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Jüdische Rundschau · 1925-04-08 · Heft 29-30 (8.4.1925) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 29-30 (8.4.1925)
Date
1925-04-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 268 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 20/20 Die soziologische GeschlcbtsauUassniQ Von Simon Dubnow. Mit Erlaubnis des Jüdischen Verlags veröffcntliehen wir aus der Jet/t erscheinenden zehubJndlgcn „Weltgeschichte des jüdischen Volkes" von Simon Dubnow die folgenden Abschnitte, die der Einleitung In das Gesamtwerk entnommen Bind. Wie der Verlag uns mitteilt, erscheint der erste Band dieses großen Oc- •ehlchtswerkcs Anfang April, der zweite und dritte folgen im September und Dezember dieses Jahres, die nächsten sieben Bände erscheinen im Jahre 1926. Der Verlag veranstaltet auf das Ocsamtwerk eine Subskription zu ermäßigten Preisen. Wie in der Weltgeschichte der Menschheit, so muß auch In der Weltgeschichte des Judentum» die synthetische Methode die vorherrschende sein. Die Klarlcgung der allgemeinen Ziele und Wege des geschichtlichen Lebens Im Wandel der Zelten und Länder, die Aufdeckung der organlschen Zusammenhangt zwischen den cbuolncn Bruchteilen der Zelt und des Raumes In der dicllausendjiihrlgen Eni- Wicklung der Nation — dies ist die Hauptaufgabe, die dabei dem Qcsdiichtsschrcibcr zufallt. Der nach der synthetischen Methode verfahrende Ocschichtsschrcibcr, der es mit einem schon gesammelten und mehr oder weniger bearbeiteten Stoff ru tun hat, darf Meli allerdings der Muhe einer selbständig durchgclührten Analyse, einer kritischen Prüfung der Quellen und einer Ucbcrprülung der Tatsachen nicht entliehen; mußten doch diese Quellen auf ihrem langen geschichtlichen Wege uit Zuverlässigkeit und Vollständigkeit nur allzuviel Einbuße erleiden, so daß sie ohne strenge Nachprüfung unvermeidlich zu schiefen Verallgemeinerungen Anlaß geben wurden. Allein die Hauptaufgabe besteht doch darin, den hinter der Unmenge der Tatsachen zurücktretenden geschichtlichen Prozeß in seinen Hauptumrissen hervortreten zu lassen, einen genau ausgearbeiteten Bauplan zu entwerfen und dann das hochragende Bauwerk der Geschichte dem Grundriß gemäß zu errichten. Die erste Voraussetzung für dieses synthetische Werk ist aber eine klare allgemeine Auffassung der jüdischen Geschichte, eine klare, durch dogmatische und scholastische Begriffe nicht verunstaltete Vorstellung von ihrem Träger oder Subjekt dem jüdischen Volke, die ihrerseits die Methoden der wissenschaftlichen Forschung auf diesem Oeblctc vorherbestimmen muß. Bis in die allcrjüngstc Zelt standen einer wehen (sprechenden Auffassung der Geschichte i>e.' ,,1'cschichtliebsten" Volkes die grüßten Hindernisse im Wege, tu Ilc/ug auf ihren iiitesten Teil, der als „Heilige Geschichte" eine Ausnahmestellung einnimmt, herrscht die theologische Auffassung auch heute noch über die Geister nicht nur der Rechtgläubigen, die vorbehaltlos den religiösen Pragiiiati«- mus der biblischen Geschichtsbücher anerkennen, sondern auch der Verfechter der freien „Bibelkritik", welche den biblischen Pragmatismus durch ihren eigenen, jedoch nicht minder theologischen, ersetzen. Aber auch in der Behandlung der mittelalterlichen und neueren Geschichte des Judentums herrscht eine einseitige spiritualistischc Auffassung vor, die sich auf den Satz gründet, daß ein Staat und Territorium entbehrendes Volk als aktives Subjekt