Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1925-05-01 · Heft 34 (1.5.1925) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 34 (1.5.1925)
Date
1925-05-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2651273-2652691-2652723--17356-3518215
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Einzelnummer 0,35 Ooldmark py?™n^(^^T3 vL^alliSö lix^UJ i\jiJ^co)vy7aj 'hob u°d Vm,*Ä W I5» Melnckeilroß« 10. Erscheint nitniUÄ und FrtlUg. BemijipreU bei der EspediUon * T|eh 135 Coldmwk. VitrUUährllch 5.25 Goldnurk.!^ tW§„.e,li wardri b dar *ton»«| d«/ liutlsti Uodw bwtckwt Turner 34J^J Borün, t. V. 1925 , .Anzeigen-Verwaltung ' JüdlschoRundtch.uG.tn.b.IL, DerllnWl5.Melntktitr.10 Telephoni Amt Bismarck 7165-70. A^«i(**pr*lMSc«ipilLNaspar«W«MU«(X«0C^KSttUti|<MdM0J0a-M. Aai*l(«u<fcl*ai Dl.a.f t nJ fr»H»< »«ctnIH»« 4 Uhr. Telephon! Binmuk 7165-70. Posttchcckkontoi Dcrlln Nr. 17392. Pflr O..Urr.lthi Pntlintilnitrniml Wl»n. Krnilo Nr. I5A0V). Kar Tirhnlioilow«V«h I'nilip.r W«"rniml Vitt. Konto Nr. V) «in. I ür Psliai l'oiliptrliuKiiUBl W»„(l,.u. Keule Hr. WM Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nithnilUifr n"Din T | XXX. Jahrg. frutn~~_Li_L^-_c____« T„iiiimiu «ratrabt IQr dmt fUdUcha Volk dl* Schalluna «Inar aifariUlc*) ■ rechtlich goaltharton Halmatatta In Palttitlna. „Oaielor Programm.« PftlSsfimemdscher Ecpräsentanienrat Leistung a'cnicf T*SC n'icn dcm glanzvollen Empfange Lord f5 ünd nach den Eröffnungsfeierlichkeiten auf dem <bcrgc trafen in Palästina auf ihrer lnspcktions- , durch den vorderen Orient der Minister für die Ucii Kolonien Amcry und der Minister für Luft- «c-cii Hoarc ein. Während seines Aufenthaltes «andatslandc Palästina hatte Amcry Gelegenheit, /Fortschritt des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina lallen und sich am Ort über alle das Land beiden Fraßen zu informieren. Amcry empfing der lt n.ich Vertreter der arabischen und jüdischen Bcunins. er hielt Besprechungen mit den verantworte '£a Verwaltungsbehörden ab und hatte zahlreiche, "tiffdiingen mit den Vcrtrclcm der verschiedensten „neu, die il"" »,irc Sonder.vünschc vortrügen. Amcrys y,»$tc Erklärungen über die Lage im Lande sind in ^Antwort enthalten, die er den arabischen Vertretern ijhrc bekannten und oft wiederholten Einwände und fuürle gegeben hat. Noch einmal bestätigte der der- \,t britische Kolonialministcr die bereits traditionelle Sjssuiir Englands hinsichtlich der dem britischen V obü-tenden Aufgaben und der von ihm über- Mienen Verpflichtungen in Palästina. Diese Stellung- -c des derzeitigen obersten Chefs der Koloniali Mandatsländcrverwaltung war zu erwarten. Amcry persönlich seit jeher ein Freund des jüdischen Analheims gewesen und die gegenwärtig in England der Macht befindlichen Konservativen haben sich an während früherer Rcgicrungsperiodcn der konscriren Partei in Großbritannien rückhaltlos auf den ■>kn des Mandates und seiner Bestimmungen gestellt actkiiiswcrt an den Erklärungen Amcrys Ist also M die Stellungnahme für das jüdische Nationalheim, Am die Argumentation, die er für diese Haltung •;hnds anführt. Während noch vor wenigen Jahren s zionisuMsfrciindlithcn, verantwortlichen englischen nlsmänncr gegenüber allen judengcgncfischcn «Gerungen als Hauptargumente betonten, Eng- •4 habe sein Wort verpfändet, das jüdische, National-.' ä sei eine Dankesschuld der gesitteten Menschheit' idie seit fast zwei Jahrtausenden in der ganzen Welt' -%tcn und zerstreuten Juden, lauteten die von Amcry rSiützung seiner Auffassung von der britischen Politik;tnubcr dem jüdischen Nationalheim angeführten Ar- ■neute ganz anders; er Tührtc Tatsachen an und betete den anklagenden und protestierenden Vertretern' arabischen Nationalpartei, daß die Zionistcn Kapital '! Arbeit in das Land gebracht haben, daß in den, •':n Jahren dank den zionistischen Anstrengungen ' allgemeine Wohlstand des Landes gewachsen sei 'i daß an den Segnungen dieses Fortschrittes die ibcr Anteil haben. Ferner wies Amcry darauf hin, J die Zionistcn das bisher. Erreichte aus eigenen; "ein und mit eigener Arbeit ' erreicht haben. Die »altung Palästinas hat in der. abgelaufenen Zelt sehr «! lur die Araber und fast gar nichts für die Zionistcn *'»!