Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 35 (5.5.1925)
- Date
- 1925-05-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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(1 Kr. 35 JUEDI5CHC RUNDSCHÄU Seite 325 Die Stein-Industrie . Von D. Reines, Jerusalem. pje jüdische Stein-Industrie In PnlliUlna verspricht keine ,chne1lcn und bei|uemen Gewinne. Doch kann dieses Fach ,uverläs*ig ein Arbciisßcbiet für viele Hunderte und Tauscude von Arbeitern schaffen und Im Laufe von einigen Jahren;ür da* investierte Kapital auch Früchte tragen. E* ist ,u verwundern, daß unsere nationale» Institutionen, die kok>- „jsatorisclien und die finanziellen, die jede Tätigkeit ergreifen, welche imstande ist, die Arbütsmögllclikeitcn im Lande zu (fweitern, die Sorge für die Entwicklung dieses Fache* ^»nachlässigen, und dies gerade jetzt, da die Baubewegung ,„ den Anfängen ihrer Entwicklung flieht. Es Ist selbstverständlich, daß der jüdische Stein »Ich tl4t dann den Markt wird erobern können, wenn die Steinbruch» und die Stcinbcbauungsarbclt (behauen, Polieren, Ora. vieren usw.) aufgehört haben wird, ausschließlich Handarbeit , ri) »ein, wenn sie in richtiger Abwechslung Maschinen, und Handarbeit vereint. Dann nur wird der jüdische Arbeiter d'jrch 6cinc Arbeit eine Produktion erreichen, die seine Bc dürinissc decken kann, die ja bei weitem die Bedürfnisse des arabischen Steinbrucharbeiters und Slcinhauers übersteigen. Die Steinbrucharbeit dient dem arabischen Arbeiter meistens nur als Lückenbüßer in der von landwirtschaftlicher Arbelt freien Periode. Selbst während der heule so schwachen Bau. bewegung in den Städten Jerusalem, Haifa, Tiberias und deren Umgebung, sowie in den StciiMtädtcn arabischer Umgebung, wie Dcthlehcm, Tul-Kcrcm, Sichern, Nazarcth usw. beschäftigt der Steinbruch und die Sleinbaucrci schäl/.uiig». weise 3—4000 dauernde oder Saison-HarnJarbeitcr, /.um größten Teile aus dem Dorfe. Die jüdische Kolonisation allein hat während der letzten Berufsjahre 1021—1024 mehr nls 200000 JC (ür Stein und Kalk ausgegeben. Die Forderung nach Kalkwachst mit der Entwicklung der Baulicwegung Im ganzen Lande. Kalk ist in Tcl-Awlw wie In Jerusalem nötig, in Galiläa, wie in Judda. Und außer einzelnen Versuchen von Arbeitergruppen hier und dort (unter ihnen die fortgesetzten und mit Erfolg gekrönten Versuche der Gruppe „Kiwschan- Sid" in Haifa, die Ihre Produktion an Solclbonch abliefert wurde nichts unternommen, um die Kalkproduktion zu einem jüdischen Erwerbszweig zu gestalten. Und was die Stciuindustrlc anlangt, so eroberten die Arbeiter Im Laufe der letzten zwei Jahre mit ungeheurer Anstrengung die erste Stellung: Sic erwarben einige Steinbrüche in Jerusalem, und es wurde die bedeutende Tatsache erreicht, daß große Bauten, wie das Sanatorium der Arbeiterorganisation bei Moza und das Che mische Institut der Universität auf dem Skopus, nicht nur durch jüdische Arbeiter gebaut wurden, sondern daß die Steine zu diesen Bauten von ihnen aus jüdischen Steinbrüchen gebrochen und bearbeitet wurden. Und im vergangenen Jahre, 1924, wurden umflicht Bauten von Solclbonch in Jerusalem, in den Stadtvierteln Bellt Hakercm, Rcchawljah und Talpioth aus jüdi- «hem Stein gebaut. Was aber ist die Bedeutung dieser ersten Eroberung, die für die Eroberer mit ungeheurer Mühe verbunden war, wenn ihr nicht durch die notwendige Entwicklung Ceholfen wurde, durch eine Entwicklung, die dem jüdischen Stein seinen Platz innerhalb der Baubewegung des Landes