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Jüdische Rundschau · 1925-04-08 · Heft 29-30 (8.4.1925) · page 17

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 29-30 (8.4.1925)
Date
1925-04-08
Page
– (sequence 17)
Language
German
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/ Kr. 2«'30 JUEDtSCHE RUNDSCHAU Seite 275 Schchunat Owdim Von Gerd« A r 1 oio rof f-Qoldb« r g, Jerusalem. Die Bodenspekulation In Stadt und Land, vor allem im Matrum der neuen Alljah, In Tc.-Awlw, Ist mit Recht heute itt Orßen«tand heiliger Diskussionen Im In- und Auslände. Diese Erscheinung, bekannt aus der Qcschlclile vieler Kölo- •Isitionsländcr, wird von verschiedenen Seiten beleuchtet und vkimp'l werden müssen. Sie kann In Palästina, obwohl sie jto glilchen Verlauf und dieselben rolgcii Int wie überall, tar mit einem Teil der Mittel bekämpft werden, die sonst f, OcfMtc liehen, well eine gesetzliche Regelung nicht In it! Hand der Juden ließt, Hin direktes Eingreifen des JiseJmw (t!hit aul dem Wege von Verordnungen Ist heute nur In den fischen Stadtverwaltungen möglich, von denen die größte [Xn Tcl-Awlw, freilich bereits Zehntautende umfaßt Der K'impf gegen die Bodenspekulation muO deshalb an allen punkten sogleich mit den Mitteln begonnen werden, die ge-. »Ittermaßen von unten auf durch praktische Maßnahmen wirksam werden und im Aktionsbereich des Jüdischen Jischuw liegen. E« C>bt deren eine ganze Reihe, auf dl« hier nicht «fiter eingegangen werden soll. Es sei hier c.n Gedanke fcerausgcgrillen. der lange vor der Periode der Spekulation entstanden, nicht 90 sehr die Boden- und Wohnungsfrage rjm Mittelpunkt hatte, sondern aus anderen Nöten und Pro •slcmkomplcxen entsprungen Ist, der aber im Uchte der heutigen Zustünde neue aktuelle Bedeutung und Farbe gewinnt. [4 Ist der Plan der „Schchunat 0 w d I m", der „Viertel der Arbeitenden", der bereits seit Jahren Gegenstand von Oc iitungen der palästinensischen Arbeiterschaft Ist Der Plan der Schchunat Owdim entstand in den schwersten TiRen der Arbeitslosigkeit im Lande. Als die großen Straßen* inutco zu Ende gingen, gelang es nicht sofort, die freien Arbeitskräfte in andere Positionen überzuführen. Die Bau- Uilgkeit lag noch In den Anfängen und konnte nur eine kleine Zahl beschäftigen. Hunderte blieben entweder ohne Erwerb oder mußten sich mit zwei Arbeitstagen in der Woche begnügen. Die Folgen waren ein Sinken der Lebenshaltung unter das Existenzminimum, Sinken der Löhne, mit ollen den unerfreulichen psychologischen Begleiterscheinungen, die unter t»lchcn Umstanden unvermeidlich sind. Man bemühte sich dimal», unter dem L'.-uckc der Verhältnisse eine Möglich keil zu finden, den Arbeiter In den restlichen Tagen der Woche zu beschäftigen und ihm durch diese NcbcnbeschÜtl« gütig einen materiellen Zuschuß zu seinem ungenügenden Lohne zu sichern. Beide Aulgabcn sollte der Bau von „Schchuiwt.Owdlm" erfüllen. Die Krise der Arbeitslosigkeit ging schließlich vorüber, Od Beginn der großen Tabakpflanzungen Im Lande gelang es, eine groQc Anzahl von Arbeitern In den "Kolonien tu tonrcntrUr:n und darüber hinaus Plate für eine neue AJij.fi ia großen Maßstab zu schallen. Kurz darauf schuf die neue Bautätigkeit Existenzmöglichkeiten für Tausende und gewann und gewinnt heute noch immer mehr an Umfang und Bedeutung. So verschwand im letzten Jahre die Erscheinung der Arbeitslosigkeit mehr und mehr, so daß man Im gegenwärtigen Moment sogar von offenen Stellen auf dem Arbeits- «tili» sprechen.kann. . , ..... .