Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 29-30 (8.4.1925)
- Date
- 1925-04-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite m JUEDISCHE RUNDSCHAU' ffr. 20/3ö aus dem Kalkofcu errettet hat, der Isaak unter dem Messer seines Vaters nicht sterben Heß, dir Jakob den Sieg verlieh, da er an der Furt Jabbok mit dem Engel rang. Und auch unsern Mann hat er Wundersames erfahren lassen: der Ist den Wellen des Nils entgangen und dem Schwerte Pharaos und der Verfolgung der Mohren — also kann er ihn auch vor dem Hungcriode bewahren. Da ließ sich Rcgucl überreden, und er ging nach der Orube, um nach Mose zu sehen. Und siehe da: der Gefangene stand aufrecht in der Höhle und Heß Lobgcsänge und Gebete erschallen zu dem Oott seiner Vfitcr. Da befahl Regucl, den Mose aus dem Kerker zu ziehen; er mußte sich scheren und seine Kleider wechseln und Orot essen bei Tische. Danach »ließ Mose In den Garten Rcguels, der hinter dtm Hause war, und pries den Herrn seinen Gott, der Ihn auf solch wunderbare Welse gerettet hatte. Wie er so betete, erblickte er einen herrlichen Stab, mit Saphirsteinen besetzt, der aus der Erde wuchs. Cr trat herzu, und siehe ,da, der unverstellte Name Qottcs war auf dem Stabe eingeschnitten. Da sprach er den erhabenen Namen aus, faßte den Stab und riß Ihn leicht, als wUrc es eine Weidenrute, ans der Erde heraus, Das war aber der Stab, mit dem alle göttlichen Werke auf Erden vollbracht wurden, seitdem Himmel und Erde und all ihr Heer, Meere und Flüsse und alle Tiere, die drin wohnen, erschaffen worden waren. Als nämlich Oott den ersten Menschen aus dem Oartcn Eden vertrieben hatte, da nahm Adam diesen Stab in die Hand und baute den Acker, aus den« er genommen war. Der Stab gelangte dann zu Noah, und dieser übergab ihn Sem und seinem Geschlecht, bis er danach au Abrain, den Hebräer kam. Als aber Abraham alles, was sein war, seinem Sohne Isaak übergab, gab er ihm auch diesen Stab. Danach geschah es, daß Isaaks Sohn Jakob nach Haran floh und den Stab . al* Wanderstab mitnahm; er hatte nichts denn diesen Stab, da er über den Jordan ging. Er kehrte dann zu seinem Vater zurück, allein den Stab vergaß er nicht und nahm ihn mit, auch, als er nach Aegypten hinahfuhr. Er schenkte Ihn Joseph als ein Stück mehr über seine Brüder, das er Esau mit Gewalt entrissen hatte. Noch dem Tode Josephs kamen die Fürsten Aegyptens in das Haus des Regenten, und der Stnb gelangte an den Mkllanltcr Rcgucl, .der damals Ratgeber am Hofe Pharaos war, Rcgucl verpflanzte den Stnb in seinen Garten, der hinter seinem Haus im Lande Midian lag. Nunmehr versuchten sich alle Helden der Kcnitcr daran, den Stab aus'der Erde zu reißen, denn welchem es gelange, der sollte die Tochter Rcgueh, Zippora, als Gemahlin heimfuhren. Keiner hatte es zu vollbringen vermocht. Also blieb der Stab im Oartcn Rcguels stecken, bis daß der kam, mit dem das Recht war. Wie nun Rcguel dtn wundersamen Stab In der Hand Moses gewahrte, staunte er über die Maßen und gab Ihm seine Tochter Zippora rum Weibe. Mose blieb bei seinem Schwiihcr Kcguel wohnen und ward Hlrte seiner Schafe. Da begab es sich auf einen Tag, daß ein Zicklein Ihm von der Herde entlief und er, da er es verfolgte, an den Berg