Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 29-30 (8.4.1925)
- Date
- 1925-04-08
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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I Seite 272 jUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 2W?o bestehen mit den Chlzonln;, den bösen Oeistern und Dämonen, er konnte ihnen Jedoch nicht» anhaben, denn »le ließen Ihn keinen „Schern" niederschreiben, und er muOte daher den heilige» Nomen sprechen. Wohl erreichte er dadurch sein Ziel - die bösen Geister fielen der Vernichtung onhclm, doch erregte die» Mißfallen Im Himmel, und et wurde beschlossen, Ihn von »einer Tätigkeit In der niederen Welt abzuberufen. Als er erkrankte, versammelte er seine Jünger um sich und scfrtiete einen jeden. Sic weinten und sprachen: „Herr und Meister, wer wird nach deinem Tode unser Lehrer sein?" Er antwortete: „In unserer Mitte wohnt ein großer Mann, er wird, dich nach meinem Tode enthüllen und eure Augen in der Weisheit der Knbbala erleuchlen, heget Ehrfurcht vor Ihm und erweiset Ihm lilirc. denn ein Funke des Rabbi Simon ben Jochaj lebt In seiner Seele. Wohl wurde es euch dünken, er sei mein Ocgner, achtet aber nicht darauf, denn wisse», alles Ist von einem Hirten gegeben, alles sprudelt aus einem« Quell, doch in den Tagen meines Lebens waren die Röhren verstopft, und ich konnte euch nicht alles kundtun; in seinen Tagen aber werden sich die Röhren ölfncn, und die Weisheit der Kabbala wird die ganze Welt überfluten." Sie aber fragten weiter: „Und wer ist der Mann, der unser Meister sein wird? Wie sein Name?' Er antwortete: „Ich habe nicht das Recht, »einen Namen mitzuteilen. Aber ein Wahrzeichen lasse ich euch: Wer vor meinem Sarg eine Wolkcnsiulc aufsteigen sehen wird — der ist es, den Oott zu eurem Lehrer erwählt hat." Und nun verschied der heilige Meister, von all seinen Getreuen tief betrauert. Die ganze Ocmcinde gab ihm das Ocleitc, und auch Jiichak folgle dem Sarge. Man wollte den Meister In der Reihe der berühmten Männer begraben. Da trat Jlzchak vor und sprach: „Dieser Ort Ist nicht die würdige Ruhestätte des Meisters, denn die WolkensSulc, die seinem Sarge vorangegangen, hat sich eben dort abgestellt" und er wies mit dem Finger auf die Stelle. Nun wußten die Schüler, wer des Meisters Nachfolger sei. Der Kampf am Babylon*) Man hat mich aufgefordert, Ober mein jüngstes Ducti etwas zu schreiben. Selten erfüllte ich eine Aufgabe lieber, als diese. Zwar ist im allgemeinen nicht üblich, dali der Autor eines Buches sich selbst darüber äuUert. Mit der Vollendung des Werkes ist seine Aufgabe erfüllt, Ucberflüssig, ja gefährlich scheint es, wenn er das Kind seines Oclstes erst noch „erklären" muß. Denn ein Buch schöngeistiger Natur Ist wie jedes andere Kunstwerk; es wird aus einer Inneren Notwendigkeit herausgeboren und erklärt sich selbst. Tut es das nicht, dann hat es keine Existenzberechtigung, dann war es nicht notwendig. Auch der Mensch wird nur, weil er werden muß. Mit einem Kunstwerkaber ist es nicht anders, wenn — es erlebt wurde. Andere Werke aber haben mit Kunst nichts gemein, sie sind nur Produkte eines fleißigen Handwerkers, nicht einmal eines Kunsthandsverkers, Wenn Ich trotz dieses Bekenntnisses zur Feder greife, um mich neben — oder wenn man will, vor — mein Buch zu stellen, dann geschieht es aus zwei Ursachen heraus: ich mull mich verteidigen 1, dagegen, daß ich es überhaupt ichrieb, 2, dagegen, daß Ich es so schrieb und nicht anders. Der