\. , , So sind denn heute die Ursachen, die zur Entstehung du Planes der SchchunatQwdim fühlten, zum Teil nicht othr vorhanden. Der Oedanke selbst wurde Jedoch weiter tutgebaut und entwickelt, wurde aus einem Mittel zur De •Impfung eines momentanen Uebelstandes zu einem bedeutenden Pro|ekt von geaetlschaft'icher und wirtschaftlicher Importanz und wurde entsprechend den veränderten Vcr. hiJtnlsser. umgewandelt. , Der Plan der „Schchunat OwdJra" Ist kein Projekt einer landwirtschaftlichen Ansudlung neben den Stielten. Wir kennen wiche Intensiven Betriebe an vielen Stellen, Est •ei nui an die zahlreichen Qemüse- und Frilchtezüchter bei Paris erinnert, die den riesigen Markt der Metropole durch hochkultivierte Intensive Bcdcnausnutzung das ganze Jahr durch beliefern. Die Afbcltsmögllchkeltcn und Enverbsquel'en der Schchunat Owdim Hegen nur zum geringen Teile In diesem Viertel selbst, vorwiegend Jedoch In der Stadt Die Schchunath lit nichts an.leres als ein llllfslnstrumcnt, da» dem Beamten oder Arbelte r eine billige und Cetlchcrtc Wohnung und ein bestimmtes Minimum an Nebeneinnahmen garantiert Wir begegnen den Plänen von „Hilfswirtschaften" mebr und mehr la unserer Kolonisation In verschiedenen, den Verhlltnisscn totsprechenden Formen. In diesem Jahre hat man angefangen, den Arbeitergruppen in den Kolonien die Mittel zu geben, f'ne-n kleinen landwirtschaftlichen Betrieb einzurichten, der ii Zeiten von Arbeitslosigkeit und Defiziten die elementaren Bedürfnisse zu decken hellen soll. Man erwägt In weiterem Ausbau die „Schaffung von Schchunot Owdim bei den Kolonien'*. Der leitende Qedanke ist derselbe wie m» den Städten, nämlich dem Arbeiter einen wirtschaftlichen Rücket zu 'geben, der Ihn die Zeiten der Arbeitslosigkeit und ttr ungenügenden Löhne zu überdauern hilft Der u'rabische jfolonkarbciter besitz» diesen Rückhalt in seinem kleinen Setrieb, der von ihm oder sefner Familie besorgt wird. Heute umfaO,t der Plan d:r Schchunat Owdim eine Reihe Betriebstypen. Es muß da unterschieden werden zwischen;cm Angestellten, der feste Arbelt und festes Ochalt hat \Uhrer, Beamte, dauernd beschäftigte und gkichmißig bellte Arbeiter und Facharbeiter), zwischen Arbeitern ohne 'tste Beschäftigung und dem Teil der Siedler, deren Hauptj'belt in ihrem landwirtschaftlichen Betriebe Hegt. Die beiden l'iten können neben Ihrem Beruf nur wenig Energie und Zeit fr dk Hauswirtschaft aulbringen, ihre Einnahm:quellc liegt 10 der Stadt. Die Schchunath sichert Ihnen eine billige, -Ichcrc, JJcnsch.nwürdlgc Wohnung und eine beschränkte Menge ven Naturalien für den Eigenbedarf. Dementsprechend ist für JJe eine kleine Bocfenflachc (2 Dunam) Im Plane vorgesehen, |*r dritte Typus hat seine Haupterwcrbsquelle Im landwirt- ^naftltchcn Betriebe seihst und Ist wenig oder gar nicht •uf Außcnarbtlt angewiesen. Dementsprechend Ist dafür eine Mößcrre Bodenfläche (12 Dunam) vorgesehen.*) Die Einwohner der. Schchunat können — das wird die Entwicklung i!Sll*n müssen — auch im Viertel selbst beschäftigt sein, ~*r Bau selbst, die Anlage von Wegen, Häuserbau, Wasserertorgurig, Kanalisation usw. wird eine große Anzahl von J^O'lter' beschäftigen und so In den nicht ten Jahren eine ^Utende Arbcltsquellc darstellen. Spiter werden alle Berufe, *) Die Zahlen sind dem Plan der Schchunat Owdim tM.«"Sn Tel-Aw|w und Herzlfah entnommen und sind somit »uatlv und variabel die dlo Bedürfnisse der Siedler decken, dort ein Tätigkeitsfeld finden. Die bereis crtwühntcii landwirtschaftlichen Betriebe können bei genügender Intensivierung über den eigenen Oebnuch hinaus, die Lebensrnittel für das gesamte Viertel liefern, w daß sie in gewissem Maße auf (Ich selbst gestellt Und. Darüber hinaus öffnet sich für die Schchunat Owdim In einem, späteren Enlwlekluiigsatndlum der große Markt der Stadt neben der sie gelegen ist. Das Problem der Belieferung unserer St-'idte mit Oandse, Milch, Eiern, Fleisch, Früchten und so weiter aus den Kreisen des flsdiuv Ist heiilo noch ungelöst. Ein großer Teil des Bedarfs wird mit Auslandsprodukten und arabischen Erzeugnissen gedeckt Mit dem Wachstum der Städte werden die Absatzmöglichkeiten gröOcr. tW'M Ä&ffipJS!