Gottes lloreb kam. Hier aber am Fuße des Berges offenbarte sich Ihm der Herr Im flammenden Dornbusch. Das Oeschrel der Kinder Israel, die unter der Pron der Aegyptcr. Uticn, war vor den Herrn gekommen, und er hatte Ihr Elend gesehen. Da erkor er Mose zum Retter des Volkes. Mose zog nach Aegypten, traf seinen Druder Aaron,,der dort geblieben war, und sie traten beide vor Pharao. Der Aegyptcr weigerte sich, die Kinder Israel ziehen zu lassen, und so schlug Oott Pharao und sein Volk mit schweren Plagen. Zuletzt aber, da dal Herz Pharaos verstockt blieb, erwürgte der Herr In einer Nacht alle Erst« geburt Aegyptens. In dieser Passahnacht verließen die Kinder Israel das Haus der Knechtschaft. (Ucbcrsetzt von R. R.) Die Sendboten*) Von Felix A. Tltcllhabcr. Ellscha der Alte betete. In Elle übersprang er ganze Silben, Worte deutete er kaum Ad, Sätze tat er In einem Atem ab, als öb er In Wlndcsschndle Hände auslesen müßte. Immer hastiger, immer rascher griff er die Ocbctc auf, murmelte sie herunter in der trüb mciodlsehen, gleichmäßigen Sprache. Den Oberkörper schob er dab'l wiegend hin und her. Nur hie und da unterbrach ihn ein harter Husten. Das ungewohnte frische Klima des Nordens macht« ihn krank. Er sehnte sich nach dem warmen Licht des Südens. Dabei schweiften seine Qcdanken vom Gebet ab zu Sab-, balal Zwi hinüber, den er seit Monaten nicht gesehen, von dem er nichts gehört hatte. Es war seilte Aufgabe, die Gemeinde von Amsterdam für den Messlas zu gewinnen. Gebet, Einsamkeit und Fasten waren die gegebenen Vorbereitungen für dicsr große Aufgabe. Darum hatten (ich die beiden Sendboten Sabbatais vom Tage nach d«!f Ankunft In der Stadt in eine stille Kammer zurückgezogen, sich fast niemandem mehr gezeigt. Aber gerade das Ocrücht ihres Daseins verstärkte die Anteilnahme an ihrer Mission. Die Abgeschlossenheit sagte dem Jüngeren Salomo zwar gar nicht zu, Draußen lockte das Leben der großen Stadt. Er schalt auf die armselige Kost und vertuschte das häufige Fasten. Ilm langweilte das ewige Gebet. Etwas Abwechslung fand er nur, wenn or mit dem Alten ^egen religiöser Dinge streiten konnte. Es wurde Abend. Eilsens las zuletzt im Sohar, bis es dunkelte und die nuchstahen verschwammen. Der Alte schlug <J" Duch zu und sali stell nach dem Kameraden um. Schon langst war er darüber unwillig, daß er diesen Jungen, albernen Menschen mitgenommen hatte. In Tiberlas hatte Salomo Ihm Versprochen, alles zu tun, was der Alte verlangen würde. Und V hatte Ihn als Begleiter angenommen, well David Capto, dff für Sabbatal zeugte, sein Vater war. Aber die Kinder Richen cilcftt Immer den Eltern. Und Salomo War ein JOtig* l^&.dem die Vergnügungen der Straße mehr wsagten als beschauliches Slch-verscnken In die heiligen Schriften. 1 ii.i i i/ .Wir veröffentlichen hier mit Erlaubnis des Autors das pspitel XU. aus dem Roman ,.Deln Reich komm*" von *A Thellhabcr (Vurlsg C. A. Bchwelsehke Ot Sohn, uoriin) Dieser nteressante, auf eingehendem Studium befüllende historische Roman, dessen Huuptfigur liaruch S p I. f-0,**- Ist, und dessen Üauplmoliv die Erlösungsldc! des Jüdischen Volkes ist. behandelt auch die messianische Bcwc- £.'!