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Jüdische Rundschau · 1925-04-08 · Heft 29-30 (8.4.1925) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 29-30 (8.4.1925)
Date
1925-04-08
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 270 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 20/30 cettent vom Peßach durch die Jüdisch« Geschichte bis zu den Hoffnungen der Ocgcnwa/t („Um Mitternacht", „am Peßach"). Alte religiöse Lieder, die Psalmen 113 und 114, bekommen eine neue Farbe, einen neuen Sinn. Eingeordnet in einen bestimmten Zusammenhang, eine bestimmte Spannung wird der allgemeine Dankinhalt des Psalmcs 113 neu begründet und erscheint plötzlich als spezielles Dankgebet für die Wohl- Uten der Befreiung aus Aegypten. Sokhe Vorstellungen waren Im Orunde bestimmend bei der Chanukkafelcr des Jungjüdischen Wanderbundcs, die wir kürzlich unter Kronbergs Leitung In Ootha veranstalteten. Wir harten keine Veranlassung, das Anzünden der Chanukkalichter als eine listige formelle Verpflichtung am Anfang zu erledige«. Wir wollten im Ocgcntcil die symbolische Bedeutung des „Lichtes" wieder iu Ehren bringen. Deshalb stellten wir das Anzünden der Lichter In den Mittelpunkt der Feier und ließen nicht nur einmal, sondern gleichzeitig tn 100 mal die 8 Lichter des Tag« entzünden. Aber Licht hat nur Sinn als Ocgcnsatz zu Dunkelheit Die Feier begann deshalb sehr ernst, und der Charakter der Lieder und Vorlesunccn de« ersten Teils war dadurch vorgeschrieben; Krönberes Szene „Oulcs" faßte stark und eindeutig den Sinn des ersten Teils zusammen. Dann aber wurde erst leicht, dann stärker anklingend die Vorstellung „Ercz-Israel" geweckt, Lichter wurden angezündet, hunderte und hunderte, die Spannung löste sich, hebräische Lieder vom neuen PalÄstina erklangen, und schließlich entwickelte sich eine Horrah, die bewies, daß das Ziel des Festes erreicht war. Sicher sind nicht aBc Teilnehmer dem Inneren Ablauf des Festes gefolgt, das gilt — nach meinem Eindruck — besonders für die älteren ZJonistcn. Ein durch den bisherigen Stil der Feste verdorbenes Publikum muß eben allmählich erzogen werden. Aber wer frei und aufnahmebereit sich den Eindrücken hingab, 'hat sicher das gleiche befreiende Erlebnis gehabt wie wir 'selbst. Man muß davon abkommen. Feste auf Irgend eine Wirkung hin, die nicht In ihrem Wesen liegt, aufzubauen. Ocldaufbringung: gut. Ich bin sehr dafür — aber das kann nur eine erfreuliche Nebenwirkung sein, nicht die Hauptsache. Propaganda: sehr gut Aber sie muß absichtslos sein wie jede wirklich gute Propaganda. Deshalb will Ich von diesen Wirkungen des Festes hier nicht sprechen, aber eines möchte Ich doch noch erwähnen: nämlich die erzieherische Bedeutung der Vorbereitung des Festes. Die von Kronberg geleiteten Proben waren von einer so starken jüdischen Stimmung erfüllt, daß jede für sich fast einem Feste gleichkam. Es mag sein, daß das an der Persönlichkeit Kronbergs lag, der an Musikalität, Rhythmus und Sprache r-üs jedem Beteiligten herausholte, was denkbar war, aber auch Ihm ist das nur möglich gewesen durch den Ernst der alle beseelte. Wir hatten oft das Ocfülil, daß kein Palästinakurs eine so lebendige Vorstellung vom Lande erwecken kann, wie die Uclning eines hebräischen Liedes, das die palästinensische Landschaft schildert. Wie doch durch Melodie, Rhythmus