Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 29-30 (8.4.1925)
- Date
- 1925-04-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 262 JüEDtSCHE KUNDSCH'AÜ Nr. 20/30 swdann die OrOndc, die für die Schaffung der Universität angeführt werden. Da» Bedürfnis nach der Fortbildung der palästinensischen Jugend, »wie die Forderung, einer Zu« fluchlsstättc für die durch den numerus clausus ausgeschlossenen Studenten Osteuropas hält er für relativ belanglose Gründe Im Vergleich zu der dritten Forderung, die von de» Schöpfern der Universität ausgesprochen wird und da« Interesse der nichtjfldlschcn Welt verdient. Dies Ist die Schaffung chic» geistigen Zentrums, da» jüdischen Odst und hebräische Ideale auf die Juden der ganzen Welt ausströmt. Dies Ist zwar alles «»och etwas vage, aber eine wohlgesinnte Phantasie, die der Vcrgaiigenlieit eingedenk Ist, wird nicht die Wahrscheinlichkeit abweisen, daß die Fälligkeit, die die Juden auf so viel nlchtjudtschcn Gebieten (Einstein) erwiesen haben, and» auf dem Qeblcte der'jüdischen Tradition neue geistige Werte von unberechenbarer Bedeutung erzeugen können. Dies allerdings ist eine Viaion der Hebräischen Universität, gesehen durch die rosigste Brille. Heute Int Jerusalem noch nicht imstande, die bedeutendsten jüdischen Lehrer und Schüler an/u»lehcn. Zum Schluß erwähnt der Korrcspoiidct nach die Schwierigkeiten, die sich bei der Errichtung des judautischen Institutes und der Frage der nibetwlsicnschnft ergeben haben. * In »einem Berichte über die Eröffnungsfeier in Jerusalem hebt der Korrcsportdct der „Times" am 2. April hervor, daß die Hebräische Universität zwar heute unscheinbar ist, aber In Anbetracht der großen Schwierigkeiten der vergangenen lünf Jahre war es sicher klüger, mit einem bescheidenen Anfang zu beginnen: „trotzdem erhalt die Universität von ihren iiiteren Schwestern im Westen eine Begrüßung, wie sich wenig andere Ähnliche aber weniger bescheidene Institutionen Ihrer bisher rühmen konnten." FnlhUIlnifi der Baltonr-BOite Jerusalem. (J. T. A.) Iii neu Teil dar Eröffnung*- Zeremonien am 1. April bildete die feierliche Enthüllung «Incr Drontcbustc Lord Baltours im Gebäude der Universität. Die Düste, eine Schöpfung des berühmten jüdischen Bildhauers Prof. Henry Ullccilstein, war im vorigen Jahre in der Königlichen Akademie ausgestellt und fand große Bewunderung bei allen Kennern. Der Präsident «Irr American Palcsllno Company Mr. S. C. Lamport, der die Urown-Unlvcrsilat zu Providcncc In den Vereinigten Staaten bei der Universitätsfeier vertritt, spendete 3000 $ zugunsten der Universität dafür, daß er den Akt der Enthüllung der Bslfour-Büstc vollziehen durfte, i * Jerusalem. (J.T.A..) Lord Dalfour sandte an Boron Edmond de Rothschild ein Begrüßungstclcgramm, In welchem er Ihm seine Eindrücke beim Besuch Riscbon-lc Zions und der anderen jüdischen Kolonien schildert und «eine Freude über das Geschehene ausdrückt. Zum Schluß heißt es: „Ich bin glücklich, feststellen zu können, daß Ihr Lebens werk, die Förderung der jüdischen Kolonisation In Palistina, Früchte tragt." Jerusalem. (J. T. A.) Lord Dalfour empfing am 31. März die Abtreter der Presse und sprach sich über die Lage in Palästina .