendwelcher Art geübt werden könnte, besonders darauf bedacht sind, nicht mißverstanden zu werden. Ein solches Mißverständnis liegt aber sehr nahe, denn tatsächlich konzentriert sich fast dio gesamte Arbeit der Exekutive in der Tätigkeit dieser beiden Männer. Und trotzdem herrscht in der Organisation fast ohne Unterschied der Partcistcllung eine weitgehende Unzufriedenheit mit der Londoner Exekutive. Sic beruht eben nicht auf der realen Tätigkeit der Exekutive, sondern auf der Tatsache, daß außer der Arbeit der Führer fast alle Arbeitsgebiete unbearbeitet bleiben oder, genauer gesagt, auf die Erledigung formeller, Dinge beschränkt sind. Diese Sclbstausschnltung der Exekutive aus den meiste» Arbeitsgebieten der Bewegung hat naturgemäß einen Zustand weitgehender Anarchie geschaffen. Die Landesverbände und Sondcrvcrbandc sind in den wichtigsten Fragen auf sich selbst angewiesen. Sic sind ohne genügende Information vom Zentrum und ohne genügende Kenntnis dessen, was sich Im zionistischen Lehen anderer LHndcr abspielt. Das wichtigste Arbeitsgebiet der Bewegung, die Erziehung der heranwachsenden Jugend und ihre Vorbereitung für Palästina, erfreut sich nicht der Verantwortung der gesamten zlonistischen Ocffcntlichkeit. Und so entbehrt gerade das Oebkt der notwendigen öffentlichen Kontrolle, das für die Zukunft entscheidend ist, und bei dem es sich um die stärkste Verantwortung handelt. Denn hier gilt es das Leben und die Wohlfahrt von Menschen und nicht bloß die mehr oder weniger zweckmäßige Verwendung von Oeld. . In dieser Atmosphäre der Anarchie haben sich denn auch die Landesverbände und die Soudcrvcrbäudc in den meisten Undcrn derartig voneinander abgeschieden, daß es nur noch möglich Ist, ihre Vertreter privatim zur Aussprache zionistischer Dinge zusammenzubringen. Und dabei haben sich alle diese Gruppierungen In der Diaspora überlebt. Die Meinung«« Verschiedenheiten in der Organisation haben sich abgeschwächt, und soweit sie bestehen, sind sie durchaus nicht mehr mit den bestehenden Verbänden identisch. Reaktionäre und demokratische Meinungen, religiös positive und religiös gleichgültige Schattierungen gehen quer durch die Oruppcn hindurch. Die Schwierigkeiten einer inncrzknilstlschcn Diskussion erschwert auch die Vermeidung eines der Hauptfehler der Assimilation, nämlich die Inncrjüdischc Abgrenzung auf Orund nlchljOdlschcr Gesichtspunkte. Und dabei sieht man heute deutlich, daß es eine der Hauptaufgaben des neuen jüdischen Lebens in Palästina sein wird, über den Oegcnsatz, der die gesamte nichtjüdischc Welt in Arbeitgeber und Arbeitnehmer spaltet, hinwegzukommen und der jüdischen Nation eine Einheit zu schenken, welche die nlchtjüdischen Völker der Neuzeit nicht finden können. Dieser Zustand der Anarchie Ist . umso unerträglicher, als die liberale Assimilation auf der einen Seite und die- Orthodoxie auf der anderen Seite den Kampf gegen den Zionismus mit immer größerer Intensität führen. Die Organisation verschließt Ihre Augen dagegen, daß Assimilanten und Orthodoxe ihre durch den Krieg zerstörten Verbindungen längst wieder aufgenommen haben, und daß so wiederum wie frülicr in den Zentren des jüdischen Lebens eine einheitliche Zusammenarbeit gegen den Zionismus stattfindet, welcher durch eine einheitliche zionistische Organlsationszcntralc entgegengearbeitet werden müßte. Die Organisation übersieht auch, daß die sehr erfreuliche Fernwirkung der zionistischen Idee und die «sehr starke InfUtrlemng der jüdischen Ocffentlichkcll mit palästinensischen und nationalen Qcdankcngängen auch eine Schattenseite .hat: die Ideologie der zionistischen Organisation Ist auf eine jüdische Gegnerschaft abgestimmt, welche den Zionismus und Palästina verneint. Heute, wo die negativen Elemente In einer verschwindenden Minorität sind, und wo die Nlcht/fonlstcn auf dem Wege sind, zu Palästina, zur hebräischen Sprache, zur Idee der