Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 33 (28.4.1925)
- Date
- 1925-04-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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I Seite 304 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 33 gleichzeitig vorausgesetzt wurde, daß das Sultanat Oroßarabiens einem anderen Hause zukomme. Interessant Ist, daß dieses großarablschc Reich, das so wie so mehr oder weniger eine föderativen Charakter hätte annehmen müssen, auch Sondcrlntcrcsscn und Sonderstellungen einzelner Teile kennt. Es wäre daher auch möglich gewesen, daß innerhalb dieses Reiches Palästina ähnlich wie der Libanon einen eigenen Status erhält. •-. Der Appell an die Araber Ist viel ausführlicher als der an Europa. Das Programm, das er entwirft, Ist identisch mit dem oben ausgeführten. Es wird dort nur noch eine Bedingung hinzugefügt, die In dem französischen Aufruf ausgelassen Ist, niimlicli, daß der Sultan nicht nur Araber, sondern auch Mohammedaner sein mnO. Einige bezeichnende Stellen dieses Aufrufes lauten: . /Jeder kann leicht feststellen, wie der ruhmreiche und erhabene Name eines arabischen Bürgers in dem Munde der Fremden und besonders der Türken verächtlich geworden Ist. Jeder sieht auch, auf welche Stufe des Elends und der Unwissenheit wir unter der Tyrannei Ucr aus Zcntralatlen gekommenen Barbaren gesunken »Ind. Unser Land, das reichste und schönste der ganzen Erde, ist verlassen i und wüst! Als wir frei waren, haben wir in weniger als hundert Jahren das Morgenland und da« Abendland erobert, wir haben überall die Wissenschaften. Bildung und Künste , verbreitet und während mehrerer Jahrhunderte haben wir die Zivilisation der Menschheit gelenkt . , ." „Um unser teures Vaterland von allen diesen Ucbclu zu befreien und ihm seine Freiheit und seinen einstigen Olanz wiederzugeben, haben wir die Liga: ,das arabische Vater, land' begründet, die in wenigen Monaten groOe Fortschritte gemacht hat. Wir besitzen bereits Komitees in allen großen Städten Palästinas, Syriens und Mesopotamiens, ebenso in Aegypten und in Europa , . ." „wir haben an alles gedacht. Alles ist vorbereitet für; den befreienden Umsturz. Wir bitten nur unsere Mitbürger ohne Unterschied des Ritus und der Religion, ruhig Mi bleiben und keine Ausschreitung zu begehen, die eine Einmischung fremder Machte motivieren konnte, und mit Vertrauen den arabischen Gouverneuren zu gehorchen, die an Stelle der türkischen Walls und Mutcssarifs treten . werden. Wir raten ebenso unseren Landslcutcu an, nicht mehr ihren Boden billig den Fremden zu verkaufen, denn wenn wir frei sein werden, wird der Wert unseres Grundbesitzes um 400 •/» steigen . . ." Die Leiter des Komitees hofften durch eine allgemeine Volkserhebung einen friedlichen Umsturz herbeiführen zu können. Ocradc das Jahr 1905, wo die Türkct im Ycmen, Im Najcd und In Mesopotamien zu Wimpfen hatte und aus strategischen Gründen die Hcdjazbnlm baute, erschien den Führern als ein günstiger Augenblick für die Befreiung Arabiens. Aber die schnelle Verbreitung! der Komitees der Bewegung1 in den arabischen Städten war mehr eine Hoffnung der Pariser Liga als eine Wirklichkeit. Erst die große Erregung, die wenige Jahre später die türkische Revolution auch In die arabischen Gebiete des Reiches trug, führte zu einer