Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 29-30 (8.4.1925)
- Date
- 1925-04-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Kr. 29/30 JÜEDISCHE RUNOSCHÄ'Ü Seite 271 iimdhingi in der der Widerschein palästinensischer Wirkihkcit nur Bering und verworren lit, Du Buch gibt keinen 5 hlü»"l rum VcmtKudnls des jüdischen Palästina. Dies iit jit Schuld de« Autors, ober vielleicht doch nicht ausschließlich °llte Schuld; denn die Wirklichkeit Palästinas, die ao sehr „och Werden ist, scheint sich der Plastik des Romain noch .„ fnt/lchen. Hans Kohn. Wie wir erfahren, wird der Roman „Der Brunnen Jakobs" «nlcr der persönlichen Leitung von Pierre Bcnoit in Palistina gefilmt werden. Die Kosten werden 50000 Mund betragen. Das Ensemble hat sieh bereits nach Palastina bcgeben. , . RellQlonswIsscnscbalUlchc Rundschau So Intensiv und weitverbreitet auch das Talmudstudium jn Mittelalter und bis In unsere Tage hinein (m Osten betrieben wurde — ein historisches Begreifen der Zusammen* Wnue und der Entwicklung der Tradition latf und liegt ^.»er Art Lernen fern. Aller Scharfsinn, alle Kenntnis war lediglich dem Gegenstand selbst gewidmet, seinem Inhalt und ,tincf praktischen Bedeutung; Lltcrnrkritlk der „mündlichen lehre" war unbekannt, etwaige Ansätze wurden verpönt. <o muffte zu Beginn der achtziger Jaltro des vorigen Jahrhunderts ein Werk ungeheures Aufsehen erregen, dessen Verfasser den Mut und die Kraft hatte, die Oc6chlehtc der mündlichen Ucbcrllcfcrung Im evolutionären Sinne nicht nur :u erforschen, sondern auch der breiten Ocffcntllchkcit bekannt* lugcbcn. Eisik Hirsch Weiß, jahrzehntelang Dozent u jcllineks Bet hamidrasch -in Wien, war der Schöpfer dieses monumentalen Werkes der jüdischen Kulturgeschichte In hebräischer Sprache, dessen Name „Dor dor wedor* schaw" (Ocschichtc der jüdischen Tradition) fn der wissen* «ehaftliehcn Welt kcIiiicII Berühmtheit erlangte. Die längst «ergriffenen fünf Bande dieser chronologischen Enzyklopädie hat der Verlag Platt (V Mlnkiis, Ücrlln-Schöncbcrg, neu aufgelegt (lö u. 2-12, 26-1, 327, 367. 303 S., Preß der Hnf LcmcnMiidc 8 Dollar), und damit kann diese Arbeit, die den natürlichen Werdegang der mündlichen Lehre von den ältesten Epochen der jüdischen Nation an Ms zum spanischen, itjliriil»ehfii, friin/iislnihrn und deutschen Mittelalter veifolgt, wieder allen jüdischen Gelehrten und Studierenden als Nachschlagewerk und Leitfaden dienen. Da es nltjüdische Bc* lesenhelt und Stoffdurchdringung mit westeuropäischer Kritik tnd wissenschaftlicher Methode glücklich vereinigt, muBtc das Merk sieh ebensosehr die allgemeine Anerkennung der forscher »ie die Ablehnung seitens der Orthodoxie zuziehen, und es spricht für die Bedeutung von Wcifl, wenn seine Thesen vielfach noch heute nicht nur die Grundlage unserer Kenntnisse, sondern auch den Ocgcnstand wissenschaftlicher Auseinandersetzungen (vergl. die folgende Arbcltl bilden. Der Neuauflage gellt eine kurze Biographie des Verfassers aus der Feder seines Sohnes Dr. Max Weiß voraus. Erfreulicherweise kommt Allmählich auch