Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 29-30 (8.4.1925)
- Date
- 1925-04-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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- Seite 264 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 20'30 Strömungen wenden. Wenn Hefl Ober den Egoismus der christlichen Erlösungslehre spottet, die das Individuum chacun pour »ol trrctlcn möchte, so wird man ihm wohl erwidern, daß umgekehrt der Ocschlchtssabbath, die Vollendung dtr menschlichen Gesellschaft, noch immer nicht die Sündioslgkclt und Erlösung de« Einzelnen bedeutet Heß* einseitiges soziales Judentum und das „Neuchristentum" einzelner junger Jüdischer Denker von heute weisen beide nach einer höheren Synthese von Individuum und Gesellschaft, die zu finden Aufgabe der erneuten judischen Oemelnschilt •ein wird. Aus Moses Heß Schriften Eilige Zitate ans „Rom and Jerusalem", erschienen 1862 Spinoia faßt noch das Judentum als Nationalität auf und meint (vergl. den Schluß des drittes Kapitels seines theologischen Traktates), die Wiederherstellung des jüdischen Reiches hänge lediglich von dem Mute des jüdischen Volkes ab. — Selbst der sonst rationalistische Mendelssohn weiß noch nichts von einem kosmopolitischen Judentum. — Erst in neuester Zelt hat man aus ganz äußcrlkhen EmanripationsrQcksIchten die jüdische Nationalitat verleugnen zu müssen geglaubt und dabei so sehr allen Wahrheitssinn ein* gebüßt. daO man sich noch einbilden konnte, den Fort* bestand des Judentums durch diese Verleugnung seines innersten Wesens nicht im geringsten zu gefährden, ja, liebe Freundin, was auch unsere germanisch-chrlstelnden, Reformatoren dagegen vorbringen möjen: die jüdische Reil» glon ist vor allen Dingen Jüdischer Patriotismus. * So lange der Jude seine Nationalität verleugnen wird, well er eben nicht die Selbstverleugnung hat, seine Solld.irll.lt mit einem unglücklichen verfolgten und verhöhnten Volke einzugestehen, muß seine falsche Stellung mit Jedem Tage unerträglicher werden. — Wozu die Täuschung? — Die europäischen Völker haben die Existenz der Juden In ihrer Milte niemals anders denn als eine Anomalie betrachtet. Wir werden stets Fremde unter Nationen bleiben, die u-ts wähl jus Humanität und Rechtsgefühl emanzipieren, aber nie und nimmer achten werden, solange wir das Ubi bene Ihi p.itrli mit Hintansetzung unserer eigenen großen nationalen Kr- Innerungcn als Orund- und Otaubenssatz voranstellen. — Mag Immerhin in den zivilisierten Lindern der religiöse Fanatismus unsere aufgeklärten Stammesgenojsen nicht mehr mit seinem Masse verfolgen. Trotz aller Aufklärung und Emanzipation wird doch der Jude im Exil, der seine Nationalität verleugnet, nicht die Achtung der Nationen gewinnen, in deren Mitte er wohl als Staatsbürger naturalisiert, aber nicht der Solidarität mit seiner Nation enthoben werden kann. — Nleht der alte fromme Jude, der sich eher die Zunge ausreißen ließe, als sie zur Verleugnung seiner Nationalität zu mißbrauchen: der moderne Jude ist der verächtliche, er, der, gleich dem deutsehen Lumpen im Auslande, seine Nationalität verleugnet, well die schwere Hand des Schicksals auf «einer Nation lastet. — Die schönen Phrasen von: Humsiillätli und Aufklärung, womit er so freigebig; um sich wirft, um seinen Verrat, setne