-aus. Er sajte u.a.: - .'Wa<''Ich-Wahren« /mbllics Aufenthaltes Iii'Palästina geschert liabc, hat riil.ii sehr befriedigt. Der Portschritt überall, die Arbeitsfreude und der Enthusiasmus aller Tolle der Devölkerung machten auf mich einen tiefen Eindruck. Der 1. April deutet den Beginn großer Dinge an. Die hebräische Universität tragt In sich die Möglichkeiten aller Erfolge. Natürlich Ist dl« Universität im Anfang noch nicht ganz fertig, »ie wird sich aber bald entwickeln. Im allgemeinen hat die Lage und die Schnelligkeit der Entwicklung alle meine Erwartungen übertroffen, besonders angesichts der Talsache, daß Palästina Kriegsschauplatz war und allerlei Verwüstungen erdulden mußte. Ich merkt günstige Zeichen einer Zusammenarbeit zwischen Ju. den und Arabern In Palästina. Mit Bezug auf die Heiligen Stötton äußerte sich lord Balfour dahin, daß Großbritannien glücklicherweise In dieser Frage vollkommen unparteiisch sein kann. Groß, brltannlcn wünscht einzig und allein, allen christlichen Bekenntnissen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Ucbcr die Frage der Pal fiallnacln wander im ff und der Jetzt. gellenden. Bcscltränkungsiuaßnahmcn für neue Einwanderer lliißcrtc sich Lord Balfour, er glaube, daß die Llnwanderungsbcschriiiikiing In Palästina konform der Politik der zionistischen Führer ist, Eine unbeschrankte Einwanderung In das Land würde Wahnsinn sein, Insbesondere da zu erwarten wäre, daß die Einwnudcrunßsßcwcgung nicht allein die Juden ergreifen würde. Lord Baltour schloß: Ich glaube,'daß -das zionistische Experiment der Realisierung Jetzt näher ist,denn je. »<• Jelc."u (|"T-A) Her Eröffnung der Hebräischen Universität wohnte auch der Rektor der arabischen Universität zu Calro, Lutfalloh Sajd, bei. Er vcrirat sowohl die ägyptische Regierung als auch die UnivcMltat zu Cairo. Die palästinensisch-arabische Exekutive yiie an König Fuad von Aegypten und an den ägyptischen Premier Slwar Pascha ein Tclcglramm mit dem Ersuchen P««nd», keinen Vertreter zur JerusalcMer Unlversit.itsfclcr P„,cn«*f"dcn, da die Araber in Palästina die Universität }ÜuÄ,,l?.rcn' „Kü,.,iß ruad ",nd >einc Kcglcrung ignorierten Jedoch diese Forderung. .1,»ii.et<f*ali<:,"l-1,<J-T,A'> ,Dic »fischt Regierung!Ä£,n? M llcll"n<r «n die Presse, daß Lord Balfou?, von Palästina kommend, demnächst Syrien besuchen wird, rwJ<cficr,,'nfi ««"«weist die Presse, sich jeder Kritik der LtS!" J-?rd lalf?!,r«. 0,s «'«es hervorragenden Qastcs einer befreundeten Macht, zu enthalten. imJ eJS /J-T.A.) Urd Balfour, Sir Herbert San »Lund t,L)fi Wcr«ii»nn wohnten der F.rstauffftliriino; des Kl'ilelfa<i'.r«,lw iefM»a!cinfr „Zion-Thcatcr" bei. .ron!2mB,?,^ck,°^ Mu 9,ncsln vorbereitete Auffüliruiig hatte fun. i^l0'^ d,c bcrf,,,,"tc11 Oaslc drückten Ihre Bcwundc- Ueh I.Srf hic if'Jn'F" dcf.^«'"»-Bühnen aus. (Bekannt- SUISt™ WT1!«^ Dramas-„Belsazar44 durch die •litt! A Vl pf) 1 "e*lfl vof tlnm Jahr '"»«rlln 25ÖÖÖ0 Dollar lür die (Jalverillil ' Yo'l«. (J.T.A.) Mr. So!. S. Ro.scobloom, «' Schatzmeister der Palestlue Development Council (Brandeil' vaISF" ''" ,BB'e»«hMcr Kaufmann aus Pitlsburg, sandta dem »^L.CCLdor Me«rliKhen Universität in Jerusalem die telepphlsche Miltcllung, daß er zwecks Ausgestaltung der Hc Milchen Universität die Summe von 250000 Dollar «»■Witt hat. Die „Frankfurter Zcitunn" und der . jüdische Klcrikalismus Die „Frankfurter Zeitung" liat die Eröffnung der Universität zum