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Jüdische Rundschau · 1925-05-01 · Heft 34 (1.5.1925) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 34 (1.5.1925)
Date
1925-05-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 315 prC9QC8CbaU pic „Frankfurter Zeitung" hat jüngst einen von uincb-orthodoxcr Seile Inspirierten Artikel gebracht,' der die friiiodoxle gegen den Zionismus verteidigt. In Ihrer Morgen- \,s»abv vom 25. April bringt sie In einem Artikel von Adolf f, j b o v $ k y, der diesmal von der anderen Seite, von her, gegen den Zionismus Stellung nimmt. AcuOcrlich »erdings ist der Artikel, betitelt „Bolschewismus und Zio- Lins" mehr referierend: er berichtet Ober die Haltung w [iolsclicwikl zum Zionismus, abc. dcrv partclnchmcndc i'jlcrlon Ist unverkennbar. Man hätte — es tut uns leid, j(} einem Schriftsteller vom Range Orabovskyg gegenüber ,cn zu müssen — über denselben Gegenstand mit mehr (*itk|ivi ät schreiben können. Der Artikel konstruiert einen Ocgcnsatz zwischen Zionis- Ft( und der jüdischen Kolonisation in Rußland. Diesen .-(censatz erkennen wir nicht an; Orabovsky j,, auch Zitate aus der „J. R." anführt, hätte nicht überdürfen, daß gerade wir in Nr. t6 der „J. K." (am •I Februar) In einem ganz anderen Sinne Stellung zu i;<ci Frage genommen haben, als er vermutet. Wir haben;,rt unsere Sympathie erklärt mit einer Sache, von der wir p;:r annehmen, daß sie letzten Eudes den Zionismus fördern Aber abgesehen von dieser prinzipiellen Einstcl'ung verschätzt Orabovsky, ollcnbar durch falsche Information geführt, die Bedeutung dieser Kolonisation, d. h. ihres jjsmaOes. Er nennt es einen „säkularen Vorgang", daß, ,it ci sagt, Rußland steh anschickt, „seinen Millionen Juden a eigenen Land eine Heimstätte zu geben". In Wahrheit Ititisicrt er selbst diese Auffassung, Indem er an einer ,-itcren Stelle feststellt, Rußland wolle nur die amerikanischen •jjen bzw. ihr Qcld für sich gewinnen. Der Artikel Gra- S^vsky» ist eine merkwürdige Mischung von gut verstanden) Richtigen mit schief gesehenem Falschen. Interessant }| allerdings vor allem die Frage, was die „Frankfurter jiitung" zu diesem konzentrischen, „gemischten" Kampf gegen «Jen Zionismus veranlaßt. * Uie Wahl Hindcnburgs zum Reichspräsidenten hat im üjer der Judenfeinde in Deutschland großen Jubel herrargerufen und gewisse Hoffnungen geweckt. Dies kommt bzahlreichen Pressestimmen zum Ausdruck. In der „Deut- Ithcn Zeitung" schreibt Otto v. Schilling? „Unser Sieg stellt eine tief beschämende, furchtbare Niederlage des deutschen Todfeindes dar, des internationalen Indcnluins. Seit dem August 1914 ist dem Judentum in Deutschland nicht derartiges Unheil widerfahren. Die vier k-liniählich durch UncinigKcit und Habgier unterlegenen Par- (den der llindcnburgfcinde, Zentrum, Demokraten, Sozialfaokratcn, Kommunisten, bilden die gesamte Kampf macht des Judentums in Deutschland. Das heutige Zentrum ist derartig jiifcch durchsetzt und zersetzt, daß man es nicht anders mehr i'i eine llillstrunpc der Juden bewerten kann. Wer hat denn im Höfle Ins Unglück, in Schande und Tod gebracht? Wer Ii! den Kuhhandel mit der völlig verjudeten preußischen Rcjimmg ins Werk gesetzt? Die ganze Demokratische Partei «ird von der Judenprcssc beherrscht, alle bedeutenden Führt/ der Sozialdemokratie sind Juden oder Judcnstämmlinge, sixl die Kommunisten schwören auf die Mordjuden Rußlands. Viren alle diese