Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 34 (1.5.1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Hf- 34 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seile 313 Wclllricdc und Zionismus Ein Dricf Israel Zangwill». den der bc- ,xf große Aufsatz, betitelt „Die Juden", jcsäe englische Publizist J. L. O a r v I n vor einigen Wochen •f ti der Eröffnung der Universität in Jerusalem in vornehmen Zeitschrift „Obscrvcr" veröffentlicht hat, ,r vü'11*' ....." Mv"-*-« ....."-i als ein Versuch einer allseitigen und gründlichen Bcjt|iiuiiR dcr Judenfrage groDc Aufmerksamkeit hervorgef ucr „Obscrvcr" veröffentlicht in einer seiner letzten ataem eine ganze Reihe von Zuschriften aus jüdischen •<cm worin.die Einsender dem Verfasser Ihren Dank irr'rrf<hcn für die objektive und gerechte Würdigung de* ^pnroblems und seine entschiedene Stellungnahme gegen ■Antisemitismus. Unter diesen Zuschriften befindet »ich •'\ Hn besonder» interessanter Brief von Israel Ii i ...rwill. Auch Zangwill zollt dem Verfasser Dank und Ancruitunf für die vornehme Art der Behandlung des Stoffes, iwrding*. so fügt er hinzu, enthält der Artikel einige ^{fC Wahrheiten. Wenn Oarvln schreibt, „mehr als neun fhutcl des jüdischen Volkes werden immer außerhalb Pa- Linas leben und das jüdische Wcltproblcm wird so bleiben „ es war", so sei dies ein trauriger Gegensatz zur St!lour-Pckl3ration. „Vor etwa 13 Monaten habe ich den Äfikjnljcli-jüdischcn Kongreß in Erregung versetzt durch ' penterkung. der politische Zionismus sei tot. Jetzt haben ({ ihm eine Qrabrcdc gehalten und als seinen Nachfolger ^'Hebräische Universität begrüßt, deren Ideale die wahre „•J einzige Hoffnung darstellten. Diese Holfuung wird je« Wh. «le ich fürchte, den Massen der östlichen Juden, ,„cn Palästina wieder ein gelobtes Land geworden ist, «*is mager und fast wie ein Hohn erscheinen; und obwohl <* deren verzweifelte Situation erwähnen, vermisse ich doch iirem Artikel das Verständnis für Englands Verantwortlicha für ihre tragische Enttäuschung. Ihr früheres 'Zuflucht«, iiid Amerika, das noch im Jahre 1914 nicht weniger als $000 Juden aufnahm, ist für sie geschlossen, und Dr. feununn selbst hat erklärt, daß die antisemitische Bertling in Europa zunimmt. Wir verdanken Dr. Wcizmanns yjeistertem Zionismus die Veranstaltung auf dem Skopus- Vtg. die größte projildischc Ocslc, die die Welt jemals »nicht hat; gleichzeitig aber dürfte dieser Zionismus den Wims von der poIi'.Uchcn Verbindung aller Juden der ich wieder vergrößern, so daß das Wcltproblcm der Juden. ,ht, wie Sic meinen, „so bleiben wird wie bUhcr", — ab» ttclici' von ihrer Zerstrctnmg, Schon wird der Zionismus i Sowjet-Rußland als Verbrechen betrachtet; und in einem such Weltkrieg würden die Juden in den gegen England iimplcndcn Lindern wahrscheinlich die Opfer ihres Idealiso« sein. Umsomchr liegt auf England die Pflicht, Palästina «ht ils eine Kronkolonic für die Verteidigung des SuezumL« — als was es der Kolonialminister offen zu betrachten ,-jjibi — zu behandeln, sondern als ein echtes vom Völkerbndc übertragenes Vcrtraucns-Gut. Und nur wenn alle Sitioncn in den Völkerbund eintreten, — unter Bedingungen, ce ihren Beschwerden Rechnung tragen — und nur wenn itt Völkerbund der wirkliche und wirksame Beschützer ihrer Minoritäten wird, nur dann kann auch die Welt für den- Zionismus oder für die universalen Ideale, welche seine Universität verkörpert, zuverlässig werden. Hier liegt „die» »ihre und einzige Hoffnung", nicht nur der Juden, sondern (tt Welt. We Sicherheit der Juden ist so — beinahe »mbolisch — eng verknüpft mit der Organisierung Jenes Friedens auf Erden, welchen ihre Propheten als die Ersten irkiindct haben." Wir sind nicht der Ansicht Zaugwills, daß der politische Eenisimis, wie wir ihn vertreten, tot ist; wir glauben sogar, «B gerade die letzten Ereignisse seine Lebensfähigkeit er- »iesen haben. Aber wir stimmen den Schlußfolgerungen <m Zangwill bei, daß eine Lösung des zionistischen Probien«, wie des gesamten Judcnproblcins eng verbunden Ist mit <<m Frieden der Welt und einer Lösung des Mlnoritätcivfroblcim. Der Friede kann nur verbürgt werden durch Ansihcning und Vcrkündung der Völker und zwar aller Völker, *oru ein weit größeres Mnß von Toleranz und gegenseitigem?e>pekt gehört, als der Nationalismus in seiner heute herrsehenden Form aufzubringen vermag. Damit Hand In Hand muß aber auch ein Weg gefunden werden, um das gemeinsame Leben verschiedener Volksstämmc auf einem Territorium ohne Unterdrückung der Minorität durch die Majorität zu regeln. An dieser Lösung sind die Juden elementar Interessiert, da sie in allen Ländern Minoritiitcit sind; und der Zionismus selbst steht vor einer gleichen Aufgabe, da auch in Palästina , verschiedene Volker miteinander leben müssen. Da« werdende Gemeinwesen Palästinas hat daher neben »einer spezifisch jüdischen Ucdciitung als jüdische Heimstätte noch die allgemeine Bedeutung eine« Versuchen bahnbrechender Pionierarbeit auf dem heute für die ganze Welt wichtigsten Ocbicte, der Organisierung verschiedener Volksslämmc In einem gemeinsamen Oanzcn. Wir wissen wohl, daß die» nicht von Ixulc nuf morgen gelingen kann, aber es ist doch wichtig, die Idee feilzuhalten und sich klar zu machen, wie eng sie mit unserem ganzen Schicksal als Ziouistcn und Juden verknüpft ist. Dies wieder einmal mit großer Klarheit herausgestellt zu haben, ist ein wirkliches Verdienst von Zangwill, das wir anerkennen müssen. R.W. T Eia Memorandum der piiäsllienslschfii Araber Jerusalem. (J. T. A.) Die Pa'ädinrnsisch-Arabischc Exekutive sandle .int 27. April ein neue* Proteslmcmoranduut au den Völkerbund, in welchem nochmals gegen die zionistische Politik in Palästina Protest erhöhen wird. Das Memorandum zerfällt in zwei Teile, von denen der eine für den Volkcrhuitdsrat, der zweite für die Mandatskommission des Völkerbundes bestimmt ist. In dem Memorandum an den Völkcrbmidsrat wird Insbesondere gegen Artikel 2 des Palästina-Mandats, der die Errichtung eines jüdischen Nationalheimes in Palästina, sowie gegen Artikel 4, der die Anerkennung der Jcwish Agcncy' betrifft, Protest erhoben. Der Völkerbund wird ersucht, die Errichtung einer nationalen und verfassungsmäßigen Regierung in Palästina, in welcher Araber und Juden nach dem Verhältnis ihrer Zahl im Lande vertreten sein sollen, zu veranlassen. In dem für die Mandatskommission bestimmten Memorandum wird darüber