die litcrar* kritische Bearbeitung der einzelnen Teile des Talmuds selbst «ieder in Flui). Zunächst ist es das. frühtalmudische Schrifttum, Mischna und Tosscfta, das in zwei Veröffentlichungen der 1919 in Berlin begründeten „Akademie für die Wissenschaft de» Judentums" Gegenstand systematischer Erforschung geworden Ist. Dr. Chanoch Albe CK hat fn seinen „Untersuchungen über die Redaktion der Mischna" (165 S.) eine Analyse der Komposition der Mischna unter* stimmen und-damitzugleich einem künftige»'kritischen Mischnakommcntar. den weg gewiesen. Im Gegensatz zu David Hoffmann und Halcvy kommt er zu dem Ergebnis, 611 vor der berühmten Zusammenkunft In Jabne (nach der Tempcl/crstörimg) keine geordnete Mischna existierte. Es gab «ur zerstreute Lehrsätze, die nunmehr zusammengestellt wurden, und war vermutlich nicht nach dem Inhalt, sondern nach den Trägern der Tradition (ähnlich wie die ursprüngliche mohammedanische Ucbcrlicfcrung nach den letzten Gewährsmännern)! Eine besondere Sammeltätigkeit entfaltete Aklba; die in den verschiedenen Schulen kompilierten Mischnajot vereinigte Rabbi juda llnnassl, ohne Irgendwelche Aendcrungen oder Zualltzc vorzunehmen. Dicso letzte These Albccks dürfte freilich noch "wiche Kämpfe zu bestehen hnben. Der parallelen Erscheinung der Toiscfta Ist die Arbelt Dr. Arthur Spaniers „Die Tosseftaperlode Inder t-lmudiachen Literatur" gewidmet (159 S.; wie Albecks Buch 1922 im Verlage von C. A. Sehwetschke ftSohn erschienen). Die Tosscfta besteht aus möglicherweise '» verschiedenen Lchrhäusern entstandenen Scholien zu einer früheren Form der Mischna, und solche Scholien, an den Rand w alten Sammlungen geschrieben — daher „Baraita", Randflösse — »Ind wiederum fn die Mischna bei Ihrer fetzten Redaktion durch Rabbi hineingearbeitet worden! das sind die «« Forschungsrcsultaten Albecks freilich zum Teil wider* brechenden Prinzipien, von deren weiterer Verfolgung sich «unier die Aufhellung der text- und litcrarkritlschcn Pro- Werne der Tosscfta Wie auch der Mischna verspricht. Fernab von aller Kritik, Im Gegenteil: c!n Erzeugnis •""»gstcr Rellgionsfibung, Ist der berühmte „Klzztir Jthulchan aruch" des früheren Rabbiners von Ungwar, *wmo Ganzfried, den David Feld mann, Rabbiner Jüdlsch-gesctzcstrcucn Verbandes In Leipzig, 1024, im Selbst* v«lig neu herausgegeben hat (163 S.), Das Werk verdient *''pcn seiner ausgezeichneten Systcmalisicrung hier eine Er* *'mting und wird Im Unterricht und zur Sclbstbelchrung Faktische Verwendung finden, ohne daß seine orthodoxe f«n vertreten werden mufl. Einer Einleitung über System S1? Inhalt der gesamten schriftlichen und mündlichen lieber* «"crung folgen fn dem vorliegenden ersten Teil 06 Kapitel, S,f alle religiösen Verpflichtungen des frommen Juden am ."-!