Juden am Sonntag einig gewesen, dann würde lurx mit genau derselben Mehrheit deutscher Rcichspräsiifnt sein, wie es jetzt Oott sei Dank der Feldmarschall Ifcdcnhurg ist. , . . Ucbcr diesen Erlolg, dessen Orüßc!a Anbetracht der unerschöpflichen Geldmittel und sonstigen l'sterstützungsmögllchkcitcn des nationalen Judentums gar «ht hoch genug einzuschätzen ist, können wir heute wohl fcoh und stolz sein. . . . Aua der schwersten Not und Gtlahr, geradezu vor dem Untergang sind wir errettet worien, doch wahrlich nicht durch unser eigenes Verdienst, sankm lediglich und ganz allein durch die Gnade des Herrn." * „Daily Telegraph" veröffentlicht Auszüge aus dem Bericht der britischen Qcwcrkschaftskommission, die auf Orund tr,cs Beschlusses des Ocncralrats der britischen Gcwerk- Kluften Rußland bereist hat, um sich aus eigener Anschauung ücr die Zustände zu unterrichten. Der Bericht nimmt Bezug U die außerhalb Rußlands verbreitete Meinung, daß das Sowjctsvstcm eine jüdische Erfindung und M der Einfluß der Juden in den Sowjct-Orjincn überragend sei. Der Bericht stellt fest, daß ws Sowjetregime weder seinem Ocistc noch seinen Idealen •"Ii jüdisch genannt werden könne. Auch ist der jüdische tinflull in den Sowjet-Institutionen keineswegs bemerkbar; Tatsache ist lediglich, daß sich die in den Sowjet- [«titutionen beschäftigten Juden durch Intelligenz und Weltkenntnis auszeichnen und nützliche Staats- '■Aktionäre sind. Die jüdische Rcligionsübung wird ebenso Wtriert, wie die aller anderen Konfessionen. Eine aktive Htfolgung der religiösen Funktionäre findet nicht statt; die-;eaifTCn Rcligionsfunktionärc, die gegen den Staat politisch *»l<cnt werden gleich den anderen antisowietistischen Politiken Agitatoren behandelt. Sammeln una Verbergen von ■«henschätzen wird nach dem Strafgesetz geahndet. In ■!«sc. Schulen und Arhcitcrklubs wird jedoch eine aktive "'opaganda gegen die Religion durchgeführt. Der Bericht die folgende Schlußfolgerung: Die Union der Sowjetpublik ist ein mächtiger gesicherter Staat, die Regierung »!»t auf dem Stantsso/ialismus und genießt die aktive Unterstützung der grollen Mehrheit der Arbeiter- und Bauern-?Mft. Die Union basiert auf föderativer Orundlage; den *«*cn- und Staatsmiiioritiitcii ist die volle kulturelle und »isc Freiheit und ein kleines Maß politischer Selbständigfl! gewährt. Die von den anderen Ländern so fundamental trschicdcnc Staatsmaschiuc funktioniert gut, so daß das "«ficrt Staatssystem nach und nach in Vergessenheit sinkt. * I» der „Zeitschrift für Politik" (Bd. XIV H. 3) flmt der Führer der Deutschen in Lettland, Herausgeber ..Rigaischcn Rundschau", Dr. Paul Sehlem ann, ro der 'Sc der nationalen Minderheiten in Lettland Stellung. Ucbcr Antcil der Juden an der deutschen Kulturarbeit in Lettland .^retbt Schictnann u. a.: Wir müssen versuchen, weitere c,?c des Judentums der deutschen Kultur zu erhalten und zu Pinnen. Stattdessen machen sich — von aus Deutschland »"imcndcr Propaganda beeinfluß» — fn der deutschen Gesellantisemitische Regungen geltend, die ständig im Wachsen v.f'"cn sind und natürlich das Judentum und auch das mit If^fem Kulturleben eng verbundene alteingesessene Judentum /"»nds und Livlands abstoßen müssen. Die schwere Oefahr, g uic gedankenlose Ucbcrnahme völkischer Schlagwortc aus ^«chtind für unsere Kulturbestrcbungen darstellt, kann nicht " ßenug beurteilt werden. / h JC0 Rabbiner In Polästina. Der