ß,..dlc S»bbaUI Zwi erragt wurde. Das vorliegende Äc,.,n<ci,t, mll.von Sabbats.! nach Amsterdam Reichrckten «ndboten bekinnt. Die Oedanken des Alten gingen wieder zur Lektüre des Sohar zurück. In dem Dunkel des Zimmers entzündete sich seine rege Fnntaslc. Die Tckuphanacht des Frühlings war heute. Salomo machte «Ich am Wasserfaß zu schaffen. „Was tust Du am Wasserfaß?" fragte Ihn der Orcls. ' „Ich will trinken." „Heute? In der Tckuphanacht?" „Ja, Rabbi." „Wenn Du trinkst, heißt e«, kommt Dein Blut über Deinen Kopf." „Washalb, Rabbi?" „Wegen der Ocfahr." „Von wem droht eine Gefahr?" „Von einem bösen Geist." „Wenn mich aber dürstet." „Sar; den Ptalm Davids, darin das Wort „Kol" siebenmal vorkommt: Die Stimme des Herrn .geht auf den Wassern. Das wird Dir helfen." Sakimo murmelte den Psalm siebenmal. Nach einer Welle klagt'! er wieder: „Mich dürstet noch Immer, Rabbi." „Nun sprich zu den bösen Oöltcrni Lul, Seh.iplian, Augoron, Anardcphon I — Ich sitze unter den Sternen, Ich gehe einher Unter den Dürren und Fetten. Nehmt die bösen Geister von diesen, nur mich laßt zufrieden I Jetzt nlmnt ein Elsen und lege es in das Wasser, damit der Teufel keine Öcwalt mehr hat. — So nun kannst Du trinken. Hast Du einen neuen Nagel? Sons» kommt Unreines In das Wasser." „Es Ist gut, daß die Tckupha nur viermal Im Jahre Ist. Wenn die Tage am längsten und am kürzesten sind, und wenn sie der Nacht gleichen. Ich würde andernfalls verdursten, Rabbi." „Bist Du ein Tier, das immer tranken muß, wenn Ihn durstet, oder hast Du gelernt, die Gelöste zu beherrschen?" Salomo unterdrückte nur schwach ein höhnisches Lachen. In diesem Augenblick haßte er den Alten. Irgend Jemand riß die Tür auf, Salomo fuhr ängstlich zusammen., Mit einer Pcchfnckel in der Hand trat ein Mädchen herein, die Haare kurz geschoren, In schwarzen Hosen, fast wie ein Knabe aussehend, Sic musterte rasch die armselige Stube und die beiden Insassen herrschtesie au: „SrUI Ihr die Kündcr des Propheten?" Die beiden Mänuor sahen nur scheu zu Ihr auf, Wer war dieses jugendliche Mannweib, das sie nicht kannten, und das plötzlich zu so sp.itcr Abendstunde In Ihr Versteck eindrang? „Sic ist schön", dachte Salomo. Er spürte Im Munde einen eigenartigen süßen Ocschmack. Das Mädchen set/to sich an den Ofen und sah In dlo glimmenden Scheite mit seltsam glänzenden Augen. So wie sie dasaß, war sie ganz Erwartung.,.. Etwas Strahlendes ging von Ihr aus, Ihre Augen halten In der Freiheit den alten Olanz wieder bekommen. Ellscha und Salomo schwiegen, als ob sie die Frage überhört hätten, ob sie die Boten des Propheten seien, „Laß slo sitzen", bedeutete endlich Ellscha, „In der Tckuphanorht gibt es viele Wunder, Hast Du du Elsen In das Wasser gesteckt, als Du vorher getrunken?" Snlomos Gaumen dürstete nicht mehr, nur die Lippen brannten. Aber es war nicht die Trockenheit, dieschmerzte. Es war ein Feuer, dessen Olut er hätte löschen mögen an dem schönen Müdchcn. Er achtete nicht mehr des greisen Kameraden, Seine Gedanken waren hingst weit ab von seinen Fragen. Aber der Alte gab nicht nach. * „Es wird ein großes Unglück geben, Suche einen Nagel. Hörst Du? Ein Planet widersteht der Wirkung eines Anderen.. Planeten und vermindert sclno Kraft, Wenn mm die Sonne in der Zelt der Aequlnoktien