Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 35 (5.5.1925)
- Date
- 1925-05-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2652691-2652724--17368-3518228- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 322 nistischc Welt steht hinsichtlich verschiedener Fragen vor bedeutungsvollen Entscheidungen. Es ist daher notwendig, daß der kommende ZloHistcnkongrcß eine machtvolle Kundgebung der zusammengeballten zionistischen Energie und de» zionistischen Wollen* werde. Deswegen muß überall eine Zählung! der Kaders vorgenommen werden, die zu un« stehen. Darum müssen die nächsten Wochen der Propaganda der zionistischen Idee und der Sammlung der Schekollm gehören. Wir rufen insbesondere die Zionistcn in Deutschland auf, sich dieser Arbeit zu widmen." Vorbereitung des XIV. Zionistcnkongresses, Zählung der zionistischen Anhänger — das Ist dis Gebot der Stundet M. W. I Amcrys Antwort an die Araber Utbcr den von uns bereits erwähnten Empfaug der palästinensischen Araber durch Kolonialminlster Amery berichtet der „Haaretz": Am 21. April empfing' Amery die vereinige Delegation aller arabischen Parteien Palästinas. Scheich At Faruki sprach über die schwierige Lage der Fellachen. (Auf Verlangen der Fcllachenpartc t erwähnte AI l'aruki die Balfour-Deklaration Oberhaupt nicht.) Nach ihm sprach Am min Tumlml aus Sichern, der sich über die schnelle Entwicklung der zionistischen Einwanderung nach Palästina beklagte, die bei den Arabern große Sorge erwecke. Die Juden kauften alle Böden, und die Reicrunjr unterstütze durch ihre Politik die Zionistcn, indem sie tu Fellachen schwere Steuern auferlege un£ sie zwinge, ihre Böden xum Verkauf zu stellen. Minister Amery erklärte, er freue sich sehr, die Vertreter so vieler arabischer Parteien des Landes vor sich zu sehen, er müsse jedoch seinem großen Bedauern darüber Ausdruck geben, daß In ihren Ansprachen Dinge enthalten gewesen seien, die nicht zutreffen. Er sei jetzt durch das Land gcfahren und habe gesehen, daß die Lage der Fellachen sehr viel besser sei als vor dem Kriege. Neben anderen Gründen sei dies besonders auf die großen Kapitalien zurückzuführen, die durch die Zionistcn ins Land gebracht wurden, und auf die neuen Arbeitsmethoden, die diese tingeführt haben. Er glaube, daß die Fellachen keinen Orund zur Unzufriedenheit mit der Regierung hätten. Wenn sie irgendwelche Forderungen hätten, könnten sie sie direkt vor den High Commissioncr bringen. Jede Furcht vor der Einwanderung der Juden sei auf Orund der Statistik unbegründet. Vor fünf Jahren zählte man In Palästina 5r>«X> Juden und 57000') Araber. < jegenw/irtig gibt es im Linde HO000 Juden, während die Zahl der Araber Mi "50WO angewachsen ist. Es ergebe sich also, daß trotz der Einwanderung der Juden die Zahl der Araber immer noch viel größer Ist, als die der Juden. Die Befürchtungen seien ihm also unverständlich, da er überzeugt sei. daß die Einwanderung der Juden allen Bewohnern des Landes nur Nutzen bringt. Mau habe hier auch das Hussein gegebene Versprechen erwähnt. Dieses Versprechen sei eingelöst worden, und Hussein habe eine unabhängige Regierung erhalten. Das den Bewohnern Palästinas gegebene Versprechen bestehe aus zwei Teilen, und die englische Regierung werde genauest diese beiden Teile des den Juden und Arabern gegebenen Versprechens einhalten. Audi die Klage, daß die Araber in 'der Regierung keine Vertretung hätten, kci unbegründet. Dreimal selten wurde ihnen eine Vertretung iit der Regierung angeboten und. von