erste Vorwurf ist literarischer Art und ich will Ihm zuerst begegnen, um mein literarische« Ocwlssen zu besänftigen. Der „Kampf um Babylon" ist ein Werk, aus drei Büchern bestehend: doch nur das zweite und das dritte Buch nennen mich als Autor. Unter dem ersten Buche steht: „begonnen von Heinrich VoBrat Schumacher, nach seinem Tode fortgesetzt und vollendet von Heinz Welten." Die Zünftigen zucken die Achseln: „Wie kann einer ein Buch beginnen, ein anderer es vollenden? Ist das noch Kunst?" Die Zünftigen haben recht: Ich denke nicht anders als sei. Ein Buch kann nur der vollenden, in dem der Gedanke, es zu schreiben, geboren, in dem dieser Oedanke zur Tat wurde. So wenig eine Frau ein Kind empfangen, eine andere es austragen und gebären kann — den Biologen glückte das Experiment der „Tragammen" bisher nur bei niedrigen Lurchen —, so wenig vermag ein Künstler ein Werk zu vollenden, das ein anderer begonnen hat. Nicht einmal zu ergänzen vermag er ein verstümmeltes im Oeistc des Schöpfers. Noch wurde der Praxiteles-Schüler nicht wiedergeboren, der einer Venus von Melos neue Arme schuf. Solches und ähnliches sagte ich dem Verleger, der mich aufforderte, das nachgelassene Werk von Schumacher zu vollenden. Der Verleger lächelte. „Lesen Sic es! es sind nur wenige Kapitel, kaum mehr als cm Anfang." Am nächsten Tage lag das Werk auf meinem Schreibtisch. Ich blätterte darin und legte es weg. Wunderte mich wohl auch, daß nur diese wenigen Kapitel da waren und nichts weiter. Keine Disposition, keine Skizze, nichts, woraus man hätte entnehmen können, wie der Dichter sich die Entwicklung weiter gedacht hatte. Nichts, als diese wenigen Kapitel. Hann fuhr Ich — es war im Januar und man schrieb das Jahr 1021 — In den Harz, nahm in Schierke Quartier und machte große Spaziergänge, um In der reinen Winterluft die Lungen zu baden, um im Schwelgen des weißen Waldes den wundgrpcHschtcn Nerven Erholung zu bringen. Doch in> einer kalten Nacht, als der Schneesturm um das Holzhaus plilf und Ich nicht schlafen konnte, ging Ich an meinen Koller, um etwas zum Leisen zu holen. Da fiel mir das Paket Jl't den nachgelassenen Papieren Schumacher'» In die Hand, poch jetzt weiß ich nicht, wie es in meinen Koffer geraten ist in jener Nacht aber begann ich zu lesen, und ich las J»» las. bis ich die letzte Seite gelesen hatte. Es war «Pr Anfang des großen Ringens zwischen Assyrien und ™P und ein Knabe trat auf: Ncbukadnezar; und ein Mädchen, seine Spielgefährtin und Jui?cndgeliebte: Nitokris. L^h die Landschaft war von einer Plastik, daß ich sie zu grci en wähnte und in den Adern der Menschen floß leocmlicrc» Blut. ■ Am nächsten Morgen hatte der Sturm sich gelegt und Ich wanderte durch kniehohen Schnee hinauf zum Brocken. Ein weißer Olanz lag auf der Flur und machtvolles Schweigen war um mich herum. Dennoch war Ich nicht allein; vor mir schritten zwei Junge Menschenkinder in seitsamer ni« geseilter Tracht. Sie gingen nicht Im Schnee, sondern auf npflem Sande, Sandalen an den Füßen, und die HSndt intinander gelegt; Ncbukadnezar und Nitokris. *) „Der Kampf um Babylon" von Heinz Weifen, Verlag Kich. Bong, Berlin. — Wir gewihren vorstehender Selbst- 5n" , ReRfn unseren sonstigen Brauch darum Raum, weil «r in jüdischen Kreisen weniger bekannte Autor in der Beschäftigung mit dem Thema seiner Romantriloglc «ein große» jüdisches Erlebnis fand und nunmehr mit lebhaftem Wtresse an den lebendigen Fragen des zxligcntasUchen Judentum» Anteil nimmt. So