Scheu vor der Solidarität mit seinen unglücklichen Stammesgenossen zu bemänteln, werden ihn nicht vor dem strengen Urteile der öffentlichen Meinung schützen. Vergebens setzt er Ihr sein geographisches und philosophisches Alibi entgegen. — Nehmt tausend Marken an, verändert Namen, Religion und Sitte, und schleicht euch Inkognito durch die Welt, damit mau euch den Juden nicht anmerke: Jede Beleidigung des jüdischen Namens trllll doch euch mehr, als den ehrlichen Mann, der seine Solld.vliät mit seiner Familie eingesteht und für ihre Ehre einsteht. Die meisten deutschen Juden schämen sieh noch ihrer Religion und Abstammung, sobald sie mit der europäischen Bildung In Berührung gekommen sind. Die Deutschen haben uns so lange und so gründlich demonstriert, daß unsere Nationalität ein Hindernis für unsere „Innerliche" Emanzipation sei, daß wir am Ende selbst daran glaubten und alles aufboten, uns durch Verleugnung unserer Abstammung des blonden Oermanentums würdig zu zelten. Doch abgesehen von den vortrefflichen Rechenmeistern, die Ihr Judentum für eine Staatsstclle verhandelten, hatten alle unsere Jüdischen Oermanomnnen sich schmählich verrechnet. Es half Mryrrhcer nichts, daß er es stets ängstlich vermied, einen jüdischen Stoff als Oper zu behandeln; er entging darum dem deutschen Judenhaß nicht. Die gute „Augsburger Allgemeine" erwähnt selten seinen Namen, ohne in Paranthcsc beizufügen: Eigentlich Jacob Meyer Lippmann Bcerl Auch dem deutschen Patrioten Börne diente es zu nichts, daß er seinen Familiennamen Daruch umtaufen ließ. Er gesteht es selbst-, „So oft meine Ocgner aru Dörnc scheitern," sagt er Irgendwo In seinen Schrillen, „werfen sie ihren Notanker tViruch aus." — Ich selbst habe es nicht nur bei Gegnern, sondern bei meinen eigenen Gesinnungsgenossen erfahren, daß sie in jedem persönlichen Streite von dieser Hcp-Walfe Gebrauch machten, die In Deutschland selten ihre Wirkung verfehlt. Ich habe mir vorgenommen, ihnen die bequeme Waffe noch bequemer zu machen, indem ich fortan meinen alttcstamentarischcn Namen Moses adoptieren werde und bedauere nur, daß ich nicht Itzlg heiße. Mit Recht hatte man sich lange dagegen gesträubt, die mündliche Fortbildung des Gesetzes niederzuschreiben. Hätte man das Oesetz nur in den Schulen fortentwickelt, so wäre das Judentum nie der Gefahr ausgesetzt gewesen, sein natlonal-leglslatorlschcs Genie zu verlleren. Aber man mußte die mündliche Lehre niederschreiben, um der noch größeren Oefahr einer gänzlichen Vergessenheit derselben In der Zerstreuung vomdieugcn. Heute ist die« Gefahr nicht mehr vorhanden. Der anderen aber entgehen wir nur, wenn wir gegen den erstarrenden Formalismus den Oclst der Kritik, gegen den auflösenden Rationalismus den heiligen, patriotischen Geist, der unsere Gesetzgeber, Propheten und Schriftgelehrten stets beseelte, wieder in uns erwecken. Wir müssen uns wieder mit unserer von selten des Rationalismus so vernachlässigten Volksgcschlchte beschäftigen und In unserer Jugend jenen Geist wieder erwecken, der die Urquelle Ist, aus welcher sowohl unsere Qcsctzktindlgen wie unsere Propheten ihre Weisheit und Inspiration geschöpft haben. Schöpfen auch wir wieder aus dieser Urquelle des Judentums, so werden unsere Weisen auch wieder die Autorität Im jüdischen Volke gewinnen, deren