Wcitcrent« wlcklung der arabischen Natlonalbcwogimg. Aber bereits In Ihren ersten. Kundgebungen stand das Programm In seinen großen Umrissen fest: einheitliche Zusammenfassung aller arabischen Stamme und Länder in einem Staate und Rückkehr der Kalifenwürde zu dem Stamme , Mohammeds. Die Joseph Felc-SUIIrag Ii New*York New York. (J.T. A.) Am 14. April wurde in New York die Joseph Fels-Stiftung amtlich eingetragen, Der verstorbene Mr. Joseph Feh? hfntcrllcB sein ganzes Vermögen für eine Stiftung, deren Zweck sein soll, die nlchtjürtischc Welt über das wahre We~.cn des Judentums aufzuklären, eine populäre Geschichte «der Judonhcit herauszugeben, sowie auch dir jüdische Landansfcdtung in Palästina aut unparteiischer Orundlagc zu unterstützen. Prlisldontin der Stir« tung Ist die Witwe des Verstorbenen, Frau Mary Fels. Vlzc-PrfisWent ist Alexander Aronsohn, Schatzmeister Maurice Fels. ■MMwaaaMMMNMHnauMtt Brie! aus Polen (Von unserem Korrespondenten.) in, g. Warschau, im April 1925. „Ich erinnere daran, daß die jüdische Bevölkerung zugleich mit der einheimischen die Rechte der polnischen Staats, augehörlgkcit genießt und daher nicht den Gegenstand von Willkür und Mißbrauchen bilden darf. Im freien Polen gibt es keine Bürger verschiedenen Oradcs. Alle sind vor dem Ocsctzc gleich. Jedermann darf seine Bestrebungen verwirk, liehen, wenn nie bloß dlo Oiundlago der. iwlnUchcn Staatlich, keit nicht bedrohen, Das"polnische Volk, das Jahrelang unterdrückt war, wird die Freiheit nller zu respektieren wissen, deren Schlcknal mit dem sclnlgcu verknüpft Ist. Polen war stets der Inbegriff der Freiheit, seine Fahne flatterte überall, was um Frcilieit und Unabhängigkeit ging. Stets blieb es seinen Traditionen treu und wird daher seine große, ruhmreiche Vergangenheit nicht beflecken. Es wird alle in seinen Schoß ziehen, dtc nach Schutz und Recht verlangen ... Im freien Polen gibt es keinen Plntz für Ocwalt und Willkür . . ." So schrieb im Jahre 1010 der heutige Staatspräsident Wojclcchownki, der damals polnischer Innenminister war. Meute muten diese Worte wie Anachronismus an.' Die Honigmonde der polnischen Freiheit sind Hingst verflossen, um einem grauen Alltage Platz zu macheu. Heute sind die polnischen Staatsmänner bei weitem nüchterner. Zielbewußt arbeiten sie daran, der jüdischen Bevölkerung den Hoden zu untergraben und sie auf jede Welse unschädlich zu machen. Die Staatsangehörigkeitsfrage in den 0 s t gebieten, die hunderttausende dortiger, Juden tangiert, ist kaum um einen Schritt vorwärts gekommen. Das jüngste — erleichternde — Zirkular betont, daß es sich ausschließlich aut die dörfische Bevölkerung bezieht, „weil in Bezug derselben die StaatsMigcliöriRkcitsfragc am wenigsten kompliziert Ist. ., Dagegen in den Städten, Städtchen und Flecken muß, bis zu einer weiteren Verordnung, die Gewährung des Bürger, rechtsa ul normalem Wege vor sich gehen, auf Grund der verpflichtenden Vorschriften und Instruktionen. Bezüglich der wtändigcu Bevölkerung (in den Städten) — heißt es weiter — muß ein unnötiger Bürokratismus ver« mieden werden. Die administrative Macht muß vom Standpunkt ausgehen, daß, insofern es sich um die erwähnte Bevölkerung handelt, mau annehmen darf, daß die Majorität derselben die pohlische Bürgerschaft beult*!, und nur ein gewisser Teil nicht, aber nicht