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Jüdische Rundschau · 1925-04-08 · Heft 29-30 (8.4.1925) · page 18

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 29-30 (8.4.1925)
Date
1925-04-08
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 278 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 20 3o Briet aas Rumänien Von unserem Korrespondenten. Bukarest, 31. März 1923. Die traurigen Ereignisse In Focsanl werfen ihre Schatten Ober das ganze jüdische Leben in Rumänien; sie haben wiederum gezeigt, daß der Antlscrnitbmus nie und nirgends eine Gelegenheit versäumt, um den Juden ru beweisen, daß sie trotz Rechten und gesetzlich verbrieften Freiheiten sich nirgends in Hanse fühlen dürfen. Aber dieser wütende Ausfall des Hnkenkrcuzlcrgrolls verblendeter Studenten und fanatisierten Mobs Ist ja nur ein Olicd In der Kette der Krawalle, die seit etwa zwei Jahren in und von den UnlvcrsitSten aus inszeniert werden, und die auch andere als rein jüdische Intercsscnkrcisc berühren. So hüten z. B. die rumänischen Universitäten diesen Wmtcr einen* wenn auch mißlungenen, Studentenstreik zu verzeichnen, fn dessen Oefolgc die lassyer Rechtsfskultät Beschlossen werden mußte, welches wiederum zur Protcstdemis6ion einer Reihe von angesehenen Professoren der Renannten Universität führte. Merkwürdig genug, war auch der bekannte Antisemit und Aufhetzer der studierenden Jugend, Cuza, unter den demissionierenden Professoren. Die Regierung, welche sich ffcccn die Professoren energischer zeigte als gegen die Studenten, nahm die Demission ernst, und dadurch wurde der Judenfresser Cuza für Immer von der Hochschule entfernt, was Immerhin "als ein große» Plus bei diesen tracischen Studcntcnaufwicgchingcn gebucht werden muß. Ein »nrterc« frcl^is, welches sich dieser Tage abspielte, kann ebenfalls als eine starke moralische Niederlage des Antisennlismns In Rumänien verzeichnet werden. Iis handelt sich um den berühmt gewordenen Prozeß, den der antisemitische Hochstapler, der Vater des Mörders von Jassy, Codreanu, eegen den bekannten jüdischen Journalisten und zionistische» Führer, Horla Carp, angestrengt hat. Carp hatte gegen Codreanu verschiedene gut funuierte Anklagen wegen Himerechting des Staates veröffentlicht und wurde von dem Antiscmltrnführcr wegen Verleumdung verklagt. Oer von Gxlrennu gegen Carp angestrengte Prozeß, der übrigens schon vor zweiter Instanz stattfand und seit über einem Jahre In der Schwebe war, gab Anlaß tu einer gutgclungcncn Auseinandersetzung zwischen dem jüdischen Schriftsteller und seinen Verteidigern einerseits und dem Antiscmitcnzlrkel der mit Codreanu den Prozeß gegen Carp führte, auf der anderen Seite. Wahrend in der ersten Instanz Herr Carp zu einer Gefängnisstrafe und einer hohen Geldbuße verurteilt wurde, gelang es jetzt, die Geschworenen von der Nichtigkeit der Anklage soweit zu überzeugen, daß sie es bei einer ziemlich geringfügigen OcIdMrnf«* bewenden ließen, da sie wahrscheinlich eine glatte Freisprechung als einen zu großen Triumph der jüdischen Sache erachteten . . . Während der Verhandlungen wurde der Ankläger Codreanu und seine Begleiter in sehr geschickter Weise demaskiert, und der ganze „Idealismus" des antisemitischen Agitators ging in Luft auf. Auch die nichtjüdischc Presse des ganzen Landes — mit Ausnahme natürlich der antisemitischen Blättchen — nahm für die Sache Carps und gegen die antisemitische Inszenierung Codrcanus Stellung. Tjcbrlgcns ha* Carp gegen das Urteil Berufung eingelegt, und der Prozeß wird