sie mit Recht verlustig gingen, von dem Augenblicke an, wo sld alcli diin Geiste des Judentums entfremdeten und aus ganz anderen als patriotischen Gründen das jüdische Oesetz reformieren wollten. Wir werden dann wieder des heiligen Geistes teilhaftig, der die Macht hat, das jüdische Gesetz fortzubilden und nach dem Bedürfnis des jüdischen Volkes umzugestalten. Komme dann das Ende des dritten Exils, so wird uns die Restauration des jüdischen Staates in der rechten Welse vorbereitet finden. Vom aufgeklärten Gesichtspunkte aus sehe Ich für den Fortbcstand des Judentums, so wenig wie des Christentums, einen irgend nur haltbaren Grund. Der Jude, der nicht an die nationale Wiedergeburt seines Volkes glaubt, kann nur noch, gleich dem aufgeklärten Christin, an der Auflösung seiner Religion arbeiten. Ich begreife, daß man diese Ansicht, liegen kann. Was Ich weniger, begreife, Ist die Zumutung,' daß man, zugleich . für die Aufklärung . und den „Beruf des Judentums In der Zerstreuung", d. h. zugleich für seine Auflösung und für seinen Fortbestand schwärmen soll. * Nicht nur Juden der verschiedensten Länder und Bildungsstufen, auch die verschiedenen christlichen Konfessionen und Kulturvölker vereinigen sieh In dem Wunsche, unserem Volke wieder zu seinem nationalen Erbteile zu verhelfen; und was das merkwürdig itc dabei IM, sie alle stimmen auch fast wörtlich In den Mitteln übercin, die sie zu diesem Zwecke in Vorschlag bringen. — bedürfte es für mich noch einer Bestätigung der Infolge langjähriger Studien und Lebenserfahrungen in mir gercilten Uebcr/cugungen, Ich würde sie heute in der übereinstimmenden Meinung to vieler M nsehen und Völker finden, die, ohne sich gegenseitig zu kennen, und von den verschiedensten Gesichtspunkten ausgehend, zu denselben Resultaten gelangen. Schon sehe Ich die Gesellschaft, welche ein frommer Jüdischer Patriot kaum In Vorschlag gebracht hat, ins Leben treten, und den Anbau dn heiligen Landes durch Jüdische Arbeiter in Angriff nehmen unter dem Schutze der westlichen Kulturvölker. Hat %2 ' einmal der Wohlstand unter dem Schutze de» Gesetzes ti'n.| i auf der Grundlage der Arbeit gehoben, so werden im Lande der Väter so gut, wie in Deutschland und den übrben europäischen Ländern, Jüdische Hochschulen unter der t ej. tung tüchtiger Oclehrten entstehen, deren Oclitesbld-.mg rieht I mehr mit dem aJtjüdischen Nationalkultus In Konllikt iu geraten braucht * Moses Deß lebfoslanl Moses Heß wurde am 21. Januar 1812 In Bonn gehnren er stammte mütterlicherseits von ostjüdischen Gelehrten t\ und erhielt seine Erziehung Im wesentlichen durch seines noch In der alten jüdischen Tradition lebenden OroQv»tef der seine ganze Lcoensrlchtung entscheidend nach der ja! dischen Seite beeinflußte. Er studierte an der Univcnim Bonn, Insbesondere die Philosophie Spinozas und \k»t\$ führte dann ein unruhiges Wanderleben und gab im Jihrt 1837 sein erstes wissenschaftliches Werk ,(t)lc 1 tcili^e Geschichte der Menschheit" heraus. Indem er sich den Gedanke« des Kommunismus näherte. 