«g und Sabbat, in Gebet und Thorastudium, in Speise* fairen und Segcnssnrüchcn sowlo In rein moralischer Bc* «cbung in einfachem Hebräisch übersichtlich behandeln. Zahl-; ichc Qucllcnnnchwcl»e und Verdeutschungen, sowlo Tabellen Ä hclRcgcbcn; unter letzteren Ist die über die am m>ix verbotenen Haupt- und Nebenarbeiten besonders be« 'Cl"iich. Der Herausgeber Fcldmann hat In einem Anhang J!» recht glücklicher Form zahlreiche Vcranschaulichungcn für Ocbrauch von Zlr/it und Talllt. Tcfillfn imcf Mcsusa bei* J,.,l!Ct; selbst wie nun am Sahbat einen Schlüssel tragen kann, ,'" durch Zeichnungen dargetan. — Es fehlt ein Inhaltsverih»:s für die Kapitclüberschrifteii und cventl. ein Sach- "ä'-ter für Nachschlagczwecke. If..°le in Wien vor einigen Jahren errichtete Alexander y^ut-Qcdenkstiftung hat es dem dortigen Professor Dr. •Aptovitzer ermöglicht, eine altera Arbeit über „Kein s,,," Abel in der Agada, den Apokryphen, der hellcnlsti- "fn. christlichen und mohammedanischen Literatur" zu verliehen. (8 u. 181 S.; J922, R. Lö wf tVerlag, Wien, F.,1, M. 4,50.) Die Arbeit Ist naturgemäß In Ihren speziellen TOnlssen weniger' von allgemein-wissenschaftlichem Intcrrh, »I* in den Perspektiven, die sie für die Erkenntnis des Trnd ers der haggadlsehcn Sagen, Ihrer Entstehung und der I Ä*<n Ihrer Umgestaltung, ihrer Schicksale und Parallelen Ä le"e eroOcn Gesichtspunkte, werden mit noch stärkerer v« , Clt und Beweiskraft zutage treten, wenn des Verfassers ^'-sjende Arbelt, die dal Verhältnis der haggadischen zu C Biblischen Erzählungen überhaupt darstellen soll, fertig Bt«en wird; hoffentlich kann die Drucklegung nunmehr flolt vonstatten gehen. Die dem Werke belgegcbcncn Nachtrüge berücksichtigen auch vergleichendes rclfgionsgcschlchtliehe« und Sngcnmatcrlal. AI« Ncbcncrgcbnl« der Untersuchung fallen Früchte ab, die der Bedeutung de« eigentlichen Gegenstandes durchaus gleichkommen: go die Ermittelung eines dem Chanukkahfcstc zugrunde liegenden nltcn landwirtschaftlichen Festes in der zweiten Hälfte des Monats Klsslcw (S. 28 ff.), das wie Siikknt gefeiert wurde: die Vermutung «Iber ein höheres Alter der hebräischen Akzentzeichen, als bisher angenommen wurde, und vieles andere mehr. Zu Nachtrag V2d (S. 178) Ist zu bemerken, dafl die Auffassung, Kaln habe Abel rrlit einer Kinnbacke erschlagen, bei Theodor Ehrenstein „Dan Alte Testament Im Bilde" auch In Bild m/10 (engl. Psalter, 14. Jhdt.), 111/30 (deutsche Ha. aus 1439).und 111/31 (Psalter um 1500) ersichtlich Ist. Der erste jüdische Rcliglonsphilosoph, der erste, wenn auch noch unvollkommene Systematiker des Inhalts der jüdischen Religion war, wie schon E. Zeller erkannte, der Im letzten vorchr. Jahrhundert In Alexandrien lebende Philo. Seinem Lebenswerk, dem Versuch, dlo Lehre de» Judentums mit den Methoden der irrfcclilsclien Philosophie zu verschmelzen, ist ein 130 Seiten starkes Buch gewidmet, das Dr. L. TrcftcI unter dein Titel „Gesamte Theologie und Philosophie Phllo's von Alexandria" bei C. A. Seh wetschke (Berlin 1923) hat erscheinen fassen. Die philoliteratiir ist durch diese zusammenfassende Darstellung (der man nur einen besseren Stil gewünscht hatte) namentlich wohl in der Richtung bereichert worden, daß zahlreiche neue Berührungspunkte* der Lehre Phllos mit Malmonldcs nachgewiesen wurden. Am Chnraktcrbllde des Im letzten Grunde doch unfruchtbar