Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 35 (5.5.1925)
- Date
- 1925-05-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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n Seite 326 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 35 Die heroische KolonisaUons-Periode Von Dr. Michael Ringel. I. Nach 30 Jahren Hcrzlschcn Zionismus, nach 45jährigen Kofonisations-Expcrimcntcn mit jüdischem Mcnschcn-Maftrial in Palästina und auch In Argentinien und Rußland - nach den Erfahrungen de, Krieges, welcher die überragende IWdeutung des Bauernstandes empirisch bewiesen hat —, haben sich dem zionistischen Bewußtsein zwef Wahrheiten eingeprägt. Ober die nicht mehr diskutiert wird. Süll der Hau unserer Heimstätte von langer Dauer kein, so muß die Pyramide eine breite Ball» haben, In Gestalt einer zahlenmäßig starken, mit dem Boden verwachsenen , Dauern schichic. , . „ Es wird zweiten» aU erwiesen betrachte», daB der Jude sich auch zum Ackerbauer eignet, unter Umständen sogar , sehr gut Er eignet sich — diese Einschränkung muß hinzucrcfügt werden — »fern er die Kluft zwischen Stadtmenschen- Dasein und Bauerntum übersprungen und die Brücken hinter »ich endgültig verbrannt hat. In den letzten hundert lahrcn wurde mit jüdischem McnschcnmatcriaL das sich aus dem Hauptreservoir zwischen Ostsee und Schwarzem Meere rekrutierte, einige Mal dieser Versuch unternommen. Autokrafischcr Wille ein« Despoten iwanjr am Anfang oes AfA. janrnumierrs Hinge, gewaltsam am mrem ffuneu herausgerissene Juden, diesen Sprung zu machen. Sie wurden von Nikolaus 1. zum Heeresdienst ebenso „gepreßt" wie zum Bauemdascin. Die Barriere wurde damals genommen. Dann kam eine zweite Welle von Juden, welche die Kluft übersprangen'; dies waren Idealisten und Desperado«, die aus dem Zarcnlandc oder aus ihren bisherigen Benifen hinausgeworfen wurden, in der zweiten Hallte des XIX. Jahrhunderts. Sic Rinnen begeistert und verzweifelt übers Meer und wurden Bauern aus Verzweiflung und Idcalis» mus. Das sind .die Schöpfer der Bilu-Kolonien unfl der Baron Hirsch-Kolonien in Argentinien. Nach dem Kriege und der Balfour-Dcklaration begann eine neue, eine tiefere und breitere Strömung, welches dieses ungemein schwicrißc Experiment der „Bauernwcrdung" des jüdischen Stadtmenschen vollzog. Ich würde die PcrtoJe der Chaluz-Kolonlsation die „heroische Kolonisationsncriodc" benennen. Stolz und Verzweiflung, . begeisterter Glaube an die Zukunft des ewigen Volkes, sozialistische Ideale und Tolstoische Lehren, Hintansetzung egoistischer Triebe. Europamüdigkeit und der Wunsch, der ungerechten Welt zu zeigen, was junge Juden zu leisten imstande sind — all dies hämmerte aus dem weichen Material der Ohctto-juden die stahlharte, sehnige Gestalt uvs jungen Pioniers. » Die Welle der Chaluzim fließt nun seit sechs Jahren und brachte einige zwanzigtausend junge Juden nach Ercz- Israel. In Europa ist noch eine Reserve von — vielleicht — ebenso vielen vorhanden. Aber — Massen-Enthusiasmus ist keine D a u e r - Erscheinung. Dies widerspricht den Glcichgcwichta-Prinzipicn der menschlichen Seele, Eine „Icvce cn massc" von Nicht-Soldaten, um mit dem Gewehr in der Hand den Feind abzuwehren, ist c*bcn» eine vorübergehende, kurz dauernde Aufwallung von Heroismus wie die .Jcvee cn massc" städtischer junger luden, um ein verwahrlostes, verwildertes Land als vordrängende Pionier- Abteilungen für ihr Volk zu erobern. Wir müssen damit rechnen, daß der Strom der „heroischen" Einwanderung bald dünner werden wird und vielleicht versiegt. Und da die Zahl der jüdischen Bauern noch um ein Vielfaches vergrößert werden muß, Ist es unsere Pflicht, schon jetzt für weiteren Nachschub zu sorgen. Vor allem muß selbstverständlich der Geist des Pion'crtums im Gallith möglichst Intensiv weiter gepflegt werden. Chaluziuth als Massen-Erscheinung wird früher oder spater aufhören — aber, durch systematische Erziehung im Geiste dieser Tradition müssen immer wieder neue Repräsentanten dieses Typus geschaffen; werden. Von eminenter Wichtigkeit ist es jedoch, schon jetzt für eine möglichst große Ansicdlung von jüdischen Bauern zu sorgen, die nicht allein dem Typus des Idealisten, sondern des Durchschnittsmenschen angehören. Hier muß mit zwei Schwierigkeiten gerechnet wcrticn. Der Durchschnittsmensch will mit möglichst geringem Kraftaufwand möglichst schnell eine behagliche .Existenz er- reichen. Zweitens: Menschen, die städtische Traditionen und Lcbonsgcwoliiihcitcn haben, werden bei gleichen Verdienstmögiiclikeitcn das Leben in der Stadt vorziehen, welche ihre Kulturbedürfnisse (Geselligkeit, Schulen für die Kinder, Theater usw.) besser befriedigt ah das Dorf. Der Kampf gegen die Anziehungskraft der palästinensischen Städte muß daher rechtzeitig begonnen werden. Ohne hier ins Detail eingehen zu können, muß das Prinzip aufgestellt werden, daß die Ansicdlung auf dem Lande in allen Richtungen derart erleichtert werden muß, daß der Berufswechsel für Städter — auch solch«, die nicht mehr Im Jünglingsalter stehen — möglichst verlockend erscheint. Der Ackerbau müßte sowohl in materieller wie auch in sozialer Hinsicht möglichst bevorzug werden. Andererseits dürfen die Dörfer in bezug auf materielle Bequemlichkeit und kulturelle Bedürfnisse keine Zurücksetzung empfinden. (Die Kleinheit des Landes und ein gutes Wegenetz wird übrigens diese Unterschiede beinahe vergessen machen, infolge der bequemen Erreichbarkeit der Städte durch die Dorfbewohner.) Schneller als bei dem Städter der Mittelklasse wird .der UniKchiclitungtprozeß beim Industriearbeiter erfolgen, bei welchem das Motiv der ökonomischen Selbständigkeit auf «clucra eigenen Stück IVodea und die mehr natürliche und gesunde Lebensweise auf dem Lande den Uebergang zum Ackerbau erleichtern werden. Wir müssen aber möglichst schnell eine Ackerbaucr-Schlchtc von einigen Hunderttausenden haben. Wenn nun die Kadrcs der CJialuzbcwcgung in dem Hinterland des Galulh erschöpft sein werden und keine »icucn „Marschbataillone" nn die Paläsllnafront mehr liefern können — oder Kchon früher — muH durch ein System, aufgebaut auf Basis der „Mclstoegünstigungsklauscr die möglichst zahlreiche Umwandlung von Stadtmenschtu In Ackerbauern betrieben werden. Wird aber auch dieses System nicht /.u einer.Heimeilen und dauernden Bcrufsumschlchtting In großen Maßen fuhren, dann bleibt noerf eine letzte Reserve Ret ad triariosr venl. Man müßte dann einen Appell rkhtcu au die jüdischen. Ackerbauern fn Polen. Rußland und Argentinien, in Nordamerika und im Kaukasus, daß sie nach Palästina