ihnen stets abgelehnt. Sobald die Bewohner des Landes die Forderung jiach einer repräsentativen Instanz erheben werden, werde die palästincnnlscne Regierung entsprechend den erwähnten früheren drei Vorschlägen zur Zusammenarbeit bereit sein. Amery betonte zum Schluß nachdrücklichst, daß keine Aenderungen In der Politik der britischen Regierung eintreten würde, zumal diese Politik von dem Völkerbünde bestätigt worden sei. Amery uad Hoare bei Mnssollil Rom. (J.T.A.) Der hrltlsrhe Kolonialminlster L. S. Amery und der Staatssekretär für Luftwesen Hoare sind auf ihrer Rückreise von Palistina nach England in Rom eingetroffen. Sie wurden vom Ministerpräsidenten Mussolini empfangen und hatten mit Ihm eine längere Unterredung. Rückkehr Dr. Welzmanas «eh Loadon Wie „New Judaea" berichtet, hat Dr. Welz mann am 28. April die Rückreise aus Palästina nach London angetreten. Sokolow verbleibt noch in Palästina. JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr.3S ErMÜrougen Amcrys an die Pressevertreter Wir haben bereits über den Empfang der Pressevertreter in Jerusalem durch Kolonlalmlnistcr Amery berichtet und geben nachstehend nach ilerlchtcu der palästinensischen Zeitungen die Erklärungen Amery» ausführlich wieder. An dem Empfang nahmen ungefähr 30 Journalisten teil, darunter als Vertreter der arabischen Presse der Redakteur des „Mcmt nf Slierk". Minister Amery führte u. a. ans: Ich habe nun selbst alles gesehen und genfirt. Die Informieriiug durch Zclliingftclcgraimiic kommt t.o!chcn persönlichen Eindrücken an Ort und Stelle nicht gleich. Alle», was ich gesehen und gehör» habe, hat mich geradezu überrascht, so vor allem der große und rasche Fortschritt In der Entwicklung des Landes. In England hört man so vfcl über politische Streitigkeiten zwlkchcn den Zionistcn und Ihren Gegnern, so daß niemand rieh vorstellen kann, wns>- Iiier mit wirtschaftlichem Gebiete geleistet wurde. Aber ich freue mich, feststellen zu'könncn, daü die Politik die Grenzen Jerusalems kaum überschreitet. In allen anderen von mir besuchten Orten habe Ich gesehen, d*B die Bewohner in gemeinsamem Einvernehmen sich viel mehr mit der Entwicklung des Landes befassen, ah mit Politik. Die Bewohner der Siedlungen utin Dörfer haben sehr viel für die Verbesserung der wege, die Bewässerung und die Vervollkommnung der landwlrtschnft- ' liehen Methoden getan. Sehr gute Arbeit wurde für die Hebung der Gesundheit geleistet. Große Bodenstriche, die als Malariancstcr bekannt waren, winden vollkommen sanier«, und man findet jetzt dort kräftige und gesunde Arbeiter, sei es luden, sei es Araber. Oanz. besonders gesorgt wurde auch für die Hebung der gesundheitlichen Verhältnisse bei den Kindern, von denen ja die Zukunft der Nation abhängt. Oroße Fortschritte weist auch das Erzichungswesen auf. Auch die Aufforstung, die für die Regelung der Niederschläge von großer Bedeutung Ist, entwickelt sich schön. 'All diese Kenntnissc habe Ich nicht Im Ilaiiplstab geschöpft, sondern aus ftttlmcn Ocsprächcn mit den Vertretern der Gemeinden und den palästinensischen Beamten in den einzelnen Kreisen. Oroße Entwicklung macht sich auf allen Gebieten des Lebens und der Kultur bemerkbar. Trotz der geographischen Kleinheit des Lander. Ist noch Platz für große Arbeit zugunsten aller Palästina bewohnenden Völkpr, die alle fleißig sind begabt sind. An der feuchtenden Zukunft des Landes zweifle irh keinen Augenblick. Die britische Regierung hat bereits mehrfach erklärt, daß es ihr ernster Wille