der Geschichte nur auf dem Oeblctc des geistigen Lebens auftreten könne, während, es sonst Im rozialcn Lehen dazu verdammt sei, ein passives Objekt der Oeschlchte Jener Völker zu sein, .unter'denen es lebt. So beachtete die von Zunz und Gractz Inaugurierte Gcschichisschrciiung bei der Darstellung der Geschichte der Diaspora hauptsäcldlch zwei Gruudfaktorcn: sie behandelte vornehmlich das geistige Schaffen und das heldenmütige Märlyrerfum (die „Geistes- und Leidensgeschichte"). Auf eine Litciaturgcschlchte einerseits und auf ein Mariyrologitim andrerseits wird hier gewöhnlich der Hauptinhalt des gesamten Volkslebens zurückgeführt; dies sind die Grenzen, in die der geschichtliche Gcschlchtskrcls gebannt bleibt. Dieser einseitigen Auffassung der „nachblblischcn" Geschichte Ist auch ihre Einteilung in Epochen angepaßt; es werden unterschieden; dir talmudische, gaonaischc, rabblnlschc, mystische und die Aufklürungscpochc, was wohl als eine litcralurgcschlchlliche, keinesfalls aber als eine natlonalgcschichtlichc Einteilung Kelten kann. Es ist nun eine Errungenschaft der letzten Zeit, daß man endlich zu einer umfassenderen, rein wissenschaftlichen Auflassung der jüdischen Geschichte, die man als die soziologische bezeichnen kann, vorgeschritten ist. Dieser Auffassung Hegt jener aus der Ocsamthcit der Tatsachen unserer Oeschlchte folgende Oedanke zugrunde, daß das jüdische Volk In allen Zelten und In ollen Ländern, Immer und überall, ein Subjekt, ein Schöpfer seiner Geschichte, nicht nur auf dem geistigen, sondern auch auf dem Oeblctc des sozialen Lebens überhaupt war. Sowohl in der staatlichen als auch In der staatlosen Periode seiner Geschichte tritt das Judentum mit dem stark ausgeprägten Charakter einer Nation, nicht nur als eine religiöse Gemeinschaft unter anderen Nationen auf. Diese stets lebenskräftige Nation kämpfte Immer und überall für Ihr autonomes Dasein sowohl In Ihrer sozialen Lebenssphäre als N mich auf allen anderen Gebieten des Kultnrschaffcns. Die <:och zur Zelt des Bestehens des Judatschcn Staates zu hoher Entwicklung gelangte Diaspora besaß überall Ihre autonomen Gemeinden u"d später auch zentrale Sclbstvcrwaltiingsorganc, •hrc eigenen gesetzgebenden und gerichtlichen Institutionen (entsprechend dem Synhcdrion, den Akademien und Patriarchen l"i römisch-byzantinischen Palästina — Exilarchcn, Oaoucn »r-d gesetzgebende Akademien In BahyVmtc«, Aljarns uml l»>ngrc*»,c der Ocinrliidcdrlegicrlcit In Spanien, Kabale und ..Wnailen" oder Kahallage in Polen und Litauen u. dgl. m,). i'ic mit diesem geschieh Hieben Prozeß zusammenhängende neueste nationale Bewegung im Judentum, die da» alte Vermächtnis des Autonomlstnus mit dem modernen Prinzip der fKcchtc der nationalen Minderheiten" vorbindet, zeugt von d« Unverghngllchkclt dieser ewigen Trlebkralt der jüdischen «»schichte, die sich sogar m der Epochaler Assimilation und ü" umwälzenden Veränderungen Im Volksleben zu behaupten vermocht hatte. Die Ursachen der einseitigen Auffassung der Jüdischen «»schichte, die noch In der Jüngsten Vergangenheit so vertet war, liegen klar zutage. 'Uniere wissenschaftliche Oc- «iiichtsschrelbung nahm ihren Ursprung Im westlichen Europa der Mitte des XIX. Jahrhunderts, als dort das Asslmilattons- °2pia völlig das Feld behauptete. Dieses Dogma lautete: »uas Judentum Ist keine Nation, sondern eine Religionsgemeinschaft." Auch die Geschichtsschreibung Heß sich von der a«ftenulnen Strömung fortreißen und widmete sich mehr \iÜ JuJ»,imu« flI> cln<w lebendigen Schöpfer, dem Jüdischen voike. 