einen bösen Einfluß auf das Wasser ausübt, so kann sie der Planet Mars, der aus Eisen bestallt, darum hindern, Ucbcrhaupt Ist das Eisen von wohltuendem Einfluß, den auch die Aerzte und Chemiker für 'die I Icilkundc erkannten. In dir Tckuph.inacht wandelt sich die Natur. Es beginnt In Ihr bald das Werden und bald das Vcrgchcm. Und deshalb sterben so viele Menschen In dieser Stunde." Salomo I.miii langsam dem Mädchen naher. Es war nach dem Ocsctz verboten, jungo Mädchen zu berühren, und doch tastete er mit den Hunden, bis er ihre Finger berührte. Sorgsam, damit es der Orcls nicht bemerke, Ihre Sprache hatte einen wundersamen, verträumten Klang, Was vergangen, hatte sie vergessen. Nur oln Oedanke bcsctlto sie. Und so fragte sie Salomo i „Verratet mir, wo der Messias Istl Führt mich zu Ihm! Ich bitte Euch. Sagt Ihm: Sara, der Oott In Krakau erschienen ist, will ihm dienen." Der Alte sali nicht auf die zwei Jungen Leute. Er kramto in der großen Truhe, um einen Nagel ru findon. Dabei klagte er: „Ich will da* Unglück aufhalten, Und das Geheimnis In der Tckuphanacht Ist dieses. Einstmals In den Tngcn der Tekupha geschalt die Opferung Isaaks, des Sohnes Abrahams, und der Tochter Jcphtas, und in den Tagen der Frühlingsglrlchcn wondclte sich in Aegypten das Wasser In Blut, und In der Tcknphn Tnmnius hat Oott durch Moses und Aaron dem Felsen befohlen, er solle Wasser gehen, Als dlo Juden dann den reinen schlugen, kam Blut In die 1-liitcit. Denn In den Tagen der Tekupha wechseln die Engel, die Über die Quellen gesetzt sind, Ihre Posten und der Satan wirft, wo er kann. Dlttcrkeit In das Wasser, Wer da den Himmel betrachtet, sieht, wlo der Skorpion mit «lein Löwen streitet. Darum darr man In dieser Zelt dem Kranken keine Arznei geben, den Leib nicht reinigen, noch zur Ader lassen, cho zehn Tage vorbei sind. Am gefährlichsten sind dkj Ttkuphot Im Sommer," Im Kamin prasselte das Feuer. Das Mldcheu hielt ihre schmalen Finger über die auflodernden Plammcn. Salome* Red» wurdo Immer lebhafter, or erzählte- Sara vom Messlas Sabbatal Zwi, der an der Tafol Abraham Ahulai, des Schatzmeisters von Aegypten, die fünfzig Kabhallston bezauberte, Abraham Ahula nelhsl aß nur ein Stückchen Brot und trank Wasser. Seine Tischgäste aber schwelgton In den erltscnaton Speisen. . Salomo war ein Feinschmecker, und Über dem Ausmalen der schmackhaften Ocrlchtc vergaß er fast, von den Wundern zu berichten, mit denen Sabbatal Zwi die Kabbalistcr» überzeugte. Nachher schilderte Salomo das Lebin In seinem Vater, laitdr. Es sei dort viel schöner als In Amsterdam, Man iahe die Natur In Farben, die vlct prächtiger, satter und wundersimer. Es dufte auf allen Wegen. Die Menschen schien»» fröhlicher und glücklicher. Der Wein sei süß und mart," trunken, Felgen, Datteln und Orangen wüchsen an Straßen. " Dabei verstand er es, seine Bilder zu beleben und (jfm Wclbe mit den Worten zu gefallen. Aber der junge Salomo der sich so um ihr Wohlgefallen bemühte, war blaß und mager' kahl, mißgestaltet und unansehnlich. Die Augenlider wafCn' ihm ausgefallen, und über die Pupillen gingen Narben vo-, der ägyptischen Krankheit, die den Augen den Ouiiz nahui(n' Das Müdchcn beachtete die Anzeichen seiner Liebe nicht