übersiedeln und dem jüdischen Aufbauwerk Üle nötige — Schwere geben, Vekhe erst der Heimstatte ein — nicht labiles, sondern — ewige« Olclchgewlcht geben. ' Denn wir wollen uns nicht mit einigen Dutzenden von Venuchskolonlen und Modell-Dörfern begnügen. Wir woDco doch einen sozialen und nationalen Bau 'aufführe«, welcher der Eylgkei t trotzen sott. Sprechsaal fi Worum gehl ei letzten Endes? Der Aufsatz Dr. Ringels In -Nr. 20 diese« Blattes Ist Im Grunde deshalb so verdienstvoll, weil er unzweideutig vor Augen führt, datl die Entwicklung des Jüdischen Pattstin» keineswegs bereits eindeutig "entschieden Ist und «Infi Infolgedessen der Zionismus auch heute noch eine bitter ernste Angelegenheit ist. Wenn freilich Dr. Ringel tllc Lösung der Schwierigkeiten im Orundc von der „Entwicklung" und von der Institution der Schule erwartet, dann muß man freilich, wie es schon Adolf Böhm in Nr. 23 der „Jüdischen Rundschau" getan hat, die Berechtigung eines solchen Optimismus füglich bezweifeln. Es hat sicher der Klärung des Problems ganz wesentlich cdlcnt, wenn A. B. klargelegt hat, daß auch der Wirtschaft- Ichc Vorteil der jetzigen im wesentlichen aus Nlcht-Chaluzim bestehenden Einwanderung zum größten Teil nur scheinbar ist, indem sie wirtschaftlich ganz ungesunde Verhältnisse schafft. Böhm erkennt auch richtig, daß technische Maßnahmen gegen die Bodenspekulation zwar außerordentlich wichtig sind, das Problem aber auch nicht annähernd erschöpfen. Das Entscheidende Ist das Vorhandensein oder Pehlen eines nationalen Verantwortungsgefühls. Auch in dem Sinne, daß nur durch dieses die nationalen Geldmittel aufgebracht werden können, die die nationalen Institutionen In Stand setzen würden, auch innerhalb der anwachsenden Einwanderung als wirtschaftlich entscheidender und damit auch kontrollierender Faktor aufzutreten. Doch sollten wir (da nun die Bedeutung des nationalen Verantwortungsgefühls so klar geworden ist) über den Appell zur Verantwortlichkeit hinaus uns einmal auch die frage vorlegen, oh hol dem Jetzigen Zustande der Zionistischen Organisation auch alles getan wird, was Jenes nationale Verantwortungsgefühl tu pflegen und zu entwickeln Imstande ist; und da werden wir feststellen müssen, daß insbesondere unsere Sammelaktionen, deren hypcrthrophlscher Char.iktcr in diesen Blättern öfter besprochen worden ist. das Volk zu einer Einstellung erzogen haben, die der Entstehung und Pflege eines nationalen Verantwortungsgefühls nicht immer dienlich war. Die Verschleierung der problematischen Wirklichkeit Palästinas auf der einen Seite und die Bagatcifisicrung des sittlich cn Moments beim Spender gegenüber seiner materiellen Leistung auf der anderen Seite, sind in der Praxis unserer Sammeltätigkeit nicht selten. Wir dürfen uns dann nicht wundern, daß das wahre nationale Verantwortungsgefühl so selten geworden fst. Gestchen wir uns es doch ein: Die Denkenden unter uns haben diese Entwicklung der Zionistischen Organisation und ihrer Institutionen nur deshalb gefördert, weil sie der Ansicht gewesen sind, daß das so aufgebrachte Ocld genügen wird, um ein jüdisches Palästina zu schaffen, das von selbst einen dem Geiste dieser Sammlungen entgegengesetzten Ocist erzeugen und die Entstehung jenes Oelstes kleinbürgerlicher