Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1925-05-05 · Heft 35 (5.5.1925) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 35 (5.5.1925)
Date
1925-05-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2651273-2652691-2652724--17369-3518229
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

r JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 323 Die Bodenpolitik ..... Von Dr. J. Schechtmann. gj wird Jetzt sehr viel Ober Bodenpolitik in Palästina roC1ien und geschrieben.' Das ist selbstverständlich sehr 'tcullch- Der Schlösset zu unserer gesamten Kolonisationsvi» I" P»lÄ,"n» »egt I" Bodenfrage, und eine gründ-!\e und allseitig* Behandlung dieses Problems ist von '%« Bedeutung. »' ii scheint aber, daß die Frage bei uns etwas einseitig ^handelt wird. Es wird immer nur von einer richtigen \.t falschen Bodenpolitik unsererseits gesprochen; es frtlen Oefahren einer wilden Bodenspekulation, die jetzt ' (itiit hat, hervorgehoben und verschiedene — richtige "J1 falsche, großzügige und unbedeutende, wirksame und awirksamc' — Maßnahmen vorgeschlagen, die immer nur von jüdischen Kolonlsationsinstitutioncn und Privatpcr- ' en befolgt werden müssen. Das Hauptgewicht wird dabei jjTu auf das jüdische, auf das subjektive Moment gelegt. <W Ich bin weit davon entfernt, die Bedeutung dieses sub< ,„vcn Moments zu verkennen. Ich glaube aber, daß auch E heste und zweckmäßigste jüdisch c Bodenpolitik »Hein ,„ Problem des Bodenerwerbs nicht lösen kann, wenn nicht iltichrcilig bestimmte objektive Bedingungen im Lande '.schaffen werden, die gründlich die jetzige Lage auf dem '^IfiiiiiuiM lindern werden, Iis wäre grundfalucli diese ob. ttiivcn Momente außer Acht ru lassen. Ein Kampf gegen ^jeche Bodenspekulation kann mir die schlimmsten Ausischsc der geschaffenen Lage verlilgcn. Cr ist auch mir , g(rug auf städtische Grundstücke besonders wichtig. Das Hiirptproblcm der jüdischen Kolonisation Jicgt aber auf dem [ude, und hier ist die Abnormalität der Lage von ganz isdcrcn, viel mehr komplizierten Faktoren bedingt, die mir steh eine zielbewußte und feste Boden- und Steuerpolitik jif palästinensischen Regierung zu beeinflussen sind. In i„ nächstfolgenden Ausführungen wird versucht auf diese ,llgcmelnen Fragen der Bodenpolitik einzugehen. I. Die zionistische Ocffcntlichkcit hat lange die Hoffnung «thegl, daß den landwirtschaftlichen Orundfond für die jüdische Konisation die zum großen Teil freien staatlichen (gc- «senen Sultanbödcn) Ländereien, Vakuf- und Fiskusböden ttien werden, die sich jetzt in der Verwaltung der palästinischen Regierung befinden. An solchen Böden gab es •ich Ruppln: 1. Herrenloser Boden bis 10 Mill. Dunam. 2. Ocwcscnc Sultanbödcn bis 1 Mill. Dunam. 3. Gewesene Vakufböden bis 200000 Dunam. 4. Ocwcscnc Fiskusbödcn bis 50000 Dunam. Iis galt als selbstverständlich, daß die palästinensische Adttinistration diese Ländereien der jüdischen Kolonisation zur Verfügung stellen werde. Diese Hoffnung ist aber nicht in Erfüllung gegangen, und zwar In zwei Richtungen. Vor allem Ist es endgültig l'at geworden, daß herrenloser Boden zu 95 Prozent für die Konisation vollständig unbrauchbar ist; er bestellt aus LSndcwn nlcdrlgMer Qualität: Bergen, Sümpfen, Samldüncu Vicht mehr als 5 Prozent, d. h. zirka 50000 Dunam von («en 10 Millionen sind imstande die mit Ihrer Nutzbarsichung