Ist, das Land zum Wohle aller Einwohnen zu entwickeln, ohne den einen Teil Ücm anderen vorzuziehen. tDic Politik der palästinensischen Regierung lut sicher niemals zwischen den verschiedenen Einwohnern unterschieden, und die Erklärungen von Chiirrhlll. die man sich sich wieder zu Oemlite führen sollte, und' die die Oiiuidl.ige für diese Politik r.ebcii, c.c langten getreulich zur Durchführung . Die palästinensische Regierung wird sich auch weiterhin nach ihnen richten. Diese Erklärungen Churchills bezweckten, die Besorgnisse der Araber zu zerstreuen, daß in Palästina ein alle beherrschender jüdischer Staat gegründet werden soll. Es wird darin klargestellt, daß die Juden hier ein Nationalheim errichten wollen, in dem sie ohne jede Störung ihr kulturelles und wirtschaftliches Lehen, wie auch das Leben Ihrer Gemeinden entwickeln können in Uebcrcinstinunuiig mit ihren nationalen vjkstrchungeu und ihrer historischen Vcrknüpfiirit mit dem Lande. Die Einwanderung ►oll der Aufnahmefähigkeit des I.omlcs angepaßt sein. Aber alle Klagen der Araber, seit jeher bis zum heutigen Tage, zeigen, daß sie die vollkommene Einhaltung der in dieser Erklärung gegebenen Versprechungen nicht beachten. Seihst die Zionlutcn begreifen, daß ihre Ent- •wlcklung-nur bei g'ciehz.iüiger Entwicklung der Araber'möglich sei. Der Redakteur des „Merat al Sherk" erklärt darauf, daß er nach Rücksprache mit arabischen Führern auch in ihrem Namen wohl «saugen dürfe, daß beide Parteien jetzt endlich jrden weiteren Streit über die Balfour-Drklaration und d.is Maud.it unterlassen ho'lllcn. Er erwähnt f.oduin den in Aussiebt gestclllen repräsentativen Rat und zweifelt nicht, daß die Araber und Juden einerseits und die Regierung andererseits die Meiniingssiiillcrenzcn vergessen könnten, um an der eniflnsninrn Arbeit ruguns|i-n des I .niilrt teilzunehmen. I >le cj^ieruiig müllic auf diesen Legislative ('ouncil wieder zurückgreifen. Als Antwort hierauf erklärt Minister Amery: Die britische Regierung versuchte seit Jeher, die Einwohner PalästinaH zur Mitarbeit heranzuziehen, .iiier alle drei von der palästinensischen Regierung bisher unterbreiteten Vorachlaj'c wurden von den arabischen Führern nur feindselig aufgenommen. E< hat zuerst eine beratende Körperschaft gegeben, die gut gearbeitet hat und deren Kompetenzen erweitert werden sollten. Aber Matt darüber zu ber.itni, haben die nrahNrhr.ii Führer die Durchführung nicht nur gestört, sondern auch diejenigen Notabein, die Sitze In diesem Advisory Council eingenommen hatten, zur Resignation bewogen. Sodann schlug Jod Süß Roman von Lion Feuchtwanger. •) r. Die im Zeichen der idealistischen Ocschlchtsphilosophie stehende jüdische Geschichtsschreibung hat es bis Jetzt unterlassen, Erscheinungen der jüdischen Geschichte, die vorwiegend aus "ökonomischen Ursachen her zu verstchea waren, in den Krcla Ihrer Betrachtungen clnzubezlehen und sie in ihrer Wirkung für die Ocsamtentwlcklung genügend zu würdigen. Dieses Ucbcrschcu oder doch zumindest diese Unterschätzen? soziologisch relevanter Tatsachen verschloß der jüdischem Geschichtsschreibung <ias tiefere Verständnis grade der Zeltabschnitte im jüdischen Qeschlchtsablauf, in denen dje Juden fast ausschließlich als wirtschaftliche Potenzen eine Rollo spielten. Dies trifft vor ollem zu für das 16., 17. und 18. Jahrhundert, die wir r.ach Sombart als die Zeit der Ent- Ktehung de* Kapitalismus und die Ausbildung des modernen Staats betrachten ksmueu. DaQ die Judsn an der Entstehung