somit noch einmal von sich reden machen. Unter dem peinlichen Eindruck der Krawalle in Focsani hat sich unter den rum5nlschcn Juden, namentlich aus den Ortschaften der Moldau, der ohnehin starke Drang nach Palästina erhöht. Dies ersieht man zunächst aus der starken Beteiligung der rumänischen Juden an den diesjährigen Frühjahrsfahrlcn nach Palästina. Das am 25. März von Constanza abgefahrene Touristenschiff war überaus stark besetzt von Reisenden, die noch zur Eröffnung der Universität in Jerusalem eintreffen wollten, und auch die nächsten Dampfer sind schon ausverkauft. Aber auch die Zahl derjenigen, die sich zur Auswanderung nach Ercz-Isracl entschtossen haben, um sich dott für Immer anzusiedeln, Ist in den letzten Wochen bedeutend gestiegen. Dazu kommt, daß das zionistische Leben «ls wilchcs, welches In diesem Jahre auch durch den Besuch Nah um Sokolows an Intensität gewonnen, immer weitere Kreise der hiesigen jüdischen Bevölkerung« ergreift, die nunmehr an den Ereignissen in Palästina und in der zionistischen Welt regen Anteil nehmen. So hat die bevorstehende Eröffnung der Jerusalem er Universität und die großartige Anteilnahme der gesamten Kulturwcilt daran, auch liier in Rumänien einen tiefen Eindruck gemacht und das lebhafteste Interesse von Juden und Nlchtjudcn erregt. Die jüdische Bevölkerung hat beschlossen, den großen Tag der Einweihung der ersten hebräischen Universität durch Massenversammlungen und festliche Veranstaltungen zu feiern. Die erste dieser Festlichkeiten fand bereits am Sonntag, den 29. März In Bukarest statt. Auch der von der zionistischen Landcsorgnnlsation an die jüdischci Kultusgcmeindcn gerichtete Aufruf, durch eine einmalige größere Spende für den Unlvrrslliibfoiul* ihre Mitwirkung an dem grollen jüdischen Kulturwerke zum Ausdruck zu bringen, fand lebhaften Anklang, und man erwartet, daß mindestens 1000 £ von seilen der Oemelndcn Altrumänicns gezeichnet werden. Auch die Riorganlsatlonsarbcit und die Erweiterung des Kreises eingetragener Zionlstcn macht gute Fortschritte. Unter dein Einfluß des Generalsekretärs der Zionistischen Organisation, Herrn Israel Cohens, der letzte Woche In Bukarest weilte. Ist nuch die Tätltrfccit für den Organisation*- fonds mit Energie aufgenommen worden, und viele der sonst dem Zionismus fernstehenden Personen haben sich daran beteiligt. Parallel mit der Verstärkung der finanziellen Reorganisierung geht auch eine Diskussion In der Presse über das Wesen, die Aufgaben und die Stellung der Zionistcn zu der „Jcwlsh Agency" und die prominentesten zionistischen rührer des Landes haben sich bereits in der einen oder anderen Form zu dieser Frage geäußert. Wenn wir hinzufügen, daß auch die Arbeiten zur Durchsetzung des hebräischen Unterrichts bei den breiten jüdischen Massen, welche mit Fleiß und Ausdauer von der „Tarbuf'-Organisatlon betrieben werden, In den verschiedensten Ortschaften des Lande«; große Erfolge erzielt haben, so wird man verstehen, daß das natranaJjüdische Leben in Rumänien nicht mehr nur ein nantasicgcbltde weniger Schwärmer ist, sondern eine Tatsache wird, mit der man nunmehr im In- und Auslande zu rechnen ha». A,1,Emi,ReJ*r°rtc. noch über den Verlauf der Kcrcn Hajcssod- Aktion in Rumänien. Wenn es wahr ist, was man gesagt hat, ff <?