und Wort das Brausen der Wellen, das Qchcul der Schakle, das Klingen der Flöte lebendig wird, tat durch kein anderes Mittel zu schildern. Es Ist möglich, daß man auch durch begriffliche Erörterungen Menschen zu Zionistcn erziehen kann; kh glaube nicht unbedingt daran, aber es Ist möglich. Das aber weiß Ichs Wenn es gelingt, zwischen der Vorstellung „Ercr-Isracl" und der Vorstellung „Freude" auf eine künstlerische Weise, sei es durch Musik, sei es durch Dichtung, eine Einheit herzustellen, dann ist wirklich zionistische Erziehung geleistet Es Ist Zeit daß Feste von uns ernster genommen werden. Wenn wir glauben, daß dem Jüdischen Leben durch den Zionismus eine neue Gestaltung gegeben werden kann, müssen wir jetzt und mit uns anfangen. Freilich wissen wir, daß wir das Leben im Galuth nur dadurch entscheidend ändern können, daß wir uns von ihm lösen und in Erez neu beginnen. Aber diese Lösung muß kiecll, muß symbolisch jederzeit von Jedem Zionistcn begonnen werden, und wenn sie sidi im tätlichen Leben nicht genügend auswirken kann, da dieses verstrickt ist mit der Umwelt, so kann es möglich sein in Stunden, die ganz uns gehören, deren Gestaltung nur von uns abhängt in denen wir uns selbst finden wollen. Dann werden diese Feste auch für uns sein, was Aufgabe der Pcstc Ist: Stunden der Läuterung, Stunden der Reinigung, Stunden der inneren Befreiung, Wir brauchen solche Stunden für uns, damit unsere Ideale nicht verstauben, nicht abgeschliffen werden, nicht Scheidemünze werden Im täglichen Ocbrauch. In solchen Festen, die wir uns selbst veranstalten, fühlen wir erst wieder den Sinn unseres Lebens, und das haben wfr manchmal nötig. Der Sinn der bebraischen Universität Von Dr. Jur. et phil. Felix Weltsch, Prag, Die Eröffnung der hebräischen Universität in Jerusalem •st ein Festtag von einzigartiger Oröße; bedeutsamer fast •'s alle anderen Fortschritte unserer politischen und kulturellen Entwicklung in den letzten Jahren; weil er einbuchtend und von überzeugender Konkretheit Ist. was alle völkerrechtlichen Errungenschaften nicht begreiflich Hachen konnten, — die Errichtung einer hebräischen UnivcrslIÄt In Jerusalem vermag es; vermag Menschen und Völkern klar vor Augen zu stellen: das Jüdische Volk Ist Subjekt geworden. Es Ist nicht mehr bloßes ( Objekt eines Hasses, der sieh Im numerus clausus der verschiedensten Varianten und auf den mannigfachsten Ocblcten •"stobt; und ist auch nicht mehr bloßes Objekt einer liberalen wcltaiiffassung, die mit bewußtem Entgegenkommen den numerus clausus ablehnt. Es bleibt, wunderbarcrwelsc, Immer noch etwas, auch wenn man das Jüdische Volk weder als Objekt des Hasses noch als Objekt des Ubcralismus belichtet; und et bleibt mehr als wovon man abgesehen ein echtes, wirkliches Ich mit einer klaren Tendenz ™f Einheit Daß man an dieses jüdische Ocsamt-Ich nicht «ehr geglaubt hatte, daran waren die Juden natürlich vorr ««imheh selbst schuld. Ihr krampfhaftes Bestreben, In Politik Kultur alle Spuren eines Ich zu verwischen und so •u« der lokalen Diaspora auch eine geistige zu machen, erfolgreich, wie selten eine völkerpsychologische Tendenz, »or einem Menschenalter erst begann die Umkehr. Und »«n hat diese neue, konzentrierende, elnheltserstrcbende, Ich- «Nupfcrischc Tendenz einen einwandfreien realen Erfolg errangen. Das Judentum Ist