Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 34 (1.5.1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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I I Seite 312 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 34 Brief aus Palästina (Von unserem palästinensischen Korrespondenten^ A.n. Je rüttle m.den 31. April 102 j, Natioualfondaarbelt — Jamtnltcn Siedlungen - Polnische Chaauldlm im Ettiek, — Van selten der Palii>tlna«E*ckullve aus iai erst Mir/lieh wieder darauf hingewiesen worden, <JaO die Gerüchte Ober Bodenspekulation stark Ubertrieben seien, und daß vor allen« bisher kaum Material darüber erbracht sei, daß die Konirollo über die privaten und lulborlvatcn Uodcnkauuyjcscllschaftcn nicht ausreiche. Erst wenn diese Qcrflchio In den ElnzcU licltcn mit Tatsachen belegt würden, sei es möglich, zu den entsprechenden Maßregeln zu greifen. Diese Meinung, die kützlich wieder und nicht zum ersten Mate von solch berufener Seile wie Runpln geäußert wurde, Ist sicher geeignet, die Oclsttr weitgehend tu beruhigen, jedenfalls — das betont auch Kuppin — soweit es sich tun Kindlichen und nicht um städtischen Uodcn handelt. Line Tatsache wird Jedoch von keiner Seite geleugnet, sondern im Gegenteil sowohl von offiziellen wie von unoffitlellcu Stellen gleichmäßig betont, namllcll daß die Bedeutung des Natloiialfonds durch die wachsende Anzahl der PrlvalkSufc verringert worden Ist und er im Begriffe steht, Immer mehr in den Hintergrund gcdr&tlgt m werden. Man betrachte einmal die Karte Palästinas, die .der Nationalfonds am 1. Januar 1025 herausgegeben hati Auf den ersten Wiek driingt sich das Mißverhältnis zwischen den liodenmassen des Areals, das Im Privatbesitz, und dem, das Im nationalen Besitz, ist, auf. freilich ist das Verhältnis für den National* fondx nie sehr günstig; gewesen. Schon mit den riesigem Llndcrcleu der lea hat er sich nie messen können. Ucbrlgcns haben dir grollen - ungewohnt und ungeahnt großen — Er- Werbungen Im Emck Jcsrcel, die IH die letzten Jahre fielen, die Proportion wesentlich verbessert. (Nebenbei bemerkt zeigt der Blick nlil die Karte außerdem, daß unser Besitz auch heute noch nur kleine Inseln von Palilsthla umfaßt. Wenn' heute Stimmen laut werden, daß wir der! größten Teil de» Hodens, der uns erreichbar ist, bereits In Händen haben, i.o ist das /um Teil nicht richtig, zum Teil besagt es nur, daß ein Teil der Böden uns schwerer zugänglich sein wird als bisher.) Gerade die großen Blocks nationaler Ocländo wie Nuris, Nahalal, Jadjur usw. sind erst in letzter oder allerletzter Zeit in den Besitz des Nationalfonds gekommen. Auch in Zukunft ist, Absolut gesehen, keine Abnahme In den groOcn nationalen Käufer zu erwarten. Die einnahmen des Nationalfonds zeigen eher eine Tendenz zum Steigen als zum Sinken und man könnte auf diese Weise mit den bisherigen Er« folgen nicht unzufrieden nein. Das alles Ist Jedoch nur richtig, wenn man die Zahlen der Hingänge und der erworbenen Dunam in Betracht nimmt. Betrachtet man die Lage jedoch relativ, dos heißt Unter dem Gesichtspunkt, wieviel Kapitalien in der letzten Zeit von privater Seite im Bodenkauf investiert worden sind und Immer mehr* Investiert werden, so muß man sieh sagen, da» dln Proportion Von luillnnali'in und privatem Modciibvslt« Im Begriff« Ist, sich zuungunsten des Nationalfonds. zu verschlechtern, weitn nicht eine ganz unerwartete Steigerung seiner Einnahmen eintritt, was dringend zu wünschen Ist, oder wenn nicht die privaten