vor kurzem In dem Oc- Ce <ler Jeschibah „Ez Chalm" zu Jerusalem stattge- >(?fnen Empfangsfeier zu Ehren der orthodoxen Oäste, bei Är Obcrribbiner Kuk den VorslU führte, wohnten mehr *W Personen, unter ihnen 300 Rabbiner, bei. Die Einigung der Arbeiter Von Moses Bcliinson, Tcl-Awiw. Wahrend der lel/.tcn Monate wird In Arbeitskreisen die Einigung aller Arbcltcrkräftc in eine einheitliche Partei lebhaft besprochen. Die Initiative dieses Schrittes gehört der Achduth Haawoda, und die zweite große Arbeiterpartei, Hapocl-Hazair, sowie einige kleinere Onippcn haben dem Plane prinzipiell ihre, wenn auch bedingte, Zustimmung gegeben. Das Programm der Einigung Ist noch nicht im ganzen geklärt, die Einzelheiten noch weniger, die Frage wurde aber jedenfalls auf die Tagesordnung gestellt. Die Initiatoren beabsichtigen nicht, sich mit der Fusion der zwei großen Parteien zu begnügen; als ihre Aufgabe betrachten sie die Einigung aller Elemente, die auf dem Boden des arbeitenden, des sozialistischen Palästinas stehen. Ob das Wort „Sozialismus" selbst, das einem Teile der Arbcltcrkrclsc, fremd klingt, gebraucht sein oder nur die sozialistische Konzeption das Programm bestimmen wird, das halten mehrere Initiatoren für nebensächlich. Was die Einigung möglich macht, ist der Umstand, daß bei allen programmatischen Differenzen, die die Arbeiter teilen und noch mehr in der Vergangenheit geteilt haben, bei aller Verschiedenheit der Temperamente, die auch jetzt noch öfter Partcistrcitißkcitcn hervorrufen, der Abstand zwischen den einzelnen Gruppen nicht so bedeutend ist, um die Bildung einer einheitlichen Partei zu verhindern. Die Differenzen im Arbcitcrlagcr sind nicht größer als normale Differenzen in derselben Partei, und jedenfalls sind sie viel weniger bedeutend als Differenzen zsvischen der Arbeiterschaft einerseits und anderen Faktoren des Palästlna-Aufbaus andererseits. Die Erfahrung des letzten Jahres, insbesondere des Jahres seit der Gründung der Hlsladnith, hat gezeigt, daß in der Praxis der alltäglichen Arbeit die Vertreter verschiedener Parteien sehr gut und friedlich miteinander oibeitcn können. Die Einigung hat selbstverständlich mit der Histadruth, einer im Wesen professionellen Organisation, nichts zu tun; die Histadruth bleibt so wie sie Ist. Eben deshalb nber, weil die Histadruth eine professionelle Organisation Ist, Ist sie der Möglichkeit beraubt, ihren Mitgliedern poli i che Erziehung zu geben und die Arbeiter als politische Kraft zu organisieren. Eine Organisation mit sehr breitem Rahmen, die Arbeiter aller Schattierungen und ganz ohne Schattierungen einschließt, kann die Histadruth wichtige Funktionen erfüllen, hauptsächlich aber unter der Bedingung, daß außerhalb der Histadruth, oder noch richtiger innerhalb der Histadruth eine konzentrierte, bewußt wirkende, politische Kraft vorhanden Ist, die aus der neuen Partei kommen soll. Ohne diesen Inneren Anspornungsfaktor kann die Histadruth, eben infolge ihrer Breite, leicht in eine gewisse Unbeweg'.lchkelt verfallen. Einige Zeichen dieser Trägheit sind schon in den Städten — mit den neuen Tendenzen, die sie dem palästinensischen. Leben gegeben haben — zu merken. So lange das Arbeitsleben fast ausschließlich auf dem Lande konzentriert war, gab es unter allen Arbeitern — ungeachtet aller Differenzen — eine.starke Ideen- und gcfflhlmüßigc Verbundenheit; wiewohl nicht in einer einheitlichen Partei