Zusammenfassung der jüdischen Kräfte chib Stellung einzunehmen, die man vor dem Kriege als eine hnlbzionlstlsche angeschen hätte, Ist die zionistische Bewegung In Qelahr ihrer Aufgabe untreu zu werden und sich auf das bequeme Ruhebett der erreichten Infiltrlcrung der jüdischen Ocllcut HcJikclt mit palästinensischen und nationalen Ocdankcnrcihec zufrieden zu geben. Sic bedarf daher einer neuen Ideologie die scharf und deutlich die Aulgabe der zionistischen 13c wegung umgrenzt, der jüdischen Welt in ihrer genüget Entwicklung zum palästinozcntrischcn Nalionalgcdankcn voranzugehen und, immer auf Orund des erreichten Niveaus ein neues Aktionsprogramm In Idee und Arbeit für die nächtu Ditwicklungspcriode verkündet. Hierzu braucht die zionistische Bewegung wieder" eir Zentrum, das sich für die Ideen Propaganda ebense verantwortlich fühlt wie für die praktische Arbeit in Pa lästina und für die Beschaffung der Geldmittel, weil es in all diesen Aufgabcnkrciscn nur verschiedene Seiten eines I einheitlichen Problems sieht, und welches von der Orc..ini. i sation und von der Jüdischen Welt infolge seiner Wahl j durch den Ztoiilstcnkongrcß und infolge seiner Arbeit als die Repräsentation der Führerschaft Im jüdischen Volke an. erkannt wird. Nach dem Kriege sind viele Versuche gemacht worden, ein solches Zentrum In London zu errichten. Trot/dcm es in Männern wie Dr. Wcizmann und lierrn Sokol'iw einen Kristalll»atk>nspunkt bester Art halte, ist die Aufgabe nicht gelungen. London wird dauernd der wichtigste Zcntralpunki unserer außenpolitischen Arbeit bleiben. Es liegt aber vor den Zentren des jüdischen Lebens in der Diaspora wei entfernt. Es hat auch kein eigenes jüdisches Leben. Seim Judcnhcit Ist au Zahl schwach und in sich sehr wenig ein heitlich. Ein intellektuelles jüdisches Lehen bestellt nur ii Rudimenten.. Man kann daher für die nächsten Jahrzehnt« nicht hoffen, daß die englische Judcnhcit der jüdischen fte wegung auch nur die Förderung geben kann, welche d« jüdische Welt in den letzten Jahrzehnten vor dem Krieg« in der dcutsdisprcchcndcn Judcnhcit Deutschland» und Oester relchs gefunden hat. England liegt auch schließlich vor Palfistina oo weit weg, daß c« von der palästinensischen Entwicklung trotz der politischen Verbindung weniger bc einfloßt wird als die Linder Zcntralcuropa». Demgegenüber ist Palästina In der fieberhaften Lnt Wicklung der letzten Jahre außerordentlich schnell gestiegen Man muß nicht die Zahl der Juden Palästinas mit der Zahl der Juden in der ganzen Welt vergleichen. Das gäbe nur eine formale Gegenüberstellung von an sich nicht sehr relevanten Tatsachen. Vergleicht man aber die Zahl der Juden in Palästina mit der Zahl der organisierten Zionistcn, sc kommt man schon zu einer ganz anderen Proportion, auch wenn man den organisierten Zionistcn wie billig alle d.t hinzuzählt, welche zwar außerhalb der Organisation stehen, sich aber nach ihren Kräften am Aufbau Palästinas beteiligen. Man sollte auch einmal die Zahl der Intellektuellen ver gleichen, welche heute sclion in Palästina ansäftig smd, mit der Zahl der Intellektuellen in allen positiven jüdischen Bc weguugen In der Diaspora, Auch die Arbeit Im Zionismus erstreckt sich schon hcuti zu einem früher ganz unbekannten Prozentsatz auf die prak tische Arbelt in und für Palästina selbst. Auch in den Ländern." in denen die Lage der Judcnhcit eine nationale Lqndcspolirili ermöglicht, tritt doch diese Laudespolitik In ihrer Bcdcutun; heute nur deswegen f» sehr in den Vordergrund, weil infolge der oben geschilderten innerzionistischen Entwick lung gerade die Arbeit für Palästina in so anarchischer und unorganisierter Form vor sich geht, und weil die mangelnde Leitung der zionistischen Arbeit die tatkräftigsten, eifrigstes und populärsten zionistischen Führer, meist gegen ihre Ucbct zeugung, zu einer einseitigen Beschäftigung mit nationaler Landespolitik treibt. Es