umgekehrt. Du gegen muft mau beider nicht c i n h e i m 1 s c Ii c n B e v ö 1 k e r u n*g besonders vorsichtig sein und bei der Bestä. tigungder Bürgerrechte keinen Faktor au Der Acht lassen, der nach den lies teilenden Vorschriften f ii r d I c Frage des Bürgerrecht« von B e d c u f ii ii /; 1 h I. Die Unterscheidung der Ucgriiic „ständige — nicht einheimische Bevölkerung" ist keineswegs so einfach, als daß der administrativen Willkür nicht Tür und Tor gcüllnct wäre. Dies konnte vermieden werden wenn man «Ich strikte an den Wortlaut der für «Polen verbindlichen-Zusntzlraklate. »um Vcrsailler Friedensvertrag gehalten hätte. An Stelle dessen wurde im Jahre 1020 eine Erläuterung herausgegeben, nach welcher als „ständige Bewohner" bloß Jene Personen nnzusehen sind, die in den Ständebüchern der Oemclndcn eiligetragen waren, wodurch vielen in Polen seit Generationen lebenden Personen die zu russischc'n Gemeinden gehörten, das Anrecht auf die automatische Staatsangehörigkeit abgesprochen wurde. Diese sinnwidrige Deutung des Ver. sailler Friedensvertrages wird Jetzt den Juden In den Ostgebieten noch viel zu schaffen machen. Mit den Erläuterungen der Gesetze Ist es bei uns über, haupt chic eigene Sache. Ein Oesetz wird oftmals verschiedenartig erläutert. Handelt es fleh nun gar um einen Juden, dann finden sich die Beamten vor vielen Erläuterungen gar nicht zurecht, hin anderes mal erklären sie wiederum geradeheraus: Das Oesetz lautet faktisch so und so, wir wollen es aber nicht so inachen, Dies geschieht auch In JudtI Fällen, wo das Ocricht bereits zu Gunsten der entschieden hat, Es sei hier ein besonders charakteristischer Fall gcgcl>cn: Der Magistrat von Sosnowlcc ordnete an, daß .aiiuiui Handwerker, die zu keiner Innung gehören (d.h. Juden) ski einem Examen zu unterziehen haben (nämlich seitens ((,,.' christlicher Konkurrenten) — worauf Ihnen Konzessionen tr' teilt werden würden. Diese Verordnung geschah aul QtJ. eines Gesetzes vom Jahre 1815, das bereits im Jiluc lfo wieder aufgehoben wurde. Man kann «Ich die Bestürzung der jüdischen I laudwcikt, denken. Interpellationen (logen nach Warschau, in.ni ,|, nilcrto dlo jüdischen Scjiualigeordurlr-n, dlo Konsuls bfl,,, Ministerium Intervenierten. ' Endlich, am IS. November 102| erfolgte der ministerielle Bescheid, daß man die llandwotci bloß zur Rcgistrallon zwingen, von ihnen aber keine Kon. zesilou verlangen dürfe. Inzwischen wurden die jüdischen Handwerker infolge lchnung des Examens beim Gericht verklagt. Dieses 'sprich die Handwerker frei, der Staatsanwalt legte Berufung (';n das Krelsgcrlcht bestätigte den Frclsprueh, Man sollte glauben, daß nun die Angelegenheit erledig Ist — keineswegs I Nach zwei Monaten nahm die Poiuj, die Sache wieder auf, um von den Handwerkern Konzeni oneu zu verlangen. Nun ging die Sache vom neuen los ,, Eine eigenartige „Erläuterung" erlebten wir jiingkt b'e zllglich des« Verbots, das Jiddische In Versammlungen |„ Chillzlen zu benutzen. Bisher wurde dies mit der don geltenden österreichischen Ocsct/gehung begründet. Auf eine Interpellation des Jüdischen Sjcmklubs erklärte nun der Innenminister U a t a j s k i wörtlich: Das Verbot der Benutzung des Jiddischen in Verdamm, hingen ist keine Vergewaltigung der Konstitution, insbesondere des Artikels 109. Denn das Recht zur Pflege