verbundenen Kosten rentabel zu gestalten. Was witcr die wirklich fruchtbaren Sultanbödcn im Jordantal betrifft, so sind sie von arabischen Pächtern (Fellachen) dicht toiedelt, an deren Verdrängung selbstverständlich niemand taken kann. Andererseits, bezeugt auch die palästincn- «che Regierung selbst sehr wenig Neigung, die in ihrer Vcrnltung befind-ichen freien Ländercten den jüdischen Sied- <m — gemäß § 6 des Mandats — zuzuführen. Sogar die tischen Legionäre, die zusammen mit den englischen Truppen?i!.istina befreit haben und denen offiziell Boden zur Anwdluiif» versprochen wurde, haben keinen Zoll Land heiommen. Die einzige jüdische Konzession, die der J. C. A. im Wre 1921 zur Bewässerung, Kullivlcrung und Aufforstung der fyjicrungsländerclcn zwischen Athlit und Casare» verliehen «yde, lief lange Zeit Ocfahr, beschränkt oder sogar zu- 'ieknenommen zu werden. Von offizieller Seite wird als Grund für diese „Zurückhltung" der Regierung der Umstand angegeben, die Katastrlep«ff des Landes sei noch nicht durchgeführt, Infolgedessen fl iLLjgwB»SP>"l8IW^^»^'^P"'I^P»P»»MM»«»» können von arabischer Seite private Ansprüche auf diese Böden geltend gemacht Werden, .deren oft fadenscheinige De." gründung nicht glatterwclsc zu überprüfen Ist (was bei der Konzcssion der J. C. A. auch tatsächlich geschah).' Wenn man diesen Grund wirklich gelten läßt, muß man überhaupt a<n jede Möglichkeit einer Vergehung brachliegender staatlicher Böden für absehbare Zelt verzweifeln, nenn schon seit 1020 hat die Regierung mit der Kntnsfrlcriing des Landes begonnen, und jetzt, nach fünf Jahren angestrengter Arbeit, ist es ihr gelungen bloß 1000 Quadratkilometer (G.iz.i und Bcis.in) zu kalastricrcn. Palästina einfaßt aber 18 000 Quadratkilometer. Wenn es so weiter gehen wird, wird die Kataslricrung erst in 00 Jahren zu Ende geführt werden, — und bis zu jener Zeit wird jede Konzcssions- Verleihung ruhen müssen. . . Jetzt hat zwar die palästinensische Regierung aus Aegypten einen hervorragenden Snchverständigen, Mr. Dawson, kommen lassen, der ein ganz anderes System der Latidvcrmcssuiig (es sollen nicht individuelle Terrains, fwndcrn ganze Ocmeliidcblocks gemessen werden, wie das in Aegypten üblich ist) vorgeschlagen hat. Wenn man diesen Vorschlag von Mr. Dawson akzeptiert, ihm einen dreifachen Mitarbeiterstab zur Verfügung stellt und ein doppeltes Budget bewilligt, — dann knnn man selbstverständlich mit einem anderen Tempo und mit einer nur 4—5-jähriccn Trist rechnen. Mihi braucht nber diesen offiziellen I.Inwuinl nicht nlimilut ernst zu nehmen. Weil der Mangel eines vollständigen Katasters die palästinensische Regierung gar nicht daran gchindert hat, staatliche Böden an N i c h t j u d e n zu vergeben: Der beste Teil der Doinäiicngcländc im Jordanlal und bei Bcth Schcan ist an arabische Besitzer vergeben worden; und vor kurzem hat die Regierung eine Vereinbarung mit der englischen Syro-Ottoman Agricultural Company Ltd. getroffen wegen einer Konzcssion zur Trockenlegung des Hulchsccs und zur Amelioricrung und Bewässerung bestimmter Landstrecken in der Umgehung des Sees. Das alles geschieht selbstverständlich in krassem Widerspruch zu den unzweideutigen Bestimmungen des § 6 des Mandats, der ausdrücklich voraussieht; „die Verwaltung Poslinas soll unter der Sicherung, daß die Rechte und die Lage anderer