nun auch wissenschaftlich, genauer im modernen wissenschaftlichen Betrieb, ein Ich geworden. Freund und Feind haben diese neue Wirklichkeit I verstanden. Diese völkcrpädagogischc Bedeutung der Universität», gründung kann Im Maße Ihrer Wirkung schwer überschätzt werden; sie darf nber auch Im Werte dieser Wirkung überhaupt nicht unterschätzt werden. Es handelt «ich nicht bloß um einen äußerlichen Erfolg der Volkscltelkei», wie man leicht glauben könnte. Gewiß gehört diese Wirkung In das große Ocblet des Prestige. Aber — es gibt ein gewisses Existenzminimum de« Preatlgc, das nicht äußerlicher Natur Ist und nicht In das Bereich der Eitelkeit gehört, sondern das für die politische und kulturelle Existenz eines Subjekts einfach konstitutiv Ist. Und In diesem Sinne bedeutet die Errichtung der hebräischen Universität einen Fortschritt, der aller Voraussicht nach sich auf allen Oeblctcn des öffentlichen Lebens für das Judentum fühlbar machen wird. * Trotz dieser durchaus einleuchtenden völkcr-pädagoglschen Bedeutung der Universitätscröffnung wäre c» verfehlt, die Angelegenheit nur von dieser Seite aus zu betrachten und sich nicht auch über das Wesen der Sache Gedanken zu machen. Darum sind wir Ja ein kritisches Volk, um es auch uns seihst gegenüber zu sein. Man hört Jetzt so manchmal durch allen Jubel hindurch: Ist wirklich die Universität das Dringendste, was wir Jetzt brauchen? Denken wir nicht zu bald an den Oipfel, und könnten wir nicht lieber noch an der Basis unseres nationalen Lebens In Palästina bauen? An Ackerbau, Landwirtschaft, sozialer Organisation, Volksschulen, Sprachentwicklung, wirtschaftlicher Fundierung? Es Ist ein falsches Bild, wenn man vom Geiste spricht, an einen Oipfel zu denken, für den zu sorgen, die letzte Aufgabe Ist. Der Geist sei uns In unserer Arbeit kein Gipfel, sondern er hat unsere Arbeit, mag sie noch so körperlich und materiell sein, stets zu durchdringen. Nie darf uns körperliche Arhcit eine Abkehr vom Geiste sein; nie darf uns Bcrufsumschlchlung ein Verrat an den Dingen des Oclstcs sein. Es darf In diesen Hinsichten nie schlechter werden als es in den Jahrhunderten des Oaluth war, da über den kleinen Geschäften des Alltages und den Leiden der Zelt das Studium und die Lehre stets gegenwärtig und lebendig blieb. Wie körperliche Arbeit und Beschäftigung mit den Dingen des Geistes zu vereinen Ist, Ist Rcwlß kein leichtes Problem; und es Ist gewiß noch nicht gelöst; aber, wenn c« einem Volke gegeben ist, dieses schwierige Problem zu lösen, so sind w I r es, das jüdische Volk, und unsere neue Arbeit in Palästina Ist die beste Oclcgcnhcit. Aber ist Universität schon mit Geist identisch? wird man fragen, bedeutet Universitätsgrflndung schon unbedingt eine Förderung des Oclstcs? Und Ist der wahre Geist nicht gerade In der beseelten neuen Arbeit, in den Feldern Palästinas, In der Neuschöpfung unserer alten Sprache zu suchen? Gewiß — aber dennoch gehört dazu In erster Linie auch die Wissenschaft: die Erkenntnis des Oclstcs selbst, die Geisteswissenschaft, die Erkenntnis der menschlichen Entwicklung, die historische Wissenschaft und die Erkenntnis der Natur und ihrer Geheimnisse, die Naturwissenschaften. Freilich, die Universität seihst Ist noch nicht die Wissenschaft und noch nicht unbedingt Wisscnsehnftsfördening. Die Universität ist eine Form