Anlaß genommen, um einen Aufsatz von ungewöhnlicher Liinßc Ober „Zionismus" zu veröffentlichen. Er steht Im ersten Morgcnblatt des 2. April. Der Verfasser erwähnt In der Einleitung die zivilisatorischen Leistungen des Zionismus er hat vor kurzem tu Frankfurt den neuen Pnläsllna-lilni gesehen, der nicht ohne Eindruck blieb. Er erhielt jedoch noch andere Informationell, die einen noch stärkeren Eindruck machten, so daß sich Ihm Patiistina In den Schauplatz eines „spannenden Dramas", des Kampfes zweier geistiger Richtungen verwandelte, und unter diesem Aspekt beurteilt er nun den Zionismus. Die Informationen, die er von Dr. Isaak Breuer, dem Frankfurter Himer der Agudns Isrocl, und aus dessen neuer Broschüre „Das jüdische Nntionnlluini" (Frankfurt, Verlar; Kaufmann) empfing, belehrten ihn darüber, daß es sich hier nicht nur um den „Zwist zweier palästinensischer Richtungen", sondern um „viel mehr" liandclt. Wenn dem so w.'ire, wenn der Widerstand der au* ihrer Ruhe aufgestörten kleinen Omppc fanatischer Orthodoxie gegen das Eindringen moderner Ideen und Methoden wirklich so bedeutungsvoll w.trc, daß die „Frankfurter Zeitung'4 sich zur Parteinahme gedrüngt sieht, dann, sollte man doch meinen, würde die liberale Frankfurter natürlich auf Seite der Moderne, der Aufklärung, des „Fortschrittes" und gegen den Klcrikallstmis stehen. Aber weit gefehlt. „Wer sieh mit dem palästinensischen Problem ein Wenig beschäftigt bat, der weiß schon, daß ein großer Teil der Zlonistcn, Insbesondere der Siedler, ein sehr lockere« Verhältnis zur jüdischen Religion oder gar keines mehr haben, Man war früher geneigt, darüber zu staunen, denn mau braucht wirklich kein orthodoxer und überhaupt., kein Judo zu bcIii, um «Ich zu fragen, welchen Sinti denn eigentlich . die ganze Zionsarbcit haben soll, wenn es sich um ein jüdisches Ocmcimvescn handelt, dessen Mitglieder Immer mehr von Ihrer Tradition, die doch hauptsächlich Im Jüdischen Glauben Hegt, abkommen." Daß gerade von dieser Seite man sich keinen andern „Sinn der Zinnsarbeil" vorstellen kann, als Rückkehr zu einer erstarrten Tradition, Ist wirklich bemerkenswert. Seihst wenn man gar nicht» von den geistigen Untcrströmuiigcn de» Zionismus weiß, müßte man doch, sofern man nicht völlig unkritisch parteiische Dclcuchluug übernimmt, auf den Gedanken kommen, daß ein zwar ou die Tradition anknüpfendes, aber sie schfipfcrifclP und lebendig fortbildendes geistiges Leben auch einen gewissen Sinn ergeben könnte. Der Artikel Jährt fort: „Es Ist freilich bald klar geworden, daß die Zeit- Strömungen der Rassenideologie und des darauf gegründeten Nationalismus gerade auch diese, zumeist jüngeren Juden, ergriffen haben, und zwar mit einer Aussclilieilllchkclt, die aus besonderen Verhältnissen heraus erwachsen Ist. Diese Leute sehen in der ..Oclsligkcit" die Ursache, die das Judentum Ins Elend gebracht nahe, um! sind daher gewillt, sie so gründlich abzuiichwörcn, daß sie sich mit Leib und Seele dem Hoden Palästinas, der physischen Erde, verschreiben. So werde rJn. Geschlecht erstehen, das gesund, trotzig und erdennah, ist, aber eben deshalb auch hininielangewandt. Dir» letzte Ist gotiäti da» Grgontcll der Ideale des altgl.luhlgeu Judentums. Nun könnte man sieh Ja denken, daß In Palästina verschiedene Gruppen nebeneinander bestünden, die