Bodcnkäufo abnehmen, Was wir nicht hoffen wollen, weil wir, abgesehen von allen Bedenken, daran Interessiert sind, daß der Boden in Palästina In jüdische Hände übergeht. Der Nationalfonds hat sich In der letzten Zelt nach einem klaren und ausgesprochenen Programm ganz auf ländlichen Hodenkauf konzentriert. Ulue Bodcnrtscrve zu An sied- Inn gs zwecken erschien für eine Politik auf lange Sicht als die dringendste Aufgabe. Den städtischen Boden überließ man fürs erste der freien Konkurrenz. Die Tendenz der Boden, küufc ging In zwei Nichtungent Schaffung iiiK.nnmcnh.ingciuler gmßcr Ueländeblocks und Arromlicrimg bestehender Sied» hingen. Die großen Kiiufc konzcnlricrtcn sich in erster Reihe auf die Ebene Jcsrcel, wo vor etwa vier Jahren die ersten großen Erwerbungen von Nuris und Nahalal die Grundlage fOf die Besiedlung des bisher unerschlosscncii Emck schufen. Die Tendenz geht dahin, diese beiden genannten großen Blocks zu vereinigen. Dazu kommen große Käufe in der Nahe von Jadjur, auf die wir Im Zusammenhang mit der Neuanslcdlung der polnischen Chassldim noch zu sprechen kommen und eine Hclhe von Erwerbungen zerstreuter Gelände In Samarla und ludäa, die jede für »Ich eine wichtige loknle Bedeutung haben. Allen In allein sind von den lODIKH) Dunum, die »hfl der Kercu Knjeineth In dienern Jahre als Ziel gestockt hat, ein großer Teil bereit* angekauft worden. Sicher int, besonders nach dem, was wir am Anfang crwfthut haben, daß wir im nächsten Jahre mit lODIXX) Dunniit nflllonnlcii Bodens uns nicht nähr werden zufrieden "geben kfiniicn, obwohl min diese Leistung der 100 ODO Diitmm ilncli Oobllhr schützen und durchaus nicht als t;clhMverständlich hinnehmen soll. Sic bedeuten (Inen großen Schritt vorw/lrls, Jedoch entsprechen sie bisher noch nicht der Entwicklung der Einwanderung. + Uic Erwerbungen des letzten Jahres« enthalten unter anderem Böden für zwei J c m e u 11 e u r led I u u g e n In Judiin neben doli großen bestehenden Kolonien, Diese K/Iufc, von denen das grolle Publikum nur so ganz nebenbei crf'ihrt, haben eine besondere Bedeutung. Die Frage der Jemeniten ist Oberhaupt im Bewußtsein des durchschnittlichen Palästinensers oder gar. des Zlonlstcu noch kaum aufgetaucht. Man nimmt die? Erscheinung dieser aus Arabien eingewanderten, wenig zivilisierten, Arabisch und I fcbrüisch sprechenden Juden Im Laude als etwas Ocgcbcnes hin, ohne daß mau Ihrer Eigen, art, Ihren speziellen Bedürfnissen und Nöten chic besondere Aufmerksamkeit zuwendete. Das gilt für alle Kreise, sowohl für die Arbeiter. Und doch besteht »'Ine Jcmeiilteufragc In für die Städter wie für die Bauern, für die Mittelklasse wie allen Hinsichten. Der JclUenite gehört zum Teil In das unübersehbare Qowlmmcl jüdischer Einwanderer aus Pcrsicii, Mesopotamien usw., das in besonderen Vierteln Jerusalems und Jaffas, neben den großen Kolonien zusammen lebt und zum Teil unter den drückendsten wirtschaftlichen und so/inlcn Verhältnissen ein kümmerliches Leben fristet. Diese Kreise, mit denen mnn im Grunde noch wenig vertraut Ist, «teilen eigentlich recht das jüdische Proletariat im Lande dar. (Der Arbeiter, vor allem der landwirtschaftliche, zeigt In schien geistigen Tendenzen — nicht etwa in seinem Lebensstandard! — eher Aiisiit/e zu einem besonderen neuartigen Slcillcrlypus.) Die ungewöhnliche Bedürfnislosigkeit des Jemeniten, die teil* weise daher rührt, daß er nur ein kümmerliches Leben kennt und teilweise daher, duß Ihm sein Verdienst nicht mehr ein. bringt, als. er