« Arme besser zu geben versteht als der Welche, so S""m l,.e/''{r «"c großartigen Anstrengungen der rumänischen Judcnheit für den Aufbaufcmds unbedingt der T l0. dif.,Em 2? Ichw5ren Krisenlahre, In welchem eine außerordentliche Finanznot am Markte herrscht, ist es «• ""igen, die vorjährigen Beträge in den meisten «bis itlii , besuchten Städten zu erhöhen, und der Oesamtbetrag übertrifft schon jetzt. In einer viel kürzeren Arbeltsperlode (die diesl»hrige Aktion hat bekanntlich um etwa anderthalb Monate «PMcr alt die vorjährige begonnen) die entsprechende Summe <»s Vorjahres um einige Millionen Lei. Bis Ende März wurden «größere und kleinere Ortschaften in Altrumänien bearbeitet, "nd der Geldbetrag der bisher gezeichnet wurde, überschreitet lö Millionen Lei. Trotz der starken Geldknipphclt Ist es «tiungen, die Inkassi so Intensiv zu betreiben, daß bis Ende Marz bereits ungefähr 9000 £ nach London überwiesen werden konnten, während der Rest regelmäßig eingezogen wird. Die erwähnten Erfolge des Kercn Hajcssod in Rumänien sind In erster Linie der unermüdlichen und energischen Tätigkeit des Herrn Dr. Wilensky, der die Kampagne in Rumänien leitet, zu verdanken; aber auch die erworbene Erfahrung und die freiwillige Mitarbeit der Saminclkommlssloncn sowie die bessere Organisation der Propaganda haben einen bedeutenden Anteil an den verbesserten Resultaten. Man hofft, daß der Endbetrag der diesjährigen Kcrcn Hajcssod-Kainpagnc um mindestens 23<,/o über dem des Jahres 560» stehen wird. Und wenn erst dieses krisenhafte Jahr vorbei Ist und die Ocbcfretidlgkclt der Jüdischen Bevölkerung die Feuerprobe bestanden haben wird, dann wird die Arbeit für den Wiederaufbau Palästinas in der »liebsten Zukunft sicherlich Immer weiter von Erfolg zu Erfolg schreiten und der Anteil Rumäniens an dem Werke, das unsere opferfreudigen Chaluzim In Erez- Israel vollbringen, Immer bedeutender sein. A. M. Die Alllab aui Polen (Von unserem Korrespondenten.) Das Zentrale Paläsilnaam* in Warschau hat für die bevorstehende Alijahkonfercnz In Jerusalem ein Memorandum ausgearbeitet, aus dem nachstehendes wiedergegeben sei: Im Jahre 1924 reisten aus Polen 7987 Personen nach Palästina. Hierbei muß bemerkt werden, daß die ersten 3 Monate noch zur KrlKlspcrlodc gehörten, während welcher die Zahl der Emigranten sehr gering war. Von der Gesamtzahl waren 3367 Personen (•12«'o) vermögend, 1190 (15 »,'o) Touristen und der Rest mittellos. Viele der vermögenden Emigranten hatten noch In Polen Boden und Dauplätzc in Palästina erworben. Diese Erscheinung, sich in Palästina anzukaufen, hat zur Gründung verschiedener Gesellschaften In vielen Städten Polens geführt. Einige von Ihnen haben bereits vermocht, eine größere Zahl ihrer Mitglieder In Palästina anzusiedeln. Auch unter den orthodoxen Juden, die bisher der Palästinabewegung fernstanden, tritt immer mehr das Bestreben zu Tage, »ich in Palästina mit produktiver Arbeit zu befassen. Die Alijah dieser Elemente hat noch nicht die richtige Organisation gefunden. An der palästinensischen Bauhcwcgung haben die Juden aus Polen starken Anteil genommen. Leider besitzt das Zentrale Palästlnaamt keine genaueren Daten bezüglich der Einordnung der Handwerker und Fachleute. Tatsache ist, daß die meisten von ihnen im palästinensischen Bauwesen Beschäftigung gefunden haben. Tausende Fachleute, Handwerker und in der Landwirtschaft tätige Personen harren vergebens auf die Alijah. Dies geht auch aus der großen Zahl Anforderungen hervor, die beim Zentralen Palästlnaamt für die Angehörigen der In Palüstina lebenden polnischen Juden einlangen. Die vorjährige Ziffer — 1809 Anforderungen (22-A ",'it) beweist, daß die meisten Emigranten des zweiten I lalbjahrcs 1924 ihren Angehörigen noch keine Anforderungen geschickt