nur die Worte nahm sie sinnend auf. „Vielleicht Ist der Messias nahe. In den Nachten erscheint mir sein Blkl. Ich muß ihn bloß suchen, suchen." Ein Schatten tauchte vor Ihr auf. Ein fester, lichter Bilck sprach zu ihr.... „Gewiß, auch in Amsterdam gibt es Anzeichen vom Rommen des Messias," beeilte sich Salomo zu erzühlen. „In diesen Tagen wurde die Sonne Jilh verfinstert. Ich habe gesehen wie das Volk der Christen In die Kirchen zog. Alle (ilockci! IKutcten, Die Menschen waren erschreckt und schlössen die Häuser, bedeckten die Brunnen und ließen das Vieh nicht auf die Weide." Den Alten bcschiiftlglc noch immer der Nagel. „Salomo geh und such einen neuen Nagel. Du hast einen alten, verrosteten In das Wasser geworfen. Es gibt tontt ein Unglück." Sara zuckte bei den letzten Worten zusammen. I>cr Alte sprach weiter vor sich hin: „Salomo, such den neuen Nagel, wirf ihn heule In das Wasser und trage ihn morgen am Hals. Dann wirst Du nicht am Fieber erkranken oder von Geschwüren geplagt. Rabbi Mclr hat es uns gelehrt. Wenn Du aber den Nagel eines Oekrcuzlgtcn oder Gch.liigien besitzest, so hast Du die Kraft, am Sabbat über die Orcn/cn des Erlaubten hinauszugehen. Und noch ein Letzte«; lehrt Rabbi Jose im Sohar von der Tekupha. Siehe, es gibt e'n großes Ruten, das klingt mit Macht und mit Starke und h'Jret nicht auf bis in Ewigkeit. Aber In den Tckuphot wird diese Stimme abbrechen, wenn die Ocrlchtc gehalten werden Ober die Welt. Diese Stimme faßt alle Übrigen Stimmen in sich. Nimmer wird sie sonst aufgehoben und In nichts von der vollkommenen Festigkeit verrückt, noch sonst gehindert in Ihrer Kraft und Stärke. Dieses Rufen Ist der höchste Ton.. .*' „Sara," rief in diesem Augenblick eine Stimme. „Hört Ihr?" sagte der Alte. „Versteht Ihr das Wunder?" Aber es war bloß Ihr Onkel, der an der Türe pochte und Einlaß verlangte. Er stampfte Ins Zimmer und ging auf Ellscha zu. „Dieses Mädchen sucht den Messlas," erklärte er dein Alten. „Und da sie hörte, daß Ihr Sendboten des Messias seid,- ruhte sie seit Tagen nicht mehr und schlief nicht In den Nächten. Niemand konnte uns sagen, wo ihr Euch aufhaltet. Sie aber ging stundenlang durch Amsterdam, bis es Nacht wurde. Heute endlich, als der Mond hoch am Zcnlth stand, sag« sie: Jetzt wollen wir die Männer besuchen und sie prüfen. Und sie ging In dieses Haus. Ich wartete auf sie, denn Ich dJlchtc, sie irre sich. Als sie aber nicht zurückkehrte, kam Ich ihr nach." Und dann ging er auf Sara zu, streichelte Ihre Harnt und sagte zu Ihr In herzlichem Tone: „Sara,'sich, das sind die Sendboten des Messias." DU'1 konntest sie fragen nach allem dem, was dein Herz beschwert. Aber Ich bin sicher, auch der Anblick des Messias wird Dich nicht hellen. Es Ist Dein Wille, der krank Ist, und den Du zu meistern hast. Nun komm aber mit mir, es schickt sich nicht für ein Jüdisches Müdchcn, In der Nach» allein mit fremden Männern zu sitzen," Sara machte keine Miene, dem Oheim zu folgen. Der aber wurde energisch und drängte zum Aufbruch. „Nun laß Deine albernen Pläne, laß Deine fremden Gesichter und denk mehr an Deine Gesundheit. Du brauchst Schlaf, und kein Messlas kann ihn Dir geben. Er ging an sie heran und wollte sie mit sich nehmen. Aber