für das allcrnolwciidigstc braucht, haben .dazu geführt, daß er sich in den Stödten auf die niedersten Ar« beiten, wie Wasser- und Laslcnsclilcppcu, Scliuhpul/cn und ähnliches, beschränkt. Wir besitzen ein paar landwirtschaftliche Jcmenitcnsicdlungcn und besondere Viertel in den Städten. Unsere ohnedies beschränkten Mittel gestatten uns nicht, die Ansicdluiig und damit die wirtschaftliche Verwurzelung dieser Schichten in großem Maßstäbe durchzuführen. Nach langen Mähen ist es jetzt gelungen, bei Pctach-Tikwah * und hef, Rcchowoth Boden für Jcmcnitcnkolonlcn z\t erwerben, die bereits seit langem projektiert sind. * Diu nriii* ninwiinderuiig lud um neun Typen der Iinnil- «ratio» kennen gelehrt. Der Jlschuw zeigt heute ein anderes Bild, als wir es vor ~tht'oder iwcl Jahren kannten. Der National fonds hat In diesem Jahre begonnen, den neuen Kotonlslenlypen Rechnung zu tragen. Einer der Interessantesten neuen Versuche Ist die Ansicdluiig polnischer Chassldim Im Emck Jcsrcel. Unter den polnischen Chassldim hat die Pa. Hsttnabcwcgung In letzter Zelt starke Wirkungen ausgrübt und schließlich dazu geführt, daß sich Chassldim au* der Warschauer und Nadomer tiefend In besonderen Oesellnchaflcn /ii£ninmru«rhlnt<<cu, mit dem ausgesprochenen Ziele, nach Palästina zu übersiedeln und den Boden des Landes mit eigenen Händen zu bebauen. Die beiden Gesellschaften — Awodnth Jlsrarl und Nnchlath Jrtnknw genannt — umfassen gegen '.'Kl Mitglieder, von denen etwa 75°,'« eigene Mittet in genügendem Maße besitzen, um Boden zu kaufen und einen landwirtschaftlichen Betrieb einzurichten. Der Rest besitzt Kapital genug, um Wohnung und Inventar zu bestreiten, ist jedoch nicht imstande, selbst Boden zu erwerben, Die Gesellschaften haben selbst 17 ODO Dunam Lnnd In der Nahe von Jadjur erworben. Dazu hat der Natlonalfomls |u derselben Gegend zwei Blocks von 5000 und 1000 Dunam für dlo An- Ra>m. Siedlung der Chassldim gekauft, so daß Ihnen im 36000 Dunam zur Verfügung stellen, Diese Käufe de» Natlonalfomls sind auf eine In der p, de« Fonds bisher ungckaiintc Weise zustande gcko,,,.!' Diu Erwerbung so großer lludciillachcn bedenkt (ür V Natloualfonds finanziell eine schwere Aufgabe. Die sicl« haben dem Natiotulfonda auf die je hundert Dunam, öic' zur Bearbeitung bckpiiimcn, je hundert vorgestreckt, J nach iwei Jahren zurückerhalten. La ist das dus er,(ail, daß der Nationalfonds Anleihen von privater Seite atafstii-n *' und so gewissermaßen mit Privatgesellschaften kooperiert Diese Arbeitsform Ist ein Versuch, den das Direktorium um,, nominell hat, will dadurch eine größere Bewegungsfreiheit,. den Kiiufen gegeben Ist. Von besonderer Wichtigkeit und von besonderem Inicrcs Ist der neue Kolonlstcntypus, der auf diesem Areal die Arbt aufnehmen wird. Die polnischen Chassldim, die jetzt ,i„ ,,, Chaussee Haifa—Afulc mit Hilfe ihrer Trauen und Kimler ili Baracken bauen, erscheinen auf den ersten Blick i0 v,. schieden von den übrigen Siedlern des Emck, daß man dl diese ungleichen Nachbarn erstaunt den Kopf schütteln iIr Ungefähr Va der Chassldim sind in Irgend einer U'.,. landwirtschaftlich vorgebildet. Ein Teil war in Polen I'.,a,. ein Teil hatte im Kriege unter dem Drucke der Not i6 Landwirtschaft gegriffen und der eine und der andere \t steht ein wenig von Geflügelzucht, (<eimis.cb.iu ikw, |n ,;. vielköpfigen Familien sind gegen fünf bis sechs Arbeitslust! So taucht In unserer Koloitisationsgcschlchtc ein neuer T)f auf, der weder dein Bauer aus den allen Kolonien, noch <1< Chaluz entspricht. Die beiden Gesellschaften beabsichtig nn der Eigenart festzuhalten. Daß diese Art des neuen t: Wanderers des Hebräischen mächtig Ist, braucht nicht beto zu werden, Vielleicht wird dieser neue Typus zu eint wichtigen Paktor In unserer Entwicklung werden. Wenn mau die Arbeit des N.