8og«r solche Oegner des allgemeingültigen Dogmas wie Grätz brachton nicht die Kraft auf, gegen den Strom zu schwimmen. Die tiefgreifende Umwälzung des nationalen Selbstbewußtseins, die unser Zeitalter kennzeichnet, mußte unausbleiblich auch In der Auffassung des geschichtlichen Prozesses Wandel schaffen. Der Säkularisierung der jüdischen nationalen Idee mtißlc auch eine Säkularisierung der Oc Schichtsschreibung folgen, Ihre Befreiung zunächst von den Fesseln der Theologie und sodann auch von denjenigen des Spiritualismus oder der Scholastik, Es reift eine neue Auffasfung der jüdischen Oeschlchte heran, eine Auffassung, die sowohl dem Inhalte als auch dem Umfange dieser Oeschlchte viel eher entspricht. Man beginnt sich allmählich darüber klar zu werden, daß das Volk Im Laufe der Jahrtausende nicht ganz, in seinem „Denken und Leiden" oufgiug, sondern daß es mich unter den verschiedensten Existenzbedingungen sein Leben als eine besondere soziale Einheit aufzuhauen bemüht war und das folglich das Erfassen dieses Prozesses des Lcbeusaufbaiics nun die vornchmlichitc Aufgabe auch der Geschichtsschreibung sein müsse. Der Oegriislnnd einer wissenschaftlichen (IcncIiIcIiIk- Schreibung ist eben das Volk, die nationale Individualität, ihre Entstehung, Ihr Wachstum und Ihr Kampf ums Dasein. Im Laufe einer laiigen-Reihe von Jahrhunderten sondert sich die zunächst amorphe Volks/eile aus dein «le umgebenden Völkermilicii des alten Orients heraus, nimmt eine festiiiurisstnc nationale Gestalt on, errichtet Ihren eigenen Staat und geht seiner wieder verlustig, verarbeitet nach Ihrer Art die aufgenommenen Elemente der allgemeinen Kultur und erhebt sich dabei in Ihrem geistigen Schaffen bis zu den Höhen des f'rophctisinus, Der Moment der endgültigen Formung des nationalen Typus fällt mit demjenigen des ersten politischen Zusammenbruchs zusammen (die persische, griechische, hasmonnisrhe und römische) verlaufen Im Zeichen der Hivinlifat zwischen der Thcokratle und der weltlichen Staatlichkeit. Der zweite politische Schiffbruch, unter dem unwiderstehlichen Ansturm Roms, zelligt neue Formen des Kampfes dos zersprengten Volkes um seine nationale Einheit: «ilcht In staatlichen, sondern In anderen sozialen Formen kommt der unaufhaltsame Drang nach autonomer Lebensgcstaltung, nach einem Höchstmaß sozialer und kultureller Eigenart unter den fremden Völkern zum Ausdruck, l>icscin Zwecke ordnet sich die ganze geistige Lebenskraft der Nation unter: der Judaismus tonnt sich nach dem Ebcnhilde der sozialen Existenzbedingungen der Nallon, nicht aber umgekehrt, Aus der realistischen, soziologischen Auffassung der Jüdischen Geschichte folgt mit Notwendigkeit auch eine neue Beurteilung vieler wichtiger geschichtlicher Einzelerscheinungen, die vom theologischen und scholastischen Gesichtspunkte aus In ganz falschem Liditc erscheinen mußten. Einige besonders geeignete Beispiele mögen hier den Unterschied zwischen der neuen Auffassung und der älteren in der Beleuchtung wichtigster Probleme der Jüdischen Geschichte verdeutlichen. Die hier dargelegte allgemeine Auffassung ist unserer festen Uchcrzciigung nach die einzig mögliche Voraussetzung lür eine wissenschaftlich objektive Methode der Bearbeitung der jüdischen Oeschlchte. Diese Auffassung weist unserer Ocschlehtschrcibung den Weg aus dem Labyrinth der theologischen