1811 veröffentlichte er dann „DU europäische Triarchlc", eine Philosophie der Politik, deren praktisches Ziel „Die vereinigten Staaten von Europa" waren. Zusammen mit Karl Marx, Bruno Bauer und Max Stfr. ncr gründete Heß In diesem fahre die llnksradikalc „Rh einfsclie Zeltung", bei der er Redakteur und spät« Korrespondent In Paris war. Er vertritt iu dieser Zeitung in großen thenrclisehen Aufsätzen einen ethischen Sozialismus Um die Mitte des Jahrhunderts beschäftigte er sich viel mit nntursvlsscnschaftllchen Fragen und fand auf dem Wetjt über die Erkenntnis der Nationalität den Weg zum <u-Icntum zurück. Die Frucht dieser Studien ist sein im Jahre 1862 erschienenes berühmtes Werk „Rom und Jerusalem", das. In der Form von „Briefen an eine Freundin", bereits ein« völlige theoretische Grundlage für den Jüdischen Nulmi.illi. mus und Zionismus gibt, In der Forderung der Errichtung eines Jüdischen Staates In Palästina gipfelt. Das Erscheinen dieses Werkes bringt ihn In Verbindung mit ehowewe-zionisti. sehen Kreisen, insbesondere mit Hirsch Kalisehcr, drin er dir Gründung einer großen Jüdischen Gesellschaft zur Besiedlung Palästinas vorschlägt. Der Eindruck seines Werkes Ist ia übrigen sehr gering gewesen. Die jüdischen Zeitun-jen lehnten es sehr heftig ab, ebenso die Fü'irer des jüdischen Liberalismus in Deutschland, Ludwig Philipsoha und Ahraham Gcirer, der Heß „einen alten RomantlW mit neuen reaktionären Gedanken" nannte. Hefl beschäftigte sich bald wieder amschließlich mit der sozialistischen Gedankenwelt, nahm in dem Kampfe zwischen Marx und Lassalle für den letzteren Partei und arbeitete in dem von diesem gegründeten „All. gemeinen deutschen Arbeiterverein". t8'>3 kehrte er nach Paris zurück, wo'er auch gestorben Ist Seine Leiche wurde auf dem jüdischen Friedhof in Köln-Deutz beigesetzt * Eine ausgezeichnete Biographie des Moses Meß hsl Th. Zlocisti im Weit vertag, Berlin, erscheinen lassen In demselben Verlag erschienen auch die „Sozialistischen Schriften". „Rom und Jerusalem" Hegt In verschiedenen Ausgaben vor, u. a. In einer kleinen Bücherei des Verlags Löwlt, Wien. Vorschlag..etqer indische» Aksdemlc der. Wlssrnsc'ia'l'u.. In der „Wiener Morgenzeitung" veröffentlich! Dr, Max Rosenden folgenden Vorschlag einer Jüdischen Akademie der Wissenschaft: 1- Sitz ist Jerusalem. Zweigstellen in New York, Berlin, Wien und Warschau. 2. Alimentation erfolgt durch die großen jüdischen Kor- Roratloncn und Stiftungen, evtl. Gründung eines speziellen ulliirfomls. 3. Ordentliche Mitglieder: nur luden. Außerordentliche: nur Juden. Korrespondierende Mitglieder: auch Ancjrhörlge anderer Nationen. Ehrenmitglieder: auch An gihörige anderer Nationen, t. Ziele und Aufgaben: Unter Stützung und Förderung der Wisscrrchaft und ihrer jüdischer: Vertreter. Schaffung eines gchtl-je:i Zentrums der Judcntieit. Eine besondere Aufgabe muß es bilden, daß die jüdische Akademie der Wissensehaften dort suppliercnd elngrcilt, wo Jüdische Wissenschaftler wegen ihrer Zugehörigkeit ru-*i ludentum n'c'it die entsprechende Würd'gu-ig finden. 5. AI jllrlichr Prämiirrung der besten Jüdischen Arbelten auf allen wissenschaftlichen Oehleten. Ausrüstung von whseiisehaltlMic» Expeditionen, Gründung von jüdischen Institute.! zur wissen schafllichen Forschung In Palästina und Im Oaluth usw. Angekommenen zu bestaunen. Dieser wünschte zunächst „Out jonteff" und sagte: „Ich bin unterwegs gewesen, nun hat mich der Abend überrascht und Ich kann nicht weiter. Ich bin ein Jude und bitte Sie, nehmen Sic mich als Peßachgast aul, denn Ich möchte nach