und Ausbildung des Kapitalismus stark beteiligt waren, dürfte nach Sombarts Studien feststehen. Sie wurden, nachdem Zünfte und Stände In ihm unangenehme Konkurrenten erblickt, aus den Stldlcn verwiesen und gerieten unter die Schulzgcwolt der Fürsten, die in ihnen gerade die benötigten. Geldgeber fanden. So verständlich es ist, daß die Juden Ihre finanzielle Leistungsfähigkeit in den Dienst der Höfe sind der Fürsten stellten, so eigenartig ist die daraus sich zwangsläufig gestaltende Entwicklung, die schließlich In einem engen DQndnls zwischen Fürst und Jude Ihren symbolhaften, und doch sehr realen Ausdruck fand. Den Höhepunkt dieser Vereinigung von Herrscher und Jude bildet dsiPhlnomen der Hofludcn, n. , 'V Die Institution der Hofjuden, d. h. die Ernennung jüdischer Ploanzleute des 17. und 18. Jahrhunderts zu Hoflieferanten, nofbankle» und nicht selten Ihre Erhebung in den Adels-, stand, diente vor allem dazu, die ausgiebigen Finanzquellen der Juden für die dauernden Kriege und den persönlichen,.. •> Drclmtsktnverlag 1925. K dlo Regierung den Arabern eine Arah Agency vor, aber n dieser Vorschlag wurde abgelehnt. Ich glaube, dal) c, J,;.. die Sache Großbritannien» |»t, mit Bitten an die Araber hcrii' zutreten, an der Arbeit teilzunehmen, aber die Absicht '•' zur Arbelt heranzuziehen, besteht nach wie 'vor. und es |,'4.,, nnr von ihnen ab, einen der ihnen gemachten Vorschlag a, zut.ehireti. * " Auf die Frage, wann da» neue ni'irgerschaftsgcsrtz u, öl f entlieht werden wird, erklärte Amerv, daß die Ver/öwiun" hauptsächlich mit der Verzögerung der UnlerfrrürjimV <i,v Friedensvertrages ir.lt der Türkei zusammenhänge. t;r *M gleich nach seiner Rückkehr nach London seinen Standpunkt Idieser Frage präzisieren, um die Veröffentlichung des B.ir«t.' schaflsgesetze» zu beschleunigen. AucU die Einführung V neuen Währung »oll möglichst beschleunigt werden. Auf die Frage, ob der Minister nicht die Möglichkeit mit Hilfe der Regierung zu einer gemeinsamen Arbeit aller Flvölkerungsteile zu kommen, ctklärle Amery: Man nma ,, Betracht ziehen, daß alle Parteien in Palästina glauben, von Regierung benachteiligt zu werden. Dies beweist am bt«<- wie unparteiisch die Regierung Ist. Die Regierung tu, uy.; zeugt, daß es in Palästina keine grundlegenden Intern^.! gegensätze gibt. Es gibt zwar Verschiedenheiten der M, nungen -und Anschauungen, aber sicher auch die Möglich'«- zu gemeinsamer Arbeit. Sodann erklärte Amery noch, <ufl ,;.*, Colonial Office die Frage der demokratischen Wahlen In ,|, Stadtgemeinden studieren wolle. Er hoffe, daß möglichst ba't eine entsprechende Verordnung herauskommen werde, Am«.' schloß mit Worten der Begeisterung über die Scfuinhcf- und Vielfarbigkeit des Landes, das sicher eines der schönste Länder der ganzen Welt sei. Die Joseph Fels-Stillung Der Gouverneur von New York hat laut amtlicher f> kanntgabc der Joscpb-l'ch-Stiftung die Legalisation erte:!« Die Stiftung bezweckt: Aufklärung der jüdischen und d«. uiclitj'üdischcn Welt über die Geschichte und die Mbsb Israels; Ansicdluug von Juden in Palästina auf unpolitisch Grundlage; Wiederaufbau und Förderung des jüducln- Lehnt! in Palästina, fA» daß dort ein Zufluchtsort!ur unter slrückte Juden, sowie ein Er/ichiings- und Kulturzentrum |. die Juden der ganzen Welt entstehen solle; Förderung de religiösen und ethischen Gedanken in der Welt, iujI« auch Besserung der wirtschaftlichen Bedingungen; Fördcrw der menschlichen Entwicklung. Präsident der Stiftung ist die Gattin de; verstorbene- Joseph Fels. Vizepräsident ist Mr. Alex Aaronsofu Schatzmeister Mr. Maurice Fels, Sekretär Pr\>!. Ir- Wallis. In einem Interview mit dem J.T. A.