der eigenen Sprache, das durch diesen Artikel vorausgesehen isl, bc. trifft selbstverständlich (t) das private Leben und Um nicht als Hindernis für die Einführung nötiger (!?) Beßren zungen aul dem Ocbictc des öffentlichen Lebens dienen.1 „Wir erfahren jetzt — schreibt hierzu Sejmab,-;«. ordnclcr Dr. Reich — daß die konstitutionellen Erörterungen und die Freiheit der Sprache bloß die Möglichkeit geben mit seiner eigenen Frau im Schlafzimmer jiddisch zu sprechen, ohne zu befürchten, von einem Ocudarm mit geladenem Gewehr überrascht zu werden, der sein machtvolles „Malt ein!" cntgcgcndonncrt." Zu den Fragen, die noch immer der Lösung harren, hört u. u. die Qciucindcfragc in den O&tgebictcn. Die Diinj; llchkcit derselben ist jüngst vom Ministerrat selbst anerkannt worden. Die neugeschaffene Ostmarkcnkommlssion mit Vi?« prcinler Thugut nn der Spitze will »ich nunmehr mit der Frage ernstlich beschäftigen. Leider sind die Melnumien der Jüdischen Scjmabgcordnetcn In dieser Sache geteilt. W'in reiid die Zionistcu und die demokratischen Demente lur eine weltliche Ocmcindc mit weitgehenden nationalen Rechten sind, fordern die Orthodoxen eine rein religiöse Kultusge mciiidc, Die Befürchtung lag nahe, d.ifl die Regierung diesen Zwiespalt ebenso für sich ausnützen wird, wie sie es unlängst in Sachen der Spracheufragc tn 'to Schulen" getan hat.' Daher hat der jüdische Sejmkluh aut seiner speziell dieser Frage gewidmeten Sitzung eine Rc Solution gefaßt, wonach er, ohne zur Frage der Kompc tenzen der Oemelnden Stellung zu nehmen, die sofortige Anwendung der für das übrige Polen geltenden Ocmcindc Ordnung verlangt. „Infolge der auf der Beratung des Pri sidium* de* Ministerrats zu Tage getretenen Tendenzen' — heißt es in dieser Resolution — „In den Gemeinden dir Ostgebiete die alten zaristischen Normen einzuführen, ver langt der Jüdische Scjmklub, daß der Erlaß vom 7. Februar 1919 unverändert auf die Ostgebiete angewendet wird. Jede Versuch, die den Juden verhaßten und abgelebten Normen wieder zu erneuern, wird dem heftigsten Widerstände der jüdischen Bevölkerung begegnen." Im Kampfe um dns jüdische Schulwesen ist ein gewi«cr Erlolg zu verzeichnen: Die Uiidgctkommlssiou des Sejms hat Grünbaums Antrag abgenommen, das jüdische Schulwesen fmit h«v: ,-i«f« | (!) ■ frli/.M " , /I hev 1 PI«''" f er ,1 (»minie" ' *' juccliör i 5 i m 11 urd<V dm H. I IhlMfR,1 l/iirtf;; ' ,;dllC ■ J «Klistier, je., wr;- [X.'niscr Stellung , ijlirinäi . tin i (irr Ju( >.. pnlniscl'.;'' nimmt- (-4 . kprochet wen be aber n". m r.fW. leben rein aiiv polnisch einem, '■ eine ai' "' die.se 1 ,i «ind a , Wirtsclr, jüdisch f|, IjM di; und di; Vimpft. ' bevölk«,1 llltgCW >• Monop V des G\ berüch' ' Vc '? Larje <; ■"' Ahwch;^ , Regen V1: riert, <*.. ' Po ' hekäinvließ c*1', PC juden wlrtsclv K .)'' i 'i .'■'}V Jüdische Plastik Marek Szwarc, (Zur gegenwärtigen Ausstellung belOurlltr, Potsdamer Str, 113.) Dieser Künstler, zu dessen Ausstellung die Kunsthandlung Ourlltt einlädt, stellte einst In einem Aufsatz? die. Frage: „Oibt ei eine Jßdlschc Kumt?" Und er bejahte sie.' Das Kunstschaffen, das in den letzten Jahren vom Osten her aufblühte, gibt die gleiche Antwort. Eine spätere Epoche wird nll die Künstler dieser jungjQdltchen Renaissance auf der Höhe einer gemeinsamen Wello sehen, und auch wir Minnen