wanderten wir zu Dritt hinauf zur Spitze und als tcli oben stand und meine Blicke schweifen 1kl» Ober die Ebene tief unter mir, da sah Ich drunten Im Tale am Ufer des Euphrat die alte Stadt Babykm liegen. In weiter Ferne, nm Tigris, lag Nltilvc und weit, weit draußen, am äußersten Horizont zeichneten sich nuf rlncm Hügel deutlich die Konturen einer trul/igcn Feste ab: Zk>n. In jener Stunde wurde das Buch „Der Kampf um Babylon" in mir geboren. War es eine Wiedergeburt? Ich weiß es nicht, werde es niemals wissen. Niemals werde Ich erfahren, wa» fn Schumacher lebendig war, als er In einigen Kapiteln da« Verhältnis zwischen Assur und Babel bloßlegte, das zum Endkampfe der Oigantcn führen mußte. Doch für nilrli stand diese» sofort fesf: das von dein Chilsicn Schumacher begonnene Buch sollte da* Duch meine» Volkes, meines jüdischen Volkes werden. Denn nur einer, der sich ah Jude fühlt bis in den letzten Blutstropfen, darf dieses Buch schreiben. Und auch die Gliederung des Buches war mir sofort gegeben. Drei Bdclicr sollten es werden und das erste sollte vom Untergang Ninive's handeln, von der Jugend des Ncbukadnezar. Pas zweite Buch mußte den Kampf zwischen dem König Nibnkadnczar zeigen und dem Lande fuda und den Untergang der Stadt Jerusalem. Das dritte Buch aber Mite die Juden im Exil schildern und sie bis an das Ende ihrer Leidenszeit führen, bis Iklsazar'« Macht durch den Perser gebrochen wurde und die Juden heimkehren durften In das Land ihrer Väter. So stand der Plan des Werkes vor meinen Augen, das ich für mein Volk schreiben wollte und Ich schrieb es nieder in den Jahren 1921 bis 1023. Nun zum zweiten Punkte der Anklage: warum schrieb Ich das Buch so und nicht anders. Denn zur Anklage wider mich ist diese Frage geworden; doch der Angeklagte hat das Recht der Verteidigung. Seltsame Schicksale hat mein Buch gehabt In den zwei Jahren, da es lebt. Es wurde gelobt und geschmäht, In den Himmel gehoben als ein Oroßes und In die Hölle verdammt als ein Erbärmliches. Zwei Richtlinien arbeiteten sich in der Kritik scharf heraus, die nationalen und die religiösen. Die nationale Presse — nicht nur die deuische, sondern auch die jüdisch-nationale und die Presse der Länder, in deren Sprachen das Buch übersetzt wurde — bereiteten meinem geistigen Kinde einen überaus freundlichen Empfang. Man nannte seinen Vater einen Meister, einen Dichter, ma.i verglich ihn mit Dahn, mit Sicnkicwlcz, mit Ebers. „Ein Dichter läßt eine längst verkhtngene Zeit mit einer Lebendigkeit vor uns auferstehen, daß sie uns umfängt und gefangen nimmt, als hätten ihre Menschen gestern noch geatmet, gelicht und gcliücn" schrieb eine große Berliner Geltung. Doch die Orthodoxen In Juda redefen anders. Der „Israelit" warnt vor meinem Buche, man dürfe es der Jugend nicht in die Hand geben. Es sei nicht Im jüdischen Oeistc geschrieben, sein Verfasser bezöge sein geschichtliches Material „nicht aus erster, reinster Quelle", Und weiter heißt es: „Daß hier ganz, willkürlich ein Lcwlte Namens Michael Scew zum Autor des Hlobsbuches gemacht und dieser zudem noch mit Daniel verschmolzen wird, scheint uns ein wenig weit hinter der Grenze zu liegen, d!