langen Jahren einmal an einem Sederabend teilnehmen". Bereitwillig wurde ein Stuhl an den Tisch geschoben, der Fremde wusch sich vorschriftsmäßig die Hinde, setzte slcli bescheiden auf seinen Platz und die Sederzcrcinonlc nahm Ihren Fortgang. Wir Kinder blickten mit größerein Interesse auf den unerwarteten Gast als in unsere Hagadduhs und nur mühsam konnten wir unsere Neugierde verbergen. Doch duldete das „Abrichten des Seder" ahsolqt nleht, daß man den Fremden mit Fragen bestürmte. Seine Angahe, daß er Jude sei und am Seder teilnehmen w\>lle, waren genügende Legitimation für seine Anwesenheit In unserer Mitte. Die Befriedigung der Neugierde mußte für die Zelt nach dem Seder verschoben werden. Die Anwesenheit des Oastes Ucß uns Kinder an die alljährliche OewohnhcU vergessen, den Alikojmen zu stehlen und ihn nur gegen ein entsprechendes Lösegeld dem Vater zurückzugeben. Nach alter Welse waren die vier Becher Beleert, die traditionelle Suppe mit den Mazzesknödcln, du Fleisch und der „Zurnus" gegessen, dank der Anwesenheit von drei Erwachsenen, meines Vaters, Reb Jtzlgs und des hereingeschneiten Oastes „Mcsumcn" gebensebt vm sich dann uem trällernden Absingen der vorgeschriebenen Lieder hin- "'Rrben. Als such das „Chadgadja" absolviert war, Um o e zwanglose Unterhaltung an die Reihe, die steh bis sjV.1t In «I« Nacht hlnw>g, nach dem Beispiele |n:r c lVnten Rjbßlnen, die in Bene Brak bis zur Zeit des Morgengebetes In sJcsprächcn Ober das Wunder des Auszuges aus Aegypten verharrten. Bei uns sprach man nach dem Seder nicht nur von den Wundern In Mizrajlm. Das Wort führte unser Oasl, o«r uns seine merkwürdigen Lebcnsschlcksal« .schilderte. „Ich stimme", sagte der Fremde, „am dieser Qegend, woher mein Vater vor vierzig Jahren auswanderte. Meine verwandten, jedoch sind hier geblieben. In der großen bin Ich dem .Judentum entfremdet gewesen. Mein tl l'.Sl*?* ,n nieloero zehnten Lebensjahr': in Newyork. 'cn blieb allein und trieb mich in den Straßen Newvwks «nun. NscheJijaoder war ich Obstverklufer, ZeltungshJjidJcr, Schiffsjunge, bis ich schließlich in einen Zirkus kam, wo Ich von dem Zauberkünstler in seiner Kunst unterwiesen wurde. So bin ich denn ein Schwarzkünstler geworden unJ zog durch die ganze Welt. Vor zwei Jahren bin Ich mit meiner Truppe wh-der in mein Ocbtirtsland gekommen und, obwohl ich den Jüdischen Bräuchen völlig entfremdet war, erwachte in mir die Sehnsucht nach meinem Heimatsliidtclien und ich beschloß, hierher ni kommen, um meine Verwandten zu besuchen und In ihrer Mitte die Pcüachfclcrtage zu verbringen. Das Bauern- Wägelchen, das Ich mir an der Bahnstation gemietet halte, blieb jedoch Im Moraste stecken und Ich beschloß, zu Fuß nach Probuschna zu wandern, um rechtzeitig zum Sederabend zu kommen, ich hatte aber nicht mit dein Morast gerechnet und so verspätete Ich mich und wie ich durch die Scheiben Ihres Hauses Kerzenschimntcr erblickte, dachte ich mir: Da müssen Juden wohnen und ich klopfte bei Ihnen in," Zum Beweise, daß er Zauberkünstler war, zog er lächelnd aus dem Kittel meines Vaters einige Gabeln hervor, die auf unerk'Srllchcrwelse dorthin gelangt waren. Dann trieb er das Salzfaß durch die Tischplatte hindurch, um es lächelnd unter dem Tisch hervorzuholen. Mit großen Augen starrten wir diese Wunder an und