und der Geist sei Ihr Inhalt Nicht Jede Form hat aber Inhalt und wie viele Universitäten gibt es, welche ohne diesen Inhalt existieren können. In unserem Falle liegt aber die Sache günstiger. Der Inhalt Ist da; nur hat er keine Form. Der Inhalt — das Ist der Jüdische Beitrag zu den Wissenschaften aller Richtungen; das sind — nicht nur die Juden, nicht nur die jüdischen Professoren, sondern wahrhaft die jüdischen Oelstcr, die auf allen Ocblcten der europäischen Wissenschaft Ihren gewissen nicht unbedeutenden Beitrag leisten. Und dieser Inhalt sucht eine Form. Und hier wird die Form geradem schöpferisch sein. Denn hier bedeutet die Form die Schöpfung einer neuen Einheit, die Schöpfung einer neuen Synthese, einer neuen Realität der Zusammenarbeit von Zusammengehörigen, die ganz neue schöpferinche Möglichkeiten In sich schließt So wie sich die Wirkllchkcltsmögllchkclt gcwlsscr Elemente, wenn sie zusammenkommen können, um ein Unendliches steigert gegenüber dem früheren Zustand, wo sie getrennt und vereinsamt und von Unverstand und Rcsonanzlosigkcit gehindert wirken mußten, so — darf man hoffen — wird sich auch die Wirkungsmöglkhkclt der Jüdischen Geister um ein Unendliches steigern, wenn sie In gegenseitiger Zusammenarbeit wirken werden. So Ist die Form hier nicht nur ein Ocfäß, sondern die schöpferische Einheit. Man kann gegen die hebräische Universität — gerade In der eben berührten Richtung — den Einwand erheben: Ja, Ist die Wissenschaft nicht International? Olbt es überhaupt eine nationale Wissenschaft? Und Ist das nicht eine durchaus reaktionäre, ja chauvinistische Abart der Auffassung, wenn man sich von einer nationalen Zusammenfassung des wissenschaftlichen Betriebs einen solchen Erfolg verspricht? Wissenschaft ist International; das Ist über allen Zweifel erhaben. Der Geist selbst Ist Gemeingut aller Menschen. Der Inhal» der Wissenschaft Ist national nicht geschieden. Was aber wohl geschieden Ist, das Ist die Methode, welche den Besonderheiten zweier wichtiger Instrumente des wissenschaftllchcn Betriebes entspricht: der psychologischen Veranlagung und der Sprache. Eine jede Sprache hat in ihrer einzigartigen Struktur des Denkens neue Möglichkcltcn und neue Wege zum Oclste. Das Ist die große Bedeutung des Hebräischen als neuer wissenschaftlichen Sprache, Insbesondere auf dem Ocbicte der Geisteswissenschaften, der Erkenntnis der menschlichen Seele und des menschlichen Geistes. Noch klarer ist die Bedeutung der psychologischen Veranlagung für die Methode. Das Ist die Art des jüdischen Denkens, die Alien de» jüdischen Lehrens, die Art des jüdischen Lernens, die Veranlagung der Juden in psychologischer Analyse, In mathematischer Kombinantlonsfähigkcit, ihre Eigenschaft des konsequenten. Zu-Endc-Dcnkcna einer Richtung — eine Eigenschaft, der es zu verdanken Ist, daß sie gerade dort In der Wissenschaft stehen, wo ein Gedanke, bis In seine letzten Konsequenzen gedacht, ein neues Weltbild schafft (Spinoza, Einstein, Bcrgson, Husserl, Cohen, Freud, Ehrlich usw.) Daß alle diese Eigenschaften zu gemeinsamer Wirkung und gegenseitiger Befruchtung vereint einen bedeutenden Fortschritt für die Wissenschaft bedeuten, ist klar und das Ist der Segen, den wir von der hebräischen Universität für die Wissenschaft und für die ganze Menschheit erwarten dürfen. Es (st nur eine Seite