man nach Ihrer I'acon selig werden ließe. Aber grrado daa wollen die Zloumteti nicht, und hier beginnt eine Tragödie4' Gibt es In den Kreisen der „Prk't. Zti;." kein Vcrständnlg für dla Größs c'l:scr Revolu Ion, (licet elcmrnlar hervorbrechenden Triebes nac!t Boden und Arbeit, bot einem Volk», das als arbeitsscheu und parasitär verschrien ist? Kein Verständnis dafür, daß die Hcfrciting aus der unerträglichen parasitären Sl'uation des jüdischen Volkes das oberste Postulat einer Jugend Ist, dio es einfach moralisch nicht mehr fertig bring», so zu leben* und zu wirtschaften wie die Traditionen des OhclUi es crfordrru und wln es dio hier Idealisierten palästinensischen Orthodoxen noch heule tun? Für diese Jugend kann es auch Frömmigkeit und Religion nur dann gtheu, wenn dns ganze Leben eine gewisse Harmonie wiedergewonnen, im* seiner Verkuppelung sich aufgerichtet hat, Diese Jugend venihscheut die alte Art rröininlfjkeit, deren soziales Korrelat Niehl-Arbeit und Alnicrscnciiipfaiifr Ist, Mag sein, daß nie In ihrem Widerstand gegen die Schichten, die heule die Orthodoxie repräsentieren, oft zu weit geht und auch Regen die Religion scllnt respektlos Ijit, ober dies sind Auswüchse, die nicht das Wesen dieses Kampfes berühren. Mit arbeitenden frommen Juden wäre ein Einvernehmen bald herzustellen, und der Einfluß der Religiösen könnte dann groß sein. Her Artikel der „l'rkfl. Ztg." wlderliolt sodann die Klngcn, die Zlonistcn hätten eine „Moiinpolulclliiiis" In PalHsilna verlaugt und a'te riinßgcheiidci Stellen seien In Ihren Händen. Um Clotteswlllcn. ist denn das verwunderlich? Schon das Wort „Zionismus" br/clchnct doch die Bewegung, die nach Zlon zielt; die Zlonistcn w.ifcn die Einzigen, die nach Palästina strebten, fcle haben alle Lnateil getragen, alle Opfer gebracht, natürlich Rind sie dort und besetzen illo Stellen — es kann doch nicht jemand die Stellen haben, der nicht dort sllzt! Die „Monopolstellung" der Zlouislcii Ist clhe. durchaus unfreiwillige. Sie haben bei jedem An. laß Immer von neuem an das Volk appelliert, nm Aufbau des Landes teilzunehmen! nie haben stillst von England die Einfügung eines Sot/c» In Art. 4 des Maiwlntes verlangt, worin gesagt wird, dio ZIoiiIsIIhcIio Organisation aollo die Mitarbeit der nndern Juden, dio für Palästina Interesse liftbcn, sichern | die Zionistische Organisation bemüht «Ich, dio Jcwltih .Agcncy als parllällschc Körperschaft, in welcher die Nichtzlonlsleu 5Ö«/6 der Sitze haben Bollen,-umzubilden — obwohl doch nach dem Wesen der Sache „Niclilzloulstcn" ein viel geringeres Interesse au Zlon Ittibcn als Zlonistcn; aber angestellt* dlesor Tatsachen von einer beanspruchten Mo- Uoprilatolliing der Zlonistcn zu üprcchcn, Ist die Uiukchhiug der Wahrheit. Mit der Broschüre Breuers werden wir um noch auseinanderzusetzen haben. Die Analyse, dio er in den eraten Kdpileln gibt, ist zum Teil auch nach unserer Auffaasiing richtig und jedenfalls ganz bemerkenswert. Der ZWelto Teil Ist cm fast hysterisch anmutende» öereter über die „Entrechtung" der Ortlwdoxen durch dio Ziohisten und die engtische Regierung. Die Hauptrolle spielt dabei der Entwurf des Oemeindcgrsclics, zu dessen Uckäinpfuiuj er dio „Juden des Erdenrundes" aufruft. Der OegciuUnd Ist kaum dem aufgewandten Pathos adäquat. Daß die Verfasser <]r, Entwurfes