und metaphysischen Theorien und stellt sie auf eine feste bio-sozlologlsdic Grundlage, Den Gegenstand der Untersuchung bildet nicht eine Abstraktion, sondern ein lebendiger Organismus, der sich aus einem ursprünglichen biologischen Keim, dem „Stamme", zu einem komplizierten kulturgeschichtlichen Ganzen, zur Nation, entwickelt hat. Die Methode der Untersuchung gründet sich auf dem streng durchgeführten Prinzip der Evolution. Zunächst ist die Periode der Herausbildung der nationalen Individualität zu untersuchen, dann, nachdem diese Individualität bereits festere Qestalt angenommen hat, die Periode ihres Kampfes um die Sondercxlstenr, tun die Erhaltung und Entfaltung Ihrer ausgeprägten nationalen Züge und der im Laufo von Jahrhunderten angehäuften Kulturschätze. Bei der Darstellung dieses doppelten Prozesses der Individualisierung und des Kampfes um die sich gestaltende Individualität gehen wir von der Orimdüberzeugung aus, daß eine widerstandsfähige und deutlich ausgeprägte nationale Kollektivpcrsönllehkcit, als ein Produkt der geschichtlichen Entwicklung, nicht nur eine natürliche Erscheinung bildet, Mildern zugleich mich einen hohen Kulturwert repräsentiert. Dies will aber noch durchaus nicht sagen, daß der Ocschlchtschrclbcr auch alle Jene geraden oder verschlungenen Wege, die zur Erhaltung der kollektiven Persönlichkeit geführt hatten, als wertvoll anzusehen habe, Wenn er z. B. In der normalen Absonderung eine unumgängllcho Vorbedingung des nationalen Daseins anerkennen muß, so darf er es andererseits auch nicht unterlassen, auf jene Zelt- Perioden ausdrücklich hinzuweisen, In denen die kulturelle Absonderung — allerdings häufig uotgedrungcncrwcisc zum Zwecke der Sclbstcrhallung — zu traurigen Auswüchsen führt«*: bis zur völligen Entfremdungder Nation Rcgcnüber den wertvollen Errungenschaften der alluicnschllchcn Kultur. Es liegt ihm ob, den für jeden nationalen Organismus unvermeidlichen Widerstreit der zentripetalen und der zentrlfugalcn Kräfte sowie die tragischen Konflikte, die dadurch Im Leben den Volkes zum Ausbruch kommen, zur anschaulichen Darstellung zu bringen. Aber freilich wird er, dem die Idee de* kulturellen Ulgvsmvcticfl der nationalen lndlvldunlltül unverrückbarer Ausgangspunkt Ist, andern die Endergebnisse des zentripetal gerichteten, aufbauenden Kraftaufwandes, anders diejenigen der zentrifugal verlaufenden, zerstörenden Kraftanspannuiig bewerten. Eine weitere selbstverständliche Forderung der soziologischen Methode besteht darin, doß In der Geschichtsschreibung nicht nur den gesellschaftlich-nationalen, sondern auch den von der alten Schule so sehr vernachlässigten sozial-ökonomischen Faktoren der gebührende Platz eingeräumt wird, Dies soll aber keineswegs eine Konzession an die „matcrialirtischc Geschichtsauffassung" bedeuten, die nllc goschlchlllchcii Tatsachen auf eine Evolution der wirtschaftlichen Lebensverhältnisse zurückführen möchte. Nicht tim deswillen sagen wir uns von der antiquierten splrltuallstlschcn Qcschlclttsaiislcltt los, um In die Klemme der entgegengesetzten Doktrin, der nicht minder einseitigen, nicht minder alle geschichtliche Fernsicht trübenden malcrinlhtlsch.cn Qcschlchlsoulfassung zu geraten. Ist doch die wirtschaftliche Lebensordnung geradeso ein Element der natürlichen und sozialen Lebensverhältnisse de« Volkes wie der Aufbau der geistigem Kultur, Was das Leben der Nation gebieterisch beherrscht, Ist die Totalität «Her von Ihr erzeugten fodden und geistigen F*k(or(n Betrachtet man die gegenseitigen Beziehungen der eln«|n., Faktoren untereinander, so ergibt sich, daß zwischen u,n.