Beschwerde geführt, daß die Kommission in ihrer letzten Sitzung im Oktober 1021,' da das Palästina-Mandat zur Verhandlung stand, nur einer Partei das Won ga,b. nämlich Sir Herbert Samuel, der ein Jude und ein ergehen er Z Ion Ist Ist, Die Arabische Exekutive spricht ihre Entrüstung über die Stellungnahme Str Herbert Samuels in seinem mündlichen Bericht nn die Kommission aus und ersucht die Mitglieder der Kommission, persönlich n nch Palästina zu kommen, um die Beschwerden der arabischen Bevölkerung an Ort und Stelle auf ihre Berechtigung hin zu prüfen. Zum Schlüsse wird in dem Memorandum gegen die Herrn Ruthenberg gewährten Elckttizüäts-Konrcssioncn, sowie gejen die der Jcwjsh Coloiiisation ' Association ()C.\) in A t h 1 i t und Kabbarah gewährten Konzessionen Protest erhoben. Endlich wird gegen die Nichtausschreibung der Wahlen In die Stadtverwaltungen und gegen die steigende Jüdische Einwanderung protestiert. Kioadas Premier über den Zionismus Ottawa. ("J. T. A.) Bei der am 0. April hier abgehaltenen Feier-aus Anlaß der Eröffnung der Hebräischen Universität in Jerusalem traten als Redner auf: Der Ministerpräsident von Kanada M. L. Mackenzic King und der frühere Premier und Führer der konservativen Opposition Arthur Meighcn. Nach einer Bcgrüßfmg durch den Präsidenten der Zionistischen Organisation Kanadas, Mr. A. J. Frei man, hielt der Premierminister eine Ansprache, worauf Mr. Meighcn das folgende ausführte: Von allen Resultaten des Weltkriege» ist keines so •wichtig und so menschlich erhebend wie die Wiedergabe Palästinas an das Jüdische Volk. Wir nllo »lud uns der Schwierigkeiten der britischen Regierung in der Durchführung der Politik der Balfour-Dcklaration bewußt, wir wissen aber auch, «laß Großbritannien da» erfüllen wird, was seine heilige Pflicht ist. 1 Das Slaa1sanflchörlfjkclli[jcsct/ la Lettland abgelehnt (Von unserem Korrespondenten.) M.O. Riga, den 22. April 192V Seinerzeit halte die öffentlich-rechtliche Scjmkommissinn eine Acndcriing zum bestehenden Staatsangehörigkeitsgesetze beantragt. Es sollten alle diejenigen, die am I. August 1014 in Lettland lebten und sich noch gegenwärtig im Lande bcfinden, die lettliiutllsrhc Staatsangehörigkeit erhalten. Das bisherige Oese!/, basierte auf dem von der zaristischen Jurisdiktion übernommenen Prinzip des „Angesehricbenscins". d. Ii. der Ocmclndczugchörigkcit, wiewohl der auch für Lettland verbindliche Versalller Friedensvertrag den Wohnsitzhegriff als die Grundlage der Staatsangehörigkeit anerkannt hat. Infolgedessen waren von der Nutznießung derselben eine beträchtliche Zahl von lüde n ausgeschlossen. Da nämlich Kuil.uid und l.lvland nicht zum Ansicdlungsrnyon gehörten, so durften sich doit die nach dem lahre 1835 eingewanderten Juden überhaupt nicht mehr „zuschreiben". In Lettland wiederum, das zum Ansicdlungsrayon gehörte, lebten zahlreiche, in anderen Gegenden beheimatete Juden. Sic alte sind nach dem heutigen (je- . setze, wenn sie nicht 20 Jahre im Lande leben, der Staats« ungehörigkeit beraubt und gehören zur Kategorie der „Staatenlosen". \ Das neue (lesetz sollte diese Ungerechtigkeit wieder gutmachen, allerdings nur teilweise, da es die im Auslände lebenden „niehtzugcschricbcncii" Juden tinhcrürksiehtigt ließ. Meistens sind es Leute, die seiner/eil von Nikolai Nikol.tjewitsch gewaltsam desertiert wurden und denen man die Rückkehr in ihre Heimat, in der sie seit Generationen lebten, um jeden Preis verwehren will. Die Annahme des Gcsctzcsprojcktcs seitens der ölfentlich-rcchtlichcn Scjmkontmission ließ eine günstige Erledigung im Plenum erwarten. Um so mehr hat es überrascht, daß dieses in seiner gestrigen Sitzung die arlikclweisc Lesung abgelehnt und somit das gaiizc Oesetz zu Fall gebracht hat. Die Ablehnung geschah mit einer Majorität von zwei Stimmen. F ü r die. Lesung stimmten die nationalen Minderheiten und linken Sozialdemokraten, dagegen — sämtliche bürgerliche Parteien und die rechten Sozialdemokraten. Das Verhalten der letzteren ist besonders charakteristisch. „Von der Acndcmng, erklärte ihr Sprecher, werden vorwiegend städtische unproduktive Elemente, das jüdische Zwischcnh.iiidlcrtum und die sogenannte russische Intelligenz Nutzen ziehen. Meide sind vom ökonomischen und |>ohlisclieu Standpunkt für Lettland schädlich. Sic vergrößern den russischen Kullnrcinfluß, von dem sieh das lettische Volk eben erst mit Miihe freigemacht hat. Und d a ß die Juden die russische Kultur verbreiten, erhellt daraus, daß sie in den russischen Schulen MIder Lernenden ausmachen." Die jüdischen Scjinabgeordncten boten ihren ganzen Einfluß nuf, die Argumente ihrer Gegner zu widerlegen. Die Stnntsangchörlgkcitsfragc. führte Sejmabgeordneter Rabbiner Nu rock aus. ist keine jüdische uirl berührt ebenso Deutsche wie Russen. Eine Gefahr der Russifizicrung ist nicht vorhanden. Gebt den Minderheiten Autonomie, und die Juden werden das Russische mit dem Hebräischen vertauschen. Schließlich verwies Nurock darauf, daß Lettlands Ansehen auch nach außen geschädigt werde. Letzten Endes werde sich mit den Heimatlosen jene Instanz zu befassen haben, der die Regelung Internationaler Beziehungen obliegt. Pie ganze Behandlung der Frage stand Im Zeichen der bevorstehenden Scjinwahten, für die man aus dem Staatsniigchnngkrltsgcsctz Kapital schlagen will. Der neue Sejm, der im Herbst zusammentritt, dürfte vielleicht Gelegenheit nehmen, sich mit der Frage wiederum zu beschäftigen. K * Am 16. April.wurde in Riga der Kongreß des Leu- ■.indischen Lchrcrvcrbandcs eröffnet, der sicli am nächsten Tage auch mit der Autonomiefrage beschäftigte,. Den Bericht erstattete ein linkssozialistischcr Abgeordneter, der etwa folgendes ausführte: Die bisherigen Schulgesetze der Minderheiten Enthalten Unklarheiten und Mängel und sind infolgedessen verbesserungsbedürftig. Her zweite Teil der Verfassung, in welchem die kulturellen Rechte der Minderheilen verankert waren, gelangte nicht zur Annahme. Das Heisniel Estland»), das seinen Minderheiten Autonomie gewahrt hat, legt nahe, sieh mit der Frage der Autonomie der Minderheiten Lettlands zu beschäftigen. In der bürgerlirlteii Presse wird die Autonoinlcnngclcgenheit in einem allzu überhitzten Tone behandelt. Das Gesetz soll jetzt nur die tatsächliche Lage bestätigen, wie sie sich allmählich fitrechte, und den Mut und die Treue habe, diese Oesinnung «r Tat zu treiben." Und an anderer Stelle: „Ich bin anders '* ««lere