als ein vorhandenes Baumaterial zti passenden Preisen für 'der Markt erobert? . .. . .. Bis heute ist noch kein einziger jüdischer Steinbruch mit dem notwendigen Maschinen- und Werkzeugmaterial voll ausgestattet. Da» Fehlen der Maschine muH der Arbeltende durch schwere Abmühung ersetzen, die seine Gesundheit untergräbt und ihn in kurzer Zeit seiner Arbeits- Uhigkeit beraubt. Wie weit die Maschine den Charakter der Steinbrucharbeit ändert, geht aus der folgenden kurzen Deschreibung hervor: Der Arbeiter, der einen Block aus dem Felsen herausbrechen will, muß zunächst ein enges, tiefes Loch In den Felsen bohren, in das er das Sprengmittel dann einführt. Wenn die Maschine fehlt, wird diese Bohrarbeit mit Hilfe einer langen gespitzten Eisenstange •usgeführt, die mit der Hand hineingestoßen wird. Die Mehrarbeit nach diesem System ist eine der ermüdendsten Arbeilen, sowohl wegen ihrer völligen Reizlosigkeit als auch *egen des UnverliältnisscB zwischen der aufgewendeten Energiemenge und der erzielten Resultate. Ein Arbeiter macht in den Steinbrüchen in Jerusalem durchschnittlich l'/j bis Meter Bohrloch täglich (je nach der Härle des Felsens und der Richtung des Bohrloches). Ein maschineller Rohrcr erreicht diese Leistung in einer halben oder dreiviertel Stunde. Ein Maschinenbohrer kann einige Bohrlöcher auf «inmal in einer gewissen Entfernung voneinander machen. Von dem Arbeiter, der den Bohrer hält, verlangt die Maschine «ine besondere Sachkenntnis, und ihre Produktion ist sehr reich. Das gleiche trifft zuin bezug auf das Hcrausschlcppcn der Steine aus dem Steinbruch und das Umhorschlebcn der ßroOcn Steinbocke Innerhalb des Steinbruchs. Ohne Schleppend Hebemaschinen ist das Herausheben der Steine aus dem •Meinbruch und ihr Transport von £rt zu Ort eine auf. 'eibende Arbeit, die die Arbeitskraft des Menschen untergräbt. Dasselbe gilt für die Arbeit mit dem „großen Hammer", «er die aus dem Felsen losgelösten Blöcke spaltet. Diese Arbeit erfordert eine ungcbci.ro physische Anstrengung, wählend die entsprechende maschinelle Vorrichtung dazu die Arbeil auf ein Minimum beschränkt. Ali dies zeigt die RroDc Bedeutung der Maschinen für das Ausbeuten der Steinbrüche im Lande und für die Produktion von Bausteinen (w das Land. Doch von nicht geringerer Bedeutung ist die maschinelle A'beit In der Slclnindustric zu dem Zwecke, dem jüdischen »lern auf dem Weltmarkt einen Weg zu ebnen. Ein solcher Markt ist vorhanden. England, Holland und andere europäische Länder bringen Steine aus Italien, Belgien usw. ^Cyptcn führt jährlich für große Summen Steine aus Italien ""d anderen Lündcrn ein. Auch die Vereinigten Staaten "r'ngen Bausteine, sowie Steine zum Ausschmücken von Oc- °<uden von weit her. Einige der wenigen Steinproben, die 'us Ercz-Urael nach London zur Ausstellung von Wcmblcy «schickt wurden, weckten das Interesse von Sachverständigen J"d, Kaufleuten. E» besteht kein Zweifel, daß in den Stein, guben von Ercz-Israci Steinarten verborgen sind, die ihren ,w«2 auf den Weltmarkt finden forden. Der jüdische Stein Jat vor allem einen jüdischen Weltmarkt, nicht weil er der j*5<<! Stein der Welt ist, sondern well er Stein aus Ercz- 'rj«l ist, gesprengt aiu den Felsen von Jerusalem, oder aus ««Ii Bergen von Qaliläa. Die besondere Eigenschaft des in stelnei Ut "icht IU uiitcncliützcn. Auch ist es ,n- Tatsache, daß es Im Lande reine AUrmonteingruben gibt. Die Schwierigkeiten der Transport- und Verlndcmögllchkcilen sind keine unabänderlichen. Die