organisiert, waren sie tatsächlich Mitglieder nicht nur einer Partei, sondern einer großen Familie, Seitdem aber die Stadt mit dem Dorfe zu konkurrieren begann (und heute.zählt man In den Städten schon ungefähr 10000 jüdische Arbeiter), ist dies« natürliche Einheit nicht mehr so fühlbar. Das Fehlen des tagtüglichcn Zusammenlebens aller Arbeiter, die größere Verschiedenheit der Einwanderer, das andere Lebensmlllcu, die Unmöglichkeit, in der Stadt immer und überall das kooperative Arbeitsprliizlp durchzuführen, haben dazu geführt, daß auch in Palästina sich der Typ des Stadtarbeiters, vom Dorfarbcltcr verschieden, herauszukristallisieren beginnt. Es ist zu erwarten, daß mit dem weiteren Wachstum der Städte die Differenzen noch bedeutender sein werden, und dazu tendiert doch in der letzten Zeit der Aufbau. Wie dem auch sei, der Stadtarbeiter ist nicht so leicht und einfach, fast spontan, zu organisieren, wie der Landarbeiter. Auch die Harmonie, die in der kooperativen Landwirtschaft zwischen dem nationalen und sozialen Elemente herrschte und herrscht, Ist »n der Stadt gestört, da in der Stadt außer der Arbeit und dem Arbeitsobjekt noch ein dritter Faktor — das Privatkapital — In Erscheinung tritt. Dsr Kampf der Arbeiter für Ihre nationalen und sozialen Rechte kann deshalb in der Stadt leicht andere Formen annehmen, als die, die wir in Palästina bis jetzt gesehen haben. Von diesem Standpunkte aus stellt die Stadt ein viel komplizierteres und schwereres Problem als das Dorf dar. Und tatsächlich sehen wir schon heute in der Stadt einerseits Arbeiter, die sich von jeder Arbeiterorganisation und jedem öffentlichen Leben fern halten (auch wenn sie der Histadruth angehören, oo geschieht es oft in mir formeller Weise und aus Opportunitätsniotivcn), andererseits Arbeiter, die in dem Kampfe für Arbcitcrrcchtc nur eine Seite — die soziale — sehen und offenbar das spezifische Motiv, das sie hierher geführt hat — der Aufbau des jüdischen Palästinas — vergessen haben. Diese Erscheinungen tragen bis Jetzt nur einen sporadischen Charakter, nber sie sind da, und wenn nichts getan wird, um sie zu neutralisieren, werden sie wachsen und können zu großen Schwierigkeiten für die ganze Arbeiter- und Aulhausachc führen. Nur eine sozialistische Partei, die Dorf- und Stadtarbclter vereinigt, die ihre Taktik und Erziehungsmethoden an die verschiedenen Lebensbedingungen der Arbeiter anzupassen, verstanden hätte, wäre imstande"* gewesen, die Einheit der Arbeiterbewegung zu fördern, das Band, das sich zu lockern beginnt, zu festigen. Die Bildung einer einheitlichen Partei scheint Ihren Initiatoren auch, und vielleicht hauptsächlich, in Anbetracht der neuen Strömungen, die In der Zionistischen Organisation zu merken sind, notwendig zu sein. Die Arbeiter verschließen die Augen nicht vor den sozialen und nationalen Ocfahrcn, die mit diesen neuen Strömungen verknüpft sind. Sic sehen einen Kampf voraus — innerhalb und außerhalb der Zlonlstlschcn Organisation — für Jüdische Arbeit und ihre Rechte, für das autonome Aufbauwerk der Arbeiter. Sic sehen vor» aus, daß das Privatkapital Ins Land Erscheinungen bringen wird, die dem jüdischen Palästina national und moralisch schaden können. Wenn die Arbeiterbewegung nicht realistisch, Im guten idealistischen Sinne des Wortes, wäre, so hätte sie »ich den neuen Strömungen gegenüber mit derselben dogmatischen Ncgallvität. verhalten, wie es ein