habend zumal die Erlangung derselben viel Zeit und Mühe erfordert. Daher ist es gewiß, daß die Emigranten dieser Kategorie Im laufenden Jahre stark zunehmen werden. Dagegen Ist die Alijnhmögllchkclt für Arbeiter und Chaluzim sehr begrenzt. Die Zionistische Exekutive erhält bekanntlich für diese Elemente eine bestimmte Zahl von Zertifikaten, um sie auf die verschiedenen Länder zu verteilen. Die Zertifikate bilden den ständigen Zankapfel zwischen der Zionistischen Exekutive und dem Palästinaamte und den verschiedenen Arbeiterorganisationen. Der Drang zur Palästlnacmlgratton tritt ober bei den Arbeitern und Qinln/lin am stärksten hervor. So waren zu Beginn diese» Jahres im Zentralen Palästinaamte 6201 Chaluzim registriert, die alle ein Anrecht auf Berücksichtigung hatten. (Die u n berücksichtigten Personen werden überhaupt nicht registriert. Solche wenden sich zu Hunderten täglich an das Palästinaamt.) In vorstehender Zahl sind nicht Inbegriffen: zirka 2000 Olim in Lemberg und WHua, 600 in Lodz, 500 In Wolhynlcn u. a. Mit Zertifikaten reisten im vorigen Jahre 1626 Personen (21 ",'<>), die aus tausenden Kandidaten ausgewählt wurden. Es ist klar, daß ein solcher Zustand zu ewigen Reibereien Anlaß gibt und ständige Prcsscpolemik und PartelgcpHnkcl zeitigt. Die Folge ist etne allgemeine Verbitterung. Die Clinhizhewrgitng hat ungeahnte nimensloiien angenommen. Im Augenblick bestehen In Polen 350 Vereine, die ungefähr JOO00 organisierte Mitglieder umfassen. Hierzu kommen noch die gleichfalls im Wachstum begriffenen Gruppen des „Chntuz Hnmlsrnchi" und des „Hnsclromcr H.ualr", Die Zahl der sich täglich ans Pulästlnaamt Wendenden nichtorganisierten Arbeiter geht in die Zchntauscndc. Das Memorandum lenkt die Aufmerksamkeit der Alijahkonfercnz darauf, daß es an der Zelt Ist, die Alljnhhcschrünkuug Im Sinne einer Anpassung an die faktische Lage In Palfistina einerseits und an die derzeitige große Aufbaumöglichkclten in sich bergende Palästlnabcwcgung anderseits zu ändern. Schließlich macht das Memorandum verschiedene konkrete Vorschläge bezüglich Erleichterungen, die die Alijahkonfercnz zu Jerusalem von der Regierung fordern soll, Ch. Barlas, der Leiter des Zentralen Palnstinaamtes in Warschau, veröffentlicht Im „Aluiajland" einen „Jüdische ToutIbUV überahrkbenen Artikel, dem wir iolgendcs entnehmen: „Der Begriff Tourist Ist In Europa und Amerika ein «ehr eindeutiger: ein Mensch, der sich zu seiner Zerstreuung'auf die Reise begibt, um fremde Länder kennen zu lernen. Solche am Deder bedenke zu Pessach die Sammelbüchse des Keren SCaJemefh mit einer größeren Spendet Touristen kehren sehr bald von den besuchten Lindern wieder heim. Nun gibt es aber In letzter Zelt eine andere Kategorie Touristen: Juden, die das Land besuchen, mit dem inrc letzte Hoffnung verbunden Ist und die Intuitiv fühlen, daß sie heute oder morgen von der mächtigen Palästlnabcwegune fortgerissen werden können. Dieser Touristentyp Ist |„ Europa wenig bekannt und für ein englisches Ochirn unverständlich. Der Jüdische Palästinatourist Ist seinem Wesen nach ein halber Emigrant oder zumindest ein Cmlgri, tlonskandldat. Daher wird er auf die Frage, wie lange er In Palästina zu weilen gedenkt, stets antworten: Ich weiß nicht genau, sicherlich ein paar Monate. Ich will zusehen, ob Ich dort nicht mein Kapital unterbringen oder dorthin meine Fabrik überführen kann. Eine unleugbare Tatsache ist es, daß gerade diese Touristen die Palästinabewegung in Kreise hineingetragen haben, die von Erez Israel nie