« der dichterischen Freiheit eines historischen Romans eezogen ist". Und zum dritten heißt es: „Leider kommt Welten, wo er jüdische Themen berührt, oft in Kolloslon mit der Tradition, was wir ihm, dem Nichtjudcn, nicht allzu schwer anrechnen dürfen", Nichte bat mich geschmerzt als nur dieses letzte: „Welten, der Nichtjudel" Wer Bücher schreibt — und loh schrieb deren viele In drei Jahrzehnten —. muß auch abfällige Kritiken vertragin können. „Eure Majestät sind der König, und schieben die Kugel. Ich bin nur der Kcgcljunge, der die Würfe zusammenzählt". Oewiß, ich bin kein König. Aber auch mein Kritiker war — — — — kein Moses Mcndclsohn Doch dieses eine hat mich getroffen: Welten, der Nicht' judcl Denn niemals habe Ich aus meinem Judentum clo Hehl gemacht. Das Pseudonym schufen mir Zeitungen, für die ich seit 30 Jahren tätig bin. Mein bürgerlicher Name ist: Martin Philipsohn. Ich brauche mich seiner nicht zu schämen. Ein Größerer, als ich bin, hat ihn getragen. Dieses Ocheimnis meines Pscudonyin's verrät jedes Fachlcxikon, von denen zuweilen auch In einer Redaktion eines liegt Und doch: Heinz Welten, d. Ii. Martin PhüJpsohn, der-- Nichtjudel Wie aber Ist es um die anderen Vorwürfe bestellt, um die schlechte Kenntnis geschichtlicher Quellen, um den willkürlich gewählten Dichter des Hlobsliedcs, den der Verfasser „zudem noch mit Daniel verschmolzen hat"? Kann der Referent des „Israelit" mir den Dichter des Hlobslicde» nennen? Will er das Buch Daniel, das noch Jede Bibelkritlk als apokryph bezeichnete und dessen Entstehung in die Zeit Alexander des Großen gelegt wird, als ein historische» bezeichnen? Ich kenne auch seine „geschichtliche Quelle"; ich kenne sie gut. Es ist — — der Talmud. Auch ich liehe Hin und verehre ihn sehr. Ich weiß Ihn zu werten; er Ist mit dem Herzblut meines Volkes geschrieben. Aber eine geschichtliche Quelle Ist er mir nicht. Als er entstand, lebte mein Volk In tiefster Sklaverei, wehrlos, hilflos. Fj» wurde geknebelt, es wurde gepeinigt, zu Tode gemartert um) hatte nichts weiter als dieses: seine Schincrzensschrcic hinauszurufen in kommende Jahrhunderte, «eine Peiniger, deren es sich mit der Hand nicht erwehren konnte — denn die Hand war gebunden 1 — zu schmähen und sie mit der Zunge zu treffen. So wurde Ncbukadnezar zur Strafe dafür, daß ei Jerusalem zerstört hatte, von Oott seiner Sinne beraubt. Wie ein Ochse mußte er Oras fressen. Belsarar wurde schwarz in schwarz gezeichnet als ein Schurke, ein Verbrecher, ein vorchristlicher Nero (der auch seinen schlechten Ruf vor nchmllch dem Umstand verdankte, daß die, welche er ver^ tolgtn und IMtn Mett — Wct die Chrlslen — Sin sn'aler der Nachwelt überlieferten). Die Weltgeschichte Ist das Weltgericht, — - doch nur, wenn unparteiische Richter zu Gericht sitzen. Ich habe Bibel- und Talmudsludicn getrieben; doch niemals wurden sie mir zur gcschhlitllchcn Quelle. Um diese zu finden, mußte ich auch die Bücher anderer, unparteiischer Historiker lesen, deren Väter nicht von jenen geknechtet und verfolgt worden waren, über die die Enkel später zu Gericht saßen. So entstanden in mir andere Bilder von Ncbukadnezar und Belsazar, Bilder, die — vielleicht? — der historischen Wahrheit eher gerecht werden. Zum wenigsten aber sind sie gerechtfertigt im psychologischen Sinne. Denn in jedem Menschen mischen sich das Oute und das Böse und keiner Ist, in dem nur eines wirkt, nur Gutes oder nur Böses. Er vermöchte gar nicht zu leben, Ich weiß, daß mein Werk noch nicht vollendet Ist, Noch bleibt der zweite Teil zu iichrelben: die zweite Zerstörung Jcrusalcm's unter Titus, für den die Römer nur Ehrennamen „der Olückllchc" und „der Oütigc" fanden und den gleichfalls — menschlich, allzu menschlich — der Talmud schwarz In schwarz malt. Auch diese« Buch muß von einem