Menschen. Wenn Ich mir was zu Herzen nehme, * mir die Eingeweide entzwei." Louloa Albert-Lazard Bei Flcchthcim stellt gegenwärtig eine jüdische Malerin |J,: Loulou Albert-Lazard, wie es der Name sagt, ist fran- ^Khtt Abstammung und in den ausgestellten Bildern, M^rtllcn sowohl wie Ocl, gibt »ich keine jüdische Eigcn- *•"»«. kund, aber auch keine persönliche Handschrift — jf1 d« Oroßc, das mitreißt und überzeugt, selbst wenn es ^h nicht gleichmäßig ist und nur ein kleiner Funke. ( "ie Bilder von Loulou Lazard fußen auf alter Ma». jwr _ der Malkultur Frankreichs und sympathisch ist :c Ehrlichkeit, mi* der die Malerin von »ich aus das ™ßcm betrachtet und anfaßt. Deshalb hat sie brav gcy".!c Einzcllcisrungcn, die sie in der Vereinfachung der ,,°'c'1 und einem guten Einfühlen in die besonderen wunde der Atmosphäre, namentlich in ihren letzten Bildern 1 B. „Sicna bei Mondschein", zu einer schönen Freiheit »j. "* — •MViiuovil^ili t &u 1.1 UV.« «VIIUIIVII ■ IVIIIVH Jn Anfangs geführt haben. Nur ist dieses neu Anfangen '"•CT m triili:..:.*! .1.(1 #_ tiht: »ind bei ihr nirgend» Angriffspunkte zu selten ' — »o kultiviert, daß es »ofort Stufe wird — vielleicht liiir;!c ~ dcnn arc,,"ck'cini»ch, wie in der Oildcrkompo- * * nur keine neuen. *ink i ihrc Aquarelle sagen nichts Gegenteiliges. Straßen- (u'(; «»«1 Pütze In zerteiltem Licht, die vielen sonnenlosen f)tbil Überwiegend grauem Ton; Hitze, lastend ohne ^4 faufzura"sclTcii; schon die Wahl dieser ruhigeren »Jen cn' nur manchmal durch da» räumliche Problem mdtl- - all das weist auf da» Fehlen des großen Angriffs, i, »ichlichlteit als Angriff wird erst später betont zum fischen Mittel. in, ,08Uch, daß das nicht to bleibt und vielleicht ist es '««dn l Frage der augenblicklichen Körperkrift; denn ihrc U 7«*1udlcn verraten Energie. Die Frau in den „Musi- W*' i*t erlebt und gestaltet und die Szene „In «1er ^nkneipe" (gleichfalls Oclblld) interessiert durch moderutfühL Die 1923 bei Kiepenheuer erschienene Mappe „Montmartre" weist gut gezeichnete Typen und nuancenreiche Stimmungszeichnung auf. In der Linie der Gestalten ist sie aueli entschieden stärker als in der Landschaft. Ihre Köpfe (Litho) der' „Maler Dcrain" umf „Chagall" bezeugen die Fähigkeit des Einfühlen». \ Im Oanzcn aber rufen diese Arbeiten nicht auf weden zu starker Zustimmung noch zu starkem Widerspruch. Ihr letzter Erfolg in der Bemühung tun die Landschaft führt Jedenfalls zu gut und klar gemalten Bildern. Wenn man von dem ungelösten Rest der großen Kunst absieht, eine Stufe, 7die innerhalb ihrer Grenzen auch etwas gilt. Ruth Morold. DUctierscIiau Felix Fcchcnbach, Im Hause der Freudlosen. Bilder aus dem Zuchthaus. Berlin 1925, J. H. W. Dictz. Nacht. - Preis 3,30 M. Man hat den Fall Fcchcnbach oft mit dem Fall Drcyf tu verglichen. Hier wie dort ein grausames Fehlurteil, diktiert von politischer Gehässigkeit, Mißachtung des Rechtes tun politischer Interessen willen. Ein Jude muß als „llochverrälcr" der Masse als Onlcr zugeworfen werden, damit die Reaktion ihrc Macht befestigt. Drcyfns hat seine Rehabilitierung erlebt -■ Fcchcnbach wurde „bcgnaUigt", das Urteil gegen ihn besteht jedoch bW heule ... In dem Buche „Im Hause der Freudlosen" schildert