-P. in der letzten I'crio! überblickt, muß man anerkennen, daß alles geleistet woruY Ist, was unter den gegebenen Umstanden möglich war. Üben klar ist jedoch, daß trotz dieser Erfolge die Fraport zwischen nationalem und privatem Boden, worüber wir c gangn gesprochen haben, Im Begriffe steht, Och zu v schlechtem. Deshalb wird der N.-F. seine Aufgabe in e" nächsten Zelt nur erfüllen können, wenn Ihm die Dcwcgur ein weit größeres Interesse entgegenbringt als bisher. Abscbledstelcr zo Ebrea Clayloas Anläßlich der Abreise Sir Gilbert Clav ton». „. PaUstlna, der von seinem Posten als erster SekrcUr d< palästinensischen Regierung zurücktritt, veranstaltete 0: Mcnorah-Klub, der aus ehemaligen Mitgliedern der jüdisch- Legion zusammengesetzt ist, einen Abschiedsabend zu nein; Ehren. In seiner Begrüßungsansprache führte der Vorsitzern!; Coloncl Kisch, ous, daß Sir Ollhert Clayton vor zvu Jahren an der Orüitdtmgsfrler des Klubi teilgenommen im, Ihm dauernd ein regen lutervbse unlgegeiigebMiht ti.it. I; Mitglieder des Mcnoroh-Klubs fühlten sich Sir Gilbert Uaylo kameradschaftlich verbunden; sie wüßten, welche Milhc M Gilbert sich gegeben hätte, um dem Lande die gute En Wicklung zu geben, deren es sich erfreue. Colone! KM schloß mit der Versicherung, daß Sir Gilbert Immer auf d Mitarbeit des jüdischen Volkes zählen könne, „sollte ih: die Zukunft so oder so wieder In Vcrbludun mit Palastina bringen". In seiner Antwort führte Sir Ollbert Clayton aus, d. er sich Immer bemüht habe, allen Bevölkern ngsclr menten die gleichen Chancen zu geben. C wäre gewiß, daß die Juden, wenn ihnen gleiche Chancen g( boten werden, sich sehr schnell durchscl/cn würden, i» das sei das höchttc Kompliment, das mau Ihnen zollen i<">m Seit 1917 halten die Juden beträchtliche Fortschritte Im L.i»I gemacht und würden zweifellos In den nächsten 6—7 Jährt weiter gut vorwärts schreiten, wenn sie zielbewußt ihre Weg verfolgten. B c n Z w I, der für die ehemaligen Lcgioiui sprach, wies darauf hin, daß den Angehörigen des jüdin-lit Bataillons Immer noch kehl Land zur Ansicdluiig zur Vtt fügung gestellt worden eci. M. I III» ..'l"!LH ■HIH.'-.I.IIW.lWU'Uü'l'l ' liiliiMM i mi. j l lim i 1 •" Sf dtül»! j;>l..ß?, \ ■ ,ci»e, : iijeh; rJ'"*l Su«n , ,| K'rcis < us-r ', Juden, 1 .Ic'i ."' :,' juch i -i1 Z»n ■ IC ,il l't« I Itnn i A!"-' ',' bitte' . Zehn, Ustir i; ulC . ['alle jmei^5-! fJ, ,hc 1 i\ <.<e 'i. die ' \V :«•, und ,(''.' ,<(Kh, r''_■■»'' Jene etwa Jic <1 in 11 Veit Und , \V( W"C(! «tp., N'tie1. Ilerg , pcm., Mvti U'vlt riichl! fcesc in S neue kam] r,;'i ums '; « '\ nichw .| .»•>■ Kan; ,< ■ * ■ zugi' <{ . "*i : " 1 hihi f A •t [l N.iti,' u r- ',»:'. die (u; " V der •( n «; v Mine, m, ' i Zion f t Unix wah \ der '^y svml r'< | | | rrir. urk;r \, Vi- Zicn ' ilill ( ] \ wies , 1 vo" :, i; sowi i,. :'•>' dem . i.