*, , 4«Df6Wu(«/A v*!~?5^ä-'TTT'r «iXtz^-r* jUi^-M^k ^i^Wf/iifSff^ "xy^'i ^yyyp Die Erzeugnisse der Schcliunnh liSttcn vor denen der Kolonien einen Vorsprung. Jedoch sind diese Perspektiven erst für ein vorgcsehiiltcnet StndUm dcr Schchtniat Owdim berechtigt. Urber die rein wirtschaftliche Bedeutung der Sehehumt Owdim hinaus trägt das Projekt wichtige soziale ZO'je an sich. Der städtisch: Arbeiter ist In Palljlina eine relativ neue Erscheinung. Es ist fhm bis Jetzt nicht gelungen, eine seinen Tendenzen und seiner ökonomischen Lage adäquate Lebensform zu schaffen. Die Kwuzah und der Moschaw des Landarbeiters sind freilich auch noch keine endgültig festgelegten und durch dla Prüfung der Erfahrung sanktionierten Slcdlungsformcn. Jedoch sind sie wichtige Versuche und bedeutsame Schritte auf einem Wege so/inlcr und wirtschaftlicher Konsolidierung. Der städtische Arbeiter verfügt bis heute nur über eine wirtschaftliche und po'illschc Kampfcsform, die ihm In gewissem Maße Arbeitsbeschaffung und (nicht Immer!) einen Mlninialbhn garantiert Er hängt ebenso wie der Beamte oder Lehrer von den hohen Mietpreisen ab, er kann vielfach nicht einmal ein schlechtes Zimmer bezahlen und muß sich mit einer Baracke oder einem Zelt begnügen. Seine ßcsellseliaftllclicn Einrichtungen nlnd in der Stadt noch kaum zur Entfaltung gekommen. Der Unverheiratete findet seine Beköstigung In der Arbcitcr'eüclie. Famltirngründung und Kinder Jedoch zwingen Min zu einer ebenso schwierigen wie unrationellen Einrichtung eines Einzelhaushaltes. Die Erzlehungsfragc, die In Kwu/oth und Moschawrm bis zu gewissem Orade durch gemeinsame Kindergärten und Schulen gelöst wird, besteht In der Stadt In voller Schwere. Die Zusammenfassung der städtischen Arbcl'er In Schc'iunot Owdim gibt die Möglichkeit zur Schaffung ähnlicher Institute, wie sie uns von der landwirtschaftlichen Kolonisation geläufig sind. Sie ermöglicht eine zweckmäßige Erziehung der nächsten Oencralion, die Befreiung derjenigen Frauen, die es wollen und brauchen, von der Pflege des Einzelkindes und cröllnct so wichtige Perspektiven. Sic gibt schließlich dein.städtischen Arbeiter die Möglichkeit, sich ein seiner Eigenart und seinen Bedürfnissen adäquates Milieu zu schaffen, die notwendigen kulturellen und wirtschaftlichen Institutionen aufzubauen und zu entwickeln, kurz einer „Kolonisation der Stadtarbeitcr". Die Ausführung des Projektes steh! nahe bevor. Nachdem das Budget des Vorjahres von 20 030 £ nicht eingehalten werden konnte, hat man dieses Jahr BODO iL Sit die Ausführung des Planes bewilligt Diese Summe wird reibstverständlich nur einen kleinen Prozentsatz der Qcsamtkostcn bilden. Nach den Voranschlägen wird die Ausführung, die vier Jahre In Anspruch nehmen und Jedes Jahr 250 Familien umfassen soll, gegen 250000 £ kosten, Außer den Budgets der zionistischen Organisation Ist die finanzielle JJctcillgung der Siedler vorgesehen. Dann kommt eile Beteiligung einzelner Gesellschaften wie „Kchillath Zion" („Amcrlcnn Zton Commonwealth") und für ßodenkauf und Bewässerung der N. 1-, Ocplant sind bis jeizt Schchunot Owdim bei Tcl-Awiw, Hnlfn und Tibcrias, den drei Punkten, an denen heute städtische Arbeiter In größerer Zahl konzentriert sind. Die Schchunot