geblichenen Philosophen selbst aber, der ein wenig wählerischer Eklektiker war, der kritiklos fn die Bihei hineininterpretierte, was Ihm an griechischer Weisheit gefiel, ändert sich auch mit dieser Untersuchung kaum etwas. Philo, der Allcgorikcr, der alles verflüchtigte und schließlich das Judentum selbst, ist kein Mann, der für Jüdisches Wesen, für Jüdische Wissenschaft und Leistung Symbol sein kann... Den religiösen Lehrinhalt des Judentums zu systematisieren und wissenschaftlich zu begründen, hatte auch Malmoiildes sich *um Ziel gesetzt; aber er kaprl/lertc sich nicht darauf, nlle Begriffe und Institutionen der jüdischen Religion unbedingt als wissenschaftliche Wahrheit erwiesen oder als phllono* phlsch erwcisbnr zu erachten. Er schied die Kategorien der ge* offenbarten Religion und selhslcrworlicner Wissenschaft ri-ln* lieh und zeigte schon damit Keine Grille, Heina rellglnns* philosophischen Anschauungen hat Maimonldca bekanntlich Im „More Ncbuchim" — nach dem Vorgänge Salomon Münks bisher mit „Führer der Verirrten" Übersetzt — niedergelegt, von dem es bisher keine einheitliche, vollständige und kritisch elnwniidfrele deutsche Lfcbcrsetzung gegeben hat. fHcsem offenbaren wissenschaftlichen Mißstand abzuhelfen, hat Dr. Adolf Weiß unter dem Titel „Mose ben Mafmon, Führer der Unschlüssigen" eine neue deutsche, teilweise freie Uebertragung des More angefertigt, deren erstes Buch 1923 (m Verlag von Fclfx M c f n e r In Leipzig erschienen Ist (als Band 181a der philosophischen Bibliothek; Preis geh. 15 M., geb. 18 M.). Der über 000 Selten starke Band gliedert sieh In folgende Teile: 1. Vorwort mit Ifcbersfcht über die Mnimonldrslitcratiir und ausführliches Inhaltsverzeichnis der 76 Kapitel des ersten Buches nach Alcharlsfj 2. eine Darstellung von Malmonldcs Leben und Werken (150 S.), die. fn allerdings teilweise sehr breiter Form, den ranzen gelstesgeschichtlichen Unterbau der Ideenwelt des Philosophen von der Tcmpelzcrstöning an skizziert; 3. einen auf Malmonldcs sSmtJichcn Schriften beruhenden Umrlfl des phllonophfschcn Svstcins (150 S,), in dem dns Verhältiii« des Malmonldcs rur Bibel und zu seinen jüdischen Vorgängern, scfiio Gottes- und Scclcnlclirc, seine Ethik und andere rcliglonsphllosonhlschc Gegenstände nach Möglichkeit mit seinen eigenen Worten charakterisiert werden; 4. die Einleitung und Vorrede an seinen Schüler Josef ihn Aknin (2> S.); 5. die Uebcrsct/.uiig der 76 Kapitel selbst, und endlich o. die ausgezeichneten biographischen, phllosophicgeschlehtlichen, erklärenden und titicflenmäfligen Anmerkungen zu der Uchcrsctiunu, die an Umfang dem übersetzten Text kaum nachstehen. IXc Ucberset/ung liest sich klar und flüssig; ob sie dem Text und den Erfordernissen der philosophischen Terminologie gerecht wird, wird die strengere wissenschaftliche Kritik zu entscheiden haben. Durch das so glücklich begonnene Werk von Welll wird der More nunmehr einer breiteren phllosoplihchrn Ocffentllchkelt zugänglich, und eine vertiefte Würdigung dieses klassischen Werkes nicht nur der indischen