| Prot ii n.ilu \'' «oz i\_ Resj i' ii" 1* i t' *' \ *' Oen' V •Ol 1): zur 1 * i i t wie; i i Irißf 1;t j : \[-ü aus. . ■t '''si: ] A(fu, ' /" Kha » , nicht % .'A. nnch Konrad »acniscli Uber Lassallc als Juden Der vcrslorbcnfi Konrad Haenlsdh, der schon rühcr als lllogrnph Lassnlles hervorgetreten ist (ein lassailc-Buch von ihm erschien 1923 im Verlag Franz Schneider, Berlin), hat soeben, kurz vor seinem Tode, eine Auswahl aus Lassalles Schriften unter dem Titel „Ferdinand l assallc, der Mensch und Politiker In Sclhstzcugulsscn", im Verlag von Alfred Krün er, Lelnzig, herausgegeben. Hacmsch anerkennt Lossalles Judentum als eine entscheidende Komponente seines Wesens. Es Ist interessant, wie dieser Sozialdemokrat, Sproß eines kouscrvatlvprcußlschcn Ocschlechtcs, sich von einseitigem Materialismus fernhält und die Macht der geheimnisvollen Wirkung jahrtauscnde-altcn Blutes zu verstehen sucht. Iii der Einleitung, die Haenlsch zu dem hier erwShnlen Buche der Krönerschcn Taschenausgabe (Preis 2 M.) geschrieben hat. kommt diese Auffassung zu klarem Ausdruck. Wir glauben da« An« denken Ilacnischs, der stets über Juden und Judentum \ gerecht dachte, und zugleich das Andenken Lassallcs zu ctucn, wenn wir lücr dt« Anfang der Einleitung wiedergeben, Es sei noch erwähnt, daß die Auswahl selbst auch die charakteristischesten Acußerungcn von Lassallc zur Judenfragc enthalt. Red. „J. R." „Ich habe In Lnssalk den Typus des bedeutenden Menschen unserer Zukunft erblickt, welche Ich die germanischjüdische nennen möchte." Dieses seltsame Wort Richard wagncri — doppelt sclUain gerade hl diesem Munde — gibt nicht nur einen weiten Dllck in allgemeine Zusammenhinge, ei Ist mich ein Schlüssel, der uns das Verständnis olfnet für die eigenartige Persönlichkeit, die auf diesen Blättern durch sich selbst lebendig werden soll.' Wagner schrieb jene Worte, ohne zu ahnen, daß ein paar Jahrzehnte vorher der knapp zwanzigjährige Lassallc selbst einmal, in einem »riefe an die Schweslcr, von der Mischung Jüdischen Blutes und germanischen Geiste« gesprochen hatte, dlo In Ihm Oestalt gewonnen. In einer Wendung, die Im Oewande leichter Sclbstverspottung sehr ernst gemeint Ist: „Es war am 11. April, ku« nach der eingetretenen Frühlingswende, als wiederum von Jüdischen Eltern der neue Oclst geboren wurde. Die wieg« seines Aufgangs war wie von je der Oston, diesmal «ber war es der Osten im Lande des Oeistei selbst, der Osten Oermanlens, welcher der. Ausgangspunkt und die Qebiirtsstiillü sein sollte de* neuen In sieh versöhnten Geistes." — Lassallc ist der klassische Gegenbeweis gegen die Oberfliiehlichkeit jener Theorie, die nur Rasse und nichts als Rasse kennt, die mit dem Rassebegriff alle Fragen zwischen Himmel und Erde lösen zu können glaubt. Ltissollc ist zugleich aber auch der nicht minder klassische Ocgcnbewcls gegen die kaum geringere Oberflächlichkeit derer, die den Begriff der Rasse und ihre Bedeutung des einzelnen Menschen überhaupt leugnen. Es ist nicht wahr, daß Rasse alles ist. Aber ebenso unwahr ist es, daß die Rasse nicht') bedeutet. Vieles wirkt zusammen, um eine Persönlichkeit zu bilden: Das Blut und all das Dunkle und Unbewußte, das mit Ihm sich forterbt durch die Jahrhunderte; Ucbcrlicfcrung, sei es der Familie, sei es des Stammes; Eindrücke des Elternhauses und der Jugendzeit, Nicht weniger ober auch alles das, was nicht Stainmcsgeschichte, sondern Geschichte der Nalloil Ist. Der Nation, in der viele Stamme, viele Rasscii zu einem neuen Geiste zusammenfließen, das mehr Ist, als mir die Summe seiner Teile. Was dieser Oesamtnatloit gemeinsamer Besitz geworden Ist an Acußurcm und Innerem, nn Boden und Klima, nn Sage und Mürehen, nu Uobcrllefemiiir und Ge. r.clilchte, nu Musik und Blldkuust, an niis gleicher Spruche erwachsener Dichtung "nd Wcltwclshclti auch dus alles sind Elemente, die