-Vcrtreter sagte Mi Feh: Vor dem Krieg waren mein Denken und meine Arr-e mcJir kosmopolitisch als national eingestellt. Die neue inte nationale Lage hat mich eines anderen belehrt. leb ghi:' an die Macht der jüdischen ethischen Ideen im Leben d< Menschheit, ich elaubc au das ifisli-.clic nationale Gewiss- Dieser Glaube beeinflußt meine ganze pratfUschc Atbe; die mehr in jüdischen Dingen sich auswirkt, wenn x. «roch immer im Geiste allgemeinen Menschentums. Seit de Kriege habe ich <les öfteren Palästina besucht und In! zu der Arbeit in dicicni Laude ein innere» Verlialtnli gr wonncii. Ich bin Vizeprasidcntin der Bnci Benjamin, eine Organisation junger jüdisdier Bauern in Palästina. Dies jungen Bauern sind glcidi mir des Glaubens, daß das ja dischc Problem nicht allein durdi physische Sicdlungstäii; keit gelöst werden könne;, sondern daß, die SieOlijpg Bewegung parallel mit einem geistigen i'l wachen vor *•» gehen tuilr.se. Außerhalb des Rahmens der Fels-Stiftung hat Mrs. Ff! für die Bnci Benjamin-Bank 40000 Dollar, für df Aaronsohn-La ud wirtsc h af t-s - Fonds 10C00 D-l pcstiltet. Mrs. Feh hat während ihrer letzten .Anwcsenlif. in Palästina ein Grundstück auf dem Skopus berge in der Nahe des Univcrsitätsjrcbäudcs, ferner lOft'- Du ii am Boden auf dem Karin el in Dekan in < Niihc sie« JordanlaH und in Chedera k.'iiillirh rrwnibeii Jerusalem (J.T.A.). Das seit 15 Jahren in Vi fitiua bestehende jüdische Gericht „Misdinath Haschilmn hat In dieser Zeit viele Tauscndc von Rechtsf.illcii zwi»cl;r Juden erledigt. Von Freunden dieses GcridiLs wird jet bcabsiditigt, einen Verein zu gründen, der die AuigaS übernimmt, eine Darstellung der bisherigen Tätigkeit <! Gerirlilm zu geben und für die Publikation wichtiger Uilt zu sorgen. Die Publikationen werden unter der Lcitu des früheren litauische« Ministers für jüdische Angelcg« heilen Dr. S. Rosenbaum, jetzt Tel-Awiw, vorgenommr ■in Ii i ■ «■um ijwiiii »ii ni .»i i i i ni ■ ,] ,j; .. J. Haushalt des Fürsten nutzbar zu machen. Die Tatsache Ihres Jüdeweins war für die Fürsten kein Orund, ihre Unterstützung nicht In Anspruch zu nehmen. Im Gegenteil — den Hofjuden wurden — aus begreiflichen Gründen — Privilegien und persönliche Erleichterungen von den bestehenden Aus* iiahmegcsclzcn eingeräumt und sie selbst, diese Privilegierten, besaßen Macht und Einfluß genug, auch für ihre Glaubensbrüder fürstlichen Schutz imd manche Vorzugsstellung zu erwirken. Die relativ günstige Sfrjlunff der Juden Im 17. und 18. Jahrhundert, trutz der gefährlichen Atmosphürc, die der 30 jährige Krieg geschaffen, erklärt sich zum Teil aus; dieser Erscheinung der Hofjuden. Einen Interessanten Beitrag zur Entstehungsgeschichte dieses Phänomens für den Bereich der brandenburgpreuflischeu StaatenpolItFk gewShren die Memoiren der Glücket v. Hameln, die durch Verheiratung ihrer zahlreichen Kinder an Familien wie Llebmann, Balllu, Qompcrz u. a. geradezu als die S t a in m u 11 e r der preußischen VI o f j u d c n bezeichnet werden kann. III. Wenn so in jener Zeit an fast allen Fürstenhöfcu der Hofjudc eine selbstverständliche Erscheinung war, so hat doch keiner eine solche historische Bedeutung erlangt, wie der Hofjudc am Hofe Karl Alexander v. Württemberg, Josef SÜD Oppcuhclmcr. „Jud Süß", wie er im Volksmund genannt wird, war nSmllc!i mehr ah nur Lieferant oder