>. Staatsländcrcicn wurden nur den Arabern gegeben. :!« und öffentliche Einrichtungen sind aus allgemeinen ^mittcln nur für die Araber errichtet-worden. Die %• Förderung, die die Zionistcn seitens der Pa- ^i-Regicrung erfahren haben, war die Duldung, die!i" ihren Anstrengungen entgegenbrachte. Ferner erklärte Amery, was nur im Sinne des Man- ^Vertrages und der Auffassung der Zionistcn liegt, ^Palästina gleicherweise Heimatland der dort lebenden und Juden sei. Nachdrücklich forderte er Juden :i Ar.ihcr auf, Frieden zu bewahren und in gemein- ,;r Arbeit zur Entwicklung und zum Aufbau des f|j« beizutragen. Entschieden trat Amcry der leider d« Welt vorherrschenden Meinung entgegen, daß 1 Verhältnis zweier oder mehrerer Völker, die In .';S1 Lande leben, nur auf der Grundlage von Herrschen 7 Bchc-rschtscln denkbar ist In seinen Worten kam jf,Auflassung zum Ausdruck, die sich in der ganzen ';'den Köpfen der ehrlichen Friedens- und Mcn-; «"freunde durchringt, daß Staatsgefühl und sclbstän- * Volksbcwußtscin einander nicht widersprechen *S5?n- Amcry wies auf das gemeinsame arabische; Jüdische Ziel in Palästina hin: die Konstituierung Palästinensischen Patriotismus und die Arbeit für Q'sanitintcrcsscn de« ganzen Landes. , Erklärungen des britischen Kolonlalministcrs sind •!,dlt Juden der ganzen Welt sehr lehrreich. Die s,che, daß zum ersten Male in der Stellungnahme ' nritischc Staatsmannes der Hinweis auf die Bclton ^"vollbrachten Leistungen der Juden auf dem Ocbictc ^ufbaus einen so breiten Raum einnimmt, ist ein .>tr"ig, wo die Hauptaufgabe der zeitgenössischen . "heit gelegen; ist Wir wissen ganz genau, welche iil g d*c Erwerbung und Bewahrung der allge- Sympathien für unser Werk in Palistina hat Jerusalem.. (J.T.A.) In Beantwortung einer Reihe an sie gerichteten Anfragen der arabischen Natfonalparloi (gemüßigte Richtung) teilte'die Palästina- Regierung mit: Der palästinensische Repräscntnittcnrat wird, sobald die verantwortlichen Personen ihre Bereitschaft, sich au den Wahlen zu beteiligen, kund tun, zur Wahl gestellt und dann unverzüglich c i n b c r u f c n w c r d c ii. Bezüglich der neuen palästinensischen Währung wird mitgeteilt: der Beschluß, die palästinensische Währung , auf dem Pfund Sterling basieren zu lassen, wurde vom Kolonialamt gefaßt. Die Einzelheiten des Projektes sind noch "Gegenstand einer Prüfung. Die neue Währung soll in möglichst naher Zeit eingeführt werden. Die Palästina-Regierung gedenkt, vor der Ausgabe der neuen Noten und Münzen die Beratende Körperschaft einzuberufen, tun' deren Billigung zu erlangen. Bezüglich des Hafenbaus in Palfistina teilt die Regierung mit, es sei beschlossen, den Hafen in Haifa unter Aufwand von einer Million Pfund Sterling zu bauen. —'Endlich wird mitgeteilt, daß die Eintragung von Palästinensern in die Li«ten der Hcdschas-Armcc den Landesgesetzen zuwiderläuft und geahndet wird. Die PaläsIlM-Anlelhe , J c r u s n I c m. (J. T. A.) Eine Anfrage der Palästinensisch- Arabischen Nationalpartcl (OcmäDigtc Nntlon.ili.Mcn) wegen der Palastina.Anlcihc beantwortete die Palästina.Uccjerung wie folgt: E« IM in diesem Augenblick unmöglich zu bestimmen, wann und auf welche Summe die geplante P.i1;istiiu-An1cilic der Regierung auiRcleßt werden wird; jedenfalls werden zu gegebener Zeit r.!lc Eiuzelhritrrt der Oclfentliclikclt bekannt gegeben und olle notwendigen 