Beschränktheit, der durch die bisherige Sammeltätigkeit großgezogen wurde, «laititrcji sn/iisagru ungeschehen machen wird. Die neue grolle Einwanderung hat die Tore zwischen der unhciligcn Oaluth und dent heiligen Palästina erbrochen. Man sieht nun, daß wir nicht nur unser Geld nach Palästina schicken, sondern je nach der Art, wie es aufgebracht werde, auch die Kraft und Unkrafi unserer Seele und daß der "Kampf zwischen dem Juden" und dem „Mauschel", der rinst im Mittelpunkt des Zionismus stand, durch die „praktische Palnstinanrbclt" keineswegs veraltet, sondern vielmehr — auch In Palästina aktuell geworden ist. Es ist die weitaus wichtigste Aufgabe der O r g a n I sationsreform die Aufbringung der Mittel für Kcrcn Majcssod und Kcrcn Kaiemeth statt durch Schönfärberei fegenüber dem jüdischen Palästina und durch Hätschelung Icuiblirgcrlicher Eitelkeit gegenüber dem Spender durch eine systematische Erweckung und Förderung cles nationalen Verantwortungsgefühls zu erreichen. Demgegenüber ist die Frage, von wem die Exekutive zu wählen ist oder die Frage des einheitlichen Schckct» usw. ganz und gar nebensächlich. Eine Eingliederung des Kcrcn Majcssod- und Kcrcn Kajemcth-ApparatcK In die Zionistische Ocsamtorganlsalion Ist einzig und allein dann durchführbar, aber auch dann nur wertvoll, wenn die Zionistische Organisation durch das, was sie Propaganda- und Kulturarbeit nennt, Imstande ist, mehr Mittel für Kcrcn llnjessod und Kerrn Knjemeth aufzubringen als durch die Jct/igc Sammcliiiclhode, derentwegen im Orundc genommen, die Sammellnstitutloncn auf Ihre Selbständigkeit so eifersüchtig sind. (Der Apparat der Sammellnstitutloncn müßte dann natürlich der den Sammlungen dienenden Kultur- und Propagandaarbclt zur Verfügung stehen.) Das setzt m. E. nicht nur eine weitgehende Befreiung der Kultur- und Propagandaarbclt vom Dilettantismus, sondern einen neuen Begriff von zionistischer „Arbelt" voraus. Der geringste Schritt vom „Mausend" zum „Juden" müßte uns wichtiger sein als der blühendste Betrieb Von Vorträgen, Sitzungen und Verhandlungen. Die Verbreitung jüdischen Wissens müßte der Erhöhung des Lebens dienen, das als Vorstufe des erhofften, vollkommenen Lebens in Palästina anzusehen wäre. Wahre Erziehung und Lebensgcstaltung müßten den Inhalt der zionistischen Arbeit bilden. Dann würde nicht nur die Qualität der Einwanderer sich bessern, dann würden vor allem auch die Mittel für Kcrcn Hajcssod und Kcrcn Kajcmclh reicher fließen. Die bisherigen Vorschläge zur Organisationsrcform kommen von der Fiktion nicht los, als ob wir ein fertiger Staat wären, der vor allem schon vorhandene, mächtige Kräfte auszubalancieren hat oder eine politische Partei eines mehr oder weniger gesicherten Volkes, In dem sie möglichst viel Macht an sich bringen will. Wir wollen nher doch Im Gegenteil aus Trümmern ein lebendes, Jüdlsrlics Volk schaffenl Dem wtl unsere Organisation samt allen Ihren Institutionen dienen! In diesem Sinne aber müßte die Diskussion über dir Organisationsreform erst beginnen. Oskar Epstein. Die «sophardischen Juden. Laut „tlunrcti" gibt das Kcphardlschc Komitee in Palästina die Zahl tfiimlllclicr Scphardlm in der Welt mit 1410000 an. Auf 110000 luden Palästinas kommen 377O0, also ungefähr ein Drittel Juden orientalischen