Teile der Bevölkerung nicht beeinträchtigt werden . . . eine geschlossene Ansicdlting von Juden auf dein Lande mit Einschluß der nicht für öffentliche Zwecke erforderlichen Staatsländcrcicn und Brachläudcrcicii ermutigen," Die palästinensische Icegieruiig erfüllt diese klare Forderung den Mandats nicht, und in dem Memorandum, das der Präsident der Zionistischen Organisation, Dr. Ch. wcizinann, am 23. Oktober 1921 der in Genf tagenden Mandatskommission des Völkerbundes überreichte, wurde, bei aller Zurückhaltung in der Form, doch ganz unzweideutig konstatiert; „Der Artikel 6 des Mandates für Palästina sieht vor, daß die Verwaltung von Palästina ... die unmittelbare Ansiedlung von Juden auf dem Lande fördern soll mit Einschluß von Staatsländcrcicn und Brachland, die nicht für öffentliche Zwecke gebraucht werden. Bis zum heutigen Tngc jedoch hat sich die palästinensische Regierung nicht bemüßigt gesehen, irgendeinen beträchtlichen Strich Landes für jüdische Kolonisation in reservieren, und, mit ein paar unbedeutenden Ausnahmen, sind bisher noch keine Staatsländcrcicn oder Brachland für,diesen Zweck verfügbar geworden." Diese Lage ist selbstverständlich unhaltbar. Man muß mit aller Encrßic darauf bestehen, daß der Wortlaut und der Sinn des Mandats befolgt werden, daß freie Rcgicrungsläiidereien in erster Reihe den jüdischen Ansiedlern vergeben werden, daß Sümpfe, die sich zur rentablen Trockenlegung eignen, und sandige Böden, bei denen sich die Aufforstung rentiert, den Zwecken der jüdischen Kolonisation zugeführt werden. Aber man muß darüber keinen Zweifel hegen, daß, sogar bei den besten Erfolgen auf diesem Ocblctc, auf diesem Wege wenig Boden für die Kolonisation zu erlangen Ist. Da« Problem des Uodcncrwcrbs für eine planmäßige und großzügige landwirtschaftliche Besiedlung wind damit nicht gelöst, und wir werden immer noch zu 90 Prozent auf den» Land kauf angewiesen werden. Aber dieses Land Ist teuer! Unermeßlich teuer. Die Araber kennen unseren unersättlichen Landhunger zu gut und verstehen vorzüglich, ihn auszunutzen. Sic wissen, daß Land nur bei ihnen zu kaufen ist, daß sie ein Monopol Vor allem ist das Schauspiel vom Untergang des Juden y und seiner Zähigkeit allen Bekehrungsversuchen ifHenuber mit großer Spannung geschrieben; und '"ade hier tritt die jüdische Autorschaft des Romans '1 «cht hervor. Scheint doch der Verfasser In dem "Indlvldu- <<*n Schicksal des Juden das uralte Qeschlck seines eigenen 'Me* empfunden und In dem Bekenntnis des Juden noch l« Galgen zu seinem Volk und zu seinem Oottc uns ein Teil wies eigenen Bekenntnisses gegeben zu haben. k. So birgt der Roman des Jud Süß über das Historische ::j"s etwas Ewig.Jüdisches in sich, das sich zum tv'g-Men«chttchcn erhebt. Dr. Walter FIschcl. Eduard Bernstein Ober Lassalle s,,Ani Vorabend der Rcichspräsidcntcnwahl sprach Eduard i'J«stein im Scholcm Alechcmklub über Ferdinand "alle. , In kurzen Umrissen entwart er ein Bild dieses Führers W vorkümplcra des Proletariats. Er sprach von seiner jtfnu die er als Sohn eines wohlhabenden, Jüdischen Kaut- S! In Breslau verlebt hatte und schilderte dann seine '^"Re Entwicklung. Trotzdem sich Lasallc, allerdings nur kc^d einer kurzen Jugendepisode unter dem Eindruck der Lyrischen Judenverfolgungen für die Frcilicitsbcwcgung der erwärmt halte, wandte er seine Interessen späterhin l,"1 d«i großen neuen sozialen Ideen zu. Beeinflußt von der C.T'istlschen Literatur Englands und Frankreichs, und Karl Marx> wur<1« er e»n Vorkämpfer des Proletariats, d n*4 nattc tr gelegentlich der ersten Industrieausstcl- C-f,i B*r,in «kannt, daß eine neue Epoche der Gesellschaft Wj.