der allgemeinen Tatsache, wie der nationale Weg dem gemeinsamen Internationalen geistigen Besitz der Menschheit zugute kommt Darin Hegt die Bedeutung des nationalen Wissenschaft- Hellen Betriebs für die Ocsaintwlssenschaft; und daneben erst stehen die beiden anderen großen Vorteile, welche eine hebräische Universität für unser eigenes Volk hat: daß endlich auch die von Ort zu Ort getriebenen jüdischen Studenten und wohl auch die jüdischen Lehrer eine Heimstätte haben. Und daß auch die jüdische Wissen- «chaft im Sinne des Gegenstandes, also die Wissenschaft vom Judentum, vom Hebräischen, von jüdischer Literatur und Schrifttum, von jüdischer Religion und jüdischem Wesen ihre Heimstätte haben, und aus dem Exil heimkommen kann, nicht mehr angewiesen auf die Gastfreundschaft fremder Wissenschaften und Lehrhäuser. Ich sagte: Wir sind ein kritisches Volk und wir wissen, wie weit die Begründung unserer hebräischen Universität von der wirklich vollendeten Universität entfernt Ist Aber dies darf uns unsere Freude nicht schmälern. Es Ist gut, kritisch zu sein, aber man darf es nicht unkritisch sein. Auch das Erreichte Ist bereits ein großer Erfolg; und wir dürfen uns auch einmal darüber ehrlich freuen, trotz aller Sorgen, die uns beschweren. Es Ist ein Augenblick von durchaus historischer Bedeutung,und wir dürfen in einem höheren als dem lokalen Sinne sagen, daß wir dabei gewesen sind. Jakobs Brnnneu Pierre Benoit ist vielleicht der erfolgreichste französische Schriftsteller der Gegenwart. Seine Romane werden in hunderttausend Exemplaren gelesen und vcrlitmt. in der literarischen Welt ist er nicht sehr angesehen. Er versucht im Stile des jüngeren Dumas zu schreiben. Seine Bücher enthalten wenig gedankliche Vertiefung, nichts von der Ruhe eines sinnenden Betrachters, sie sind Handlung, schnelle, bunte, wethselnde abenteuerliche Handlung. In wenige Seilen wird eine Fülle Lebens gedrängt. Nur daß dieses Leben kein Ab. glänz des wahren Lebens Ist sondern Im besten Falle ein unterhaltsames Zerrbild. Palästina und der Zionismus sind in der französischen Lltcratu* der letzten Jahre stark In den Vordergrund getreten. Auch Pierre Benoit war in Palästina. Er kam dorthin von Syrien, kam mit allen Vorurteilen des französischen reaktionären Politikers gegen Judentum und gegen englische Verwaltung, wiitdc aber doch von dem neuen Leben in den jüdischen landwirtschaftlichen Siedlungen tief beeindruckt. Der rätselhafte Charakter des jüdischen Volkes hat schon die Brüder Tharaud gereizt, er vereinigte sich für Benoit mit dem ebenso unverständlichen Rätsel der jüdischen städtischen Intelligenz in ihrem Bestreben nach Rückkehr zum Ackerbau. Es bot sich hier ein dankbares Thema und Pierre Benoit schrieb „Le Pults des Jakob", Jakobs Brunnen, einen Roman aus der palästinensischen Gegenwart Wenn man das Buch liest, will man kaum glauben, daß Benoit in Palästina gewesen ist Oder wenn er dort war, hat er einige Nachte In Haifa verbracht und Ist mit dem Automobil von dort auf der Straße nach Nnzaretlt gefahren und hat dorl Im Anblick der biblischen Erinnerungen, die sich ■n die Ebene Jesrecls knüpfen, einige flüchtige . Notizen in sein Merkbuch eingetragen. Er hat sich auch nicht bemüht, auch nur die einfachste Literatur Ober Ocschlchte, Methode und Vetwalrung der modernen zionistischen Kolonisation