Rcllgioniphllosophle, sondern der philosophischen Weltliteratur darf mit Recht erwartet werden. War Malmonldcs Freund und Liebling der Philosophie, so fand diese fn Jchuda Ilnlevl einen entschiedenen Qcgncr und Verächter vom Standpunkt des religiösen Gemütes aus. Die Religion bedarf der Dialektik und der Spekulation nicht — dns Ist die Grundauffnssung des kastllianfschen Dichtern. Wirkt Malmonldcs In seiner kristallklaren Art leicht kühl und nüchtern, so züngeln noch aus Jchuda Ualcvis philosophischem Meister* werk, dem Kusarl, Flammen Inbrünstigster Gottschnsucht. Und die Wärme seines religiösen Gefühls durchglutet auch des Dichters Lieder an Gott, über Israel und Zlon. die Emil Bernhard (warum Immer noch das Pseudonym?) ntft «tnfgen Lfcbi'S-, I'reuiitlschalts» und Nntiirgcdiehtcii ausgewählt in einer Übertragung — „fehuda Male vi, efn Diwan" im Verlag von Erich R c IB, Berlin, 1021, herausgegeben hat (144 S.). „Uebertragung"' fot ein für das Werk, das vor uns liegt, fader und nichtssagender Begriff; es kann verantwortet werden, die Arbeit Bernhards als eine absolut kongeniale Neuschöpfung zu rühmen. Selten wohl sind Verse einer Sprache so süß und satt In einer nndercu Sprache nachgebildet worden, wie hier Jchuda Ualcvis Gedichte. Diese Ucbcrsctzungcn stellen sich den schönsten deutschen Liedern, von denen Rhythmus und Stroflk, von deren Worlschmefz und Melodik Hebräische Sprachschule zu Berlin XIV. Semester Wir beabsichtigen nm Anfang des Sommer- Semesters neuo Kuno für Anfänger und Fortgeschrittene, für Erwachsene und Schiller In alten Stadtteilen Berlins einzurichten. Der Unterricht Icann gomÜß (Jon persönlichen Wünschen der Beteiligten In den frühen Morgenstunden oder nachmittags, resp. abiinds abgehalten werden. Wir erbitten umgehend schriftliche Anmeldung. Auch Vereine und Gruppen, die besondere Wünsche betreffe der Einrichtung von Kursen haben, wollen sich mit uns in Verbindung setzen, Wir beabsichtigen fernor, nouo Lehrerkurse zu eröffnen und bitten pSdagogisch vorgebildete Damen und Herren, Lehrer. Studonten, Seminaristen und ' Oberlyzealschulorlnnen, die dafür InCorcj»o heben, sich umgehend sm uns zu wenden. Der Schulleiter*' N. BorffgrUa Charlottenburj 3, Lelbnlistf.25 sie vergoldet sfnd, ebenbürtig zur Seite, fa, sie haben einen Fehler: sie sind formell so vollkommen, dal) bei dem Unkundigen das Bedürfnis, die hebräischen Urtexte zu lesen, leicht erstickt wird . . . Künstlerischem Erlebnis fst auch das Lebensbild zu danken, da» Emil Bernhard nm Schluß seiner Arbeit zu rckongtrulcrcii versucht hat und das den Wurzeln der Genialität des In zwei Welten, (u zwei Kulturen blühenden Dichters zart nachspürt. , Aus der Erkenntnis und Erfahrung, daß die religiöse Krönung unserer Zeit dem Wandet der Lcbcnsanschauung entspricht, die seit einem Jahrhundert das gesamte Wcltdenken fn den Natur- und Geisteswissenschaften erschüttert, sind des Brcslaucr Scmlnardozentcn Albert Lcwfcowltz' 11 Abhandlungen über die „!