Teil der Allgcmclnzlonistcn getan hat. Aber In ihrem Realismus anerkennen die Arbeiter die Legitimität der privatkapitalistischen Strömungen; sie begrüßen jeden Schritt, der zum tchncllstcn Aufbau de« Landes führen kann; in der Ar, trengungen des Präsidenten der Organisation für das Aufbauwerk auch die nicht-zlonisllschcn Kräfte zu gewinnen, sehen sie eine gesunde Intuition, die danach strebt, alle im Judentum ver. borgenen schöpferischen Kräfte zur Wirkung zu bringen. Die Stellung der Arbeiter ist deshalb komplizierter alt diejenige der einfach Bejahenden und der einfach Vcrneliicndcn. Man könnte sie vielleicht als „Kampf durch Wetteifer" kennzeichnen. Die Anhänger des Privatknpitals sollen nur ihre Kräfte konzentrieren und neue zu gewinnen suchen; das gleiche müssen aber diejenigen tun, die an die schöpferische Kraft der Chaluz- und Arbeiterbewegung glauben, Palästina wird dann von dieser und jener Seite gebaut werden, und wenn auch der „Kampf durch Wetteifer" manchmal in direkten Kampf übergehen sollte, der Aufbau wird, per saldo, von dieser Wechselwirkung verschiedener Kräfte nur gewinnen. Und wer au die schöpferischen Kräfte der Arbeit glaubt, der glaubt auch, daß durch aktives und posltlves Vorgehen der Arbeit Im Lande eine solche Atmosphäre geschaffen wird, die auch viele „privatkapitalistische" Elemente absorbieren wird. Für die Schädling einer solchen Atmosphäre ist die Organisation der Arbeitskräfte, die Einheitsfront aller derjenigen, die auf dem Hoden des Arbeitspalästinas stehen, eine Vorbedingung, Die Aufgabe einer solchen Einheitsfront muß eben von der neuen Partei erfüllt werden — und zwar nicht nur in Palästina, sondern auch in der Diaspora. Die Arbeiterbewegung Palästinas muß zum Organisationszentrum aller Oaluthkräftc werden, dip Ihre Bestrebungen teilen. Eine einheitliche sozialistische Partei Palästinas hätte nun auf die zionistische Diaspora (vor allem auf die Chaluz- und Jugendbewegung) eine viel konzentriertem Wirkung ausgeübt als diejenigen geteiljen Strömungen, die heute die Diaspora beeinflussen und dabei öfter in die Diaspora diejenigen Partei* differenzen hineintragen, die hier, in Palästina, in dem Prozesse der praktischen Arbeit, eine unbedeutende Rolle spielen, hingegen in der Diaspora, wo die Bewegung natürlicherweise einen mehr abstrakten Charakter trägt, zur Begriffsverwirrung und Kräftczcrsplittcrung führen können und tatsächlich führen. Die Bildung einer einheitlichen Partei in Palästina könnte mit der Zeit zur Bildung einer gleichen Partei in der Diaspora führen — mit einem evidenten und bedeutenden Vorteile für den sozialistischen Zionismus. Seine Bedeutung in dem allgemeinen Zionismus könnte dann viel größer werden und würde Ihm erlauben, das schon von den Arbeitern Errungene und die neuen Möglichkeiten tatkräftig zu verteidigen. Eine einheitliche sozialistische Partei, die alle (oder fast alle) Arbeiter Palästinas und der Diaspora In ihren Reihen zählen würde, könnte mit viel größeren Aussichten auch an die Organisierung der ihr nahen nicht-zionistischen Kreise herantreten — 'eine Aufgabe, die schon längst auf Leute und Kräfte wartet, die sie zu bewältigen Imstande wären. Den Führern der Zionistischen Organisation ist es gelungen — so scheint es wenigstens — für das Palästinawerk bedeutende Kreise des jüdischen Kapitals zu gewinnen. Aber Millionen jüdischer Arbeiter und Arbcits lntcllektueller — als