geträumt haben. Ich könnte auf hunderte Unternehmungen hinweisen, die erst nach ein- oder mehrmaligem Besuch ihrer Gründer m F.rez Israel geschaffen wurden. Es ist dies eine gesunde Erscheinung, die die Olim bei Buer Einordnung In Palästina vor vielen Fehlern bewahrt. Von großer Bedeutung wäre es, wenn die zionistische Leitung In Palästina das einschlägige statistische Material sammeln würde. Die Handels- und Intlustrieabtcllung t|Cr zionistischen Exekutive hätte die dankbare Aufgibe, der Regierung die Wichtigkeit einer »chöpferlsch-jüdl. sehen Touristik für den Aufbau des Landes vor Augen zu führen. Der größte Teil der jüdischen Touristen hält sich In Palästina bloß darum so lange auf, weil er die dortigen Handels- und Imlustrlcmöglichkcltcn erforschen will und kehrt bald wieder heim, Aber es Ist klar, daß ein gewisser Prozentsatz der jüdischen Touristen die Möglichkeit findet, sich sofort In Palästina einzuordnen, um so die Kosten der Rückreise zu ersparen, Sie beschäftigen sich mit der Einrichtung ihres neuen Helms, während ihre Angehörigen im Oaluth inzwischen ihre Geschäfte liquidieren. Es ist klar, daß die Palästinarcgicrung hierin kein Vorgehen gegen das Qcsctz erblicken kann, welches den Touristen nur einen Aufenthalt von 3 Monaten gestattet, ihm aber andererseits freistellt, nach Ablauf derselben um eine dauernde Aufenthaltsgenehmigung cinzukommen. Dieses Moment der spezifisch-jüdischen Touristik, die Palästina nicht als ein archäologisches Land ansieht, sondern dort die Möglichkeit für die Errichtung lausender nützlicher jüdischer Unternehmungen sucht, muß entsprechend hervorgehoben werden, um die Anerkennung und die Mithilfe der Palästinarcgicrung zu finden. DI* bevorstehende Alijahkonfercnz In Jerusalem muß sich mit der Angelegenheit ernstlich beschäftigen." Schädliche lebcrtrelbnngen Von Dr. Michael Ringet (z. Zt. Rom). . Die jüdische Ocffcntlichkclt befaßt sich in der letzten Zeit mit gewissen spekulativen Auswüchsen der sogenannten „vierten Aliiah". Die jüdische Presse — im Oaluth noch mehr vielleicht wie in Palästina — führt darüber eine erregte Diskussion. Der ruhige Beobachter jedoch kann sich des Liudruckes nicht erwehren, daß diese Sache übertrieben wird. Infolge des Mangels an exakten Zahlen Ist es leicht möglich, daß dasselbe Faktum von so und so vielen palästinensischen Korrespondenten beschrieben und in so und so vielen jüdischen Zeitungen breitgetreten wird, was zur Folge hat, daß die Juden Jm Gallith ein falsches Dild bekommen. Ein Bild, dem das Haupterfordernis der wahren Malkunst fehlt, nämlich richtige Perspektive und — Proportion. Die gute Absicht der über dieses Thema schreibenden Jüdischen Publizisten wird hier nicht angezweifelt. Aber — die Liebe übertreibt manchmal ebenso wie der Haß . . . Dazu kommt noch eines: Es sind vom Oaluth aus zu viele Fernrohre und Objektive auf die noch schwachen, in Entwicklung begriffenen Keime der jüdischen Siedlung gerichtet. Die günstigen und ungünstigen Erscheinungen in Erez-Isracl erscheinen Infolgedessen unserem Auge stark vergrößert, manchmal ein wenig — verzerrt, wie in einem Hohlspiegel. Die vielen Besprechungen der — übrigens nur in Tcl-Awiw sichtbaren — Auswüchse haben in der jüdischen Oeffrntliclikelt eine Unruhe hervorgerufen, ein Hangen um die Reinheit der weiteren Entwicklung des Jischuw. Außer der jüdischen Presse beginnt nun auch die antisemitische dieses Thema zu beleuchten und zu — verzerren. So konnte man In (Inn Blatte des polnischen Bildung*- minister* letztens