'gesetzlichen Bestimmungen getroffen werden. Sollten die Engagements für die Anleihe beendet sein, bevor ein Rcpräseiitantctirat in Palästina gebildet worden ist, so wird gleichwohl die Anleihe begehen werden, ohne daß man auf den Zusammentritt des Reprätcntantcnratcs warten wird. . Am 23. Februar d. J. haben die Kronagentcit in London der Palästina-Verwaltung Vorschüsse auf die eeplnntc Anleihe von 13TOO00 Pfund gewahrt. Diese Vorschlage wurden mit Billigung des Staatssekretärs für die Kolonien zugleich mit den verfügbaren Ucberschusscu der Verwaltung für die palästinensische Eisenbahn, Telegraphen und Telephon, sowie zur Deckung eines Teiles der 'Ablösungssumme für die Jaffa- Jerusalem-Eisenbahn verwendet. Eine spezielle gesetzliche Bestimmung für die Verwendung dieser Vorschüsse ist nicht getroffen worden, da die Dilligimg der Ziitscnsaliliiug durch die Beratende Körperschaft (Advisory Council) ausreichend war. Ein Bericht über das Anlcilicwcrk wird zu gegebener Zeit .veröffentlicht werden. Das Anleihe-Projekt wird dem britischen Parlament erst dann unterbreitet werden, wenn die Garantie der britischen Hcgicning gewährt werden würde. Die Zinsen werden auf dic.Diskonloratc der Dank von England gezahlt; sie betrugen anfangs 3 <y», wurden im Juli 1021 auf 4 °,'o und Im Mürz 1025 auf 5 »> erhöht. Amcrys Efklürunaen Jerusalem. (J.T.A.) Die Palistina-Rcgierimg ver. öffentlich soeben den offiziellen Text der Erklärungen, die Amery beim Empfang der Abordnungen der vereinigten arabischen. Parteien und der Abordnung des Waad Lcuim abgegeben hat. Der Text hat mehr als tausend Zellen Umfang. In seiner Erwiderung auf die llesehwi-rdcn der arabischen Abordnung gegen die zionistische Politik in PaläMina sagte Mr. Amcry, die Regierung habe nichts für die jüdischcSicdlungstätigkcit beigesteuert, dagegen aber hat sie die Sicdhingst.iligkcit der Araber sehr untertitützt. Die Regierung hat den Arabern grolle Staats. 1 ä n d c r c i c n in Balsam übergeben und für sie dort mehr als 000 Kilometer Landstraßen gebaut Dief.c Kornmtinikatioiicn kommen zum weitaus größten Teil den Arabern zuunt/c. Die Juden haben ihr Aiisicdlungswcrk stets aus eigenen Kräften entwickelt. Ich habe nicht allein in den jüdischen Kolonien, sondern auch ina 11 c n Teilendes Laude* beobachtet, daß die a 11 gc in c i nc Wo Ii I f aIi r t grstiegen und im weiteren Steigen begriffen ist. Nicht allein die Zahl der jüdischen, sondern auch die Zahl der Ocsaintbcviilkemng' ist gestiegen. Gegenwärtig leben in Palistina 800 000 Araber und 103000 Juden. Das Wachsen des Wohlstandes der Araber ist ^u einem erheblichen Teil dem Kapital und der Arbeit der ins Land gekommenen Juden zuzuschreiben. Alle britischen Kolonien wünschen, daß mehr Kapital und mehr Arbeitskräfte ins Land kommen. Warum soll es hier anders sein? Die Juden bringen Euch Kapital und Arbeitskräfte ins Land, z.*ci sehr geschätzte Dinge. Eure Zukunft, schloß Amery, wird nicht dadurch gesichert, daß Ihr Euch inülligcn Hcfürchtuiigcn hingebt, sondern darauf, daß Ihr die Kräfte Eures Volke» im Sinne von dessch Erziehung und l'ortschritt entwickelt. In seiner Erwiderung auf die Darlegungen der Mitglitdcr der jüdischen Abordnung führte Amcry aus, die Juden sollten sich vergegenwärtigen, daß die Araber immer das' zahlreichere Element in der Bevölkerung Palästinas nein werden. Das jüdinchc Nationalheim muß neben einem arabischen Nationalheim bestehen und mit diesem zusammenleben. Beide müßten sich zu einer gemeinsamen palästinensischen Nationalität und Patriotismus verstehen. Mit Bezug auf die Forderung der Abordnung, die palästinensische jüdische Oemcindeordnung schnell zu ratifizieren, sagte Aiircry, er müitsc die Forderungen der Aguda* Jisrocl prüfen. Die Regierung ist ihrerseits nicht in der Lngc, eine