Ursprungs; davon wohnen in Jerusalem gegen 20000. in Tel Awlw «00 Tibcrias 4500, Ilaifa 3MW, Hebron 270, Safcd 125 und in den Kolonien gegen 3000. Organisierung der jüdischen Kolonisten In JudSa. Dem Beismei der galiläischcn Siedler folgend, haben «Ich nun auch die jüdischen Kolonisten in Judäa organisiert. Die Organisation beabsichtigt u. a. Land In der Umgebung der Kolonien anzukaufen, um Koloiilstcniiöhnc darauf anzusiedeln. Zwecks Bckiimpfung der überhandnehmenden Selbstmordepidemic unter den unter der Wirtschaftet leidenden jüdischen Kaufleutcn hat das Warschauer Rahhinat beschlossen, von jetzt ab Selbstmörder nur am Fricdhof/aun begraben zu lassen und die jüdische Bevölkerung aufzufordern, an Begräbnissen von Selbstmördern sieht teilzunehmen. Eine Parallele Von Eugen Hocfllch (M. J. ben gawriel). „Die Lehre des Outen ist euch gegeben, verlacht unsere Lehre nicht l" b(ftrke aboih.j Fast zur gleichen Zeit werden an zwei der älteren Kulturstätten Asiens Universitäten crölfnct, die für ein über den gcogratrfilschcn Begriff hinausgehendes Asien von der größten Bedeutung sein können. Die beiden Nankcnvölkcr des Orients, die neben Indien der Welt das Größte, das f(.;j. glösc und moralische Erkennen gegeben haben, besinnen sich, dem erwachenden Asien voranschrcitend, auf ihre altc Mission, die ihr in aller Qcschlchte eine unauslöschliche. Existenzberechtigung gab, zwei Völker, deren geistige Er. gebnlssc ganz ungeheure Parallelen aufweisen, legen nir gleichen Zelt jenen Grundstein, auf dem sie, an ihre große Vergangenheit anknüpfend, im Sinne der Vergangenheit weiter, bauen wuflcn. In Jerusalem, der „Stadt der Mitte" wird di« jüdische Universität in dem Augenblick crölfnct, da Ku himg Mlng, der alte Hanlinrnann, der um die wahre Herzensnilssion seines Volkes und ganz Asiens besorgte Kämpler gegen Europas Einfluß In China. In Peking, dem Kultur. Zentrum des „Reiches der Milte", die erste natioiiilchlncsUclie Universität eröffnet. Hier wie dort nationale Regeneration, hier wie dort ein Sclbstbcslnncn auf uralte nationale Güter und hier wie dort-die unendlichen Horizonte unermeßlicher Möglichkeiten. Ohne Zweifel ein Augenblick höchster historischer Wichtigkeit. Beide Gründungen, ich betone beide, wenn es auch über die jüdische Universität noch nicht von offizieller Stelle aus gesagt wurde, sind national nur in dein Sinne alt sie Instrument zur nationalen Regeneration sein wollen, sie müssen Instrumente zur Vorbereitung einer übernationalen, allaxlatischrn Regeneration werden. Beide sollen Eckpfeiler eines erwachenden Asien sein, denn der Sinn ihrer Oründung Ist nicht der Sinn irgendeiner Universität in Europa, die wohl Lehr- und Lernstätte ist, nicht aber Ausgangspunkt der großen, Wahrlich mcnsclilicitsbcfrclcndcn Ideen. Wenn w i r eine Universität gründen, müssen wir uns wohl klar sein, daß diese Angelegenheit weder eine f'rcstlgcangclcgcnhcit sein darf, noch ein im politischen Propagandakampf wertvolles Argument, wohl nationales nie aber nationalistisches Instrument und keineswegs einfach ein Institut, das jeder mit einem gewissen Quantum an Ocld und guten Willen errichten kann, an dem man das lernen kann, was jede beliebige Hxhschule in Europa vermittelt — ein Wissen ohne Weisheit — und die bald zu einer verdammt