Juden geschrieben werden und ich woHtc wohl, dal) ich dieser Jude «ein dürfte, Ich möchte nach Palästina ziehen, und wenn es auch nur für die Zelt eines Jahres sein darf. Ich möchte die alte Klagemaucr sehen und die Königsgräber und den Davktsturm und das Grab der Rahcl am Wege nach Bethlehem. So möchte Ich wandern durch zwei Jahrtausende zurück, In denen tinln Volk überwunden wurde durch die Gewalt, um später ducli noch zu siegen durch den Oclst, der die Materie überwindet. Diese» Buch möchte Ich noch schreiben, um mein Werk zu vollenden und dann--dann möchte ich nichts mehr Khrcibcn. Dr. Martin Philipsohn (Heinz Welten) Die hebrllsche Universum and wir Von Dr. M. Schwarz (Tarnowitz). Die Eröffnung der hebräischen Universität in Erei-kr«! erfüllt jeden aufrechten Juden mit Freude. Mit der Schaltung der Universität allein abor Ist es nicht getan. Diese Institution muß noch durch die jüdische Nationalhibllotliek und das Natlonalmuscum ergänzt werden. Zu diesen Schöpfungen gehört aber OekJ. Geld allein ist jedoch nicht genug. Wir wissen, daß zur Schaffung einer Bibliothek IkUlicr gehören. Die Juden sind nun das geistig regsamste und bclescuMc Volk, und fast Jeder Jude besitzt eine größere Bibliothek. Diesen Umstand sollten wir für unsere Zwcckc nutzbar machen. Die Büclicrsammlung für die NatioiialbihHothck mülltc viel mehr propagiert werden. In der Ocflcntlichkcit und auch unter den Zlonistcn selbst herrscht aber Unklarheit darüber, In welcher Weise dies gemacht werden soll. Noch größer aber ist die Unklarheit darüber, welche Bücher für uns von Wert sind. Es wäre Aufgabe der Leitung, die Oclfcntlichkcit in dieser Beziehung aufzuklären. Für die Bibliothek brauchen wir aber nicht nur Melier, sondern auch Zeitschrilten. Für die Universität wiederum sind Sammlungen von Fachzeitschriften von außerordentlicher Wichtigkeit. Die Sammlung von Zeitschriften ist also für unsere Institutionen von vitaler Bedeutung. Wie oft kommt es vor, daß jemand eint Fach- oder literarische Zeitschrift nur ein Jahr hält, sie dann abbestellt, um eine andere zu abonnieren. Diese Zeitschrift wird achtlos fortgeworfen. Wenn wir eine Sammelstelle hätten, die die Aufgabe hätte, alle ihr zugesandten Zeitschriften zu sammeln und sichten, so wäre •chon viel erreicht. Ich mache daher für die National- und Universitätsbibliothek folgende Vorschläge: J. Aufklanmg der Öffentlichkeit darüber, welche Bücher, Zeitschriften usw. von Interesse für unsere Institutionen sind und gesammelt werden sollen, Insbesondere Aufklärung darüber, ob nur Fachzcltungcn oder auch literarische, Kunst-, Musik-, allgemein naturwissenschaftliche Zeitschriften für die Sammlung in Betracht kommen. 2. Einrichtung von Landes« bzw. Bczirkssammclstcllcn, an die die Werke abgeführt w:r!m sollen. 3. Propaganda besonders unter den Studenten, daß Fachzeitschriften usw,, die nicht selbst gesammelt werden, der Sammelstelle zugeführt werden, Bücher und Zeitschriften, die in doppelter oder mehrfacher Anzahl der Sammelstelle zugesandt werden, können zu Tauschzwecken verwandt werden. Man kann sie aber auch als Makulatur verkaufen und dadurch die Kosten für notwendig werdende Ruchhlndcrarbcitcn gewinnen. Wichtig ist die Mitarbeit der Studenten und Akademiker, besonders für die Sammlung von Doktorarbeit™ und wissenschaftlichen Vcrö'fcnt. Heilungen, die Im Buchhandel nicht zu haben sind, die sie aber leicht von Bekannten erhalten. 