*~ 4,16 Herrschaft der Arbeit. Von da an war sein <* c iflcscr ncucn Gesellschaft geweiht — er stellte sich an P']« der Arbeiterbewegung. Seine Schriften, besonders « «A/bclterprogra mn»", sind beute noch aktuell, Iii Rwören mm 'klassischen, Bestand der aozlallstiechen W:!ur< Bernstein nennt Lawalle ein Genie der Arbeit« des "Wcs und des politschen Ocdankens. — , r ergab sich ganz von selbst, daß Bernstein, als er von ihnte 2 zum JU(Jcnlum ipraclt, auch seine eigene Er wies daraut hin, daß er trüber ein entschiedener Gegner jeglichen Nationalismus gewesen sei. Jetzt aber ncl er gezwungen für die Juden einzutreten, da sich der Kampt gegen sie in unerhörter Weine verschärft habe. Am meisten empört es ihn, dnft der Kampf, der offiziell gegen die „reichen luden" geführt wird, in seinen Auswirkungen das jüdische Proletariat und die intellektuellen Kreise trlltl, so daß jeder rechtlich Empfindende sich moralisch genötigt sehen muß, für die Juden einzutreten, selbst wenn er nicht 'Jude Ist ~ umsomehr also, wenn er Jude Ist. , Mit Bedauern konstatiert Bernstein, daß wir in einer Zeit der schwärzesten Reaktion leben, einer Reaktion, die noch in fortwährendem Autstieg ist. Nie, so bekennt er, hätte nun eine solche Entwicklung für möglich gehalten — ist die augenblickliche Reaktion doch bei weitem schlimmer als die. in der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Denn unsere Zelt ist eine Zeit der gedanklichen Reaktion, während damals, trotz politischer Bedrückung, die Geister frei waren. Auch der Antisemitismus war damals eine rein gefühlsmäßige Erscheinung. Wirklich reaktionär war eigentlich damals nur das Junkertum, daa nhet im Volk, In den Schulen und Hochschulen keine Rolle spielte. Dort wellte ein anderer Oelst, Selbst Ausnahmen, wie de In Garde, waren weit davon ab, den Kampt mit der heutigen Bösartigkeit und Schärfe zu führen. Im allgemeinen vcrarteihe man die Juden damals hauptsächlich als die großer» Qcldzusammcnraflcr, und als solche wurden sie bekämpit . . . Ganz in diesen Gedankengängen seiner Zeit bewegte sich auch Lassallc. Gar »licht religiös und überhaupt nicht jüdisch empfindend, war das Ereignis seines Lebens die große Internationale, — er empfand genau so intcrnatlonar wie Marx und Engels. Wie die meisten jener Ocncration, der es bcschieden war, dasverhängnisvolle Erbe der Mcndclssohnschcn „Aufklärung" anzutreten, hatte er absolut kein Vcrständnis für jüdische Angelegenheiten, sie waren damals •— sozusagen — auch nicht aktuell. Denn, wie Bernstein, «o treffend ausführte, es Ist ein großer Unterschied, ob man in Zeiten von Judenverfolgungen lebt, oder in solchen, wo die Judentrage vor anderen zurücktritt, und so Ist es auch müßig V'e J'raRc zu «teilen, wie «Ich Lasallc heute zu dem Jüdischen Problem stellen würde. Wir müssen uns damit abfinden, daß dieser grolle Sohn unsere»' Volkes unseren Volk als solchem entglitten ist. Sein Üben war den Unterdrückten der ganzen Menschheit gc« haben, und daß die Juden für den Boden jeden Preis zahlen werden. Sic sind ihrer