<eligiöacrt Denker der Gegenwart«« entstanden (10-1 S.. I> h 11 o Verlag, Berlin, 1923). Die bei aller Knappheit gehaltvollen Auseinandersetzungen mit geistigen Mächten wie Nietzsche, Darwin, Bergson, Kimmcl, tiiekcn, Trocltsch, Wundt und anderen Suchern und Gebern leiden jedoch an dem fmmanenten Uebef aller rcllglonsphllo- Bophlxclicn Denkarbeit: sie wissen bereits Im voraus, was sie erweisen wollen — nämlich die Höhe der Jüdischen Gotteserkenntnls •- und entfernen sfeh fn dem Maße von reiner Forschung, fit dem das religiöse Erlebnis und Mitteilungsbedürfnis mitschwingt. Sicht mau von der störenden theologischen Einstellung mit ihrer Absoluthcltsfordcrung ab, so bietet die Lektüre der fn edler Einfachheit gesenrfchenen Studien hohen Genuß, Andere Bezirke des religiösen Lebens und Erlebens offenbaren «Ich tn der Knbhnla, Als „Lcbcnsinctaphyslk" kennzeichnet sie M. Ii. Ocorg Langer, der fn seinem 1923 bei Josef F lese Ii Iii Prag erschienenen Buche „Die Erotik der KabbaIn" (167 S.; Preis 2,05 M.) den mehr als nur Interessanten, sondern möglicherweise konstruktiven Versuch ■ iiiv<iB*..itiiii, auiiuvill ,l(V^«IV.II.I HVI3Ü UiVM» V,| Vll?>UVI( macht, den Geheimnissen und Unvcrständlichkcitcn des mystischen Schrifttums der Juden mit den Methoden der Psychoanalyse heimkommen, wer sich mft Freud beschäftigt hat und nicht «He Kombination nur deshalb, weif sfe schöpferisch fst, grundsätzlich ablehnt, mufHe die umstürzende und wieder aufhauende Kraft dieses Systems für nlle Ocblete geistiger Kultur mit Ergriffenheit erkennen. So blieben auch Entstehung und Geschichte der Religion von den vordringenden Wellen der Psychoanalyse nicht unberührt. Und wie Theodor Reik biblische Phänomene psychoanalytisch zu deuten unternommen hat (worüber noch zu berichten sein wird), no legte die Erotik der Kiibliala ein« rchgloiis.|>sydiologlMdir Diirchdiliiguiig nahe. Es ist nicht möglich, Inhalt und Richtung der Langcrsehei) Methode Im Räumen dieser Besprechung auch nur anzudeuten, da hierdurch mehr Verwirrung zu befürchten als Aufklärung zu erhoffen wäre. Wer mutig genug fst, fn der jüdischen Mystik nicht Schwindel oder Gehirnerweichung, sondern gelcbtcs Leben, Freude und Schmerz, Ahnung und Erkenntnis von letzten menschlichen Warhcltcn zu erblicken, der greife zu diesem Wcrkchcn, über das nicht so bald das fetzte Wort gesprochen 6cfn wfrd. Als ein über allp Erwartung anregendes und zum Nachdenken zwingendes Buch dürfen die zehn Kapitel angesprochen werden, die Mclr Wfcncr unter dem Tltef: „Von den Symbolen" den wesentlichsten Ausdrucksformen des Geistes gewidmet hat (20) S., Benjamin <Iarz:* Verlag, Bcrlln-Wfcn, 1024). Religion und Kunst, Gebet und Gesetz, Theologie und Dichtung zieht der Verfasser In den Kreis seiner Annlysen der Svmbolsatzungcn. Unser Denken und Schauen krankt an dem Widerspruch, daß kein geistiges Ereignis verkörpert werden kann, da es ursprünglich, Individuell und unwfedrrholhar fst; die Symbole aber sind Umschreibungen und Typen — soziale Funktionen, deren Ziel außerhalb der Sphäre des reinen Geistes Hegt. Die Kritik an Wieners ungemein fesselnden Essays wird an seinem Begriff vom „reinen