sie rührte sich nicht. Kein Ollcd rührte sich. Es war, als sei plötzlich das Leben In ihr erloschen. Oder vielmehr als hätte sie eben eine fremde Gewalt erobert. Es war mehr als bloße Müdigkeit und Erschöpfung. Irgend eine Macht beherrschte sie und nahm Ihr die Sinne. Auf keine Rede schien sie zu hören, kein Mittel schien sie aufzuschrecken. Ihr Onkel faßte sie fest an. Er eilte zur Treppe wie verzweifelt, kehrte wieder zurück, sprach und schrie zu Ihr. Er stieß sie. Kein Muskel zuckte.. Er griff sie und suchte sie mit sich zu nehmen. Vergebens. Salomo sprang herbei und streichelte ihr die bleichen Wangen und gab Ihr liebkosende Worte. Sie hörte nicht. Er zerrte sie vom Herd weg. Sic blieb wie erstarrt. Zuletzt ritzte er ihr In sinnlichem Rausch mit einem Messer die Wange und den Arm. Ein Tropfen dunklen Blutes floß. Aber schlaff hing der Arm der Regungslosen, „Ein Wundtr," schrie Elischa. . Salomo nahm die Pechfackel und ließ heiße* Pech aul Ihren Nacken fließen. Eine seltsame Olcr durchzuckte ihn bei jedem Tropfen Pech, der auf das weiße Plcisch bra.inte. Aber nichts regte sich an seinem Opfer. Nur die Brust Iwib und senkte sich In gleichmäßigen Rhythmus. Die Augenlider blieben wie verhangen, Ilnngo Stunden der Erwartung verginge«. Selbst der Ohrlm, der schon manche Anfülle Saras mit erlebt halte, erschauerte. Das Licht erlosch und nur der Mond sah Ins Zimmer, langsam verblrlchend. Die Tckiiphanacht verstrich. Die MUriitcr »aßen Im Krelso um das Mädchen, Mählich wurde es am Himmel grau. Als der erste Sonnenstrahl auf das Mädchen fiel, keuchte ihre Brust Sie schlug die Augen auf und ihr Mund öffnete sich Diesmal aber kam kein Ton über Ihre Lippen. Sic war stumm gcworden — In der Tckuphanacht. ws. 'rD'riWSiEln9 Mo<'*t8schrUt{ herausgegeben rELnr' Mfrt,"-U,'be^,,.M.lad,Mlwn Vfr1^ Herlin NW7, Dorp heenstr. 35. Da» IV. Hell des 8. Jahrgang« Ist soeben erschienen und hat tolcenden Inhalt: Slcgmund Katzncl- Dci',,Zwa,,ß Weltpolitik. Hans Kohni Das neue Arabien. Hermann Oleum Jüdische Rcntciibank. Waller Prcuß: Mo Kwtizah, Gustav Mayen Lassalle und das Judontullt. Ue me rk un gen: Eduard S t rau ö: Das Heilige und die Form. Umschau: Jogues Adler: Die Agrar- Industrie in Palästina. Oertrud Benziant Das Paulinenj llt ru Hamburg. Pilli Oo11 e i ni Franz Rosenzweig: Jchud» Halevy, deutseh, " ' JJ (,:'.' ,1 I! »If ».,' beß <*»<< S"er ' S>n i he*«'... das ,\ i«i auh » ,', ••'!,' die',- ( Ist, I'- ',' |:'; dari S»> i ,'' . I*" ■ ', 'i .»•, '; Vi C tot. ,| , Von:, fcon-Vi' V ' '•,,.<; und* •! ct»-:'-"-':^: i und i -.i'j jj/'1 ." :\ . - '! Lln' >•• '.. j vol' '' ■» ••. -i T<* '; fcnt/.Vjf -! Sirs* ■ v; wiC',. •,• V* ... Mg ' ■' ' ' i -s i sch,; ■ ,', icit!^,'., ';!*•!• :;•,•;■:•./!' un<!: ' Lei £:r»!v .!) bei: V-M-.i' k»X ,vV'i * ,t cm,/ , >".) Pci.. ' Ilra.^'1 ,.r*.;f J«K i Iki t i; - Dii'i'. .'« ,.f.. '»>' j: l 'y. An / :: 't [[ sch . ers(; j gc i „ k l«, i * « au:' w GC '; nu'j'1,, dic>' SO, ,! de, . un *. als ■ cir; l«i i:1-.: sie Im:, wl;i M.,;. IR { un, sc";" i ä au; , mi Wi ' , Vi. ." , Vi % fü « zv >' Ist dl, , lu , m ■w- . , m ' sc::1 w/»r fü, : 1 n.i': h «Oj, ' , v g, * K, n:*.' i n; ■ *H , nv .. 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