4. Propaganda unter den Jüdischen Besitzern von Verlarsnnstalten. daß sie je ein Exemplar bei ihnen erschienener Werke der Bibliothek zur Verfügung stellen. 5. Propaganda für die testamentarische Ucberlassung ganzer Bibliotheken, evtl. mit der Beschränkung auf ein einziges Gebiet oder Einfügung der Klausel: falls sich nicht mein Solm dem gleichen Berufe widmet Vielleicht wäre es bei Einfügung einer solchen Klausel möglich, daß einzelne Personen schon bei Lebzeiten einen Vcrpflichtungs'chcln an die Landcssammclstcllc einsenden, aus dem sie rechtliche Ansprüche erheben kann, sofern der sich Verpflichtende durch unvorhergesehene Ereignisse ohne HinterlasMing eines Testamente» stirbt. Auf Wunsch der Sammelstelle wird der Betreffende auch zweifellos bereit sein, ein Verzeichnis der in seinem Besitz befindlichen Bücher und der von Ihm gesammelten Zeitschriften zu übersenden, wodurch sich die Sammelstelle ein genaues Bild machen kann und evtl. notwendig werdende rechtliche Ansprüche wirksam unterstützen kann. Während aber für die philosophische und juristische Fakultät die Bücher- und Zcitschrlftcnsammlung das Wesentlichste Ist. liegen die Verhältnisse bei den naturwissenschaftlichen Disziplinen ganz anders. Dort ist vor allem Anschauungsmaterial notwendig. Fast jeder Mediziner b«Uzt von seiner Studienzeit her eine Sammlung mikroskipls-hcr Präparate, die später für Ihn wenig Interesse haben und achtlos beiseite geworfen werden. Ocrade diese braucht aber unsere Universität zur Abhaltung von Kursen. Fast jeder Arzt hat Oclrgcnhclt, Tierparasiten usw. zu erlangen, die es zum Teil In Ercz-tsracl gar nicht gibt, die er aber nicht sammelt, jeder Ar;», und besonders der Frauenarzt, hat Gelegenheit, bei Fehlgeburten Föten aus allen Entwicklungsstadien In seinen Besitz zu bringen, die für den Anschauungsunterricht In der Entwicklungsgeschichte von Wert sind. Jeder Chirurg hat eine Sammlung von Geschwülsten, die er operativ entfernt ha», die für den Unterrieht In der Chirurgie und Pathologie unersetzlich sind. Viele Menschen haben andere Sammlerllcbhabrrelen. Welch einen Wert stellt für uns zum Beispiel eine Käfer-; Schmctterl'.n'-s. oder Ocstelnss.nminlung dar. Viele Fabrikanten geben zu Rcklamezwcckcn Abbildungen und Pcsfandtclle des Werdeganges und der Herstellung von GcbtMKhsRcncmiarokn heraus. Diese Dinge sind tür den technischen Anschauungsunterricht von Wichtigkeit Für das Natlonalmuscum kämen noch andere Liebhabereien in Betracht wie Marken-, Waffen-, Porzellan-, Münzensammlungen und vieles andere. Wie viele Juden würden ihrem Volke diese Sammlungen überlassen, wenn sie wüßten, daß das, was sie gesammelt haben, von Wert für die Allgemeinheit Ist und nicht auseinander gerissen werden würde. Ich mache daher auch hier die Vorschläge: 1. Aufklärung der Ocffcntllchkcl« darüber, welche Sammlungen für die hcbr:ische Universität und das Nationalmuscum von Wert sind und gesammelt werden sollen. 2. Propaganda für die testamentarische Ucberlassung «ilcher Sammlungen, evtl. mit Flnschrfinkiingsklauscln und Übersendung eine« Vcrpfllchtungsschclucs. 3. Einrichtung von Sammelstellen, die gleichzeitig auch die fachmännische Verpackung und den Transport der Dinge Obernehmen. Wenn «He diese Dinge genügend propagiert werden, wird es uns bald gelingen, alle Anschauungsmittel, die zum Auibau umerer Universität notwendig sind, zu erlangen, . V i f.. i 'I . i 0»'';. \i ' K«; . . i«J. '; 0t, A« i Ott!'• V\.;V '• Ml, ''.V 'I » i .' 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