Ocist"' einzusetzen haben. Wird dieser Voraussetzung der Boden entzogen, so stürzt auch Wieners ganzes System zusammen. Das Buch verliert alsdann gewiß an bleibender Bedeutung, nicht aber an Reiz und Wert In zahlreichen Details und bleibt mit dem hohen Schwung seiner Argumentation, die zu fast allen Fragen des Geistes btcllung nimmt, eine der bemerkenswertesten literarischen Erscheinungen auf dem jüdischen Buchmarkt. Dr. B. Kirschner. In das heilige Land Eine Legende über R. Jlzchak Lurja, nacherzählt von Chalm Bloch. Im Verlag Asla Major, Leipzig, erschien in schöner Ausstattung eine Sammlung „Kabbalistische Sagen" von Chaim Bloch. Sie enthält Im wesentlichen Legenden aus dem Leben des R. Jlzchak Lurja, des bekannten Kabbalistcn, dessen Lehre In der Hauptsache durch den Glauben an die Scclcnwandcrung charakterisiert wird. Bloch hat das Material aus den hebräischen Quellen bearbeitet und geordnet. Wir bringen aus dem hübschen Buch nachstehend eine Probe. Am folgenden Morgen rüstete sich Jlzchak zur Reise nach Safcd, und einige Jünger folgten Ihm, auch seine Schwiegereltern veräußerten Ihr Hab und Out und gingen mit. In Safcd fand er eine große Kabbalistenschulc. In der ersten Reihe saßen Rabbi Mose Kordovcro und Rabbi Josef Karo. Wie er aber In Safcd eintraf, war plötzlich alles Wissen von Ihm gewichen, Er grämte sich darob sehr und schlief in seiner Betrübnis ein, Im tiefen Schlummer schaute er einen Mann, der Ihm zurief: „Jlzchak, warum schlummerst du? Erhebe dich und bete deinen Herrn anl Im Laude der Ahnen weht eine reine Luft, und all das Tun, das du vom Auslände brachtest, und all das Wissen, das du In der Fremde erworben hast, gilt hier nichts. Hier mußt du ein neues Leben beginnen I Nimm es dir wahrhaft vor, nach neuer Weise Qott zu dienen, du wirst dich dann nicht nur deines früheren Wissens entsinnen, sondern noch hoheto Ktnlt Mnd mUMlgcro Winnen erwerben I" Jlzchak nahm es sich Im Schlafe vor und erwachte jählings. Da fühlte er sich von netter Kraft umgürtet. Der Heilige Ocist, der Ruach Ilnkodcsch, kam über Ihn. Von nun ob verstand er die Sprache der Bäume, der Tiere und aller Geschöpfe, vermochte der Sprache der Engel zu lauschen und erkannte «n dem Ocslcht eines Jeglichen Menschen, welche' Seele in seinem Leibe wohne, ob die Seele auf der „Wanderung" sei und zum wievielten Male, zu welchem Bchufc sie Ins Erdendasolu hcrnlodcrgekommen sei und was sie in dieser Welt noch zu erfüllen habe. An seinem Tische verspürte man einen Balsamduft wie aus dem Oartcit Eden und man sah, wie beim Propheten Elisa, keine Fliege an seinem Tische. Er hörte jeden Ausruf im Himmel um ein jedes Dlnß; und am Jom-Klppor, dem Tage, da Gott der Welt Versöhnung gewährt und die Geschicke dor Menschen benimmt, pflegte er nach Torschluß In der Stunde, da die Sonne verging und die Schatten dor Nacht sich ausbreiteten, zu zwitschern und wußte dann, wem der Tod und wem das Leben Im künftigen Jahre beschlodsn war. In Jener Zelt aber hatte in Saftd eben der bekannt* Kabhallst Rabbi Mose Kordovaro einen schweren Kampf zu