Entwicklung des Lnudes fordert in aller Schärfe eine rasche Lö.uing der Transport- und Vcrladcschwlciißkcltcu. Doch fordert jede Versendung von Steinen ins Ausland, sei es auch nur einer Probesendung zum Zwecke der Ausforschung des Absatzmarktes, maschinelle Arbelt Im Steinbruch und In der Stcluhchniiiing. Die Länder in Europa, die Steine kaufen, verlangen vor allem nach grollen, viereckigen, rohen Steinböcken. Die Bearbeitung dieser Illöckc das Schneiden in Tafeln, das Policren der Tafeln und alle anderen Zubcreltungsarbeitcn erfolgen meist in den curopäiscltcn Vcrbrouchsliiudcrn selbst. Dagegen bilden Aegypten und andere nahen Länder einen Markt für bearbeiteten Stein. Auch wird Ercz'-fsracl sclb*t mit der Ausbreitung der Hauliiligkelt mehr und mehr Stein fordern, nicht nur einfachen ll.iiu.tcin, sondern auch Säulen, Hlumenkronr, Stufen und niuletc Steine zur Ausschmückung. Dies kann eine flasl* zur Schaffung: einer maschinellen Werkstatt zur Stclubcarheitung bilden. Auch die „einfache" Arbeit des Hcrnusbrechen» großer viereckiger Blöcke kann nicht Handarbeit bleiben, mich sie fordert schon die Bohrmaschine, den Hebekrau uiK! Transport- und Vcrladcmitlcl. All diese sind heute noch nicht im Besitze de* jüdischen Stcinnrbclters, der mit seinen Nägeln fast den Fels aufreißen möchte. Der Preis des einfachen Bausteines wird ebenfalls billiger werden, wenn dieser aufhören wird, die einzige Produktion des Steinbruches zu sein. Die Entwicklung der allgemeinen Bautätigkeit im Lande bietet ein weites Tcld für die Beton-Industrie. Und diese wiederum bietet ein weites Vcrwcndungsjebiet für den Ahfall aus dem Steinbruch. In dieser Beziehung hut dns bauende Ercz-lsracl vieles vor Italien voraus, auf dessen Feldern bei Karrara sich viele hunderte Kilometer lang Haufen von Weinen Abfallstcinchcu erheben, für di'i das Land keinerlei Verwendung kennt. An vielen Orten unseres Landes kann dieser Abfall zumJtrennen von Kall. Verwendung Anden. Ein genauer Plan für eine Stclnindustric im Lande muß als einen wesentlichen Bestandteil und zu ihrer Komplettierung auch die Kalkbrennerei enthalten. Und bei dieser Gelegenheit wird noch ein Zweck erreicht werden: Das System des Kalkbrennens, das im Lande seit Hunderten von Jahren ausgeübt wird, hat nicht wenig zu der Ocdc den Landes beigetragen und trägt dazu noch dauernd bei, indem bei der Kalkbrennerei jeder Baum, jeder Baumstumpf jede nlto Baumwurzel nuf Bergen und in Tälern wahllos verbrannt wird. Eine rationelle Kalkbrennerei wird ihre Brennmaterialien atil andere Weise Jru erreichen wissen. •Neben den Bedürfnissen des Bauens spielt der Stein auch in der S t r a ß e.n h c r«l c 1 I u u g und Pflasterung eine große Rolle. Alle Sachverständigen und Ingenieure be« zeugen einstimmig, daß die Verwendung von Kalkstein für die Straßenhcralcllung sehr teuer zu stehen kommt; denn der Kalkstein wird 6chr rasch zerrieben und die-Chaussee, die mit Kalkslein-Schotlcr gepflastert ist, befindet *ich in einem dauernden Zustand der Ausbesserung. Und doch gibt es in Ercz-lsracl große Basalt stein-Gruben, deren geordnete Ausbeutung In dem ganzen- Fach der Chaussee« bereitiing eine Revolution hervorrufen könnte. Die Stcingruben kann'man ebenso wenig wie andere Borgwcrksgmbcn in einem Sprung erobern. Der jüdische Arbeiter war an dos große- Werk der Eroberung des Steinbruchs Innerhalb der Eroberung des Baufaches herangetreten und seit 3 bii 4 Jahren arbeitet er daran mit Liebe und Hingebung. Heute sind in