handelt sich ja nicht darum, dir nationale Landcsflolitik in den Ländern, wo die Juden st.n'. genug sind, eine solche zu führen, ab/udrosscln oder Nicht zionistcn zu überlassen, sondern die Aufgabe besteht dann die richtige Relation zwischen nationaler Landespolitik und Palästinaarbeit zu finden. Und da die J.andespolitik fa^i nur von Zionistcn geleitet wird, und geleitet werden kann, und da Jeder Zionlst palästinensische Arbeit der Lamkspolitu vorzieht, so besteht das Problem tmr darin, die zionistisch« Bewegung wieder so auszubauen, daß die Fühucr und dit Verantwortlichen In den Undcrn wieder starke Betätigung JÜ'1 fot*«'' f,!]d<-n' l>!, d.idi'r',i i,i dci' Krcf '•■ ■tt v> tni«'1 ';,v natu*' k u 11 v;Ü'; y. JX B.. A. L. Pasternak Von Cliaim Nachman Bialik. NtcSJtutk rtrboUa CopTri{MI«25bT Jfldlich.r VtrUI Mit Genehmigung des Jüdischen Verlages bringen wir aus der demnächst im Verlage erscheinenden Sammlung „Essays" nachstehenden Abschnitt aus dem Aufsatz A. L. Pasternak zum Vorabdmck. Deutschen Lesern w(rd durch dieses neue Buch zum ersten Mal Gelegenheit geboten, Ch. N. Bialik als geistvollen Essayisten kennen zu lernen. Die in den „Essays" vereinigten Aufsätze sind von Viktor Kellner zum ersten Mal ins Deutsche übertragen, ... So hat Pasternak seine künstlerische Arbeit inmitten russischen Volkes durch ein ganzes Geschlecht, etwa vierzig Jahre ununterbrochen treu und fleißig getan. Von hinter demj Stall seines väterlichen Gasthauses in Odessa ist der jüdische Knabe hervorgegangen — bettelarm, nichts im Besitz als den Vorzug seines Geistes und seines starken Willens, das einzige Erbe von seinen Vorfahren her, und ist einer von den.cn geworden, die die russische Kunst mit ihren Händen aufgebaut und die Lehre von ihr in der Menge verbreitet haben. Was aber hat er in all dieser Zeit «einem Volke gegeben? Nichts. Oder fast nichts. Wieder jene Brocken, die er so nebenher in der Dämmerstunde geschaffen hat. Eine kleine, wenn auch reizende Zeichnung „Musikanten" und "och eine „Ein vertriebener Jude". Es gibt vonMhm, wie wir scheint, auch noch einen farbigen Entwurf für ein Diplom irgendeines zionistischen oder nlchtzionlstischcn Vereins — das. ist alles. Und oll das während eine« ganzen Oeschicchtsi Wahrend voller vierzig Jähret Ich habe nicht 4\e Absieht zu übertreiben, ich weiß? daß Pasternak nicht zu den „großen Leuchten" gehört, Neue Welten hat er nicht entdeckt und die Quellen in der wüste hat er nicht gefunden. Ja, kh werde gar nicht böse «In, wenn man bei näherer Untersuchung finde», daß auch oie aHgemckie .Wertung, die ich oben von Pasternak und - / seinen Werken gegeben habe, nicht.sehr zutreffend ist, daß ich ein wenig dazugegeben oder weggelassen hnbe. Doch auch das eine weiß ich sicher, daß die Menschen seiner Art und seines Ranges, voll Talent und Energie, die Kulturmenschen mit Tradition es sind, welche, jeder an seinem Platz und auf seinem Gebiet, in jedem Ocschlccht schaffen und schaffen machen, daß sie das Element des Atifbaus in der ganzen Nation sind. Kein Volk wird ohne sie auf. gebaut und aufgerichtet. Menschen dieser Art sind die treuen Hüter des Kulturbcsitzcs, der 6lch angesammelt hat, und sie vermehren ihn allmählich. Man hat also da» Recht, einen Menschen seines Schlages und mit ihm die übrigen Künstler, die ungefähr seines Alters sind, zu fragen: Was habt ihr eurem Volke Neues gegeben? Die Genies — ihr Weg ist der Weg des Adlers In den Lüften. Wer will ihnen Grenzen setzen und ihnen den Weg vwzciclmcn? Wahrlich, auch mit ihnen wird die Nation Ocricht halten - doch in anderer Sprache. Ihre Sünde ist ein tiefer Abgrund. Doch ihr, ihr, die Menschen, deren Zeit und Raum begrenzt «lud, wo seid ihr all lene vierzig) Jahre gewesen? Wo seid ihr damals gewesen, als euer Volk in seiner Qual dahinsiechte und der Last seiner Leiden zu erliegen drohte? Warum seid ihr nicht gekommen, eure Schulter