der Ocmclndeordnung von ganz anderen Ocdankm ausgingen als von der Absicht, die Orthodoxie zu vergcwal. tlgen, Ist ohne weiteres klar. Es handelt sich nicht um eine religiöse, sondern um eine nationale Organisation, die Orthodoxie hat bisher auch dieser widerstrebt. D„ religiöse Moment ist mehr aus technisch-administrativen Oründcn hineingekommen, well auch Palästina bisher a|, Körperschaften öffentlichen Rechtes keine Nationen, »nndern nur UclIgUMisgesellsehnflen kennt. I>cr Ocduuko einer rtli. glösen Vergewaltigung Hegt der überwältigenden Mehrheit der Zlonistcn vollständig fern. ( Allerdings: Sic wollen sich auch nicht vergewaltigen lassen. Die Politik der Agudah bestand bisher darin, «K Bedingung der Zusammenarbeit nicht nur die Beachtung aller Ocboto des Schulchan Arucli zu fordern, sondern auch die Anerkennung, daß der rabblnlsche Rat der Agudah kompetent sei zu entscheiden, was eine religiöse An. gelegen Ii clt Ist und was nicht. Die Annahme dieser Bedingungen würde In der Praxis die Diktatur einiger Rabbiner über das gesamte öffentliche Leben bedeuten. Vielleicht läßt sich auch so etwas verteidigen. Aber dann möge die „Frankfurter Zeitung" doch dasselbe für Deutschland (ordern. Man kann nicht kulturpolitische Anschauungen für andere haben, wenn man nicht selbst die Konsequenzen zu ziehen bereit ist. Diese Konsequenzen hat aber offenbar der Verfasser des Artikels nicht einmal bedacht. Er vertraute auf die einseitigen Informationen Breuers, den er immer wieder a! besonders vertrauenswürdig diesen Punkt kein urteil erlauben, hinstellt; wir wollen um über aber hier geht es nicht mehr um Vcrtraucnswürdie.kcit, hier geht c* um grund- •atzllchc WcllauschauuiiRstragen. Der Verfasser des Artikels schreibt zum Schluß! „Dieser sonderbare |>ala«liucm<l*.clir Nationalismus kann aber auch noch zu dein führen, was llrcuer, gleichkam aus der Zukunft gesehen, folgendermaßen ausdrückt: ,ln ihrer abgöttischen Hingabe an den Hoden" mochte sie (dle*c neue Generation) Unter Umstanden, wenn das Arahcrtuin sie In Ihrer geistigen Schutz.loslgkvlt nicht im Laufe der Jahrzehnte verschluckte, den Grundstock zu einer neuen, einer — palästinensischen Nation abgeben. Vielleicht gt. langte auch In ihr mit primitivsten t»urriihaflru AiiIhicmi eine neue Kultur zur Entstehung. Aber dann war n eben nicht mehr die .jüdische' Nation, war es nicht mehr die .jüdische' Kultur. Daun war das „nationale Heim" der — Untergang de» Jilditehrn' Volke* . . .' M a n kann diene A c u U c r u n g aus dem altgläubigen Kähmen, In den Breuer sie gestellt hat, heran», nehmen, und sie g i 11 d a u n immer noch. Denn es Ist eine ewige Wahrheit, daß der Geist es Ist, der'sich den Körper baut." (Von un< gesperrt. — Red. „J. R.44) „Mau kann diese Acilßcruiig aus dem altgTr.ib^cu R.-ihn.en herausnehmen ..." — weiß der Schreiber, daß er mit diesem Satz sein ganze* vorangehendes Plaldoyer auf den Kopf gestellt hat? Mit diesem Satz hat er Breuer gelötet. Nein, Herr Redakteur; nun kann diese Aeiillcrung eben nicht aus dem altgläubigen Rahmen herausnehmen. Denn eben darum geht es. Mclnon Sie denn wirklich, daß t< unter .den Zlomstcn ^ijcht. auch Mc.usclic'n. gibt, ü'.c ,wU«-.i. daß fi's".l,dc>."Ga'sl' lsf,Mtff' slcll'rjeii Körper: baut'' / Mwn kviiniut doch darauf an, was man unter „Daist" versteht. Dr. Breuer