mau von dem Komplex der Persönlichkeit so wenig trennen kann, wie das Element der Rasse. Welches waren die Elemente, die — soweit mau in das geheimnisvolle Wehen der Persönlichkeitsbildung überhaupt hineinsehen kann -* den Komplex Lassalle gebildet haben? Zunächst sein Judciihun. Es war die» nicht da» vor einem Jahrhundert schon hoch kultivierte Judentum des deutschen Westens, dem ein Börne, ein Heine, «In Marx entstammt sind, jenes Judentum der RhelnUndc, dem Bonaparte all Testamentsvollstrecker der großen Revolution wenn nicht die ganze Freiheit. gebracht, so doch dlo Fesseln der nllcii lialrclhcli entscheidend gelockert hatte. Dieses westliche Judentum, dem des deutschen Ostens an Kultur des Seins und der Sttten auch heule noch weit voraus, hatte schon damals vollen Anteil am geistigen Leben der Ocsamiitatloii und war nicht nur, solidem fühlte «ich auch gelöst aus der Enge .des Ghettos. Oatu ändert das Judentum des prcuOlichcn Ostern, zumal Obcrschtcslena, aus dessen nicht zu erschöpfenden Jüdischen Volksrclchtum die Familie Lassallc (ursprünglM Wolfsohn, dann Losluuur, dann Lassalle) nach Breslau i: kommen Ist. Hier standen die Juden noch unter Ausnahmt recht und unter Ausnahinebchondlung. Starker als im deutschen Westen wirkte hier das Gefühl seelischen Verbunden Kein», Inniger Schlcksalsgcineiiischuft mit jenen Stamuicdmidct noch weiter östlich, die gerade In Lassalles Jugcmlt.i„\ii <- Opfer grauenvollster Verfolgungen waren. Das Tagebuch dr Fünfzehnjährigen — Lassallc war am II. April \^2"> Breslau geboren — ist voll von leidenschaftlichen Anklage: gegen die Verfolger und von kindlichen Schwüren zukünftig Rache, als deren Vollstrecker der Knabe selbst sich Uim"' Im Text dieser Aufgabe findet der Leser kennzeichnende Proben solcher Stimmung. Der mißachtete getretene Jude, den /uulclch keinen Augf blick das Bewußtsein verlaßt, einem aiiscrwählten Volke r* zugehören, der in diesem Volke wiederum vor allem sW nuscrwBhlt luhlt, und der entschlossen Ist, sieh Wirkiw: und Anerkennung zu erzwingen — zu erzwingen um jedes Preis: das ist der Junge Lnssallc. Starke Im Ertragen dfi Schwersten, rüheste Kraft de* Willens, dio nicht ablaßt \o" einmal gestecktem Ziel, Fähigkeit der Seele, ganz sich _ hinzugehen, gonz sich zu opfern einer Sache, heiße Leidenschaftlichkeit und schlicfllich, aber nicht zuletzt, da«, wi« man bei kleineren Menschen Ehrgeiz, iieiineu mag: so kan» man die Eigenschaften Umreißen, die Blut und erste K<n>lhcltscludrückc Lassallc mitgegeben haben. „Vom Kopl W« zur Zehe bin Ich nichts als Wille" sagt von sich schon der Zwanzigjährige, und das gleiche meint der Mann, wenn «f. viel später einmal schreibt: „Es ist eine Art Notwcudick"1 in meiner Puraönüchkcit, nie etwas unvollendet zu lasse«1, was Ich jemals angefangen habe/' Wenn solche Worte LassaM Willensstärke kennzeichnen, auf die das abgebrauchte Bcj" wort eisern mit Recht angewandt werden darf, so charakterisiert er Jene andere, mit dieser Willenskraft In innig*«'' Wechselwirkung, »teilende Seite seines Wesens, die Fähigkeit zur vollen Hingabc an eine Sache, selbst einmal »ehr sein«1 mit den Wertem „Nicht meine Schult), sondern höchstens mem Verdienst, wenn nurlt zugleich meine Dornenkrone, »*t e*> daß Ich «mpllnglicii bin für die Idee und für das in *"» kulti «lic ,- Prot malt, '' 1-inic "ms , ule neue;; *icd' -. "Icit/.. sitioi '»icht, : *ink ( : Hilde ■■ U,h\\ '■ c'eg< vlcrt ' 5,c < *üns ' : i J Hir AllMj ^ntt , MatrA ncs W •'4!.,.. •>3 * *