„ sowohl eine Wechselwirkung wie ein Widerstreit beiiein nirgends stoßen wir aber dabei auf eine Unterordnung ,|l dltbcr so verschiedenartigen Lcbensfunktloiicn unter Irgendein von Ihnen. Den ganzen Wert dieser neuen Aulfassung der jüdischen Oeschlchte weiß der besonders zu schützen, der, $\tl(i dem Verfasser dieses Werkes, früher selbst auf den aj|C|, vlclvcrsdilungcncn Wegen der jüdischen Geschichtsschreibung umherirrte Ich selbst habe seinerzeit den allgemeinen u,* erkannten Grundsätzen rückhaltlos Beifall gezollt. Aul dei Suche nach einer umfassenden Synthese der jüdischen Oc. schichte, einer Synthese, der ich vom ersten Tage nicia« wissenschaftlichen Forschung an unausgesetzt nachgin» machte Ich selbst alle hier erwähnten Phasen der gescliiel«! liehen Oedankenarbeit durch. Meine noch unreife Erstling nihclt1). die von einer niiygctprocJicncii rcliglös-rcforiiiialnclien Tendenz durchdrungen war, stellte den Versuch dar, die theologische Methode mit umgekehrtem Vorzeichen zur An. Wendung zu btlngcn. In einer Reihe weiterer Arbeiten, j„ denen sich bereits das Bestreben zur Vcrwcltllchung der Jüdischen Geschichtsschreibung bemerkbar machte2), Konnte Ich mich von dem Banne der idiologisclt angehauchten Ansichten der Schule von Zunz und Grätz noch immer nicht frei machen; die Neuerung, zu der Ich mich entschlossen halte, hcschränkte sich darauf, daß ich das national-soziale Programm In den alten Rahmen der Idcengcschichte hineinzuzwängen versuchte. Erst nach einer langjährigen, ins Einzelne geben, den, quellenmäßigen Bearbeitung der allgemeinen jüdischen Geschichte, als ich sie selbst als eine Geschichte des Volkct und nicht nur seiner Literatur zu schreiben hatte, traten mir die Mängel der alten Verfahrensweise Immer klarer v.v Augen, und zugleich erweiterte sich zusehends der Rahmen der Untersuchung und Verallgemeinerung, öffnete sich drr geschichtliche Gesichtskreis, bis endlich dasjenige In den Vordergrund trat, was ehedem hinter dem Schleier der scholastischen Umncbclung verborgen lag3). Die Ergebnisse, zu denen Ich auf induktivem Wege gelangt war, suchte Ich dann In der enlgegengcsct/len deduktiven Richtung zu überprüfen, und nun erwies es sich, daO incliic Schlußfolgerungen, die aul diese Welse zu Voraussetzungen wurden, sich bei der Anwendung auf den geschichtlichen Stoff vollauf bewährten. Die Jude« Ii Kußlaati „Die Wahrholt ilbor die Juden In Rußland". Der Jüdische Statistiker und Deinograph I lerr Jacob L c s c Ii z y n & k i veröffentlichte im Verlag „Jafkut", Berlin, ein Büchlein unter dem Titel „Die Wahrheit Über die Juden In Rußland". Der Autor verzichtet auf statistische Daten und Zilfcrn, sondern bringt ausschließlich Acullcrungcn jüdischer Kommunisten in der russischen Presse über die Lage der luden In den Städten Rußlands; es entsteht auf diese Weise ein Bild von der Jüdischen Kleinstadt, das keine erfreulichen Perspektiven erweckt. Der Autor stellt fest, daß in der gesamten Geschichte der indischen wirtschaftlichen und politischen Katastrophe keine Epoche wie die iet/i;f zu verzeichnen Ist, wo ein sehr großer Teil der jüdischen Bevölkerung ohne jede Beschäftigung ist und so allmählich zugrunde geht. Laut einer von der „Prnwda" Nr. 173 vom 1. August 1024 veröffentlichten Mitteilung des Statistischen Amtes der wcinrussischen Republik wurde dort die Lage in 43 Städtchen mit einer Gesamtbevölkerung von 10 130 Seelen erforscht. Es stellte sich heraus, daß nur 25 e,'o der jüdischen Bevölkerung bestimmten Beschäftigungen nachgehen. 