Geldgeber. Er war der Vcrtriute und Oüiwtllng de» Herzog», der als Einziger am ganzen württcmbcrglschcn Hofe In alle persönlichen Angelegenheiten des Fürsten eingeweiht war. Als vertrauter Mitwisser aller Intrigen und Schäudlichkclten des Herzogs und ah Berater In allen staatlichen Angelegenheiten, genoß Jud SÜD eine Vorzugsstellung, wie kaum Je ein Jude bIc ümc hatte. Welt mehr ah der Herzog bestimmte dieser Jude die Ocschlcke Württemberg« und das Bündnis von Fürst und Jude fand In Ihm selnfo höchste, aber auch «sr Ine letzte AusprKgting. IV. Es Ist kein Wunder, daß sich dio Dichtung früh dieser Ütstalt angenommen und das was Sage und Legend« um! rc! I r.f »tiv ad ,. jriX k ,F i Vs ' <i ■ is ,- bel:. , od. »•ei: ' hi'f ritt Ulf im- ••V" •V ' 's)' r; i > h' 1 1 i!ci ,r SOI i ste :• jrli V rfic '. Ar, f!( V: Bo : jek x*j Ii; i ju< iv. i.- w£ i -i 't. In iß y lUrll )r>,'' La in« du dci i'\ dei-.l :- i i' ** *': ■ ' .» , kv; "i^ *-c»y. -fjy.' hil. , :\>'\ i. flClf 1 ' j i! t i 't ■i. 11 *, I,''. i Bat < r:.: ,i" 4 .'<) 5' ':• 't II Vc , Wa Ii K'o? , 'I fei.,'1.'1 S<| Ü „. sV' ms f." sio verbreitet, dichterisch zu formen versucht hat. Biet doch das Leben von „Jud Süß", — sein schneller Aulstie seine Finanz-Operationen, die die Kassen des Staates eben fiUltcn wie seine eigenen, die rücksichtslose Ausbcutim dci Volkes durch Immer neuen Steuerdruck, der gcwhscnlo Wucher mit Geld und Menschen, der Konflikt mit seine Herzog Karl Alexander und schließlich sein Sturz und trigisches Ende am Oatgen — Reize ffenug, um es in dir Form eines dramatisch-spannenden Romans zu gieOcu. I><! «crMc Versuch liegt über 100 Jahre zurück in der leben« wahren und lebendigen Schilderung „Jud Süß" von Hauff Nun hat Lion Feuchtwanger diese Gestalt zum Mitte! puukt «eines/ großen Romans gemacht, der die Bcachtun; weitester Kreise verdient. An sich lag keine objektive Notwendigkeit vor, die Gests!1 des Jud SÜD, der ganz und gar nicht der Typ jüdisch« Menschlichkeit und Sittlichkeit darstellt, der Vergangenheit entreißen. Demi so wenig Jud SfiQ der Jude «.cMcclitfii? Ist, ebenso wenig kann der Roman Jud SüO der „Roman des Juden überhaupt" sein. Der Held ist eine historisch bedingte jüdische Erscheinung, der mehr Ausartung als Typ bedeutet, well schließlich Judentum mehr und anderes i,! als jenes Hofjudentum am württcmbcrglschcn Hofe; und n«' wer das übersieht, nur wer Im Wucher und Geld das Lieme' des Juden sieht, Ihn also als ökonomische Kategorie wertet, kann wie Karl Marx sagen, daß der Befreiung der Jude die Befreiung der Welt von den Juden vorausgehen müsse. Aber trotz dieser notwendigen Einschränkung, die zum wahren Verstünduls des vorliegenden Werkes unerläßlich i»1« Ist dieser Roman, der die Qcstalt des Ifofjuden Süß unserer Ocgciiwart wieder lebendig machen will, eine Leistung. Wenn auch der Wert eines historischen Romaus schon in sich selbst beschlossen liegt, so verleiht die DarstelhinX der Hauptpersonen des Werkes, Jud Süß, der Hcrzof? f-1 seiner unglaublichen Zügclloslgkeit, sein korrupter Ho'« Magdnlcne Sybillen, die mystische Ocstalt des Rabbi Gabriel usw. In Ihrer psychologisch glänzenden Skizzierung ihm not1" einen besonderen Wert. HCl ). hr«'/,; dei*!v, , *ii i Sis«' i, wa K', iut,!,i V Pa ' sio; •. w.i ■ : Jal'i I Rcv ] wu», IIIC i,'" , hai i 'i-: rur i' | f!?<' i S:/-:''" «'ll',''!. rll*. 'U,!' Vo am ' »eh" ' >,'r hin' ■ Cv II« . la '.•-:< K n.i, ' »:ei 1 * .V hlll Jus!;;u lo, den" ^h^ 'Uli,' 'mi Uf die1 «eit >f IHK' h Kai1' •ler ■ <ivV