Lage sicher und sie fordern für ihre Terrains ungeheure Preise. Die ersten Jüdischen Kolonisten haben im Durchschnitt 7 Frcs. pro Dunam gezahlt '— und auch diese haben dabei selbstverständlich weit über den Im Linde üblichen Preis bezahlen müssen. Vor dem Kriege haben die Araber schon HO - M) Frcs, pro Dunam gefordert. Jetzt aber sind diese) Preise schon langst überboten. Schon im September 1921 zahlte der Jüdische National-l'onds z. B. für bewässerten Hoden Im Tale Jcsrccl zirka 72 ägypt. Pfund pro Hektar, obwohl der Boden malnrlavcrscucht und zur Zelt des Kaufes nur all Virhw«i<lc benut/t wurde; Im Durchschnitt wurde bei diesem Kaufe für einen Dunam (zirka ein clftcl Hektar) mehr als 1 Va Pfund bezahlt, Seitdem sind die IK)ilenprcif.c noch weiter bedeutend gestiegen. Laut dem offiziellen Bericht der palästinensischen Administration für das Jahr 1922, sind in dem Berichtsjahr von Juden 41302 Dunam Itodcn im Werte von 701 271 Pfund gekauft worden: das macht durchschnittlich! 16 Pfund pro Dunam. In derselben Periode haben Araber «9 520 Dunam im Werte von 369 177 Pfund gekauft: die arabischen Käufer haben also weniger als 13 Pfund pro Uunan* bezahlt. In der letzten Zeit haben die zahlreichen und oft unorganisierten. Prlvatkätifc den fiodenmarkt endgültig demoralisiert. Im Februar 1925 wurde festgestellt, daß in den letHni sirheu Monaldi, »eit Jnll 1921, nicht weniger;»N ÜWIXK) Dunam (£1000 Hektar) l'alästlnalriidcn durch Kaufvertrag an Juden übergegangen sind, d. h, 1 Vi mal so virfy als in den 15 Jahren 180*1—101 -1 (seitdem sind noch zwei große Käuf.: zu verzeichnen: die Agiidah-Delcgatron hat 50000 Dunam im Emek erworben und die amerikanische „Zion. Commonwealth" zusammen mit der P. L. D. C und dem „Mcrehek" haben unweit von Haifa im Kischontal 50 -00000 Dunam gekauft). Dabei wurden oft ganz ungeheure Preise gezahlt. Im allgemeinen entziehen sich diese Preise der) Kontrolle der Ocffcntlichkcit. Eine Vorstellung aber, wie. Iioch diese sind, kann man au* der Tatsache bckoiniuenj daß ein Teil (20 000 Dunam) des im Gebiete von Kischon vor kurzem erworbenen malariavcrscuchtcn Bodens nach der Sanierung und Parzellierung an Privatkäufer zum Preise von 20 Pfund angeboten werden wird. Ein Grundstück von 20 Dunam, das für eine intensive Wirtschaft auf diesem bewässerten Boden ausreicht, wird also 400 Pfund kosten. Es ist klar, daß, wenn es so weiter geht, ein Stückchen Lnndl In Palästina bald wirklich teurer sein wird, als ein Grundstück in der Londoner City. Bei solchen Bcxlenpreiscn ist jede breite, massenhafte landwirtschaftliche Kolonisation einfach ein Ding der Un-. möglichkcit. Sic wird «licht aufzutreibende Kapitalien erfordern. Nach den letztens veröffentlichten fachmännischen Angaben sind für die An'.icdhing einer Familie in einem Moschawc Owdim, abgesehen von den Kosten des Bodens, 700 Pfund nötig; für den Bodcnprcis und die Kosten für die Amelioricrung des Bodens sind weitere 400—500 Pfund einzusetzen; d. h., der Bodcnprcis beträgt 40 Prozent der gesamten Anskxlhmgskostcn; ein unmäßig hoher und für die ganze Kolonlsatlonswlrtschaft vernichtender Bruchteil. Bekommt der Kuli'iilnt den Hoden von den nationalen Kolouhatiouslustitulio- «cn, so müssen diese über wirklich kolossale Geldmittel verfügen, die aller Wahrscheinlichkeit nach nie zu beschaffen, sind; kauft er aber den