Uchcrclnstinunung unter allen Schichten der jüdischen Bevölkerung zu erzwingen, sie will aber alles tun, um eine solche Ucbcrcinstimmung zu fördern. Der Bau des Ilaadelszenfrums In Ilaita Am 6. April fand in Haifa in Anwesenheit des Herrn Lcvon11n, des Leiters der Shulman-Corporation in Boston, und "des Chefingenieurs Laikcr, die beide mit dem „President Arthur" aus Amerika nach Palästina gekommen sind, eine Sitzung des Waad des Handelszentrum« In Haifa stntt, um über die Errichtung dieses Zentrums mit Hilfe des von Mr. Sliulman gewährten Darlehens von 50000 Pfund zu beraten. Man hofft, unmittelbar nach den Feiertagen mit den Arbeiten beginnen zu können. Wir sind vollkommen davon überzeugt, daß die rein politische und diplomatische Arbeit unserer Führer unentwegt mit allem Nachdrucke fortgesetzt werden muß. Wir sind weiter von der Wichtigkeit der Aufgabe durchdrungen, dauernd auf der Wacht zu stehen und allen irgendwo und irgendwie auftauchenden politischen Schwierigkeiten und Widerständen entgegenzutreten. All diese Bemühungen und Arbeiten sind aber nur ein, wenn auch notwendiger, Ucbcrbnu. Grundlage unseres Werkes Ist und bleibt die Leistung. Je größer die Anzahl der von uns geschaffenen Werke im Laude geworden ist, je mehr jüdische Kapitalien ins Land strömen werden, und In je höherem Maße die notwendigen Aufbauarbeiten von jüdischen Händen geleistet sein werden, desto stärker wird unsere Position sein und desto sinnfälliger die Beweiskraft für unser Recht Es ist klar, daß es sich nicht nur um die Quantität der Leistung im Lande handeln kann, auch die Qualität spielt eine große Rolle, Die Wichtigkeit und die Bedeutung (großer jüdischer städtischer Siedlungen, der Wert der Schaffung eines geistigen Zcntnuns, wie der Hebräischen Universität wird von uns sicherlich nicht unterschätzt, aber darin kann und darf sich die Leistung der Juden im Aufbauwerk nicht erschöpfen. Es kommt hauptsächlich darauf .an, daß die Grundlage der Arbeit und der Produktion im Lande von jüdischen Händen geleistet werde. Parallel und in noch stärkerem Maße als die industrielle und städtische Kolonisation muß die landwirtschaftliche fortgeführt werden. Alle nach' Palästina kommenden Juden .sind'für das Aufbauwerk Heb und wert Am wertvollsten jedoch und am willkommensten sind jene Elemente, die sich nicht in den' Städten konzentrieren, sondern über das ganze Land in landwirtschaftlichen Kolonien verbreiten. Den Besuchern'Palästinas, seien es Touristen, Staatsmänner, Experten oder Pressevertreter, soll nicht in erster Linie Tcl-Awiw oder Haifa in die Augen springen, sondern ein ununterbrochener Kranz jüdischer Dörfer, in denen eine zukunftsfrohe, tatbereite jüdische Generation sich der schweren Arbeit mit dem Boden vermählt Wir sind uns dessen bewußt, wie schwer die Aufbauarbeit Im allgemeinen und der Aulbau einer jüdischen Landwirtschaft im besonderen in Palästina ist Wir wissen, daß zur Leistung dieser Arbeit gewöhnliche menschliche Qualitäten nicht ausreichen. Hierzu ist die besondere Gesinnung des Pionicrtums unerläßlich. Dieses Pionicrtum kann,ajjcr. nur durch konsequente Erziehung innerhalb der jüdischen' Jugend wach erhalten werden. In Osteuropa und Mitteleuropa, warten zehntausend Chalttzlnt auf den-Augenblick, da es ihnen vergönnt sein wird, nach Palästina zu gehen und dort den schwersten Teil des Aufbaus zu übernehmen. Diesen abmarschbereiten taugenden Chaluzim müssen weitere zehnlausende folgen. Der zionistischen Bewegung obliegt die schwere Aufgabe, den Oclst der Chaluzluth zu pflegen und dafür zu sorgen, daß der Strom der arbeitsfreudigen und tatkräftigsten Elemente für den jüdischen Aufbau aus dem Oaluth nach Ercz-lsracl nicht schmäler werde oder gar vertrockne. M.W. i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.