vom unfiewohnten Wein und von den seltsamen Zauberkünsten aufs höchste erregt, konnten wir dann lange Zelt nicht einschlafen und verbrachten eine unruhige, traumschwere Nacht. x Der Zauberkünstler blieb volleacht Tage In unserem Hause. Zwar wollte er am ersten Tage des Cinlhamcod seine Reise fortsetzen, aber er gab unserm Drängen nach und blieb. Während der ganzen Zelt seiner Anwesenheit beschäftigte er sich hauptsächlich mit uns Kindern. Er lehrte uns eine ganze Menge Künste. Er spielte mit uns das übliche Pcßach-Klndcrsplcli NÜsscrollen. Dnbel traf er die Kunst, die Nüsse auf dem schief angelehnten Brett nnch aufwärts rollen zu lassen. Außerdem erzählte er uns, iller schönsten Ocschlchtcri aus aller Welt Eines Abends veranstaltete er für alle Jüdischen Dorfiusasscn einen Zauberabend, Er zog verschiedenfarbige Bänder aus seinem Munde, spuckte buntgefärbte Eier, ließ Flammen aus seiner Nase schießen, aß mit lächelnder Miene brennende Wattebausche und ließ sich dann von einem beherzten Jungen, dem Sohne Sehsbses,' des Schaffers, in den Mund schießen und spuckte dann lächelnd eine große Bleikugel aus. Der Zauberkünstler, ei nannto sich Frcgolinl, wurde aller Liebling und mit Wehmul sihcn wir den Tag herankommen, an dem er von uns Abschied nehmen sollte. Pcßach war zu Ende, Wir aßen wieder CboTiez. Am nächsten Tage früh sollte Fregollnl verreisen. Man ging zur Ruhe, nachdem wir Kinder schon von unseren Freun l{ Abschied genommen halten. Als wir am nächsten Mvgen erwachten, war Im Hause große Aufregung: FrcgMlnl wat In der Nacht verschwunden und hatte alte Wertgegenstände aus dem Hause mitgenommen. Die Wut und die Empörung meiner Eltern war grenzenlos. Sofort wurden PIcrdc angcr-pannt, um nach Probuschna zu reisen, und den undtnkharen Schwarzkünstler, der seinen Oastgebern a's Danl für die genossene Freundschaft so herzlos mitgcsp'c t hatte, zu erwischen. Die Expedition nach Probuschna hatt»» keinen Erfolg. Spät abends kehrte der Vater unverrL-htetCf üln^i he|m. Monatelang bildete das Erlebnis mit dem SchwarzkönslJcr Frego'lni das Dorfg'sirärh, aber trotz se'n:rrch«ir.en Tat mengten sich In die Erinnerung an ihn immer heilere Farben und nach wenigen Monaten hatte man voüsUndg vergessen, daß Fregollni ein Lump und Dieb war und man entsann lieh nur dessen, was für wundervolle Kün-.te er gezeigt und was für schöne Geschichten er erzä'ilt hatte. Ich bewahrte Ihm ein bewunderndes Andenken unJ Ich gestehe, daß noch viele Jahre nach diesem PcDiclicrcijjn!* mein heimlicher. Wunsch darin gipfelte, auch einmal ein Schwarzkünstler zu werden. Die Universitätsbibliothek Jerusalem ließ soeben ein Verzeichnis der bei ihr regelmäßig einlaufenden Zeitungen und Zeitschriften erscheinen. Die Ulh iothek erhält danach stämlii; liingcsnmt 524 Zeitungen und Zeitschriften. Hiervon sind 2H Jüdische Zeitschriften (67 In hebräischer, d1) In Jiddischer und 2 Iii spanlollschcr Sprache). 17 sind Zeitungen in arabische! Sprache; die übrigen 253 verteilen sich auf fast sämtlich« europäischen Sprachen und sind in der Hauptsachv wissenschaftlichen Inhalts, (Ziko.) Das Erzlehungs-Departcment der palästinensischen zlc nstlschen Exekutiv« besitzt eine slfiCM Uhrtre|ibljolhr>, die gegen 2J0O Binde zählt <>< n , rr^ 0> fü ,( at 1 1) / i ih ' di!' te-l C \ N,i tt ' Fi h> t