Beispiel denke man nur an die amerikanischen Gewerkschaften — stehen noch außerhalb der zionistischen Beeinflussung; der nationale Instinkt muß auch in diesen Kreisen geweckt werden, die bis jetzt durch kosmopolitischen und sozialistischen Dogmatismus, vielleicht auch durch Unglauben und Skeptizismus der „bürgerlichen Laune" gegenüber für die zionistische Ideologie verschlossen geblieben 6lnd. Wenn irgend einer Kraft diese Aufgabe gelingen kann, so nur der einheitlichen sozialistischen Arbeiterpartei Palästinas und der Diaspora. Könnte aber das Werk gelingen, so würde die Palästina-Bewegung eine bedeutende moralische und materielle Kräftigung erfahren. Auch die Physiognomie der Jcwish Agcncy könnte mit der Zeit anders werden; an der Seite der Vertreter des Kapitals der großen Gesellschaften würden dann In ihr auch Vertreter der Arbcltcrkrclsc Platz finden. Die Agcncy würde dann eine Organisation werden, die alle Aufbau-Kräfte vereinigt, gleichzeitig würde sie aber ihren heutigen sozial-einseitigen Charakter verlieren. Es ist selbstverständlich, daß durch die Bildung einer einheitlichen Partei muh die Bedeutung — und mit Ihr die Ilcciuflussiingsmöglichkcitcn — der palästinensischen Arbeiter In der internationalen Arbeiterbewegung größer werden könnten. Und daß diese Bewegung immer mehr In der internationalen Welt mitsprechen wird und schon jetzt viel mitzusprechen hat, unterliegt ja keinem Zweifel. Dies «lud — ungefähr und In Kürze — .die Momente, die den Gedanken der Bildung einer einheitlichen sozialistischen Arbeiterpartei In Palästina ins Leben gerufen haben. Die Stimmung in den Arbeiterkreisen ist derart, daß der Gedanke wahrscheinlich verwirklicht werden wird — ob allerdings in vollem Maße und In der nächsten Zukunft, läßt sich vor. läufig noch nicht sagen. Konlercnz der Zlonlsten-Hcvlsloalite* la Paris Paris. (J.T. A.) Am 26. April wurde in Paris die erste Konferenz der Zionistcn-Rcvislonisten (Aktivisten) eröffnet. Anwesend sind 'ib Delegierte, die die lokalen Oruppcn der Aktivisten in verschiedenen Ländern vertreten. In das Präsidium wurden die Herren Wladimir Tcmkin, Wladimir Jabotinsky und Coen (Saloniki) gewählt. Im Namen des Zentralbüros wurden Berichte über den Stand der revisionistischen Bewegung, über die Frage des Zlonistcn-Kongresses, über die Lage in Palästina usw. erstattet. Es kam zum Ausdruck, daß die Entwicklung' der Verhältnisse in Palästina als nicht befriedigend zu betrachten sei. Hervor« zuheben sind Referate von Jabotinsky über die politische Offensive und über die Organisierung der lugend, von Dr. J. Brutzkus über die ökonomischen unef finanziellen Probleme, von Wladimir Tcmkin über die Jcwish Agcncy und von J. Trivus über die Bodenreform. Resolutionen wurden über die Frage der Palästina-Ein- und Auswanderung, der Bodenreform, der Nationalanlcihe, Transjordanlcns und der Jcwish Agcncy angenommen; ferner wurden über die Taktik der Revisionisten auf dem XIV. Kongreß Beschlüsse gefaßt Zwei Juden Im neuen französischen Kabinett. Auf der Mlnlstcrllstc des neuen Premiers und früheren Kammerpräsidenten Palnlcvd figurieren zwei luden: Herr Schrameck als Minister des Innern und Herr Hesse als Kolonienminister. Wir bitten dringend, für die Rodaktion bostimmto Sonduncron nicht an Personen, sondern an die Redaktion xa adressieren, da sonst Verzögerungen unvermeidlich sind.

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