75 °/o der jüdischen Bevölkerung in diesen Stildtchen waren nicht In der Lage, irgendeinen Beruf, dem sie nachgehen, anzugeben. Besonders traurigr 'st die Lage der lugend, die keine Zukunft vor sich het. Die jüdische Kolonisation, wie sie jetzt vor sich geht, ist m begrüßen, sie kann aber nicht viel andern. Nummer 5 der „Blätter für Demographie, Statistik u. Wirtschaftskundc der Juden" veröffentlicht eine sehr Interessante Statistik über den Anteil der Jüdin an der zaristischen und an der sowjetisttschen Wehrmacht. Au«: dieser Statistik geht hervor, daß der Anteil der Juden sowohl an der zaristischen Armee, wie auch an der Roten Armee dem Prozentsatz der Juden Im Verhältnis zur Ornanttbevölkerung entspricht. Im Jahre 1013 zählte die zaristische Armee 4"» luden, während das Verhältnis der Juden zur Ocsamtbeviilkerung 4,05 «/o betrug. In der Hofen Armee gab es 1023 2,2 e/a Juden, wahrend der Prozentsatz der Juden in der Oeoanitbcvölkcrung 2,1 «/o war. 1020 war der Prozentsatz der Juden In der Roten Armee noch geringer, n.'imlich 1,35 »o. 5) „Einige Hauptpunkte In der Entwicklungsgeschichte des jüdischen Oclstcs", Russ. Jevrcl, 1831, Nr. 16-3Ö.!) „Ucbcr die Erforschung der Oeschlchte der russischen Juden" (die CMtcn Kapitel), Petersburg 1801; „Der Historiegraph des Judentums: Graetz, sein l.cbcn und Werk" (Wosschod 1802, Heft 2-0); uDas Problem der jüdischen Geschichte" (Wosschod 1893, lieft 10-12). Dieser letztere Aufsatz war ursprünglich ab» eine Einleitung zu der beabsichtigten, damals aber nicht zustande gekommenen rinsbehen Ausgabe der „Gecchlchlc der Juden" von Qractz gedacht, was auch hinlänglich das Vorwalten der Ideologie von Or.vlz In dieser einseitigen gei;chloltt.^ihllysuph.U,äie« Studie etkUt Der rushlHche Originaltext Ut nie In Buchform nuchiicdruekl worden, dagegen tilgte es sich so, daß er — ungebührlicherweise — In der deutschen und englischen Ausgabe weitere Verbreitung fand. Die deutsche, von Isr. Frlcdlüiuler he- Borgle Uebcrart/uiig („Die jüdische Geschichte. Ein eer.chlchlsphllosophlschi'r Versuch'') erlebte zwei Auhagen (Berlin 1808; Frankfurt 1021), wahrend die nach der deutschen Ausgabe von Henriette bzold verfertigte englische Ucbcrset-amp 1903 gleichzeitig In Amerika und in England erschien („Jewish Ilistory. An cssay in the phltosophy of hlslory". PhlU« dclphia, Jewish Publicailon Society of America). >) Vgl.: „Briefe über das alte und das neue Judentum", namentlich Erster Brief (Petersburg 1907); „Die Prozesse d»r llumanlsleruug und Nationalisierung In der neuesten Geschichte der Juden'' (Monatshefte „EwrcUkij Mir", i'XW, Hell 1); Vortrag in der Petersburger Jüdischen Historisch-ethnographischen Gesellschaft vom 21. Febr. 1Q10 (Bericht In „Evrcjskaja Sstarino", 1910, Heft 1); „Einleitung In die zweite Aullago des ersten Bandes der „Allgemeinen Jüdischen Oeschlchlc", Petersburg 1010. In eingehender Weise habe ich mein Ocschlchtssyslcin In einem allgemeinen Kursus der jüdischen acschlchtc dargelegt, den ich viele Jahre hindurch ') p?&1b,,rff'. *U2r,t an 3cm Institut für Oriciitkund« (i1»5 £ ' «ISIS* "ü*1.. ,od.*,m ln der Jüdischen Hochschule \\W bis 1023) schillert habe. - *

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