diesem Fach ungefähr 80 Steinbrecher und) 00 Steinbchiiuer tätig, die der Facharbclterorganisation der Steinbrecher und Stcüibehaucr innerhalb der Allgemeinen Bauarbclterorganisntiou in Jerusalem angeschlossen sind. Außer dieser Organisation gibt es noch ungefähr 00 Steinbchaucr in Jerusalem, meist orientalische Juden. Außerdem gibt es noch ungefähr 20—30 jüdische Stelnbchaucr und Steinbrecher außerhalb Jerusalems. Die im Laufe von 3 bis 4 Jahren gesammelten Erfahrungen sind, wenn auch nicht erschöpfend, so doch von Bedeutung, Ocschaffcn wurde auch die lebendige Berührung und die von Qruud aus neue und unmittelbare Beziehung zu dem Innerhalb der Erd schichten verborgenen Material. Einer der Arbeitenden bat mir dieses Gefühl so ausgedrückt: „Die Landwirtschaft Int den jüdischen Menschen mit der Oberfläche der Erde In Berührung gebracht, die Bauarbeit mit Ihren Elngewelden. Die Wege der Stclnindustric im Lande werden Immer vielfältiger und ihre Hoffnungen Immer breitere. Auf dem Gebiet der Stclnindustric ist# es wie in jedem Oniiidproduktlonsfach Im Laude von Bedeutung, jüdische Arbeitskraft zu investieren, eine jüdische Arbeitstradition zu schaffen und einen Arbeiter tnipp zu bilden, die für dns Fach bereit stehen, wenn seine Stunde schlägt. Denn der Aufbau des Landes, dns wirkliche Bauen, wird nicht warten und die sich ausbreitende Baubewegung wird gegen IhrcnWillcn die Mlitcl de« Volkes für fremde Materialien ausgeben. Die Beschäftigung mit der Frugc des jüdischen Slcln hruclics, das Aufsuchen der pajscndcn Platze für Slcin brücke, die Versorgung des Arbeitenden mit den nötigen Maschinen tipd die Anpassung dieser Maschinen an die besonderen Bedingungen der Steingruben von Ercx-Israel, die Klärung der Arbcltssystcme, die Vorbereitung und Auf suchung der für den Weltmarkt passenden Steinsorten, die Untersuchung dieses Marktes und die Anknüpfung von Beziehungen *— oll dies muß In Kürze geschehen. Der Felgen- und Trauben-Export aus Pallistfna. Die Resultate der ersten Fclgcnsaison sind äußerst ermutigend. Die neuen durch das Laiidwlrtschafls-Denartcmcnt eingeführten Methoden des Reinigens, Pressen» und Packens haben eine bemerkenswerte Preiserhöhung zur Folge gehabt. Verpackte weiße Feigen, die gewöhnlich per Rotl Pf*. 3 erzielten, werden von den Kleinhändlern zu PT. 7 per Rotl gekauft. Die Jerusalem« Exporteure bemühen sich um ausländische Exportmarkte. Englische Firmen erbitten Angebote, angeregt durch die auf der Britischen Rclchsausstellung ausgestellten Warenproben. Nach Aegypten gelangten 3» Kisten Ramallah- Trauben durch einen palästinensischen Kaufmann zum Versand, und zwar als Experiment, das Jedoch Infolge der mangelhaften Verpackung mißlang. . Ucr. WcUvcrjand der jüdischen Studentenschaft, dessen Zentrale sich In Wien befindet, hat eine wertvolle wis.enichaliliciic Prlvuthlbliothck bestehend aus 7000 Bünden erworben und sie der Universitätsbibliothek In Jerusalem geschenkt. Die Kaufsummc wurde durch die einzelnen Landesverbände aufgebracht, Breslauer »rief (Von unserem Korrespondenten.) Eduard Sachs - Weiteres zu rten Vorßfinjjen Im CV. Dr. J. P. B res I au, den 26. April. In den Peßaciitngcu starb hier Herr Eduard Sachs, im Alter von 91 Jahren. Er war ein Mann, der sich sein Leben lang den Fragen der Wohlfahrt*« und Oemeindcorganl. s.itlon gewidmet hat. Sein Tod erweckte die Anteilnahme aller Kreise. Wenn S;ieli-; auch ein „Liberaler" war und seinen Standpunkt nie verleugnete, so gehört doch mit zu den bcr.tcu