zu lesen, oder wenn er sie gelesen hat hat er sie nicht beachtet Er schildert das neue Palästina nicht ohne Sympathie. Er scheint Im Jahre 1923 dort gewesen zu sein, als die wirtschaftliche Lage im Lande schlecht und die Auswanderung groß war. Er hat dort anscheinend einige junge Zionistcn kennen gelernt die französisch sprachen, und berichtet mit Wärme von Ihren nationalen Motiven und Bestrebungen. Er schildert gut die überwältigenden Gefühle, die den Juden befallen, wenn er die großen historischen Stätten wiedersieht, wo »Ich die Ocschlchte seines Volkes abgespielt hat. Aber seine Helden haben niemals In Palästina gelebt und unnatürlich wie sie Ist die Umgebung, m die sie hineingestellt sind. Es hat niemals eine zionistische Kolonie gegeben von der Art wie „Jakobs Brunnen", niemals ein derartiges admlnistratlvcs Verhältnis zum Baron Rothschild, der hinter der ganzen Oeschlchte wie der alte liebe Oott schwebt, und, wie er; allgegenwärtig, doch völlig im Halbdunkel unsichtbar bleibt, niemals Gestalten wie Isaac Cochbas oder Henriette Wcill. Alle wirklichen Probleme des Lebens der Chaluzim werden übersehen, und das bunte Abenteuer, das die Handlung des Romans bildet Ist unzweifelhaft unterhaltend für den, der1 Palästina nicht kennt, der aber gleichzeitig daraus ein völlig falsches Bild gewinnt. Der Roman eignet sich gut zu einem Film; als Kunstwerk Ist er unbedeutend; als ein Versuch, zum Verständnis der zionistischen Kolonisation vorzudringen, unbedingt abzulehnen. Wie olle Romane dieser Art, schöpft auch er seine Fabel aus der Wirkung von Kontrasten. Hagar Moses wächst als ein verwahrlostes Waisenkind im ärmsten Teile dca Oltcttos In Konsfantlnopcl heran. Ihre große Schönheit gewinnt ihr den Schutz einer Kupplerin und sie verbringt lange Jahre In den Freudenhäusern und Slngsplclliallcn der verrufenen levnntlMlscIicn Hfifen. Ein Zufall bringt sie nach Haifa. Dort verliebt sich ein Führer der Chaluzim, haßlich und verwachsen, aher ein geistig hervorragender Mensch, der eine glänzende Stellung In Paris aufgegeben hat, In sie, und unter dem Eindruck seiner Persönlichkeit und des Landes folgt sie Ihm In seine Kolonie, den „Brunnen Jakobs". Dort heiratet sie Ihn, aus Mitleid, nicht aus Liebe. Monate später befindet sich die Kolonie In schweren Ocldsorgcn. Der Baron soll helfen. Cochbas soll nach Paris, Ihm die Lage «ikl.lren. Er erkrankt und an seiner Stelle fährt Ilagar. Sie erledigt Ihre Mission, aber der Rausch von Paris und ihres früheren Lebens erfaßt sie wieder, sie wird eine gefeierte Tänzerin. Die Lcbewclt von Paris In der Nachkriegszeit, die Pierre Benoit besser kennt als das Leben der Chaluzlm, ist gut geschildert, obwohl auch hier niemals andere als rein konventionelle Oestaltcn auftreten. Auf der Höhe ihrer Triumphe erweckt eine Begegnung In dem Herzen Hagars die Sehnsucht nach dem Brunnen Jakobs. Sic kehrt zurück. Hier und da findet sich ein schönes Wort „Sie sind unglücklich gewesen. Olaubcn Sie, daß mich das erstaunt? Die Leiden unseres Volkes sind zerstreute Leiden. Das große Unglück zerstreuter Leiden besteht darin, daß diejenigen, die Ihnen abhelfen wollen, sie nicht zu finden wissen. Bald wird dies anders sein. An dem Tage, wenn alle Unglücklichen, alle hier acut werden." Aber der Rest l»t

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