Owdim sind nicht nur für die Siedler selbst von Bedeutung. Sic können, entsprechend erbaut und vor allem entsprechend gelegen, zu einem wichtigen Instrument der allgemeinen Sozialpolitik werden. Wir haben am Anfnng die heute herrschende Bodenspekulation erwähnt Wir wiesen darauf hin, daß durch die Errichtung solcher Viertel zum mindesten für einen Teil der arbeitenden Bevölkerung die Wohnungsfrage gelöst würde. Sie löst sich auf die radikalste Art Der Boden der Schchunat Owdim wird durch den Nationalfoods gekauft oder geht — dal Ist eine conditio sine qua non — In seinen Besitz über. Dimit Ist eine Spekulation von vornherein ausgeschaltet AuOcrdem bekommt der Naflonalfimds ein Mittel in die Hand, auf die Prelthildung auf dem Bodcnmarkte der Stadt Einfluß zu nchmon. Sehr viel wird dabei von der Lage der Sshchunah abhingen. Und hier stehen wir vor einer interessanten Frage. Die Schchunah toll außerhalb der Stadt, aber bei der!>u it Hegen. Das heißt, sie soll nicht selbst StaJt, aber doch *a nahe sein, daß Ihre Produkte leicht zum Markte der litailt befördert werden können und <1»B der im Zentrum betchäftigte Arbeiter für die Wohltaten der Siedlungen nicht mit einem stundenlangen, mühseligen Wege von und zur Arbeitsstelle bezahlen muß. Bei dem sturken Wachstum Tcl-Awiws, dem vielleicht b.ild der gleiche ProicQ au anderen Stellen, z. Ii, bei dem neuen Afule folgen kann, Itt es fraglich, wo dieses Viertel zu bauen ist. Legt man es zu nahe, so wuchst J.c St;dt darüber hinaus, eine Anlage weiter draußen verlangt gute Wege, sehr billige Autoniobllbcförderuna «der elektrisches Wagen. Nun Ist es heute gar nicht abzusehen, \vn> TeI A>viw einmal In seinem Vordringen Halt machen wird. Kauft man doch heute Boden als .Dsuplatze (nicht etwa als Sicdlungsbcxien) bei Dne-Barak und weit hinaus nach der Qcgenseitc. So kann man heute mit einiger Wahrscheinlichkeit vermuten, daß Schchunat Owdim-nach einer Reihe von Jahren Innerhalb der Stadt liegen wird. Diese Perspektive Ist wichtig. Denn wir hätten dann mitten In den Im freien Verkauf befindlichen Parzellen eine nodcntUche, die unveräußerlich ist "dl de dem Natlonalfemds gehört, so daß sie als Regulator bcnüt/l werden kann. Der Plan der Schchunat Owdim hat sich Im Laufe der Jahre stark erweitert und entwickelt. Die Veränderung der Verhältnisse kann ihn weiterhin verändern und ausgestalten, dem Projekt neue Bedeutung geben und neue Aufgaben st:il:n. Der Oedanke Ist heute einer der wichtigsten, d:< in Palistina eine gesunde städtische Bodenpolitik und soziale Entwicklung versprechen. Oerade die Stadt, die neben der Landwirtschaft Im letzten Jahre sich immer mehr ausbreitet, verlangt Vorsicht Voraussicht und Politik auf weite Sicht. Denn Ihr Weg Ist auf sozialem Ocblcte gefährdeter als der der Kolonien. Es Ist deshalb wesentlich, daß die Schchunat Owdim gut ausgeführt werden, um ihrer doppelten Aufgabe für die Arbeiterschaft und für den Jlschuv Im allgemeinen gerecht zu werden. Die national - kulturelle Autonomie In LclUand Von unserem Berichterstatter. M. O, Riga, 31. März 1925. Die Frage der kulturellen Autonomie der Minderheiten steht im innerpolltlschcn Leben Lettlands mt Brennpunkte de» Interesses. Die unerwarteten Widerstände, die bei der Behandlung des deutschen Autonomicnrojcktes zutage getreten sind, sind gewiß höchst symptomatisch. Die Angit vor dem Wicdcrcrstarkcn des Deutschtums ist dafür nicht die ein/Ire Erklärung. Fürchtet man doch mit Ueclit, e!aß die Annahme des deutschen Autoiiornlcprojeletct einen P.