lesen, daß die Chaluzim überhaupt nicht mehr nach Lrcz-Jsrael wollen, und daß dort das berühmte „Nalewki" (Warschauer Judcnvicrtcl) in neuer Auflage entsteht. Diener von übertreibender Ucbe getragenen Diskussion In der jüdischen Presse verdanken wir es wohl auch, daß der Hauptredner bei der letzten Budgetdebatte In der italienischen Kammer, Pcdrazzi, es wagen durfte, von einer Einwanderung von „pescicani". von Kriegsgewinnern, nach Palästina zu redenl Und seine Rede, die übrigens einen bissigen, nnfizlonistischcn und katholisch-antisemitischen Grundton halte, wurde von der Majorität der Kammer mit Beifall aufgenommen und von Mussolini mit einer wohlwollenden Bemerkung an die Adresse Pcdrazzls quittiert. Die Auswüchse In Tcl-Awlw müssen durch gesetzliche und sonstige Verfügungen möglichst bald behoben werden. Das Ist vor allem Sache der dortigen ttebiirdcn: der jlUUschcn Kommunal-Rätc, der Jcwlsh Agencv, der Palästina-Regierung und unserer Boden kaufenden Institute In Palästina. Diskutieren wir jedoch nicht mehr darüber! Dies schafft fm großen jüdischen Publikum, das doch noch nicht aus lauter Zionlstcn besteht, einen Pessimismus, der unbegründet Ist — und oft lähmend wirkt. Unseren Feinden aber gibt diese Schwarzmalerei unserer eigenen Presse einen erwünschten Anlaß zu neuen Angrlffen.. Der letzte nrrlcht der Mandatskommission - an deren Spll/e ja ein Pedra/zl nahestehender Politiker steht — sollte unserem Gedächtnis doch nicht so schnell entschwinden. Und außerdem ist noch ein dritter Qrund vorhanden, der breittretenden Diskussion über die Bodenspekulation im. Oaluth ein Ende zu raachen. Es ist doch unser stiller Wunsch, daß der Jischuw möglichst schnell erstarkt und — In Jeder Beziehung — auf eigenen Füßen zu stehen lernt. Er muß lernen, mit den Problemen, die auf dem Boden Palästinns erwachsen, selber fertig zu werden. Durch eine Hypertrophie der Diskussion verzögert die Oaluth-Prcssc den Zeitpunkt der „Mündigkeit"' des Jischuw. Und es ist doch unser Wunsch, daß der Jischuw der Welt und auch den Brüdern im Oaluth in recht naher Zelt das stolze Wort des Rliorglmento zurufen kann: *?irie,Jl,i'eil ifrk. d.* ,e" ~ EreMsracl will sein Schicksal iclber In die Hand nehmen ... ' " vv ,1 | ,; >'Q] - I. 1 'Iii (j .!'•< r •■, 1 ^VVVv' ) , ' jti l'l-t"'t!k%'r »' f> 1 1'i ■ f'i[* r-i4 ''\ >V 1 l. ■ '.'!'.' "i, \ 'V'«('.' 1 ÜUUtt, 1 \ ' £<• 'lV.'.",;v> ii ,1i;l "ii Mf;:v<- C-t r '' :! \ ,:< V ■.. V;,:,. ii', r «" ' » .1j "■';V.,| ■ \S ' '<■■ .,, ,! i.> /' >' ^M-'ii^-W UV.;'. -i>-.1 *\'"rM*." i :;N.te>jt'.', *mt c;! i »' \i , 2 ' V 'K 7' iV \ t , jnfV ,;' ' »'»"h-t"'*; i. f -'ff, ■, E<^';V-V . i ' .-•,. ' d «••, j M ' . I I I dj?i|.,;l t iVV>V'''! V: b.';/,.-:.v;•'!•.;. a ■ «'K.! , «''!«!".'*•.; i'i ' Vl'l " ivA;;^;'1* d! fj' \'" ' ■ <<Y d!',> aj.i, '.j Sir;v!'!.;! b,<; ';(* :f» « I f!f \1 d-H1 ifi, « ' V, c'.p ■ ' , V- :< w ••' r>4^ 1 •''<»»»,. ■.» *> ■'. W" ' ,' 3 i :il i; m%i S I ,.(.«, .'; yfi'i'i Z , i i iil'ir':] S i h! >'i>L -l \ 'Mii-I'' i t! "s1 M ,f I s,;>" " ./•lt. i\ •}< ) 1 , i «IV,.;,', Ii i ■! t ' . ■ " 1 ' H /1 ■ -" dv'';iy ''Ii 2f-':'.<',',». ' > Kl .i i-V-.V. , fe:: ti<!/"i;;. ■ ' >■'!■■. '■::>;!l ./,!.-;<) " t..'.:"'. '.'J - {'•') ' \ - T 1 S-'i Ii U'i-' . aV; '•' : k; - ■; ,:, i, <\' f ji'Vu'l ■ (i.. , •' ^Ott o. i, * % •''!'; ' Je:f.vi. ,1. v$viV* ,r ..;•;'„ c ]•> •>; , 1 ■V :; ,Y i-. r:i\r •A».V, 'Ö. :' *H ' * 'l < J,.!?1;! , 8<M;; i * Km ,.f) Z.-!.'-' ''T t, 'V ■. I .' g vili *n

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