Boden aus eigenen Mitteln, so ist seine Wirtschaft 6chon vom Anfang an durch diesen hohen Aufwand für den Bodenerwerb belastet, so daß sie sich nie rentieren kann. Die hohen Bodcnprclsc haben überall einen Niedergang der kleinen Bauernwirtschaften verursacht. In den Vereinigten Staaten haben Im Jahre 1923 nicht wcnigci als 600000 Landwirte, trotz ihrer relativ geringen Verschuldung und der relativ guten Preise für ihre Produkte, dai Land verlassen und in die Städte ziehen müssen; seit 1920 sind mehr als 1500000 Farmer vom Land in die Stadt geströmt. Der Grund dafür sind ausschließlich die übermäßig hohen Grundpreise, bei denen Käufer von Land nlcfit reüssieren können, und ebensowenig die Pächter, die eine dem Bodenwert entsprechende hohe Pacht zahlen müssen. Eine ähnliche Lage wird sich unvermeidlich auch in Palästina herausbilden. Bei hohen Bodciiprciscn kann sich kein landwirtschaftlicher Betrieb rentieren, und tatsächlich/ nimmt das Agrlkulturdcpartcmcnt der zionistischen Exekutive an, daß derzeit eine ökonomisch rentable Landwirtschaft in widmet, und deren Angelegenheiten füllte sein Herz so aus, daß für nichts anderes darin Kaum war. Seien wir 6tolz, daß wir aus unseren Reihen den Mühseligen und Beladcncn einen solchen Kämpfer gestellt haben, M. N. Vorlraoubead Ernst Deutsch Christian Morgenstern der Mentalität des jüdischen Intellektuellen so ähnlich, daß man versucht Ist, ihn für einen Juden zu halten und Peter Allenberg die wirkliche Konsequenz dieser Mentalität-Konsequenz einer liebenswürdigen etwas müden Oeh-saitc, die ein Witzbold, wenn auch in anderem Sinne für Minister erfand — diese beiden Dichter hatten vön je in hohem Grade das Ohr Ihrer jüdischen Gemeinde. Der Wortwitz Christian Morgensterns traf von vornherein auf verwandtes Empfinden und IVtcr Allenbergs Fcinfiihllgkclt und Alltagsvcrklärung, scheinbar bodennah wie ein Mitgehen und doch schon wirklichkeitsfern und echt dichterisch — trafen unmittelbar Sensibilität und die bekannte leicht an- Whigendc Sentimentalität. Ernst Deutsch ist dieser Kleinkunst ein idealer Mittler. Ihr selbst verwandt dosiert er vorsichtig genießerisch, gibt der Stimme grad das Maß an Energie, das genügt, die Vergleiche zum llcrausmcißcln der Form zu benutzen und läßt die ,.halhc Stimme" flächenhaft spielen ■— man sieht Licht und Schatten. Und In Ihrem Schutz genießt der Hörer die zarte Endkunst Peter Allenbergs und registriert die leise Wehmut jedes StndtfrühHngs, Jeder Pratcrbank und ihrer Menschen. Die ganze große Stadt — das lange Zeitalter der großen Städte —, das jubelt und genießt, ist froh und cinfesnonnci» im Schmerz, innerhalb der Mauern, die Spott und das InfacJic aber um so Erschütterndere: „so ist es" — hier für viele Jahre aufgeführt haben. Peter Altcnbcrgs Stadt. — Und Ernst Deutsch wurde ihr gerecht. Christian Morgenstern brachte er in der, Auswahl gelockerter. Leo Mcnter, ein Vortrogskünstlcr der letzten zwei Jahre, hätte das Durchdringen zweier Themata straffer besorgt. Davon abgesehen, konnte man für diesen Abend Ernst Deutsch gern danken. Es Ist schön, daß er so selbstverständlich die Unterscheidung besitzt, dem Vortrag zu geben, was des Vortrages ist. Gerade das unterstreicht Ilm als klugen Schauspieler, der die Abgrenzung seiner Register beherrsch R. M.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.