Eigenschaften seiner Persönlichkeit, d.iß er noch in den letzten Jahren vor »einem Tode umgelernt hat. Allen Neuerungen stand er zunächst etwas skcptlscn gegenüber, um sie dann, wenn ihnen der Erlolg hcscnicdcn war, aus vollem Herzen zu bejahen. So erging es ihm inil der Arbeiterin rsorge, die er zuerst ablehnte, aber nach kurzer Zelt starker Erfolge der Gemeindeverwaltung, der er seit 1877 angehörte, zur Förderung empfahl. So erging es ihm auch mit dem neuen Palhütlnu. Wenn er sich auch in der ersten Zelt dem Kcicn llujcssod gegenüber sehr ablehnend verhielt, *o änderte er seine Stellung in den letzten beiden Jahren gründlich. Die „Jüdische Zcilung für Ostdeutschland" veröffentlicht in einer ihrer letzten Nummern zwei Briete von Eduard Sachs, die er au den Kcrcn Hajcssod gerichtet hat und in denen er u, a. sagt, daß er „erneut erkannt habe, mit welcher Arbeitsfreudigkeit die Ansiedler in Palästina bemüht sind, sich eine Zukunft zu schalten, die ihnen ein freies und "sorgloses Leben verbürgen wird". Im Anschluß an das seinerzeit in der „J. R." vcrüllcullichtc Telegramm über die Vorgänge im Central Verein sei noch folgendes bemerkt: Die Generalversammlung des C.-V. fand unter strengster Kontrolliening der Anwesenden nach ihren Mitgliedskarten statt. Kein Unberulcncr durflc den Saal betreten. Dabei kam es zu Auseinandersetzungen mit Mitgliedern, die seit Jahren dem Verein angehören, die aber ihre Mitgliedskarte vergessen hatten, und deshalb den Sn.il nicht hrtrclru durften. Den Vorsitz führte Rechtsanwalt Taruowhkl. Per Syndikus des CV„ Herr Rechtsanwalt Foerdcr, erstattete zunächst den Geschäftsbericht. Sein Bericht beschränkte sich aut die Stellung des CV. gegenüber dem Antisemitismus, dem Zionismus und der Naumann-Bewegung. Es interessiert besonders, was Foerdcr über die Geschichte der Wahlparole berichtete. Die bekannte anllzionlstlsche Parole kam mit einer „Majorität" von zirka 30 .Stimmen von Im ganzen 100 Hauptvorstandsmltglicdtm zustande. Sie hatte zur Folge, daß eine grobe Anzahl prominenter Persönlichkeiten stark von der C.«V..PoIitlk abgerückt ist. So hat der Dozent am jüdischtheologischen Semin a r, D r. H r i n c m a n u, d c m C V. s c i n c 1 i t e r a r 1 s c h e Mitarbeit aufgekündigt. Besonders interessant waren Focrdcrs Mitteilungen über dir Slcllung des CV. zu Naumann. Man erfuhr, daß Naumann vom Hauptvorstaud des CV. den Ausschluß des Rechtsanwalts Foerdcr verlangt habe, well dieser in der „Jüdischen Zcllung für Ostdeutschland" mitarbeite. Der Antrag wurde mit der etwas merkwürdigen Begründung gestellt, daß die „Jüdische Zeitung lür Ostdeutschland" einen A/tikel über „Judentum und Völkcrfrieden" (!) veröffentlicht habe und daß das nationalen Interessen widerspräche. Focrdcrs Rclcrat endigte mit einem Appell für die Einheitsfront aller positiven luden. In der nun folgenden Diskussion «elfte sich besonders Prot. Marek für die Opposition im Vorstände ein. Er mißbilligte auf das schärfste <lic antlziomstischc Wahlparole, die, wie er sagte, die vorhandenen Gegensätze unnötig verschärft habe. Mit besonderer Schärte wandte er sich gegen die Wiihlpropagamla des CV., die sieh nicht gescheut habe, antisemitische Termini wie „Alljuden" und „JüdiscIi.Vülki.chc" auf die Zionisten anzuwenden, Besonders bedauerlich seien die „uaumaiinisicrenden" Tendenzen im CV. Es sei vollends unhaltbar, daß sich Mitglieder des Berliner Mauplvorstandcs mit Naumauniancrn haben aut eine Liste setzen lassen. Man müsse die