schon In all dem, was au Echtem zu uns kommt, das Gemeinsame erkennen. Es Ist in jedem, so individuell auch jeder scheinen will. Und dieses Gemeinsame, was atich In Marek Szwarc Ausdruck wird, und noch mehr — im Orundlon gesteigert und durch Disziplin emporgeführt ist in großem. Ja, — das Ist das jüdl6dio Gemeinschaftsleben: — die Russe, wie- Marek Szwarc sagt — spürbar in gesteigerten Kylhmcn, im Chassldim-Tbnz, In trunkener Fröhlichkeit ohne Wein, aber aus der nicht verlorenen Erdverbundenheit; Tanz eines Körner«, der noch nicht »cliwn £%ft&mm«ntamg vmIot, mit den Masken der Dämonen und der farblglröhllchcn des Mlmuä — eine Welt, die auch un» glücklicherweise einen starken Zeugen schickte in Alexander Oranach. Welt, die vielleicht sogar Imstande wäre, den geglätteten Juden des Westens aus der Analyso zur Synthese 2u führen, wenn er es noch vermöchte, unterzutauchen. — Ich weiß Im voraus den Einwand! „Ost Ist nicht Wost, und der Wettjudo Ist n eht der uittcrlcgeno Typ, ■ sondern nur ein gan< anderer". Und doch — doch Ist der oxponUrtcste geistigste Jude des Wcnlcns mit dem festen Oriff von Osten In den critscheidende« Dingen Immer freudig «Ins, und die beiden grollen Gemeinsamen: Klarheit der großen Form und das hckcnntnii, sie zu bewegen, worden zwolfctlos den Ausgleich «ehalten, die Erlösung von Osten her — Erlösung, wenn «uch nur Im Anstoß zur Bewegung Innerer Kritik, durch « e dann die Strohwßnde fallen, die liberale» und antlzlo« nistlichci Judentum auch Jetzt schon mit Not halten. D«f Unparteiische wird hier lieber fcugfcbciti — wenn « «Uch damit kolnc Hauptsache xuaibt — daß Wcrka .der Kumt, dl» io wirken, daß Ocdankon, die an große Tiefen führen, ausgesprochen sein müssen, etwu hinter sich haben, ^■m...-r,....,.~-,. -..................|| ■- 'I - ml T ' ~- das sich lohnt und vor allem, daß sie seine Sprache sind. Denn die Hauptsache bleibt hier, daß jedes echte Kunstwerk die Kernfrage stellt: „wiefinden wir uns selbst und damit clno Jüdische Kunst". Denn das Ist auch das Wort, mit «lein die Künstler durch Ihr Werk die Zeit fragen und dem zuliebe sie sich mit dem zweiten Platz, begnüge». Marec Szwarc weist sich diesen Platz durch seine Kdmpferstclluiis selber zu, und man kann es sagen, nicht ganz ohne Wirkung. Marek Szwarc, der das jüdische Reagenz derart positiv reagieren ließ, Ist im Ausland seit einer Reihe von Jahren anerkannt. Abgesehen von Pari«, wohin er 1913 als Sechzehn« jähriger kam, kauft mmi seine Mctall-Uclicf* liaupbächlicli in New York. Und auch diese Ausstellung, dio nur eine kleine Auswahl darstellt, weist schon 5 Verkäufe auf. Die Seltenheit seiner Technik trägt natürlich auch viel dazu bei. In Paris ist er der einzige, der sie ausübt. Im Mittelalter war es eine unter den Juden des Ostens oft geübte Kunst, Schöno Chamikah-Lcuchtcr kommen noch heute von dort, aber dann trat ein Stillstand ein, und erst unsere Zelt scheint eine Renaissance der Im Feuer gehämmerten Plastiken herautzutfthren. Der Wunsch nach Bewegung und Plastik zugleich führte ihn zum Relief. Die Einzel-Skulptur genügte nicht für den Ausdruck der Bewegung, wie wir sie In „David und Das Schowa" in die Komposition gebannt spüren müssen, und wie wir sie Immer spüren durch all die Schöpfungen, die oft nichts sein wollen als Kompositionen; Spiel dos Ausruhciiß, wie