äreden/fall schaffen und den Autöuonilepnlektcn der ü'.ir.gen Minderheiten den Boden ebnen würde. Dies bedeutet aber nach Auffassung der 'lettischen Chauvinisten den Beginn der Zersplitterung Lettlands, was um ' Jeden Preis hintertrieben werden muß. Das Schicksal der deutschen Autonomie Ist bis zur Stunde noch völlig ungewiß. Die öffcrit'lch-rechlliche Sejjnkommission, die das Projekt behandelte, nahm an ihm verschiedene Aende- Hingen vor, um es der lü'dungskommisslon weiterzugeben. Diese hat es mit der Behandlung nicht eilig,«indem sie Jungst beim Plenum den Antrag stellte, den Ihr zur Durchsicht des Projektes gegebenen Termin unbefristet zu verlängern. Kaum braucht man zu sagen, daß dies eine Vcrlegung ad calcmhs graceas bedeutet hätte. Vielleicht ist es kein ungünstiges Omen, daß das Plenum diesen Antrag abgelehnt hat. Inzwischen wurde nun das jüdische Autonomicprojekt In di-r ölfeiillich-rcchtllchcn Scjinkommls»hn bch.mdelt. l'cr Antrag des Baucrnbundvcrtrclers, die Dureluicht des Proj.-ktc* aufzuschieben, bis die Stellung des Sejm* zum deutschen Projekte klargestellt sein wird, wurde abgelehnt Dagegen wurde der Vorschlag des sozlaldemokral'schcn Retcrc»ten angenommen die zwei Punkte gruiids.ltzllrh zu ciitsc-hndcu, durch welche das jü lisMic Pro.'ckt vn den dcutichen abweicht: die lllnelnbezicliung der JilJIscheri Kiiltaugclegcnhc'ten In das Arbeitsgebiet der Volksgemeinschaft und die Forderung mehrerer UntenIchtssprachen. Die folgenden Debatten offenbarten wieder einmal die ganze Tragik der jüdischen Zerrissenheit. Denn während z.B. die deutsche Scjmfraktion wie ein Mann hinter ihrem Autonomieprojekt steht, so prallten in der jüdischen Kultfragc die Anschauungen des mlsrnchlstiiclicn und agudistißchen Abgeordneten mit denen des bundislisclicn und zelrc-zlonislisclicn schart zusammen. Entere verwiesen danuf, «lall die national-kulturelle Autonomie auch die jüd;sclien Urincindcn in sielt schließt, zu deren Kompetenz sowohl religiöse als soziale Fragen gehören, wenn aoer die Religion aus der Kompetenz der Autonomie ausgeschaltet wirel, so würden die religiösen Juden besondere Qcincindeii gründen, wodurch die Antinomie flircs Charakters als Zentralorgan der gesamten Jüdischen Bevölkerung vertust g ginge. Die Argumente des hundistlschen und rche-zionistischcn Vertreters lauteten dagegen: die Jüdische Autonomie ist eine staatliche Zwangiorganifa'lrn und kann daher nur eine weltliche sein. Man dürfe nichtrcligiöne Juden nicht zugunsten religiöser Zwecke bcstct»ern. Die gegnerische Meinung leugne die Möglichkeit, daß Juden verschiedener Weltanschauungen sich gleich den übil^cn Vö'kcrn aul ürmid ihres nationalen Kultus vereinigen können. Schließ'.:ch widerspreche sie auch dem Prinzip der Trennung von Staat und Kirche. Die Abstimmung ergab, daß sielt die Majorii.it der Kommission für die weltliche Autonomie ausgesprochen hatte. Die Sprachcnfrnge wird jn der nächsten Kommisaronssltzung behandelt werden. Die Stellungnahme des zeirc-zbnislisdicn Vcrlreler3 Prot. Larersohn hat In manchen Kreisen ein gewisses Befremden hervorgerufen. I»c Indische Scjmfraktl"n criicil de Mitteilung, daß sie Prof. I.azcrsohn, der noch jüngst auf eine bezügliche Anfrage erklärt haben »oll, in «ler Kommission für die religiöse Kompetenz der Ocmeindcn einzutreten, während er faktisch dagegen aufgetreten ist, aus der Kommission abberufen habe. An seiner Stelle wurde der Nitk>nn|dcmokrfl» Flschman ernannt. Der „Sozialdemokrat" erklärt In seiner Jüngsten Nummer, daß die Sozialdemokraten für ein gemeinsamet Autonomieprojekt sind, weshalb sie gegen das deutsche Autonomleprojrkt, das ein Privilegium einer einzigen Minderheit Ist, rttmmoa werden.

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