Nnumanitiaucr aus dem CV. ausschließen, um ihre unheilvolle Wirkung für den CV. endgültig zu beseitigen. Unter etürmisehem Beitall wandte rieh Prol. Marek gegen die Form, in der der Nachruf für den verstorbenen Reichspräsidenten gehalten war. Er schloß seine Ausführungen mit dem Ruf: „Etwas weniger Schutzjudentum, etwas mehr Trutzludcntum!" Seine Ausführungen wurden von Herrn Dr. Frey ha n und Dr. Josef Schlesinger, den Vertretern des konservativen Judentums, autgcgrillcn und unterstrichen. Es kamen dann einige Naumannianer zu Worte. Schließlich ergrilf der Direktor des C.«V. Herr Dr. Ludwig Holländer, das Wort. Er versuchte die Stellung des I lauptvorstamlcs den Zionisten gegenüber zu verteidigen. Er meinte, die Wahlparole sei sehr vielen Ccntralvcrelnlcrn als zu schwach erschienen. Dabei vergaß er, die Ortsgruppen des C.-V., die für eine Einheitsliste eintraten, zu erwähnen. Er machte den Zionisten den Vorwurf, daß Mc OstliMcn auf ihre Listen aufgestellt hätten, Er vergäll dabei zu erwähnen, daß auch der CV. um die. Stimmen der Ostjudcn geworben hat, ohne Ihnen freilich eine gebührende Gegenleistung zu gewähren. Zum Schluß wandte er sich mit aller Schärte gegen die Opposition und warnte vor der Annahme der Resolutionen. Trotzdem wurde eine Resolution der Opposition, deren Wortlaut telcgrnphisch am 22. April der „Jüdischen Rundschau" mitgeteilt worden isl und die den Ausschluß Naumanns aus <Jcm C-V. forderte, angenommen. Drei weitere Resohilioueu wurden mit nur 20 Stimmen Mojorität abgelehnt. Ihr Wortlaut sei aber deshalb mitgeteilt, well sie für die Strömungen Innerhalb des C-V. symptomatisch sind. Sic lauten: 1. Die Ocncralvcrcammlung der Ortsgruppe Breslau des. . C.-V. spricht dem 1 lauptvorstand seine Mißbilligung dar- ( tlber aus, daß er bei den Landesverbandswahlen, statt 1 alles daran zu setzen, dem deutschen Judentum angesichts des sfeh gegen alle luden unterschiedslos rich- ■ tenden Antisemitismus einen Wahlkamp! zu ersparen, ihn durch Ausgabe einer radikalen Wahlparole entfesselt und dadurch seine eigentlichen Ziele überschritten, dem Ansehen des deutschen Judentums geschadet und den Antisemitismus gestärkt hat. 2. Die Versammlung mißbilligt es, daß die lührenden Persönlichkeiten des tlauptvorstamlcs sich bei den Wahlen auf die gleiche Lbtc haben sct'cn lassen, auf der auch der ' 2. Vorsitzende des Naumann-Bundes stand, und dadurch Indirekt zu dessen Wahl beigetragen haben. 3. Die Mitgliedschaft im Vctband nationaldeutscher Juden ist mit der im Ccntralvcrcln unvereinbar. ICL!lr indische Kaullenlc in Polen . Warschau, (J.T.A.) Dr. M. Klumel, einer der Führer der polnischen Zionisten, ist soeben aus London zurückgekehrt, wo er mit der Leitung der jüdischen Kolonialbank wegen Kreditlinie an die jüdische Kaufmannschaft Polens .verhandelt hat. Dr. Klumel berichtet, die Verwaltung der JOdtsehen*Kolonialbank habe sich einverstanden erklärt, eine Summe von 15000 Pfund als Diskonto-Anleihe zu gewähren. .<.■ -J '•> ..r h t \ llr.i ,v \ tX\ '.'.t'y X )<l *v" wv. % M, 11 '<*':, %< il r' f'li'i I' V r»; 1 I' f l'!. •' i' "f ' l'• ,» Q '!•" i» r 'i ii'r t ' i' 'S 4 ■ 'i h i'; I V •" i. ', 1 <• i '0 , S 'i'l lh'!■ T •> .i; ■:'>\y, , .'iU I V J; i' 1 , I 1 . ' I y Vi * W;v . '*: i,l V' 1! ' 1 ,, M.'i '< tV ' ...V|! f u vi! i1 •', "! t | ,1 ' "Ii i Jr.;i V ■ &Y{ v | :,v° '^'V'1 vi; y'i ,1.,,*' '!'••! 'M i ' ' ,i ,i i i vn ''<;' ■a('?I'' . i ' '!; 1 5V. 'V ' i i J ■ i;* ' '. 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