der David, dessen Schleuder nie den Oollath trifft — wie der Slmson, dorn mau nur zutraut, daß er ein Wcltgcbäudo trfgt wie Herakles, ober nicht wie einer, der es erschüttert, oder wie der Adam, der ein weiser Manu ist, und »us «einer Rlppcjcino Eva erhält, die er als fragwürdige Gabe mit Resignation als den Beginn einer Kampfzeit sofort erkennt. Resignation, Zweifel, erkennender Spott, diese. Drelelnhcit tritt üborhaupt nls benutztes Element In Erscheinung, vor allem In seiner „Eva", deren spöttisches Mondflnciigcsiclit, durch die betont plastische Linie de» Körpers und die Embleme der Primitivität: Apfel und Birne, Pflanze eine Ost-West« synthese versinnbildlicht, dlo zwar In Anbetracht, der sie sonst konstituierenden Elemente nur eine kleine Eskapade Ist, aber an sich nicht ohne Wert, wenn man sie umkehrt In il Dilti. »■■ I Wcst-Ost. v>-i ' i\' i,V ';\, c'lJ Denn Marek Swarc bekennt damit etwas, das allerdings weder neu noch überraschend Ist. Er fühlt sich «lern romanischen Fornitrieb verwandt, kein Wunder, hei der, wenn auch durch Jahrtausende fernen Herkunft aus einem Lande, das iioch klarere Luft hat als selbst Italien. Und die immer wieder durchbrechende Liebe des Wcstjudcn zu/nlicm, was Klassik heißt, die unerloschene Hcinc-Bcgclstcrung, der tiisbsichcrc Griff nach dem gcformteslcn Roman, der Aufstieg eines Alfred Doblln u. a. in. sind ebenso viele Mal freiwilliges Zeugnis. Zeugnis und Anfang neuen Weges, wie ihn sich. Szwarc bereitete, Indem er in der Synthese von klassischer Form und osl|üdlscher Bewegtheit für sich Lösung schul und noch mehr schaffen wird unser Anfang, wenn die Spiegelung am der Sehnsucht, die Formen, die wir haben, mit Leben durchtränkt. Marek Szwarc ist nicht unkompliziert, wie man es noch von Rybak sagen kann. Auf Ihn hat der Westen gewirkt. Er hatte einen Kampf mit Ihm zu bestehen, aber gerade da«, liegt uns> nahe. Wie er Ihn aber bestand, das gibt noch mehr zu denken. Trott PmIs konnte ein ReVitt entstehen, wie seine „Oclgcrin"; denn hier schreien Outturalc und vielfältiges Licht nicht anders, als wir es aus der Sprache kennen. -- Seltsam bol. diesem Ornamentalen, der gar kein Chaotilstr der Tiefe sein will. — Seine gleichsam leicht geborenen Gestalten des ostjüdicchen Gemeinschaftslebens scheinen darum nicht vielmehr als der Baugrund, die Landschaft mit inbegriffen: Schöne Kompositionen, wie der „Orcl<", nlbclorlcnt, wie die Engel, die Abraham die Geburt Isaaks verkünden, und nur In wenigen Arbeiten gelang mehr. Die Hauptfrage Ist doch die: was bleibt für den weiteren Weg? Dieses Wenige bedeutet aber vielleicht Zukunft - gehämmerte Zukunft. Es macht nichts, wenn sie manchmal erst In einem Teil des Onnzen Hegt wie bei der „Scheidung»- Zeremonie", deren sitzende Männcrgcstaltcn auch ohnedies die Hauptsache sind. Aber eine Gestalt wie der „Mose*" steht schon allein und lohnt die Mühe des Weges. Ein schönes französisches Ocdicht heißt: Un Etrc cn Marchc. Die jüdische Kunst Ist dieses Wesen. Sic .kommt, well sie die Heimatlosigkeit beendet. Und wenn wir nicht Ingen, müssen wir es bekennen, daß sehr viel mehr Menschen, als es das Zugeständnis bezeugt, über die Erde hlnhorchc und Ihren Weg begleiten. ' Ruth Morold. i r ü>. M ,v, i H« ■ : hudgcl.V'ljVi diese i r>ic z,,'>"•*, Erklär., j1'! Wilanrf den ST, - > J'i »tv.