der unschuldig Verurteilte seinen mehr als zweijährigen Aufenthalt im Zuchthaus. Das Buch ist eine Anklage, nicht nur gegen die Verfolger Pechenbadis selbst, sondern gegen ein System, dem an Umnennchlichkeit wonig an die Seite zu stellen Ist, Wie Menschen Rrausam und olt überflüssig gequält werden, wie jede personelle Regung erstickt, wie die Bewohner des Hauses entnervt und isoliert werden, wird hier, eindringlich geschildert, . mit der Plastik des eigenen Erlebnisses. Niemand kann glauben, daß Menschen dadurch gebessert werden. Mau braucht nicht den Streit der Fwnaltncorctlkcr über den Strafzweck hier aufzunehmen (eine äußerst Interessante Studie über „Strafrechtstheori c und Praxi»", an der Hand der genau wirdergegeheucn L"r ahruugcn der ..Strafrechtstheorlcn-Iitsrl" Ncukalcdoiiic», veröffentlicht Robert Hein dl In dem soeben erschienenen Inhaltsreichen „Jihrbuch der Charakterologie", herausgegeben von Emil Utitz Im Pan. Verlag Rolf# Heise, Charlottenburg; sie ist in gewisser Hinsicht ein Gegenstück zu Fcchcnbachs Buch); aber daß es Menschen gibt, die einer Umkehr fähig und daher anderer Behandlung würdig sind, beweist Fccbcnbaclus Erlebnis mit einem der „Lebenslangen", der schon 18 Jahre „sitzt". Vielleicht läßt sich bei Gewohnheitsverbrechern manches rechtfertigen; aber man bedenke, daß heute tausende politischer Gefangener, die wohl zum Teil aus edlen Motiven handelten, in der Hölle «lieser Freudlosen-!laiiscr schmachten . . .1 — Es sei ikkIi erwähnt, daß Fcchcnhach den menschenfreundlichen Beistand des nürnberger Rabbiners an einer Stelle dankend erwähnt. —t. Alfons Goldschmidt, Mexiko. Mit Bildern von Diego Rivcra. Berlin 1025, Ernst Rowohlt Verlag. (J.RO M.) Mexiko ist nicht nur als eines der an Erd^chätzcn reichsten Länder der Erde interessant, sondern auch als eines der beiden Länder, in welchem in unseren Tagen eine wirkliche soziale Revolution vor sich gebt. Es ist das wenig beachtete westliche Gegenstück zu Sowejtrußland. Prof. Goldschmidt hat das Land und seine Einrichtungen studiert und schildert es mit leidenschaftlicher Liebe und mit großer Darstcllungskrnft. Märchenhafte Schönheit des Landes, Eigenart fremder Rassen. Kultur und Verfassung, ein ganz fremdartige? Land wird uns hier aufgeschlossen. Das Buch hat für Zionisten »ehr viel Reiz. —o— Im Verlag „Dwir" in Tcl-Awiw erschien soeben der zweite Band der großen Ausgabe von Schlomo ihn Gnblrols Gedichten, herausgegeben von Bialik und Kawuizki. Der Band enthält die religiösen Dichtungen. Die gesammelten Werke von Robert Louis Stevenson, des in Deutschland bisher fast unbekannten, besten englischen Erzählers und Stilisten, dem Klassiker des Abenteucrcr-Roman«, erscheinen in einer vorzüglichen, schon gedruckten und ausgestatteten Ausgabe, die von Marg. und Curt Thcshig besorgt wird, Im Verlage von Buchenau Bt Reichert, München-Berlin, 7 Bände (pro Band 3,50 M.). Die Max Liebermann» Mappe des Kunstwart, verständnisvoll eingeleitet von Wolfgang Schumann (0. D. W. Callwcy, Verlag. München), erschien soeben in neuer Auflage, nachdem sie lange vergriffen war. Sie enthält 22 F-Inzclblätter der wichtigsten Werke Llebcrmann», neben Illustrationen Im Texttcll. (Preis 12 M.)