vorsteht darunter etwas ganz Elndcullgci, ganz. Ausschließliches, und das können sie nicht am sich selhu „herausnehmen" — ""»»st rücken sie ebenso weil von Ihm wie die verhaßten. Zionlstcn. Die Menschen, die heute h Palästina das Ideal einer jüdischen Rennissuncc im Herze i tragen, die mit der Wiederbelebung der ticbr.iis:h:u Sprühe und Literatur begonnen haben, die Legionen völlig entfremdeter, völlig; assimilierter Juden zu den Gcistcsstii.it/cn des Judentums zurückgeführt haben, die sich als lebendig Forlsctzcr der vlcrtausciidjahrigcn jüdischon Geschichte empfinden, diese Menschen sollten nicht mehr die „lud sehe ' Nalkm sein, nicht Triigor olncr neuen „jüdischen" Kultur Rfln können, weil sie nicht olle Paragraphen eines im Mittelaller, Im Ghetto zusammengestellten Kodex genau so ver stehen wie Dr. Breuer? Mit den Forderungen, die der Artikel an die Hnivcr<iUi sldlt, stimmen wir fast völlig ülicrein. Tausendfach Ist n gerade In den Ict/U'ii Tagen, wiederholt worden, daß wir sie uns nicht als Abklatsch europäischer Vorbilder »lenken, sondern als neuartiges' Ocbildc, entstehend aus der Berührung der okzidcntfllcn und Orientalen Kultur, anknüpfend, an a'le jüdische Lohrlradilionen, Wir können heule nicht sicen. wie das aussehen wird — niemand kann es sagen. Aber wir hoffen, es wird doch etwas sein, was jüdische Kultur repräsentieren kann, obwohl die „Frankfurter Zeitung" Ihm die» heule absprich». Nun zum Schluß noch ein Wort. Der Artikel der „frankfurter Zeitung'4 ist ein gutes Beispiel für eine Art der Behandlung unserer Fragen, die in der letzten Zeit häulig zu hwbnciitcn war. Es Ut ein Spiel mit romantischen Vor, Stellungen, dort wo man selbst nicht betroffen ist. So Ist es /. B. Mode, daß europäische Besucher Palästinas dl arabische Welt In Ihrer bunten Frcmdarligkcit bewundern und sich darüber ärgern, daß der moderne Aufbau des l .in lfi durch den Zionismus diesen rimlruck stört. Andere wie.l'f haben eine Neigung für die absonderlichen Fi,;urc i des alttnlhodoxcTi Judentums und ergreifen ll'ir die so bclrohtcn Museumsstücke Partei, Das lntcres.se Int aber ein rein iisthctlschcs. Eine itiitulllclbarc Beziehung sucht man nicht, und weder mit den Fellachen In ihren Lehmhütten, noch mit den KnftntiJtidcii Im Beth Hainldrasch möchte man In nähere Berührung treten. Sie sind Museumsstücke, Durum müssen wir betonen: Unsere Beziehung zu beiden „Amtegilffeiicn" Ist chic viel ernstere als dio Ihrer Freunde. Wir wollen mit beiden wirklich leben: wir können unser« Lcbcnsgevwihnhcltcii Ihnen nicht anpassen, es wird daher Mets kulturelle Reibungen verschiedener Art und verschiedenen Grades geben. Aber wir müsseu auf einem Territorium irusninmcu sein, und wir hoffen, daß die menschlichen B«' Ziehungen mit der Zelt Inniger werden. Aber wir danke« Jenen für Ihre Ratschläge, die nur romantische- Objrklc für Ihre Phantasie suchen, wo sie selbst wahrscheinlich nist»* das geringste Opfer der Zivllisalton zu bringen bereit sind. Diu geistig* Auseinandersetzung in Ercz-israel wird sitti Iii Schmerzen' und Lust des. Schöpfertums vollziehen; ah*' wir hoffen — und das heißt Zionismus — daß dks natuftvtft Innige Verbindung von Volk und Land, der Wille zu ein«« von lausend Lügen befrsiten Leben, auch von der Clnade des Oclstcs berührt werden wird, .