neben der seinen unter das Joch zu legen und euren Mund mit dem seinen an dcii Bcclte; des Taumel«? Vierzig Jahre hintereinander hat man euer Volk In Mauern gesperrt wie eine Schar von Aussätzigen, hat man es an kahlen Fels gefesselt, ihm alle Quellen des Erwerb« verstopft, ihm Licht und Luft und Menschenwürde geraubt, co Jahr für Jahr •wie ein Aas Hunden und Wildschweinen zum Fräße hingeworfen und es Tag für Tag in ein Meer der Verachtung getaucht — „wo habt ihr geweidet, wo gelagert" Jene ganzo furchtbare Zeit? Wie habt ihr euch erfrecht, die Vorrechte zu genießen, welche euch Jene Hand geschenkt hat, die euch, eurem Volk und eurem Oott siebenmal des Taget in« Angesicht schlug? Und auch nachher, als das Maß voll wurde und ein Häuflcm Beherzter, gering an ZaM und noch«geringer an 1 Kraft, auszog, das Panier zu erhellen und den Ruf dci Auferstehung und des Baues erschallen wi lassen — wo seid ihr auch damals gewesen? Wer von euch ist ge kommen, mit den Bauenden Hand anzulegen? Wo ist dir Schichte, wo die Latte und der Ziegel, die eure Hand dazugetan? Von euch ist niemand gekommen. Oott allein w-o?. warum die Künstler sich all Ihr Lebtag wie „Hochzeit« in der ersten Nacht" ansehen, die aller Pflichten ledig sind, sind sie ja doch frei, frei wie die Toten, von jeglichen Joch Ich bin nicht whein Prediger, sondern wie einer, der in den Wind hinaussehrcit; Ich weiß, daß man sich über niemand und über nichts erzürnen darf — o ist unser Lo«. Vielleicht werden wir wirklich noch lange Zelt für derartige Menschen keinen Platz und keine Stätte zum Verweilen in unserer Mitte finden als die Orabcsstüttc. Die Outen und »lel Veranlagten unter Ihnen, auch sie haben, es kann nicht anders sein, im Verborgenen aus dem Schiucrzcnskclch ,tc trunken und da nie, geheimnisvollen. Rittern gleich, dir Mas'.c auf dem Antlitz, unter Fremden clnhcrgingcji — wer welfl, ob sie nicht den lautlosen Schritten eines betrübten EngcU ihr Ohr neigten, der weit hinter ihnen sacht clnhcrgin^ * und leise seufzte. Sicher hat es auch solche gegeben. Aber liegt darin ein Trost? Liegt darin eine Vergeltung für all das große Leid, das sie ihrem Volke angetan haben, da sie einer nach dem andern, einer nach dem andern, \o» ih«1 gegangen sind, um für aUe Ewigkeiten nicht wieder zu in« zurückzukehren, und ihm so jede Zukunftshoffnung vernichte! haben? Denn was für eine Hoffnung und was für eint Zukunft hat ein Volk, das ununterbrochen nur gibt und nicht empfängt , •, .• Ist es etwa in unseren Tagen anders? Als Ich vor kurzem mit chicm Jungen Gelehrten, einem guten Zkmintcn (derwie es so geht, kein Wort hebräisch kann), l>ro!esM>r an einer deutschen Universität, spruch, da hörte Ich zufulhü aus seinem Munde von der erstaunlichen Zahl schallender und aufbauender Menschen, hervorragend durch Fleiß und Tüchtigkeit, die das Judentum In Deutschland und Oesterreich auf allen Kulturgebieten hervorgebracht hat: In der WissenpH kalive t\. ,m na , .-estärj. , An/icl, wird; Partei Cfb°b',1' pinnt 'irr r, Ira.ier,. totere werde'.' sclii'tv:' auf d' WClt . Stull' . l-.sere, ' D';röües Londo'iJ der l' h-.tina/ daß ji', Reise ,'' Auf d.', Reimt i (•röfici l; nicht!:,':' in sie." gleich,'?- mit di,: Vcrtre! Aurori | was Ci Kennt St Inwlo, ', Auch ', über 1 nistisc der z in Lot. , tun f-i T.itiglyj'. aber i'j Reitling die p ••'. , Regier^ ,yy treten, J\; mit ,<)»•' » Zeit' ..J, ■ hinzuk von «i, M.mici Verleg, tische;; <• zur l;, rwung Ciifjli* I L-, in Loi, D.ts Z,! haben ' cit d!t dein . > in dc'l Wicken' gebiet i' i th 11 41;,•( M. l\ i r. i, •f. ,.-/ i st Iii. schaff.:. f'ffent; : betrüb w'< audcrli. komm.''' und I Outha. sie. J D durch i lirfoljr -\ Male 1 dem 1 ihr fre j' heit n Hiies; der si. voraus und k . lern, | S^Kcbi 1 zu en achten iGnnc] *icdc| *u ihr, bauen! i Wndcr 1 als u.| : Ä S|| VA.lle,, UU 'hie * ' ' Kum.tJ »nsfrn des 7 «ir u unsCrfl de« g D: )!!:' i»- % ' j