verknöcherten Akademie zur ncpotlschcn Verwertung von Wissenschaft um der Wissenschaft und des Verdienstes Willen wird. Diese Universität auf dem Skopusbcrg muß sich durch mehr als durch ihre Unterrichtssprache von allen Hochschulen Europas unterscheiden, durch mehr als durch ganz moderne Laboratorien, durch mehr als durch Ihren Baustil und durch mehr als durch historische Sentimcnts, die im Herzen nicht verankert sind; sie muß das sein, was die Pekinger Universität des Chinesen Ming ist, der sie gründete trotzdem eine Unzahl amerikanischer Missionsunlvcrsitäten oder Universitätsmissionen in China ihr Unwesen treiben; Bollwerk gegen den Einfluß Europas auf den Orient. Wir wollen wahrlich nient die Mutige Auseinandersetzung zwischen Europa und Asien befördern, aber im Gedanken an Gordon und an den Mahatma Oamlnl wissen wir, daß die Rettung Asiens und mithin unsere Rettung, In der Vorbereitung des geistigen Kampfes, in der Vorbereitung des östlichen Herzens gegen den technischen und mililärischen Wahn des Westens liegt. Darum sei die Universität über Jerusalem gegrüßt, darum -- weil sie Symbol sein kann, weil sie die großen Mögiiclikeitcn hat, das Versöhnungswerk mit dem arabischen Brudervolk zu vollenden, weil sie die Stätte sein Icann, von der aus unser Ruf nach dem Osten über allen Inneren Zwist Asiens hinweg im fernsten Osten selbst gehört werden kann — und weil hier sein Ocgenruf empfangen werden kann mit geöffneten, cmpiwjsbereiten Herzen. Wenn die Jcrusalcmcr Universität die Erkenntnis vermitteln wird, daß wir uns europäische Errungenschaften nur soweit dienstbar inachen dürfen, daß wir keinen Augenblick ihnen Untertan sind und sie unsere jüdische Seele, die eine asiatische Seele ist, nicht verwunden, nicht bedrängen, nicht vcrlevantienern können, dann wird von Zion wieder, das Licht ausgehen, Jerusalem und Peking! zwei Bollwerke. Die kanonischen Schriften des Judentums und die de» fernen Ostens gehen neuer Verwirklichung entgegen.' Ein neuer Wettkampf kann beginnen, der, jenseits von Imperialismus und wirtschaftlichnationalem Haß, das altc Asien wieder zur Mutter der Menschheit macht. Uebcr dem Tor der Pekinger Universität mögen die Worte Dschuang-dscs stehen: „Schon dammerts im Osten. Wie steht es mit der .Arbeit?" Und den Studenten der Jcrusalcmcr Universität möchte Ich zurufen: „Auf, blickt nach Osten". Die Febrnjr-EInBihmen oad Ausflib« PalSstiit •Exekutive Eingänge! 1. Kcrcn Halcsvod, London £E. 2. Eingänge & conto früherer Budget» _„ der 32 33 I.SO 1 508.1.S Ausgaben: 1, Kolonisation , 2. Schulwesen 3. Immigration 4. GcsirndJicitswesen 5. I-niKlw|rtr<linfiliclic Versuchsstation o. Ocffenllldie Arbeiten 7. Spezielle Ausgaben 8 Handel und Industrie 0. Universität 10. Universitätsbibliothek 11. Haifacr Technikum 12. Misrachi-Organisation 13. Administratronsunkoitcn M, Immobilien 15. Ucbcrschuß der Eingänge über die Ausgaben iE, 3J6tt&r iE. 492S.ll 5000.- 3747.57 2776.83 802.02 815.15 776.80 1311.01 83.33 115— 250.- 1 179.80 1 500.50 832.50 ,usgabcn (zur Abdeckung rüherer Defizite) £H 0602,20, "33 843104" Oer „Tcmps" veröffentlicht unter dem Titel ,,Lc Sionisme au travail" einen ausführlichen Bericht über den Stand der jüdischen Arbeit in Palästina aus der Feder unseres Freundes Fernsnd Cor cos.